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Was passiert, wenn du nach 20 Jahren Ehe deine erste große Liebe wiedersiehst? »Vom Lieben und Lassen« ist ein ebenso lebenskluger wie warmherziger Roman für alle Frauen, die sich manchmal fragen, wie ihr Leben an der Seite ihrer Jugendliebe verlaufen wäre. Ausgerechnet für ihre eigene Ehe weiß die 47-jährige Paartherapeutin Katharina keinen Rat: Trotz ihres erfüllten Lebens mit zwei wunderbaren Töchtern und großem beruflichem Erfolg fühlt sie in der Beziehung mit ihrem Mann Henri eine bedrückende Einsamkeit. Es ist, als würden sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Katharinas Sehnsucht nach der Intensität und Wahrhaftigkeit einer Liebe, wie sie früher einmal ihr ganzes Herz erfüllt hat, wächst von Tag zu Tag. Als sie auf einem Klassentreffen ihrer Jugendliebe Mats wiederbegegnet, scheint es, als sei er die Antwort auf all ihre Fragen. Die wesentlichste aber bleibt: Was zur Hölle soll sie jetzt nur machen? Mit viel Gefühl erzählt Lucia Sperlings Liebes- und Ehe-Roman von dieser ersten großen und magischen Liebe, die damals keine Zukunft hatte. Was wäre, wenn es eine zweite Chance gäbe? Und was wären wir bereit, dafür aufzugeben? Lucia Sperling ist das Pseudonym der Bestseller-Autorin Lucinde Hutzenlaub.
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Seitenzahl: 514
Veröffentlichungsjahr: 2022
Lucia Sperling
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Was passiert, wenn du nach 20 Jahren Ehe deine erste große Liebe wiedersiehst?
Ausgerechnet für ihre eigene Ehe weiß die 47-jährige Paartherapeutin Katharina keinen Rat: Trotz ihres erfüllten Lebens mit zwei wunderbaren Töchtern und großem beruflichem Erfolg fühlt sie in der Beziehung mit ihrem Mann Henri eine bedrückende Einsamkeit. Katharinas Sehnsucht nach der Intensität und Wahrhaftigkeit einer Liebe, wie sie früher einmal ihr ganzes Herz erfüllt hat, wächst von Tag zu Tag. Als sie auf einem Klassentreffen ihrer Jugendliebe Mats wiederbegegnet, scheint es, als sei er die Antwort auf all ihre Fragen. Die wesentliche aber bleibt: Was soll sie jetzt nur machen?
Motto
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
45. Kapitel
46. Kapitel
47. Kapitel
48. Kapitel
Epilog
Danke!
Das Leben ist kurz! Brich die Regeln, vergib schnell, küsse langsam, liebe wahrhaftig, lache unkontrolliert und bereue nichts, was dir ein Lächeln geschenkt hat.
Mark Twain
Katharinas Ingwertee war wie immer kalt, aber daran hatte sie sich längst gewöhnt. Meist brühte sie ihn morgens auf und vergaß ihn dann, sobald der erste Klient klingelte. Wie immer in den kurzen Pausen zwischen ihren Terminen stellte sie sich für einen Moment ans weit geöffnete Fenster, sah auf Herrn van der Feldes Rosengarten hinaus und atmete. Atmen war immer gut.
Dieses kleine Ritual half ihr dabei, sich zu sammeln und mental und manchmal auch emotional abzuschließen.
»Soll ich ihn dir nicht vielleicht doch warm machen?«
Katharina zuckte zusammen, bevor sie sich zu Muriel umdrehte. Sie war gedanklich immer noch so mit ihrem letzten Gespräch beschäftigt gewesen, dass sie ihre Assistentin gar nicht gehört hatte. Wie immer trug Muriel ein Kleid im Fünfzigerjahrestil, das ihren kurvigen Körper perfekt in Szene setzte. Heute war es dunkelblau und hatte einen schmalen weißen Bubikragen. Für ihre Verhältnisse war das mehr als dezent. Katharina musste unwillkürlich lachen, als ihr Blick auf Muriels in offensichtlicher Abscheu verzogenes Gesicht fiel.
»Danke für dein freundliches Angebot, aber nein, danke.«
Katharina hatte mehrfach versucht, Muriel von gesünderen Angewohnheiten zu überzeugen, aber sie trank ausschließlich Kaffee oder Cola light und war diesbezüglich beratungsresistent. Sie waren ein großartiges Team und verstanden sich prächtig, aber sie waren in jeder Hinsicht absolut gegensätzlich. Erkennbar auch daran, dass Muriel ständig auf der Suche nach dem Prinzen in schimmernder Rüstung war, während Katharina wusste, dass es durchaus Sinn ergab, sich für ganz normale Männer zu begeistern, wenn man tatsächlich einen Partner finden wollte. Sie war schließlich nicht nur Paartherapeutin, sondern zudem schon seit mehr als zwanzig Jahren verheiratet.
Muriel streckte Katharina zwei Gläser mit undefinierbarem orangenem Inhalt entgegen. »Das hat Frau Reich für dich vorhin abgegeben. Marillenmarmelade. Eine mit Schuss, eine ohne.« Auf Katharinas fragenden Blick hin ergänzte sie grinsend: »Sind keine Etiketten drauf. Aber sie hat gesagt, wir würden den Unterschied schon merken.«
»Befürchte ich auch.« Katharina runzelte die Stirn. Frau Reich brachte jedes Mal etwas anderes mit, das sie selbst gemacht hatte. Sie hatte mitbekommen, dass Muriel und Katharina einmal in der Woche zusammen frühstückten, um all die Dinge in Ruhe zu besprechen, die in der Praxis anstanden. Das hatte ihnen schon einige kulinarische Abenteuer aus Frau Reichs Küche eingebracht.
»Übrigens, ein Herr Friedrichs hat angerufen. Er hat eine tolle Stimme. Und er spricht Dialekt. Ich glaube, es war Bayrisch. Oder Österreichisch vielleicht?« Muriel seufzte. »Ich liebe Österreichisch.«
Katharina schüttelte amüsiert den Kopf. »Herr Friedrichs hat aber schon wegen eines Termins angerufen und nicht, weil er die Frau seiner Träume am anderen Ende der Leitung vermutet hat?«
»Vermutlich nicht«, antwortete Muriel. »Andererseits: Wer weiß das schon? Und außerdem: Die Wahrscheinlichkeit, den Partner fürs Leben bei der Arbeit kennenzulernen, liegt bei neunzig Prozent!« Sie legte herausfordernd den Kopf schräg. »Hab ich neulich beim Friseur gelesen.«
»Und dann muss es stimmen?« Katharina lachte, als Muriel die Augen verdrehte. »Schon gut, schon gut. Es ist ja nicht ganz falsch. Aber vielleicht stimmt es eher für Menschen, die nicht unbedingt in einer Psychotherapie-Praxis arbeiten, die sich auf Paarberatungen spezialisiert hat.«
»Das sagst du!« Muriel grinste ebenfalls. »Aber hundertprozentig weiß man nie, was das Schicksal für einen bereithält.«
»Da hast du allerdings auch wieder recht. Also, wann kommt Herr Friedrichs denn?«, fragte Katharina und öffnete ihren Online-Terminkalender, um ihren neuen Klienten einzutragen.
Selbst wenn Muriel sich gerne romantischen Fantasien hingab, nahm sie ihre Aufgabe mehr als ernst. Sie war fantastisch organisiert, hatte alles unter Kontrolle, und es gelang ihr zudem, Katharinas Klienten schon am Telefon das Gefühl zu vermitteln, dass sie in ihrer Praxis genau am richtigen Ort waren. Katharina nannte Muriel sehr oft scherzhaft ihre Chefin. Und noch sehr viel öfter war ihr bewusst, dass es im Grunde alles andere als ein Scherz war.
»Das war wirklich merkwürdig«, antwortete Muriel. »Er wollte zwar einen Termin so schnell wie möglich, aber als ich ihm nächste Woche den letzten am Donnerstag angeboten habe, hat er ihn abgelehnt, obwohl er ja echt Glück hatte, dass überhaupt was frei geworden ist. Er hat gesagt, er sei nur kurz in der Stadt und auch erst ab dem Freitag in zwei Wochen, es sei so was wie ein Notfall und er müsse dich unbedingt sprechen. Aber ein Notfall, der zwei Wochen warten kann? Und wenn er nur kurz hier ist, warum sucht er sich dann nicht jemanden in seiner Heimatstadt? Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat.« Muriel zuckte mit den Schultern. »Männer. Ich werde sie wohl nie verstehen.«
»Gerade eben wolltest du noch mit ihm durchbrennen«, zog Katharina ihre Assistentin auf, aber die schnalzte nur mit der Zunge. Dass manche Klienten feste Vorstellungen von möglichen Terminen hatten, war nicht ungewöhnlich. Dass aber jemand freiwillig länger warten wollte, schon.
»Und was hast du jetzt mit ihm ausgemacht?«
»Ich habe ihm gesagt, dass er dann eben erst am Montag darauf den letzten Termin um fünf nach Doktor Eibiger haben kann.« Sie grinste. »Ich will doch nicht, dass meine Chefin am Freitag ewig in ihrer Praxis sitzt, wo zu Hause ihr gut aussehender Mann und ihre lieben Töchter warten, nur weil ein Herr Friedrichs das gerne so hätte.«
»Welche lieben Töchter meinst du?«, fragte Katharina betont scherzhaft, obwohl ihr diesbezüglich zurzeit nicht unbedingt nach Scherzen zumute war. Immerhin waren sowohl die fünfzehnjährige Bella als auch die gerade achtzehnjährige Elise mitten in der Pubertät und zeigten ihrer Mutter ständig, dass sie sie für alles andere als perfekt hielten. Und vor allem, welchen Mann?
Als Muriel wieder zu ihrem Schreibtisch im Empfangsraum zurückgekehrt war, lehnte sich Katharina zurück. Es war die beste Idee gewesen, damals vor knapp neun Jahren ihre eigene Praxis aufzumachen, von der sie so lange geträumt hatte. Elise war neun und Bella sieben Jahre alt gewesen. Eigentlich müsste ich Henri für die klischeehafte Affäre mit seiner Kollegin Clarissa fast dankbar sein, dachte sie bitter. Immerhin war das vermutlich der Tritt gewesen, den sie gebraucht hatte, um ihren Traum umzusetzen. Ohne hätte sie vielleicht noch viel länger mit der Praxis gewartet. Oder sie hätte es gar nicht erst versucht.
Tatsächlich war Katharina auch ohne Clarissa unzufrieden gewesen und hatte sich gefühlt, als würde sie an dem Leben vorbeileben, das sie gerne gelebt hätte. Nicht, dass sie es je bereut hatte, Elise und Bella bekommen zu haben. Im Gegenteil. Aber genauso, wie sie sich nicht allein darüber definieren wollte, Psychologin zu sein, genauso wenig war sie eben auch nur Mutter.
Ihre Studienfreundin Theresa hatte Katharina damals geraten, Henris Affäre als schmerzhaften, aber nötigen Weckruf anzunehmen und verdammt noch mal wieder zu arbeiten, schon allein, um von ihrem untreuen Ehemann finanziell unabhängig zu sein. Theresas Worte waren heilsam und zielführend gewesen, und nachdem sie sich entschieden hatte, war alles ganz schnell gegangen. Und bevor sie sichs versah, hatte sie eine Praxis und eine Assistentin gehabt, die nun Mühe hatte, Katharinas Termine unter einen Hut zu bekommen.
Draußen lachte Muriel, das perfekte Ein-Frau-Empfangskomitee, über irgendetwas, das Edoardo, Katharinas letzter Klient für heute, zu ihr gesagt hatte.
Katharina liebte einfach alles an ihrer Praxis, selbst wenn sie sich eingestehen musste, dass ihre Arbeit dort manchmal vielleicht auch ein wenig eine Flucht war. Denn sie war so viel besser darin, einen klaren und gelassenen Blick auf die Verwicklungen des Lebens ihrer Klienten zu haben als auf die ihres eigenen. So oder so: Je mehr zu tun war, umso mehr blühte sie auf.
Der Moment, wenn ein Klient, eine Klientin oder ein Paar einen ganz eigenen und neuen Weg für sich gefunden hatte, war jedes Mal wieder magisch. Es überraschte sie immer wieder aufs Neue, was für Umwege die Liebe und das Leben mitunter bereithielten.
Katharina schob die Post beiseite, die sie später mit nach Hause nehmen würde, und stand auf.
Dabei fiel ihr Blick auf Muriels Notiz mit Herrn Friedrichs’ Telefonnummer. Dieser Name … er löste irgendein Echo in ihr aus, eine Erinnerung an jemanden, den sie mal gekannt hatte. Aber genauso schnell, wie sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden. Muriel hatte recht: Irgendetwas war hier merkwürdig. Aber früher oder später würde sie herausfinden, was es war, und bis dahin schob sie den Gedanken an ihren zukünftigen mysteriösen Klienten beiseite und ging zur Tür, um Edoardo hineinzurufen.
Ich geh dann, okay?« Muriel streckte noch einmal den Kopf durch die Tür. Erschrocken sah Katharina zu ihrer Assistentin hinüber und dann auf ihre Uhr. Edoardo war schon vor mehr als zwei Stunden gegangen, und Katharina hatte wieder einmal über ihren Notizen die Zeit vergessen.
Sie hatte begonnen, alle Daten zu digitalisieren und von nun an mit einem Tablet anstelle eines Blocks zu arbeiten, denn Katharina war die vielen Vermerke leid, die sie selbst manchmal nicht mehr entziffern konnte. So richtig gut kam sie allerdings noch nicht mit dem Gerät klar, und solange sie nicht sicher sein konnte, dass sie nicht alles mit einer unbedachten Fingerbewegung löschte, fuhr sie lieber zweigleisig, was die Sache nicht einfacher machte. Im Gegenteil.
»Oh. Wow!« Muriel schob sich komplett ins Zimmer und musterte Katharina eindringlich. »Das … sieht nicht gut aus.«
Es war nicht klar, ob sie damit das Chaos auf ihrem Schreibtisch meinte oder Katharina selbst, die die Nadeln aus ihrem Dutt gezogen hatte und deren Kopf nun in eine Wolke aus blonden Locken gehüllt war. Ein wenig verlegen versuchte sie, die Haare zu bändigen, gab aber schnell wieder auf.
»Nein, auf deinem Kopf ist alles großartig! Ich meine das hier«, Muriel wedelte mit der Hand in Richtung Katharinas Schreibtisch. »Wenn ich solche Haare hätte, würde ich sie niemals in einen Dutt sperren.« Sie lachte. Muriel selbst hatte sich anscheinend schon für den Feierabend umgezogen, denn sie trug nun ein dunkelrotes Kleid mit Tellerrock, weiße Söckchen und schwarze Mary Janes mit Absatz. Ihren Pony hatte sie zu einer beeindruckenden Tolle gedreht, ihre Wangen glühten, und ihre schwarz umrandeten Augen blitzten, was sie einfach großartig aussehen ließ.
»Gleichfalls wow«, sagte Katharina und grinste. »Hast du noch was vor?«
Muriel nickte. »Ich habe ein Date. Und wenn du Glück hast und nett zu mir bist, dann erzähle ich dir vielleicht morgen davon.« Sie klimperte mit den Wimpern, dann zuckte sie entschuldigend mit den Schultern. »Tut mir leid, Katharina. Wenn du was gesagt hättest … ich helfe dir doch gern mit so was.« Sie nickte in Richtung Notizblock.
»Nein, das ist lieb, Muriel, aber das muss ich selbst machen. Manchmal fallen mir dann Dinge ein, die ich gar nicht aufgeschrieben habe. Außerdem: Du bist jung und schön und suchst nach Mister Right. Da darf dich doch die Arbeit nicht aufhalten.«
»Danke für das jung und schön, aber ich bin immerhin auch schon zweiunddreißig! Da muss man langsam schauen, wo man bleibt.« Sie lachte. »Ob heute der Tag der Tage ist, erzähle ich dir am Montag. Mach nicht mehr so lang, okay? Und hab einen schönen Feierabend!«
»Ist gut, Chefin«, sagte Katharina und verzog das Gesicht, als sie ihrer Assistentin zum Abschied winkte. Muriel winkte grinsend zurück, dann war sie verschwunden.
Muriels Verabredungen waren legendär, beinhalteten meist irgendwelche Tanzveranstaltungen in fragwürdigen Schuppen und endeten oft damit, dass Muriel ihr angetrunkenes Date in ihrem altersschwachen Mini nach Hause fuhr. Katharina war insgeheim davon überzeugt, dass sich Muriels Männer allesamt regelrecht Mut antrinken mussten, weil sie ihr sonst nicht gewachsen wären. Sie hegte außerdem den Verdacht, dass Muriel sich nicht traute, einen Mann auf Augenhöhe zu suchen, und sich stattdessen eine ansehnliche Sammlung an schrägen Vögeln zulegte. Aber das würde sie ihr nur sagen, wenn Muriel sie danach fragte, und das tat sie nie.
Vor dem Fenster der Praxis hatte sich unbemerkt die Dämmerung ausgebreitet, was für Ende März nicht weiter erstaunlich war. Trotzdem hatte Katharina ein schlechtes Gewissen, denn sie hatte Elise versprochen, heute einmal früher nach Hause zu kommen. Sie klappte den Laptop zu und lehnte sich zurück. Sie machte sich nichts vor: Natürlich hatte ihre Große sie nicht unbedingt darum gebeten, weil ihr so viel an der Gesellschaft ihrer Mutter lag. Elise wollte das Auto.
Liebe Kinder, schon klar.
Seufzend packte Katharina ihre Sachen in ihre Tasche, nahm ihren Mantel aus dem Schrank und löschte das Licht, bevor sie sich endlich von all den Geschichten ihrer Klienten löste, die sie heute wieder gehört und begleitet hatte, um sich in ihre eigene aufzumachen.
Wenigstens war der Schnee weg, dachte Katharina, als sie über den gekiesten Gartenweg zum schmiedeeisernen Tor der Gründerzeitvilla ging, in deren zweitem Stock ihre Praxis untergebracht war. Höchste Zeit, dass der Frühling kam und sie nicht mehr bei jeder Autofahrt ihrer Tochter Angst haben musste, dass irgendetwas passierte.
Sie fuhr noch kurz in den Supermarkt, um Ingwer und grünen Tee für die Praxis zu kaufen. Außerdem musste Katharina sich schnell einfallen lassen, was sie heute Abend kochen konnte, wenn sie vermeiden wollte, dass ihre Familie sich von Snacks ernährte. Sie war schon fast am Regal mit dem Klopapier, das sie ebenfalls dringend brauchten, als ihr die veganen Brotaufstriche einfielen, die Elise bei ihr in Auftrag gegeben hatte, weil sie neuerdings der Fleischindustrie den Kampf angesagt hatte. Sie nahm für Henri noch ein großes Stück von seinem Lieblingskäse mit und für Bella eine kleine Tüte Lakritz. Wie jemand das mögen konnte, war ihr zwar ein Rätsel, aber es machte ihre jüngere Tochter glücklich, und das war Grund genug, es in den Wagen zu legen. Als sie schließlich vor dem Regal mit dem Klopapier stand, hatte sie noch immer keine Idee, was sie kochen sollte, was womöglich daran lag, dass es sich zunehmend zur Herausforderung entwickelte, denn es war unmöglich, jeden zufriedenzustellen. Aber das galt ja wohl für beinahe alles im Leben.
O Mann, Mama! Wir warten schon tausend Millionen Jahre auf dich!«, rief Bella aus der Küche, als Katharina die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ. »Ich hab schon gedacht, du kommst nie! Ich fall gleich um vor Hunger!«
Katharina musste lächeln. Ihre Töchter neigten beide ein wenig zur Dramatik, vor allem, wenn sie hungrig waren. Wobei – Letzteres konnte man streichen. Sie neigten zur Dramatik. Punkt.
Aus der Küche drangen lautes Rumoren und Musik. »Gulasch ist fast fertig!«, brüllte Bella über den Krach hinweg. Irgendjemand in dieser Familie schien eine Kochidee gehabt zu haben. Das war gut. Bei Gulasch tippte sie auf Bella. Dass Elise einen Aufstand wegen des Fleisches machen würde, war allerdings auch ziemlich wahrscheinlich.
Als Katharina die großzügige, offene und in Weißtönen gehaltene Wohnküche betrat, sah sie, wie Henri und Bella einträchtig nebeneinander am Herd standen und sich in komplett synchronen Bewegungen zu irgendeinem Song aus Bellas Playlist bewegten. Sie ließ die Einkaufstüten mit den Zutaten für den vegetarischen Auberginenauflauf, der die meisten kulinarischen Wünsche ihrer Familie abdeckte, neben die Theke gleiten.
Henri sah auf. »Na? Wieder mal in Notizen versunken?«
Es sollte vermutlich nicht wie ein Vorwurf klingen, aber für Katharina fühlte es sich trotzdem so an. Dabei hatte Henri ja recht. Sie war versunken. Und wie. Aber wenn sie gewusst hätte, dass er kochen würde, hätte sie sich das Einkaufen sparen können und wäre mindestens eine Stunde früher hier gewesen.
»Nur noch die Nudeln, und dann geht’s los!«, rief Henri da fröhlich. Wahrscheinlich hatte sie sich den Vorwurf wirklich nur eingebildet.
»Und Elise?«
»Die isst die Nudeln einfach mit Pesto.« Unbekümmert zuckte Henri mit den Schultern. Hoffentlich sah Elise das genauso. Ihre Laune war wie eine Wundertüte. Leider wusste man nie vorher, was man bekam.
Katharina wollte kein Spielverderber sein, auch wenn ihr weniger nach Gulasch, sondern eher danach war, für einen Moment in den Arm genommen zu werden, so wie Bella gerade, bevor Henri sie einmal um die eigene Achse drehte. Stattdessen begann sie, ihre Einkäufe in den Kühlschrank zu räumen. Als Katharina die Bananen in die Obstschale legen wollte, sah sie, dass dort bereits welche lagen. Henri bemerkte ihren Blick und begann zu lachen.
»Oh, du warst auch im Supermarkt? Jetzt sag aber nicht, du hast auch Käse und Klopapier gekauft?« Er schüttelte den Kopf. »Das nennt man wohl Gedankenübertragung.«
»Oder Zeitverschwendung«, brummte Katharina. Diese Einkaufstour hätte sie sich wirklich sparen können.
Sie schenkte sich ein großes Glas Wasser ein und bemühte sich um ein Lächeln.
»Ich finde es wirklich klasse, dass du kochst, aber …« Schon während ihrer ersten Worte wusste sie, dass sie ein Fehler gewesen waren. Aber es war zu spät.
»Was … aber?« Henris Lächeln war verschwunden, und Katharina bereute sofort, dass sie überhaupt davon angefangen hatte.
»Vergiss es.«
»Nein, wieso? Was wolltest du sagen?« Er würde nicht lockerlassen, so viel war klar. Warum hatte sie nicht einfach den Mund gehalten? Abwartend sah Henri seine Frau an. Sie seufzte. »Okay: Ich finde es toll, dass du einkaufen warst und gekocht hast, aber kannst du mir das in Zukunft vielleicht einfach vorher sagen, dann kann ich früher …«
»Ist das dein Ernst?«, unterbrach er sie. »Ich will dir eine Freude machen und erledige praktisch den kompletten Haushalt, damit du nichts mehr tun musst, weil es dir ja seit ein paar Wochen immer öfter so gut in deiner Praxis gefällt, dass du dort die Zeit vergisst und ewig nicht nach Hause kommst – und du beschwerst dich?« Henri schüttelte enttäuscht den Kopf. »Glaubst du, ich hatte heute frei? Ich bin extra früher gekommen und wollte dir eine Freude machen, und das hab ich jetzt davon? Du weißt schon, dass sich andere Frauen über einen Mann freuen würden, der so etwas für sie macht, oder?«
»Das habe ich doch gar nicht …«
»Mann, Mama, du hast es drauf! Du machst echt immer alles kaputt.« Bella schaute böse und lehnte sich dann an ihren Vater, der sofort den Arm um sie legte und ihr einen Kuss auf den Scheitel gab. Eifersucht gesellte sich zu Katharinas Ärger dazu. Dabei war es wirklich schön zu sehen, wie nah sich die beiden waren. Sie wusste, dass sie sich über die Vater-Tochter-Einheit freuen sollte, aber es gelang ihr nur halb. Denn während Henri sich grundsätzlich in der Bewunderung seiner Kinder sonnte, bekam sie die Beschwerden ab. In Momenten wie diesen fühlte sich Katharina einfach unverstanden und ausgeschlossen. Und so schlimm war das, was sie gesagt hatte, ja auch wieder nicht.
Sie stand auf und nahm sich doch ein Glas Weißwein. Henri hatte das Küchentuch hinten in die Hosentasche gesteckt und trug die Schürze, die Bella ihm mit zehn Jahren in der Schule genäht hatte und die sich an den Nähten bereits auflöste. Seine Haare standen in alle Richtungen vom Kopf ab, was dafür sprach, dass er nicht mehr in den Spiegel geschaut hatte, seitdem er Anzug und Krawatte gegen Jeans und T-Shirt getauscht hatte, um für seine Familie zu kochen. Scham gesellte sich zu all den anderen Gefühlen dazu. Er hatte ja recht: Jede andere Frau würde sich vermutlich freuen. Aber sie war nun mal nicht jede andere Frau. Vielleicht war das das eigentliche Problem.
Gerade, als sie einen großen Schluck aus ihrem Glas trank und sich vornahm, das Essen ganz besonders zu loben, rauschte Elise in die Küche und ließ sich auf ihren Platz an dem langen Esstisch fallen. Sie sog den Duft des Essens ein.
»Uh, totes Tier zum Abendessen?«, fragte sie sofort, als sie den Topfinhalt identifiziert hatte, und rümpfte angewidert die Nase. »Na toll, Mama. Und was soll ich jetzt essen?«
»Hallo, Liebes, auch schön, dich zu sehen! Geht es dir gut?« Katharina bemühte sich um ein extra freundliches Lächeln und verzichtete darauf, ihre Tochter darauf hinzuweisen, dass nicht sie, sondern Henri für das Abendessen verantwortlich war. Es hätte sowieso nichts genützt. Elise haderte zurzeit mit allem und jedem, aber offenbar ganz besonders mit ihrer Mutter. Egal, was ihre Mutter sagte oder tat, Elise fand es peinlich oder falsch. Ihren Kleidungsstil, ihren Job, dass sie sich für Elise interessierte, genauso, wie wenn sie es nicht tat. Katharina stand ständig in ihrer Kritik.
»Papa hat Gulasch gemacht!«, rief Bella begeistert vom Herd aus. »Für dich gibt’s die Nudeln mit Pesto«, ergänzte Katharina, was Elise ignorierte. Stattdessen tippte sie auf ihrem Handy herum. Ein paar Textnachrichten später ließ sie es sinken, um sich die Nase zuzuhalten.
»Wie das stinkt! Ich kann kaum glauben, dass ihr das wirklich esst. Widerlich!« Sie schüttelte sich erneut. »Da fällt mir was ein: Kann ich gleich das Auto haben, Mom?« Ihre Stimmlage hatte sich komplett gedreht. Nun war sie nicht mehr aggressiv, sondern übertrieben freundlich. Katharina war sich nicht sicher, was sie unangenehmer fand. So langsam spürte sie, wie ihre Gelassenheit bröckelte. Erst das mit Henri und dann auch noch Elise. Es war eine Sache, sich pubertär aufzuführen, und sie wusste, dass das bis zu einem gewissen Grad sein musste, aber sie konnte es überhaupt nicht leiden, zuerst unfreundlich behandelt und dann mit Forderungen überfallen zu werden. Ihre Tochter wollte den Schlüssel? Nun, Katharina wollte ein bisschen Respekt. Sie atmete tief ein und wieder aus. Was in der Praxis half, half auch zu Hause. Zumindest, wenn man rechtzeitig daran dachte.
»Lass uns erst mal essen. Ich bin noch gar nicht richtig angekommen, Elise, ja?«, antwortete sie.
»Wieso, du bist da und bleibst es auch, oder? Dann kann ich das Auto doch haben«, gab Elise zurück. Von der Freundlichkeit, die gerade eben kurz aufgeblitzt war, war kaum noch etwas übrig. Emotionale Achterbahnfahrt die hunderttausendste, dachte Katharina und verkniff sich ein Stöhnen. »Wir machen es so«, schlug sie dafür langsam und deutlich vor, nach wie vor um Souveränität bemüht. »Wir essen jetzt gemeinsam. Dann fragst du mich noch einmal in einem angemessenen Ton, und dann kannst du den Schlüssel haben. Wenn du keine Nudeln essen möchtest, ist das kein Problem. Wir haben Brot und Hummus, und ich habe gerade eben auch noch zwei Aufstriche für dich gekauft.« Dann war ihre Einkaufstour wenigstens nicht ganz umsonst gewesen. Ohne ein Lächeln oder ein Dankeschön stand Elise auf, um sich am Kühlschrank zu bedienen. Katharina ertappte sich dabei, dass sie sich in ihre Praxis zurückwünschte und sich gleichzeitig fragte, ob das Verhalten ihrer Tochter nicht vielleicht sogar die Strafe dafür war, dass sie überhaupt eine Praxis hatte.
Mehr Wein?« Henri zwinkerte ihr zu. Er schien nicht mehr beleidigt zu sein, und Katharina war erleichtert. Mit allen Familienmitgliedern gleichzeitig in Auseinandersetzungen zu geraten, war nicht das, was sie sich unter einem guten Start ins Wochenende vorstellte.
»Gern«, sagte sie dankbar und streckte ihm das Glas entgegen. Vielleicht konnte sie ihn später sogar noch zu einem Spaziergang überreden und ihm erklären, was sie eigentlich gemeint hatte. Ihr fehlten die Gespräche mit ihrem Mann, in denen es um mehr ging als nur darum, was es nun zu essen gab, was in der Schule der Kinder los war und dass irgendjemand dringend Klopapier kaufen sollte. Vor allem, wenn dann beide loszogen. Ihr fehlte die gemeinsame Zeit, dieses gemeinsame Durchatmen, sein Arm um ihre Schulter und das Lachen, das ihre Wange vibrieren ließ, wenn sie ihren Kopf an seinen Brustkorb legte. Die Diskussionen über Gott und die Welt, die sie früher die halbe Nacht lang geführt hatten und in denen es nie, nicht ein einziges Mal darum gegangen war, dass ihnen das Klopapier ausging. Aber auf irgendeine mysteriöse Weise waren sie zu diesem Paar wie im folkloristischen Wetterhäuschen mutiert, bei dem immer nur einer sichtbar war, und hatten sich jenseits ihres Alltags nichts mehr zu sagen. Und manchmal noch nicht einmal das. Das war schon einmal so gewesen. Schleichend hatte es angefangen und war Katharina und Henri schließlich mit einem Riesenknall namens Clarissa um die Ohren geflogen. Es war eine furchtbare Zeit gewesen, und Katharina wollte nie wieder dorthin zurück. Ja, sie hatte Angst davor, und außerdem, wenn man es genau betrachtete, war sie auch immer noch stinkwütend deshalb. Sie hatten sich gemeinsam vorgenommen, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Henri hatte ihr Millionen Versprechungen gemacht, und nun … verschwand er dennoch nach jeder Mahlzeit wieder in seinem Arbeitszimmer, in die Garage oder nach draußen und fragte sie nicht einmal mehr, ob sie gemeinsam etwas unternehmen wollten. Sie wollte dem Misstrauen, das sie seit seiner Affäre in sich trug wie einen ewig schwelenden giftigen Herd, keine Macht mehr zugestehen, und doch konnte sie nicht verhindern, dass es nach und nach wieder Besitz von ihr ergriff.
Dabei war Katharina auch nicht besser. Sie zog sich zurück, in die Sicherheit, in der sie sich auskannte und in der er ihr nicht gefährlich werden konnte. Anstatt Zeit mit Henri zu verbringen, nahm sie sich Akten zum Digitalisieren mit nach Hause, weil sie bis zum Sommer damit fertig sein wollte. Insgeheim vielleicht auch, weil sie sich lieber damit beschäftigte als mit ihrer Ehe, die sie immer öfter ratlos zurückließ.
Aber heute würde sie nicht in ihrem Zimmer verschwinden und auch nicht zusehen, wie Henri vor dem Fernseher einschlief, nahm sie sich vor. Wenn etwas schon so miserabel angefangen hatte wie dieses Wochenende, konnte es schließlich nur besser werden.
»Oh, hey, du hast übrigens Post!«, sagte Henri da und streckte ihr einen Umschlag hin, der mit dem Tigerprint am Rand und der Neonschrift aussah wie eine Werbesendung für ein Nagelstudio oder einen geschmacklosen Klub. Gerade wollte sie ihn schon achtlos ins Altpapier werfen, als ihr Blick auf die Absenderin fiel.
Sandra Jonas, las sie und brauchte einen Augenblick, bis sie sich erinnerte, dass Sandra, das ehemals beliebteste Mädchen in ihrer Klasse, einen Stefan Jonas geheiratet und sich vor ein paar Jahren dann wieder von ihm hatte scheiden lassen. Sandra. Sofort kroch die Ablehnung wieder in ihr hoch, die sie schon immer gefühlt hatte, wenn es um Sandra ging. Soweit sie sich richtig erinnerte, war das schon die zweite Scheidung gewesen, aber sie hatte Sandras Werdegang nicht wirklich verfolgt. Sie wusste nur, dass sie einen Sohn hatte, der ungefähr so alt war wie Bella und definitiv nicht aufs Max-Planck-Gymnasium ging, denn sonst wären sie sich sicher bei dem einen oder anderen Elternabend begegnet. Dass das nicht der Fall war, störte Katharina nicht im Geringsten. Vorsichtig zog sie eine ebenfalls wild gemusterte Karte aus dem Umschlag.
Jahrgangstreffen
am 09.04.2022
ab 18.30 Uhr im »Biest«!
27 Jahre her und immer noch
»Hot and Spicy«!
Leute, das wird episch!
U.A.w.g. – eure Sandra!
PS: 25-Jähriges kann jeder!
PPS: A.u.V.w.g. – auch um Verkleidung wird gebeten!
Katharina nervten schon die vielen Ausrufezeichen, die Sandra benutzt hatte. Aber auch das war typisch. Bei ihr musste immer alles laut, aufdringlich und viel zu viel von allem sein. Vor zwei Jahren hatte Katharina mit ihrer besten Freundin Isabel überlegt, ob nicht das ObSo, das gemeinsame Oberstufen-Sommerfest aller Gymnasien, eine gute Gelegenheit war, eine Art Jubiläum zu feiern.
Aber in jenem Jahr war der alte Eberhard gestorben, ihr ehemaliger Klassenlehrer, und sie waren gemeinsam bei der Beerdigung gewesen. Irgendwie hatte es sich da nicht richtig für sie angefühlt, und dann war es aus ihren Gedanken verschwunden. Katharina hatte schon lange nicht mehr an ein Jahrgangstreffen gedacht. Grundsätzlich fand sie es schön, dass nun jemand anderes die Initiative ergriffen hatte. Dass es Sandra war, wunderte Katharina kein bisschen. Genauso wenig wie die Tatsache, dass sie offensichtlich eine Riesenparty im Sinn hatte. So was Großes war allerdings nicht unbedingt Katharinas Ding. Schon gleich gar nicht im »Biest«, wo man sicher sein eigenes Wort kaum verstand. Und noch dazu »Hot and Spicy«? Katharina schüttelte den Kopf, bevor sie die Karte achtlos auf den Tisch gleiten ließ. Bella griff sofort danach. Sie war viel zu neugierig, um weiterhin eingeschnappt zu sein.
»Hot and Spicy?«, las sie laut vor. »Uuuh, Mama! Was ist das?«
»Ach das … nichts Wichtiges.«
»Nichts Wichtiges?«, wiederholte Bella und riss die Augen auf. »Es kommt im coolen Leoprint! Und es findet im ›Biest‹ statt, wie kann es da nicht wichtig sein?«
Das »Biest« war zu Katharinas Zeiten die einzige Option auf Musik, Tanzen und Spaß gewesen, aber mittlerweile hatte der Klub längst Kultstatus erreicht. An Sonntagnachmittagen fanden dort regelmäßig Standardtanzkurse statt, Elise ging mit ihren Freundinnen manchmal freitags hin, wenn dort auf der kleinen Bühne irgendwelche Indie-Bands spielten, und ab und zu gab es auch Ü-30-Partys oder Gruppen-Karaoke.
Rosenberg wäre ohne das »Biest« definitiv ein sehr viel langweiligerer Ort, zumindest, was das Nachtleben anging. Das kleine Städtchen lag idyllisch inmitten von Feldern und Wäldern etwas mehr als eine Stunde östlich von München entfernt. Katharina konnte es nach dem Abitur kaum erwarten, von hier weg und nach Wien zu kommen, und sie hätte sich nie träumen lassen, dass sie jemals zurückkehren würde. Sie sehnte sich immer noch ab und zu nach der Stadt, die sich so sehr wie ihre Heimat angefühlt hatte. Aber dass sie wieder hier lebte, war letztendlich die logische Konsequenz gewesen aus … allem, was damals passiert war.
Wenigstens gab es mittlerweile ein paar mehr Kneipen zur Auswahl.
Soweit sich Katharina erinnerte, hatten auch die »Hot and Spicys« im »Biest« den einen oder anderen Auftritt gehabt, bis sie sich kurz nach dem Abi aufgelöst hatten. Selbst wenn sie es für ein Klassentreffen nicht geeignet fand, mochte Katharina den Klub. Vor allem, weil sich sowohl außen als auch im Inneren des Klubs kaum etwas verändert hatte. Die roten Ledersofas, die oben im Foyer standen, genauso wenig wie der ebenfalls rote Teppich im Eingangsbereich, die Kronleuchter und die sich langsam drehenden Discokugeln über der Tanzfläche. So oder so: Bella musste noch ein paar Jahre warten, bis sie selbst dort hingehen durfte. Was das Ganze für sie natürlich umso attraktiver machte.
»Es ist eine Einladung zum Klassentreffen.« Katharina winkte ab. »Aber ich weiß noch nicht, ob ich da wirklich hinwill.«
»Was?« Bella sah sie empört an. »Eine echte Party? Mit einer Band, die ›Hot and Spicy‹ heißt? Das hört sich doch cool an! Sei doch froh, wenn es in eurem Alter überhaupt noch mal eine Party gibt!«
»Danke auch für das ›in eurem Alter‹!« Katharina musste lachen. »Ich bin siebenundvierzig!«
»Na eben! Außerdem beschwerst du dich doch immer, dass niemand was mit dir unternimmt. Stimmt’s Papa?« Bella wartete Henris Antwort gar nicht erst ab. »Und ihr dürft euch verkleiden! Wie damals im letzten Jahrtausend! Das wird mega retro!« Aus Bellas Mund hörte sich das an, als wäre 1995 gleichzusetzen mit der Steinzeit. »Gab’s da überhaupt schon Klamottenläden?« Sie grinste ihre Mutter frech an und freute sich diebisch, als die ihr die Einladung wieder aus der Hand schnappte.
»Nur fürs Protokoll, mein Schatz: Ja, es gab welche. Und das, was ihr gerade so mega angesagt findet und im Secondhand kauft, ist nichts anderes als das, was wir in den Neunzigern schon hatten und jetzt superhässlich finden.« Katharina grinste ebenfalls. »Und die ›Hot and Spicys‹ waren wirklich nicht so toll, wie du vielleicht denkst.« Was unter anderem daran lag, dass die männlichen Bandmitglieder Sandra als Backgroundsängerin engagiert hatten, weil sie sexy war, aber leider nur die Hälfte der Töne traf.
Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, seichten Popsongs ihren eigenen rockigen Stempel aufzudrücken, und meist war es kaum aufgefallen, dass Sandra mehr mit ihrem Busen gewackelt hatte, als wirklich zu singen. Aber wenn man sie mal bemerkte, war ihre Performance … bestenfalls interessant.
»Ich kann es nicht glauben, dass ihr eine Band hattet!« Bella riss begeistert die Augen auf. Selbst Elise hatte für einen Augenblick ihren mürrischen Gesichtsausdruck abgelegt und schaute interessiert zu ihnen rüber. »Hast du auch mitgemacht, Mama?«
»Nein, tut mir leid.«
»War ja klar«, brummte Elise, und auch Bella zog enttäuscht eine Schnute. »Aber dann musst du erst recht hingehen.«
»Wieso?«
»Na, weil es schon schlimm genug ist, dass du nicht zu den Coolen gehört hast. Wenn du jetzt nicht hingehst, dann ist das der Beweis, dass deine Schulzeit ein totaler Reinfall war.« Sie seufzte theatralisch. »Und du auch.«
Elise grinste. Und auch Katharina musste lachen. »Es war definitiv kein Reinfall. Ich war vielleicht nicht so cool wie die ›Hot and Spicys‹, aber dafür wusste ich ganz genau, was ich wollte.« Nämlich Psychologie studieren und die Stadt verlassen. So schnell wie möglich. Ob das Bella allerdings ausreichend cool gefunden hätte, war fraglich.
Katharina sah zu Henri hinüber, der ihr mit seinem Weinglas über den Herd hinweg zuprostete, bevor er einen Schluck nahm und es wieder abstellte. Dann formte er mit beiden Händen das Peace-Zeichen vor seiner Brust und stellte sich in einer Pose auf, die er vermutlich für eine Kombination aus lässig und lustig hielt. »Yo, I’ll tell you what I want, what I really, really want!«, rappte er los und machte dazu merkwürdige Ruderbewegungen mit den Händen. »So tell me what you want, what you really, really want!«, fiel Katharina automatisch in die ersten Zeilen von Wannabe von den Spice Girls mit ein und wackelte dazu rhythmisch mit dem Kopf. Manche Dinge vergaß man einfach nie.
»Aufhören! Sofort aufhören! Ihr seid so was von peinlich!« Bella hielt sich abwechselnd die Ohren zu und die Hände vor die Augen, während Elise eine schmerzerfüllte Grimasse zog.
Katharina musste erneut lachen. Plötzlich wollte sie ihre Klassenkameraden doch unbedingt wiedersehen. »Dein Vater scheint jedenfalls große Lust auf die Neunziger zu haben«, sagte sie fröhlich. Von Partnern war zwar in der Einladung nicht die Rede, aber wenn es schon eine Party sein sollte, dann waren ja wohl ein paar mehr Gäste im »Biest« sowieso besser. Außerdem kannte Henri fast alle aus ihrem Jahrgang und würde bestimmt auch den einen oder anderen aus seiner Schule treffen. Er war zwar auf dem Mörike gewesen und nicht auf dem Max-Planck, aber auch damals hatte es das ObSo schon gegeben. Schließlich hatten sie sich dort kennengelernt.
Henri hob abwehrend die Hände.
»Nein, das hast du völlig falsch verstanden, sorry, Katie.« Er schüttelte den Kopf. »Ehrlich, auf so was habe ich überhaupt keine Lust. Mir hat mein eigenes Klassentreffen neulich gereicht, und selbst da habe ich nur die Hälfte der Menschen wiedererkannt. Sei mir nicht böse, aber Feste wie diese brauche ich einfach nicht.« Er lächelte entschuldigend.
Katharina spürte, wie die Enttäuschung in ihr hochkroch und die Fröhlichkeit vertrieb, die sich für einen kurzen Moment so leicht und schön angefühlt hatte. Vielleicht interessierte er sich nicht für die Menschen dort, das konnte sie sogar verstehen. Aber er interessierte sich für sie, oder etwa nicht? Und vielleicht hatte Bella ja recht: Man konnte froh sein, wenn es in ihrem Alter überhaupt noch Partys gab.
Henri goss die Nudeln ab und trug sie zum Tisch, wo er sie vor Bella abstellte, die sofort eine stibitzte.
»Hey!« Elise schob den Topf zur Seite. »Das will niemand mehr essen, wenn du es angefasst hast. Eklig ist das!«
»Du ja sowieso nicht«, gab Bella sofort zurück und nahm sich noch eine. »Ist ja nicht vegan.«
»Wenigstens sind mir die Tiere und das Klima nicht egal!«, schnappte Elise.
»Leute! Frieden!« Henri ließ sich ebenfalls auf seinen Platz fallen und griff nach dem Löffel. »Ich freue mich riesig auf dieses Essen!« Er strahlte und häufte Bella eine große Portion auf ihren Teller, während Elise ihren umdrehte, um so deutlich wie möglich zu signalisieren, dass sie nichts wollte. Vermutlich hatte sie vorher schon was gegessen oder machte sich später ein Brot, aber auf keinen Fall würde sie jetzt klein beigeben, sich dazusetzen und sich womöglich normal unterhalten. Das verbot ihr wohl schon ihre Pubertisten-Ehre.
»Was ist denn jetzt mit dem Auto? Clara wartet nämlich auf mich«, fragte sie lieber mürrisch.
Keiner hatte gesagt, dass es einfach war, Kinder zu haben und sie souverän durch die Pubertät zu begleiten. Da half Katharina auch all ihr theoretisches Fachwissen nicht. Und wenn sie so hörte, was die Mütter und Väter in ihrer Praxis von ihren Söhnen und Töchtern erzählten, hatte sie es vermutlich vergleichsweise gut erwischt. Trotzdem wünschte sie sich manchmal die kleine Elise zurück, die so strahlen konnte, dass in Katharinas Mutterherz jedes Mal die Sonne aufging. Am Ende eines langen Tages hatte sie einfach keinen Nerv mehr für unnötige Diskussionen und die Selbstverständlichkeit, mit der ihre Tochter zunehmend alles einforderte, was ihr ihrer Meinung nach zustand. Außerdem hatten diese Leichtigkeit und das Lachen, das nur kurz aufgeblitzt und so schnell wieder verschwunden war, den schweren Abdruck einer Sehnsucht hinterlassen, die Katharina ihre Müdigkeit wieder spüren ließ.
»Dann wartet Clara eben noch ein bisschen länger«, antwortete sie ruhig. »Wenn du mein Auto haben willst, dann brems dich jetzt lieber mal ein bisschen, denn wer mich ärgert, geht zu Fuß.«
Sowohl Elise als auch Katharina schwiegen beim Abendessen, was nicht weiter auffiel, denn Henri und Bella redeten dafür umso mehr. Dennoch hätte Katharina es gerne anders gehabt. In ihrer Vorstellung aßen sie nicht nur zusammen, sondern interessierten sich auch für den jeweils anderen und nahmen an dessen Erlebnissen teil. Vor allem lachten sie gemeinsam und genossen die Zeit, die sie zusammen verbringen konnten. Für heute musste sie jedoch mit dem zufrieden sein, was sie bekam.
Als selbst Henri satt war und sein Besteck mit einem glücklichen Seufzen beiseitegelegt hatte, stand Elise auf.
»Sind alle fertig? Gut. Dann kann ich ja jetzt gehen.« Sie nahm sich Katharinas Autoschlüssel und verließ ohne ein weiteres Wort das Haus.
Katharina wusste, dass sie sie nicht einfach so hätte ziehen lassen dürfen, nicht nachdem sie sich so aufgeführt hatte, sie hätte eine erneute und dieses Mal freundliche Bitte von Elise einfordern müssen. Aber sie hatte einfach keine Lust mehr auf weitere Auseinandersetzungen mit ihrer Tochter. Katharina seufzte. Es war schön, theoretisch zu wissen, wie man sich am besten verhalten sollte, und weniger schön, zu müde zu sein, um dieses Wissen auch umzusetzen.
»Mit Clara können wir eben alle nicht mithalten«, sagte Henri, der Katharinas Seufzen gehört hatte. Den Namen von Elises bester Freundin hatte er durch Anführungszeichen mit Zeige- und Mittelfinger in der Luft untermalt.
»Was meinst du damit?«, fragte Katharina und malte ebenfalls in die Luft.
»Na, er meint damit, dass sie nicht zu Clara, sondern zu Niklas gefahren ist, Mama. Was denkst du denn?« Bella verdrehte die Augen.
»Niklas?« Den Namen hatte sie zwar schon ein paarmal gehört, aber trotzdem konnte Katharina kein Gesicht damit verbinden.
»Genau, Niklas. Niklas Kramer? Elises Freund?« Bella machte Knutschgeräusche. Wie bitte? Elise hatte einen Freund, und Katharina wusste nichts davon? Erzählten Töchter ihren Müttern so was nicht normalerweise? Sogar Henri wusste offensichtlich Bescheid. Was war sie nur für eine Mutter, wenn ihre Tochter ihr noch nicht mal von ihrem ersten Freund erzählte? Das kleine Mädchen, das Elise einmal gewesen war und das sich vertrauensvoll in ihren Arm gekuschelt hatte, um ihr alles zu erzählen, was es erlebte, tauchte erneut vor ihrem inneren Auge auf. Wann war das verloren gegangen? Und wodurch?
»Jetzt schau nicht so, Liebes«, sagte Henri und legte seine Hand auf ihre. »Mir hat sie es auch nicht erzählt. Ich weiß es auch nur von dieser Tratschtante hier.« Er knuffte Bella in die Seite.
»He! Ich bin keine Tratschtante!«, gab sie zurück. »Ich bin nur meiner Pflicht als kleine Schwester nachgekommen. Und außerdem muss ich immer mit anhören, wenn die beiden stundenlang telefonieren. Grauenhaft!«, sagte sie und schüttelte sich. »Ich liebe dich, Niklas!«, säuselte sie und ahmte dabei den hoffentlich übertriebenen Tonfall ihrer großen Schwester nach. »O ja, Niklas! Du bist der tollste, schönste, klügste und überhaupt großartigste Mensch auf Erden! Habe ich schon erwähnt, dass ich dich liebe? Nein? Oh, ich liebe dich, Niklas, du …«
Henri brach in Gelächter aus, und Katharina stimmte ein wenig gequält mit ein.
Bella schüttelte sich erneut. »Sagt mir bitte Bescheid, wenn ich auch so werde, ja? Damit ich mich in meinem Zimmer einschließen kann, bis es vorbei ist.«
Katharina lächelte noch immer, dabei füllte sich ihr Herz mit Wehmut. So lange würde es wohl auch bei ihrer jüngeren Tochter nicht mehr dauern, bis sie sich verliebte. Ob Bella das wenigstens mit ihrer Mutter teilen würde? Katharina sah zu Henri hinüber, um seinen Blick aufzufangen, aber er alberte schon wieder mit Bella herum. Vielleicht würde Bella es statt ihr aber auch lieber ihrem Vater erzählen. Es tat weh, sich das vorzustellen.
Damals bei Mats war Katharina auch nicht viel älter als Elise jetzt gewesen. Dabei war sie sich unglaublich erwachsen vorgekommen. Sie hatte ihrer Mutter ebenfalls nichts über ihre erste große Liebe erzählt. Aber das war eine ganz andere Nummer gewesen. Immerhin hätten ihre Eltern sie nie zum Studium nach Wien ziehen lassen, wenn sie auch nur den leisesten Verdacht gehabt hätten, dass sie wegen Mats dorthin wollte.
Sag mal, Isa, findest du, ich bin eine schlechte Mutter?«, fragte Katharina, während sie ihr Handy zwischen Ohr und Schulter einklemmte, um mit dem Zeigefinger die feinen Linien nachzufahren, die sich neuerdings um ihre Augen herum einnisteten. Eigentlich gefielen sie ihr ganz gut, nachdem sie für sich beschlossen hatte, sie nicht Falten, sondern Lebenslinien zu nennen, und dennoch waren sie so neu, dass sich Katharina noch an sie gewöhnen musste.
»Wie kommst du denn darauf?« Ihre beste Freundin am anderen Ende des Telefons lachte.
Anstatt Isabel zu antworten, schob Katharina eine Frage hinterher, die ihr mindestens genauso zu schaffen machte. »… oder eine gute Ehefrau?« Sie hielt für die Länge eines Herzschlages den Atem an und atmete erst erleichtert aus, als Isa abermals ungläubig lachte.
»Ernsthaft? Das fragst du mich nach zwei großartig geratenen Töchtern und … wie vielen Jahren Ehe?«
»Zweiundzwanzig. Aber manche zählen doppelt. Oder gar nicht, wie man es nimmt.«
»Wie meinst du das? Gar nicht oder doppelt?« Isabels Lachen war verschwunden. »Alles okay mit dir und Henri?«
Sie wusste nichts von Clarissa. Katharina hatte ihr damals vor neun Jahren bewusst nichts von ihr erzählt. Sie hatte die Fassade aufrechterhalten und wenigstens nach außen hin so getan, als wäre ihre Familie immer noch genau das: eine Familie. Nur, um selbst ein wenig daran glauben zu können. Nicht, weil sie Henri schützen wollte. Sondern sich selbst. Es hatte funktioniert und war gleichzeitig ein riesiger Fehler gewesen. Denn seitdem hatte sie ein Geheimnis vor ihrer besten Freundin, das sie niemals hatte haben wollen, und keine Ahnung, wie sie es auflösen sollte. Schon gleich gar nicht, ohne Isabel damit unglaublich zu verletzen. Aber je länger sie wartete, umso schwieriger wurde es. Vielleicht sollte sie es einfach tun. Morgen. Übermorgen. Irgendwann, wenn sie sich nicht so ausgelaugt fühlte wie jetzt. Sie hatte gerade eben schon viel zu viel gesagt, und ihre beste Freundin hatte wie immer genau zugehört.
»Nein. Ja. Alles bestens«, log Katharina weiter, während sie sich wegen des Verrats an Isabel innerlich krümmte. »Ich glaube, die Pubertät schlägt mir einfach aufs Gemüt.«
»Ach so. Dann sitzen wir ja wenigstens im selben Boot.« Isabel atmete erleichtert auf. »Ich dachte schon, ihr hättet Probleme und ich hätte es nicht bemerkt. Aber wenn wir mal Enkel haben und unsere Kinder sich bei uns über die schwierigen Jahre zwischen dreizehn und zwanzig beschweren, dann lachen wir sie aus und sagen ihnen, dass das nur gerecht ist. Abgemacht?«
»Abgemacht«, antwortete Katharina. Isabel hatte einen klaren Blick auf alles. Manchmal fragte sich Katharina, ob sie nicht die bessere Psychologin von ihnen beiden gewesen wäre. Andererseits war sie bestimmt auch eine unglaublich gute Lehrerin. Aber vor allem war Isabel die beste Freundin, die man sich wünschen konnte und deren Freundschaft Katharina aufgrund ihrer Lüge nicht einmal verdiente.
Sie schluckte. Den richtigen Zeitpunkt gab es sowieso nie. Aber wenn sie nicht endlich mit Isabel sprach, würde sie immer weiter Angst davor haben, dass ihre Freundschaft schon allein daran zerbrechen könnte, dass sie so lange geschwiegen hatte. Was für ein absurder Kreislauf. Wenn es den richtigen Zeitpunkt also nicht gab, dann war jeder beliebige gut genug. Sie gab sich einen Ruck.
»Hey, Isa, hast du mal Lust auf ein Date mit mir? Nur du und ich? So richtig wie früher? Über alles reden und … Du, ich, Cocktails und die nackte Wahrheit?«, fragte sie schnell, bevor sie es sich anders überlegen konnte. Kurz hielt sie die Luft an. Was, wenn Isabel jetzt sofort von ihr wissen wollte, um was es eigentlich ging?
»Auf die nackte Wahrheit bin ich besonders gespannt.« Isabel kicherte, aber Katharina konnte beim besten Willen nicht mitlachen. »Apropos: Was ist denn jetzt mit Henri und dir?«
»Das hat mit nackt nichts zu tun«, antwortete Katharina prompt. Es hätte ein Scherz sein können. War es aber nicht. Katharina konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten.
»Er hat keine Lust auf unser Klassentreffen, und irgendwie kommt es mir so vor, als würde das auf alle Unternehmungen zutreffen, bei denen ich dabei bin. Wir machen überhaupt nichts mehr zusammen.« Sie zuckte traurig mit den Schultern. »Dabei habe ich erst vorhin wieder versucht, etwas zu finden, was auch ihm Spaß macht.«
Bella war nach dem Abendessen in ihrem Zimmer verschwunden, und Katharina hatte die Gelegenheit genutzt, um ihn um mehr Zeit zu zweit zu bitten. Ein Wochenende in einer anderen Stadt, in den Bergen, oder wenigstens ein Dinner-Date irgendwann. Er hatte seine Hand auf ihre gelegt, ihr tief in die Augen gesehen und ihr gesagt, dass er bei allem dabei wäre, was sie aussuchen würde, und ihrem Planungstalent dabei vollkommen vertrauen würde.
»Aber das ist doch genial!« Isabel klang begeistert. »Wolltest du nicht schon ewig nach New York? Du hast mir doch sogar schon dieses schnuckelige Boutique-Hotel in Manhattan gezeigt, in dem du unbedingt mal ein paar Nächte verbringen willst. Das ist deine Chance, Kat!«
»Klar finde ich Manhattan toll und das Boutique-Hotel auch, aber ich … Es muss kein Vermögen kosten oder eine Reise um die halbe Welt sein, ich will nur Zeit mit dem Mann verbringen, den ich liebe. Ein Wochenende irgendwo. Ich erwarte ja nicht, dass er mich überrascht, aber ich möchte es auch nicht allein planen, sondern mit ihm! Die Vorbereitung ist doch Teil der Vorfreude. Wir suchen uns gemeinsam ein Datum aus, überlegen zusammen, was wir gern machen würden, dann finden wir ein hübsches Hotel und …«
»Also, wenn Tobi mir so ein Angebot machen würde, ich wäre sofort dabei«, unterbrach Isabel ihre beste Freundin.
»Ja, bei Tobi wäre es auch was anderes. Dein Mann ist für normalsterbliche XY-Chromosomenträger aber kein Maßstab.«
Tobi und Isabel waren seit der Schulzeit ein Paar, beide waren danach gemeinsam auf dem Lehrerseminar gewesen, und wenn sie nicht in der Schule waren, verbrachten sie die meiste Zeit zusammen in ihrem großen Garten oder auf irgendwelchen Bergen. Wo Isabel war, war auch Tobi. Und nach all diesen Jahren waren sie immer noch so offensichtlich verliebt, dass es einerseits wunderschön und andererseits kaum auszuhalten war. Sie stellten ihre Liebe nicht etwa zur Schau, aber sie schwang wie selbstverständlich in allem mit, was sie taten. Umgab sie immer wie eine Wolke, die man nicht sehen, aber immer spüren konnte. Sie waren ein Vorbild, was Beziehungen anging, und das empfand Katharina sowohl als Psychologin als auch als Ehefrau so. Manchmal war deren offensichtliches Glück allerdings auch nur schwer zu ertragen. Vor allem dann, wenn man selbst eine weniger erfüllte Beziehung führte. Sie gönnte es ihren Freunden von Herzen. Aber das hinderte ihr eigenes Herz und ihre Seele noch lange nicht daran, sich ebenfalls nach einer solchen Verbindung zu sehnen und traurig zu sein, weil das anscheinend für sie nicht vorgesehen war.
»Manchmal wünschte ich nach einem Abend wie diesem einfach, ich wäre mit meinen Klienten verheiratet. Bei denen ist alles so viel einfacher. Ich weiß genau, was ich fragen muss und wie ich sie aus der Reserve locken kann. Ich erwarte keine Gegenfragen. Im Gegenteil. Und ich sehe so viel klarer, wenn es nicht um mich geht.« Sie seufzte. »Ich weiß, dass ich eine gute Paartherapeutin bin, Isa, aber manchmal denke ich, dass ich dringend selbst eine für meine eigene Beziehung bräuchte.«
»Ich sehe das Problem«, sagte Isabel. Katharina hörte ihr Lächeln selbst durchs Telefon.
»Ich auch. Aber hast du vielleicht auch eine Lösung?« Dann wäre es vielleicht doch an der Zeit, ihrer besten Freundin den Schlüssel zu ihrer Praxis zu übergeben und deren Namen auf das Klingelschild zu schreiben.
»Nein«, sagte Isabel prompt. »Aber du könntest mal wieder mit Theresa sprechen, nicht wahr?«
»Ja, vielleicht.« Doktor Theresa Baumgartner war nicht nur ihre liebste Studienkollegin in Wien gewesen, sondern mittlerweile sogar Dozentin an der Uni dort. Sie waren eine unzertrennliche Clique gewesen. Katharina, Theresa, Martina und Eddie. In den letzten Jahren hatten sie sich allerdings nicht besonders häufig gesehen, weil Eddie mittlerweile in Stanford dozierte und Martina von Wien nach Hamburg umgezogen war. Nur Theresa und Katharina hielten nach wie vor engen Kontakt. Sie war auch die Einzige, der Katharina je von Clarissa erzählt hatte. Dabei hatte sie sich noch nicht einmal im familientherapeutischen Bereich spezialisiert, sondern auf forensische Psychologie. Vor allem aber hatte sie einen analytischen Verstand, nahm grundsätzlich kein Blatt vor den Mund und hatte ihre eigenen Abgründe ebenfalls schon mit Katharina geteilt. Außerdem: wenn sie mit ihr sprach, riskierte sie nichts. Weder diese mühsame Fake-Realität noch ihre Freundschaft. Isabel konnte nicht ahnen, wie recht sie hatte. Katharina sollte dringend mit Theresa sprechen. Schon allein, weil das kein Zustand war. Aber sie hatte schlicht Angst vor einem Gespräch mit ihr, weil sie genau wusste, was Theresa sagen würde. Was auch immer du mit deiner Ehe machst, ist deine Sache, Kat, aber Isabel hat die Wahrheit verdient, würde sie sagen. Und sie hätte recht.
»Ich weiß nicht. Theresa ist einfach superbeschäftigt.«
Was für eine lahme Ausrede.
»Gut, wenn du nicht mit Theresa sprechen willst, könntest du dich ja auch mal wieder so richtig … du weißt schon … in Schale werfen?« Isabel räusperte sich. »Vielleicht kriegt er dann ja Lust? Ich mache das ständig! Wenn die Jungs unterwegs sind, ziehe ich mir was Heißes an und dann …«
»Isabel!«
»Was denn?«
Katharina war alles andere als verklemmt, aber allein die Vorstellung von ihrer Freundin in etwas, das sie selbst als »etwas Heißes« bezeichnete, war … lustig bis irritierend. Isabel war eher der burschikose Typ, und Katharina hatte sie nie anders als in Jeans und Sweatshirt, Wander- und Sportklamotten oder praktischer Baumwollunterwäsche gesehen. Oder nackt beim Schwimmen im See. Aber auch Freundinnen wussten eben nicht alles voneinander.
»Okay, okay, ich nehme meinen schockierten Ausruf zurück. Vor allem, wenn du mir mal bei Gelegenheit zeigst, was du da so trägst.« Sie konnte sich ein amüsiertes Schnauben nicht verkneifen, was Isabel sofort mit einem empörten Ausruf quittierte. »Du hast ja keine Ahnung! Wenn ich heiß sage, dann meine ich auch heiß!«
»Du meinst: so richtig hot and spicy?« Katharina bemühte sich erneut, das Bild von Isabel in Reizwäsche vor ihrem inneren Auge entstehen zu lassen. Es gelang ihr immer noch nicht. »Da tun sich Abgründe auf, mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Apropos: Gehen wir da hin?«
»Wohin? Zu ›Hot and Spicy‹? Also hör mal! Hat Sandra Jonas gemachte Brüste? Die Antwort ist: Selbstverständlich! Was ist das für eine Frage! Natürlich gehen wir da hin! Und wir werden uns so was von heiß verkleiden!« Die Vorfreude war Isabel deutlich anzuhören.
Katharina lachte. »Alles klar. Ich nehme dich beim Wort, was das Verkleiden angeht. Aber sag bitte nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«
»Schon klar, Kat. Ich rechne mit allem. Vielleicht probierst du dein Outfit für die Party jetzt schon mal an?«, schlug Isabel vor und senkte ihre Stimme zu einem Raunen, das sie vermutlich für erotisch hielt. »Ich meine, heute Abend? Für Henri? Und schaust mal, was passiert?«
»Ich denke darüber nach«, antwortete Katharina. Nicht, ergänzte sie in Gedanken. Henri war bestimmt längst vor dem Fernseher eingeschlafen.
Andererseits …
Plötzlich fand sie Isabels Idee gar nicht mehr so schlecht. Katharina schaute schnell bei Bella ins Zimmer, die sie sofort wieder hinauswinkte und ihr deutlich machte, dass sie den Abend an ihrem Computer und mit ihren Freundinnen verbringen wollte.
Katharina entkleidete sich in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer und schlüpfte dann in die sündhaft teure dunkelrote Spitzenunterwäsche, die ihr Henri vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte. Sie zog ihren seidenen Morgenmantel über, der sich so leicht an ihren Körper schmiegte, als wäre er aus einem Lufthauch gewebt. Katharina löste ihren Dutt und schüttelte die Haare, bis eine blonde Lockenwolke ihren Kopf umgab. Henri liebte diesen Look.
Dann entzündete sie die drei dicken weißen Kerzen, die auf dem kleinen Tischchen am Fenster standen, und entschied sich für Norah Jones als Hintergrundmusik.
Für einen Moment stand sie ganz still und lauschte auf ihren eigenen Atem, bevor sie langsam barfuß die Treppe wieder hinunterstieg und ins Wohnzimmer ging. Ohne darauf zu achten, was Henri gerade ansah oder ob er überhaupt noch wach war, ging sie um die Couch herum, bis sie den Fernseher verdeckte.
Er war wach. Und wie.
Seine Augen wurden riesig. »Wow, du … du … siehst unglaublich aus!«, stotterte er. »Deine Haare! Und … aber … ist dir nicht kalt?« Er hielt ihr die Kaschmirdecke hin, die über der Lehne hing, und versuchte dabei, um sie herumzuschauen. Dem Geräusch nach zu urteilen, lief irgendeine Sportsendung, die Henri sicher sehen wollte, aber nun, da sich Katharina für dieses Manöver entschieden hatte, würde sie nicht so schnell aufgeben. Für einen Moment fühlten sich ihre Bemühungen lächerlich an. Aber dann griff sie nach der Fernbedienung und stellte den Fernseher aus, wobei sie zu ignorieren versuchte, dass Henri zusammengezuckt war, als Bild und Ton verschwanden.
Langsam öffnete sie den Schlitz des Morgenmantels mit ihrem Bein ein wenig weiter und lächelte Henri herausfordernd an.
»Nein, mir ist nicht kalt. Im Gegenteil«, antwortete sie und machte zwei kleine Schritte auf ihn zu. »Mir ist sogar ziemlich warm.« Sie nahm das Band des Morgenmantels zwischen ihre Finger und ließ es über Henris Oberschenkel hin- und hergleiten. Er folgte zunächst dem feinen Stück Seide mit den Augen, bis er aufsah und begriff.
»Das … Okay, damit habe ich nicht gerechnet.« Er schluckte.
»Kein Problem«, antwortete Katharina lächelnd, ließ sich auf seinem Schoß nieder und neigte ihren Kopf, um ihn zu küssen.
»Ich auch nicht.«
Doch bevor sie mit ihren Lippen die seinen berührte, schob er Katharina von sich, sodass er ihr wieder ins Gesicht sehen konnte. »Und Bella?«
»Bella will nichts von uns wissen, glaub mir.« Wieder näherte sie sich ihm. Dieses Mal allerdings streifte sie mit ihren Lippen seine Ohrläppchen. »Aber ich«, flüsterte sie, bevor sie aufstand und seine Hand nahm, um ihn mit nach oben zu nehmen.
Es war Katharina noch nie leichtgefallen, ihre Gedanken auszuschalten. Sie hatte sich schon oft beim Sex mit Henri dabei ertappt, wie sie nebenher über Fälle aus ihrer Praxis nachdachte oder darüber, was sie noch alles einkaufen musste. Es sprach nicht für sie und auch nicht für ihr Sexleben, dass das passierte. Aber sie machte sich auch nichts vor: Nach so vielen Jahren Ehe konnte man eben auch nicht immer ein prickelndes Feuerwerk der Lust erwarten.
Außerdem gelang es ihr manchmal ja doch, sich komplett fallen zu lassen und Henris Zärtlichkeiten und Nähe zu genießen.
Heute war nicht so ein Tag, selbst wenn die Voraussetzungen dafür perfekt waren. Nahezu perfekt. Denn Henri ließ sich sehr wohl auf sie ein, und Katharina merkte ihm die Freude darüber an, dass sie die Initiative ergriffen hatte. Dennoch fühlte sich die Spitzenunterwäsche plötzlich beinahe wie eine Maskerade an, und ihre Berührungen kamen ihr merkwürdig hölzern vor. Jede Bewegung war vertraut, alles war wie immer. Belangloser Alltagssex. Er machte satt, aber nicht glücklich. Wie ein Teller Spaghetti ohne Soße. Und Katharina wollte alles andere als nur satt sein. Sie sehnte sich nach einem genussvollen Feuerwerk und nach wachen, hingebungsvollen Berührungen, die sich nicht anfühlten wie eine mechanische Abfolge von jahrelang einstudierten Bewegungen. Sie wollte hungrig sein. Und bleiben.
Katharina fehlten die Worte, um Henri genau das zu sagen, aber auf eine Weise, die ihn nicht verletzte. Und nach seiner Reaktion auf ihre Kritik beim Abendessen wusste sie, dass ihre Nähe sowieso mehr als zerbrechlich war. Also blieb sie still.
Aber als er ihre nackten Oberarme streichelte und schließlich seine Hand auf ihre Brust legte, wäre sie am liebsten aufgestanden und gegangen.
Sie hatte sich einen aufregenden Abend erhofft, Zeit füreinander und vielleicht sogar noch einige innige Momente hinterher, die ihnen halfen, sich einander wieder nah zu fühlen, um die Idee vom Urlaub noch einmal aufzugreifen.
Aber während sie miteinander schliefen, fühlte es sich mehr wie ein unbefriedigender Akt eines langweiligen Schauspiels an, das sie beide da aufführten, und nach nicht einmal zehn Minuten war alles vorbei. Henri sah sie danach lange an. Es war ein nachdenklicher Blick, unter dem sich Katharina seltsam entblößt fühlte. Nicht, weil sie nackt war. Sondern weil Henri in ihren Augen womöglich lesen konnte, wie traurig sie das alles machte. So hatte sie das nicht gewollt. Es reichte ihr nicht. In keinerlei Hinsicht. Und sie konnte sich kaum vorstellen, dass Henri dieser unbeholfene Akt glücklich machte.
Wieder einmal wurde Katharina bewusst, wie dringend sie miteinander reden mussten. Und wie beschämend es war, dass ausgerechnet sie nicht einmal ein Minimum ihrer eigenen Impulse und Beziehungsregeln umsetzen konnte.
Henri küsste sie auf die Stirn, drehte sich um und schlief sofort ein. Katharina sah ihm noch eine Weile beim Schlafen zu und zermarterte sich das Hirn darüber, was mit ihr, mit Henri und mit ihrer Ehe los war, bevor sie enttäuscht aufstand, die Kerzen löschte und in ihr eigenes Zimmer ging. Sie hatte es sich schon vor längerer Zeit als Arbeitszimmer eingerichtet, aber auch um dort zu schlafen, wenn es später wurde oder sie das Bedürfnis hatte, allein zu sein.
Für Tage wie heute.
Nachdem Katharina unter die Decke gekrochen war, starrte sie noch für einige Minuten in die Dunkelheit und versuchte, ihre ewig kreisenden Gedanken zu beruhigen. Es gelang ihr nicht. Es lag nicht nur an ihr, dass sie nichts empfunden hatte, das wusste sie. Und es stimmte nicht, dass sie sich nicht fallen lassen oder kein intensives sinnliches Erlebnis haben konnte. Immerhin waren ihre ersten Monate mit Henri ziemlich aufregend gewesen. Okay, das war schon sehr lange her, und sie waren ganz sicher nicht so intensiv gewesen wie die Jahre zuvor mit Mats, aber … damals, nach Mats, hatte sie sich ja auch genau das gewünscht: eine Beziehung, die ihr Ruhe und Frieden brachte, mit einem Mann, der Familie wollte und ein Leben, das so vorhersehbar war, wie das Leben eben sein konnte. Jemand, der ihr auch Platz zum Atmen gab und dem es nicht immer nur um sich selbst ging. Henri war der Richtige gewesen, um ihre Seele und alles andere in ihr zur Ruhe kommen zu lassen und zu heilen, und sie war dankbar dafür.
Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass ihre Gedanken zu Mats zurückwanderten. Sie waren wie zwei Magnete gewesen, die sich von Anfang an unglaublich anzogen, sich allerdings genauso intensiv abstoßen konnten. Aber dass sie beim Sex mit Mats je an etwas anderes oder überhaupt an irgendetwas gedacht hatte, war garantiert nie vorgekommen.
