Vom Zauber der Rauhnächte - Vera Griebert-Schröder - E-Book

Vom Zauber der Rauhnächte E-Book

Vera Griebert-Schröder

4,8
8,99 €

Beschreibung

Alte Bräuche neu und individuell leben

Es ist eine geheimnisvolle Zeit, die zwölf Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar, auch "Rauhnächte" genannt. Nach altem Volksglauben sind diese Nächte eine Vorbereitung auf das kommende Jahr. Viele Brauchtümer, Orakel und Erzählungen ranken um sie. Neben Wissenswertem und spannenden Geschichten rund um die Rauhnächte erfahren Sie neue praktische Deutungen für die alten Bräuche. Aber auch Orakel, allerlei kreative Rituale und Wunderbares für Kinder befinden sich in diesem zauberhaft illustrierten Geschenkekoffer voller Ideen. Für jede Rauhnacht gibt es eine extra Seite - ein Zyklus, der Ihnen in verdichteter Form das ganze Potenzial dieser inspirierenden Zeit offenlegt. Stellen Sie die Weichen für ein kraftvolles, glückliches neues Jahr!

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Seitenzahl: 105

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Inhaltsverzeichnis

DIE ZEIT ZWISCHEN DEN JAHRENTeil 1
TIEFSTES DUNKEL – UND GEBURT DES LICHTS
WANN GENAU WIRD’S RAUH?
Von Weihnachten bis DreikönigVom Thomastag bis DreikönigDie ganz besonders »anderen« NächteVorbereitung: Adventszeit
URALTES WISSEN, URALTE BRÄUCHE
Die Wilde JagdDas wilde Grauen schauenFrau Holle
Der treue Eckart
Frau Percht und die PerchtenRäuchern, Reinigen, SchützenEpiphanie und Neubeginn am 6. Januar
VORBEREITUNG AUF DAS KOMMENDE
DIE ANDERSZEIT
DIE LÜCKE IM KALENDERDAS LICHT IM DUNKEL BEWAHRENORAKELZEIT – WEISSAGUNG UND VORAUSSCHAU
Orakel für Hoffnung und ZuversichtZeit kraftvoller Visionen
MONDZEIT
IHRE GANZ PERSÖNLICHE ZEIT
RAUS AUS DEM IMMERGLEICHENDAS POTENZIAL ENTDECKEN
Die zwölf Monate
Teil 2
BRÄUCHE SIND MAGIE
DIE BRÄUCHE DER RAUHNÄCHTEBRÄUCHE UND REGELN DER ZEIT ZWISCHEN DEN JAHRENWAS GEHT, WAS BLEIBT?
Das Weihnachtsgeschenk
STETS EIN LICHT IM FENSTERKEINE WÄSCHE WASCHENDIE RÄDER STILLSTEHEN LASSEN
Spinnräder – GedankenräderDas Schicksal wenden
DEN ZUKÜNFTIGEN LIEBSTEN SEHENDIE ZEIT, IN DER DIE TIERE SPRECHENORDNUNG SCHAFFENDIE PERCHTENDIE BÖLLEREI ZUM JAHRESWECHSEL
WAS WÄRE DIE WELT OHNE BRÄUCHE?
Teil 3
DIE HEILIGEN NÄCHTE FEIERN
RAUHNÄCHTE – RAUCHNÄCHTE
Rauch als Speise der GötterRäuchern für die eigene BewusstheitDie jetzt gut passenden Räucherwerke und ihre Wirkung
DIE UNERMESSLICHE WELT DER ORAKEL
Der Kanal nach »oben« ist offenDie Botschaft entschlüsselnDie vielen KartenorakelBereit für einen inneren Wandel?BleigießenRunen und I GingViele weitere MöglichkeitenDie Zukunft ist offen – oder doch nicht?
HELFER UND BEGLEITER EINLADEN
Ein Begleiter für zwölf Tage und NächteMonatshelfer
DIE KRAFT DER RITUALE
Das rituelle Treiben der Perchten
Die Brüder Ref 4
RAUHNÄCHTE INDIVIDUELL GESTALTEN
EIGENE RITUALE FINDEN
Aktuell drängende Fragen stellenEröffnungs- und AbschlussritualEin Ritual für alle zwölf TageRituelle Höhepunkte zwischendurch
DEM INNENLEBEN ÄUSSERLICH GESTALT GEBEN
Das TagebuchBilder, Mindmaps, CollagenDas Jahresmandala
ZAUBERHAFTES FÜR KINDER
Zeit des DunkelsZeit der guten WünscheZeit der StilleZeit der PerchtenmaskenZeit der starken VerbündetenZeit des RückzugsZeit des Neubeginns
Der Mond
VORFREUDE – SCHÖNSTE FREUDE?
WEGBEGLEITER DURCH DIE ZWÖLF HEILIGEN NÄCHTE
JAHRESKREISLÄUFEWINTERSONNENWENDE
21. Dezember – der kosmische Auftakt
DIE ERSTE RAUHNACHT
25. Dezember – der kommende JanuarStille
DIE ZWEITE RAUHNACHT
26. Dezember – der kommende FebruarFrieden
DIE DRITTE RAUHNACHT
27. Dezember – der kommende MärzAufbruch
DIE VIERTE RAUHNACHT
28. Dezember – der kommende AprilNeugierde
DIE FÜNFTE RAUHNACHT
29. Dezember – der kommende MaiStrategie
DIE SECHSTE RAUHNACHT
30. Dezember – der kommende JuniAktivität
DIE SIEBTE RAUHNACHT
31. Dezember – der kommende JuliGesellschaft
DIE ACHTE RAUHNACHT
1. Januar – der kommende AugustFülle
DIE NEUNTE RAUHNACHT
2. Januar – der kommende SeptemberIntuition
DIE ZEHNTE RAUHNACHT
3. Januar – der kommende OktoberErnte
DIE ELFTE RAUHNACHT
4. Januar – der kommende NovemberDankbarkeit
DIE ZWÖLFTE RAUHNACHT
5. Januar – der kommende DezemberWeisheit
DIE SCHWELLE INS NEUE
DER JAHRESAUFTAKTEIN GUTES NEUES JAHR!
DANKSAGUNGEINIGE WEITERFÜHRENDE HINWEISEIMPRESSUM

DIE ZEIT ZWISCHEN DEN JAHREN

Seit alters kennen die Menschen unserer Breiten eine Zeit, die nicht von dieser Welt ist. In den Tagen und Nächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, erlebten sie sich herausgehoben aus allem Alltäglichen, hineingesunken in eine Phase der Stille und des Rückzugs in die Stuben, während es draußen stürmte, fror – und spukte. Die Wilde Jagd scheuchte verlorene Seelen über die Lande und durch die Dörfer, allerlei Geister trieben ihr Unwesen. Also blieb man lieber am warmen Ofen sitzen, ruhte sich von den Mühen des letzten Jahres aus und lauschte den Märchen und teilweise ordentlich gruseligen Geschichten, die die Alten zu erzählen wussten. Die Uhren schienen stehen geblieben zu sein in diesen rauhen Nächten. Jetzt galten andere Regeln als im übrigen Jahr …

Und heute? Mit diesem Buch halten Sie einen ganzen Geschenkekoffer voller Ideen in der Hand, wie sich die Rauhnächte in unserer Zeit leben lassen: Da finden sich Fakten und Geschichten rund um diese ungewöhnliche Zeit, neue praktische Deutungen für die alten Bräuche, Orakel, allerlei Vorschläge für Rituale, Zauberhaftes für Kinder, Märchen zum Vorlesen und vieles mehr. Gegen Ende gibt es für jede Rauhnacht eine Einzelseite – ein Zyklus, der Ihnen in verdichteter Form das kraftvolle Potenzial dieser inspirierenden Zeit offenlegt. Mit all dem sind Sie eingeladen, das Lebendige in dieser alten Tradition zu entdecken. Einer Tradition, die uns Heutigen viel Wertvolles zu geben hat.

Beschenken Sie sich während der Rauhnächte mit genau dem, was Sie sich während der übrigen Zeit des Jahres nicht oder niemals genug geben können. Vielleicht einen gemütlichen Austausch in der Familie und mit Freunden, Bewegung, Spaziergänge, Tanz und Freude. Vielleicht Ruhe, Besinnung, Rück- und Vorschau zur Orientierung über den Platz, an dem Sie in Ihrem Leben gerade stehen.

Mit der dabei neu gewonnenen Kraft starten Sie dann erfrischt und aufgetankt, inspiriert und »bei sich« in ein neues Jahr. Denn auch dafür dienen die Rauhnächte: zur Vorbereitung des Neuen, das da kommen wird. Und je besser diese Vorbereitung vor allem innerlich glückt, umso größer sind die Chancen fürs Gelingen. Und vielleicht öffnet es auch die Türen für die kleinen und großen Wunder, die das Leben manchmal bereithält.

Viel Freude mit dem Zauber der Rauhnächte wünschen Ihnen Vera Griebert-Schröderund Franziska Muri

TIEFSTES DUNKEL – UND GEBURT DES LICHTS

Rauhnächte, das klingt schaurig und schön zugleich. Sie umfassen die Zeit »zwischen den Jahren«, schließen Weihnachten, Silvester und Neujahr mit ein und enden mit dem 6. Januar, dem Tag, an dem die drei Könige aus dem Morgenland vor dem Jesus kind erschienen. Doch auch in vorchristlichen Jahrhunderten ist diese Zeitspanne bereits als etwas Außergewöhnliches angesehen worden.

Was aber bedeutet das eigentümliche Wort? »Rauh« könnte auf den ersten Blick besagen, dass es in dieser Zeit draußen kalt, nass, unwirtlich, eben rauh ist. Letztlich aber leitet es sich von »rauch« ab und damit ursprünglich von einem Begriff für »behaart, pelzig, von Fell bedeckt«. Unsere Vorfahren bezogen sich dabei auf die Felle, die die Perchten trugen – untrennbar mit den Rauhnächten verbundene, wüste und angsteinflößende Gestalten, die wir uns später noch etwas genauer ansehen werden.

Zugleich bezieht sich »rauch« auf den uralten Brauch, insbesondere in dieser Zeit zwischen den Jahren mit verschiedenen Harzen und Kräutern zu räuchern, um böse Geister zu vertreiben, von denen es gerade in der sogenannten fünften Jahreszeit nur so wimmelt.

WANN GENAU WIRD’S RAUH?

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Tage und Nächte denn nun tatsächlich die Rauhnächte sind. In alten Zeiten wurden sie regional unterschiedlich angesetzt, heute handhaben es die Menschen zudem recht individuell, einfach so, wie es sich für sie stimmig anfühlt.

Damit es nicht zu verwirrend wird, beginnen wir gleich mit der Zählweise, die wir auch hier im Buch nutzen.

Von Weihnachten bis Dreikönig

Meist geht man davon aus, dass die Rauhnächte um Mitternacht nach dem Heiligen Abend beginnen und mit dem Null-Uhr-Glockenschlag zum 6. Januar enden. Man zählt dann vom 25. Dezember bis einschließlich 5. Januar zwölf Nächte. Auch wir gehen hier so vor: Die erste Rauhnacht ist also der komplette 25. Dezember, die zweite der 26. Dezember und die zwölfte der 5. Januar, stets von Mitternacht bis Mitternacht (siehe auch Übersicht auf Seite 23).

Manche zählen auch ausschließlich die Nächte von der Abenddämmerung bis zur Morgendämmerung. Jede einzelne Rauhnacht erstreckt sich dann über einen Datumswechsel: Die erste beginnt am Heiligen Abend und endet am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags und so weiter.

Vom Thomastag bis Dreikönig

Nach einer anderen Zählweise beginnen die Rauhnächte bereits am Thomastag, dem 21. Dezember. Dies ist gleichzeitig die Wintersonnenwende und somit der kürzeste Tag des Jahres. Es ist die Hoch-Zeit des Dunkels. Und damit wirklich der perfekte Auftakt für diese Zeit. Auch wenn es rein rechnerisch jetzt schon wieder heller zu werden beginnt, merkt man davon noch lange nichts.

Fängt man früher an zu zählen, ergeben sich natürlich mehr Tage. Will man dennoch von zwölf Tagen beziehungsweise Nächten ausgehen, wird es etwas komplizierter. Man zieht dann beispielsweise die Feiertage und Silvester ab und kommt so wiederum auf diese magische »runde« Zahl.

Aber auch ganz ohne die Zwölf kommt man zuweilen aus, mancherorts beginnt die zauberhafte Zeit bereits am 13. Dezember, in der Nacht der Lucia – der Heiligen, die als »Nikolaus der Frauen« eine Woche nach ihrem männlichen Pendant die Mädchen beschenkte.

Man kann ebenfalls den Brauch finden, 13 Rauhnächte zu begehen, oft vom 24. Dezember an. Sie beziehen sich, wohl aus dem Keltischen stammend, stärker auf den Mondaspekt und entsprechen den 13 Mondmonaten des kommenden Jahres. Dagegen steht jede der zwölf Rauhnächte für einen Sonnenmonat des nächsten Jahres.

Die ganz besonders »anderen« Nächte

Ein paar Rauhnächte stechen aus dem Reigen der üblichen hervor, sie sind mit ganz besonderen Bräuchen verbunden und allesamt auch den meisten Menschen bekannt, die sonst noch nie etwas von den Rauhnächten gehört haben. Je nach Zählweise gehören dazu:

Wintersonnenwende, Thomastag, 21. DezemberDie Heilige Nacht vom 24. auf den 25. DezemberSilvester, 31. DezemberDie Drei-Königs-Nacht vom 5. auf den 6. Januar

Vorbereitung: Adventszeit

Eingeleitet werden die Rauhnächte in gewisser Weise bereits von den Adventssonntagen. Der Name kommt vom lateinischen Wort für »Ankunft« – die Christen erwarten die Ankunft, die Geburt von Jesus, letztlich auch sinnbildlich für die Wiedergeburt des Lichts, die im gleichen Zeitraum liegt und auch in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde.

URALTES WISSEN, URALTE BRÄUCHE

Im Zeitalter von gut geheizten Wohnungen, stets verfügbarer heißer Badewannen und luxuriös gefüllten Kühlschränken mag es uns seltsam erscheinen, von rauhen Nächten zu sprechen, an welche Herleitung des Wortes wir auch denken mögen. Wir sitzen im Warmen, feiern Weihnachten, schlemmen und genießen. Beim Blick oder einem Gang nach draußen allerdings könnte uns auch heute noch bewusst werden, warum sich um diese Zeit so sonderbare Bräuche ranken: Es ist eisig kalt, tief dunkel, Wind und Schneetreiben lassen es zusätzlich ungemütlich werden.

Die Menschen früher, die am Waldrand oder in kleinen Dörfern in einfachen Holzhütten wohnten, unter deren Dächern man den Sturm heulen und die Balken ächzen hörte, waren sehr nah dran am zuweilen schaurigen Getöse der Winternächte. Sie hofften, mit kärglichen Vorräten und einer Feuerstelle, die auch etwas Licht gab, den eisigen Winter zu überdauern. Immer wieder aber fanden sie sich zusätzlich von umherziehenden Räuberbanden oder Heeren bedroht, die brandschatzten, mordeten und plünderten. Eine tatsächlich extrem rauhe Zeit, vor allem im Winter, wo man in den Häusern gewissermaßen festsaß. Die Menschen entwickelten eine Vielzahl an Bräuchen, um diese Zeit schadlos zu überstehen und ihr mit etwas Glück vielleicht sogar ihren ganz eigentümlichen Segen abzugewinnen.

Rational betrachtet mögen wir sagen, dass sie im für uns heute unvorstellbaren Dunkel und Grauen mancher Nächte ängstlich allerlei unheimliche Gestalten und bedrohliche Geister halluziniert haben mögen. Doch wenn wir heute in einer solchen Nacht mal hinaus in die Natur gehen, sind wir uns dann wahrscheinlich trotz unserer Aufgeklärtheit und unserer schützenden Zivilisation gar nicht mehr so sicher, das wirklich einschätzen zu können. Eine tatsächlich unheimliche Stimmung liegt über dem Land – oder ist es eine heilige Stille?

Die Wilde Jagd

Wenn in diesen Nächten der Sturm braust, dann ist es aus mit »heiliger Stille«. Dann, so heißt es, ist Gott Wotan mit seiner Wilden Jagd unterwegs. In der Zeit zwischen den Jahren kommt er auf die Erde und fegt mit seinem Gefolge aus allerlei wüsten Unholden und wilden Tieren über die Lande. Sie fangen verlorene Seelen ein, die sich vor ihnen zu verstecken suchen, so hört und liest man es einerseits. Oder es heißt, sie prüfen die Menschen, strafen und richten sie.

Die historischen Gegebenheiten mit den vielzähligen räubernden Horden werden diese Vorstellung sicherlich mit befruchtet haben. Wenn sich diese finsteren Trupps in der Dämmerung, dunkel gekleidet, mit Gewüte und Geheul den Dörfern näherten, wurden die Menschen von einem grauenvollen Schrecken und blanker Angst heimgesucht – ob irdische oder überirdische Macht, es war eine Übermacht.

Kam sie von himmlischer Seite, war sie Teil der natürlichen Ordnung und damit nicht ausschließlich gefürchtet. Denn Wotans Wilde Jagd brachte den Äckern neue Fruchtbarkeit. Waren er und die Seinen über sie hinweggefegt, war das ein gutes Zeichen für die kommende Saison. So gab es den Brauch, dass als Wilde Jagd oder auch Perchten maskierte Männer während der Rauhnächte auf den Feldern tanzten und stampften, um die Erde zu wecken. So hoch, wie sie dabei sprangen, so hoch würde im nächsten Jahr das Korn wachsen.

Das wilde Grauen schauen