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Führung ist so alt wie die Menschheit – und aktueller denn je. In „Von Alexander bis Agile“ verbindet der Autor die zeitlosen Prinzipien erfolgreicher Führung mit den Herausforderungen des modernen Projektmanagements. Von Alexander dem Grossen über Julius Caesar und Napoleon bis hin zu agilen Teams der Gegenwart zeigt dieses Buch, dass wahre Führung immer auf drei Grundpfeilern beruht: Vision, Vertrauen und Orientierung. Anhand historischer Beispiele, moderner Führungsmodelle und praxisnaher Reflexionen aus der Fachgruppe Führungskultur des spm (Schweizerischer Projektmanagement-Verband) entsteht ein inspirierender Leitfaden für Führungskräfte, Projektleitende und alle, die Menschen für gemeinsame Ziele begeistern wollen. Ein Buch, das Vergangenheit und Zukunft der Führung zu einem klaren Prinzip vereint: Führen heisst, Menschen zu bewegen – nicht zu verwalten.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Dieses Buch widme ich allen Projektleiterinnen und Projektleitern, die sich täglich den Herausforderungen von Veränderung, Führung und Zusammenarbeit stellen – mit Mut, Neugier und der Bereitschaft, immer wieder neu zu lernen.
Danksagung
Mein besonderer Dank gilt Dr. Ingrid Giel, Präsidentin des spm (Schweizerischer Projektmanagement Verband). Durch ihr hervorragendes Coaching hat sie mir schon vor Jahren Wege aufgezeigt, wie ich mich in meiner Rolle als Projektleiter finden und entfalten konnte. Ihre Impulse haben meinen Werdegang entscheidend geprägt und sind eine wichtige Grundlage für vieles, was in diesem Buch zur Sprache kommt.
Im Weiteren danke ich allen, die mich auf meinem Weg begleitet und zu neuen Gedanken angeregt haben – den Teilnehmenden der Stammtische des spm, den Mitgliedern der Fachgruppe Führungskultur, den Teammitgliedern in meinen Projekten und allen anderen Menschen, mit denen ich diskutieren, reflektieren und wachsen durfte. Dieses Buch ist auch ein Spiegel dieser Begegnungen – ohne sie wäre es nicht entstanden.
Mein Name ist Stefan Ruchti. Seit vielen Jahren bewege ich mich in der Welt des Projektmanagements – als Projektleiter, IT-Consultant, Moderator und nicht zuletzt als jemand, der neugierig bleibt, wie Menschen zusammenarbeiten, sich entwickeln und führen lassen. In all diesen Jahren habe ich gelernt: Projekte sind mehr als Pläne, Budgets und Meilensteine. Sie sind vor allem Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen, Fähigkeiten und Hoffnungen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu schaffen.
Meine Leidenschaft für das Thema Führung hat mich dazu bewegt, den Stammtisch des spm (Schweizerischer Projektmanagement-Verband) sowie die Fachgruppe Führungskultur zu initiieren, zu leiten und aktiv mitzugestalten. Dort tausche ich mich regelmässig mit Kolleginnen und Kollegen aus, die ähnliche Fragen bewegen wie mich:
Was bedeutet gute Führung im Projektmanagement wirklich?
Wie können wir voneinander lernen?
Und wie schaffen wir Räume, in denen nicht nur Methoden, sondern auch Erfahrungen, Zweifel und Inspiration Platz haben?
Dieses Buch ist aus dieser Haltung entstanden. Es ist kein Ratgeber im klassischen Sinn, der einfache Rezepte liefert. Stattdessen möchte es eine Einladung sein: zur Reflexion über die eigene Rolle als Projektleiter:in und zur Inspiration, den Austausch mit anderen zu suchen – sei es in einer Fachgruppe, am Rande einer Konferenz oder ganz informell bei einem Kaffee.
Wenn ich nicht in Projekten unterwegs bin, finde ich meinen Ausgleich im Sport und in der Musik. Bewegung gibt mir die nötige Energie, das Klavierspiel hilft mir, Abstand zu gewinnen. Daneben beschäftige ich mich seit Jahren intensiv mit Psychologie und Philosophie – zwei Disziplinen, die mir immer wieder neue Perspektiven auf Führung und Zusammenarbeit eröffnen. Denn am Ende geht es im Projektmanagement nicht nur um Werkzeuge, sondern um Menschen, Sinn und Kultur.
Ich hoffe, dass dieses Buch Sie beim Lesen genauso begleitet, wie es mich beim Schreiben begleitet hat: als Anstoss zum Nachdenken, als Quelle für neue Ideen und vielleicht auch als Anlass, eigene Erfahrungen mit anderen zu teilen.
IhrStefan Ruchti
Von Alexander bis Agile – Zeitlose Führungsprinzipien für das Projektmanagement
Führung ist so alt wie die Menschheit selbst. Lange bevor Könige herrschten oder Generäle ihre Heere lenkten, mussten die ersten Menschen lernen, sich zu organisieren. Ein einzelner Jäger konnte kein Mammut erlegen – dafür brauchte es eine Gruppe, die ihre Kräfte bündelte. Manche trieben das Tier in eine Falle, andere hielten Feuer bereit, wieder andere stiessen die Speere. Doch damit diese Jagd nicht im Chaos endete, musste jemand den Moment bestimmen, das Signal geben und den Mut haben, als Erster voranzugehen. Hier begann Führung: als Notwendigkeit für das Überleben.
Diese Erfahrung zieht sich durch die Menschheitsgeschichte. Der Bau der ägyptischen Pyramiden, das römische Strassennetz, die Kathedralen des Mittelalters oder die grossen technischen Projekte der Neuzeit – all das waren Unternehmungen, die Menschen über Jahre, Jahrzehnte oder gar Generationen verbanden. Sie waren Projekte im eigentlichen Sinn: Vorhaben mit klaren Zielen, begrenzten Ressourcen, hohen Risiken und der Notwendigkeit, viele Einzelne zu einer gemeinsamen Leistung zu vereinen. Ohne Führung wären sie undenkbar gewesen.
Die grossen Gestalten der Geschichte – Alexander der Grosse, Julius Caesar, Napoleon oder Henri Dufour in der Schweiz – machen dies besonders deutlich. Ihre Feldzüge, Reformen oder Staatsgründungen lassen sich als riesige Projekte lesen, die von Planung, Koordination und Kommunikation lebten. Natürlich waren ihre Mittel andere als die unseren. Alexander hatte keine Gantt-Charts, Caesar kein Kanban-Board, Napoleon kein agiles Daily. Doch die Grundfragen, die sie beantworten mussten, sind bis heute dieselben: Wie gewinne ich Menschen für ein Ziel? Wie baue ich Vertrauen auf, wenn Unsicherheit herrscht? Wie treffe ich Entscheidungen bei unvollständigen Informationen? Und wie halte ich eine Gemeinschaft zusammen, wenn die Komplexität wächst?
Heute nennen wir das Projektmanagement. Methoden wie Scrum oder Kanban liefern uns Strukturen, um Projekte zu planen und Komplexität zu beherrschen. Doch wie schon in der Frühgeschichte bleibt der entscheidende Unterschied der menschliche Faktor. Projekte scheitern selten an fehlenden Tools, sondern fast immer am Fehlen von Vertrauen, Klarheit und Orientierung. Genau hier zeigt sich: Projektmanagement und Führung sind keine getrennten Disziplinen, sie sind zwei Seiten derselben Medaille.
Dieses Buch will die Brücke schlagen: von den frühen Jagdgemeinschaften über die grossen Feldherren und Staatsmänner bis hin zu agilen Teams im 21. Jahrhundert. Es erzählt Geschichten, analysiert Führungsstile, verknüpft sie mit Theorien – und übersetzt sie in die Praxis heutiger Projekte. Im Zentrum stehen dabei zeitlose Prinzipien: Vision, Vertrauen, Kommunikation, Mut und Orientierung. Sie gelten seit der Mammutjagd – und sie gelten noch in virtuellen Projektteams von heute.
Einen besonderen Praxisbezug erhält das Buch durch die Reflexionen der Fachgruppe Führungskultur des Schweizerischen Projektmanagement-Verbands (spm). Diese Stimmen aus der Praxis zeigen, wie moderne Projektleiterinnen und Projektleiter in der Realität mit Führung umgehen: wie sie Vertrauen statt Kontrolle schaffen, wie sie Partizipation ermöglichen und wie sie selbst in unsicheren Zeiten Orientierung geben. So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Geschichte und Praxis.
Die Reise führt von Alexander bis Agile. Sie zeigt, dass sich die Werkzeuge ändern, die Technologien, die Organisationen – doch die Grundfrage bleibt: Wie gelingt es uns, Menschen für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen?
Denn am Ende gilt:
Führung ist keine Modeerscheinung. Führung ist zeitlos.
Führung begann nicht in Palästen oder auf den Schlachtfeldern grosser Feldherren. Sie begann am Lagerfeuer der ersten Menschen, lange bevor es Schrift, Geld oder Staaten gab. Schon die frühen Jäger- und Sammlergruppen standen vor Aufgaben, die sie allein nicht bewältigen konnten. Ein einzelner Mensch war zu schwach, um ein Mammut zu erlegen oder eine grosse Beute sicher nach Hause zu bringen. Dafür brauchte es eine Gruppe, die ihre Kräfte bündelte, ihre Rollen verteilte und sich koordinierte.
Stellen wir uns eine Szene vor: Vor etwa 40.000 Jahren sitzt eine kleine Gruppe von Homo sapiens am Feuer. Der Tag war karg, die Beeren rar, die Jagd erfolglos. Doch am Horizont haben sie ein Mammut gesichtet. Jeder weiss, dass es allein unmöglich ist, dieses Tier zu erlegen. Ein Mammut ist nicht nur gross und stark, es ist auch gefährlich. Doch ebenso ist es die Chance auf Nahrung für Wochen, vielleicht Monate. Also beginnt die Gruppe, Pläne zu schmieden. Die Alten erinnern sich an frühere Jagden, die Jungen drängen auf den Angriff, die Frauen denken an die Kinder und das Risiko, das ein Fehlschlag bedeutet.
Und dann erhebt sich einer aus der Runde. Vielleicht ist es der erfahrenste Jäger, vielleicht die klügste Beobachterin. Diese Person schlägt einen Plan vor: Zwei Gruppen sollen das Mammut von verschiedenen Seiten treiben, während eine dritte den Rückweg mit Feuer blockiert. In diesem Moment entsteht etwas, das wir heute eine Projektidee nennen würden – eine erste Vorstellung davon, wie ein gemeinsames Ziel erreicht werden kann. Andere hören zu, ergänzen, widersprechen. Chancen und Risiken werden diskutiert, man wägt Aufwand und Nutzen ab. Schliesslich einigt man sich auf ein Vorgehen. Damit ist die Projektinitiative geboren, der Auftrag erteilt und die Rollen verteilt. Am nächsten Morgen beginnt das Projekt „Mammutjagd“.
Anthropologen beschreiben genau diesen Mechanismus als Kern menschlicher Evolution. Harari (2011) betont, dass Kooperation und gemeinsames Handeln uns zu dem gemacht haben, was wir sind: Der Mensch überlebte nicht, weil er schneller oder stärker war als andere Tiere, sondern weil er in der Lage war, viele Individuen auf ein gemeinsames Ziel hin auszurichten. Henrich (2016) spricht in diesem Zusammenhang von „kultureller Evolution“ – unserer einzigartigen Fähigkeit, Wissen, Rollen und Strategien über Generationen hinweg weiterzugeben. Führung war in dieser Entwicklung immer eine Schlüsselfunktion: Sie machte aus einer Gruppe Einzelner ein funktionierendes Kollektiv.
Auch Wrangham (2009) und Tomasello (2019) zeigen, dass die entscheidende Stärke des Homo sapiens nicht allein in biologischen Veränderungen lag, sondern in seiner Fähigkeit, Absichten zu teilen, gemeinsame Ziele zu formulieren und Handlungen aufeinander abzustimmen. Die Jagd auf ein Mammut war daher nichts anderes als ein frühes Projekt: ein Vorhaben mit klarem Ziel, begrenzten Ressourcen, hohem Risiko und einem definierten Zeitrahmen. Führung war das Bindeglied, das aus Chaos Struktur machte.
Mit der Sesshaftigkeit veränderte sich das Bild. Als Menschen begannen, Ackerbau zu betreiben und Vorräte zu lagern, wurden ihre Projekte komplexer. Es ging nicht mehr nur darum, gemeinsam zu jagen, sondern auch Felder zu bestellen, Wasser zu leiten, Vorratsspeicher anzulegen. Plötzlich musste organisiert werden, wer wann säte, wer erntete, wer den Boden vorbereitete. Es entstanden erste Machtstrukturen – Ältestenräte, Stammesführer, Schamanen. Führung war nun nicht mehr nur situativ, sie wurde institutionell verankert. Und dennoch blieb der Kern gleich: Orientierung geben, Vertrauen aufbauen, Zusammenarbeit ermöglichen.
Wenn wir das mit heutiger Sprache beschreiben, erkennen wir sofort Parallelen zum Projektmanagement. Eine Mammutjagd entsprach einem Kick-off-Meeting mit hohem Risiko. Vorratsspeicherung war eine frühe Form von Ressourcenplanung. Der Umzug einer Sippe in neues Gebiet glich einem komplexen Change-Management. Und schon damals war klar: Ohne Führung funktionierte keine Methode. Ein Plan allein reichte nicht – er musste erklärt, verstanden und akzeptiert werden.
Genau das gilt auch heute. Moderne Projektmanagement-Methoden – ob Gantt-Diagramme, Scrum-Boards oder Kanban-Karten – sind wichtige Werkzeuge. Sie geben Struktur, Transparenz und Vergleichbarkeit. Doch wer jemals ein Projekt geleitet hat, weiss: Werkzeuge allein reichen nicht. Projekte scheitern selten am Mangel einer Methode, sondern fast immer am Mangel an Vertrauen, Klarheit oder Orientierung. Die besten Tools nützen nichts, wenn die Menschen dahinter nicht motiviert sind oder nicht an das Ziel glauben. Projektmanagement liefert den Bauplan, Führung das Fundament. Ohne Bauplan wächst ein Haus chaotisch, ohne Fundament stürzt es beim ersten Sturm ein. Erst die Kombination beider Elemente schafft Stabilität.
Auch die grossen Gestalten der Geschichte bestätigen dieses Muster. Alexander der Grosse überzeugte seine Soldaten nicht allein mit Befehlen, sondern mit einer Vision, die über das blosse Erobern hinausging. Julius Caesar wusste, dass Macht nur dann Bestand hatte, wenn Senat, Volk und Armee eingebunden waren – Stakeholder-Management im ursprünglichen Sinn. Napoleon verband Strategie mit Organisation und nutzte die Loyalität seiner Gefolgsleute als entscheidenden Hebel. Ihre Projekte waren Eroberungen und Staatsumbauten, unsere sind heute Innovationsprogramme, Bauvorhaben oder digitale Transformationen. Doch die Parallelen sind frappierend: Menschen, Ressourcen und Ziele mussten verbunden werden – und der unsichtbare Kitt war immer Führung.
Darum ist es ein Missverständnis, Projektmanagement als rein technische Disziplin zu verstehen. Projekte sind soziale Systeme. Sie leben nicht von Plänen, sondern von Menschen. Werkzeuge sind wichtig, aber erst die Art, wie sie angewendet und mit Sinn gefüllt werden, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Führung und Projektmanagement sind keine getrennten Disziplinen – sie gehören seit der Steinzeit untrennbar zusammen.
Wer heute ein Projekt leitet, steht damit in einer uralten Tradition. Auch wenn wir längst keine Mammuts mehr jagen, ist die Grundfrage dieselbe geblieben: Wie gelingt es, viele Einzelne so zu verbinden, dass sie gemeinsam etwas erreichen, das grösser ist als das, was jeder für sich schaffen könnte?
Reflexion aus der Fachgruppe Führungskultur (spm)
„Führung beginnt dort, wo Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen, das sie allein nicht erreichen können. Ob in der Steinzeit bei der Mammutjagd oder heute in einem komplexen IT-Projekt: Es braucht jemanden, der Orientierung gibt, Vertrauen schafft und die Gruppe befähigt, über sich hinauszuwachsen.“
Reflexionsfragen für Projektleiter:innen
Was ist in meinem aktuellen Projekt das „Mammut“, das wir nur gemeinsam bewältigen können?
Wo entsteht in meinem Team Führung ganz natürlich – und wo braucht es meine bewusste Intervention?
Habe ich für mein Projekt eine „Feuerstelle“ geschaffen – einen Ort, an dem Austausch, Planung und Orientierung stattfinden?
Vertraut mein Team darauf, dass ich im richtigen Moment das Signal gebe?
Literaturhinweise
Harari, Yuval Noah (2011): Eine kurze Geschichte der Menschheit. München: DVA.
Henrich, Joseph (2016): The Secret of Our Success: How Culture Is Driving Human Evolution, Domesticating Our Species, and Making Us Smarter. Princeton: Princeton University Press.
Wrangham, Richard (2009): Catching Fire – How Cooking Made Us Human. New York: Basic Books.
Tomasello, Michael (2019): Becoming Human: A Theory of Ontogeny. Cambridge, MA: Harvard University Press.
