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Wie lebt es sich mit einem Gatten und einem Liebhaber zeitgleich? Ganz klar: Manchmal anstrengend, manchmal vergnüglich – aber immer mit einem Überraschungseffekt. Bleibt noch die Frage: Wer trägt bei diesem Dreiecksverhältnis am Ende die meisten Schrammen davon? Antworten finden die Leserinnen und Leser in dieser intelligenten, witzigen und spritzigen Episodensammlung von Marcella Berger.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2023
Marcella Berger
Von Gatten und Liebhabern
Rasante Rhapsodien
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Gatte oder Liebhaber - wer sonst?
„Liebe auf den ersten Blick!“
Rätselhafter Liebhaber
Die Vermessung des Gatten
Liebhaber-Frühstücke
Haselnüsse oder die Wahrung des häuslichen Friedens
Der Liebhaber singt
Sommerabende mit dem Gatten
Der Liebhaber philosophiert
Wortakrobatik in gemäßigten Zonen
Der rhythmische Liebhaber
Gattenkultur e.V.
Der Neandertaler im Liebhaber
Die Beweise des Gatten
Das Sterntaler-Negligé
SLAN im Gehäuse
Der Liebhaber als Schafmacher
Der Alltagsagent
Stehkragen, Gummistiefel, Keuschheitsgürtel
Der Gatte und das Kafka-Tier
„Suzanne, takes you down…“
Die Nase
Die Frauen des Liebhabers
Ein Brief
Das @-Zeichen
Weichgespült
Vom hohen Neurotizitätsgrad
Künstliche Intelligenz
Der veredelte Liebhaber
Der melancholische Gatte
Liebhaber-Träume
Sauropoden und Seismopoden
Der alte und der neue Liebhaber
„If I had a hammer…“
Der pflichtvergessene Schutzengel
Immer Weihnachten?
Bis ans Ende der Tage?
Der Paartherapeut
Im Zauberwald
Der Gatte und die Statistik
Ménage-a-trois
Der Gatte und die Maden
Bemützt
Um 90 Grad gedreht
Wie Pi
Das Theaterstück
Der gespaltene Liebhaber
Honeymoon und der Senf
Der düstere Liebhaber
Zwischen Himmel und Erde
Glück auf!
Von Liebesdrang und Liebestrainern
Wunden und verschwunden
Verzweifelt
Major Tom
Impressum neobooks
Das Telefon klingelt, als ich im Bad bin. Ich spute mich und flitze zum Telefon.
„Hallo?“
„So, ich bin jetzt da.“ Eine etwas kehlige Männerstimme, sie kommt mir irgendwie bekannt vor.
„Ah, du bist jetzt da“, wiederhole ich. Und in meinem Kopf beginnt es zu rumoren. Wer ist das?
Ich bin unter Zeitdruck und auf dem Sprung zu einer Veranstaltung. Habe ich etwa wieder etwas verbaselt?
„Ja“, sagt der Mann, und ich meine, eine Spur Gereiztheit wahrzunehmen. Jetzt bin ich da!“
„Ah, gut“, sage ich dümmlich. „Du bist da.“
„Das war doch so vereinbart“, sagt der Mann, schon fast ein wenig ungeduldig.
„Ah ja“, sage ich.
„Ja“, sagt er und legt auf.
In diesem Moment klingelt es an der Tür.
Habe ich mich mit dem neuen Liebhaber verabredet und es vergessen? Wir kennen uns erst seit Kurzem und haben erst ein- oder zweimal telefoniert.
Ja, vor der Tür kann niemand anderer stehen als der Liebhaber, es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich nicht mit ihm gerechnet und er mich ganz schön ins Schwitzen gebracht hätte. Doch dass ich nicht den Hauch einer Erinnerung an die Verabredung habe, beunruhigt mich schon.
Ohne nachzudenken, aber unter wildem Neuronenbeschuss –was mach ich jetzt nur?! – drücke ich mit der einen Hand den Türöffner und versuche mit der anderen, den Hosenknopf zu schließen.
Der Türöffner summt.
Nichts geschieht
Ich drücke erneut, aber niemand tritt in den Hausflur.
Inzwischen ist meine Hose endlich zu, ich schließe kopfschüttelnd die Wohnungstür und rufe meine Freundin im Nachbarhaus an. Ob sie mal einen Blick auf die Straße werfen könne? Ob da einer stehe?
„Niemand in Sicht“, sagt meine Freundin.
Ich atme auf. Puh! Glück gehabt! Ich bin eine Andere!
Ich lache ein wenig verlegen, es ist mir einfach so herausgerutscht, dieses Liebe auf den ersten Blick.
„Im ‚Beichtstuhl‘ war das?“, fragt der Gatte. „An den ‚Beichtstuhl‘ habe ich auch schöne Erinnerungen.“
Der ‚Beichtstuhl‘ ist eine urige, sehr kleine Kneipe, in der jeder mit jedem in Tuchfühlung kommt.
„Nein, in der ‚Krottenschenke‘, wir haben Billard gespielt.“
„Ah“, sagt der Gatte und bestreicht sein Brötchen mit Johannisbeerkonfitüre. „Damals warst du in der ‚Krottenschenke‘ aktiv.“
„Was heißt aktiv?“ Ich köpfe mein Ei. „Um die Häuser gezogen sind wir!“
„Ah, klar“, sagt der Gatte und schlägt die Zeitung auf.
„Und am Ende des Abends war ich verheiratet.“
„Verheiratet?“, fragt er mit vollem Mund und sein Blick überfliegt die Schlagzeilen, „bemerkenswert.“
„Binnenschiffer“, sage ich verträumt.
„Ah“, der Gatte schlägt eine Seite um, „ein Rheinkapitän.“
„Nein“, vorsichtig löffele ich den Eidotter, „kein Rheinkapitän, nur ein Binnenschiffer.“
Der Gatte hebt den Blick.
„Ach, er fährt nicht auf dem Rhein?“
„Ich weiß nicht, wo er fährt, ich weiß nur, dass es ein Binnenschiffer war.“
„Ach so“, sagt er kauend, „immerhin.“
„Ich war aber nicht in den Binnenschiffer verliebt“, sage ich, „der hat uns nur getraut, am Billardtisch.“
„Auf dem Kahn“, fragt der Gatte ohne großes Interesse.
„Nein! Auf dem Kahn gab es keinen Billardtisch, genau genommen war ich gar nicht auf dem Kahn, ich war in der ‚Krottenschenke‘.“
„Ah so“, sagt der Gatte, „und dort gibt es Billardtische?“
„Gab es Billardtische“, korrigiere ich und kratze die Eierschale aus, „die ‚Krottenschenke‘ gibt es ja schon lange nicht mehr!“
„Stimmt!“, der Gatte sieht auf das Thermometer an der Wand, auf dem auch die Außentemperatur angezeigt wird. „Heute Nacht war es ziemlich kalt!“
Bei unserem nächsten Treffen berichte ich dem Liebhaber von dem geisterhaften Klingeln an der Tür und meinen Überlegungen. Meine Geschichte sei typisch für ein quantenphysikalisches Phänomen, meint der Liebhaber und lächelt in sich hinein.
„Ich kann ein Teilchen und eine Welle gleichzeitig sein.“
„Du?“, frage ich erstaunt, „von dir hätte ich das zuallerletzt erwartet.“
„Siehst du“, sagt der Liebhaber zärtlich.
„Nicht wirklich“, sage ich.
„Nun ja“, sagt der Liebhaber. „Wenn ich in der Superposition bin, kann ich an zwei Orten gleichzeitig sein.“
Mir wird ein bisschen unheimlich.
„Am Telefon und vor der Tür, meinst du?“
„Wenn du die Tür aufmachst, bricht die Wellenfunktion zusammen, und dann bin ich verschwunden.“
Ich denke an unsere erste Begegnung, an seinen Blick, der zugleich ein Nichtblick war, äußerste Aufmerksamkeit und vollkommene Leere gleichzeitig. Ein Blick, der nicht aus den Augen kommt, sondern aus der Amygdala oder sonst einem Teil des Stammhirns.
So etwas hatte ich noch nie gesehen, vielleicht war die ominöse Superposition ja dafür verantwortlich.
„Es kann natürlich auch sein“, fährt der Liebhaber gedankenverloren fort, „dass du gleichzeitig du und eine Andere bist, das halte ich auch für möglich.“
„Das menschliche Paarungsverhalten ist wirklich eine der komplexesten Phänomene in der Natur“, sage ich. „Gib mal ein Kussteilchen auf mich! Oder gleich eine Welle, bitte!“
Unsere Hütte steckt voller Messgeräte, denn der Gatte liebt es, alles und jedes zu messen und ist überhaupt sehr technikaffin.
„Hast du ihr nicht ihr Mäntelchen angezogen?“
Ich spreche von der Palme. Es ist die Palme des Gatten, und weil die Hütte mit Messinstrumenten vollgestopft ist, ist kein Platz für Palmen mit ausladenden Palmwedeln, und sie muss den Winter im Freien verbringen in Mantel und Mütze und Schal. Da es seine Palme ist, gehört es auch zu seinen Pflichten, sie anzukleiden.
„Ich glaube, ich habe es gestern Abend vergessen“, sagt der Gatte bekümmert.
Ja, der Winter ist ein harter Mann, denke ich und köpfe seufzend mein zweites Ei, ich liebe Eier.
Der Gatte schiebt sich jetzt einen Löffel Müsli in den Mund.
„Na so was!“, sagt er beim Blick in die Zeitung, „Tranquilla Trampeltreu!“
„Kennen wir die?“
„Ich nicht, du vielleicht?“ Der Gatte schnaubt amüsiert. „Es ist ein Schiff, ein Rheinkahn, vielleicht ist es ja der Kahn von deinem Rheinschiffer.“
„Ich habe keinen Rheinschiffer, und ich hatte keinen Rheinschiffer, und wenn schon. Und außerdem ist das Schnee von gestern“, sage ich ein wenig pikiert. Ich drücke melancholisch die Eierschalen im Eierbecher zusammen, der Gatte schüttelt den Kopf.
„Ein Schiff ‚Tranquilla Trampeltreu‘ zu taufen! Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die übersteigen jede Vorstellungskraft!“
„Und zwischen Himmel und Erde steht manchmal auch ein Billardtisch“, sage ich trotzig und beginne, die Teller in die Spülmaschine zu räumen.
„Und dort wird einem Binnenschiffer das Jawort gegeben“, sagt der Gatte, ohne den Blick von der Zeitung zu nehmen
„Du hörst mir einfach nicht zu! Der Liebe auf den ersten Blick habe ich das Jawort gegeben, nicht dem Binnenschiffer“, sage ich und klappere mit Besteck, das ich im Besteckkorb einsortiere.
„Die Liebe auf den ersten Blick kann durchaus ein Binnenschiffer sein“, erwidert der Gatte kühl.
„Mein Leben ist wirklich kompliziert.“ Ich lecke mir seufzend die Lippen.
„Na gut.“ Der Gatte faltet die Zeitung zusammen. „Wie hieß sie denn, deine Liebe auf den ersten Blick oder dein Blitz aus heiterem Himmel.“
Ähm … Mist! Wie hieß er noch gleich? Irgendwas mit A … Apoll, Adonis, Alexander?
„Albert“, lüge ich in meiner Not.
„Ahhh! Albert und Albertine! Wie hübsch!“
Ich heiße nämlich Albertine.
„Ja, Albert und ich haben am Billardtisch Aufstellung genommen, und wir wurden dann vom Kapitän getraut.“
„Binnenschiffer“, korrigiert der Gatte und steht auf. „Von einem Binnenschiffer getraut, meinst du.“
„Das ist doch egal.“ Ich winke ab, „Kapitän ist Kapitän!“
„Das ist alles andere als egal“, sagt der Gatte, „juristisch verbindlich ist nur die Trauung durch einen Hochseekapitän, nicht die durch einen Rheinschiffer.“
„Binnenschiffer!“
„Meinetwegen Elbeschiffer oder Havelkapitän! Und du bist sicher, dass es kein Hochseekapitän war?“
„Phhh, du stellst Fragen! Woran hätte ich das denn sehen können? Wir standen da am Billardtisch. Der Kapitän auf der einen, Albert und ich auf der anderen Seite, und dann hat er feierlich gefragt, Albert, möchtest du die hier anwesende Albertine zur Frau nehmen, und Albert hat ‚ja‘ gesagt. Und dann hat er mich gefragt und ich habe auch ‚ja‘ gesagt. Und am Schluss sollten wir uns einen Kuss geben. Und das haben wir dann auch getan.“
„Sehr schön“, sagt der Gatte, „sehr romantisch! Aber wir zwei haben jetzt womöglich ein Problem.“
„Was für ein Problem sollen wir denn haben?“
„Du bist lustig.“ Der Gatte lehnt gegen die Kühlschranktür und schüttelt traurig den Kopf, „was, wenn du immer noch gültig mit Albert verheiratet bist? Dann wärst du eine Bigamistin. Und unsere Ehe …“ Er verstummt schulterzuckend und mit gesenktem Kopf.
„Aber unsere Namen standen nur auf einem Bierdeckel und in keinem amtlichen Papier!“
Der Blick des Gatten ist nun in die Morgendämmerung vorm Fenster gerichtet.
„Diese Geschichte“, sagt er, „hättest du uns aber vielleicht besser erspart!“
Und nach einer Pause fügt er hinzu:
„Aber das ist vielleicht auch ein Fehlgedanke, dass man sich etwas ersparen könnte.“
Der Donnerstag ist unser Tag, da kommt der Liebhaber zum Frühstück. Allerdings muss der kommende Donnerstag unbedingt der Arbeit vorbehalten bleiben. Unser Projekt duldet keinen Aufschub.
„Und wenn ich Sehnsucht kriege?“ hatte ich geschrieben.
„Tja, ich weiß auch nicht“, schrieb der Liebhaber zurück. „Was schlägst du vor?“
„Ppppphhhhhhhhhhhhh!!!!“
„Prinzessin“, schrieb daraufhin der Liebhaber. „Ich könnte dich am Dienstag überraschend zum Frühstück besuchen, falls du am Dienstag Sehnsucht hast!“
Dafür gab es eine ganze Zeile Smileys.
So kam es, dass wir uns am Dienstag küssten und uns am Donnerstag friedlich und zufrieden unserem Projekt widmen konnten, der Renaturierung des Bibers.
„Ja, gut, lass uns kurz über deine Biber reden, und dann …“, sagt der Liebhaber. Die drei Pünktchen spricht er mit, und ich weiß natürlich, was er damit meint.
Der Liebhaber ist nicht nur ein begnadeter Saxophonist, sondern auch ein begnadeter Vorleser. Saxophonspielen hat er in der Schule gelernt, Vorlesen in der Kirche. Er hat eine steile Karriere vom Messdiener zum Lektor hinter sich gebracht.
Die goldene Stimme des Liebhabers gibt selbst meinem Bibertext Format.
„Der Biber“, liest er, „hat den Ahornbaum gefällt und von einem Ast einige schöne Stücke abgenagt. Jetzt grübelt er in seinem Biberhirn, an was ihn das erinnert. Er dreht, was vor ihm liegt, hin und her und stellt es wieder ab. Es steht! Es steht auf drei kleinen Beinchen und reckt den dicken Asthals in die Höhe. Der Biber betrachtet sein Werk mit Wohlgefallen, und um es schön und standfest zu machen, nagt er hier noch ein bisschen und dort noch ein wenig …“
Der Liebhaber blickt mich zweifelnd an.
„Schleckermäulchen“, sagt er zur Verfasserin des Bibertextes, also zu mir. „Du solltest vielleicht nicht jedem deine orale Fixierung auf die Nase binden!“
„Küss mich“, fordere ich statt einer Antwort
Der Liebhaber tut, wie ihm geheißen, und ich flüstere:
„Lass mich noch ein paar Zentimeterchen weiternagen, dann steht es ganz stabil und von selbst.“
„Ich bin mir nicht sicher“, sagt der Liebhaber.
„Ich schon! Und der Biber auch!“, sage ich. „Denn der Biber sah, dass es gut war , und es wurde Abend, und es wurde Morgen, und der Biber sprach: Nage du schöne grade Ahornstangen zurecht und lutsche daran und beiße und knabbere eine kleine Menagerie Baumtrolle zurecht, und tue dies zu meinem Wohlgefallen!“
„Ach je“, sagt der Liebhaber.
„Nach dem Essen würde ich dir gern meine Haselnussstatistik vorlesen“, sagt der Gatte.
Die neue Haselnussstatistik wird vervollständigt durch Fotos vom Haselnussknacker nebst Beschreibung seines sachgemäßen Gebrauchs, vom Bleistift in verschiedenen Positionen, Aufnahmen von Rötel- und Haselmaus.
Ihren Ursprung haben diese „Statistiken zur Wahrung des häuslichen Friedens“ in einem kleinen Disput. Damals ging es um die Frage, ob eine bestimmte Teigmasse in ein bestimmtes Blech passt. Meine Methode: Abschätzen. Die Methode des Gatten: Metermaß, Stift und Zettel. Ich hatte damals richtig getippt, und der Gatte hatte richtig gerechnet. Der Vorgang wurde in einem Dokument erfasst und im Kochbuch niedergelegt. Und seither arbeitet der Gatte an den Statistiken zur Wahrung des häuslichen Friedens.
Die Statistiken zur Wahrung des häuslichen Friedens bringen mich stets in eine ausgelassene Stimmung, was den Gatten zunächst ein wenig befremdete. Doch bald fand er ein gewisses Vergnügen daran, mich mit seinen Statistiken bei Laune zu halten. Und von Mal zu Mal gerieten die Statistiken ausgefeilter und umfassender. Inzwischen waren alle Töpfe und Schüsseln im Haus ausgemessen und zierten als abstrakte Graphik das Türblatt der Hintertür.
Wir sind schon ein wenig angeschickert, er vom roten, ich vom weißen Wein, als wir nebenan die Haustür ins Schloss fallen hören.
„Die Häsin“, sagt er.
Die Hütte der Häsin und unsere Hütte stehen sehr nah beieinander. Und die gegenseitige Anteilnahme ist gesichert.
„Sie hat jemanden an der Tür verabschiedet“, sagt der Gatte bedeutungsvoll, „einen Hasen, der hat sie nach Hause gebracht.“
„Ah! Wie viel Uhr ist es denn?“
„Kurz vor neun.“
„Na ja“, sage ich, „dann war sie wohl mit jemandem noch was hier auf der Lichtung trinken.“
„Wie kommst du denn darauf?“
„Na, wenn er sie doch zur Tür gebracht hat! Wären sie mit dem Auto unterwegs gewesen, wäre sie alleine an der Tür gewesen.“ Dass sie nicht alleine an der Tür gestanden habe, lege nahe, dass sie nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß unterwegs gewesen waren, vermutlich irgendwo hier auf der Lichtung. „Sie wäre doch sonst einfach ausgestiegen, und der Hase wäre weitergefahren.“
Das sei alles andere als plausibel und offensichtlich, widerspricht der Gatte.
Beide sind wir aus unerklärlichen Gründen ein wenig echauffiert. Ich verweise darauf, dass es normal sei, zum Beispiel nach einem Besuch im Wanderheim, die Häsin an ihrer Tür zu verabschieden, vermutlich sei ihr Heimweg der kürzere.
„Normal ist nichts“, sagt der Gatte.
