Von Maus, Hund und Honigbär - Katrin Benedict - E-Book

Von Maus, Hund und Honigbär E-Book

Katrin Benedict

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Beschreibung

Sieben Kurzgeschichten über freche Mäuse, launige Hunde, tapfere Rotkehlchen und Straftäter wieder Willen.

Das E-Book Von Maus, Hund und Honigbär wird angeboten von tredition und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Kurzgeschichten, Tiere, Zeichnungen, Gegenwart

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 96

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Katrin Benedict wurde 1964 in Magdeburg geboren. Sie arbeitet als Richterin in Zerbst und lebt mit ihrem Lebensgefährten, Dackelin Ronja und einer Vielzahl von Katzen im Dorf Grimme. Dies ist ihr erstes Buch.

Wolf Bertram Becker ist ebenfalls Jahrgang 1964. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Weimar. Er ist Vater von vier Söhnen.

Katrin Benedict

Von Maus, Hund und Honigbär

Sieben Kurzgeschichten mit Zeichnungen von Wolf-Bertram Becker

© 2017 Katrin Benedict

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7345-9976-7

Hardcover:

978-3-7345-9977-4

e-Book:

978-3-7345-9978-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Die Maus

Die Tasse

Ein perfekter Tag

Der Schrei der Möwe

Der Honigbär

Das Rotkehlchen

Der Hund

Die Maus

An seinem ersten Morgen als Pensionär sah Gunther die Maus.

Gunther bestand auf der Verwendung des Wortes Pensionär, da dieses Wort seinen Ruhestand als ehemaliger Präsident des Finanzgerichtes exakt bezeichnete, so wie er stets auf den genauen Gebrauch von Grammatik und Sprache, wozu natürlich auch die richtige Aussprache gehörte, Wert legte. Dieses nach Vollkommenheit strebende Bemühen spiegelte sich in Gunthers Liebe zu Büchern wieder, von denen jährlich mindestens einhundert, wenn nicht mehr, Neuerwerbungen den Weg in sein Haus fanden.

Die Maus war grau-braun, so groß wie ein Kienzapfen und saß natürlich ausgerechnet im Bücherregal zwischen einer Taschenbuchausgabe eines Agatha-Christie-Romans und der drei-bändigen Ausgabe des Schauspielalmanachs. Ein Laut zwischen ungläubigem Staunen und gerechtem Zorn entrang sich ob der Entdeckung Gunthers Kehle. Das war doch wieder mal typisch; drei Katzen und ein Hund lebten mehr oder minder ständig in der Wohnung, haarten die Teppiche und Sachen voll, bellten oder miauten zum unpassenden Zeitpunkt und verlangten ständig Futter oder Zuwendung oder beides. Und nicht einmal eine Maus konnten sie vertreiben.

Die Regalwand mit den annähernd dreitausend Büchern war Gunthers ganzer Stolz. Er hatte die Regale selbst aufgebaut und die Bücher mehrfach, selbstverständlich alphabetisch, ein- und umgeordnet. Wenn er sie betrachtete, hatte er den Eindruck, das Wesentliche des Lebens geordnet und somit verstanden zu haben. Die Fülle menschlichen Wissens und menschlicher Gedanken war in einem geraden sicheren Konstrukt geborgen und stand ihm für den Rest seines Lebens zur Verfügung.

Und nun dies! Ärgerlich riss Gunther die Terrassentür auf und begann nach den Katzen zu suchen. Wer nicht arbeitete, sollte auch nicht essen oder faulenzen. Zwei der Katzen, die wegen gelegentlicher emotionaler Ausbrüche des Hausherrn den aktuellen Stimmungsumschwung sofort erfassten, flohen sofort durch die geöffnete Tür. Schöpfi, die neurotische Dritte, verzog sich hinter die Waschmaschine. Mehrere Flüche ausstoßend lief Gunther zurück zum Bücherregal. Die Maus war natürlich weg. An den geplanten Tagesablauf – abwaschen, Zeitung lesen, den Hund ausführen – war nun natürlich nicht mehr zu denken. Zuerst musste dieser widerliche Eindringling beseitigt werden. Gunther war sicher; nur die übertriebene Tierliebe seiner Frau war an dem Erscheinen der Maus schuld. Ständig wurden die echten – und eingebildeten – Bedürfnisse der Tiere in den Mittelpunkt gestellt. Es gab zwei Vogelhäuser, drei verschiedene Futterplätze für Katzen, was diese jedoch nicht hinderte, zwischen Töpfen und Geschirr auf Beutezug zu gehen, und zahllose Hunde- und Katzenkissen, auf denen kaum jemand lag. Dafür waren das ehelichen Bett und überhaupt das Schlafzimmer ein bei allen Vierbeinern beliebter Schlafplatz. Erst nach drei Jahren der Gemeinsamkeit hatte er sich hinsichtlich des nächtlichen Verbleibs des Dackels im Bett durchgesetzt. Hungernde Streuner wurden als neuer Zuwachs stets willkommen geheißen und selbstverständlich gefüttert oder, wenn es Not tat, zum Tierarzt gefahren. Was da im Jahr für Kosten zusammen kamen. Die Katzen wurden immer fetter und fauler. Und was hatte man von alldem? Eine Maus im Bücherregal.

Gunther lauschte; kratzte es nicht hinter der Abteilung ungelesener Bücher? Oder kam das Geräusch von der Gesamtausgabe der Werke von Stendhal? Nicht auszudenken, dass die Maus eins der Bücher benagte oder sich dort ein Nest einrichtete. Vorsichtig räumte er ein paar Neuerwerbungen beiseite. Nichts zu sehen. Wahrscheinlich lebte die Maus schon wochenlang dort und hatte sich längst Fluchtwege gesichert. Da gab es nur eins, eine Falle musste her. Und das möglichst, bevor die Frau nach Hause kam und wegen des ach so niedlichen Geschöpfes Zeter und Mordio anstimmte.

Gunther überlegte; er hatte doch schon einmal eine Mausfalle besessen. Ein ehemaliger Gartennachbar hatte seinen Schuppen entrümpelt und unter einer verrosteten Gießkanne, alten Blumentöpfen und Plastikstühlen war auch eine Mausefalle gewesen, die noch tadellos in Ordnung war. Sicher, diese war von der Art, dass die Maus ohne Wenn und Aber sofort getötet wurde, und nicht die neumodische, natürlich deutlich teurere Art, bei der die Maus eingefangen und dann in die Natur zurück verfrachtet wurde. Aber sie war vollkommen funktionsfähig und natürlich viel zu schade zum Wegwerfen. Wo war die bloß abgeblieben? Dachboden und Schuppen brachten kein Ergebnis. Womöglich hatte die Frau, ihrem unbegreiflichen Entsorgungstrieb folgend, die Falle heimlich der Mülltonne übereignet? Zuzutrauen wäre es ihr allemal.

Man müsste eine Falle selber bauen! Sperrholz und Nägel vom Saunabau waren noch genügend vorhanden und eine Anleitung würde sich wohl im Internet finden lassen. Gunther fuhr den Computer hoch. Da, eine Anleitung zum Bau einer Falle, Bauzeit 2 Stunden mit Videoanleitung. Na bitte, die Werkzeuge und das Material waren vorhanden. Nochmals las Gunther die Hinweise durch. Na gut, es war eine Lebendfalle, aber das bedeutete gar nichts. Wenn er die Maus erst einmal hatte, würde er allein entscheiden, was mit ihr geschehen würde.

Gunther begann alles zusammenzutragen, was der Dackel jedoch als Zeichen des täglichen Gassigehens deutete, woraufhin er sein übliches Gebell anstimmte. Seufzend unterbrach Gunther seine Vorbereitungen und entschloss sich doch, zunächst die tägliche Runde zu gehen. Andernfalls würde ihn der Dackel mit Bellen und Fiepen pausenlos tyrannisieren und den Bau der Falle torpedieren. Gunther nahm Leine und Hund und begann Richtung Wald zu laufen, in Gedanken jedoch ganz bei der Falle, die er nach seiner Rückkehr bauen würde. Natürlich war die Frage, wo er die Falle aufstellen würde und wie er das Tier entsorgen sollte. Ein Freilassen in der Nähe des Hauses kam nicht in Betracht. Die Maus kehrte wahrscheinlich sofort zurück. Blieb nur, sie weitab des Hauses in die Freiheit zu entlassen oder sich ihrer zu entledigen. Gunther sah sich schon mit der Falle und Auto Kilometer weit fahren, bloß um eine blöde Maus zu entsorgen. Allein der Zeitaufwand und die Spritkosten! Das kam gar nicht in Frage, schließlich starben täglich irgendwelche Mäuse in der freien Natur, weil sie zu dusselig waren, sich in Acht zu nehmen. Die Maus würde ins Gras beißen müssen. Hauptsache, die Frau kam wie versprochen erst morgen von ihrer Reise zurück.

Nach seiner Rückkehr begann Gunther unverzüglich mit dem Bau der Falle. Dazu schenkte er sich ein Glas aus der bereits geöffneten Weißweinflasche ein und nahm hin und wieder genüsslich einen Schluck. Eigentlich machte ihm das kleine Heimwerken großen Spaß. Etwas mit den eigenen Händen Geschaffenes, das war es, was einen Mann wirklich ausmachte. Gunther drehte die Klassik- CD in seinem uralten Radio lauter. Entgegen den ständigen Vorhersagen seiner Gattin war es nämlich doch sinnvoll, alte Sachen aufzuheben. Der CD-Spieler funktionierte, nachdem er den Kabelbruch behoben hatte, nämlich noch einwandfrei. Gut, die Vorderseite des Gerätes war abgeschrammt und der Programmregler abgebrochen, aber für das Hören einer CD war das Teil allemal gut genug. Und auch das Baumaterial, das gerade seine sinnvolle Verwendung fand, wäre nach den Vorstellungen seiner Frau bereits in der Mülltonne gelandet. Das Bewusstsein, wieder mal Recht behalten zu haben, versetzte Gunther in eine optimistische Stimmung. Der Bau schritt flott voran und das Leben der Maus neigte sich dem Ende. Drei und eine halbe Stunde später hatte Gunther die Falle fertiggestellt. Von wegen zwei Stunden, diese Internetangeber. Die Anleitung war teilweise unverständlich gewesen und dazu noch in schlechtem Deutsch, was nicht weiter verwunderte in einer Welt, wo sich bereits in die Hauptnachrichtensendung Rechtschreib-, Grammatik- und Aussprachefehler eingeschlichen hatten. Was die Kinder heute wohl in der Schule lernten? Na, wahrscheinlich Computerspielen und Chatten, aber kein Deutsch.

Gunther überlegte. Wo sollte er die Falle aufstellen? Am besten dicht beim Bücherregal. Er begann im Kühlschrank nach etwas Käse zu suchen. Der Frischkäse schied aus. Aber da war noch etwas Parmesan, der schon etwas Schimmel angesetzt hatte. Das würde der Maus ja wohl nichts machen. Vorsichtig platzierte Gunther die Falle am Regal, wobei er ärgerlich den Hund verjagte, der versuchte an den Käse zu gelangen. Danach entschied er unter Zuhilfenahme eines weiteren Glas Weißweins, eines Restes Kartoffelsalat und eines Würstchens, dass er einen Mittags- bzw. Nachmittagsschlaf mehr als verdient hatte. Der Hund schnarchte bereits unter dem Bett, als Gunther einschlief. Als er erwachte und sich aufsetzte, war es bereits zehn Minuten nach fünf. Der Dackel kam mit begeistertem, ohrenbetäubendem Gebell unter dem Bett hervorgefegt. Noch bevor Gunther ins Wohnzimmer gelangt war, stand der Hund bereits vor der Mausefalle und schnüffelte. Gunther zog sich an, setzte die Kaffeemaschine in Gang und sah zu der Falle. Wunder über Wunder, die Tür war zugeschlagen. Gunther ging hinüber, legte sein Ohr an den Holzkasten und lauschte – nichts. Doch da, war das nicht ein leichtes Kratzen? Oder war das der Dackel, der mit seinen Vorderpfoten auf dem Parkettfußboden scharrte? Gunther hob die Falle auf den Küchenblock und lauschte noch einmal. Dann hob er den Falldeckel einen Spalt breit an.

Hah ...da war sie, klein und grau und.....niedlich. Diese großen, ängstlichen Augen und das kuschelige Fell. Fast kam es ihm so vor, als ob die Maus ängstlich fiepte. Gunther überlegte. Wenn er es richtig betrachtete, brachte das Töten der Maus auch Nachteile. Die frisch gebaute Falle würde beschmutzt oder gar beschädigt werden, wenn er mit einen Werkzeug versuchte der Maus den Gar- aus zu machen. Die Falle, gerade erst gebaut, musste sich doch rentieren. Das war ja der Sinn. Sollte er die Maus seiner Frau zeigen? Aber die kam ja erst morgen. So lange konnte er sie unmöglich in der Falle lassen. Schließlich hatte die Maus kein Wasser und das kleine Stück Käse war gewiss auch schon alle. Da konnte die Maus gut verhungert sein. Und außerdem würde der Dackel den ganzen Abend Theater machen. Der roch doch die Maus. Gunther seufzte, es blieb mal wieder an ihm hängen.

Noch während er seinen Kaffee trank, traf er eine Entscheidung. Er suchte sich aus dem Geräteschuppen ein Stemmeisen und verfrachtete dieses samt Falle und Maus in sein Auto.

Der Dackel bellte enttäuscht, als Gunther die Wohnung verließ und den Motor startete. Er fuhr fünf Kilometer durch den Wald und bog in eine Forststraße ab. Vorsichtig ging er mit der Falle und dem Stemmeisen in den Wald. Na bitte, sogar die Sonne zeigte sich! Gunther stellte die Falle ab und duckte sich hinter einen Busch. Er holte tief Luft, hob das Stemmeisen und öffnete damit die Falltür. Die Maus verschwand gerade unter einem Wurzelstock, als Gunther fröhlich pfeifend zum Auto zurückschlenderte.

Die Tasse

I.

Als Marcel am ersten Sonnabend des Monats Juni erwachte, schien ihm die Sonne ins Gesicht. Ein warmer Tag; endlich. Der Mai war nass und kühl gewesen, was seinem Großvater zu Folge eine gute Ernte bedeutete. Trotzdem würde dies ein beschissener Tag werden, und seine Miene verfinsterte sich.