Wales - Detlev Gehring - E-Book

Wales E-Book

Detlev Gehring

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Beschreibung

"Ich würde lieber zur Hölle fahren als nach Wales" Diesen Satz hat ein gewisser Herbert Henry Asquith gesagt. Mister Asquith war von 1908 bis 1916 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Solche Worte aus dem Mund eines Premierministers wird die Verständigung zwischen Walisern und Engländern sicherlich nicht gefördert haben. Etwas mehr als einhundert Jahre später machen wir uns mit unseren Motorrädern auf, Wales zu erkunden. Wir möchten uns eine eigene Meinung zu dem Land und seinen Bewohnern bilden. Und dabei natürlich auch der Frage nachgehen, ob es wirklich schlimmer ist, nach Wales zu reisen, als in der Hölle zu schmoren. Und eines sei hier vorab schon mal verraten: Dem Teufel, dem sind wir unterwegs tatsächlich begegnet...

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2022

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DETLEV GEHRING

WALES

Eine Motorradreise durch das Land der Sagen und Legenden

© 2022 Detlev Gehring 2. Auflage, Vorgängerausgabe 2021

ISBN Softcover: 978-3-347-78656-1 ISBN Hardcover: 978-3-347-78659-2 ISBN E-Book: 978-3-347-78661-5

Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.

„Ich würde lieber zur Hölle fahren als nach Wales“

Diesen Satz hat ein gewisser Herbert Henry Asquith gesagt. Mister Asquith war von 1908 bis 1916 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Zwar war es zu der damaligen Zeit für einen Engländer durchaus üblich, sich abfällig über Wales und seine Bewohner zu äußern. Trotzdem werden solche Worte aus dem Mund eines Premierministers die Verständigung zwischen Walisern und Engländern sicherlich nicht gefördert haben.

Etwas mehr als einhundert Jahre später machen wir uns mit dem Motorrad auf, Wales zu erkunden. Wir möchten uns eine eigene Meinung zu dem Land und seinen Bewohnern bilden. Und dabei natürlich auch der Frage nachgehen, ob es wirklich schlimmer ist, nach Wales zu reisen, als in der Hölle zu schmoren.

Und eines sei hier vorab schon mal verraten: Dem Teufel, dem sind wir dabei tatsächlich begegnet…

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Übersichtskarte

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Nachbetrachtung

Schlußwort

Prolog:

…die kleinen Straßen, auf denen wir fahren, sind teilweise extrem schmal. Und können auch tückisch sein. An einer Stelle geht es steil bergab und unten wartet dann eine enge, scharfe Rechtskurve. Hinzu kommt, dass hier der Straßenbelag noch glitschig ist vom Regen der vergangenen Nacht und mitten auf dem Weg auch noch dunkler Matsch liegt. Markus, der vorweg fährt, kann seine Maschine dort noch hindurch manövrieren, aber ich habe wohl einen Augenblick lang nicht aufgepasst. Unten in der Kurve rutscht mir die Kawasaki weg. Fast in Zeitlupe legt sie sich auf die Seite, zum Glück nur im Schritttempo. Daran, die Maschine zu halten, brauche ich gar nicht zu denken. Ehe ich mich versehe, liegt sie auf dem Boden und ich stehe breitbeinig und etwas verdutzt darüber…

Wer glaubt, Wales wäre kein Land zum Motorrad fahren, der irrt sich mächtig. Wer sich von der einzigen Autobahn „M4“ im Süden des Landes fernhält und die großen, ganz Wales durchziehenden Landstraßen meidet, dem bieten die kleinen, zumeist gut asphaltierten Straßen viel Fahrspaß für das entspannte und teilweise auch anspruchsvolle Motorradfahren. Insbesondere der „Snowdonia National Park“ im Norden und der „Brecon Beacons National Park“ im Süden des Landes lassen hier kaum Wünsche offen.

Wir fahren auf unserer Tour kreuz und quer durch Wales, das mit 20.735 km2 ungefähr so groß ist wie Hessen. Rund 3,1 Millionen Menschen leben hier, was einer Bevölkerungsdichte von 151 Einwohner pro km2 entspricht (zum Vergleich: In Hessen sind es mit 298 Einwohner pro km2 fast doppelt so viele). Über zwanzig Prozent der gut drei Millionen Einwohner bezeichnen sich als Walisische Muttersprachler. Eine Prozentzahl, die in den letzten Jahren leicht gestiegen ist, denn dass walisisch („Cymraeg“) wird mehr und mehr wieder ein wichtiges Zeichen der nationalen Identität. Seit 1993 sind das walisisch und das englisch gleichgestellt. Orts- und Straßenschilder werden zweisprachig beschriftet, so dass auf ihnen neben der englischen Bezeichnung auch der walisische Name steht. Und es gibt Schulen, in denen der Unterricht auf walisisch abgehalten wird. Englisch gilt dort als erste (Pflicht-) Fremdsprache.

Aber Wales hat noch mehr Besonderheiten: Das Land mit dem roten Drachen als Wappentier ist kein souveräner Staat, sondern der kleinste Landesteil von Großbritannien. Trotzdem hat es mit Cardiff eine Hauptstadt. Beim Fußball hat es eine eigene Nationalmannschaft, bei Olympia dagegen nicht. Wobei Fußball bei den Walisern gar nicht die Nummern eins beim Sport ist. Das ist Rugby und die Walisische Rugby-Liga „Pro12“ ist immerhin die drittwichtigste in Europa. Bei den Spielen der „Roten Drachen“ (Y Dreigiau Coch), wie die walisischen Nationalmannschaft auch gerne genannt wird, sind die Stadien eigentlich immer voll. Ein Grund für diese Popularität mag sein, dass die Waliser beim Rugby den nicht gerade beliebten Engländern haushoch überlegen sind.

Seit 1975 wird für Wales auch eine eigene Nationalhymne gespielt: „Hen Wlad Fy Nhadau“ („Altes Land meiner Väter“) schmettern die Waliser bei solchen Gelegenheiten gerne und grenzen sich damit von den Engländern ab, die ihr „God save the King“ singen.

Und so merken wir recht schnell, dass Wales mehr zu bieten hat als alte Burgen und mystische Sagen. Und wir freuen uns darauf, es zu erkunden.

Croeso i Cymru – Willkommen in Wales

Unsere Route durch Wales:

Karte: d-maps.com

Angereist sind wir aus England über Bath und Harwich, auf der Karte unten rechts.

Kapitel 1

in dem wir quer durch den Süden Englands bis in ein Bad aus der Römerzeit fahren und unterwegs entdecken, wie gut ein „French-Toast“ schmeckt.

 

Pünktlich erreicht unsere Fähre am frühen Morgen um 5: 00 Uhr Ortszeit den Hafen von Harwich in Großbritannien. Wir hatten uns dafür entschieden, die Nachtfähre aus dem niederländischen Hoek van Holland zu nehmen. Die fährt mit 6: 30 Stunden zwar etwas länger als die Tagfähren, aber dafür kommen wir am frühen Morgen ausgeruht in England an.

Obwohl wir, das sind Johannes, Markus und ich, nur zu dritt sind, haben wir eine Kabine mit vier Betten gebucht. Das vierte Bett eignet sich bestens dafür, unser Gepäck zu verstauen. Viel Platz ist hier nämlich nicht, aber zum Glück hat es noch für eine kleine Duschkabine gereicht. Und so nehmen wir ausgeschlafen und frisch geduscht Platz im Bordrestaurant, in dem das Frühstück serviert wird. Wirklich günstig ist das zwar nicht, aber die Auswahl ist groß und es schmeckt. Wir langen ordentlich zu, denn tagsüber wird es wohl nur zu einem kleinen Snack zwischendurch reichen. Und so sitzen wir hier entspannt und lassen uns die angebotenen Speisen schmecken.

Kurz bevor unsere Fähre, die „Stena Britannica“, im Hafen von Harwich anlegt, verlassen auch wir (nach dezenter Aufforderung durch den Kellner) als letzte Gäste das Bordrestaurant. Wir holen die Taschen aus unserer Kabine, die wir gestern bei unserer Ankunft nicht an den Motorrädern gelassen hatten und machen uns auf den Weg hinunter auf das Fahrzeugdeck. Der Fahrstuhl ist dabei recht praktisch, so müssen wir das Gepäck nicht die Treppen hinuntertragen. Auf dem Fahrzeugdeck herrscht schon reges Treiben: Die Autofahrer sitzen voller Ungeduld in ihren PKWs und die Motorradfahrer haben ihre Maschinen zum größten Teil bereits von den Spanngurten befreit, mit denen sie während der Überfahrt gesichert waren. Viele Motorradfahrer sind es allerdings nicht, die hier an Bord sind. Die meisten von Ihnen wollen weiter bis nach Irland fahren, einige wenige auf die Isle of Man. Ein Pärchen zieht es nach Cornwall, nur wir wollen nach Wales. Als wir gestern im Hafen von Hoek van Holland darauf gewartet haben, auf die Fähre fahren zu können, war genug Zeit für Gespräche mit den anderen Motorradfahrern. Unser Plan, durch Wales zu fahren, stieß allgemein auf Skepsis und Ablehnung: Wales - was gibt es da schon zu sehen? Und überhaupt, das ist doch viel zu klein, da ist man doch in höchsten zwei Tagen durch und es wird langweilig. Wir lassen uns aber nicht beirren und werden uns vor Ort ansehen, ob diese Vorurteile berechtigt sind.

Bald darauf öffnet sich die Klappe des Schiffes und wir dürfen von Bord. Die Motorräder dürfen zuerst fahren und so rollen wir gemächlich von der Rampe hinunter auf britischen Boden. Die Passkontrollen sind hier recht penibel, also Helm abnehmen, Ausweis bereithalten und freundlich lächeln. Endlich winkt uns die junge Zollbeamtin durch und wir verlassen das Hafengelände bei allerschönsten Sonnenschein.

So macht das Ganze doch richtig Spaß.

Weniger spaßig sind dann allerdings die folgenden Stunden. Wir fahren quer durch das Land von Ost nach West, unser Ziel ist Bath im Westen von England. Die Straßen sind voll, teilweise stehen wir im Stau und kommen nur langsam voran. Insbesondere rund um zwei Kreisverkehre steht zeitweise alles still. Baustellen erschweren das Weiterkommen ebenso wie der anfängliche morgendliche Berufsverkehr. Wir sind zunächst auf Autobahnen bzw. Schnellstraßen unterwegs. Alternativen gibt es rund um London so gut wie gar keine: Entweder umrundet man die englische Hauptstadt nördlich oder südlich. Wir haben uns für die nördliche Variante entschieden und sind sehr froh, als wir den Großraum Londons endlich hinter uns gebracht haben und nun wesentlich entspannter Richtung Westen fahren können. Ungefähr im Stundenrhythmus machen wir jeweils eine kurze Pause auf einen der vielen kleinen Parkplätze am Straßenrand. Dabei sehen wir immer wieder kleine Lieferwagen, die zu einer Art „Food-Truck“ umgebaut wurden. Gegen Mittag, als sich unsere Mägen melden, sehen wir uns so einen Wagen mal genauer an. Auf der Speisenkarte stehen dort „French-Toast“ in vielen verschiedenen Variationen. Wir sind neugierig, was das ist und entdecken französische Baguettes, die zunächst kurz warm gemacht, dann halbiert und anschließend mit den unterschiedlichsten Dingen belegt werden: Schinken, Käse, Rührei, aber auch verschiedene Salate finden zwischen den beiden Baguette-Hälften ihren Platz. Eine junge Frau, die im Wagen steht, belegt uns je eines dieser Dinger nach unseren Wünschen. Viel Zeit hat sie allerdings gerade nicht. Ihr „Food-Truck“ scheint recht bekannt und beliebt zu sein, denn alle paar Minuten stoppt ein Auto, der Fahrer steigt aus und bestellt sich sein „French-Toast“. Manche essen direkt am Wagen im Stehen, andere setzen sich dazu in ihr Auto, wieder andere fahren direkt weiter und scheinen ihr „French-Toast“ während der Fahrt zu genießen. Da das auf dem Motorrad eher schlecht funktioniert, essen wir in Ruhe hier am Wagen, bevor wir weiter Richtung Westen fahren, unserem heutigem Ziel Bath entgegen.

Rund 350 Kilometer Wegstrecke sind es, die wir zurücklegen müssen, bis wir Bath erreichen. Die Stadt ist bekannt für ihre heißen Quellen, die einzigen in ganz England. Schon die Römer haben diese für ihre Bäder genutzt. Überhaupt gibt es in Bath einige Nachlässe der Römer zu bewundern. Bevor wir uns aber in das bunte Treiben der Stadt stürzen, suchen wir zunächst die Jugendherberge, denn für die erste Nacht auf unserer Tour haben wir für uns dort schon von Zuhause aus ein Zimmer reserviert. In England heißen die Jugendherbergen übrigens „Youth Hostel Association“, kurz „YHA“ und wir haben hier einen 'private room' gebucht, also einen Raum nur für uns. Da wir heute Morgen bereits um 6: 00 Uhr Ortszeit mit der Fähre in Harwich angekommen sind, ist es gerade mal früher Nachmittag, als wir an der YHA Bath eintreffen. Sie befindet sich etwas höher gelegen am Rand der Stadt und dank Navi finden wir sie ohne Probleme. Wir parken unsere Motorräder auf dem Parkplatz der Jugendherberge, der etwas abseits ganz am Rand des Herbergsgrundstücks liegt. Dort entdecken wir auch ein Wohnmobil mit deutschen Kennzeichen. Auf der Rückseite steht dort in großen Buchstaben:

Zum Arbeiten zu alt

Zum Sterben zu jung

Zum Reisen topfit

Auch wenn ich diesen Spruch schon des Öfteren gesehen und gelesen habe, so finde ich ihn doch immer wieder gut. Hier ist ganz offensichtlich jemand, der seinen (Vor-) Ruhestand aktiv genießen kann und ihn nicht Zuhause auf dem Sofa verbringt. So stelle ich mir das auch für meine Zeit nach der Arbeit vor.

Das einchecken in der YHA geht schnell und unkompliziert. Unsere Motorräder dürfen wir sogar direkt neben dem Eingang parken. Dadurch müssen wir unser Gepäck nicht so weit tragen und beziehen recht bald unser Zimmer im ersten Stock. Einmal kurz duschen, dann Jeans und T-Shirt anziehen und schon sind wir bereit, Bath zu erkunden.

Um in die Innenstadt zu gelangen, nutzen wir den Bus, dessen Haltestelle sich direkt vor der Jugendherberge befindet. Wirklich sehr praktisch. Bei der Fahrt in die Stadt wird uns bewusst, dass unsere Unterkunft wirklich recht hoch gelegen ist. Der Bus fährt fast die ganze Zeit bergab, bis wir das Centrum von Bath erreichen und dort aussteigen.