Viele alltägliche Dinge nehmen wir als gegeben hin, obwohl uns oft nicht klar ist, warum sie sind, wie sie sind. Hier werden endlich die wirklich wichtigen Fragen beantwortet, für die wir uns immer schon eine Erklärung gewünscht haben: Warum läuft bei Kälte die Nase? Vernachlässigen Rabenmütter wirklich ihren Nachwuchs? Ist es am Süd-oder am Nordpol kälter? Warum bleiben Zugvögel nicht einfach im warmen Süden? Warum schauen wir gerne Horrorfilme? Und können Männer oder Frauen besser Schmerzen ertragen? Die Antworten auf diese und zahlreiche weitere ganz alltägliche Fragen liefern allerhand Wissenswertes, Erstaunliches und Unterhaltsames und garantieren zahlreiche Aha-Effekte.
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Seitenzahl: 325
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
1. Auflage 2012
© 2012 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096
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Text: dapd nachrichtenagentur
Redaktion: Jennifer Grünwald, München Umschlaggestaltung: Maria Wittek, München
Umschlagabbildung: Getty Images
Satz: HJR, Jürgen Echter, Landsberg am Lech
Epub: Grafikstudio Foerster, Belgern
ISBN Epub: 978-3-86415-295-5
Weitere Infos zum Thema:
www.mvg-verlag.de
Nr. 1
Das Chamäleon ist der Verwandlungskünstler unter den Reptilien: Einige Arten können in Sekundenschnelle ihre Farbe wechseln. Diese Fähigkeit ist wichtig im täglichen Überlebenskampf der Tiere.
Chamäleons verändern mithilfe von pigmenthaltigen Hautzellen (Chromatophoren) ihre Farbe. Beim sogenannten physiologischen Farbwechsel werden verschiedenfarbige Pigmente in den Chromatophoren bewegt. Je nach Verteilung der Pigmente erscheint das Chamäleon in einem bestimmten und zuweilen bizarren Gewand.
Ziel ist die rasche Anpassung an die Umgebungstemperatur. Indem die wechselwarmen Tiere ihre Oberfläche abdunkeln, erhöhen sie schneller die Körpertemperatur. Eine Überhitzung lässt sich durch eine Aufhellung vermeiden. Darüber hinaus dient der physiologische Farbwechsel der Kommunikation und kann bei manchen Arten innerhalb von Sekunden erfolgen.
Besonders farbenfrohe Muster zeigen Chamäleons etwa beim Imponieren, Balzen und Drohen. Unterlegenheit signalisieren die Tiere durch Verdunklung und schwache Kontraste. Bei manchen Arten zeigen trächtige Weibchen paarungswilligen Männchen über große Entfernungen ihre Umstände an.
Der sogenannte morphologische Farbwechsel kann dagegen wochen- oder gar monatelang dauern und dient vorwiegend der Tarnung und langfristigen Anpassung an die Umwelt. So wandern die Männchen des Lappenchamäleons während der Trockenzeit in der Savanne umher und färben sich dafür von Grün nach Braun um. Die Weibchen behalten dagegen ihre grüne Grundfärbung, weil sie auf der übrig gebliebenen Vegetation verharren. Beim morphologischen Farbwechsel ändert sich lediglich die Anzahl und Verteilung der Chromatophoren.
Chamäleons sind überwiegend Baum- und Strauchbewohner und kommen in Afrika, Asien sowie im Mittelmeerraum vor. Die meisten Arten fühlen sich in Wäldern, auf Grasland sowie in Feucht- und Trockensavannen wohl.1
Nr. 2
Ohrwürmer sind hartnäckige Gesellen. Sie befallen viele ohne Vorankündigung, nisten sich gemütlich ein und sind nur schwer wieder zu vertreiben. Wie die echten kleinen Tiere haben auch die musikalischen Ohrwürmer schon so manchem den letzten Nerv geraubt. Neben der Frage, wie sie eigentlich entstehen, ist vor allem auch wichtig: Wie wird man sie wieder los?
Es gibt Musikstücke, die sich einfach im Kopf festsetzen. Wie in einer Endlosschleife zwingen sie jeden Hörer zum permanenten Mitsingen. Ob er will oder nicht. Es ist die mildeste Form einer Zwangsneurose. Meistens fängt es äußerst harmlos an. Erst singt man nur mit, wenn der Titel im Radio läuft. Dann vollendet man das Konzert unter der Dusche, im Keller oder Auto. Spätestens jetzt hat der Ohrwurm sein Ziel erreicht.
Aus einem Mozart-Requiem wird aber sicher kein Ohrwurm, sind sich Neurologen sicher. Ein Lied wird nur dann zum Dauerbrenner im Gehirn, wenn es ein gewisses Muster erfüllt. Meistens zeichnen sich die Ohrwürmer durch eine fast grauenvolle Einfachheit aus. Allzu komplizierte Texte und komplexe Melodien scheiden damit schon einmal aus.
Damit aus einem einfachen Lied ein Ohrwurm wird, muss es vor allen Dingen ununterbrochen gespielt werden. Nur so setzt es sich im Kurzzeitgedächtnis fest und wird immer wieder abgerufen. Löst der Song zudem noch positive Emotionen wie Fröhlichkeit, Verliebtsein oder andere Hochstimmungen aus, hat er schon so gut wie gewonnen.
Bleibt die Frage, wie man den musikalischen Parasiten wieder loswird. Es empfiehlt sich, das eine Lied mit einem anderen zu überdecken. Damit sich der neue Song nicht auch wieder zum Ohrwurm entwickelt, sollte er sich möglichst eindeutig vom nervigen Dauerbrenner unterscheiden.2
Nr. 3
Wohl kein Sportgerät ist so eigenwillig wie der Bumerang. Zwar sind auch Fußbälle oder Dart-Pfeile auf bestimmte Flugeigenschaften getrimmt. Ein Bumerang fliegt aber nur dann in der gewünschten Weise, wenn Bauart und Wurftechnik genau aufeinander abgestimmt sind. Grund ist die knifflige Aerodynamik der Flugobjekte.
Ein Bumerang fliegt nicht nur in eine Richtung, sondern rotiert zusätzlich mit seinen Flügeln um den eigenen Schwerpunkt. Seine Aerodynamik lässt sich mit der eines Hubschraubers vergleichen. Beim Helikopter sorgen die Rotoren für den Auftrieb: Das vorauseilende Rotorblatt, das sich in Flugrichtung bewegt, bekommt dabei mehr Auftrieb als das nacheilende, das im gleichen Moment nach hinten schlägt. Dies führt zu einer Kippbewegung, die der Hubschrauber dadurch ausgleicht, dass er seine Rotorblätter verstellt.
Beim Bumerang bleibt die Kippbewegung während der Rotation erhalten. Während des Fluges neigt er sich also permanent zu einer Seite. Beim Rechtshänder ist es die linke Seite, beim Linkshänder die rechte. Erst diese ständige Seitendrift ermöglicht die geschlossene Kreisform, die der Bumerang vollziehen kann und die im Idealfall beim Werfer endet.
Die geschlossene Kreisbewegung hinzubekommen setzt viel Übung voraus.Wichtig ist, den Bumerang flach und in einer bestimmten Neigung abzuwerfen. Zudem hängt viel von der Bauweise des Bumerangs ab. Schon die kleinste Abweichung in der Form kann die gewünschte Flugbahn unmöglich machen.
So muss die Fläche des Bumerangs in einem passenden Verhältnis zu seinem Gewicht stehen, um den notwendigen Auftrieb zu erzeugen. Bumerangs durchlaufen daher in der Regel eine Einwurfphase, in welcher der Besitzer die Flugeigenschaften testen und gegebenenfalls Änderungen an seinem Sportgerät vornehmen kann.
Die Geschichte der Bumerangs reicht weit zurück: Bereits die Aborigines in Australien und andere Urvölker verwendeten sie. Diese Prototypen der modernen Sportbumerangs kehrten allerdings nicht zum Werfer zurück, sondern wurden als Jagdwaffe benutzt. Als Material dienten Äste, welche die Aborigines flugfähig zuschnitzten.3
Nr. 4
Die Frage scheint naiv, doch haben sich Naturforscher und Wissenschaftler jahrhundertelang daran die Zähne ausgebissen: Warum ist der Himmel blau – wo es doch das Sonnenlicht offensichtlich nicht ist?
Das Licht der Sonne ist urprünglich weiß. Das bedeutet, es besteht aus einer Mischung aller Spektralfarben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Das Licht wird auf dem Weg durch die Erdatmosphäre gestreut. Ein Teil des Lichtes kommt also gar nicht auf der Erde an, sondern wird von den Luftteilchen in der Atmosphäre aus seiner Bahn geworfen. Dabei wird blaues Licht viel stärker gestreut als rotes Licht.
Das führt dazu, dass von dem gestreuten Licht fast nur der blaue Anteil auf der Erde ankommt. Blicken wir also in den Himmel, nehmen wir nur das blaue Licht wahr: Der Himmel erscheint blau.
Der bis heute als gültig anerkannten Erklärung waren über Jahrhunderte hinweg endlose Debatten, Experimente und Berechnungen zahlreicher Naturwissenschaftler vorausgegangen. Die Frage nach dem Blau des Himmels hatte die alten Griechen und Genies wie Leonardo da Vinci beschäftigt und selbst Isaac Newton als einer der besten Physiker aller Zeiten irrte sich bei seinem Erklärungsversuch. Er hatte behauptet, dass winzige Wassertröpfchen in der Luft das Licht in einer Weise reflektierten, die den Himmel blau erscheinen lässt – eine falsche Annahme, wie sich herausstellte.4
Nr. 5
Beim Lottospielen sind die Deutschen erfinderisch. Ob Geburtstage, persönliche Glückszahlen oder Jubiläen – auf der Jagd nach dem Jackpot und einem Leben ohne finanzielle Sorgen taucht so manch durchdachte Zahlenkombination auf den Tippscheinen auf. Auswirkungen auf die Gewinnchancen hat der Einfallsreichtum jedoch nicht. Jede getippte Zahlenreihe hat die gleiche Chance auf einen Sechser. Und die ist mit ungefähr 1:14 Millionen nicht besonders groß. Soll es zusätzlich noch die richtige Superzahl sein, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf etwa 1:140 Millionen.
Für ein Forschungsprojekt wurden in Baden-Württemberg bei einer Ziehung 6 aus 49 insgesamt 7,78 Millionen abgegebene Tippscheine ausgewertet. Man kann also nicht gegen den Zufall spielen. Allerdings lohnt es sich sehr wohl, gegen seine Mitspieler zu tippen.
Viele Spieler kreuzen die gleichen oder zumindest ähnliche Zahlenreihen an. Unter den 7,78 Millionen analysierten Tippreihen befanden sich nur 4,5 Millionen verschiedene Reihen. Viele mögliche Kombinationen wurden also gar nicht getippt, andere nur sehr selten. Je häufiger eine Zahlenreihe aber auch von anderen Tippern angekreuzt wird, auf desto mehr Köpfe verteilt sich im Fall des Falles der Gewinn.
Die beliebteste Reihe war die Zahlenfolge 1, 9, 17, 25, 33, 41 – was auf dem Tippschein der Diagonalreihe von links oben nach rechts unten entspricht. Diese Kombination wurde 8700-mal über dem Durchschnitt getippt. Auch andere geometrische Formen wie Horizontal- und Vertikalreihen, Rechtecke sowie buchstabenähnliche Muster standen hoch im Kurs. Wer im Lotto seinen Gewinn nicht teilen möchte, sollte also auf alles verzichten, was auf dem Lottoschein schön aussieht.
Das Gleiche gilt für Geburtstags- und andere Jubiläumszahlen. Vor allem bei Geburtstagsreihen mit der 19 winkt nur selten der erhoffte Geldsegen. Die Zahl, die bei Erwachsenen für das Geburtstagsjahrhundert steht, ist die mit Abstand beliebteste Zahl. Wird die 19 gezogen und ist dann noch eine Monatszahl von 1 bis 12 dabei, sind die Quoten grundsätzlich im Keller.
Allerdings hat es mit der 19 auch schon sehr hohe Quoten gegeben. In diesem Fall begannen die Lotto-Füchse ihre Tippreihen mit der 19 als der niedrigsten Zahl. Damit handelte es sich um keine klassische Geburtstagsreihe, die Gewinnausschüttung war groß.5
Nr. 6
»Nachts ist es finster, weil die Sonne nicht scheint.« Das wäre eine naheliegende Antwort auf die Frage, warum es in der Nacht dunkel wird. Doch so einfach ist es nicht: Im Universum gibt es fast unendlich viele Sterne, die allesamt so hell leuchten wie unsere Sonne. In jeder denkbaren Himmelsrichtung gibt es Sterne und trotzdem ist das Firmament dunkel. Warum?
Diese Frage hat sich am Anfang des letzten Jahrhunderts auch der Bremer Arzt und Astronom Heinrich Wilhelm Matthias Olbers (1758 –1840) gestellt. Im Jahr 1823 schrieb er dazu einen Aufsatz unter dem Titel »Über die Durchsichtigkeit des Weltraums«. Seitdem wird die mysteriöse Dunkelheit des Himmels auch als »Olbers-Paradoxon« bezeichnet.
Olbers schlug als Lösung vor, dass es im Weltraum Staubwolken gibt, die das Licht der Sterne absorbieren. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bestätigt: Beobachtungen mit modernen Fernrohren haben gezeigt, dass es im Universum dafür zu wenig Staub gibt.
Der 1919 in Wien geborene Physiker Hermann Bondi schlug Mitte des 20. Jahrhunderts vor, dass die Sterne in einem schnell expandierenden Universum zu wenig Lichtenergie abgeben: Das Licht würde daher verschwinden wie Wasser in einem Fass ohne Boden. Doch auch dieser Gedanke erwies sich als falsch. Zwar expandiert das Universum tatsächlich, aber die Auswirkungen dürften eigentlich nur ausreichen, um den Nachthimmel etwas abzudunkeln.
Heute favorisieren die meisten Astronomen eine Erklärung, die der amerikanische Astronom Edward R. Harrison 1974 aufgestellt hat: Da das Universum mit dem Urknall entstanden ist, gibt es auch Sterne erst seit einer geraumen Zeit. Die meisten Sterne sind so weit von der Erde entfernt, dass deren Licht uns noch nicht erreicht hat. Wenn es in ferner Zukunft eintrifft, werden viele Sterne, die wir heute sehen, bereits erloschen sein. Auf diese Weise erreicht uns immer nur eine geringe Lichtmenge und der Himmel bleibt dunkel.6
Nr. 7
Menschen unterscheiden mithilfe ihrer Augen, ihrem Nervensystem und dem Gleichgewichtssinn oben und unten. Pflanzen besitzen keine vergleichbaren Organe. Trotzdem können sie oben und unten auseinanderhalten. Wird etwa Getreide durch Hagel auf den Boden gedrückt, richtet es sich anschließend wieder auf. Doch wie machen Pflanzen das?
Diese Frage haben sich auch Forscher derNasagestellt. Sie suchten nach einem Weg, um Pflanzen im Weltraum aufrecht wachsen zu lassen. Menschen auf langen Reisen im All sollen mithilfe von Pflanzen Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln, das Abwasser reinigen und Lebensmittel herstellen. Bevor dieNasasolche Lebenserhaltungssysteme bauen kann, muss sie allerdings wissen, wie die Schwerkraft die Pflanzen beeinflusst.
Forscher der Nasa fanden fanden heraus, dass ein Stoff, der auch im Körper des Menschen vorkommt, eine Schlüsselrolle für den Orientierungssinn der Pflanzen spielt. Die Verbindung trägt den komplizierten Namen »Inositol-Trisphosphat« – kurz »InsP3«.
Der Orientierungssinn der Pflanzen erklärt sich so: Wird etwa Weizen oder Mais auf den Boden gedrückt, verändert das die Ausrichtung von Stärkepartikeln in den Zellen der Pflanze. Dies veranlasst InsP3, sich nach einer halben bis zwei Stunden auf der unteren Seite der Pflanze anzureichern. Über zahlreiche Zwischenschritte bewirkt InsP3 schließlich, dass die sogenannten Motorzellen auf der Unterseite der Pflanze in die Länge wachsen und so das Gewächs wieder aufrichten.
Diese neuen Erkenntnisse sind eine interessante Facette bei der Klärung der Orientierungsfrage. Der Signalweg, der letztlich dazu führt, dass eine Pflanze sich wieder aufrichtet, ist damit aber noch nicht restlos aufgeklärt. Die Forscher der Nasa haben also noch viel zu tun.7
Nr. 8
In Russland gehören sie zum Landschaftsbild: massive Holzzäune, oft mannshoch und aus nicht immer ebenmäßigen Hölzern zusammengebaut. Holzzäune sind praktisch und billig. Im Mittelalter fand man sie daher auch in Deutschland. Heute hingegen umfriedet man hier sein Grundstück eher mit Steinmauern, Metallzäunen, Hecken oder – notdürftig – mit Maschendrahtzäunen.
Forscher haben festgestellt, dass es in verschiedenen Regionen Europas seit dem Mittelalter immer wieder zu schweren Energiekrisen gekommen ist. Zum Beispiel in der Oberpfalz um 1550: Die Herstellung und Bearbeitung von Metall verschlang ungeheure Mengen an Holzkohle. Im 16. Jahrhundert verbrauchte man für die Gewinnung von einer Tonne Eisen etwa sechs Tonnen Holzkohle. Die wurde aus 30 Tonnen Holz hergestellt, vorzugsweise Buchenholz.
In der Oberpfalz gab es damals etwa 200 Betriebe, die Holzkohle benötigten. Da waren die umliegenden Wälder schnell abgeholzt und die Oberpfalz stand vor einer Energiekrise. Um den Holzschlag einzudämmen, erließen die Regierenden zahlreiche Verbote. Im Jahre 1593 wurde schließlich verboten, Zäune aus Holz zu bauen. Stattdessen hatten die Bürger Hecken zu pflanzen.
Zuweilen trieb der Versuch, den Holzverbrauch einzuschränken, auch seltsame Blüten. So verbot Friedrich II. von Preußen den beliebten Brauch, zu Pfingsten das Haus mit Birken auszuschmücken. Und der österreichische Kaiser Joseph II. befahl, für die Toten keine Särge mehr zu benutzen, sondern sie nur noch in ein Leichentuch einzuschlagen.
Auch in Osteuropa nahm der Holzverbrauch zu. Doch hier war der Schaden auf Regionen in der Nähe von Städten beschränkt. Das brauchte den Bauern in den Weiten Russlands jedoch nicht zu kümmern. Er zog sein Gemüse und weidete sein Vieh wie eh und je hinter dem Palisadenzaun.8
Nr. 9
Die Amerikaner sind nie auf dem Mond gewesen, behauptete der »Mondexperte« Bill Kaysing im Jahr 2001 im amerikanischen Fernsehsender Fox. Die Filmaufnahmen von den Astronauten hat die Nasa demnach in der Nevada-Wüste gedreht. Genauer gesagt: in der geheimnisvollen »Area 51«, die Gerüchten zufolge auch ein Landeplatz Außerirdischer ist. Der Druck des Kalten Krieges hat die Amerikaner gezwungen, eine Mondlandung vorzutäuschen.
Die These vom sogenannten Mond-Bluff geistert seit den 1970er-Jahren durch die Medien. Fox hat das Thema in einer Sendung aufgegriffen, in der Kaysing ausführlich zu Wort kam. Der Experte erklärte, dass Aufnahmen vom Mond keine Sterne zeigen. Sterne leuchten auf dem Mond jedoch heller als auf der Erde, da der Trabant keine Atmosphäre hat. Offenbar habe die Nasa das bei ihren Filmaufnahmen nicht bedacht. Außerdem flattert die Fahne im Wind, die Neil Armstrong und Edward Aldrin bei der ersten Mondlandung 1969 in den Boden rammten. Auf dem Mond kann es ohne Atmosphäre jedoch keinen Wind geben. Und die Krönung der Argumente: Es gibt identische Bilder von der Mondoberfläche, mal mit und mal ohne Raumsonde. Wie sollen die Astronauten so ein Bild gemacht haben? Vor der Landung sei dies wohl kaum möglich gewesen, sagt Kaysing.
Angesichts dieser Vorwürfe sah sich die Nasa gezwungen, in einer Erklärung die Behauptungen zu entkräften und Beweise für die Mondlandung vorzulegen. Laut Nasa sind die Sterne auf den Mondaufnahmen unsichtbar, weil die Helligkeit der Mondoberfläche und der Raumanzüge alles überstrahlt. Die Fahne flattert, weil die Astronauten sie mit kreisförmigen Bewegungen in den Boden gerammt haben. Das Rätsel von den gleichen Bildern mit und ohne Raumfähre ließe sich ebenfalls leicht lösen: Die Fotos wurden einfach von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommen.
Ein stichhaltiger Beweis für die Mondlandung der Amerikaner sind die mitgebrachten Steine. Selbst Laien können mit bloßem Auge Unterschiede zu Steinen auf der Erde erkennen: Mondsteine sind übersät mit winzigen Kratern. Sie rühren von Staubpartikeln her, die auf dem Mond eingeschlagen sind. Solche Steine können auf der Erde laut Nasa gar nicht künstlich erzeugt werden. Kein Beschleuniger kann Teilchen auf Geschwindigkeiten bringen, wie sie im Weltall vorkommen.
Angenommen, die Mondlandung sei tatsächlich ein Bluff gewesen – wie hätte man das in dem riesigen Nasa-Apparat geheim halten können? Spätestens die Russen hätten den Bluff erkannt und für sich genutzt. Die Geschichte der Mondlandung hält der deutsche Journalist und Raumfahrtexperte Wolfram Knapp für in sich so schlüssig, dass an eine Fälschung gar nicht zu denken sei. So hat die Nasa etwa Reflektoren auf dem Mond aufgestellt, die Laserlicht von der Erde zurückschicken. Forscher nutzen die Reflektoren heute noch, um den Abstand zwischen Mond und Erde zu messen. Wer hätte die Reflektoren denn auf den Mond bringen können, wenn nicht die Nasa?9
Nr. 10
Wer an einem lauen Abend zur richtigen Zeit in einen Wald oder Park geht, wird auf laut zwitschernde Vögel und quakende Fröschen treffen. Aber warum machen die Tiere gerade in der Dämmerung so einen Radau?
Eine Pauschalantwort auf diese Frage gibt es nicht. Grundsätzlich werden jedoch viele Tiere in der Dämmerung aktiv. Für Amselmännchen ist es dann an der Zeit, mit melodiösem Gesang ihr Revier zu markieren. Pärchen und Vogelschwärme signalisieren zwitschernd ihren Artgenossen, wo sie sich gerade befinden. Die Dämmerung ist dazu die beste Zeit, weil dann die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur optimal sind, um die Rufe über große Entfernungen hinweg zu hören.
Vor allem Männchen werden in der Dämmerung laut, um Weibchen zur Paarung anzulocken. Ihre Balzrufe hören aber nicht nur die Angebeteten, sondern auch Räuber wie Fuchs und Marder. Das schwindende Licht der Dämmerung hilft den Tieren, nicht zu schnell auf der Speisekarte eines Jägers zu landen. Die Tiere gehen einen Kompromiss ein: Sie werden laut – allerdings vor allem zu Zeiten, in denen sie geschützt sind.
Aber vielleicht hat die Amsel tagsüber einfach keine Zeit zum Singen. Paarung, Brutpflege und Futtersuche nehmen die Tiere zu sehr in Anspruch. Erst wenn sie zwischen Tagesgeschäft und Nachtruhe eine kleine Pause haben, finden die Vögel die Zeit, ihre Kunst auszuüben.
Dass wir auf einem Dämmerungsspaziergang viele Tiere hören, liegt aber auch an unserer eigenen Wahrnehmung. Wenn wir abends weniger sehen, werden andere Sinne wichtiger, weshalb wir aufmerksamer hinhören als am helllichten Tag.10
Nr. 11
Zehn Prozent der Patienten scheinen 90 Prozent aller Infekte zu bekommen. Doch woran liegt es eigentlich, dass manche Menschen häufiger krank werden als andere?
So wie es beim Menschen verschiedene Blutgruppen und Augenfarben gibt, unterscheiden sich auch die Immunsysteme. Manche Menschen sind daher gut gegen Krankheiten gewappnet, andere hingegen nicht. Kinder, die nur wenig von einem bestimmten Eiweiß im Blut haben, haben ein größeres Risiko für Atemwegsinfekte. Das Eiweiß mit dem Namenskürzel MBL bindet sich an die Erreger und leitet die Abwehr ein. Ein Mangel an MBL führt zu einer erhöhten Anfälligkeit.
An den Atemwegsinfekten leiden Kinder vor allem im Alter von 6 bis 17 Monaten. In dieser Zeit ist das eigene Immunsystem des Kindes noch nicht ausgereift und die von der Mutter übertragenen Abwehrstoffe bieten keinen Schutz mehr.
Kinder, deren Eltern an einer Infektion gestorben sind, haben ein fünf Mal höheres Risiko, ebenfalls an einer Infektion zu sterben. Und dass, obwohl sie getrennt von ihren Eltern in einer anderen Umgebung aufwuchsen. Die Empfänglichkeit für ansteckende Krankheiten haben die Kinder offenbar von den Eltern geerbt.11
Nr. 12
Jeder weiß es: Der Kuckuck brütet seine Eier nicht selbst aus, sondern legt sie in fremde Nester. Rätselhaft war bislang jedoch, warum seine Eier von den »Gasteltern« nicht erkannt werden, obwohl sie ganz und gar anders aussehen. Vogelkundler haben nun die Lösung gefunden: Die Vögel sehen die Welt mit anderen Augen. Im Gegensatz zum Menschen können sie nämlich auch ultraviolettes Licht wahrnehmen.
Mit einem sogenannten Spektralphotometer analysierten Forscher die Färbung von Eiern des afrikanischen Einsiedlerkuckucks und seiner Wirte und versuchten dabei, der Farbwahrnehmung der Vögel möglichst nahezukommen. Parallel dazu sollten Testpersonen die Ähnlichkeit der Kuckucks- und Wirtseier anhand einer Skala von eins bis fünf beurteilen. Es stellte sich heraus, dass Eier, die für menschliche Augen sehr verschiedenartig gefärbt erscheinen, durch das Messgerät betrachtet sehr ähnlich sind.12
Nr. 13
Schwarze Regenwolken türmen sich am Himmel, und bevor ein schützender Unterstand erreicht ist, prasseln die Regentropfen nieder. Wie sich Wassermoleküle in der Luft so schnell zu Regentropfen sammeln können, lässt sich folgendermaßen erklären:
Vor einem Regenschauer sammelt sich in den Wolken Wasser um winzige Staubteilchen. Die Wassertröpfchen müssen jedoch noch um das Tausendfache wachsen, um das nötige Gewicht zum Herunterfallen zu erreichen. Wenn man die typische Wachstumszeit von Tropfen betrachtet, würde das 10 bis 15 Stunden dauern. Aber die Erfahrung zeigt, dass es sehr viel schneller anfängt zu regnen.
Die Erklärung dafür liegt in vielen kleinen Windturbulenzen innerhalb einer Wolke. Die Turbulenzen wirken wie Zentrifugen, weshalb die darin gefangenen Tröpfchen in wenigen Minuten ihre Fallgröße erreichen können. In den dichten Bereichen am Rand der Turbulenzen prallen die Tröpfchen zusammen, werden größer und beginnen zu fallen. Während des Falls sammeln die Tropfenkeime mehr und mehr Feuchtigkeit, bis sie zu den großen Tropfen heranwachsen, die auf die Erde prasseln.
Mit diesen Erkenntnissen wollen Forscher die Wettervorhersage verbessern. Am liebsten würden sie den Meteorologen eine simple Formel geben, etwa dass bei einer gewissen Windgeschwindigkeit der Regen in 40 Minuten beginnt. Aber das ist bisher nur ein Traum.13
Nr. 14
Warum haben Vogelmännchen oft so ein buntes Gefieder, während die Weibchen meist eher unscheinbar wirken? Mit besseren Chancen bei der Balz lässt sich diese Frage nicht allein erklären. Denn viele Vogelarten leben monogam, deshalb müssten die Männchen nicht so farbenprächtig auf den Putz hauen. Des Rätsels Lösung wollen amerikanische Forscher herausgefunden haben.
In einer Studie wurden das Gefieder und die Körpergröße von über 1000 Vogelarten verglichen. Ihre Resultate bestätigen Darwins Thesen von 1871, der vermutete, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern im Gefieder bei polygam lebenden Tieren besonders ausgeprägt ist. Dabei sind Weibchen umso unauffälliger, je näher am Boden die Vögel ihre Nester bauen. Die Tarnfarbe schützt sie vor Räubern.
Doch auch monogam lebende Männchen sind viel bunter als ihre Gattinnen. Dass diese »Ehemänner« wahrlich »bunte Vögel« sind, zeigen Untersuchungen der Hodengröße. Große Hoden deuten in der Tierwelt auf häufige Seitensprünge hin. So entdeckten Forscher, dass Vögel mit buntem Gefieder eher große Hoden haben. Auch scheinbar treue Vögel halten demnach ihre Farbenpracht für mehrere Damen bereit.14
Nr. 15
Pfeffer und Salz sind die Basisgewürze für viele Gerichte und dürfen in keiner Küche fehlen. Doch während eine Prise Salz meist den direkten Weg in die Suppe sucht, steigt Pfeffer nicht selten in die Lüfte auf und dem Koch in die Nase – ein heftiger Niesanfall ist die Folge: Pfeffer ist so feinkörnig, dass er beim Atmen in die Nase gelangen und an den Nervenenden einen Niesreiz auslösen kann.
Der Niesreiz ist ein natürlicher Reinigungsreflex, der eigentlich eher für die Abwehr gröberer Schmutzpartikel wichtig ist. Hat beispielsweise ein Staubkorn eine gewisse Größe, löst es einen Niesreiz aus: Der Fremdling wird mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde und mehrere Meter weit aus der Nase befördert.
Die reizende Wirkung des feinkörnigen Pfeffers geht auf den Inhaltsstoff Piperin zurück. Dieses Alkaloid ist auch für den scharfen Geschmack gepfefferter Speisen verantwortlich, in der Nase ruft der Stoff einen stechenden Schmerz hervor. Gleichzeitig bewirkt Piperin bei seiner Aufnahme in der Nasenschleimhaut, dass der Körper Histamin ausschüttet. Dieser sogenannte Neurotransmitter löst automatisch Niesen aus, denn er spielt sonst vor allem bei allergischen Reaktionen eine Rolle: Fliegt etwa Blütenstaub in die Nase eines Pollenallergikers, führt dies zur Ausschüttung von Histamin und zu einem lauten »Hatschi«. So werden die Pollen wieder nach draußen befördert.
Nach ein- oder mehrmaligem Niesen klingt die reizende Wirkung von Pfeffer meist rasch wieder ab. Das unterscheidet das Piperin von Inhaltsstoffen anderer Gewürze: Capsaicin aus der Chilischote zum Beispiel landet zwar selten in der Nase, kann aber im Mund- und Rachenraum oft minutenlang empfindlich brennen.15
Nr. 16
Das Ende der Erde wird dem einer Schneeflocke ähneln, die ins Feuer fällt: Sie wird ganz einfach verdampfen.
In sieben Milliarden Jahren wird die Sonne den Wasserstoff in ihrem Innern zu Helium verbrannt haben. Sie verwandelt sich dann in einen »Roten Riesen« und wächst auf ein Vielfaches ihrer jetzigen Größe an. Einen Teil ihrer Atmosphäre stößt sie dabei ab. Da sie an Masse verliert, nimmt ihre Anziehungskraft ab und die Bahnen der Planeten verlagern sich nach außen.
Forscher rechnen damit, dass die Sonne als Roter Riese auch ihr Helium und andere schwerere Elemente verbrennen wird. Sie sagen voraus, dass sich die Sonne bei einer dieser neuen Kernzündungen vorübergehend so weit aufblähen kann, dass die Erde in ihre äußere Atmosphäre gerät. Wenn dieses Aufblähen zu lange andauert, verliert die Erde an Geschwindigkeit und stürzt in einer Spirale in die Sonne.
Einen Hoffnungsschimmer lassen die Forscher der Erde aber noch: Wenn die Aufblähphase nur kurz andauert, wird die Erde zwar »gebacken«, aber sie bleibt auf ihrer Bahn. Sie kann dann dabei zusehen, wie die Sonne wieder schrumpft und schließlich erlischt. Leben wird es auf der Erde dann allerdings längst nicht mehr geben.16
Nr. 17
Normalerweise macht es für Tiere wenig Sinn, den Partner bei einer anderen Art zu suchen. Wenn aus einer solchen Verbindung überhaupt Nachkommen entstehen, sind diese meist nicht fortpflanzungsfähig. So ist etwa die Paarung von Pferd und Esel nicht wirklich von Erfolg gekrönt: Muli und Maulesel sind steril, können also keinen weiteren Nachwuchs bekommen. Eine Kreuzung, die in freier Wildbahn vorkommt, ist das sogenannte Rackelwild. Der Mischling aus Birkhahn und Auerhahn ist ebenfalls zeugungsunfähig. Weniger bekannte Kreuzungen, etwa die aus Schaf und Ziege, sind äußerst selten, weshalb Biologen sie nur für eine Laune der Natur halten.
Es existiert allerdings eine Vogelart, bei der das anders ist: Der Halsbandschnäpper hat offenbar ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die Nachteile der »Hybridisierung«, der Vermischung zweier Arten, auszugleichen. Britische Forscher haben in den Wäldern Schwedens und Tschechiens das Paarungsverhalten des Halsbandschnäppers erkundet und dabei die erstaunliche Entdeckung gemacht.
Die weiblichen Halsbandschnäpper paaren sich zunächst ganz normal mit ihren Artgenossen. Aber wenn sich die Paarungszeit dem Ende nährt, bevorzugen sie männliche Trauerfliegenschnäpper. Sie wechseln zur Konkurrenz, weil die Mischlingsnachkommen so spät im Jahr bessere Überlebenschancen haben. Die ungleichen Paare produzieren zwar mehr männlichen Nachwuchs als weiblichen, aber das ist den Umständen entsprechend eher ein Vorteil: Die Mischlingsmännchen sind in ihrer Fortpflanzungsfähigkeit nur leicht beeinträchtigt, während die Mischlingsweibchen steril sind.17
Nr. 18
Segler und Bergsteiger haben eines gemeinsam: Sie müssen sich auf ihre Seile verlassen können. Grund genug für Forscher aus der Schweiz und aus Polen, zu untersuchen, wo Seile am leichtesten reißen. Mithilfe von gut gekochten und in Olivenöl gewälzten Spaghetti fanden die Wissenschaftler heraus, dass geknotete Seile fast immer kurz vor Beginn eines Knotens reißen. Dort ist das Material am stärksten gebogen.
Die Forscher haben die Einzelbilder eines Films analysiert, der das Reißen einer Nudel zeigte. Einen solchen Vorgang bei gewöhnlichen Seilen genau zu beobachten, ist sehr schwer. Materialien wie Nylon brechen zum Beispiel so schnell, dass selbst mit einer Hochgeschwindigkeitskamera unmöglich zu erkennen ist, wo oder warum das passiert. Gekochte Spaghetti haben sich für filmische Zerreißproben als das beste Material erwiesen.18
Nr. 19
Je älter wir werden, desto schneller vergeht die Zeit – zumindest kommt es uns so vor. Erscheinen uns die Tage der Kindheit im Rückblick endlos, rasen die Wochen im Erwachsenenalter nur so dahin. Auch ältere Menschen klagen darüber, dass die Zeit vergeht wie im Flug. Doch woran liegt das?
Kinder haben ein anderes Zeitempfinden, weil sie jeden Tag Neues entdecken und ständig Unbekanntes verarbeiten müssen. Dadurch erfordert jeder Augenblick eine größere Präsenz. Jeder Moment wird intensiv wahrgenommen, jeder Tag scheint daher lang zu sein. Wenn wir älter werden, wird vieles zur Routine. Dadurch kommt es uns so vor, als würde die Zeit schneller vergehen.
Kinder leben in einem anderen Zeitrahmen als Erwachsene. Neugeborene haben beispielsweise zunächst einen Vier-Stunden-Rhythmus von Essen und Schlafen. Dass Zeit gleich Uhrzeit oder Kalenderzeit bedeutet, erfahren Heranwachsende erst mit zunehmender Sozialisierung. Sie haben daher noch kein ausgeprägtes Gefühl für Pünktlichkeit, vergessen über intensives Spiel beispielsweise die Zeit.
Empirische Untersuchungen haben ergeben, dass die subjektive Lebensmitte bei etwa 18 Jahren liegt. In der Jugend machen wir wichtige Erfahrungen, die uns für unser Erwachsenenleben prägen. Daher kommt uns die Zeit des Erwachsenwerdens im Nachhinein als besonders lang vor.
Hinzu kommt ein weiterer Effekt. Wenn Menschen älter werden, denken viele über die Zeit nach, die ihnen nach der durchschnittlichen Lebenserwartung vermutlich noch bleibt. Sie sitzen dann wie vor einer Sanduhr und sehen, wie die verbleibende Zeit abnimmt. Die Zeit verrinnt unaufhaltsam und scheinbar zu schnell, um sie mit den Dingen zu füllen, die wir noch vorhaben.
Je mehr Pläne und Ziele wir haben, desto schneller vergeht nach unserem subjektiven Empfinden die Zeit. Eine Berliner Altersstudie mit Menschen zwischen 70 und 103 Jahren belegt, dass sich die »gefühlte« Zeit im sehr hohen Alter wieder verlangsamt. Es werden nicht mehr so viele Pläne verfolgt und die Orientierung ändert sich. Das heißt: Die Menschen sind durch ihren Körper stärker beeinträchtigt und setzen sich intensiver mit dem eigenen Tod auseinander. Alte Menschen leben nicht in der Vergangenheit, sondern intensiv im Jetzt.
Man muss allerdings zwischen dem momentanen Zeitempfinden und der Rückschau unterscheiden: Hier ist eine paradoxe Wendung festzustellen. Erleben wir beispielsweise eine Lebensphase voller Projekte und Aktivitäten, rennen die Stunden und Tage nur so dahin. In Rückblick betrachtet kommt uns die Zeit oft sehr ausgefüllt und lang vor.
Grundsätzlich führen Hektik und Stress dazu, dass die Zeit gefühlsmäßig rast. Zeitforscher raten, einen Gang zurückzuschalten, sich sozusagen Zeit zu nehmen.19
Nr. 20
Rechts ist da, wo der Daumen links ist. Diese und ähnlich verwirrende Eselsbrücken werden Kindern mit auf den Weg gegeben, wenn sie den Unterschied zwischen rechts und links erklärt bekommen. Doch auch einige Erwachsene haben Probleme, die Richtungen korrekt zu benennen. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären und bei wem tritt es besonders häufig auf?
Die Links-rechts-Unterscheidung muss von Kindern erst erlernt werden. Das ist besonders schwer, wenn Kinder eine unklare Händigkeit aufweisen, das heißt einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand tätig werden.
