Was dem Lektorat auffällt - Hans Peter Roentgen - E-Book

Was dem Lektorat auffällt E-Book

Hans Peter Roentgen

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Beschreibung

Niemand wirkt so im Geheimen wie Lektoren. Sie arbeiten im Dunkeln wie Maulwürfe, die unter den Buchseiten leben und von denen man nur die Produkte sieht: die lektorierten Bücher. Doch erfolgreiche Autoren schwören auf ihre Lektoren. Sie wissen, wie man Texte poliert, verbessert, ihr Potenzial nutzt. Egal, ob es um Füllwörter, um Spannungsbogen, um Absätze oder Leerzeilen, um Plot und Exposés geht. Nicht zu vergessen, das neue Thema „KI“. Hans Peter Roentgen hat in seinen Artikeln zusammengefasst, was Lektoren auffällt. Wie man die Fallen vermeidet und das Potenzial seiner Geschichte optimal nutzt. Er zeigt Ihnen, wie Sie diesen Erfahrungsschatz für Ihr Manuskript nutzen können.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 201

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Was dem Lektorat auffällt

Schreibratgeber

von

Hans Peter Roentgen

Roentgen, Hans Peter:

Was dem Lektorat auffällt. Schreibratgeber

Hamburg, Charles Verlag 2026

Originalausgabe

ISBN E-Book: 978-3-910408-13-5

Dieses Buch ist auch als Print erhältlich und kann über den Handel oder den Verlag bezogen werden.

ISBN Print: 978-3-910408-12-8

Umschlaggestaltung: © Charles Verlag, Hamburg

Umschlagfoto: © Bennet Stange

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie ; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http ://dnb.d-nb.de abrufbar.

Der Verlag behält sich das Text- and Data-Mining nach § 44b UrhG vor, was hiermit Dritten ohne Zustimmung des Verlages untersagt ist.

Der Charles Verlag ist ein Imprint der Bedey & Thoms Media GmbH,

Hermannstal 119k, 22119 Hamburg

[email protected]

© Charles Verlag, Hamburg 2026

Alle Rechte vorbehalten.

http ://www.charlesverlag.de

Inhalt

Vorwort

Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreib­regeln wissen sollte

Schreibregeln sind keine Gesetze

Auf die Wirkung kommt es an

Schreibregeln sind Werkzeuge

Schreibregeln gehören in die Überarbeitung

Schreibregeln hemmen nicht die künstlerische Freiheit

Schreibregeln haben Gründe und Autoren sollten sie kennen

Schreibregeln legen nicht fest, wie gut ein Text ist

Schreibregeln gehen guten Autoren in Fleisch und Blut über

Grammatikregeln sind ebenfalls keine Gesetze

Lesbarkeit und Ordnung

Auslassungspunkte kann man auslassen, wenn …

Wozu dienen Auslassungspunkte?

Gedankenstriche

Leerzeilen richtig setzen

Absätze

Die Faustregeln:

Wozu Absätze?

Wann soll man Absätze machen?

Wirkung von Absätzen

Warnung

Szenen

Spannungsbogen einer Szene

Beginn und Ende

Szenenlänge

Szenenfolge

Kapitel

Format

Stil der Überschrift

Umfang

Stil ist keine Geschmacksfrage

Richtig würzen mit Adjektiven und Adverbien

Das Gefühl für Adjektive schärfen

Wertende Adjektive weglassen

Anschauliche Substantive wählen

Sätze in Bewegung bringen

Doppelungen vermeiden

Informative, beschreibende Adjektive nutzen

Sparsam dosieren

Nach persönlichem Geschmack würzen

Den eigenen Geschmack schulen

Füllwörter meiden

Das Wichtigste in Kürze:

Literarische Unkräuter: Als und während

Er fühlte, dass er ahnte, was er denken würde

Sieben Tipps für Wiederholungen

1. Unschädliche Wiederholungen

2. Streichen ist oft die einfachste Lösung

3. Wo Synonyme nötig sind

4. Namen

5. Wiederholungen als Stilmittel

6. Wiederholungen von Satztypen

7. Beliebte Wiederholungen

Vampir-Verben, die Texten Kraft rauben

1. Anfangen

2. Beginnen

3. Versuchen

4. Bekommen

5. Spüren

6. Scheinen

7. befinden

Partizipien

Warum sind Partizipien problematisch?

Die Dosis macht das Gift

Struktur und Aufbau

Prologe: Wann nützen, wann schaden sie?

Was ist eigentlich ein Prolog?

Wann ist ein Prolog sinnvoll?

Welche Prologe sind gefährlich, weil abschreckend?

Wenn Sie sich verzweifelt überlegen, was für einen Prolog Sie schreiben sollten

Wenn der Autor glaubt, er müsse dem Leser vorab etwas zur Geschichte erklären

Wenn der Autor ein Vorwort schreiben will

Wenn der Autor die Geschichte mit Bedeutung aufladen will

Wenn der Autor seiner Geschichte nicht traut

Der Prolog soll in die Geschichte einführen

Der Prologtest

Wenn der Prolog kein Prolog ist

Epilog

Grundlagen Perspektiven

Grundformen

Personal

Ich

Allwissend

Perspektiven verlangen Treue

Moden

Mischformen

Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür

Multipersonale Perspektive

Kameraperspektive

Dr. Watson

Das allwissende Ich

Person mit allwissenden Einsprengseln

Multiperspektivisch

Ich & 3. Person

Allwissend & 3. Person

Du-Perspektive

Was Sie nicht tun sollten

Mischen, um zu erklären

Distanz mit Perspektive verwechseln

Perspektivendogmatismus

Experimente und die Genres

Erzählperspektive, Distanz und KameraeinstellungVier Kameraeinstellungen für Ihren Roman

Unterschied zwischen Erzählperspektive und Kameraeinstellung

Wechsel der Einstellung

Spannungsbogen

Warum Perspektive und Distanz oft verwechselt wird

Die Autorenstimme

Distanzierer

Action verlangt Tempo

Frühstück mit Autor

Verwandeln Sie sich in Ihre Charaktere

Fehlerquelle: Beschreibungen

Autorenstimme versus allwissenden Erzähler

Das Wichtigste in Kürze:

Rückblenden

Was ist eine Rückblende (Flashback)

Rückblenden als Infodump

Rückblenden dürfen nicht auffallen

Ein bisschen zu früh ist auch daneben

Plusquamperfekt nur am Anfang und Schluss einer Rückblende

Keine holprigen Überleitungen

Rückblenden auflösen

Keine Rückblende ohne Frage

Wichtige Rückblenden häppchenweise erzählen

Dialog statt Rückblende

Vorteile einer Rückblende

Nachteile

Rückblenden, die Kür

Der tote Mann

Die Lieferantin© Zoe Beck

Und ohne Rückblende?

Der Schakal© Frederick Forsythe

Die Alternative

Das Balg, Rückblende

Übung:

Subtext: Was nicht im Text steht

Die Eisberg-Methode

Subtext bietet Rätsel

Subtext ist das Gegenteil von Wissenschaft

Subtext muss verständlich sein

Nicht jeder Subtext muss verstanden werden

Zensur und Subtext

Und wie kommt man zu einem Subtext?

Übung:

Sich in die Person verwandeln

Interviewen Sie Ihre Figuren

Personen müssen frei sein

Die erste Seite

Film starten

Autorenstimme

Behauptungen beweisen

Konflikt

Personen

Beschreibungen

Widerspruch

Auf eine Sache konzentrieren

Plot

Einen Plot entwickeln

Der Phönix aus der Asche

Was alles passieren kann

Orks und Menschen

Drei Ebenen

Die Wahl des Autors

Der Ablauf des Verhörs

Der Pitch: Ein Satz für die Geschichte

Der lange Pitch

Das Thema ist kein Pitch

Show, don’t tell

Beispiele aus dem Film

Zwölf Lösungen

Polieren

Womit beginnt die Geschichte?

Der Konflikt

Testen

Fazit:

Bolzplätze

Überarbeiten

Man muss nicht die ganze Suppe auslöffeln, um festzustellen, dass sie versalzen ist

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut

Was sind die Stärken?

Überarbeiten heißt nicht, Rechtschreibung und Stil polieren

Der Giersch lässt grüßen

Die Dosis macht das Gift

Auch Lektoren brauchen Lektoren

Lektorat und Korrektorat

Kein Geld fürs Lektorat? 10 Lösungen

Wer weiterkommen will, muss trainieren

Jeder lange Weg beginnt mit einem kleinen Schritt

Workshops sind das kleine Lektorat

Man muss nicht gleich ein ganzes Schwein kaufen, wenn ein Schnitzel reicht

Gute Testleser sind Gold wert

Wann braucht man was?

Der schöne Schein genügt nicht

Workshops und Seminare für Autoren

Autorenlounge

Autorentreffen

Bundesakademie Wolfenbüttel

Ideenreich – der Kreativhof

Nordkolleg Rendsburg

Romanmentoren, Plotten für Chaoten

Romanschule, Schreibfluss

Schreib & Weise

Schreibhain

Textmanufaktur

Zeilenschlinger

Lob der Realität

Was tut eigentlich ein Lektor?

Tagesablauf eines Lektors

Text von gestern kontrollieren

Bewegung lässt Gedanken laufen

Die Persönlichkeitsspaltung eines Lektors

Neuer Text

Kein 08/15-Lektorat

Resümee

Wie erkennt man einen guten Lektor?

Ohne gute Dramaturgie keine gute Geschichte

Und wo findet man die guten Lektoren?

Ist ein Probelektorat kostenlos?

Ein guter Lektor macht ein Buch besser, ein schlechter macht ein anderes Buch daraus!

Sieben Irrtümer über Lektorat

Lektorat ist das Lektorat eines Manuskripts

Lektorat korrigiert Rechtschreibung, Grammatik und Stil

Nur ein professioneller Lektor kann ein Manuskript bearbeiten

Um zu lektorieren, muss man das ganze Manuskript lesen

Lektorat ist für Bücher

Man kann alles auf einmal lektorieren

Literatur- oder Germanistikstudium befähigt zum Lektor

Arbeit mit einem Lektor

Die unterschiedlichen Lektoratstypen

Manuskriptlektorat

Exposélektorat

Szenenplan

Die ersten Seiten

Stil und Erzählstimme

Korrektorat

Fahnenkorrektur

Nicht alles auf einmal

Computer helfen

Computer helfen

KI: Fluch oder Segen der Autoren?

Und wozu nutze ich die KI noch?

Schreibblockaden

KI-Training

Papyrus

Der Lerneffekt

Andreas Eschbach und der Text-ÜV

Künstliche Intelligenz und das Schreiben?

Der Bestseller-Code analysiert Bücher

Kann man bei Büchern Gemeinsamkeiten feststellen?

Wie zuverlässig erkennt das Programm Bestseller?

Sex doesn’t sell

Inhalt ist wichtiger als Marketing

Können Computer überhaupt Texte beurteilen?

Was unterscheidet denn genau Bestseller von Nichtbestsellern?

Machen Programme Lektoren überflüssig?

Kann die KI Bestseller schreiben?

Werden die Verlage jetzt nur noch Bestseller verlegen?

Zusammenfassung

Die Verlagsbewerbung

Warum verlangen Verlage ein Exposé und eine Leseprobe?

Was ist ein Exposé?

Beispiel:

Erfährt sie …

Was gehört ins Exposé?

Hilfe für die Gliederung

Beliebte Fehler

Show don’t tell

Methoden der Erstellung Bottom-Up

Methoden der Erstellung: Top-down (Schneeflockenmethode)

Checkliste

Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung

Das Anschreiben

Genre

Zielgruppe

Exposé

Die Hauptfigur

Textprobe

Optionen

Kurzexposé

Personenliste

Beispiele:

Hintergrund

Autorenvita

Das amerikanische Anschreiben

Literaturagent oder Verlag

Einen Verlag finden

Unverlangte Manuskripteinsendungen

Agenten

Beziehungen

Selfpublisher

Preise

Workshops

Zwölf Tipps über Exposés

1. Was will ich erzählen

2. Ohne Hauptfigur, Bösewicht und Konflikt keine Geschichte

3. Nichts ist schlimmer als ein passiver Held

4. Wo beginnt die Geschichte, wie endet sie

5. Folgen Sie dem Helden

6. Kein Tolstoi, kein George Martin

7. Nichts verheimlichen

8. Exposés benötigen Atmosphäre

9. Exposés sind keine Nacherzählung

10. Das Exposé ist ein Härtetest Ihrer Geschichte

11. Der Weg zum guten Exposé führt über unzählige schlechte Versuche

12. Klappentexte sind Kurzexposés

Buchmarkt

Die Zielgruppe – das unbekannte Wesen

Marken und Namen in Romanen

Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen

Wann Marken- oder Firmennamen verwenden?

Wann sind reale Namensnennungen nötig?

Fragen kostet nichts

Nachwort

Danksagung

Literatur & Links

Über den Autor

Lektorate & Kurse

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Cover

Vorwort

Immer wieder fragen mich Autorinnen und Autoren, wann man Absätze setzt oder Leerzeilen; was der Unterschied zwischen Perspektive und Kameraeinstellung ist; und haben Angst vor dem Lektorat, das ihre Texte zur Unkenntlichkeit verändern würde. Und in den Autorenforen und Selfpublisher-Gruppen wiederholen sich ebenfalls diese Fragen.

Deshalb diskutiere ich seit vielen Jahren in meinem Blog darüber und behandele auch die weniger bekannten Details. Zum Beispiel, wie viele Varianten es beim Lektorat gibt und dass man auch für wenig Geld dort einiges lernen kann. Hinzu kommen Beiträge über Mischformen der Perspektive, die in vielen Schreibratgebern gar nicht behandelt werden; über Exposés und Klappentexte, wie Bestsellerautorinnen und -autoren Rückblenden einsetzen, wie man KI einsetzt und wie besser nicht, und, und, und …

In diesem Ratgeber finden Sie all die wichtigsten Artikel aus meinem Blog zum Schreibhandwerk versammelt. Sie müssen sich nicht mehr durch den Blog klicken.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und noch mehr beim Schreiben. Wie immer: Wenn das Buch Ihnen gefällt, erzählen Sie es anderen, wenn nicht oder wenn Sie Kommentare dazu haben, schreiben Sie mir eine Mail an: [email protected].

Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreib­regeln wissen sollte

»Wenn Sie ein Adjektiv treffen, bringen Sie es um«, meinte Mark Twain und begründete damit eine der bekanntesten Schreibregeln. Der Verleger Clemenceau stimmte ihm zu: »Bevor Sie ein Adjektiv verwenden, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es wirklich nötig ist.«

Dagegen schrieb Rudyard Kipling in Puck: »Was für ein dicker, bunter, glucksender Tropf doch ein Fasan ist«. Gleich drei Adjektive hintereinander. Und keins würde ich streichen.

Also alles Unsinn? Besser nicht auf Schreibregeln hören, wenn sich Nobelpreisträger auch nicht danach richten?

Was Schreibregeln sind (und was nicht), das möchte ich in diesem Kapitel darstellen.

Schreibregeln sind keine Gesetze

Keine Schreibpolizei kommt, wenn Sie sich nicht an die Schreibregeln halten. Sie erhalten auch keinen Bußgeldbescheid des Kultusministers. Für jede Schreibregel, die mir bekannt ist, kenne ich Beispiele grandioser Literatur, die sie übertreten hat. In Deutschland versteht man unter einer Regel gern etwas, das auf jeden Fall eingehalten werden muss. Wenn das nicht der Fall ist, gehört die Regel auf den Abfallhaufen.

Was für ein Unsinn. Höflichkeitsregeln sind nützlich, sie erleichtern das Zusammenleben. Aber manchmal muss man sie übertreten und Tacheles reden. Sind die Höflichkeitsregeln deshalb Unfug?

Nicht anders verhält es sich mit den Schreibregeln. Sie sind Empfehlungen, sie beruhen (wenn sinnvoll) auf den Erfahrungen unzähliger Autoren und Lektoren. Aber sie sind kein Zwangskorsett, sondern Empfehlungen.

Auf die Wirkung kommt es an

Geschichten sollen die Leser berühren, fesseln, sie die Welt aus anderen Perspektiven erleben lassen. Können sie das, ist es gut. Können sie es nicht, ist es schlecht.

Wenn ich einen Text lese, prüfe ich nicht, ob er die Schreibregeln erfüllt. Ich prüfe, ob er mich packt. Tut er das, darf er alle Regeln brechen. Tut er das nicht, ist es Zeit, die Werkzeugkiste aufzuklappen und die Schreibregeln herauszuholen. Denn dafür sind Schreibregeln da.

Schreibregeln sind Werkzeuge

In Deutschland muss man Gesetze befolgen, Regeln einhalten und danach wird die Arbeit beurteilt. Wir haben eine Vergangenheit als Obrigkeitsstaat. Doch es gibt keine Obrigkeit mehr, die beurteilt, was man schreiben darf und was nicht. Zum Glück. Eigentlich wäre Schreibwerkzeug der bessere Begriff, aber ich möchte nicht die babylonische Sprachverwirrung im Schreiben vermehren. Der Begriff Schreibregel hat sich durchgesetzt.

Die Schreibregeln sind die Rohrzange der Autoren. Funktioniert der Wasserhahn, lässt man die Zange im Werkzeugkoffer und der Koffer bleibt zu. Tropft er, dann wird es Zeit, die Werkzeuge herauszuholen.

Wenn eine Geschichte durchhängt, ist es Zeit, den Werkzeugkasten mit den Schreibregeln auszupacken, um die Spannungsschrauben anzuziehen. Der Bestsellerautor Andreas Eschbach hat sie auf seiner Homepage beschrieben, Den Link finden Sie hinter im Anhang.

Jeder Autor sollte die wichtigsten Schreibregeln kennen

Auch beim Schreiben gibt es typische Anfängerfehler. Infodump, Personen von außen betrachten, Überfülle von nichtssagenden Adjektiven, Dialoge, die grammatikalisch korrekt sind und genau deshalb holpern, Rückblenden, die erzählen, wann der Held entwöhnt wurde, und, und …

Die meisten Schreibregeln befassen sich mit diesen Anfängerfehlern. Sie benennen die üblichen Probleme, die dazu führen können, dass ein Text nicht packt.

Schreibregeln gehören in die Überarbeitung

Es gibt nichts Schlimmeres, als während der Erstfassung an die Schreibregeln zu denken. Schreibregeln gehören zur Vernunft, und Geschichten benötigen Fantasie und Intuition. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, ob sie alle Schreibregeln einhalten, wenn Sie die Erstfassung schreiben. Überlassen Sie beim Schreiben Ihrem inneren Kind die Führung.

Dann kommt die Überarbeitung. Jetzt ist der innere Zensor gefragt, die Vernunft übernimmt die Herrschaft. Und die klappt den Werkzeugkasten auf, wenn was nicht stimmt.

Schreibregeln hemmen nicht die künstlerische Freiheit

Das ist der häufigste Vorwurf gegen Schreibregeln. Sie würden die künstlerische Freiheit behindern und immer gleiche Romane hervorrufen.

Meist kommt der Vorwurf von Leuten, deren Kunst noch sehr am Anfang steht. Nein, wer die Schreibregeln missachtet, weil er sie nicht kennt und es nicht besser kann, ist deshalb noch kein großer Künstler.

Weil sie bei der Überarbeitung so nützlich sind, sollte jeder Autor sie kennen und wissen, wie man sie anwendet. Das bedeutet nicht, dass er sie immer und überall anwenden muss. Wenn ich weiß, wie ich eine Rohrzange verwende, heißt das noch lange nicht, dass ich alle Arbeiten mit der Rohrzange erledigen muss. Schließlich gibt es auch einen Hammer. Der ist für Nägel geeigneter. Und wenn alles in Ordnung ist, brauche ich weder Hammer noch Rohrzange.

Schreibregeln haben Gründe und Autoren sollten sie kennen

Schreibregeln sind gewonnene Erfahrung von Autoren. Dass Mark Twain vor Adjektiven warnte, hatte Gründe. Ein Übermaß von Adjektiven (vor allem von nichtssagenden) bremst Texte, lässt die Spannung erlahmen.

Auch eine zweite Regel von Mark Twain hat seinen Grund: »Verwende das genau passende Wort und nicht seinen Cousin«. Der Grund dürfte jedem einleuchten.

Nur wenn Sie die Gründe der Schreibregeln kennen, können Sie richtigen Gebrauch von ihnen machen.

Schreibregeln legen nicht fest, wie gut ein Text ist

Nein, die Qualität eines Textes hängt nicht davon ab, ob er alle Schreibregeln befolgt. Auch nicht, ob er den Regeln gehorcht, nach denen manche Kulturredakteure entscheiden, ob ein Text literarisch wertvoll ist.

Wer die Qualität eines Textes danach beurteilt, wie viele Adjektive er pro Seite enthält, ist auf dem Holzweg. Deshalb hat ein guter Lektor auch keine Tabelle bei der Arbeit neben sich liegen, auf der er ankreuzt, ob die Regeln befolgt werden. Weniger als drei Adjektive pro Seite: toller Text. Mehr als zehn: grottig.

Was aber jeder Lektor nutzt: Die Kenntnis darüber, mit welchen Regeln man korrekturbedürftige Stellen verbessern kann.

Schreibregeln gehen guten Autoren in Fleisch und Blut über

Amerikanische Schreibcoaches sagen: Erst muss man den Autoren die Regeln beibringen, dann, sie zu vergessen. Je öfter Sie bei der Überarbeitung bestimmte Schreibregeln benutzen, desto schneller werden Sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Alte Hasen müssen nicht lange überlegen, wenn sie Dialoge schreiben. Sie bauen automatisch einen Konflikt auf, halten die Dialoge kurz. Anfänger lernen das bei der Überarbeitung.

Grammatikregeln sind ebenfalls keine Gesetze

Auch wenn mich jetzt Deutschlehrer und mancher Kulturredakteur am liebsten kreuzigen würden: Auch Grammatikregeln dürfen übertreten werden. In Dialogen ist die buchstabengetreue Befolgung aller Grammatikregeln meist hinderlich. Auch sonst gibt es Gründe, warum ein Autor an bestimmten Stellen die Grammatik Grammatik sein lassen sollte.

Das heißt natürlich nicht, dass er die Grammatik nicht kennen müsste. Aber er muss wissen, wann sie zu befolgen ist – und wann nicht.

Das ist nicht anders als bei den Schreibregeln. Manchmal gilt das sogar bei der Rechtschreibung. Zé do Rock hat das in »Fom Winde verfeelt« bewiesen. Auch hier gilt allerdings: Schreibfehler aus Unkenntnis sind kein Zeichen hoher Kunst.

Sol Stein, der Autor des Standardwerks »Über das Schreiben«, hat es kurz und treffend formuliert:

»Jeder Autor muss irgendwann lernen, wann er die Regeln einhalten sollte und wann er sie brechen muss.«

Lesbarkeit und Ordnung

Niemand liebt Formalien. Aber sie entscheiden darüber, ob ein Buch gelesen wird. Das gilt vor allem für den Aufbau des Textes. Ist es eine Bleiwüste ohne Absätze? Oder wurden Leerzeilen und Auslassungszeichen mit der Streusandbüchse verteilt? Sie richtig zu setzen ist nicht schwer und Leser sind daran gewöhnt. Wenn das Textformat mehr Aufmerksamkeit verlangt als der Inhalt, macht man es Lesern unnötig schwer.

Auslassungspunkte kann man auslassen, wenn …

In vielen Texten, die ich erhalte, fällt es auf: eine Vielzahl von Auslassungspunkten. Das sind die drei Pünktchen, die Sie in der Überschrift sehen.

Wozu dienen Auslassungspunkte?

Sie werden verwendet, wenn der Autor anzeigen möchte, dass etwas ausgelassen wurde. Wenn ein Sprecher im Dialog zum Beispiel seinen Satz nicht vollendet:

»Verdammte Scheiße, was machst …«

Da sagt der Sprecher seinen Satz (Was machst du da) nicht zu Ende, sondern bricht ihn ab. Eine weitere Möglichkeit sind ausgelassene Buchstaben, vor allem bei Wörtern, die man auslässt, aus Höflichkeit oder um kein Problem mit dem Jugendschutz zu bekommen:

»Du verf… Idiot«

Hier wird »verfickter« nicht ausgeschrieben. Konsequenterweise zeigt man das durch die Auslassungspunkte an.

Außerdem können Auslassungspunkte im Dialog Stottern oder Zögern anzeigen:

»Also ich … also ich finde das nicht gut.«

Achtung: Werden Wörter ausgelassen, also ein Satz nicht zu Ende geführt, kommt ein Leerzeichen vor die drei Auslassungspunkte. Wird ein Wort nicht ausgeschrieben, also Buchstaben ausgelassen, dann setzt man die Auslassungspunkte direkt ohne Leerzeichen dazwischen ein.

Aber was ist mit den Auslassungspunkten in folgendem Fall?

Sie betrachtete wütend die zugeschlagene Tür. … Später öffnete sie sich und Gerd kam herein.

Da wird gar nichts ausgelassen. Die Auslassungszeichen sollen hier andeuten, dass einige Zeit vergeht. Leider wirken Auslassungspunkte dort, wo nichts ausgelassen wird, unprofessionell. Und es gibt bessere Möglichkeiten, mit denen man vergangene Zeit oder Ähnliches verdeutlichen kann.

Mein Tipp deshalb: Tun Sie das nicht! Auslassungszeichen dienen der Auslassung, wie der Name schon sagt.

Und was, wenn Sie andeuten wollen, dass etwas Zeit vergeht oder etwas Neues geschieht?

Dafür gibt es Absätze. Wenn Sie einen Absatz einsetzen, weiß der Leser: Da kommt etwas Neues. Oder es vergeht Zeit. Oder …

Obiges Beispiel lässt sich so schreiben:

Sie betrachtete wütend die zugeschlagene Tür. Später öffnete sie sich und Gerd kam herein.

Das sind Leser gewohnt. Die Auslassungspunkte an dieser Stelle führen bei den meisten dazu, dass sie vermuten: Die Autorin kennt sich mit dem Schreiben nicht richtig aus. Das kann schnell dazu führen, dass Ihr Buch weggelegt wird. Dabei ist es egal, ob der Lektor eines Verlags es weglegt und der Autor einen Ablehnungsformbrief bekommt. Oder ob der Leser nach der Leseprobe eines Selfpublishers das Buch nicht kauft.

Denken Sie daran: Je professioneller Ihr Manuskript aussieht, desto eher wird es ein Verlag annehmen oder ein Leser es kaufen.

Und so schwer ist es doch nicht: Auslassungspunkte verwenden Sie dort, wo Sie etwas auslassen.

In allen anderen Fällen ist ein neuer Absatz die beste Wahl. Und eine Formulierung des Textes, die das dem Leser vermittelt.

Tipp: Es gibt ein Sonderzeichen für die Auslassungspunkte: Strg+Alt+Punkt ergibt: …

Sie sollten nicht manuell drei Punkte setzen, um ein Auslassungskennzeichen zu schreiben.

Gedankenstriche

Gedankenstriche dienen dazu, Gedanken zu trennen – das sagt schon der Name – und zusätzliche Infos in Sätze einzubauen.

Maria – das ist meine neue Schwägerin – hat ein Haus auf Sylt.

Gerne wird auch behauptet, dass man KI-Texte daran erkenne, dass sie viele Gedankenstriche enthielten. Zwar ist richtig, dass ChatGPT reichlich Gedankenstriche einsetzt. Das ist aber eine Mode der letzten Jahre bei Nachwuchsautoren und deshalb kein Zeichen von KI.

Und auch viele literarische Autoren haben lange, lange vor KI Gedankenstriche verwendet.

Wie überall gilt auch bei Gedankenstrichen: Die Dosis macht das Gift. Und natürlich der sinnvolle Einsatz. Wer sie einfach mit dem Salzstreuer über den Text verteilt, nervt Leserinnen und Leser. In vielen Textprogrammen setzt das Programm automatisch einen Gedankenstrich, wenn man nach einem Leerzeichen ein Minuszeichen einsetzt und danach wieder ein Minuszeichen – und schon steht da ein Gedankenstrich.

Leerzeilen richtig setzen

Leerzeilen strukturieren einen Text. Deshalb setzen viele Autoren gern Leerzeilen. Leider vergessen sie dabei, dass das normale Strukturierungselement der Absatz ist, und der benötigt nicht noch eine weitere Leerzeile.

Wann setzt man also Leerzeilen ein? Wenn die normale Gliederung durch Absätze nicht ausreicht.

Wann Sie einen neuen Absatz machen sollten, erläutere ich im folgenden Kapitel.

Kommen wir also zu den Fällen, in denen der Absatz nicht ausreicht und Sie die Leerzeile einsetzen sollten.

Wenn Sie eine neue Szene beginnen, aber kein neues Kapitel anfangen wollen, dann setzen Sie eine Leerzeile. Das signalisiert dem Leser: Jetzt kommt etwas wirklich Neues, etwas, das über die normale Absatzgliederung hinausgeht.

Gleiches gilt für Rückblenden (Flashbacks). Auch hier können Sie mit Leerzeilen den Beginn der Rückblende und vor allem ihr Ende eindeutig markieren und erleichtern dem Leser die Orientierung. Vor allem am Ende, wenn Sie die Rückblende verlassen und wieder in die normale Erzählzeit wechseln, ist das sehr nützlich.