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Niemand wirkt so im Geheimen wie Lektoren. Sie arbeiten im Dunkeln wie Maulwürfe, die unter den Buchseiten leben und von denen man nur die Produkte sieht: die lektorierten Bücher. Doch erfolgreiche Autoren schwören auf ihre Lektoren. Sie wissen, wie man Texte poliert, verbessert, ihr Potenzial nutzt. Egal, ob es um Füllwörter, um Spannungsbogen, um Absätze oder Leerzeilen, um Plot und Exposés geht. Nicht zu vergessen, das neue Thema „KI“. Hans Peter Roentgen hat in seinen Artikeln zusammengefasst, was Lektoren auffällt. Wie man die Fallen vermeidet und das Potenzial seiner Geschichte optimal nutzt. Er zeigt Ihnen, wie Sie diesen Erfahrungsschatz für Ihr Manuskript nutzen können.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 201
Veröffentlichungsjahr: 2026
Was dem Lektorat auffällt
Schreibratgeber
von
Hans Peter Roentgen
Roentgen, Hans Peter:
Was dem Lektorat auffällt. Schreibratgeber
Hamburg, Charles Verlag 2026
Originalausgabe
ISBN E-Book: 978-3-910408-13-5
Dieses Buch ist auch als Print erhältlich und kann über den Handel oder den Verlag bezogen werden.
ISBN Print: 978-3-910408-12-8
Umschlaggestaltung: © Charles Verlag, Hamburg
Umschlagfoto: © Bennet Stange
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© Charles Verlag, Hamburg 2026
Alle Rechte vorbehalten.
http ://www.charlesverlag.de
Vorwort
Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreibregeln wissen sollte
Schreibregeln sind keine Gesetze
Auf die Wirkung kommt es an
Schreibregeln sind Werkzeuge
Schreibregeln gehören in die Überarbeitung
Schreibregeln hemmen nicht die künstlerische Freiheit
Schreibregeln haben Gründe und Autoren sollten sie kennen
Schreibregeln legen nicht fest, wie gut ein Text ist
Schreibregeln gehen guten Autoren in Fleisch und Blut über
Grammatikregeln sind ebenfalls keine Gesetze
Lesbarkeit und Ordnung
Auslassungspunkte kann man auslassen, wenn …
Wozu dienen Auslassungspunkte?
Gedankenstriche
Leerzeilen richtig setzen
Absätze
Die Faustregeln:
Wozu Absätze?
Wann soll man Absätze machen?
Wirkung von Absätzen
Warnung
Szenen
Spannungsbogen einer Szene
Beginn und Ende
Szenenlänge
Szenenfolge
Kapitel
Format
Stil der Überschrift
Umfang
Stil ist keine Geschmacksfrage
Richtig würzen mit Adjektiven und Adverbien
Das Gefühl für Adjektive schärfen
Wertende Adjektive weglassen
Anschauliche Substantive wählen
Sätze in Bewegung bringen
Doppelungen vermeiden
Informative, beschreibende Adjektive nutzen
Sparsam dosieren
Nach persönlichem Geschmack würzen
Den eigenen Geschmack schulen
Füllwörter meiden
Das Wichtigste in Kürze:
Literarische Unkräuter: Als und während
Er fühlte, dass er ahnte, was er denken würde
Sieben Tipps für Wiederholungen
1. Unschädliche Wiederholungen
2. Streichen ist oft die einfachste Lösung
3. Wo Synonyme nötig sind
4. Namen
5. Wiederholungen als Stilmittel
6. Wiederholungen von Satztypen
7. Beliebte Wiederholungen
Vampir-Verben, die Texten Kraft rauben
1. Anfangen
2. Beginnen
3. Versuchen
4. Bekommen
5. Spüren
6. Scheinen
7. befinden
Partizipien
Warum sind Partizipien problematisch?
Die Dosis macht das Gift
Struktur und Aufbau
Prologe: Wann nützen, wann schaden sie?
Was ist eigentlich ein Prolog?
Wann ist ein Prolog sinnvoll?
Welche Prologe sind gefährlich, weil abschreckend?
Wenn Sie sich verzweifelt überlegen, was für einen Prolog Sie schreiben sollten
Wenn der Autor glaubt, er müsse dem Leser vorab etwas zur Geschichte erklären
Wenn der Autor ein Vorwort schreiben will
Wenn der Autor die Geschichte mit Bedeutung aufladen will
Wenn der Autor seiner Geschichte nicht traut
Der Prolog soll in die Geschichte einführen
Der Prologtest
Wenn der Prolog kein Prolog ist
Epilog
Grundlagen Perspektiven
Grundformen
Personal
Ich
Allwissend
Perspektiven verlangen Treue
Moden
Mischformen
Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür
Multipersonale Perspektive
Kameraperspektive
Dr. Watson
Das allwissende Ich
Person mit allwissenden Einsprengseln
Multiperspektivisch
Ich & 3. Person
Allwissend & 3. Person
Du-Perspektive
Was Sie nicht tun sollten
Mischen, um zu erklären
Distanz mit Perspektive verwechseln
Perspektivendogmatismus
Experimente und die Genres
Erzählperspektive, Distanz und KameraeinstellungVier Kameraeinstellungen für Ihren Roman
Unterschied zwischen Erzählperspektive und Kameraeinstellung
Wechsel der Einstellung
Spannungsbogen
Warum Perspektive und Distanz oft verwechselt wird
Die Autorenstimme
Distanzierer
Action verlangt Tempo
Frühstück mit Autor
Verwandeln Sie sich in Ihre Charaktere
Fehlerquelle: Beschreibungen
Autorenstimme versus allwissenden Erzähler
Das Wichtigste in Kürze:
Rückblenden
Was ist eine Rückblende (Flashback)
Rückblenden als Infodump
Rückblenden dürfen nicht auffallen
Ein bisschen zu früh ist auch daneben
Plusquamperfekt nur am Anfang und Schluss einer Rückblende
Keine holprigen Überleitungen
Rückblenden auflösen
Keine Rückblende ohne Frage
Wichtige Rückblenden häppchenweise erzählen
Dialog statt Rückblende
Vorteile einer Rückblende
Nachteile
Rückblenden, die Kür
Der tote Mann
Die Lieferantin© Zoe Beck
Und ohne Rückblende?
Der Schakal© Frederick Forsythe
Die Alternative
Das Balg, Rückblende
Übung:
Subtext: Was nicht im Text steht
Die Eisberg-Methode
Subtext bietet Rätsel
Subtext ist das Gegenteil von Wissenschaft
Subtext muss verständlich sein
Nicht jeder Subtext muss verstanden werden
Zensur und Subtext
Und wie kommt man zu einem Subtext?
Übung:
Sich in die Person verwandeln
Interviewen Sie Ihre Figuren
Personen müssen frei sein
Die erste Seite
Film starten
Autorenstimme
Behauptungen beweisen
Konflikt
Personen
Beschreibungen
Widerspruch
Auf eine Sache konzentrieren
Plot
Einen Plot entwickeln
Der Phönix aus der Asche
Was alles passieren kann
Orks und Menschen
Drei Ebenen
Die Wahl des Autors
Der Ablauf des Verhörs
Der Pitch: Ein Satz für die Geschichte
Der lange Pitch
Das Thema ist kein Pitch
Show, don’t tell
Beispiele aus dem Film
Zwölf Lösungen
Polieren
Womit beginnt die Geschichte?
Der Konflikt
Testen
Fazit:
Bolzplätze
Überarbeiten
Man muss nicht die ganze Suppe auslöffeln, um festzustellen, dass sie versalzen ist
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut
Was sind die Stärken?
Überarbeiten heißt nicht, Rechtschreibung und Stil polieren
Der Giersch lässt grüßen
Die Dosis macht das Gift
Auch Lektoren brauchen Lektoren
Lektorat und Korrektorat
Kein Geld fürs Lektorat? 10 Lösungen
Wer weiterkommen will, muss trainieren
Jeder lange Weg beginnt mit einem kleinen Schritt
Workshops sind das kleine Lektorat
Man muss nicht gleich ein ganzes Schwein kaufen, wenn ein Schnitzel reicht
Gute Testleser sind Gold wert
Wann braucht man was?
Der schöne Schein genügt nicht
Workshops und Seminare für Autoren
Autorenlounge
Autorentreffen
Bundesakademie Wolfenbüttel
Ideenreich – der Kreativhof
Nordkolleg Rendsburg
Romanmentoren, Plotten für Chaoten
Romanschule, Schreibfluss
Schreib & Weise
Schreibhain
Textmanufaktur
Zeilenschlinger
Lob der Realität
Was tut eigentlich ein Lektor?
Tagesablauf eines Lektors
Text von gestern kontrollieren
Bewegung lässt Gedanken laufen
Die Persönlichkeitsspaltung eines Lektors
Neuer Text
Kein 08/15-Lektorat
Resümee
Wie erkennt man einen guten Lektor?
Ohne gute Dramaturgie keine gute Geschichte
Und wo findet man die guten Lektoren?
Ist ein Probelektorat kostenlos?
Ein guter Lektor macht ein Buch besser, ein schlechter macht ein anderes Buch daraus!
Sieben Irrtümer über Lektorat
Lektorat ist das Lektorat eines Manuskripts
Lektorat korrigiert Rechtschreibung, Grammatik und Stil
Nur ein professioneller Lektor kann ein Manuskript bearbeiten
Um zu lektorieren, muss man das ganze Manuskript lesen
Lektorat ist für Bücher
Man kann alles auf einmal lektorieren
Literatur- oder Germanistikstudium befähigt zum Lektor
Arbeit mit einem Lektor
Die unterschiedlichen Lektoratstypen
Manuskriptlektorat
Exposélektorat
Szenenplan
Die ersten Seiten
Stil und Erzählstimme
Korrektorat
Fahnenkorrektur
Nicht alles auf einmal
Computer helfen
Computer helfen
KI: Fluch oder Segen der Autoren?
Und wozu nutze ich die KI noch?
Schreibblockaden
KI-Training
Papyrus
Der Lerneffekt
Andreas Eschbach und der Text-ÜV
Künstliche Intelligenz und das Schreiben?
Der Bestseller-Code analysiert Bücher
Kann man bei Büchern Gemeinsamkeiten feststellen?
Wie zuverlässig erkennt das Programm Bestseller?
Sex doesn’t sell
Inhalt ist wichtiger als Marketing
Können Computer überhaupt Texte beurteilen?
Was unterscheidet denn genau Bestseller von Nichtbestsellern?
Machen Programme Lektoren überflüssig?
Kann die KI Bestseller schreiben?
Werden die Verlage jetzt nur noch Bestseller verlegen?
Zusammenfassung
Die Verlagsbewerbung
Warum verlangen Verlage ein Exposé und eine Leseprobe?
Was ist ein Exposé?
Beispiel:
Erfährt sie …
Was gehört ins Exposé?
Hilfe für die Gliederung
Beliebte Fehler
Show don’t tell
Methoden der Erstellung Bottom-Up
Methoden der Erstellung: Top-down (Schneeflockenmethode)
Checkliste
Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung
Das Anschreiben
Genre
Zielgruppe
Exposé
Die Hauptfigur
Textprobe
Optionen
Kurzexposé
Personenliste
Beispiele:
Hintergrund
Autorenvita
Das amerikanische Anschreiben
Literaturagent oder Verlag
Einen Verlag finden
Unverlangte Manuskripteinsendungen
Agenten
Beziehungen
Selfpublisher
Preise
Workshops
Zwölf Tipps über Exposés
1. Was will ich erzählen
2. Ohne Hauptfigur, Bösewicht und Konflikt keine Geschichte
3. Nichts ist schlimmer als ein passiver Held
4. Wo beginnt die Geschichte, wie endet sie
5. Folgen Sie dem Helden
6. Kein Tolstoi, kein George Martin
7. Nichts verheimlichen
8. Exposés benötigen Atmosphäre
9. Exposés sind keine Nacherzählung
10. Das Exposé ist ein Härtetest Ihrer Geschichte
11. Der Weg zum guten Exposé führt über unzählige schlechte Versuche
12. Klappentexte sind Kurzexposés
Buchmarkt
Die Zielgruppe – das unbekannte Wesen
Marken und Namen in Romanen
Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen
Wann Marken- oder Firmennamen verwenden?
Wann sind reale Namensnennungen nötig?
Fragen kostet nichts
Nachwort
Danksagung
Literatur & Links
Über den Autor
Lektorate & Kurse
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Cover
Immer wieder fragen mich Autorinnen und Autoren, wann man Absätze setzt oder Leerzeilen; was der Unterschied zwischen Perspektive und Kameraeinstellung ist; und haben Angst vor dem Lektorat, das ihre Texte zur Unkenntlichkeit verändern würde. Und in den Autorenforen und Selfpublisher-Gruppen wiederholen sich ebenfalls diese Fragen.
Deshalb diskutiere ich seit vielen Jahren in meinem Blog darüber und behandele auch die weniger bekannten Details. Zum Beispiel, wie viele Varianten es beim Lektorat gibt und dass man auch für wenig Geld dort einiges lernen kann. Hinzu kommen Beiträge über Mischformen der Perspektive, die in vielen Schreibratgebern gar nicht behandelt werden; über Exposés und Klappentexte, wie Bestsellerautorinnen und -autoren Rückblenden einsetzen, wie man KI einsetzt und wie besser nicht, und, und, und …
In diesem Ratgeber finden Sie all die wichtigsten Artikel aus meinem Blog zum Schreibhandwerk versammelt. Sie müssen sich nicht mehr durch den Blog klicken.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und noch mehr beim Schreiben. Wie immer: Wenn das Buch Ihnen gefällt, erzählen Sie es anderen, wenn nicht oder wenn Sie Kommentare dazu haben, schreiben Sie mir eine Mail an: [email protected].
»Wenn Sie ein Adjektiv treffen, bringen Sie es um«, meinte Mark Twain und begründete damit eine der bekanntesten Schreibregeln. Der Verleger Clemenceau stimmte ihm zu: »Bevor Sie ein Adjektiv verwenden, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es wirklich nötig ist.«
Dagegen schrieb Rudyard Kipling in Puck: »Was für ein dicker, bunter, glucksender Tropf doch ein Fasan ist«. Gleich drei Adjektive hintereinander. Und keins würde ich streichen.
Also alles Unsinn? Besser nicht auf Schreibregeln hören, wenn sich Nobelpreisträger auch nicht danach richten?
Was Schreibregeln sind (und was nicht), das möchte ich in diesem Kapitel darstellen.
Keine Schreibpolizei kommt, wenn Sie sich nicht an die Schreibregeln halten. Sie erhalten auch keinen Bußgeldbescheid des Kultusministers. Für jede Schreibregel, die mir bekannt ist, kenne ich Beispiele grandioser Literatur, die sie übertreten hat. In Deutschland versteht man unter einer Regel gern etwas, das auf jeden Fall eingehalten werden muss. Wenn das nicht der Fall ist, gehört die Regel auf den Abfallhaufen.
Was für ein Unsinn. Höflichkeitsregeln sind nützlich, sie erleichtern das Zusammenleben. Aber manchmal muss man sie übertreten und Tacheles reden. Sind die Höflichkeitsregeln deshalb Unfug?
Nicht anders verhält es sich mit den Schreibregeln. Sie sind Empfehlungen, sie beruhen (wenn sinnvoll) auf den Erfahrungen unzähliger Autoren und Lektoren. Aber sie sind kein Zwangskorsett, sondern Empfehlungen.
Geschichten sollen die Leser berühren, fesseln, sie die Welt aus anderen Perspektiven erleben lassen. Können sie das, ist es gut. Können sie es nicht, ist es schlecht.
Wenn ich einen Text lese, prüfe ich nicht, ob er die Schreibregeln erfüllt. Ich prüfe, ob er mich packt. Tut er das, darf er alle Regeln brechen. Tut er das nicht, ist es Zeit, die Werkzeugkiste aufzuklappen und die Schreibregeln herauszuholen. Denn dafür sind Schreibregeln da.
In Deutschland muss man Gesetze befolgen, Regeln einhalten und danach wird die Arbeit beurteilt. Wir haben eine Vergangenheit als Obrigkeitsstaat. Doch es gibt keine Obrigkeit mehr, die beurteilt, was man schreiben darf und was nicht. Zum Glück. Eigentlich wäre Schreibwerkzeug der bessere Begriff, aber ich möchte nicht die babylonische Sprachverwirrung im Schreiben vermehren. Der Begriff Schreibregel hat sich durchgesetzt.
Die Schreibregeln sind die Rohrzange der Autoren. Funktioniert der Wasserhahn, lässt man die Zange im Werkzeugkoffer und der Koffer bleibt zu. Tropft er, dann wird es Zeit, die Werkzeuge herauszuholen.
Wenn eine Geschichte durchhängt, ist es Zeit, den Werkzeugkasten mit den Schreibregeln auszupacken, um die Spannungsschrauben anzuziehen. Der Bestsellerautor Andreas Eschbach hat sie auf seiner Homepage beschrieben, Den Link finden Sie hinter im Anhang.
Jeder Autor sollte die wichtigsten Schreibregeln kennen
Auch beim Schreiben gibt es typische Anfängerfehler. Infodump, Personen von außen betrachten, Überfülle von nichtssagenden Adjektiven, Dialoge, die grammatikalisch korrekt sind und genau deshalb holpern, Rückblenden, die erzählen, wann der Held entwöhnt wurde, und, und …
Die meisten Schreibregeln befassen sich mit diesen Anfängerfehlern. Sie benennen die üblichen Probleme, die dazu führen können, dass ein Text nicht packt.
Es gibt nichts Schlimmeres, als während der Erstfassung an die Schreibregeln zu denken. Schreibregeln gehören zur Vernunft, und Geschichten benötigen Fantasie und Intuition. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, ob sie alle Schreibregeln einhalten, wenn Sie die Erstfassung schreiben. Überlassen Sie beim Schreiben Ihrem inneren Kind die Führung.
Dann kommt die Überarbeitung. Jetzt ist der innere Zensor gefragt, die Vernunft übernimmt die Herrschaft. Und die klappt den Werkzeugkasten auf, wenn was nicht stimmt.
Das ist der häufigste Vorwurf gegen Schreibregeln. Sie würden die künstlerische Freiheit behindern und immer gleiche Romane hervorrufen.
Meist kommt der Vorwurf von Leuten, deren Kunst noch sehr am Anfang steht. Nein, wer die Schreibregeln missachtet, weil er sie nicht kennt und es nicht besser kann, ist deshalb noch kein großer Künstler.
Weil sie bei der Überarbeitung so nützlich sind, sollte jeder Autor sie kennen und wissen, wie man sie anwendet. Das bedeutet nicht, dass er sie immer und überall anwenden muss. Wenn ich weiß, wie ich eine Rohrzange verwende, heißt das noch lange nicht, dass ich alle Arbeiten mit der Rohrzange erledigen muss. Schließlich gibt es auch einen Hammer. Der ist für Nägel geeigneter. Und wenn alles in Ordnung ist, brauche ich weder Hammer noch Rohrzange.
Schreibregeln sind gewonnene Erfahrung von Autoren. Dass Mark Twain vor Adjektiven warnte, hatte Gründe. Ein Übermaß von Adjektiven (vor allem von nichtssagenden) bremst Texte, lässt die Spannung erlahmen.
Auch eine zweite Regel von Mark Twain hat seinen Grund: »Verwende das genau passende Wort und nicht seinen Cousin«. Der Grund dürfte jedem einleuchten.
Nur wenn Sie die Gründe der Schreibregeln kennen, können Sie richtigen Gebrauch von ihnen machen.
Nein, die Qualität eines Textes hängt nicht davon ab, ob er alle Schreibregeln befolgt. Auch nicht, ob er den Regeln gehorcht, nach denen manche Kulturredakteure entscheiden, ob ein Text literarisch wertvoll ist.
Wer die Qualität eines Textes danach beurteilt, wie viele Adjektive er pro Seite enthält, ist auf dem Holzweg. Deshalb hat ein guter Lektor auch keine Tabelle bei der Arbeit neben sich liegen, auf der er ankreuzt, ob die Regeln befolgt werden. Weniger als drei Adjektive pro Seite: toller Text. Mehr als zehn: grottig.
Was aber jeder Lektor nutzt: Die Kenntnis darüber, mit welchen Regeln man korrekturbedürftige Stellen verbessern kann.
Amerikanische Schreibcoaches sagen: Erst muss man den Autoren die Regeln beibringen, dann, sie zu vergessen. Je öfter Sie bei der Überarbeitung bestimmte Schreibregeln benutzen, desto schneller werden Sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Alte Hasen müssen nicht lange überlegen, wenn sie Dialoge schreiben. Sie bauen automatisch einen Konflikt auf, halten die Dialoge kurz. Anfänger lernen das bei der Überarbeitung.
Auch wenn mich jetzt Deutschlehrer und mancher Kulturredakteur am liebsten kreuzigen würden: Auch Grammatikregeln dürfen übertreten werden. In Dialogen ist die buchstabengetreue Befolgung aller Grammatikregeln meist hinderlich. Auch sonst gibt es Gründe, warum ein Autor an bestimmten Stellen die Grammatik Grammatik sein lassen sollte.
Das heißt natürlich nicht, dass er die Grammatik nicht kennen müsste. Aber er muss wissen, wann sie zu befolgen ist – und wann nicht.
Das ist nicht anders als bei den Schreibregeln. Manchmal gilt das sogar bei der Rechtschreibung. Zé do Rock hat das in »Fom Winde verfeelt« bewiesen. Auch hier gilt allerdings: Schreibfehler aus Unkenntnis sind kein Zeichen hoher Kunst.
Sol Stein, der Autor des Standardwerks »Über das Schreiben«, hat es kurz und treffend formuliert:
»Jeder Autor muss irgendwann lernen, wann er die Regeln einhalten sollte und wann er sie brechen muss.«
Niemand liebt Formalien. Aber sie entscheiden darüber, ob ein Buch gelesen wird. Das gilt vor allem für den Aufbau des Textes. Ist es eine Bleiwüste ohne Absätze? Oder wurden Leerzeilen und Auslassungszeichen mit der Streusandbüchse verteilt? Sie richtig zu setzen ist nicht schwer und Leser sind daran gewöhnt. Wenn das Textformat mehr Aufmerksamkeit verlangt als der Inhalt, macht man es Lesern unnötig schwer.
In vielen Texten, die ich erhalte, fällt es auf: eine Vielzahl von Auslassungspunkten. Das sind die drei Pünktchen, die Sie in der Überschrift sehen.
Sie werden verwendet, wenn der Autor anzeigen möchte, dass etwas ausgelassen wurde. Wenn ein Sprecher im Dialog zum Beispiel seinen Satz nicht vollendet:
»Verdammte Scheiße, was machst …«
Da sagt der Sprecher seinen Satz (Was machst du da) nicht zu Ende, sondern bricht ihn ab. Eine weitere Möglichkeit sind ausgelassene Buchstaben, vor allem bei Wörtern, die man auslässt, aus Höflichkeit oder um kein Problem mit dem Jugendschutz zu bekommen:
»Du verf… Idiot«
Hier wird »verfickter« nicht ausgeschrieben. Konsequenterweise zeigt man das durch die Auslassungspunkte an.
Außerdem können Auslassungspunkte im Dialog Stottern oder Zögern anzeigen:
»Also ich … also ich finde das nicht gut.«
Achtung: Werden Wörter ausgelassen, also ein Satz nicht zu Ende geführt, kommt ein Leerzeichen vor die drei Auslassungspunkte. Wird ein Wort nicht ausgeschrieben, also Buchstaben ausgelassen, dann setzt man die Auslassungspunkte direkt ohne Leerzeichen dazwischen ein.
Aber was ist mit den Auslassungspunkten in folgendem Fall?
Sie betrachtete wütend die zugeschlagene Tür. … Später öffnete sie sich und Gerd kam herein.
Da wird gar nichts ausgelassen. Die Auslassungszeichen sollen hier andeuten, dass einige Zeit vergeht. Leider wirken Auslassungspunkte dort, wo nichts ausgelassen wird, unprofessionell. Und es gibt bessere Möglichkeiten, mit denen man vergangene Zeit oder Ähnliches verdeutlichen kann.
Mein Tipp deshalb: Tun Sie das nicht! Auslassungszeichen dienen der Auslassung, wie der Name schon sagt.
Und was, wenn Sie andeuten wollen, dass etwas Zeit vergeht oder etwas Neues geschieht?
Dafür gibt es Absätze. Wenn Sie einen Absatz einsetzen, weiß der Leser: Da kommt etwas Neues. Oder es vergeht Zeit. Oder …
Obiges Beispiel lässt sich so schreiben:
Sie betrachtete wütend die zugeschlagene Tür. Später öffnete sie sich und Gerd kam herein.
Das sind Leser gewohnt. Die Auslassungspunkte an dieser Stelle führen bei den meisten dazu, dass sie vermuten: Die Autorin kennt sich mit dem Schreiben nicht richtig aus. Das kann schnell dazu führen, dass Ihr Buch weggelegt wird. Dabei ist es egal, ob der Lektor eines Verlags es weglegt und der Autor einen Ablehnungsformbrief bekommt. Oder ob der Leser nach der Leseprobe eines Selfpublishers das Buch nicht kauft.
Denken Sie daran: Je professioneller Ihr Manuskript aussieht, desto eher wird es ein Verlag annehmen oder ein Leser es kaufen.
Und so schwer ist es doch nicht: Auslassungspunkte verwenden Sie dort, wo Sie etwas auslassen.
In allen anderen Fällen ist ein neuer Absatz die beste Wahl. Und eine Formulierung des Textes, die das dem Leser vermittelt.
Tipp: Es gibt ein Sonderzeichen für die Auslassungspunkte: Strg+Alt+Punkt ergibt: …
Sie sollten nicht manuell drei Punkte setzen, um ein Auslassungskennzeichen zu schreiben.
Gedankenstriche dienen dazu, Gedanken zu trennen – das sagt schon der Name – und zusätzliche Infos in Sätze einzubauen.
Maria – das ist meine neue Schwägerin – hat ein Haus auf Sylt.
Gerne wird auch behauptet, dass man KI-Texte daran erkenne, dass sie viele Gedankenstriche enthielten. Zwar ist richtig, dass ChatGPT reichlich Gedankenstriche einsetzt. Das ist aber eine Mode der letzten Jahre bei Nachwuchsautoren und deshalb kein Zeichen von KI.
Und auch viele literarische Autoren haben lange, lange vor KI Gedankenstriche verwendet.
Wie überall gilt auch bei Gedankenstrichen: Die Dosis macht das Gift. Und natürlich der sinnvolle Einsatz. Wer sie einfach mit dem Salzstreuer über den Text verteilt, nervt Leserinnen und Leser. In vielen Textprogrammen setzt das Programm automatisch einen Gedankenstrich, wenn man nach einem Leerzeichen ein Minuszeichen einsetzt und danach wieder ein Minuszeichen – und schon steht da ein Gedankenstrich.
Leerzeilen strukturieren einen Text. Deshalb setzen viele Autoren gern Leerzeilen. Leider vergessen sie dabei, dass das normale Strukturierungselement der Absatz ist, und der benötigt nicht noch eine weitere Leerzeile.
Wann setzt man also Leerzeilen ein? Wenn die normale Gliederung durch Absätze nicht ausreicht.
Wann Sie einen neuen Absatz machen sollten, erläutere ich im folgenden Kapitel.
Kommen wir also zu den Fällen, in denen der Absatz nicht ausreicht und Sie die Leerzeile einsetzen sollten.
Wenn Sie eine neue Szene beginnen, aber kein neues Kapitel anfangen wollen, dann setzen Sie eine Leerzeile. Das signalisiert dem Leser: Jetzt kommt etwas wirklich Neues, etwas, das über die normale Absatzgliederung hinausgeht.
Gleiches gilt für Rückblenden (Flashbacks). Auch hier können Sie mit Leerzeilen den Beginn der Rückblende und vor allem ihr Ende eindeutig markieren und erleichtern dem Leser die Orientierung. Vor allem am Ende, wenn Sie die Rückblende verlassen und wieder in die normale Erzählzeit wechseln, ist das sehr nützlich.
