Was nun schöne Clara? - Viola Maybach - E-Book

Was nun schöne Clara? E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. Clara von Zastrow wollte eben nach ihrer Reisetasche greifen, als eine Stimme hinter ihr sagte: »Bitte, lassen Sie mich Ihnen helfen. Die Tasche sieht schwer aus.« Sie drehte sich zu dem Mann um, der ihr das Angebot gemacht hatte, und erblickte einen großen Blonden, dessen graue Augen sie aufmerksam betrachteten. Sie erwiderte sein Lächeln und fragte: »Sehe ich so schwach aus?« »Keineswegs«, erwiderte er charmant und reichte ihr die Hand. »Wir sind uns bisher noch nicht begegnet – ich wohne ja auch erst seit gestern hier. Sebastian von Sellwitz.« Clara murmelte ebenfalls ihren Namen. Natürlich wusste sie längst, dass ein Graf von Sellwitz in die Wohnung über ihr gezogen war – das hatte sich im Haus schon vor seinem Einzug herumgesprochen. Doch begegnet waren sie einander in der Tat noch nicht. Er sah auf eine unaufdringliche Art und Weise gut aus: Das Gesicht war klassisch geschnitten, der Mund ein wenig zu breit, das Kinn energisch. Besonders gefielen ihr seine grauen Augen. »Sie verreisen also?«, fragte er und zeigte auf ihre Tasche. »Nur übers Wochenende«, erklärte Clara. »Schade«, sagte er, »ich wollte eigentliche eine kleine Einweihungsparty geben – nur für die Leute hier im Haus, damit wir uns kennenlernen und ich alle davon überzeugen kann, dass ich ein umgänglicher Mensch bin. Aber wenn Sie nicht hier sind, verschiebe ich das wohl besser.«

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Der kleine Fürst – 376 –Was nun schöne Clara?

Viola Maybach

Clara von Zastrow wollte eben nach ihrer Reisetasche greifen, als eine Stimme hinter ihr sagte: »Bitte, lassen Sie mich Ihnen helfen. Die Tasche sieht schwer aus.«

Sie drehte sich zu dem Mann um, der ihr das Angebot gemacht hatte, und erblickte einen großen Blonden, dessen graue Augen sie aufmerksam betrachteten. Sie erwiderte sein Lächeln und fragte: »Sehe ich so schwach aus?«

»Keineswegs«, erwiderte er charmant und reichte ihr die Hand. »Wir sind uns bisher noch nicht begegnet – ich wohne ja auch erst seit gestern hier. Sebastian von Sellwitz.«

Clara murmelte ebenfalls ihren Namen. Natürlich wusste sie längst, dass ein Graf von Sellwitz in die Wohnung über ihr gezogen war – das hatte sich im Haus schon vor seinem Einzug herumgesprochen. Doch begegnet waren sie einander in der Tat noch nicht. Er sah auf eine unaufdringliche Art und Weise gut aus: Das Gesicht war klassisch geschnitten, der Mund ein wenig zu breit, das Kinn energisch. Besonders gefielen ihr seine grauen Augen.

»Sie verreisen also?«, fragte er und zeigte auf ihre Tasche.

»Nur übers Wochenende«, erklärte Clara.

»Schade«, sagte er, »ich wollte eigentliche eine kleine Einweihungsparty geben – nur für die Leute hier im Haus, damit wir uns kennenlernen und ich alle davon überzeugen kann, dass ich ein umgänglicher Mensch bin. Aber wenn Sie nicht hier sind, verschiebe ich das wohl besser.«

»Wäre das nicht sowieso ein

bisschen früh?«, fragte Clara. »Sie hocken doch wahrscheinlich noch auf Ihren Umzugskisten. Bei mir dauert das jedenfalls immer eine ganze Weile, bis ich mich richtig eingerichtet habe.«

»Sind Sie schon öfter umgezogen?«

»Oft genug jedenfalls, um zu wissen, dass ich es schrecklich finde.«

Er lachte. »Ich habe nur sehr wenige Möbel«, erklärte er dann, »überhaupt versuche ich, mir nicht allzu viel anzuschaffen, damit ich beweglich bleibe. Ich finde, es sieht schon ganz gut aus bei mir.«

»Das glaube ich Ihnen nicht!«, rief Clara. »Der Umzug war doch erst gestern.«

»Kommen Sie mit, dann zeige ich es Ihnen«, bot er an.

Sie warf einen Blick auf ihre Uhr, zögerte, aber ihre Neugier siegte. »Das will ich sehen«, erklärte sie.

Sie ließ die Tasche stehen und folgte ihm ein Stockwerk nach oben. Er öffnete die Tür zu seiner Wohnung und sagte: »Bitte sehr!«

Er ließ ihr den Vortritt. Als sie den großzügigen Wohnraum erreicht hatte, blieb sie stehen und sah sich staunend um: Die wenigen Möbel schienen genau am richtigen Platz zu stehen, an den Wänden hingen bereits ein paar Bilder, und die ersten Bücher standen auch schon im Regal. »Bei den Büchern habe ich aufhören müssen«, erklärte Sebastian entschuldigend. »Das war gegen vier Uhr heute Morgen, da bin ich müde geworden.«

»Ich fasse es nicht«, sagte Clara. »Haben Sie das alles allein gemacht?«

»Nein, mein guter Freund Charly hat mir geholfen – und er wird mir auch in den nächsten Tagen noch beistehen.«

»Von Kleinigkeiten abgesehen sieht es hier so aus, als wohnten Sie schon lange hier. Das könnte ich nie! Jedenfalls haben Sie mich überzeugt – ich hätte Ihnen nicht geglaubt.«

»Ich weiß«, erwiderte er. »Um die Wahrheit zu sagen: In den anderen Räumen sieht es noch nicht ganz so gut aus. Aber ich brauche einen Ort, an den ich mich zurückziehen kann, wenn mir das ganze Chaos zu viel wird. In der Küche ist es am schlimmsten, aber ich denke, wenn das Wochenende vorüber ist, bin ich fertig.«

»Ich bewundere Sie – und jetzt muss ich los, wenn ich nicht erst abends ankommen will …«

Während sie die Wohnung wieder verließen, fragte er: »Darf ich fragen, wohin Sie fahren?«

»Nach Sternberg. Sind Sie jemals dort gewesen?«

Er blieb stehen und sah sie entgeistert an. Dann fing er an zu lachen. »Das glaube ich einfach nicht!«, rief er. »Sie besuchen Sofia und Friedrich von Kant?«

»Sowie ihre Kinder Anna und Konrad und Christian von Sternberg«, berichtigte sie ihn. »Allerdings, das tue ich. Sie kennen sie also?«

»Sehr gut sogar. Seltsam, dass wir nie von Ihnen gesprochen haben, wenn ich dort war.«

»Das wundert mich weniger. Auf Sternberg gehen so viele Leute ein und aus – Sofia und Fritz sind die gastfreundlichsten Menschen, die ich kenne.«

»Das stimmt allerdings. Ich bin ein Pferdenarr, genau wie Fritz – schon deshalb lasse ich mich regelmäßig auf Sternberg blicken, aber mittlerweile ist es so, dass ich eher wegen der Menschen nach Sternberg reise. Die Pferde spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.«

Sebastian hatte ganz selbstverständlich Claras Reisetasche genommen. Der Fahrstuhl hing offenbar irgendwo fest, so nahmen sie die Treppe. »Mir geht es ähnlich«, sagte Clara nachdenklich. »Mein erster Besuch auf Sternberg galt den Pferden, ich wollte damals eins kaufen. Und dann habe ich mich mit der Familie angefreundet.«

»Haben Sie Christians Eltern noch gekannt?«

»Nicht sehr gut«, antwortete Clara. »Sie?«

»Ich kannte seinen Vater gut, seine Mutter weniger. Er ist ein großartiger Junge, der kleine Fürst.«

»Woher kommt dieser Name eigentlich?«, fragte Clara. »Ich wollte immer mal danach fragen, und dann habe ich es wieder vergessen.«

»Christians Vater Leopold war sehr groß – und deshalb haben die Leute früher gesagt: ›Da kommen sie, der große und der kleine Fürst‹. Dieser Name ist bis jetzt geblieben. Aber wenn Christian volljährig ist, wird er der nächste Fürst von Sternberg sein. Ich schätze mal, dann nennt ihn niemand mehr ›der kleine Fürst‹.

»Und wenn doch, wäre es auch nicht so schlimm.«

»Grüßen Sie bitte alle herzlich von mir«, bat Sebastian, während er die Reisetasche in den Kofferraum von Claras Wagen stellte. Sie war nicht so schwer, wie er angenommen hatte. »Besonders Christian. Ich habe ihn für seine Tapferkeit in den letzten Monaten sehr bewundert.«

Der fünfzehnjährige Prinz Chris-tian von Sternberg hatte vor etlichen Monaten seine Eltern bei einem Hubschrauberunglück verloren. Seitdem lebte er in der Familie seiner Tante Sofia von Kant, die eine Schwester seiner Mutter gewesen war. Sofia, Friedrich und ihre beiden Kinder waren schon viele Jahre zuvor nach Sternberg gezogen, so dass der kleine Fürst in seiner gewohnten Umgebung hatte bleiben können.

»Ich richte die Grüße gerne aus«, sagte Clara. »Danke fürs Tasche-Tragen.«

»Nichts zu danken. Wenn Sie zurück sind, hole ich meine Einweihungsparty nach.«

»Sie könnten ja mit den anderen Hausbewohnern feiern. Wir beide haben uns doch nun schon kennengelernt.«

Seine Augen ließen sie nicht los, als er mit leisem Lächeln, aber

ernster Stimme sagte: »Ohne Sie würde etwas fehlen, finde ich. Ich möchte nicht ohne Sie feiern.«

Clara spürte, wie sie errötete. Um ihre Verlegenheit zu verbergen, wandte sie sich hastig ab. »Nochmals vielen Dank – ich komme Sonntagabend zurück.«

»Gute Fahrt – und ich wünsche Ihnen ein paar schöne erholsame Tage.«

»Die habe ich bestimmt. Sie werden ja wohl mit Einräumen beschäftigt sein!« Sie lächelte ihm noch einmal zu, startete den Motor und fuhr los. Im Rückspiegel sah sie, dass er stehenblieb und ihr nachblickte. Jetzt erst merkte sie, dass sie Herzklopfen bekommen hatte.

»Ich bin ja verrückt!«, sagte sie laut. Aber es war nicht zu leugnen: Ihr neuer Nachbar hatte großen Eindruck auf sie gemacht!

*

Als Karl-Ludwig von Fresen, allgemein nur ›Charly‹ genannt, bei Sebastian Sturm klingelte, dauerte es eine Weile, bis er eingelassen wurde. »Was ist los?«, fragte er. »Hast du etwa noch geschlafen,

Bastian?«

»Nein, ich bin schon lange auf, ich habe nur die Klingel nicht sofort gehört.«

Charly sah seinen Freund miss-trauisch an. »Die Klingel nicht gehört? Die ist doch so laut, dass sie Tote aufwecken könnte – das wäre das erste, was ich anders einstellen würde. Offenbar hat hier vorher ein Schwerhöriger gewohnt.«

»Stimmt, die alte Dame, der die Wohnung gehörte, war fast neunzig.«

»Und hier sieht es noch genauso aus wie heute Nacht, als ich gegangen bin!«, rief Charly, der bereits einen Blick in jeden Raum geworfen hatte. »Was hast du denn in der Zwischenzeit gemacht, wenn du schon so lange auf den Beinen bist? Du bist doch sonst immer so schrecklich gut organisiert.«

»Komm mit in die Küche, ich habe gerade Espresso gekocht«, forderte Sebastian ihn auf, ohne seine Fragen zu beantworten.

Charly folgte ihm, doch er dachte nicht daran, Sebastian mit seinem Ausweichmanöver durchkommen zu lassen. Als sie ihren Espresso getrunken hatten, fragte er erneut: »Was ist los mit dir? Ist etwas passiert?«

Sebastian atmete tief durch. »Ja«, antwortete er. »Ich habe eine Frau kennengelernt, die mir gefällt. Sie wohnt direkt unter mir, Charly.«

»Kennengelernt?«, fragte Charly. »Wann denn? Ich bin heute Nacht um drei gegangen, da hatten wir angefangen, das Bücherregal einzuräumen. Und jetzt ist es noch keine zehn, Bastian.«

Sebastian lächelte verträumt und beschrieb seinem Freund die Begegnung mit Clara von Zastrow. »Kurze schwarze Haare, schöne Augen, schlank, sportlich, mit einer niedlichen Nase und einem Mund, der …« Er verstummte, als er den Blick seines Freundes sah. »Schon gut«, brummte er. »Ich sage ja nicht, dass ich sie liebe – denn an Liebe auf den ersten Blick glaube ich nun einmal nicht. Aber sie gefällt mir sehr, sehr gut.«

»Dir gefällt, wie sie aussieht«, stellte Charly fest. Er schob seine Brille hoch – eine Bewegung, die so typisch für ihn war, wie die fahrige Geste, mit der er sich durch die dichten braunen Haare fuhr. Charly war sehr kurzsichtig, weshalb er schon als kleiner Junge immer Brillen mit dicken Gläsern hatte tragen müssen. Er war fest entschlossen, sich demnächst operieren zu lassen, bisher hatte ihm der Mut gefehlt. »Aber du weißt überhaupt nicht, wie sie ist.«

»Das werde ich bald herausfinden«, lächelte Sebastian. »Wenn sie zurückkommt, werde ich versuchen, sie näher kennenzulernen.«

»Steigere dich da nicht hinein«, warnte Charly, »sie hat doch bestimmt längst einen Freund, wenn sie so attraktiv ist.«

»Sie ist jedenfalls allein nach Sternberg gefahren«, erklärte Sebastian.

»Das heißt gar nichts. Gehen wir jetzt endlich an die Arbeit oder möchtest du den ganzen Tag weiter von deiner neuen Nachbarin schwärmen? Ich meine, ich könnte mich auch anders beschäftigen …«

»Ich bin ja schon still!«, beteuerte Sebastian. »Ich schiebe alle Gedanken an die schöne Frau von

Zastrow beiseite und stürze mich wieder in die Arbeit.«

»Wurde auch Zeit! Wo machen wir weiter?«

Sie entschieden sich, das Bücherregal fertig einzuräumen und dann mit der Küche anzufangen. Charly warf Sebastian ab und zu einen prüfenden Blick zu. Die Zeichen waren eindeutig: Sein Freund hatte sich ernsthaft verliebt, auch wenn er behauptete, nicht an die Liebe auf den ersten Blick zu glauben.

*

»Sebastian von Sellwitz?«, rief Baronin Sofia von Kant, als Clara sie nach ihrem neuen Nachbarn gefragt hatte. »Der wohnt jetzt bei dir im Haus? Aber natürlich kennen wir Sebastian! Wir freuen uns immer, ihn zu sehen. Ich glaube, zu Beginn kam er hauptsächlich wegen der Pferde her, aber Fritz und er haben sich ausnehmend gut verstanden, und daraus ist dann eine Freundschaft geworden. Die Kinder mögen ihn auch sehr. Grüß ihn herzlich von uns. Das ist ja wirklich ein hübscher Zufall.«

»Ich hatte auch den Eindruck, dass er sehr nett ist«, bemerkte Clara beiläufig.

»Einen netteren Menschen findest du kaum«, schwärmte die Baronin. »Aber nun erzähl von dir, Clara. Wir müssen die Zeit nutzen, die wir für uns haben. Wenn die Kinder nach Hause kommen, werden sie dich gleich in Beschlag nehmen, dann habe ich nichts mehr zu melden.«

»Du übertreibst, Sofia. Von mir gibt es nicht viel Neues zu erzählen. Ich hoffe, bald mit einer eigenen Kollektion herauskommen zu können. Zum Glück habe ich einen treuen Stamm von Kundinnen, die meine Einzelstücke kaufen – aber wenn ich davon leben müsste, sähe es düster aus, das muss ich ehrlich sagen.«

»Alle Mode-Designer haben klein angefangen«, tröstete die Baronin. »Oder doch die meisten. Du bist sehr begabt, Clara, das haben dir doch schon viele Fachleute bestätigt.«

»Ja, aber Begabung allein reicht nicht«, seufzte Clara. »Man muss auch irgendwie bekannt werden, Sofia. Und da hapert es leider noch. Außerdem würde ich gern endlich mein eigenes Geld verdienen, weißt du? Meine Familie ist zwar vermögend, das ist nicht der Punkt, aber ich will unabhängig sein von meinen Eltern, ich will ihnen beweisen, dass ich es allein schaffen kann. Sie haben ja immer gemeint, mein Studium an der Modeschule sei nichts weiter als eine vorübergehende Laune.«

»Das denken sie doch aber schon lange nicht mehr, Clara! Du hast mehrere Nachwuchspreise gewonnen, alles, was du machst, wird lobend erwähnt – das lesen deine Eltern doch auch.«

Clara nickte. »Ja, natürlich, sie sind jetzt sehr stolz auf mich. Aber trotzdem fehlt mir der große Durchbruch.«

»Du wirst es schaffen«, erklärte die Baronin überzeugt. »Wie geht es denn deinen Eltern?«

»Nicht gut. Mein Vater hat ja ein schwaches Herz, und das ängstigt meine Mutter sehr. Wenn er mal unvernünftig ist, dann regt sie sich so sehr darüber auf, dass sie selbst beinahe krank wird. Stress können sie jedenfalls überhaupt nicht mehr vertragen, beide nicht, dabei sind sie noch gar nicht alt.«

»Vielleicht spielt sich das noch ein im Laufe der Zeit – dass sie es beide lernen, sich gar nicht erst Situationen auszusetzen, die sie be-lasten könnten.«

»Ich hoffe es.«

»Und deine Schwester?«, fragte die Baronin weiter.

Clara lächelte. »Ach, Helena geht es eigentlich immer gut. Sie und Thomas sind glücklich miteinander, und ihre beiden Mädels sind einfach süß.«

»Wie heißen sie noch?«

»Charlotte und Alexandra. Lotte und Alexa. Alexa geht ja jetzt zur Schule und ist sehr stolz darauf. Sie kommen heute oder morgen aus den Ferien. Die Mädchen waren zum ersten Mal in ihrem Leben am Meer. Ich bin gespannt, was sie zu erzählen haben.«

An dieser Stelle wurde das Gespräch der beiden Frauen unterbrochen, denn Eberhard Hagedorn, der langjährige Butler auf Schloss Sternberg, betrat den Raum. Er hielt ein klingelndes Handy in der Hand. »Bitte, entschuldigen Sie die Störung«, sagte er, »aber ich denke, das gehört Ihnen, Frau von Zas-trow.«

»Mein Handy – wo habe ich das denn liegen lassen?«, rief Clara. »Danke, Herr Hagedorn.« Sie warf einen Blick auf das Display. »Die Nummer kenne ich überhaupt nicht.«

»Vielleicht ist es wichtig«, meinte die Baronin.

Clara nickte. »Entschuldige, Sofia.« Sie stand auf und ging zum Fenster. »Ja, bitte?«