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Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Und Sie hätten genug Zeit?«, fragte die streng aussehende Frau im grauen Kostüm, während sie Carina Zumwalde aufmerksam musterte. »Ja, auf jeden Fall.« »Aber hier steht, dass Sie in einem Seniorenheim arbeiten. Wie wollen Sie denn da noch nebenbei an unserer Studie teilnehmen?« »Ich kann vermehrt Wochenenddienste übernehmen in der Zeit, in der Ihre Studie läuft«, erklärte Carina. »Das habe ich mir schon alles überlegt. Außerdem arbeite ich im Schichtdienst, da bleiben immer ein paar Stunden, in denen ich für Sie einsatzfähig wäre.« »Als Typ wären Sie genau das, was wir suchen, aber Sie wirken sehr schmal, und natürlich sind Sie noch sehr jung.« »Zweiundzwanzig, ich bin schon seit vier Jahren erwachsen!«, sagte Carina. Daraufhin deutete die Frau ein Lächeln an. Immerhin. Innerlich seufzte Carina. Sie wusste, dass sie noch sehr mädchenhaft aussah mit ihren langen blonden Haaren und den blauen Augen. ›Unschuldig‹ sehe sie aus, hatte mal jemand zu ihr gesagt, sie hatte das als Beleidigung aufgefasst. Die Stimme der Frau riss sie aus ihren Gedanken. »Wir wollen nicht riskieren, dass Sie uns zusammenklappen, weil Sie sich zu viel zugemutet haben.« »Ich bin zäher, als ich aussehe«
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Und Sie hätten genug Zeit?«, fragte die streng aussehende Frau im grauen Kostüm, während sie Carina Zumwalde aufmerksam musterte.
»Ja, auf jeden Fall.«
»Aber hier steht, dass Sie in einem Seniorenheim arbeiten. Wie wollen Sie denn da noch nebenbei an unserer Studie teilnehmen?«
»Ich kann vermehrt Wochenenddienste übernehmen in der Zeit, in der Ihre Studie läuft«, erklärte Carina. »Das habe ich mir schon alles überlegt. Außerdem arbeite ich im Schichtdienst, da bleiben immer ein paar Stunden, in denen ich für Sie einsatzfähig wäre.«
»Als Typ wären Sie genau das, was wir suchen, aber Sie wirken sehr schmal, und natürlich sind Sie noch sehr jung.«
»Zweiundzwanzig, ich bin schon seit vier Jahren erwachsen!«, sagte Carina.
Daraufhin deutete die Frau ein Lächeln an. Immerhin.
Innerlich seufzte Carina. Sie wusste, dass sie noch sehr mädchenhaft aussah mit ihren langen blonden Haaren und den blauen Augen. ›Unschuldig‹ sehe sie aus, hatte mal jemand zu ihr gesagt, sie hatte das als Beleidigung aufgefasst. Aber es war schon so: Schwarzhaarige, dunkeläugige Menschen galten als temperamentvoll, auch wenn sie total langweilig waren, Menschen mit ihrem Aussehen hingegen …
Die Stimme der Frau riss sie aus ihren Gedanken. »Wir wollen nicht riskieren, dass Sie uns zusammenklappen, weil Sie sich zu viel zugemutet haben.«
»Ich bin zäher, als ich aussehe«, versicherte Carina, »ehrlich. Sonst könnte ich den Job gar nicht machen. Also, meinen Hauptjob, meine ich, und den mache ich schon seit sechs Jahren. Ich weiß natürlich nicht, was bei Ihnen genau verlangt wird, das stand in der Anzeige nicht, aber von körperlich schwerer Arbeit war jedenfalls nicht die Rede.«
»Zu Recht«, sagte die Frau.
Zu Beginn des Gesprächs hatte sie ihren Namen gesagt, aber Carina hatte nicht richtig zugehört. Sie war damit beschäftigt gewesen, sich auf die Situation einzustellen und sich zu überlegen, womit sie die Frau am besten beeindrucken könnte. Sie wollte diesen Job unbedingt, obwohl sie nicht einmal wusste, worin die Aufgabe bestand, die dabei erledigt werden musste. Aber die Arbeit war erstaunlich gut bezahlt, und an einer wissenschaftlichen Studie teilzunehmen, klang interessant.
Das wäre mal eine schöne Abwechslung zu ihren bisherigen Nebenjobs! Sie hatte noch einige Putzstellen, die ihr allerdings überhaupt keinen Spaß machten. Aber vielleicht hatte sie auch nur Pech mit den Leuten, deren Wohnungen und Häuser sie reinigte. Wenn möglich, würde sie diese Jobs so bald wie möglich wieder aufgeben: Sie waren körperlich anstrengend, wie ihre Arbeit als Pflegerin, aber außerdem wurde sie dabei gelegentlich auch noch schlecht behandelt, weil die Leute meinten, mit einer ›Putze‹ könnten sie es machen. Man lernte viel, wenn man fremde Wohnungen putzte. Vor allen Dingen viel, worauf sie gerne verzichtet hätte. Das fing mit unerwünschten sexuellen Annäherungen mancher Männer an und hörte bei Frauen, denen man nichts recht machen konnte, noch lange nicht auf.
»Also«, fuhr die Frau fort, »auf keinen Fall ist die Aufgabe, die Sie bei uns erfüllen sollen, körperlich anstrengend, das kann ich Ihnen versichern. Aber was Sie tun sollen, könnte psychisch belastend sein, Sie könnten in unangenehme Situationen geraten. Mehr darf ich Ihnen nicht sagen, das hier ist ja nur eine erste Vorauswahl, die getroffen wird.«
»Sie machen mich richtig neugierig«, erwiderte Carina.
Die Anzeige war tatsächlich wenig aussagekräftig gewesen. ›Selbstbewusste, gesunde Menschen jedes Alters gesucht für wissenschaftliche Studie‹ – viel mehr hatte da nicht gestanden, nur die Vergütung war noch erwähnt worden. In Carinas Augen war sie mehr als großzügig. Erst jetzt dämmerte ihr, was das möglicherweise bedeutete: ›Unangenehme Situationen‹ – das klang nicht gerade verlockend, damit hatte sie eigentlich schon genügend Erfahrungen sammeln müssen.
Egal, dachte sie, ich will den Job trotzdem haben. »Ehrlich, mich wirft so schnell nichts um«, beteuerte sie.
»Hm«, machte die Frau, während sie ihre Zähne in die Unterlippe grub und ihren Blick nachdenklich und prüfend auf Carina ruhen ließ. »Wie gesagt, Sie wären genau der Typ …«
»Dann nehmen Sie mich doch!«, sagte Carina schnell, bevor sie sich noch weitere Einwände anhören musste. Warum waren die Leute bloß immer so umständlich? »Sie können es mit mir versuchen und wenn Sie feststellen, dass es nicht funktioniert, schmeißen Sie mich raus. Wo ist das Problem?«
Zum ersten Mal zeigte sich auf dem Gesicht der Frau die Andeutung eines Lächelns. »Energisch sind Sie jedenfalls, das ist schon mal gut. Aber, wie gesagt, ich treffe hier nur eine Vorauswahl. Ob Sie tatsächlich geeignet sind, wird sich erst herausstellen, wenn Sie erfahren, welche Aufgabe Ihnen zugedacht ist. Vielleicht ziehen Sie Ihre Bewerbung dann ja auch von sich aus zurück.«
Nie im Leben, dachte Carina. Laut fragte sie: »Und wann erfahre ich, ob ich mitmachen soll oder nicht?« Sie hatte mittlerweile Mühe, nicht mit den Fingerspitzen auf die Tischplatte zu trommeln. Wie lange würde die graue Frau – dieser Name passte gut, fand sie, nicht nur wegen des grauen Kostüms – noch brauchen, um sich zu einer Entscheidung durchzuringen?
Offenbar konnte ihr Gegenüber Gedanken lesen. »Also gut, Frau Zumwalde. Sie haben die nächste Runde erreicht. Hier sind die Termine, die ich Ihnen für das Gespräch mit unseren Wissenschaftlern anbieten kann. Suchen Sie sich einen aus.«
»Wissenschaftler? Gleich mehrere?«
»Ja, ein Psychologe, eine Soziologin, dann die Leiterin der Studie …«
Carina winkte ab. »Hören Sie auf, sonst fange ich noch an, mich zu fürchten.« Sie warf einen Blick in ihren Arbeitsplan und suchte sich dann einen der angebotenen Termine aus. »Da kann ich gut«, sagte sie und setzte im Stillen hinzu: Nur leider kann ich dann nicht ausschlafen. Aber das brauchte die graue Frau nicht zu wissen.
»Gut, dann buche ich Ihnen den. Bitte, seien Sie pünktlich.«
»Bin ich immer«, sagte Carina und wollte sich schon erheben, als die graue Frau unerwartet fragte: »Sind Sie nicht ausgelastet in Ihrem Job? Ich habe immer gedacht, dass Ihre Arbeit wahnsinnig anstrengend ist, körperlich und seelisch. Und dann bürden Sie sich noch mehr auf? Entschuldigen Sie meine Frage, ich will nicht aufdringlich sein, aber es interessiert mich einfach.«
Plötzlich sah sie gar nicht mehr so streng und irgendwie auch nicht mehr so grau aus, fand Carina. Dennoch würde sie ihr auf keinen Fall die Wahrheit sagen: nämlich, dass sie Geld brauchte. Wer wusste schließlich, ob das nicht eine Fangfrage war, praktisch zwischen Tür und Angel gestellt, in freundlich-zugewandtem Tonfall, sodass die Befragten sich zu Vertraulichkeiten hinreißen ließen und mehr von sich verrieten als beabsichtigt?
Sie lächelte also freundlich und sagte: »Ich hab so was noch nie gemacht – also, an einer wissenschaftlichen Studie teilgenommen. Ich bin neugierig, wie das geht. Und die Bezahlung ist gut, ich werde mir davon eine Reise leisten, die ich sonst nicht hätte bezahlen können.«
Die graue Frau gab sich mit der Antwort, die fast ehrlich gewesen war, zufrieden. Es war nur nicht die ganze Wahrheit gewesen, nicht einmal ansatzweise. Carina verließ erleichtert das Gebäude. Die erste Runde hatte sie überstanden, nun musste sie nur noch dieses wissenschaftliche Team davon überzeugen, dass sie fähig war, jede Aufgabe, die ihr gestellt wurde, zu bewältigen. Und natürlich durfte es nichts Schreckliches sein, was sie zu tun hatte. Aber als sie versuchte, sich vorzustellen, was ›schrecklich‹ sein könnte, fiel ihr nichts ein.
Sie warf einen Blick auf die Uhr und rannte los. Das Gespräch hatte länger gedauert als geplant, ihr blieben noch knapp anderthalb Stunden, bis sie zum Dienst antreten musste, und sie hatte noch jede Menge zu tun.
Eine Stunde später traf sie in der Wohnung ein, die ihre Mutter Selma mit Carinas beiden jüngeren Brüdern Mirko und Jonas bewohnte. Selma Zumwalde war seit zwei Jahren Witwe, der Tod ihres Mannes hatte sie zunächst völlig aus der Bahn geworfen.
In dieser Zeit war die damals zwanzigjährige Carina, obwohl sie heftig um ihren Vater trauerte, so etwas wie das inoffizielle Familienoberhaupt geworden. Sie war sogar vorübergehend in die Familienwohnung zurückgezogen, hatte den Haushalt organisiert, dafür gesorgt, dass ihre Brüder morgens rechtzeitig zur Schule gingen und ihre Mutter praktisch gezwungen, aufzustehen, nachdem sie wochenlang das Bett nicht verlassen hatte und drohte, in Depressionen zu versinken – und sie hatte mehr gearbeitet als früher, denn plötzlich hatte das Geld schlicht nicht mehr gereicht.
Ihre Mutter arbeitete zwar schon lange wieder als Verkäuferin in einem Textilgeschäft, aber wegen ihrer Söhne hatte sie vor dem Tod ihres Mannes nur eine Halbtagsstelle gehabt. Und Carinas Vater hatte als Lastwagenfahrer zwar nicht schlecht verdient, aber er war schon länger nicht mehr ganz gesund gewesen und hatte seine Arbeitszeit verkürzen müssen. Für vier Menschen, darunter zwei halbwüchsige Jungs, die ständig Hunger hatten und aus ihren Kleidern herauswuchsen, hatte das Geld schon damals kaum gereicht. Die Miete war gestiegen, Lebensmittel wurden immer teurer, und mit dem Alter der Jungs waren auch ihre Ansprüche gewachsen.
Jetzt immerhin machte Mirko eine Lehre als Elektriker, er brachte also schon etwas Geld nach Hause. Aber Jonas, der Fünfzehnjährige, war so begabt, dass seine Lehrer fanden, er solle Abitur machen. Wie das gehen sollte, finanziell, war Carina und ihrer Mutter noch nicht klar. Seit einem halben Jahr jedenfalls arbeitete Selma wieder ganztags, und allmählich ging es ihr besser. Aber sie war immer noch so dünn, dass Carina manchmal dachte, ein Windhauch müsste genügen, um ihre Mutter umzupusten. Und das Geld war immer noch knapp, trotz all der Nebenjobs, die Carina annahm.
Sie wusste natürlich, dass sie das meiste Geld hätte sparen können, wenn sie ihre Wohnung aufgegeben hätte und zurück zu ihrer Mutter und ihren Brüdern gezogen wäre, doch das wollte sie auf keinen Fall. Ihre Wohnung war ihr eigenes kleines Reich, der Rückzugsort, den sie brauchte, wenn ihr alles andere zu viel wurde. Lieber arbeitete sie bis zum Umfallen, bevor sie bereit war, sie aufzugeben. Es war schwer genug gewesen, nach dem Tod ihres Vaters für einige Zeit wieder bei ihrer Mutter und ihren Brüdern zu wohnen: zu viel, zu eng, zu unruhig.
»Wir haben doch damit gerechnet, dass wir noch viel Zeit haben«, hatte Selma einmal zu ihrer Ältesten gesagt. »Und wenn die Jungs erst einmal auf eigenen Füßen hätten stehen können, hätten wir von dem, was wir beide verdient haben, gut leben können. Aber jetzt …«
Carinas Vater war an Darmkrebs gestorben. Er war nie zur Vorsorge gegangen, hatte seine Beschwerden verheimlicht und als er sich endlich von seiner Frau zu einer Untersuchung hatte überreden lassen, war es zu spät gewesen.
Die Wohnung war leer, aber aufgeräumt wie immer. Als sie noch zu fünft hier gewohnt hatten, war eigentlich nie genug Platz gewesen in den vier kleinen Zimmern, jetzt hatte immerhin jeder der Jungs ein Zimmer für sich, ihre Mutter auch – und der vierte Raum konnte als Wohnzimmer genutzt werden, in dem auch gegessen wurde, denn die Küche war dafür zu klein. Eigentlich, hatte Carina schon oft gedacht, war es mit fünf Personen in diesen engen Räumen nur gegangen, weil ihr Vater praktisch immer unterwegs gewesen war.
Sie räumte die Einkäufe in den Kühlschrank, schrieb ihrer Mutter und ihren Brüdern ein paar Zeilen, die sie auf den Küchentisch legte, und dann rannte sie auch schon wieder davon. In zwanzig Minuten begann ihr Spätdienst, zehn Minuten brauchte sie für den Weg. Sie würde es gerade noch rechtzeitig schaffen.
*
Niko Jelinek und seine Kollegin Ina Verling vom Rettungsdienst fanden die Bewohnerin des Hauses im Badezimmer. Im ersten Moment fürchtete er, dass sie nicht mehr lebte, doch dann stöhnte sie leise und schlug die Augen auf. Er sah ihre trockenen Lippen, sah, wie sie versuchte, etwas zu sagen, doch sie brachte keinen Ton heraus.
Sie war offensichtlich gestürzt und hatte sich dabei am Kopf verletzt. Er sah Blutspuren an einer spitzen Schrankecke und auf dem Boden.
»Sie ist völlig dehydriert«, sagte er und hielt der alten Dame etwas Wasser an die Lippen. Zuerst hatte sie Schwierigkeiten mit dem Schlucken, dann trank sie gierig, während seine Kollegin ihr bereits eine Infusion anlegte.
»Haben Sie Schmerzen, Frau Hummelmeier?«, fragte Niko.
»Bein«, lautete die leise Antwort. »Rechts … ich … schwindelig, dann … ich weiß nicht …«
»Schon gut, mehr müssen wir im Augenblick nicht wissen.«
»Das Bein ist ziemlich sicher gebrochen«, sagte Ina, nachdem sie es abgetastet hatte. Sie sagte es so leise, dass nur Niko ihre Worte hören konnte. Ina war Mitte vierzig, hatte also bedeutend mehr Erfahrung als der knapp zwanzig Jahre jüngere Niko, aber sie ließ das nie raushängen. Er arbeitete gern mit ihr zusammen, zumal er wusste, dass er sie immer fragen konnte, wenn er unsicher war, und sie würde das niemals ausnutzen.
Rettungssanitäter war immer sein Traumberuf gewesen, und er war es jetzt endlich, da er die Ausbildung beendet hatte, aber es gab Situationen, die er mehr fürchtete als andere. Ein Haus zu betreten, weil Nachbarn angerufen und mitgeteilt hatten, seit dem vergangenen Tag seien die Rollläden unten und die alte Bewohnerin sei nicht gesehen worden, war zumindest bei ihm mit Ängsten verbunden. Dieses Mal war es gut gegangen, er hatte aber auch schon Berichte gehört, die ihm Gänsehaut verursachten, wenn er nur daran dachte. Und vor allem: Er musste in solchen Fällen immer sofort an seine Oma denken, die in Rosenheim wohnte – aber ebenfalls allein, wie Frau Hummelmeier. Und sie waren auch in ähnlichem Alter. Wenn er sich vorstellte, sie einmal in einem ähnlichen Zustand vorzufinden … Nein, er stellte es sich besser nicht vor.
Ina und er hoben Marie-Luise Hummelmeier vorsichtig auf eine Trage und brachten sie zum Rettungswagen. Die alte Dame hatte die Augen wieder geschlossen, aber sie atmete ruhig und gleichmäßig. Sie hatten ihr auch noch ein Schmerzmittel gespritzt.
»Im Krankenhaus wird man eine Aufnahme von Ihrem Kopf machen, Frau Hummelmeier«, sagte Niko. »Wahrscheinlich haben Sie eine Gehirnerschütterung. Und Ihr Bein muss natürlich untersucht werden.«
»Krankenhaus? Ich … bitte, Kayser-Klinik … Dr. Laurin … ich …« Sie brachte kein weiteres Wort heraus, ihr Blick war ein einziges Flehen.
Niko griff nach ihrer Hand und drückte sie. »Die Kayser-Klinik hätten wir sowieso angefahren, wir sind ja in der Nähe. Sollen wir jemanden für Sie anrufen?« Er ließ die Patientin erneut etwas Wasser trinken, danach ging es mit dem Sprechen besser.
»Später vielleicht … meine Tochter … in Urlaub …«
