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Amische, Hutterer, Mennoniten ... immer wieder gibt es im Fernsehen Dokumentarfilme über sie, die sie manchmal authentisch portraitieren und andere Male sehr verzerrt darstellen. Wo kommen sie her? Was glauben sie wirklich? Und ist das alles nicht nur Schnee von gestern, oder geht es hier um Glaubenswahrheiten, die heute genauso aktuell sind wie damals? In diesem Buch werden die Schleitheimer Artikel von 1527, das Dordrechter Bekenntnis von 1632 und ein Auszug aus Peter Riedemanns Rechenschaft zur Gütergemeinschaft (1540/41) für alle vorgestellt, die nach einer tragfähigen Grundlage für ihr geistliches Leben suchen.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Die Täufer
Das Apostolische Glaubensbekenntnis
Hintergrund:
Text:
Die brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes, sieben Artikel betreffend. Schleitheim 1527
Hintergrund:
Begleitbrief:
Die Taufe
Der Bann
Das Brotbrechen
Die Absonderung
Die Hirten
Das Schwert
Der Eid
Nachwort
Glaubensbekenntnis des wehr- und rachelosen Christentums Dordrecht, 1632
Hintergrund:
Artikel: Vom Glauben an Gott, von der Schöpfung des ersten Menschen und aller Dinge
Artikel: Von der Übertretung des göttlichen Gebots durch Adam
Artikel: Von der Wiederaufrichtung und Versöhnung des menschlichen Geschlechts mit Gott
Artikel: Von der Ankunft unseres Erlösers und Seligmachers Jesus Christus
Artikel: Von der Einsetzung des Neuen Testaments durch unseren Herrn Jesus Christus
Artikel: Von der Buße und Besserung des Lebens
Artikel: Von der heiligen Taufe
Artikel: Von der Gemeinde Gottes
Artikel: Von der Erwählung der Diener in der Gemeinde
Artikel: Vom hochwürdigen Abendmahl des Herrn
Artikel: Vom Fußwaschen
Artikel: Vom heiligen Ehestand
Artikel: Von der Obrigkeit
Artikel: Von der Rache und Gegenwehr
Artikel: Vom Eid oder Eidschwören
Artikel: Vom Bann oder Absonderung von der Gemeinde
Artikel: Wie die Gebannten und Abgesonderten von der Gemeinde zu meiden sind
Artikel: Von der Auferstehung der Toten
Aus Riedemanns Rechenschaft
Hintergrund:
Von der Gemeinschaft der Güter
Im 16. Jahrhundert kam es in Europa, besonders den deutschen Landen zu gewaltigen Umbrüchen. Die Türken standen vor den Toren Wiens, die Bauern revoltierten, die Pest raffte die Menschen dahin und die Kirche, von der man sich in solch beängstigenden Zeiten Hoffnung, Trost und Orientierung erwartet hätte, war zutiefst korrupt. Aus Protest gegen den Ablasshandel, mit dem der Bau des Petersdoms finanziert werden sollte und durch den die Höllenangst der einfachen Leute schamlos ausgenützt wurde, schlug der Augustinermönch Martin Luther seine 95 Thesen über die Buße an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Es war der 31. Oktober 1517. Die Reformation hat begonnen.
Angeregt durch Martin Luthers Eifer und sein standhaftes Bekenntnis am Reichstag zu Worms entstanden vielerorts reformatorische Bewegungen. In Zürich begann Ulrich Zwingli aus dem Wort Gottes zu predigen und Missstände in der Kirche zu beseitigen. Nicht nur Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, in Zürich war mit der Zürcher Bibel sogar vor Luther die Übersetzung der ganzen Bibel vollendet. Das Wort Gottes in deutscher Sprache! Vorbei war es mit der lateinischen Messe, der Geheimsprache der Geistlichen! Ein einfacher Bauer konnte nun selbst lesen, was Gottes Wille für sein Leben und das der ganzen Welt sei. Doch weder die Gesellschaft, noch das eigene Leben entsprachen diesem Willen, sodass viele begannen, Gottes Gnade zu suchen, Gewissheit im Glauben und einen Lebensstil, der Gott gefällig ist.
Das geschah keineswegs mit einer Stimme, denn jeder sah etwas Anderes im Wort, was ihm dringlicher schien. Luther ging es um den Seelenfrieden vor Gott, Zürich um systematische Reformen der Gesellschaft, Thomas Müntzer um radikale soziale Gerechtigkeit, die er mit Gewalt herbeiführen wollte.
Die Täufer stellten die Frage nach dem Verhältnis der Kirche zum Staat und erkannten neu, dass das Reich Gottes nicht von dieser Welt sei. Diese Bewegung entstand im Umfeld Zwinglis, ja sogar in dessen eigenem Bibelkreis. Die Frage kam auf, ob die Kindertaufe aus dem Neuen Testament heraus begründet werden könne, was alle (auch Zwingli) einmütig verneinten. Selbst Luther hatte anfangs noch Zweifel an der Kindertaufe geäußert und gemeint, wenn man nicht beweisen könne, dass das Kind einen eigenen Glauben habe, so sei dessen Taufe ein Gaukelwerk, durch das Gott gelästert würde. Doch Luther wie Zwingli scheuten sich davor, den gesellschaftlichen Konsens des christlichen Abendlandes aufzulösen. Ihnen war bewusst, dass kaum einer aus zehn zur Kirche käme, wenn man nur mehr die Gläubigen taufte. Die Folgen für Staat und Gesellschaft waren nicht abzuschätzen und darum hielten sie an der Kindertaufe fest. Und damit an der Illusion einer christlichen Gesellschaft.
Folglich brach aus der staatskirchlichen bzw. obrigkeitlichen Reformation ein freikirchlicher Flügel aus, ein radikaler Flügel, der bereit war, die Welt den Weltlichen zu lassen und in Absonderung von der Welt Christus nachzufolgen. Als Lebensregel galt ihnen die Bergpredigt, ein Leben in Friedfertigkeit, Aufrichtigkeit und Heiligung, zu dem man sich durch eine bewusste Glaubensentscheidung und Taufe verpflichte.
Am 21. Jänner 1525 taufte Konrad Grebel den ehemaligen Priester Georg Cajakob, genannt Blaurock. Der Stadt Zürich verwiesen gründeten sie im Nachbarort Zollikon die erste Täufergemeinde. Verfolgung setzte ein, die Bewegung wurde rasch zerstreut – doch so wie der Samen einer Blume vom Wind verweht an allen Orten zu blühen beginnt, blühte auch das neue geistliche Leben des Evangeliums an allen Orten auf, wohin die Vertriebenen flohen.
Wenn auch die Anführer der Bewegung innerhalb weniger Jahre gefasst, gefoltert und hingerichtet wurden, umfasste die Täuferbewegung innert kürzester Zeit zehntausende Anhänger im gesamten deutschen und holländischen Sprachraum.
In diesem Büchlein werden drei Hauptbekenntnistexte der Bewegung vorgestellt, die unter den konservativen Nachfahren der Täufer, die mittlerweile hunderttausende Anhänger weltweit zählen, bis heute Geltung und Bedeutung haben:
Die brüderliche Vereinigung von Schleitheim 1527
Das Bekenntnis von Dordrecht 1632
Auszug aus Riedemanns Rechenschaft 1540/41
Vorangestellt sei das Apostolische Glaubensbekenntnis, welches die Täufer mit allen rechtgläubigen Christen teilen und ihren Bekenntnistexten zugrunde liegt.
Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Texte schriftgemäß sind und als hervorragende Zusammenfassung biblischer Lehre eine Hinführung zur Nachfolge Jesu darstellen und als solche unverzichtbar sind. Mögen durch diese Texte Herzen überführt und angespornt werden, durch die enge Pforte zu dringen, um dem schmalen Weg zum Leben zu folgen.
Wien, im Februar 2019
Als Taufbekenntnis geht das sogenannte „Credo“ bereits auf das zweite Jahrhundert zurück. In dieser Zeit taufte man keine Kinder, sondern nur solche, die freiwillig den Glauben annahmen. Justinus, der Märtyrer schreibt in seiner Apologie zur Taufe:
„Alle, die sich von der Wahrheit unserer Lehren und Aussagen überzeugen lassen, die glauben und versprechen, daß sie es vermögen, ihr Leben darnach einzurichten, werden angeleitet zu beten, und unter Fasten Verzeihung ihrer früheren Vergehungen von Gott zu erflehen, Auch wir beten und fasten mit ihnen. Dann werden sie von uns an einen Ort geführt, wo Wasser ist, und werden neu geboren in einer Art von Wiedergeburt, die wir auch selbst an uns erfahren haben; denn im Namen Gottes, des
