Wasserfasten - Peter Schwarz - E-Book

Wasserfasten E-Book

Peter Schwarz

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Beschreibung

Seit Jahren sucht Prof. Dr. Peter Schwarz nach Methoden, um chronische Erkrankungen zu heilen. Der Zufall – ein scheinbar nicht mehr funktionierendes Gerät – brachte ihn zum Fasten. Bis dahin rümpfte er die Nase, wenn er davon hörte. Doch dann probierte er es selbst aus und war überrascht von der heilenden Wirkung. Seine Forschung ergab: Wasserfasten ist der schnellste Gesundheitsbooster, der uns zur Verfügung steht. Es bewirkt eine starke bis vollständige Reduktion des Leberfetts, die wichtigste Ursache für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und andere Krankheiten. In seinem Buch erklärt Prof. Dr. Schwarz, warum unser evolutionäres Erbe vorsieht, dass wir ab und zu auch Hungerphasen durchmachen müssen, um gesund zu bleiben. Er zeigt, welche biochemischen Prozesse im Körper bei der zweiwöchigen Nahrungsunterbrechung ablaufen und warum Intervall- oder Scheinfasten das Leberfett nur unzureichend reduzieren. Wir erfahren außerdem, worauf Frauen beim Fasten achten müssen und mit welchen Strategien wir es schaffen, die zwei Wochen durchzuhalten, um die erfolgsversprechende Reset-Taste für unseren Stoffwechsel zu drücken. »Die Erfolge, die Patienten durch Peter Schwarz’ Fastenmethode erreichen, sind bemerkenswert: Menschen, die seit Jahren an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, werden wieder gesund.« PROF. DR. ANDREAS MICHALSEN

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Seitenzahl: 336

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Seit Jahren sucht Prof. Dr. Peter Schwarz nach Methoden, um chronische Erkrankungen zu heilen. Der Zufall – ein scheinbar nicht mehr funktionierendes Gerät – brachte ihn zum Fasten. Bis dahin rümpfte er die Nase, wenn er davon hörte. Doch dann probierte er es selbst aus und war überrascht von der heilenden Wirkung. Seine Forschung ergab: Wasserfasten ist der schnellste Gesundheitsbooster, der uns zur Verfügung steht. Es bewirkt eine starke bis vollständige Reduktion des Leberfetts, die wichtigste Ursache für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und andere Krankheiten. In seinem Buch erklärt Prof. Dr. Schwarz, warum unser evolutionäres Erbe vorsieht, dass wir ab und zu auch Hungerphasen durchmachen müssen, um gesund zu bleiben. Er zeigt, welche biochemischen Prozesse im Körper bei der zweiwöchigen Nahrungsunterbrechung ablaufen und warum Intervall- oder Scheinfasten das Leberfett nur unzureichend reduzieren. Wir erfahren außerdem, worauf Frauen beim Fasten achten müssen und mit welchen Strategien wir es schaffen, die zwei Wochen durchzuhalten, um die erfolgsversprechende Reset-Taste für unseren Stoffwechsel zu drücken.

© Birte Filmer

Prof. Dr. Peter Schwarz ist Leiter der Abteilung Prävention am Dresdner Universitätsklinikum. Als Präsident des Internationalen Diabetes-Verbandes vertritt er 256 Diabetes-Gesellschaften weltweit und mehr als 600 Millionen Menschen mit Diabetes. Er entwickelt derzeit eine internationale Leitlinie, die helfen soll, die Therapie der Nulldiät zu verbreiten. Mit Prof. Dr. Andreas Michalsen ist er zudem dabei, ein Institut fürs Fasten aufzubauen, um die Idee des ambulanten Wasserfastens hierzulande bekannt zu machen. Peter Schwarz lebt mit seiner Familie in Dresden.

Prof. Dr. Peter Schwarz

mit Stefanie Reinberger

WASSERFASTEN

Diabetes und andere entzündliche Krankheiten in nur 14 Tagen besiegen

NeuesteErkenntnisseaus derMedizin

 

Die Ratschläge in diesem Buch sind von Autor und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Sie ersetzen jedoch keinen Arztbesuch. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne jegliche Gewährleistung seitens des Verlages und des Autors. Eine Haftung des Autors oder des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

E-Book 2026

© 2026 DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG, Amsterdamer Straße 192, 50 735 Köln, [email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

Die Nutzung dieses Werks für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Umschlaggestaltung: Lübbeke Naumann Thoben, Köln

Umschlagabbildung: Image courtesy of the E. Mark Adams and Beth Van Hoesen Adams Trust

Redaktionelle Mitarbeit: Stefanie Reinberger

Satz: Angelika Kudella, Köln

E-Book Konvertierung: CPI books GmbH, Leck

ISBN E-Book 978-3-7558-1197-8

www.dumont-buchverlag.de

Prolog

ES BEGANN MIT EINEM MISSVERSTÄNDNIS

Ich gebe zu, auch ein Professor ist nicht völlig frei von Vorurteilen. Ich jedenfalls bin es nicht. Lange Zeit zählte ich zu den Wissenschaftlern, die, wenn sie das Wort »Fasten« hörten, die Nase rümpften. Fasten, das gehörte für mich – wie vermutlich für die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen in der akademischen Medizin – in einen Bereich, den ich irgendwo zwischen Esoterik und Quacksalberei ansiedeln würde. Ein Bereich, den wir in unserem Berufsfeld lieber nicht ernst nehmen, den wir ignorieren oder vor dem wir sogar warnen. Das mag einerseits einer gewissen Arroganz oder vielleicht sogar einer Portion Narzissmus geschuldet sein. Sie wissen schon: die Halbgötter in Weiß … Andererseits hat eine gewisse Skepsis auch ihre Berechtigung. Denn tatsächlich tummeln sich da draußen – neben guten Therapeuten, die fundiertes Wissen und sinnvolle komplementärmedizinische Behandlungsstrategien anzubieten haben – auch viele Scharlatane. Jene Vertreter, die den Leuten mit Heilsversprechen und »Therapien«, denen jegliche wissenschaftliche Grundlage fehlt, Geld aus der Tasche ziehen und die schlimmstenfalls sogar enormen gesundheitlichen Schaden anrichten können.

Kurz gesagt: Fasten war kein Thema, von dem ich dachte, dass ich mich jemals ernsthaft damit befassen würde. Doch dann passierte etwas, was mein Selbstbild vom erhabenen und quasi allwissenden Professor gründlich auf den Kopf stellte. Und das mich gelehrt hat, einen Schritt zurückzutreten und mit einem neuen Blick auf das Fasten und den Stoffwechsel zu schauen.

Sie müssen wissen, ich bin der Präsident der International Diabetes Federation, eines weltweit agierenden Diabetes-Verbandes. Das teile ich hier nicht aus Angabe oder Eitelkeit mit. Vielmehr möchte ich damit unterstreichen, dass ich durchaus etwas von meinem Fach verstehe – und von der Krankheit, die so vielen Menschen das Leben zur Qual macht. Doch weder mein Fachwissen noch die über viele Jahre gesammelte Erfahrung konnten mich auf das vorbereiten, was ich vor einigen Jahren erlebt habe, als ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an der Uni Dresden, wie schon so oft, an einer großen, internationalen wissenschaftlichen Studie mit Diabetes-Patienten beteiligt war.

Die Studie hatte folgendes Ziel: zu verstehen, warum es einigen Menschen mit Typ-2-Diabetes gelingt, die Krankheit durch eine geeignete Ernährung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung wieder loszuwerden – und anderen eben nicht. Den Typ-2-Diabetes kennen viele als sogenannten Altersdiabetes, obwohl diese Erkrankung auch immer öfter jüngere Menschen betrifft.

Wir wollten also untersuchen, welche Faktoren darüber entscheiden, ob eine Veränderung des Lebensstils die erhoffte Wirkung zeigt oder nicht. Ursprünglich dachten wir, den Schlüssel zur Umkehr des Diabetesgeschehens im Lebensstil der Menschen zu finden, also ob sie beispielsweise mehr auf Bewegung oder mehr auf Ernährung setzen. Oder ob bestimmte Diätkonzepte günstiger sind als andere. Aber natürlich haben wir auch körperliche Merkmale untersucht, etwa das Körperfett, von dem man weiß, dass es eine Rolle beim Entstehen und dem Fortschreiten der Erkrankung spielt. Wir analysierten bei unseren Studienteilnehmern auf das Gramm genau, wie viel Fett in jedem Organ vorhanden war. Alle sechs Monate wurden die Patienten auf Herz und Nieren (und andere Organe) untersucht.

Unter den Teilnehmenden war ein Mann, der zu Studienbeginn eine große Menge Leberfett besaß. Er war Ende 60, mittelgroß und schob einen ordentlichen Bauch vor sich her. Ein eher unauffälliger Typ mit Schiebermütze und Blouson. Wenn ich ehrlich bin – das möge er mir verzeihen –, habe ich seine Erscheinung weniger gut in Erinnerung behalten als seine MRT-Aufnahmen. Diese haben sich wohl für immer in mein Gedächtnis gebrannt, und ich sehe sie noch heute im Detail vor mir. Wie gesagt: Zu Beginn der Studie hatte der Teilnehmer eine ordentliche Menge Leberfett. Die Bilder, die wir dann ein halbes Jahr später gemacht haben, waren für mich als Wissenschaftler ein echter Schock: Das Leberfett war weg. Vollständig verschwunden. Als sei es nie da gewesen. Das hatte ich bisher noch nie erlebt.

Ich habe geflucht. Und an der Technik gezweifelt. Meinem Team ging es genauso. Denn das, was wir da sahen, konnte einfach nicht sein. Wo war das Leberfett hin? Das verschwindet nicht einfach so! Also musste das Gerät defekt sein. Das war die einzige vernünftige Erklärung, die mir in den Sinn kam. Ich rief also bei Siemens an, dem Hersteller des MRT-Gerätes, das wir nutzten, und bestellte einen Techniker. Er sollte herkommen und das Gerät überprüfen. Doch bereits am Telefon, ohne das Gerät überhaupt gesehen zu haben, stellte er eine erste Ferndiagnose – und eine alles entscheidende Frage: »Hat der Patient vielleicht eine strenge Diät hinter sich?« – »Natürlich nicht«, antwortete ich bestimmt. »Er nimmt doch an einer Studie teil!« Der Techniker blieb beharrlich: »Fragen Sie ihn. Das kostet doch nichts. Ich habe das schon erlebt, dass Werte plötzlich besser wurden, wenn jemand wenig oder nichts gegessen hat.«

So weit war es also gekommen: Der Techniker, der für die Wartung meines Arbeitsgeräts zuständig war, erklärte mir, dem renommierten Mediziner, seinen Job und das Wunder einer Heilung. Ich war empört. Sollte nicht jeder Schuster bei seinem eigenen Leisten bleiben? Doch die Neugier, die ein Wissenschaftler sich schließlich immer bewahren sollte, siegte schließlich. Außerdem wollte ich sichergehen, dass der Techniker irrte und nicht etwa ich selbst. Ich rief also den Patienten an, der prompt von einer Fastenkur berichtete, die ihm seine Ernährungsberaterin empfohlen hatte!

Das gab mir zu denken. Wenn mein Proband sein Leberfett einfach so wieder losgeworden war – war das dann vielleicht kein Einzelfall? Steckte am Ende mehr dahinter? Der Techniker hatte es angedeutet. Ich fragte also bei Kollegen in anderen Ländern nach, die ebenfalls an der Studie beteiligt waren. Und tatsächlich: Auch sie hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. Und sie waren von diesen Beobachtungen genauso überrascht wie ich.

Dieser wissenschaftliche Schock hat mich wachgerüttelt und gab den Anstoß für meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Fasten. Ich habe gelesen, geforscht und mich mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausgetauscht. Ich habe selbst gefastet und mehr als tausend Menschen persönlich beim Fasten begleitet. Viele weitere haben es ohne meine Unterstützung durchgezogen, weil sie etwa von Bekannten, die bei mir in Behandlung waren, davon gehört hatten. Manche von denen meldeten sich später bei mir, sodass ich auch von ihrem Erfolg erfahren habe.

Heute, einige Jahre nach meinem Anruf bei Siemens, bin ich ein glühender Anhänger des Fastens. Als entschiedener Wissenschaftler komme ich nicht umhin anzuerkennen, dass das, was ich einst für Hokuspokus hielt, die schnellste und effektivste Gesundheitsmaßnahme für praktisch alle chronischen Volkskrankheiten darstellt. Egal ob Diabetes, Bluthochdruck, Demenz, entzündliche Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen oder andere Leiden. Das bestätigen mittlerweile mehr als hundert wissenschaftliche Studien in der westlichen, von der akademischen Medizin geprägten Welt. So zeigt sich beispielsweise, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten, die bereits seit bis zu zehn Jahren unter Diabetes mellitus Typ 2 leiden, die Erkrankung nach zwei Wochen Wasserfasten vollständig verschwindet – zusammen mit dem Leberfett.

Warum ist das so? Kurz gesagt: Mit Fasten bekämpfen wir körpereigene Fettdepots, genauer gesagt Fettablagerungen in der Leber. Die pure Präsenz von Fett in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) stellt ein enormes Gesundheitsrisiko dar und beschleunigt die Entwicklung von Diabetes, aber auch vieler anderer chronischer Erkrankungen. Man kann sich das Leberfett vorstellen wie eine körpereigene Massenvernichtungswaffe, die nach und nach Zellfunktionen und damit unsere Gesundheit zerstört.

Zugegeben: Das Leberfett loszuwerden, ist kein Allheilmittel. Und natürlich gibt es Umstände, unter denen es vielleicht nicht ratsam ist, zwei Wochen lang keine Nahrung zu sich zu nehmen. Doch für die meisten unter uns bringt dieser Verzicht einen enormen Benefit für die Gesundheit. Eine Nulldiät ist der effektivste und schnellste Weg zur Bekämpfung des Leberfetts, das unseren Organismus in seiner gesunden Funktion stört. Fasten bringt Ihren Stoffwechsel wieder ins Lot, kann Krankheiten vorbeugen und andere lindern oder sogar heilen. Es birgt die Chance auf ein gesünderes und sehr wahrscheinlich auch längeres Leben. Um es anders zu sagen: Für mich bieten zwei Wochen Wasserfasten den schnellsten Zugewinn an Gesundheit, der für einen Einzelnen möglich ist. Ich finde, das ist eine Aussicht, für die man durchaus zwei Wochen Verzicht in Kauf nehmen kann.

Mit diesem Buch möchte ich Ihnen erklären, warum das Wasserfasten funktioniert, und zeigen, welchen unglaublichen Nutzen es für Ihre Gesundheit bringt, Lebensmittel eine Weile nicht anzufassen. Vor allem aber möchte ich Sie einladen, es mir und den vielen Menschen, die ich dabei begleiten durfte, gleichzutun. Lassen Sie die Nahrung mal für zwei Wochen links liegen und wagen Sie das Abenteuer Wasserfasten. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken!

TEIL 1

Fasten: Neue Erkenntnisse

1

DIE WIEDERENTDECKUNG DES FASTENS

»Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.«

Diese Empfehlung wird Hippokrates (460–375 v. Chr.) zugesprochen, dem griechischen Arzt, der als Mitbegründer der abendländischen Medizin gilt und auf den wir Ärzte auch heute noch unseren Eid schwören, die Regeln der ärztlichen Ethik zu achten. Hippokrates sah Fasten als ganzheitliche Gesundheitsstrategie an, aber auch als Heilmethode, um Krankheiten zu therapieren. So soll er ebenfalls gesagt haben: »Wenn die Krankheit auf ihrer Höhe ist, dann muss die knappste Nahrungszufuhr erfolgen.«

Ärzte im Mittelalter und in der Renaissance griffen diese Denkweise auf und ließen ihre Patienten bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen fasten, vom Fieber über Syphilis bis hin zu allgemeinen Altersbeschwerden. Und der französische Chirurg Guy de Chauliac (1298–1368), einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, empfahl eine Fastenkur als Vorbereitung für Operationen.

Auch schon lange vor Hippokrates hatten Heiler und Gelehrte beobachtet, dass eine maßvolle Ernährung oder sogar der zeitweise vollständige Verzicht auf Nahrung der Gesundheit zugutekommt und sogar Krankheiten heilen kann. Den ältesten Berichten über das Fasten zufolge wurde diese Methode bereits vor mehr als 4000 Jahren praktiziert. Und wahrscheinlich ist sie sogar noch viel älter. Bereits im alten Ägypten kannte man Perioden des Verzichts. Und im Ayurveda, dem alten indischen Medizinsystem, kommt dem Fasten ebenfalls eine wichtige Rolle zu: Es soll die Verdauungsorgane zur Ruhe kommen lassen, den Organismus reinigen und alle Körperfunktionen optimieren.

Gewiss, die moderne Medizin hat heute andere Methoden im Repertoire als das Fasten. Und doch täten wir gut daran, uns hin und wieder an das alte Wissen zu erinnern und es für uns zu nutzen. Denn der Lebensstil, der hierzulande und in anderen westlichen Industrienationen vorherrscht, macht uns krank: zu wenig Bewegung und bei Weitem zu viel Nahrung, die uns mit viel zu vielen Kalorien versorgt – und das am besten noch rund um die Uhr an jedem beliebigen Tag des Jahres. Die Folgen wiegen nicht nur auf der Waage schwer.

Wir Menschen werden immer dicker. Seit den 1970er-Jahren hat sich Adipositas, also Fettleibigkeit, weltweit fast verdreifacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer Adipositas-Epidemie. Noch Ende des 19. Jahrhunderts lag in Deutschland die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer bei 35,6 Jahren und für Frauen bei 38,5 Jahren, wie die erste allgemeine Sterbetafel von 1871–1881 belegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts leben Männer heute im Mittel 78,2 Jahre und Frauen 83 Jahre. Das ist im Grunde eine gute Entwicklung, gäbe es da nicht die Kehrseite der Medaille: Wir werden zwar älter, entwickeln aber auch mehr Krankheiten. Vor allem das Zuviel an Körperfett, eine Folge unserer modernen Lebensweise, bringt ein enormes Gesundheitsrisiko mit sich.

Die Gefahren von starkem Übergewicht für die Gesundheit sind längst bekannt. Adipositas gilt als Auslöser und Risikofaktor für mehr als 60 Begleit- und Folgeerkrankungen: Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Gelenkschäden sind nur die offensichtlichsten. Forschende finden immer mehr Beweise dafür, dass mit zunehmendem Gewicht auch das Risiko für eine ganze Reihe von Krebserkrankungen steigt. Das Immunsystem, also die körpereigene Verteidigungstruppe gegen Krankheitserreger, wird geschwächt. Die Psyche leidet. Das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson und die Alzheimer-Demenz steigt. Die Lebenserwartung dagegen sinkt: Nach Angaben der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) haben Menschen mit Adipositas eine um etwa fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Menschen mit Normalgewicht.

Die Liste lässt sich schier endlos fortsetzen. Klar ist: Dauerhafte Überversorgung und Adipositas schaden nicht nur dem Einzelnen. Sie werden auch zum Kosten- und Versorgungsproblem für das Gesundheitssystem und damit für die gesamte Gesellschaft.

Leberfett: Bad Guy des entgleisten Stoffwechsels

Epidemiologischen Studien zufolge hat rund 40 Prozent der Bevölkerung in einem Ausmaß Fett in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse eingelagert, dass dieses im Ultraschall sichtbar ist. Wir sprechen hier von einer Größenordnung von 300 bis 350 Gramm Fett und mehr. Kritisch ist der Fettgehalt in der Leber aber bereits bei rund 100 Gramm. Wie viele Menschen das betrifft, dazu gibt es keine gesicherten Zahlen, denn um Fettmengen in dieser Größenordnung nachzuweisen und zu berechnen, müsste man aufwendige und vor allem kostspielige Untersuchungen im Magnetresonanztomografen durchführen. Rechnen wir aber die Daten hoch, die wir für das im Ultraschall sichtbare Fett haben, dann müssen wir davon ausgehen, dass ein Großteil der Bevölkerung betroffen ist. Wenn Sie älter als 35 sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, kein Leberfett angesammelt zu haben, bei unter zehn Prozent – und zwar unabhängig von Ihrer Statur. Auch schlanke Menschen können Fetteinlagerungen in der Leber haben. Ursache dafür ist eine ungesunde Lebensweise mit vielen Kohlenhydraten und wenig Bewegung.

Und es kommt noch schlimmer: Ab etwa 100 Gramm Leberfett werden Sie bereits zum sogenannten Non-Responder. Das heißt, der Körper spricht auf Diäten und Sport kaum noch an. Stellen Sie sich das mal vor: Sie laufen 10 000 Schritte am Tag, aber es wirkt auf den Körper nur wie 2000 Schritte. Mit der altbekannten und oft empfohlenen Methode – also geringere Kalorienaufnahme bei gleichzeitig höherem Kalorienverbrauch – lässt sich das Körpergewicht dann nicht mehr reduzieren oder nur noch über einen sehr langen Zeitraum.

Das Leberfett besteht aus sehr festen Verbindungen zwischen Glukose und Fett. Diese Verbindungen knackt der Organismus nur, wenn ihm keine andere Wahl bleibt. Und genau hier setzt das Wasserfasten an: wenn dem Körper keine Nahrung und damit keine Energie mehr zugeführt wird und er sich diese aus den gut verschlossenen Fettreserven holen muss. Doch solange das Fett in der Leber sitzt, ist der Fettstoffwechsel insgesamt blockiert.

Der einzige effektive Weg, um das Fett loszuwerden und einen gesunden Körper zurückzuerlangen, ist dann das Wasserfasten. Und wenn wir der Epidemiologie Glauben schenken, sollte fast jeder von uns seinem Leberfett etwas mehr Aufmerksamkeit schenken – und es mithilfe des Wasserfastens, meiner 14-tägigen Nulldiät, eliminieren.

Stiefkind der Medizin

Bislang konnte sich das Fasten in der Medizin nicht so recht durchsetzen. Zwar gibt es Menschen, die verschiedene Formen des Heilfastens praktizieren. Doch es scheint, als stecke die Methode in einer Ecke irgendwo zwischen Lifestyle und Esoterik fest – ohne rechten Stellenwert in der etablierten Medizin. Oder haben Sie vielleicht schon mal von Ihrem Hausarzt eine Fastenkur verordnet bekommen?

Warum das so ist, dazu habe ich einige Thesen. Ich denke, ein ausschlaggebender Punkt ist, dass eine volle Speisekammer (und ein voller Bauch) etwas Beruhigendes hat. In der Geschichte der Menschheit gab es viel mehr Phasen der Mangelernährung als Zeiten des Überflusses: Die Angst davor, nichts zu essen zu bekommen, hat sich tief in unser kollektives Gedächtnis gegraben. Wir sind quasi darauf programmiert zu essen, solange etwas da ist. Denn wer weiß schon, wann die nächste Hungerphase kommt? Noch heute werden Sie in Städten wie Hamburg erleben, dass ältere Menschen mehr Lebensmittel aus dem Supermarkt nach Hause schleppen, wenn eine Sturmflut angekündigt ist – obwohl das die Versorgung in der Regel nicht beeinträchtigt. Und während der Coronapandemie kam es zu regelrechten Hamsterkäufen. Auch sie waren Ausdruck der Angst vor Hungerleiden und Hungertod. Wobei das Bunkern von Toilettenpapier eher weniger dazu beiträgt, die Ernährung in harten Zeiten zu sichern.

Der so programmierte Mensch denkt: Mehr ist besser, weniger schlechter. Dann muss gar nichts – und Wasserfasten ist nun mal gar nichts – logischerweise richtig schlecht sein (ist es aber nicht!). Essen hat einen enormen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Bei Familienfesten wird gegessen, ebenso bei wichtigen Anlässen wie Geschäftsabschlüssen, wissenschaftlichen Konferenzen oder politischen Zusammenkünften. Essen ist bei uns mit Erfolg, Freude und Feiern verbunden. Ein reich gedeckter Tisch ist zudem Ausdruck, »es« geschafft zu haben – wie immer man dieses »es« definieren möchte. In manchen Kulturen sind üppige Körperformen noch immer ein Zeichen des Wohlstands. In Mauretanien etwa werden junge Frauen sogar regelrecht gemästet, um sie für ihre zukünftigen Ehemänner attraktiv zu machen und ihre Chance auf einen reichen Gatten zu erhöhen. Was das für ihre Gesundheit bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.

Ein anderer Punkt ist: Die Medizin hat sich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt und kann heute mit anderen Methoden aufwarten. Medikamente und chirurgische Eingriffe wirken scheinbar schneller, eindeutiger, und zumindest auf den ersten Blick ist ihre Wirkung leichter nachvollziehbar. Außerdem ist es – zumindest kurzfristig gedacht – wesentlich einfacher, eine Tablette zu schlucken, einen Wirkstoff zu spritzen oder sich operieren zu lassen, als tagelang zu hungern.

Dass Naturheilkundler gern davon sprechen, den Körper mithilfe von Fastenkuren zu entschlacken, macht die Sache nicht besser. Der Begriff »Schlacken« gehört in den Bereich der Stahlindustrie, wo Eisenerz im Hochofen auf enorme Temperaturen erhitzt und so Roheisen gewonnen wird. Als Nebenprodukt entstehen die Hochofenschlacken. Im Körper jedoch gibt es zwar Abfallprodukte, die beim Stoffwechsel anfallen. Doch der Organismus sorgt dafür, dass diese fortwährend über Nieren, Leber, Darm, Lunge und Haut ausgeschieden werden. Die Vorstellung von Schlacken, die irgendwo im Körper herumgammeln, ist aus medizinischer Sicht nicht haltbar. Es ist vielmehr so, dass das Fasten die körpereigene Müllabfuhr ankurbelt und Zelltrümmer und Abfallprodukte dadurch effektiver entsorgt werden – ein Vorgang, den wir fachlich als Autophagie bezeichnen. Auch läuft der Stoffwechsel in der Leber auf Hochtouren, sodass eingelagerte Gifte ausgeschwemmt werden. Ganz so falsch ist die Vorstellung des Entschlackens und Entgiftens also nicht, nur die Wortwahl ist ein bisschen unglücklich. Doch darauf werde ich später nochmals eingehen.

Schließlich, so denke ich, sorgt noch ein weiterer ganz entscheidender Punkt dafür, dass dem Fasten in der akademischen Medizin unserer Zeit eine eher stiefkindliche Behandlung zuteilwird: die Gier der Menschen. Wasserfasten ist Medizin zum Nulltarif. Sie müssen schließlich nichts anderes tun, als 14 Tage lang jegliche Nahrung wegzulassen. Sie geben also für Ihr Gesundheitsprogramm nicht nur kein Geld aus. Sie sparen sogar noch, weil Sie ja keine Lebensmittel brauchen. Eine Frau, die ich beim Fasten begleitet habe, berichtete mir, dass sie ihren Mann von der Idee überzeugen konnte und beide die 14 Tage bei Wasser und Kräutertee gemeinsam durchgezogen haben. Es sei alles gut gelaufen und sie fühle sich wie neugeboren, erzählte sie. Auch ihre Laborwerte waren top und bestätigten den Erfolg. »Aber, Herr Schwarz, das Beste ist: Wir haben in den zwei Wochen ganz nebenbei noch 300 Euro gespart, weil wir nicht einkaufen mussten!«

Mit Menschen, die ihre Gesundheit derart eigenständig – und noch dazu kostenlos – in die Hand nehmen, lässt sich allerdings kein großer wirtschaftlicher Gewinn erzielen. Weder die Lebensmittelhersteller noch die Pharmaindustrie oder die Klinikbetriebe verdienen daran, wenn Sie einfach eine Zeit lang nicht essen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin ja selbst approbierter Mediziner, und sowohl Arzneimittel als auch andere Therapiemethoden meiner Zunft haben natürlich ihre Berechtigung. Doch ich glaube, der fehlende monetäre Anreiz ist durchaus ein Grund dafür, dass es bislang noch verhältnismäßig wenige wissenschaftliche Studien zum Fasten gibt. Die Industrie wird solche Untersuchungen kaum finanzieren. Die bislang dünne Studienlage wiederum sorgt dafür, dass das Fasten seinen eher esoterischen Touch nicht so recht abschütteln kann. Und hier beißt sich die Katze dann in den Schwanz. Denn sind wir ehrlich: Welcher Staat und welche unabhängige Institution gibt schon gern Millionen an Fördergeldern für Forschung aus, um eine Methode zu erforschen, der ein eher fragwürdiger Ruf vorauseilt?

Fasten aus spirituellen Motiven

Ganz von der gesellschaftlichen Bildfläche verschwunden ist das Fasten natürlich nie – schon allein aus spirituellen Gründen. So ist Fasten seit Jahrtausenden wichtiger Bestandteil der Hindu-Religion, wobei es sich hier nicht um eine fest ritualisierte Pflicht handelt, sondern um eine freiwillige Handlung, die Anhänger dieser Glaubensrichtung aus verschiedenen Fastenpraktiken wählen können – vom Verzicht auf bestimmte Speisen über das Fasten an einzelnen Tagen bis zu einem ausgedehnten Wasserfasten.

Im Judentum und im Buddhismus wurde dem Fasten bereits früh eine reinigende Wirkung für Körper und Geist zugeschrieben. Muslime verzichten im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Und auch wenn das nicht das eigentliche Motiv ist: Aus rein medizinischer Sicht vollziehen sie damit eine Form des Intervallfastens. Den positiven gesundheitlichen Effekt machen viele aber durch abendliche Festgelage zunichte. Nun, es sei ihnen gegönnt! Gemeinsam zu essen ist eben auch gut für die Seele.

In der christlichen Tradition ist das Fasten ebenfalls fest verankert – 40 Tage vor Ostern und eigentlich auch im Advent, der Zeit, die heute eher von Plätzchen und Glühwein geprägt ist, also von noch mehr Kalorien statt Mäßigung. Der Verzicht in der christlichen Fastenzeit wird auch längst nicht mehr so streng gehandhabt wie einst: Im Mittelalter war den Christen in der vorösterlichen Fastenzeit lediglich eine Mahlzeit am Tag erlaubt. Der Genuss von Alkohol sowie Fleisch oder anderen tierischen Produkten war verboten. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Regeln gelockert, und heute geht es eher darum, bewusst auf Genussmittel oder bestimmte Dinge wie Fernsehen und Social Media zu verzichten. Auch das kann in gewisser Weise reinigend wirken, ist aber nicht das, was ich als Arzt meine, wenn ich vom Fasten und dem damit verbundenen Gewinn für die Gesundheit spreche.

Medizinisches Fasten im 21. Jahrhundert

Um fair zu bleiben: Es gibt natürlich auch in unserer Zeit Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen fasten. Oder, besser gesagt, es gibt sie wieder.

Das medizinisch motivierte Fasten erlebte eine Renaissance im Zuge der Lebensreformbewegung, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts insbesondere in Deutschland und der Schweiz aus verschiedenen Strömungen entstand. Ihre Anhänger übten Kritik an Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung und führten an, dass diese zu Zivilisationsschäden und Zivilisationskrankheiten führen würden. Eine Rückkehr zu einer naturverbundeneren Lebensweise sollte dieser krank machenden Entwicklung entgegenwirken. Mäßigung, Verzicht und eben das Fasten passten wunderbar zu dieser Sichtweise.

Vorreiter des Heilfastens in Deutschland war Anfang des 20. Jahrhunderts der Arzt Otto Hermann Ferdinand Buchinger. Buchinger war zunächst als Militärarzt tätig, schied aber 1917 als Invalide – mit schwerer rheumatischer Erkrankung und kaum funktionierender Leber – aus dem Dienst aus. Verzweifelt wandte er sich an den Freiburger Naturheilkundler Dr. Gustav Riedlin. Selbst von amerikanischen Naturmedizinern und Fastenärzten beeinflusst, verordnete Riedlin seinem Kollegen eine 19-tägige Fastenkur – mit vollem Erfolg: Buchinger fand seine Gesundheit zurück und konnte sein Rheuma heilen. Davon beflügelt, etablierte Buchinger eine eigene Fastenmethode.

Das Heilfasten nach Buchinger ist nach wie vor eine der bekanntesten und beliebtesten Methoden. Zwei bis vier Wochen lang – heute meist 7 bis  10 Tage – gibt es maximal 250 bis 500 Kilokalorien pro Tag. Erlaubt sind 250 Milliliter Gemüsebrühe, 250 Milliliter Obst- und/oder Gemüsesäfte, 30 Gramm Honig und dazu mindestens 2,5 Liter Wasser oder Kräutertee. Wer über einen langen Zeitraum fastet oder viel Sport treibt, darf seinen Speisezettel noch um bis zu 200 Gramm Milchprodukte pro Tag ergänzen.

Es gibt heute schier unzählige Varianten des Heilfastens: Saftfasten, Molkefasten oder Schleimfasten, bei dem es dünnen Getreidebrei zu löffeln gibt, um nur einige zu nennen. Im Trend liegt aktuell das »Scheinfasten« – eine Form, die aus den USA zu uns herübergeschwappt ist. Diese Methode geht ursprünglich auf den Zellbiologen und Gerontologen Prof. Valter Longo von der University of California in Los Angeles zurück. Mein sehr geschätzter Kollege Prof. Dr. Andreas Michalsen, der an der Charité in Berlin eine Stiftungsprofessur für Naturheilkunde innehat, hat sie aufgegriffen, weiterentwickelt und im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht. Rund 800 Kalorien dürfen bei dieser Kur auf drei Mahlzeiten verteilt verzehrt werden. Kompletter Verzicht gilt allerdings bei tierischen Produkten und Zucker.

Mir ist wichtig, klarzustellen, dass ich keine dieser Fastenmethoden in irgendeiner Weise schlechtreden möchte. Ich schätze es sehr, dass wir in der Gemeinschaft der Fastenforschenden einen sehr kollegialen und respektvollen Umgang miteinander pflegen. Schätzungsweise liegt das daran, dass es uns allen sehr am Herzen liegt, den größtmöglichen Gesundheitsgewinn für die Menschen zu erzielen, die uns und unseren Methoden vertrauen. Und wir wissen alle, dass wir dieses Ziel am besten verfolgen können, wenn wir in einem guten Austausch miteinander bleiben und bereit sind, voneinander zu lernen. So habe ich im Rahmen eines Fastenkongresses mit der kompletten Familie Buchinger/Wilhelmi gefrühstückt. Sie müssen wissen, dass die Nachkommen Otto Buchingers sich auch heute noch dem Fasten verschrieben haben – mit eigenen Fastenprogrammen und in den Buchinger-Kliniken, aber auch in der Forschung.

Mit Professor Andreas Michalsen tausche ich mich häufig aus und wir arbeiten auch auf verschiedenen Ebenen zusammen. Aktuell entwickeln wir gemeinsam große Pläne, um das Fasten und die Fastenforschung in Deutschland auf noch bessere Füße zu stellen.

Und Dr. Nicolai Worm, den geistigen Vater des »Leberfastens«, habe ich bei einem Kongress in der Pause kennengelernt. Ausgerechnet auf der Herrentoilette, die wir beide zeitgleich aufsuchten. Er begrüßte mich mit den Worten: »Herr Schwarz, das ist ja großartig, was Sie da machen!« – ein Kompliment, das ich ihm gern und mit Überzeugung zurückgeben konnte. Das Leberfasten nach Worm setzt während einer zweiwöchigen Kur vor allem auf Gemüse und einen von ihm entwickelten Proteinshake – mit dem Ziel, das Fett in der Leber zu reduzieren und einen Neustart für den Stoffwechsel zu erreichen. Das Faszinierende daran ist: Der Ernährungswissenschaftler hat sein Leberfasten bereits vor mehr als zehn Jahren entwickelt – in einer Zeit, in der man die Zusammenhänge zwischen Leberfett und Diabetes wissenschaftlich noch gar nicht so genau erklären konnte wie heute. Er hat also intuitiv in die richtige Richtung gedacht, und allein dafür zolle ich ihm meinen Respekt.

Leider wissen wir heute, dass eine Teilreduktion des Leberfetts nicht ausreicht. Der wirkliche Gesundheitseffekt setzt erst ein, wenn die Leber ganz frei ist von Fett – ein Zustand, der sich mit Wasserfasten erreichen lässt.

Königsdisziplin Wasserfasten

Was meine Fastenmethode von der meiner Kollegen unterscheidet? Ich bin radikaler! Denn keine der oben erwähnten Fastenkuren verzichtet vollständig auf Nahrungszufuhr – sie reduzieren sie lediglich mehr oder weniger drastisch. Mal gibt es Brühe und Gemüse, mal eine sehr kalorien- und kohlenhydratarme Kost, dann wieder gibt es einen speziellen Fastenshake. Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass auch das einen herben Verzicht bedeuten kann. Und ich bin sicher, dass diese Methoden alle ihren Nutzen haben, zu einem positiven Effekt für die Gesundheit führen und Sie damit sogar Leberfett in einem gewissen Umfang reduzieren können – aber eben nicht ganz. Daher möchte ich Ihnen nahelegen, keine halben Sachen zu machen und sich stattdessen in der Königsdisziplin zu versuchen: dem Wasserfasten, also dem vollständigen Verzicht auf Nahrung – und damit den schnellsten und stärksten Zugewinn an Gesundheit, der möglich ist. Warum, das will ich Ihnen gern erläutern.

Zunächst einmal verstehe ich gut, wenn es Ihnen leichter erscheint, über den Tag verteilt wenigstens noch ein bisschen Nahrung zu sich nehmen zu dürfen. Ich selbst hatte bei meiner ersten Annäherung an das Fasten ebenfalls die Idee, dass das die Sache vielleicht etwas erträglicher macht. Mein Plan war, am Tag ein wenig Krautsalat zu essen und mir am Abend, nach den Strapazen des Verzichts, ein Gläschen Wein zu gönnen. Der pure Wahnsinn eigentlich. Eine Kollegin, mit der ich damals Dienst in der Notaufnahme schob, quittierte dieses Vorhaben mit den Worten: »Du spinnst! Entweder du fastest richtig oder du lässt es einfach bleiben!«

Das war in gewisser Weise mutig von der Kollegin – war sie doch damals Assistenzärztin und ich bereits Professor. Und Sie wissen ja vielleicht, dass Hierarchien im Fachbereich der Medizin durchaus noch etwas zählen. Aber die junge Kollegin war so überzeugt von dem, was sie zu sagen hatte, dass sie sich von der akademischen Rangordnung nicht davon abhalten ließ, mir ordentlich den Kopf zurechtzurücken. Und ich bin ihr für ihre Unverblümtheit wirklich dankbar. Denn nicht nur, dass ich mir mit dem Alkohol den positiven Effekt des Fastens zu einem Gutteil zunichtegemacht hätte. Für den Organismus ist Alkohol ein Gift, das schnellstmöglich unschädlich gemacht und entsorgt werden muss. Das nimmt die Leber in Anspruch, die den Alkohol mit oberster Priorität verstoffwechselt, um ihn zu entgiften – der Fettabbau wird derweil gebremst. Außerdem entstehen beim Alkoholabbau Fettsäuren, die wiederum in der Leber eingelagert werden.

Dazu kommt, dass ich mir das Leben durch den Krautsalat nur unnötig schwer gemacht hätte. Denn ich hätte meinem Darm permanent Arbeit geliefert. Ist der Darm dagegen vollständig geleert – und das ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb eigentlich alle Fastenmethoden beinhalten, dass vorab abgeführt wird –, beruhigt sich die Darmbewegung. Das führt wiederum dazu, dass er weniger Botenstoffe ausschüttet, die »Hunger« signalisieren. Die allermeisten Hormone nämlich, die Hunger und Appetit signalisieren, kommen aus der Darmwand und werden ausgeschüttet, wenn sich der Darm bewegt.

Es mag psychologisch betrachtet leichter erscheinen, wenigstens ein bisschen zu essen. Sie wissen ja, wir tragen alle eine tief verankerte Angst in uns, verhungern zu müssen. Daher ist auch bei vielen die Bereitschaft größer, eine Fastenmethode zu probieren, bei der es zumindest noch ein klein wenig Nahrung gibt – selbst wenn es sich nur um winzige Mengen von 100 bis 200 Kilokalorien handelt. Diese Erfahrung hat bereits der kalifornische Fastenvorreiter Valter Longo gemacht, als er vorschlug, Krebspatienten mithilfe einer Fastenkur auf die Chemotherapie vorzubereiten (mit großem Erfolg übrigens). Ursprünglich wollte er, ähnlich wie ich es heute propagiere, seine Patienten auf eine Nulldiät setzen – und biss damit auf Granit. Gänzlich ohne wenigstens eine winzig kleine tägliche Mahlzeit wollte sich niemand darauf einlassen. Das war im Grunde die Geburtsstunde des bereits erwähnten Scheinfastens.

Das Problem an der Sache: Selbst winzige Nahrungsmengen stimulieren den Verdauungstrakt – mit der Folge, dass Sie Hunger und Appetit verspüren. Ich will nicht behaupten, dass beides beim Wasserfasten nicht auch auftreten kann. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sogar leichter ist, gar nicht zu essen, als dem Verdauungstrakt immer wieder ein kleines bisschen Nachschub zu liefern. Und genau so habe ich es ja auch selbst erlebt.

Viel gravierender ist aber: Der Fettabbau in der Leber funktioniert am besten, wenn überhaupt kein Nachschub mehr kommt. Beim Fasten schaltet der Stoffwechsel nach ein paar Tagen in einen anderen Modus um: die Ketose. Der Körper nutzt diesen Stoffwechselweg, wenn die verfügbaren Nährstoffe aufgebraucht sind und auch kein Nachschub mehr von außen kommt. So wie beim Wasserfasten. Die Ketose ist ein Stoffwechselzustand, bei dem der Körper zur Energiegewinnung auf die gespeicherten Reserven zurückgreift: Er nutzt das sonst nur schwer verfügbare Fett aus der Leber. Dabei entstehen die namensgebenden Ketonkörper – sehr energiereiche chemische Verbindungen. Sie fluten den Körper und versorgen so als Energieträger weiter entfernt liegende Organe und Gewebe. Doch wie gesagt: Die Voraussetzung dafür ist, dass dem Körper keine Energie mehr von außen zugeführt wird.

Sie ahnen vielleicht schon, was passiert, wenn Sie bei einer Fastenkur immer wieder ein wenig Nahrung zu sich nehmen, und sei es nur eine Kleinigkeit. Genau! Die Ketose wird jedes Mal unterbrochen, weil der Körper ja nun wieder auf leicht verfügbare Energie zurückgreifen kann. Dadurch wird das Fett in der Leber zwar reduziert und auch abgebaut, aber eben nicht vollständig. Genau das lässt sich aber mit Wasserfasten erreichen. Alternativ könnten Sie bei anderen Fastenmethoden die »verlorene Zeit« nachholen. Hochgerechnet müssten Sie dann aber sechsmal so lange fasten, um im Bezug aufs Leberfett den gleichen Effekt zu erreichen. Wollen Sie das?

So viel zur Theorie. Wie gut die einzelnen Fastenmethoden im echten Leben in Bezug auf das Leberfett abschneiden, untersuche ich derzeit gemeinsam mit meinen Kollegen Prof. Andreas Michalsen und Dr. Daniela Koppold, die auch bei mir im Institut gearbeitet hat. Bis wir hier die ersten handfesten Ergebnisse veröffentlichen können, wird es aber noch eine Zeit lang dauern. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass es schwierig ist, Mittel für die Finanzierung von Studien zum Fasten zu erhalten. Wir bauen daher gerade ein Fastenregister auf, um Daten von Fastenden zu sammeln und auswerten zu können. Um noch besser zu verstehen, was beim Fasten im Körper passiert.

Ich persönlich schwöre auf das Wasserfasten. Für mich steht fest: Es ist an der Zeit, das Fasten im großen Maßstab wiederzuentdecken und in unserem Kulturkreis zu etablieren. Das hat nichts mit Irrationalität, Esoterik und Geheimnissen zu tun. Es lässt sich gut erklären, was beim Fasten im Körper passiert und warum es die Gesundheit fördert. Darauf werde ich in den folgenden Kapiteln noch näher eingehen. Denn ich möchte, dass Sie verstehen, warum ein zeitweiliger Nahrungsverzicht gut ist für Ihren Organismus. Sie sollen ja, wenn Sie es selbst probieren wollen, aus Überzeugung handeln – und nicht, weil der Professor aus Dresden es gesagt hat.

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FASTEN IST TEIL DES EVOLUTIONÄREN ERBES

»Alles schön und gut, Herr Professor«, denken Sie jetzt vielleicht. »Verzicht hin, Minimalismus her – aber kann es denn überhaupt gesund sein, gar nicht zu essen?«

Ich will Ihnen an dieser Stelle eine kleine Anekdote erzählen, die sich vor ein paar Jahren auf einem internationalen Kongress zugetragen hat: Ich war selbst überrascht, als ich bei dieser Veranstaltung hörte, dass sich viele Hindus jedes Jahr eine Nulldiät verordnen. Ein amerikanischer Mediziner empörte sich und bezeichnete das Verhalten als »gefährlich«. Ein indischer Kollege konterte: »Nein, überhaupt nicht.« Daraufhin erwiderte der US-Bürger: »Ja, aber die Hindus haben bekanntlich keinen Diabetes.« Der Inder: »Jetzt wissen Sie auch, warum.« Ich – der Diabetologe, der damals schon aufs Wasserfasten schwor – musste lachen.

Natürlich kann ich es verstehen, wenn Sie erst mal Zweifel haben. Und damit sind Sie auch nicht allein. Ich bin mittlerweile bekannt. Menschen lesen Interviews mit mir, in denen ich über das Wasserfasten spreche, oder sie entdecken auf YouTube Videos, in denen ich mich zum Thema äußere. Andere finden meine Website zum Thema, über die ich auch Fastenbegleitung anbiete, oder sie hören von Freunden und Bekannten, dass sie das Wasserfasten durchgezogen haben, und werden neugierig. Und natürlich sind da meine eigenen Patienten, denen ich das Wasserfasten immer wieder zur Behandlung ihrer Stoffwechselerkrankung empfehle. Die Menschen kommen also aus völlig verschiedenen Richtungen auf mich zu. Kranke ebenso wie Gesunde wenden sich an mich, weil sie in Erwägung ziehen, meine Form des Wasserfastens auszuprobieren. Viele treibt dabei vor allem eine Sache um: »Geht das überhaupt, zwei Wochen lang auf Nahrung zu verzichten? Schade ich mir am Ende nicht mehr, als ich damit gewinne?«

Um es vorwegzunehmen: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Mensch vier bis sechs Wochen lang ohne Nahrung auskommen kann – und zwar ohne dass es in dieser Zeit zu einer Minderversorgung an Mikronährstoffen oder Vitaminen kommt. Entscheidend für das Überleben ist die Flüssigkeitszufuhr. Der Organismus ist sogar darauf ausgerichtet, auch längere Hungerphasen zu überleben. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Niemals zu hungern ist gegen die Evolution und die menschliche Biologie!

Das evolutionäre Erbe

Lassen Sie uns einen Blick auf die Menschheitsgeschichte werfen. Die ältesten Fossilien des Homo sapiens datieren ungefähr 300 000 Jahre zurück. Forschenden vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gelang es vor einigen Jahren, Knochenfunde aus der Höhle Djebel Irhoud in Marokko eindeutig unserer Spezies zuzuordnen und sie auf dieses stolze Alter zu datieren.

Warum ich das erzähle? Weil ich denke, dass Sie diese Fakten kennen und sich diese immensen Zeiträume bewusst machen sollten. Denn nur dann können Sie nachvollziehen, warum unser evolutionäres Erbe vorsieht, dass wir eben ab und an auch mal Hungerphasen durchmachen müssen, um gesund zu bleiben – und warum sich unser Stoffwechsel nicht mal eben auf das Leben in einer westlichen Industrienation umprogrammiert.

300 000 Jahre sind eine unfassbar lange Zeit. Und die Entwicklungsgeschichte des Menschen reicht noch viel weiter zurück: Der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse lebte wissenschaftlichen Berechnungen zufolge vor rund sechs Millionen Jahren. Nach allem, was Anthropologen und Anthropologinnen herausgefunden haben, hat sich die Ernährungsweise in dieser Zeit immer wieder verändert: vom reinen Pflanzenköstler zum zeitweisen Allesfresser, der seinen Speisezettel ab und an durch Aas ergänzte, hin zum Jäger und Sammler und später auch zum Ackerbauern. Doch egal, welche Kost unsere Vorfahren in der jeweiligen Entwicklungsperiode bevorzugten – sie mussten für ihre Mahlzeiten immer schwer schuften. Sie legten weite Wege zurück auf der Suche nach Essbarem, verausgabten sich bei der Jagd und ackerten auf ihren Feldern. Gleichzeitig erlebten sie immer wieder Zeiten, in denen das Nahrungsangebot knapp war, weil Dürren, Überschwemmungen, Feuer und andere Katastrophen die Ernte vernichteten oder das Sammeln von Nüssen, Samen, Beeren und Wurzeln unmöglich machten. Weil der dringend benötigte Jagderfolg ausblieb. Weil zu bestimmten Jahreszeiten – in unseren Breiten etwa im Winter – der Essensnachschub knapp war und die Vorratskammer irgendwann leer. Und weil Stammesfehden, Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung den Zugang zu Essbarem immer wieder limitierten.

Auf diese immer wiederkehrenden Phasen des Mangels hat die Evolution eine Antwort gefunden. Wir haben einen enormen Appetit auf energiereiche Nahrung entwickelt, also beispielsweise Süßes und Fettiges. Und wir besitzen die Fähigkeit, uns einen Vorrat anzufuttern – in Form von Fettreserven, von denen man in Zeiten des Mangels zehren konnte. Der Mensch machte also über Jahrtausende das, was wir bei Tieren beobachten können, wenn sie sich eine Speckschicht für den Winterschlaf anfressen.

Dieses evolutionäre Erbe tragen wir noch immer in uns. Doch zumindest in unseren Breiten haben sich die Lebensbedingungen seit den Wirtschaftswunderjahren, also vor allem in den letzten 70 bis 80 Jahren, drastisch geändert. Nahrung ist für die meisten von uns quasi rund um die Uhr verfügbar, der Weg zum gut gefüllten Kühlschrank und zum nächsten Supermarkt in der Regel nicht weit. Körperlich anstrengen müssen wir uns also nicht, um uns die Bäuche zu füllen. Gleichzeitig strotzt das Angebot vor fettigen, süßen und salzigen Speisen, bei denen wir – dank des über Jahrmillionen etablierten Programms – kräftig zulangen.

Die Nahrungsmittelindustrie trägt mit Produkten wie Schokoriegeln und Cornflakes, mit frittierten Kohlenhydraten und mit stark verarbeiteter Fertignahrung, die mit verstecktem Zucker und unsichtbarem Fett »aufgepeppt« wurde, ihr Übriges dazu bei. Nahrung wurde von Lebensmittelchemikern derart optimiert, dass sie einfach unwiderstehlich ist – obwohl sie oft wenig von dem enthält, was unserem Körper guttut, und mehr von dem, was billig ist, uns zudem nach mehr verlangen lässt und letztlich unserer Gesundheit schadet. Ich selbst habe im Rahmen eines Experiments von Kollegen mal die, wie ich fand, leckerste Pizza meines Lebens verkostet. Wie ich hinterher erfuhr, gab es dabei jedoch einen Haken: Sie enthielt nichts, aber auch gar nichts, was normalerweise in eine gute hausgemachte Pizza gehört (und die ist mit ihrem Gehalt an Fetten und Kohlenhydraten schon nicht die allerbeste Ernährungswahl). Diese Pizza, wenn man dieses belegte Etwas überhaupt noch so nennen möchte, war ein Meisterstück der Lebensmittelchemie.