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Der "Wegbegleiter" ist eine Neubearbeitung des Gebetbuches der "Amish People" und Mennoniten. 1708 das erste Mal unter dem Titel "Die ernsthafte Christenpflicht" erschienen, durchlief es bis heute über 100 Auflagen. Es ist unser Anliegen, diesen bewährten Schatz an Gebeten und Texten unserer Generation neu zugänglich zu machen. Enthalten sind im "Wegbegleiter" · mehr als 70 Gebete für das persönliche Andachts- und Gemeindeleben · erklärende Texte und Impulse zur Andacht · Vier Lieder über das Gebet · Ein Traktat über die Heiligung von Gedanken, Worten und Taten · Die Auslegung von Psalm 25 von Menno Simons · Eine Darstellung des Glaubens der wehr- und rachelosen Christen (Mennoniten) · Die Artikel von Schleitheim 1527 · Das Dordrechter Bekenntnis 1632 · Täuferische Spiritualität zwischen Biblizismus und Mystizismus · Anregungen zum Leben als Hausgemeinden nach den alten Ordnungen
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Seitenzahl: 462
Veröffentlichungsjahr: 2016
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„Wir bitten Dich, Du heiliger Vater, erbarme Dich über uns, wie sich ein barmherziger Vater über seine Kinder erbarmt, und sende uns Deinen heiligen Engel von oben herab als einen WEGBEGLEITER, dass er vor uns her gehe und für uns kämpfe gegen unsere Feinde und Widersacher.“ (S. →)
Einband und S. →: Anabaptist Suisse: www.museeprotestant.org
S. →: Ernsthafte Christenpflicht 1808:
www.liveauctioneers.com/item/22295677_1808-ephrata-die-ernsthafte-christenpflicht
S. →: Swiss Anabaptist: art.famsf.org/swiss-anabaptist-costume-illustration-l
S. →: Dirk Willems: en.wikipedia.org/wiki/Dirk_Willems
Vorwort
Einleitung
Überlegungen, warum uns das Beten oft schwer fällt:
Wir haben einen unsichtbaren Gott
Wir haben eine sündhafte Natur in uns
Wir wissen nicht wie – uns fehlen die Worte
Wir bereiten uns zu wenig vor
Wir ermessen nicht die Größe dieses Privilegs
Laut oder leise beten?
Aufbau des Gebetsbuchs
Quellen
Das Vater Unser
mit Erklärung
Morgen- und Abendgebet
(CP 124+125)
Gebete und Andachten für eine Woche
Sonntag
Psalm 122
Morgengebet (CP 252)
Gebet um Einigkeit des Sinnes und Verstandes in göttlichen Sachen. (CP 96)
Allgemeines Gebet für die Glaubensgeschwister (Hutt.Ep. I, S. 116)
Abendgebet (CP 255)
Montag
Psalm 75
Morgengebet (W)
Gebet um das Reich Christi (CP 81)
Abendgebet (CP 152)
Dienstag
Psalm 120
Morgengebet (CP 3)
Gebet um die Nachfolge Christi (CP 79)
Abendgebet (CP 253)
Mittwoch
Psalm 84
Morgengebet (Ev.Ges.B. 1901, 38)
Gebet um Erhaltung im christlichen Glauben und den christlichen Tugenden bis zum seligen Ende (CP 138)
Abendgebet (W)
Donnerstag
Psalm 5
Morgengebet (CP 142)
Gebet um Reinheit des Herzens (CP 51)
Abendgebet (W/Ev.Ges.B. 1901, 46)
Freitag
Psalm 22
Morgengebet (W/Ev.Ges.B. 1901, 47)
Gebet um Trost für die um das Bekenntnis der Wahrheit willen Vertriebenen und Verfolgten (CP 75)
Abendgebet (W/LB 883)
Samstag
Psalm 67
Morgengebet (LB 880)
Gebet um treue Arbeiter in die Ernte des Herrn (W/CP 93)
Abendgebet (Ev.Ges.B. 1901, 48)
Lieder
Mein Herz ist schon gewöhnet (CP 247)
Ermunterung zum Gebet (CP 242)
Morgenlied (CP 244)
Segenslied nach 4.Mose 6,24-26 (CP 249)
Gebete für viele Anliegen
Eine Erinnerung an etliche Anliegen, für die wir treu zu Gott seufzen und beten sollen (CP 101)
Gebet um das rechte Bitten (LB 879)
Gebete nach biblischen Texten
Gebet aus dem Brief des Paulus um die Erleuchtung des Herzens (CP 95)
Gebet des Königs Manasse (CP 102/LXXd)
Gebet des Propheten Daniel (CP 103/Sch2000)
Verschiedene längere Gebete
In vielen Anliegen und Nöten (CP 11)
Ein anderes schönes Gebet (CP 21)
Noch ein anderes schönes Gebet (CP 29)
Ein Gebet in sechzehn Abschnitten (Anbetung, Tugenden, Vergebung, Fürbitte für Gläubige, für Notleidende, für uns allgemein, gegen die Spaltungen, für die Gefallenen, für die Prediger, für die Obrigkeit, für die Feinde, gegen die Erzfeinde, für die Gutherzigen, Danksagung, Abschluss) (CP 32)
Ein anderes Gebet (CP 53)
Ein weiteres schönes Gebet (CP 62)
Ein anderes andächtiges Gebet (CP 110)
Spezielle Gebete
Trost in leiblicher Armut (CP 86)
Gebet eines Reisenden (CP 91)
Gebet bei eines traurigen und betrübten Menschen (CP 104)
Gebet eines reuvollen Sünders (CP 256)
Gebet für den Kranken (CP 127)
Trostgebet eines Kranken (CP 131)
Gebet um Erhaltung im christlichen Glauben (CP 138)
Gebet gläubiger Eltern für ihre Kinder (CP 144)
Gebet für Kinder und junge Leute (LB 884)
Gebet und Herzensgedanken in unseren Berufsgeschäften (LB 881)
Tischgebete
Gebet vor dem Essen (CP 126)
Gebet vor dem Essen nach Ps 145 (LB 882)
Ein kurzes Gebet vor dem Essen (LB 882)
Gebet nach dem Essen (CP 126)
Gebet nach dem Essen nach Ps 147 (LB 882)
Ein anderes Gebet nach dem Essen (LB 883)
Gebet nach dem Essen im Gedenken an die Armen (W)
Gebete zum Gemeindeleben
Zur Taufe, Tauffragen
Gebet eines bußfertigen Menschen, der getauft werden will (LB 885)
Gebet bei der heiligen Taufe (CP 117)
Gebet für die Gläubigen (Hutt.Ep. III, S. 70)
Die Predigt
Gebet vor der Predigt (CP 108)
Gebet vor der Predigt (LB 886)
Gebet nach der Predigt (CP 114)
Gebet nach der Predigt (LB 886)
Das Abendmahl
Gebet zur Einstimmung auf das Abendmahl (CP 120)
Gebet vor dem heiligen Abendmahl (LB 887)
Danksagung beim Brotbrechen (CP 121)
Danksagung bei der Austeilung des Trinkbechers (CP 122)
Danksagung nach dem heiligen Abendmahl (LB 888)
Die Fußwaschung
Gebet zur Fußwaschung (W)
Die Hochzeit
Gebet bei der Trauung (CP 123)
Tod und Sterben
Gebet um ein seliges Ende (CP 258)
Gebet in Todesnöten (Hutt.Ep. III, S. 71)
Gebet bei einem Leichenbegängnis (CP 133)
Gebet vor der Leichenpredigt (CP 262)
Gebet nach der Leichenpredigt (CP 264)
Anhänge
Das geistliche Lustgärtlein - 1727
oder Regeln eines gottseligen Lebens (CP 216)
Die Gedanken
Die Worte
Die Taten
Menno Simons: Der Psalm 25, gebetsweise ausgelegt - 1539
Die Schleitheimer Artikel 1527
Die Taufe
Der Bann
Das Brotbrechen
Die Absonderung
Die Hirten der Gemeinde
Das Schwert
Der Eid
Geschichte und Entwicklung der Taufgesinnten 1525 bis 1664
Eine kurze Darstellung des Glaubens des wehr- und rachelosen Christentums 1664 (CP 146)
Vorrede
Gottes Gnade bewirkte die Reformation
Anfängliche Einmütigkeit der Reformatoren gegen die Kindertaufe
Die Trennung über die Tauf- und andere Lehrfragen
Zum Eidschwören
Die äußere Wehr und Waffen
Die mangelnde Besserung des Lebens
Der Eifer der ersten Täufer
Ihr kurzes Wirken und Martyrium
Verschlimmerung der Lage durch den Bauernkrieg
Ausbreitung und Wachstum der rachelosen Christen
Zwietracht, Spaltung und Versöhnung
Die Raserei von Münster
Das Reich Gottes wird nicht mit dem Schwert errichtet
Das Verhältnis zur Obrigkeit
Das Glaubensbekenntnis ist aus dem Leben der Frommen zu lesen
Warum wir zu dulden sind
Der lange Weg zur Gewissensfreiheit
Appell und Schlusswort
Das Dordrechter Bekenntnis 1632
(CP 184)
Vom Glauben an Gott, der Schöpfung des ersten Menschen und aller Dinge
Von der Übertretung des göttlichen Gebots durch Adam
Von der Wiederaufrichtung und Versöhnung des menschlichen Geschlechts mit Gott
Von der Ankunft unseres Erlösers und Seligmachers Jesus Christus
Von der Einsetzung des neuen Testaments durch unseren Herrn Jesus Christus
Von der Buße und Besserung des Lebens
Von der heiligen Taufe
Von der Gemeinde Gottes
Von der Erwählung der Diener in der Gemeinde
Vom hochwürdigen Abendmahl des Herrn
Vom Fußwaschen
Vom heiligen Ehestand
Von der Obrigkeit
Von der Rache und Gegenwehr
Vom Eid oder Eidschwören
Vom Bann oder Absonderung von der Gemeinde
Wie die Gebannten und Abgesonderten von der Gemeinde zu meiden sind
Von der Auferstehung der Toten
Spiritualität zwischen Formalismus und Mystizismus
(zur Geschichte der „Christenpflicht“) (W)
Die Hausgemeinde
eine Handreichung (W)
Vorwort
Die rechte Gesinnung
Bibelstudium
Gebet
Lehre
Versammlung
Taufe
Abendmahl
Gemeinschaft in den zeitlichen Gütern
Ermahnung, Ordnung, Unterordnung
Das Ringen um die Einheit
Fußwaschung
Herzliches Grüßen
Absonderung im Lebenswandel und der äußeren Erscheinung
Nachwort
„Kommt, laßt uns anbeten und uns beugen, laßt uns niederfallen vor dem Herrn, unserem Schöpfer!“ (Ps 95,6)
„Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter.“ (Joh 4,23)
„Betet zu jeder Zeit mit allem Gebet und Flehen im Geist, und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen.“ (Eph 6,18)
„Ich will mit dem Geist beten, ich will aber auch mit dem Verstand beten.“ (1.Kor 14,15)
Gnade und Frieden im Namen unseres Gottes und Vaters und unseres Herrn Jesus Christus. Ihr Lieben, es ist ein unermessliches Vorrecht, Gott im Gebet anrufen zu dürfen; den Gott, vor dessen Zorn aufgrund unserer Sünden wir uns natürlicherweise am liebsten im hintersten Winkel der Erde verbergen würden. Doch Gott gefiel es einen Weg zu bahnen, der Versöhnung möglich macht zwischen dem dreimal heiligen Schöpfer und Seinen gefallenen Geschöpfen. Der Herr Jesus, Gottes Sohn, kam in diese Welt, um durch Sein Blut das Lösegeld zu leisten, welches uns aus der Macht der Sünde, des Teufels und des Todes freikauft, um uns zu Kindern Gottes und Bürgern des Reiches Gottes zu machen.
Diese Wahrheiten des Evangeliums wurden im Lauf der Geschichte immer wieder von menschlichen Traditionen und Irrtümern überlagert, was viele in Unwissenheit und Unkenntnis der Liebe Gottes gefangen bleiben ließ, sodass sie, obwohl aufrichtig Gott suchend, doch nicht die herrliche Freiheit der Kinder Gottes erleben konnten. Deshalb gab es immer wieder Reformbewegungen, die das Licht des Evangeliums wieder auf den Leuchter stellen wollten. Man kann an die Waldenser denken, an John Wycliff, an Jan Hus und die böhmischen Brüder, an Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin.
Eine Bewegung die mehr als die anderen neben den Glaubenswahrheiten auch den Lebensstil und die Gemeindepraxis der frühen Kirche wiederherstellte, war die Bewegung der Täufer (von ihren Gegnern verächtlich „Wiedertäufer“ genannt). Sie sind ein „Ableger“ der Schweizer Reformation (1525) und die Ahnherren der heutigen Freikirchen, auch wenn die meisten sich dessen nicht bewusst sind.
Ihren Namen haben sie daher, dass sie keine Kinder mehr tauften, sondern nur jene, die wirklich aus freien Stücken dem Herrn Jesus nachfolgen und einen in der Liebe tätigen Glauben lernen wollten. Dieser Glaube orientierte sich sehr stark an der Bergpredigt, der Gesinnung geistlich arm zu sein, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten, sowie die Feinde zu lieben und keine Eide zu schwören. Während die Taufe das äußere Merkmal war, das die Welt wahrnahm, ging es diesen Christen vorrangig um die Nachfolge Jesu, Selbstverleugnung, Mission, Gemeinschaft der Heiligen bis hin zur Gütergemeinschaft – kurz: Die Liebe zu Gott und den Menschen und die Absonderung von der Welt und ihren Werken. In den Anhängen dieses Buches kann man zwei wichtige Bekenntnistexte der Bewegung studieren: Die Artikel von Schleitheim (1527) und das Bekenntnis von Dordrecht (1632).
Wer die direkten Nachkommen der Täufer, die Amischen, Hutterer und Mennoniten, kennt, findet sie vielleicht interessant oder befremdlich. Die wenigsten kennen jedoch das geistliche Leben dieser Bewegung. Diesem widmet sich dieses Buch.
Es ist nicht als „historisches“ Büchlein gedacht, das allein der historischen Neugierde wegen gelesen werden will, sondern als ein Andachts- und Gebetbuch, das zum Mitbeten einladen will. Wer sich darauf einlässt, wird bald merken, dass es sich von modernen Andachts- und Gebetbüchern aus freikirchlichem Hintergrund unterscheidet und herausfordernd abhebt. Es sind Gebete einer verfolgten Gemeinschaft, einer Gemeinschaft, die danach ringt, Gott in allem wohlgefällig zu sein, die nicht viel von der eigenen Weisheit und Kraft hält und deshalb alles von Christus erwarten muss. Es sind Gebete von Christen, die mit ihrer Sünde ringen und nicht aufgeben; Christen, die einen großen, liebevollen, barmherzigen und heiligen Gott haben, an den sie sich klammern.
Die Gebete sind durchdrungen vom Wort Gottes, und doch mögen sie den einen oder anderen theologisch irritieren, denn sie berufen sich vor Gott nicht auf ihre Heilsgewissheit. Sie erwarten auch nicht, ohne Buße und Heiligung in die Herrlichkeit eingehen zu können. Sie haben ein Verständnis vom Königreich Gottes und der Nachfolge Christi, welches vor allem eines erfordert: Demut als die Wurzel und das Fundament aller Tugenden.
Hier bleibt kein Rühmen für uns selbst, aller Ruhm und alle Ehre gebühren dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.
In diesem Gebetbuch soll unsere Generation von Gläubigen ermuntert werden, gewissermaßen gemeinsam mit den Vätern unserer Glaubensbewegung, den Täufern, zu beten und beten zu lernen.
Wir beziehen die meisten Gebete aus der erstmals 1708 erschienenen „Die ernsthafte Christenpflicht“,1 welches bis heute das Gebetbuch der Amischen Gemeinden in den USA und Kanada ist, sowie aus anderen täuferischen Quellen. Wir gebrauchen es regelmäßig, privat und in unseren Hausgottesdiensten, und stimmen damit ein in die Glaubens- und Lebenssicht von Christen, die unter viel größeren Entbehrungen als wir dem Herrn die Treue zu halten entschlossen waren.
So gerne wir jedem diese Christenpflicht empfehlen und ans Herz legen möchten, so sehr müssen wir doch auch zur Kenntnis nehmen, dass sowohl die alte Schrift als auch die altertümlichen Formulierungen viele mehr abschrecken als zum Gebet ermuntern. Daher geben wir in diesem Buch die Gebete der Christenpflicht in modernerem Deutsch wieder, gruppieren sie thematisch und ergänzen diese mit weiteren Gebeten und Texten aus täuferischem Hintergrund.
Auch mag der Titel „Die ernsthafte Christenpflicht“ abschrecken, als sei Gebet eine trockene und ernste Pflichterfüllung. Das soll es nicht sein, obwohl beim Gebet schon auch etwas von „Verpflichtung“ mitschwingt, da mit dem Gebet viele Verheißungen verbunden sind Gottes Handeln in für uns schwer begreiflicher Weise an unsere Treue im Gebet gebunden ist. Das Unbehagen, das viele mit dem Begriff „Pflicht“ verbinden, kommt nicht vom Heiligen Geist. Den negativen Beigeschmack erhielt es erst durch die Aufarbeitung der deutschen Geschichte des Dritten Reichs, als „Pflichterfüllung“ oft als Ausrede für Mitläufertum gebraucht wurde. Christus will gewiss keine Mitläufer! Das Unbehagen mit jeglicher „Pflicht“ hat aber auch seinen Ursprung in der uns lebenslang anhaftenden Natur des gefallenen Menschen, der sich aufgrund seiner Sünde vor Gott verstecken will, statt sich Ihm und Seiner Gnade zu offenbaren. Geistliche Pflichterfüllung ist jedoch eine Tugend, die eng mit Wahrhaftigkeit und Treue verbunden ist, nämlich dem Tun dessen, was mit den Lippen zugesagt wurde, damit unser Ja auch ein Ja bleibe.
Vielen, auch lange gläubigen Christen, ist in beschämender Weise bewusst, wie dürftig ihr Gebetsleben ist. Obwohl sie dem Herrn herzlich verbunden sind und die Bibel wirklich gut und gründlich kennen, auch keine Scheu haben, ihren geliebten Herrn Jesus Christus vor den Menschen zu bekennen – wenn es sein soll mit ihrem eigenen Blut. Doch wenn es um das regelmäßige Gebet geht, dann bekennen sie und wir, wie schwer es uns oft fällt. Dieses Buch will uns auf unserem geistlichen Weg an der Hand nehmen und begleiten – es ist wie eine Schule des Gebets gedacht und zusammengestellt.
Die Gebete in diesem Buch kommen aus einer Märtyrerbewegung und einer Zeit, als das Leben allgemein härter und ungewisser war, als wir es heute empfinden. Angesichts der heutigen Christenverfolgung ist es uns ein besonderes Anliegen, einen Blick auf den Herrn im Glauben zu gewinnen, der die Welt, in der wir leben, als das sieht, was sie ist: Ein Tal des Todesschattens. Darin warten geängstigte Seelen auf die Befreiung durch Christus, also auf uns als Seine Botschafter. Aber wir dürfen uns nicht erwarten, in dieser gefallenen Welt Erfüllung, Freude oder Lebenssinn zu finden, sondern vielmehr Kreuz, Verachtung, Verfolgung und Tod. Deshalb soll unsere Beziehung zu dieser Welt eine abgesonderte, eine distanzierte sein.
Wenn wir nun schon unseren Mangel erkennen – erkennst Du ihn auch? – was hindert und entmutigt uns, noch mehr und intensiver im Gebet zu der Quelle lebendigen Wassers zu gehen (Jer 2,13)?
Wir sehen mehrere Hindernisse für das Gebet, die wohl nicht nur auf uns, sondern auf viele zutreffen.
Das verleitete Israel zum Götzendienst und die Katholiken zum Anfertigen von Bildern. Das können wir nicht tun – was aber ist die Lösung dafür? Paulus sagt, wir sollen uns Christus vor Augen halten, aber eben nicht vor die leiblichen Augen, sondern vor die Augen des Herzens (Gal 3,1). Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen (2.Kor 5,7). Halten wir das einmal fest, damit wir nicht durch allzu menschliche Ideen vom lebendigen Gott weggezogen werden.
Denken wir auch daran, wie gut es ist, dass wir den Herrn nicht sehen, denn einerseits ist Er immer größer als wir denken können. Könnten wir Ihn sehen, reduzierte das dann Seine Größe nicht auf das für uns Wahrnehmbare? Seine Selbsterniedrigung in der Knechtsgestalt Jesu ließ Ihn in für viele geradezu anstößiger Weise klein und schwach werden. Das ist der eine Nutzen Seiner Unsichtbarkeit, dass nichts von Seiner Größe geschmälert wird. Der andere Segen, Ihn nicht sehen zu können, besteht darin, dass wir Sein Licht nicht ertragen könnten. Alle Heiligen der Schrift, denen dies „vergönnt“ war, fielen zu Boden wie tot (Offb 1,17). Niemand, der sich seiner Sündhaftigkeit bewusst ist, würde sich anmaßen bei dieser ewigen Glut zu stehen (Jes 33,14) und den HERRN in Seiner Schönheit sehen zu wollen (Jes 33,17): „Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!“ (Jes 6,5), erkannte der Prophet Jesaja in solch einer Situation. Und sagte nicht der Herr Jesus zu Thomas: „Glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29)?
Dass wir eine neue Geburt erlebt haben und der Geist in uns wohnt, wenn wir aufrichtig zum Herrn umgekehrt sind und getauft wurden, ist eine Wahrheit, die weit über der folgenden Tatsache steht: Wir leben immer noch im Fleisch unserer gefallenen Natur mit seinen Begierden, die gegen den Geist Gottes gerichtet sind (Gal 5,17). Dieses Fleisch führt uns immer wieder in die Sünde, dieses Fleisch neigt auch dazu, diese Sünden zu rechtfertigen oder schönzureden. Dieses Fleisch treibt uns weg von Gott, unserem Schöpfer, Erhalter und Erlöser, will sich vor Ihm verstecken wie Adam in Eden. Darum suchen wir nicht die Gemeinschaft mit Gott im Gebet, wenn wir ein fleischliches Leben führen. Wir werden ohne Gebet aber auch kein geistliches Leben führen können – im Gegenteil, es ist eine subtile Verführung des Fleisches „fromm ohne Gebet“ leben zu wollen. Zu einem disziplinierten und regelmäßigen Gebetsleben gehört es also, den Feind in uns zu erkennen und zu überwinden. Hier beginnt der Weg der Selbstverleugnung und des Kreuzes, indem wir das Fleisch mitsamt seinen Begierden als mit Christus gekreuzigt und entmachtet betrachten (Gal 5,24) und die Regungen zur Sünde im Namen des Herrn töten (Kol 3,5).
Wenn uns nun diese beiden Hindernisse bewusst sind, kommt hinzu, dass wir Gebet nicht in die Wiege gelegt bekommen; vielfach fehlt es an Vorbildern. Es fühlt sich für uns gefallene Menschen zuerst einmal „unnatürlich“ und „fremd“ an, mit einem Wesen unbeschreiblicher Größe und Majestät zu reden, ohne Es zu sehen. Wenn wir uns also unserer Kleinheit bewusst sind, wie sollen wir den Größten dann gebührend anreden? „Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte“, baten die Jünger Jesu deshalb ihren Herrn (Lk 11,1). Er lehrte sie daraufhin das „Vater Unser“.
In der freikirchlichen Tradition ist es eher verpönt, auswendig gelernte Gebete aufzusagen. So kennen und praktizieren viele nur das freie Gebet. Was aber drückt diese Tradition eigentlich aus? „Wir können selbst beten und benötigen keine Anleitung.“ Oder „Gebet, das ist ganz einfach, das kann jeder.“ Oder „Wir reden mit Gott wie mit jedem anderen Menschen.“ Wir wollen die Geschwister in ihrer Naivität nicht verurteilen, aber die meisten haben trotz dieser Überzeugungen dennoch Mühe, ein reiches Gebetsleben zu führen.
Nun war diese Selbstsicherheit gerade nicht die Gesinnung der ersten Christen. Obwohl wir in der Bibel das Vater Unser sonst nicht weiter sehen, war es doch in den apostolischen Gemeinden üblich, das Vater Unser zu beten – und zwar dreimal täglich.2 Natürlich sollen wir nicht dabei stehen bleiben, sondern – ausgehend von der Gebetsunterweisung des Herrn – weiterlernen, unsere Gebetszeiten ausdehnen, einen Blick für die Anliegen des Herrn entwickeln und in der Fürbitte zunehmen.
Unsere wachsende Erkenntnis Gottes wird uns in der Anbetung leiten; wir werden so viele Gründe für Lob, Preis und Dank finden, dass wir die Psalmdichter nicht nur verstehen werden, sondern selbst Psalmen, Lieder oder Gebete niederschreiben (Kol 3,16). So werden wir auch brauchbar zur Erbauung der Gemeinde (1.Kor 14,26), indem wir in der Versammlung der Heiligen die Größe und Herrlichkeit des Lebendigen rühmen. Das ist auch der Nutzen von Gebetbüchern, die von solchen Brüdern und Schwestern verfasst und zusammengestellt wurden, die uns auf diesem Weg einige Schritte voraus sind, deren Glauben und Wandel wir nachahmen können.
Wenn wir kommen, um Gnade um Gnade aus Seiner Hand zu empfangen (Joh 1,16), dann treten wir nicht wie in einen Tante Emma Laden und bestellen dort 100g Gnade vom Verkäufer. Wir treten heran zum Thron der Gnade (Heb 4,16), und auf dem Thron sitzt einer (Offb 4,2), zu dem der Sünder kaum den Blick zu erheben wagt (Lk 18,13). Wir nahen auf Seine liebevolle Einladung hin (Eph 2,14-18), doch diese Liebe ändert nichts daran, dass unser Gott ein verzehrendes Feuer ist, dem wir mit Scheu und Furcht dienen (Heb 12,28-29). Die Liebe lässt uns in diesem Licht leben und erhöht uns zur Gotteskindschaft. Dennoch und darum sollen wir vorbereitet kommen (Heb 10,19-22); bereit, unsere Sünden mit Reue zu bekennen, geleitet durch Sein Wort, das uns den Herrn in Seiner Herrlichkeit offenbart.
Wenn der Herr auch der erste Gedanke beim Aufstehen sein soll, so ist es sinnvoll, die Gebetszeit nicht im verschwitzten Bett zu halten, sondern sich zu erheben und den gewohnten Ort aufzusuchen, an dem man die Andacht hält. Es ist die Erfahrung und Meinung vieler, dass es hilfreich ist, einen festen Ort dafür zu haben, an dem die Bibel, das Gebetbuch und eventuell auch ein Liederbuch griffbereit liegen. Es soll ein möglichst ungestörter Ort sein; der Herr sprach davon, die Tür hinter sich abzuschließen (Mat 6,6).
Ob man die Andacht vor oder nach dem Frühstück und der Morgentoilette hält, ist zweitrangig – die innere Haltung ist es, die zählt. Diese innere Haltung kann unterstützt werden, zum Beispiel, indem man zum Gebet steht (Mk 11,25) oder sich niederkniet (Lk 22,41). Das verdeutlicht uns, vor wem wir stehen (oder knien) und hilft uns, unser Herz darauf auszurichten, dem König aller Könige und Herrn aller Herrn zu begegnen.
Wenn Frauen schon in der Versammlung angehalten sind, ihr Haupt zu bedecken (1.Kor 11,2-16), halten wir es für angemessen, wenn sie dies auch in der persönlichen Andacht tun. Damit unterstreichen sie ihre Verbundenheit mit der ganzen Gemeinde und den heiligen Engeln (Heb 12,22-24). Dann werden uns auch die Formulierungen der überlieferten Gebete natürlicher vorkommen, denn sie sind geprägt von einem tiefen Bewusstsein von der Würde des Augenblicks und des Vorrechts dieser „Audienz“ beim Schöpfer. Deshalb ist eine plumpe, allzu vertrauliche Alltagssprache unangemessen.
Vielleicht ist dieser letzte Ausdruck ein guter Vergleich, der veranschaulicht, was ein Gebet von jedem anderen Gespräch unter Menschen unterscheidet: Wir begegnen dem Herrscher des Universums wie einem König bei einer Audienz. Wir betreten im Geist den himmlischen Thronsaal, in dem die Engel ihre Angesichter und Füße bedecken und alles erfüllt ist von ihrem Ruf: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen!“ (Jes 6,3) Wer das vor seinem geistigen Auge sieht, wird er sich nicht sorgfältig auf die Gebetszeit vorbereiten?
Gott war in Christus, schreibt Paulus, und versöhnte die Welt mit Sich selbst (2.Kor 5,19). Das ist an sich schon eine gewaltige Aussage, aber der Preis ist unermesslich: Die Leiden, die unser Herr Jesus auf Sich nahm, um uns aus der Macht Satans, der Sünde und des Todes freizukaufen, umfassten das volle Repertoire menschlicher Grausamkeit in der Antike: Die Kreuzigung, inklusive der vorangegangenen Geißelung, des Schlafentzugs, demütigender Verhöre und öffentlicher Bloßstellung und Verhöhnung. Das taten die Geschöpfe mit dem Schöpfer! Als Petrus zu Pfingsten dann von der Auferstehung dessen redete, den wir gekreuzigt haben (Apg 2,36), so ist mit dem „wir“ nicht bloß die Menge der Jerusalemer Bürger gemeint, die diese Kreuzigung von Pilatus forderte. Dieses „wir“ schließt auch uns ein, denn auch unsere Sünden trug das Lamm Gottes auf diesem Kreuz.
Darum müssen auch wir uns in der Taufe mit dem Tod Christi eins machen, um ebenso an Seinem ewigen Leben Anteil zu erhalten (Röm 6,3-4). Darum müssen wir das Brot des Abendmahls mit unseren eigenen Händen brechen, da der Leib Christi auch um unserer Sünden Willen gebrochen wurde (1.Kor 11,26).
All das erinnert uns an den großen Preis, der es möglich macht, dass wir durch Christus einen persönlichen, unmittelbaren Zugang zum Vater im Himmel erhalten, wo wir nicht mehr auf Priester oder andere „zwischengeschaltete“ Vermittler angewiesen sind, wie die diversen Heiligen der katholischen Kirche. Einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und den Menschen: Unser Herr Jesus Christus (1.Tim 2,5).
Hier endet eine formale Religiosität und beginnt ein lebendiger Glaube, eine Beziehung, die in vielen Bildern und Facetten zu beschreiben ist: Vater und Kind, König und Bürger des Reiches Gottes, Hirte und Schaf (bzw. Herde), Haupt und Glieder des Leibes, Hohepriester und allgemeines Priestertum, Bräutigam und Braut, Herr und Knechte, Erstgeborener und Brüder, Meister und Jünger, Schöpfer und Geschöpfe, Gott und Tempel, Hauptmann und Soldaten.
All diese Aspekte werden in den Gebeten ihren Widerhall finden, indem wir unseren Herrn auf verschiedene Weise anreden, loben und preisen können. Dadurch lernen wir Ihn mehr und mehr kennen; dadurch wird unsere Freude am Herrn gefestigt. Wir werden mehr und mehr beten und erleben, dass unser Gott mächtig ist und Wunder tut! Welch ein Privileg es doch ist, Ihm, dem Schöpfer und Erhalter des Universums und dem König der Zeitalter in der so schlichten Weise des Gebets nahen zu dürfen, um Ihm unsere Anliegen, Sorgen, Nöte, sowie Freuden, Dank und Lobpreis zu bringen!
Grundsätzlich ist es egal, ob man laut oder leise betet, denn Gott achtet und hört auf das Herz. Wir sollen auch beim Aufheben der Hände unsere Herzen mit erheben (Klgl 3,41). Allerdings erweist es sich als hilfreich, den ganzen Körper inklusive der Stimme ins Gebet einzubeziehen, sodass wir mit Leib und Seele im Geist beten. Für viele ist es ungewohnt, alleine im Zimmer laut zu beten; allerdings erleben auch viele, dass im stillen Gebet die Gedanken viel leichter abschweifen. Die Bibel gebraucht mehrere Begriffe, rufen, flehen, beten, sprechen, die verschiedene Lautstärken und Stimmungslagen im Gebet umschreiben. Hanna, die Mutter Samuels, betete vor dem Tempel fast lautlos und bewegte nur die Lippen (1.Sam 1,1213). Es ist ein Lernprozess wie alles andere im Glaubensleben, die Stimme im Gebet zu erheben; durch Übung verfliegt die anfängliche Unsicherheit, und Vertrautheit (nicht zu verwechseln mit Vertraulichkeit) mit dem Allmächtigen stellt sich ein.
Andere aber bleiben ihr Leben lang beim stillen Gebet, und auch das ist gut. Menno Simons, der bekannte niederdeutsche Täufermissionar, dessen Auslegung des Psalm 25 im Anhang zu lesen ist, war sogar ein starker Verfechter des stillen Gebets. Auch die Amischen beten in der Regel still, denn sie meinen, wenn man zu viele Worte macht, schleicht sich leicht der Hochmut ein. Dies geschieht oft unbemerkt. Es soll also keine fixe Regel aufgestellt werden außer der, vor Gott ehrlich zu sein.
1 Bis auf ein Gebet zum heiligen Geist sind alle Gebete der Ausgabe von 2011 übernommen worden. Dieses eine haben wir ausgelassen, weil wir in der heiligen Schrift kein Beispiel dafür finden, direkt zum heiligen Geist zu beten. Darum wollen wir es auch weder tun noch empfehlen; ohne aber den Verfasser, der es sicher in guter und gottesfürchtiger Absicht formulierte, in irgendeiner Weise dafür zu tadeln.
2 So steht es in einer Gemeindeordnung etwa um 70 n.Chr., der Didaché (Did 8,2-3): „Auch sollt ihr nicht beten wie die Heuchler, sondern wie der Herr in seinem Evangelium es befohlen hat, so betet: Vater unser, … dreimal im Tag betet so.“
Seit dem Beginn der Gemeinde, hielten sich die Gläubigen an die überlieferten Gebetszeiten am Vormittag, zu Mittag und nachmittags. Diese Stunden finden wir auch im Neuen Testament bestätigt als dritte, sechste und neunte Stunde (Apg 3,1; 10,9+30). Ergänzt mit Morgen- und Abendgebet, waren fünf tägliche Gebetszeiten normal; manche kamen auf acht Zeiten, indem sie den Hahnenschrei hinzunahmen, ein weiteres Abendgebet und eine Gebetszeit um Mitternacht (Apg 16,25). In den Klöstern hat sich das weitgehend bis heute erhalten, in den ersten Jahrhunderten waren alle Christen ermuntert, in dieser Form „ohne Unterlass“ zu beten.
Christliche Gebetbücher beinhalten deshalb zumindest Morgengebete und Abendgebete, sowie Gebete vor und nach der Mahlzeit und Gebete für verschiedene Anliegen. In dem vorliegenden Gebetbuch haben wir eine ganze Woche gestaltet, beginnend mit Sonntag, und Gebete für den Tagesablauf vorgeschlagen, die wir aus täuferischen Quellen bezogen und sprachlich auf unsere Zeit angepasst haben, ohne jedoch den würdevoll angemessenen Ausdruck abzuschwächen, der Gott gebührt.
Jeder Tag beginnt mit einer kurzen Einleitung, einem Psalm und dem Morgengebet. Man kann statt des vorgeschlagenen Psalms die Psalmen auch fortlaufend beten. Für untertags ist ein Gebet vorgeschlagen, das thematisch zum Tag passt; abgeschlossen wird der Tag mit dem Abendgebet.
Man kann die Morgenandacht auch ausdehnen und damit beginnen, ein Kapitel aus der heiligen Schrift (fortlaufend) zu lesen und dann mit Psalm und Morgengebet in den Tag zu starten. Nicht immer findet man Zeit für das Gebet untertags, doch das Abendgebet sollte wieder ein Fixpunkt sein, wo man den vergangenen Tag überdenkt, die Sünden bekennt und Fürbitte für verschiedene Anliegen vor den Herrn trägt. Die Abendgebete des Wegbegleiters leiten in schlichter Weise dazu an und laden dazu ein.
Es geht, um das zu unterstreichen, nicht darum, sich „sklavisch“ an dieses Buch zu halten. Es soll eine Hilfe sein, eine Anleitung zum Gebet, über die wir mit der Zeit hinauswachsen mögen. Vielleicht denkst du nach einem Jahr, dass du nun ein anderes Buch zur Hilfe nehmen solltest oder dich mehr im freien Gebet üben willst. Dann tu das. Von Zeit zu Zeit magst du es dennoch wieder zur Hand nehmen und vergleichen, ob und wieweit du Fortschritte gemacht hast. Es geht nicht um das Buch, es geht um ein tiefes und reichhaltiges Gebetsleben, und daraus folgend um unsere Heiligung zur Ehre unseres Gottes und Vaters und des Herrn Jesus Christus.
Wir können nichts versprechen, aber wir gehen davon aus, dass auch dein Leben mit Gott vertieft wird, wenn du dich darauf einlässt und dein geistliches Leben einer Disziplin unterwirfst, die nicht auf eigenen Überlegungen, sondern auf der Erfahrung vieler Christen aus vielen Jahrhunderten beruht.
Dir geschehe nach deinem Glauben.
Der überwiegende Teil der Gebete stammt aus der eingangs erwähnten Christenpflicht:
„Die ernsthafte Christenpflicht“, Ausgabe von 2011, Pathway Publishers Aylmer, ONT – LaGrange, IN, Canada/USA; abgekürzt CP mit Seitenangabe
Um die Morgen- und Abendgebete ergänzen zu können, bezogen wir Gebete aus einem alten Lutherischen Gesangbuch mit ein, welches (wie auch die Christenpflicht) stark pietistisch3 geprägt ist:
„Deutsches Gesangbuch der ev.-luth. Gemeinden im Osten“, Berlin 1901; abgekürzt Ev.Ges.B. 1901 mit Seitenangabe
Das Liederbuch, das die Hutterischen Brüder vorwiegend in ihren Gottesdiensten verwenden, enthält ebenfalls Gebete, von denen wir einige zur Ergänzung übernommen habe. Herausgegeben wird es von der Mennoniten Gemeinde, ist aber pietistischen Ursprungs. Die Hutterer nennen es deshalb in ihrem altösterreichischem Dialekt „Das Luth’rische Biachl“:
„Gesangbuch – eine Sammlung geistlicher Lieder“, Herausgeber: Sommerfeld Mennoniten Gemeinde von Manitoba, Canada, Nachdruck 1983; abgekürzt LB mit Seitenangabe
Drei Gebete haben wir aus den Hutterischen Episteln übernommen, die auf die Jahre 1528 bzw. 1540 zurückgehen.
„Hutterische Episteln“, vier Bände, James Valley Book Centre, Manitoba, Canada, zweite Auflage 2010, abgekürzt Hutt.Ep. mit Band- und Seitenangabe
Ein paar Gebete stammen von uns (abgekürzt W für Wegbegleiter); wo wir in das Original stärker eingegriffen haben, steht das W neben der Quellenangabe. Die Quellen zu den Anhängen geben wir dort an.
Die Bibelzitate folgen in der Regel der Schlachter 2000 (Sch2000), in der online verfügbaren Fassung.4 Zitate aus den Spätschriften (Apokryphen) folgen der Septuaginta Deutsch (LXXd).5
3 Mit dem Verhältnis von Täufertum und Pietismus beschäftigt sich das Kapitel „ Spiritualitat zwischen Formalismus und Mystizismus“ in den Anhängen (S XX)
4www.way2god.org/de/bibel (Stand 2016)
5 Im Gegensatz zu Luther und Zwingli haben die Täufer die Spätschriften des Alten Testaments (auch deuterokanonische Bücher oder Apokryphen genannt) nicht verworfen.
Unser Vater im Himmel,
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe
auf Erden wie im Himmel.
Unser täglich Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schulden
wie wir unsern Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.6
Dieses Gebet lehrte uns der Herr selbst, und es wird auch in mehreren Gebeten, die in diesem Buch zusammengestellt sind, eingefügt. Es umfasst die wesentlichen Elemente eines Gebets: Es beginnt mit einer angemessenen Anrede, einer Anbetung, die Gott als Vater sieht, aber auch als König, dessen Reich durch Christus offenbar werden möge. In der Gegenwart mehr und mehr in unseren Herzen, am Ende in Macht und Herrlichkeit vor allen Menschen bei Seiner Ankunft. Zur Königsherrschaft Christi gehört auch der Gehorsam Seiner Untertanen, Seines Volks. Dieses vom Herrn gelehrte Gebet nährt in uns also auch den Willen eines herzlichen Gehorsams Ihm gegenüber.
Die irdischen Anliegen beschränken sich auf das Wesentliche: Die Nahrung für den heutigen Tag, die Vergebung unserer Sünden und die Bewahrung vor Versuchung und allem Bösen. Hier müssen wir uns auch selbst prüfen, ob und inwiefern wir gesündigt haben. Nicht immer ist es uns bewusst, nicht immer scheint es uns schwerwiegend, und manchmal hatten wir tatsächlich einen „unfallfreien“ Tag. Doch neben die persönliche Selbstprüfung tritt auch die Frage, ob wir bereits jenen vergeben haben, die gegen uns gesündigt haben. Der Herr macht es sehr deutlich, dass Er die Art, wie wir einander vergeben, zum Maßstab dafür nimmt, wie Er uns vergeben wird. Das ist herausfordernd, und so macht uns dieses Gebet zu barmherzigen Menschen, die – wie unser Hohepriester – mit den Schwachheiten und Fehlern anderer in Liebe umgehen.
Unsere eigene Schwachheit wird nochmals mit der Bitte um Bewahrung vor Versuchung und allem Bösen hervorgehoben, denn wir können uns aus eigener Kraft nicht mit Satan und seinen Dämonen messen. Das wäre vermessen. Wir brauchen Gottes Hilfe, und am besten scheint es uns, wenn uns die Versuchungen ganz erspart blieben. Dennoch lässt Gott Versuchungen oft zu, um uns in unserem Glauben zu festigen und zu stärken, damit wir darin lernen, nicht auf uns selbst zu vertrauen, sondern auf Seinen starken Arm.
Es ist auch möglich, diesen allgemeinen Anliegen, persönliche aktuelle Bitten beizufügen. Das ist stimmig und keineswegs verboten. Beim gemeinsamen Gebet des Vater Unsers kann man diese in der Stille am Ende noch im Herzen beten.
Das Gebet endet mit einer „Doxologie“, einem anbetenden Schlusssatz, wie er auch in anderen Gebeten und Psalmen der Bibel vorkommt. Damit werden unsere Worte an Gott angemessen und würdig abgeschlossen und wir können uns von den Knien erheben oder niedersetzen und noch ein paar Momente in Stille verharren.
Das Vater Unser sollte auswendig gelernt werden. Es war das Gebet, welches die frühen Christen Jungbekehrten empfahlen dreimal täglich zu beten. Damit begannen sie, sich in das Gebetsleben einzuüben, damit es mit der Zeit ausdauernder und reichhaltiger werde. Das Vater Unser blieb jedoch Fixbestandteil der täglichen Gebete bis heute.
Wer es nicht gewöhnt ist, mehrmals am Tag regelmäßig zu beten, dem raten wir ebenfalls, mit dieser Übung im Gebet zu beginnen, ehe man sich die längeren Gebete zutraut, die doch ein mehr an Konzentration und Disziplin, sowie Hingabe und Freudigkeit erfordern.
Bemerkenswert ist auch, dass dieses Gebet in der „wir“-Form verfasst ist, wie die meisten anderen Gebete in diesem Buch auch. Das ruft uns auch im persönlichen Gebet in Erinnerung, dass wir vor dem Thron der Gnade mit allen Glaubensgenossen verbunden sind und einstimmen in ein großes, vielstimmiges Gebet, in einen himmlischen Chor der Anbetung. Auch in unserem privaten Gebet beten wir also in Gemeinschaft mit allen Christen.
6 Diese Fassung folgt nicht der Schlachter Bibel sondern der Luther Übersetzung 1912
Im Folgenden bieten wir zwei kurze Gebete, die sich auch leicht auswendig lernen lassen: Eines für den Morgen und eines für den Abend.
O Herr Gott, lieber himmlischer Vater, der Du unser Schöpfer und Versorger bist, unter dessen gnädigem Schutz und Schirm wir auch diese Nacht eine gute Ruhe aus Deiner Hand empfangen haben, wofür wir Dich loben und Dir von Herzen danken.
Aber, o Vater, wie sehr wir auch bis jetzt Deine Wohltaten zum Teil missbraucht haben, gegen Deinen göttlichen Willen, wie wir gerne und reumütig bekennen, das wollest Du uns doch um Jesu Christi, Deines lieben Sohnes Willen, vergeben. [Besonders leid tut mir …]
Herr lehre uns zu bedenken, warum Du uns diesen Tag erneut hast erscheinen lassen, damit wir diesen und alle folgenden Tage unseres Lebens nüchtern, gerecht und gottselig zubringen mögen, sodass Dein heiliger Name geehrt und gepriesen werde, und wir durch Deine Gnade ewig erhalten und selig werden mögen.
Dazu leite uns durch Deinen guten Geist, und lass Deine guten Engel unseren Weg glückselig machen. O Gott, das bitten wir Dich im Namen Deines geliebten Sohnes Jesus Christus, der uns lehrt zu beten:
Unser Vater im Himmel,
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe
auf Erden wie im Himmel.
Unser täglich Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schulden
wie wir unsern Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
O barmherziger, lieber himmlischer Vater! Dafür, dass Du uns diesen Tag das klare Licht der Sonne genießen hast lassen, um darin aufrichtig nach Deinem göttlichen Willen zu wandeln, danken wir Deinem heiligen Namen. Wir bitten Dich, dass Du uns doch vergeben wollest, was wir heute versäumt und wo wir gegen Deinen Willen gehandelt haben, was wir auch gerne bekennen. [Besonders leid tut mir …]Verleihe uns auch die Gnade, dass wir uns in Ruhe niederlegen mögen und unter dem Schatten der Flügel Deiner göttlichen Gnade behütet und bewahrt bleiben vor allen listigen Angriffen des Feindes, der Tag und Nacht um uns her geht.
Gib, dass wir diese Nachtruhe nun dankbar gebrauchen mögen und uns allezeit vorbereiten auf die Ankunft Deines geliebten Sohnes, durch den wir dieses Gebet vor Dir ausgießen und beten:
Unser Vater im Himmel,
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe
auf Erden wie im Himmel.
Unser täglich Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schulden
wie wir unsern Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Am Sonntag versammeln sich die Heiligen Gottes zur Anbetung, zur Unterweisung, zum Brotbrechen und zur Gemeinschaft (vgl. Apg 2,42). Dieser Tag der Woche ist daher in besonderer Weise geheiligt, und das soll sich auch in den Gebeten des Tages ausdrücken.
Dieser Tag ist der erste Tag der Woche, der Samstag (Sabbat) ist der siebte Tag. Es ist der Tag der Auferstehung des Herrn, ein Tag der Freude über den Sieg Christi über den Tod, den Satan und die Sünde. Seit der Zeit der Apostel versammelte sich die Gemeinde am Auferstehungstag (Apg 20,7), während es jedem freigestellt war, weiterhin den Sabbat (Samstag) als Ruhetag zu halten (vielen Sklaven, muss man bedenken, war dies nicht möglich).
Die Morgenandacht sollte daher in Vorfreude auf die Versammlung, die Gemeinschaft der Heiligen gehalten werden; die Gebete in besonderer Weise auch darauf gerichtet werden, geistlich vorbereitet zu kommen, Segen für die Wortbetrachtung zu erbitten und besonders auch der Glaubensgeschwister zu gedenken. Sollte es noch unbereinigte Konflikte untereinander geben, so betet darum, dies noch vor der Versammlung klären zu können. Denn was nützt uns der Sieg Christi über die Sünde, wenn wir einen Bogen um Buße und Versöhnung machen?
Bete auch um Weisheit, wie du heute zur Erbauung der Gemeinde beitragen und den Geschwistern in Liebe dienen kannst.
Ein Wallfahrtslied. Von David.
Ich freue mich an denen, die zu mir sagen: Lasst uns zum Haus des Herrn gehen!
Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem!
Jerusalem, du bist gebaut als eine festgefügte Stadt,
wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn – ein Zeugnis für Israel –, um zu preisen den Namen des Herrn!
Denn dort sind Throne zum Gericht aufgestellt, die Throne des Hauses David.
Bittet für den Frieden Jerusalems! Es soll denen wohlgehen, die dich lieben!
Friede sei in deinen Mauern und sichere Ruhe in deinen Palästen!
Um meiner Brüder und Freunde willen sage ich: Friede sei in dir!
Um des Hauses des Herrn, unsres Gottes, willen will ich dein Bestes suchen!
Barmherziger, guter Gott und Vater! Du hast die Sonne der Natur wiederum aufgehen lassen über Gute und Böse. Lob und Dank sei Dir gesagt, o guter Gott, für Deine väterliche Gnade und den Schutz und Segen, den ich diese Nacht genossen habe.
Lasse mich Deinen Segen auch diesen Tag genießen und erleuchte mein dunkles Herz mit Deinem Gnadenlicht, damit ich meine Gebrechen und Fehler genügend möchte einsehen und erkennen lernen.
Nimm mich diesen Tag in den Schutz Deiner Gnade auf und erfülle mein Herz mit Deiner göttlichen Liebe und mit wahrer Demut und Kleinheit. Stärke mich im Glauben, und lasse mich in allem Guten wachsen und von Tag zu Tag zunehmen.
Stelle mir meine Hinfälligkeit und Sterblichkeit deutlich vor Augen, damit ich beständig wachsam sein möge. Setze Deinen Heiligen Geist als Wächter über mein Herz, mein Sinnen und meine Gedanken, auf dass, wenn dieser Tag der letzte in dieser jammervollen Welt sein sollte, ich wachen und die Ruhe meiner Seele erlangen möge.
So befehle ich mich in Deine Hände, mit Leib und Seele und allem, was ich habe. Es sei nichts mehr mein, sondern alles Dein.
In Jammer und Not gib mir Geduld; in Versuchung und Anfechtung gib mir Kraft und Stärke; in gesegneten und gesunden Tagen ein dankbares Herz; und bewahre mich vor allem Übel, hier zeitlich und dort ewiglich, durch Jesus Christus.
Amen.
Die Einheit der Gemeinde ist ein kostbares Gut und war auch das Hauptanliegen des Herrn in Seinem „hohepriesterlichen Gebet“ (Joh 17) kurz vor Seiner Todesangst in Getsemane. Gerade Gemeinden, die sich bemühen, dem Herrn in allem treu zu werden, fallen oft in den Fallstrick eines falschen Eifers, einer Streitsucht um Dinge, die des Streitens nicht wert sind. Die Haltung der Demut und der Kleinheit aus dem Morgengebet ist ein Schutz vor diesem Fallstrick. Das ernste Gebet um die Einheit und Einstimmigkeit in Wort und Wandel, soll auch aus tiefstem Herzen kommen, so dass auch wir uns selbst verbieten, die Ordnung der Gemeinde eigenwillig zu übertreten und anderen zum Anstoß zu werden. Mit solch einer Vorbereitung werden wir die Freude aus Psalm 122 in unseren Versammlungen erleben und auskosten.
Im Teil über die Gebete in der Versammlung finden sich mehrere Gebete, die den Ablauf der Zusammenkunft begleiten können.
O Du ewiger und barmherziger Gott, der Du bist ein Gott des Friedens, der Liebe und Einigkeit, nicht aber des Zwiespalts und der Mannigfaltigkeit. Dein Urteil über diese Welt ist gerecht, denn sie hat Dich, der Du allein Einigkeit schaffen und bewahren kannst, verlassen und auf ihre eigene Weisheit hin ist sie von Dir abgefallen. Das trifft besonders auf die Dinge zu, die Deine göttliche Wahrheit und die Seligkeit der Seelen betreffen. Du hast es zugelassen, dass sie sich teilen und zertrennen ließ, um mit jener vermeintlichen Weisheit in der Vielfältigkeit der Meinungen und des Wandels zuschanden zu werden, damit sie zu Dir, der die Einheit liebt, zurückkehren würden.
Wir armen Sünder, denen Du solches zu erkennen aus Gnade verliehen hast, bitten und flehen Dich an, Du wollest durch den Heiligen Geist alles Zerstreute zusammen bringen, das Geteilte vereinigen und ganz machen. Gib auch uns, dass wir Deine Einheit und Deine einzige ewige Wahrheit suchen, uns von allem Zwiespalt reinigen, damit wir eines Sinnes, Willens, Gewissens, Gemüts und Verstandes werden. Lass uns ganz auf unseren Herrn Jesus Christus ausgerichtet sein, damit wir dann in der gleichmütigen Einigkeit Dich, himmlischer Vater unseres Herrn Jesus Christus, mit einem Mund preisen und loben mögen.
Durch unseren Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist.
Amen.
Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und ein Vater aller Frommen, ein Herr aller himmlischen Heerscharen und ein Gewalthaber aller Dinge im Himmel und auf Erden, ein Trost aller Betrübten und der, der Witwen und Waisen ihr Recht spricht. Du hast Dich uns zum Vater gegeben durch Jesus Christus, Deinen geliebten Sohn, in dem wir die Erlösung von unseren Sünden haben, der uns geliebt und sich für uns gegeben hat in alle Schmach und Trübsal bis in den Tod am Kreuz, und uns vom Tod errettet und die Kindschaft mit ewiger Herrlichkeit erworben hat.
Ja, Du Gott und unser Vater und unser Herr Jesus Christus! Sei mit uns und tröste uns in aller Trübsal, wo immer die Deinen sind. Schaffe uns ein gnädiges Auskommen, und lass uns Dir ans Herz befohlen sein. Gib uns den Wein vom Himmel zu trinken, aus dem Keller Deiner Gnaden, damit wir fröhlich und guten Mutes mögen sein in unserer Trübsal. Segne, behüte und wache über uns, lass uns allezeit Gnade finden vor Deinem Heiligen Angesicht.
Du, o Herr vom Himmel, kannst das Herz der Mächtigen neigen wie Du willst; führe uns durch unsere Kämpfe und hilf uns das Feld zu behalten durch Christus Jesus. Das wollest Du, Herr und Gott des Himmels, erstatten und tun. Das bitten wir Dich inniglich von Herzen und wüschen dies auch all unseren herzliebsten Brüdern und Schwestern durch Jesus Christus, unseren Heiland.
Amen.
Mit dem Abendgebet wird der Tag abgeschlossen und es sollte diesem nichts anderes als ein gesegneter Schlaf folgen. Die Sonne soll nicht über unserem Zorn untergehen; bedenken wir also, was uns zum Zorn gereizt hat, wo wir gesündigt haben, wo wir zu vergeben haben.
Die im Gebet enthaltene Erinnerung an den Tod ist wesentlich, denn das Einschlafen erinnert an das Sterben, und die in Christus Verstorbenen nennt die Heilige Schrift passend „Entschlafene“. Dies betrifft den Leib, der auf den Tag der Auferstehung hin beerdigt wird, während der innere Mensch zur Ruhe gelangt in „Abrahams Schoß“, wie der Herr in der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus uns einen Einblick in diese Dinge gibt (Lk 16,19-31). Es gibt keine Garantie, am Morgen nach dem Schlaf wieder zu erwachen, und je älter man wird, desto unwahrscheinlicher wird es. Es ist daher gut, die Vergänglichkeit unseres Lebens regelmäßig vor Augen zu haben und auch zu fragen: „Hätte ich, wenn es diese Nacht so weit wäre, hier auf Erden alles abgeschlossen, alles bereinigt?“ Gemäß dem Psalm des Moses (Ps 90) liegt hierin ein Schlüssel zur Weisheit.
Lob und Dank sei Dir, Du allmächtiger Gott und Vater, für Deinen Schutz und Segen und all das Gute, das ich diesen vergangenen Tag genossen habe.
Ich wollte gerne in meines Herzens Kammer einkehren, und Dich im Geist und in der Wahrheit anbeten, aber es ist noch so voller Unreinheit, denn ich war diesen Tag mit vielen zerstreuten Gedanken beladen; auch habe ich in meinem Tun und Leben das Beste nicht getroffen. Denn ich bin voller Mängel und Fehler, bin arm und elend. [Besonders leid tut mir …]
Obwohl ich aber nur Staub und Erde bin, so habe ich es dennoch gewagt, Deinen heiligen Namen anzurufen. Ich bete und flehe zerknirscht zu Dir, o mein Gott, vergib mir meine Missetaten und Fehler, womit ich gegen Dich gesündigt habe. Reinige mein Herz von allen fleischlichen und weltlichen Begierden! Erfülle mich mit Deinem heiligen Geist und erleuchte mich mit dem Licht Deiner Gnade, damit ich mich selbst erkenne und auch meine verborgenen Fehler im Licht sehen möchte.
[Lass mich auch beherzigen, was ich heute aus Deinem Wort hören und lernen durfte, besonders …]
Mache mein Herz recht weich, bereit Reue und Leid zu empfinden. Wirke durch Deine Gnade aufrichtige Reue und Buße in meiner Seele und entfache in mir den wahren, lebendigen und seligmachenden Glauben. Zünde das Feuer Deiner göttlichen Liebe in meiner Seele an, und lass es glühen und brennen bis mein altes Ich ganz verzehrt ist.
Ich bitte auch für alle Menschen, für alle uneinsichtigen Sünder, sowie für meine Feinde und Widersacher. [als da sind: …]
Ich bitte auch für alle Kranken, für alle Witwen und Verlassenen, denn Du weißt ja die Bedürfnisse eines jeden und willst auch jedem zur Hilfe kommen, der Deiner Hilfe bedarf. [So hilf, Herr, besonders …]
Nun lege ich meinen Leib nieder in die Arme Deiner Gnade und Barmherzigkeit und befehle mich mit Leib und Seele in Deine Hände. Beschütze mich mit Deinen heiligen Engeln, segne und behüte mich vor allem Übel, ob ich schlafe oder wache.
Lehre mich, meine Nichtigkeit, mein Sterben und meinen Tod zu bedenken, und nimm zuletzt meine unsterbliche Seele zu der ewigen Freude und Ruhe auf.
Das bitte ich Dich, o allmächtiger Gott und Vater im Namen Jesu Christi.
Amen.
Der zweite Tag der Woche ist in der Regel der Beginn der Arbeitswoche. Seit dem Fall Adams ist unsere irdische Arbeit verflucht, es ist Vieles schwieriger geworden und von Rückschlägen gekennzeichnet. Die moderne Technik heute vermittelt uns die Illusion der Machbarkeit und der Leichtigkeit, aber durch die dadurch verlorenen Arbeitsplätze sind zahllose Menschen in Armut und Elend geraten. Das müssen wir mitbedenken, denn es ist eine sehr ungleiche Situation. Das gibt uns umso mehr Verantwortung im Umgang mit allem, was uns von Gott anvertraut ist (Apg 20,35).
Das soll auch im Gebet unsere Gedanken begleiten, damit es nicht bloß ein aufgesagtes Gebet ist, sondern wir ganz konkret für den heutigen Tag mitbeten, wo und wie wir Gott mit unserem Tun ehren können und wer unserer Barmherzigkeit bedarf.
Dem Vorsänger. »Verdirb nicht.« Ein Psalmlied, von Asaph.
Wir danken dir, o Gott, wir danken dir, denn nahe ist dein Name; man verkündet deine Wundertaten!
„Wenn ich finde, dass die Zeit da ist, so werde ich recht richten.
Mag die Erde wanken und alle ihre Bewohner – Ich habe ihre Säulen festgestellt!“
Ich sprach zu den Übermütigen: Seid nicht übermütig! und zu den Gottlosen: Erhebt nicht das Horn!
Erhebt euer Horn nicht hoch, redet nicht mit frech emporgerecktem Hals!
Denn weder von Osten noch von Westen, auch nicht von der Wüste her kommt Erhöhung;
sondern Gott ist der Richter; den einen erniedrigt, den anderen erhöht er.
Denn ein Becher ist in der Hand des Herrn, gefüllt mit schäumendem Würzwein; davon schenkt er ein: sogar seine Hefen müssen schlürfen und trinken alle Gottlosen auf Erden.
Ich aber will es ewig verkünden; dem Gott Jakobs will ich lobsingen.
Und alle Hörner der Gottlosen will ich abhauen; aber die Hörner des Gerechten sollen erhöht werden!
Heiliger und barmherziger Vater! Du hast mich wiederum vom Schlaf erwachen lassen und mich nicht aus dieser Welt des Trugs und des Verfalls abberufen. Vielmehr berufst Du mich erneut dazu, als ein helles Licht in die Finsternis ringsum zu leuchten. Ich preise Dich für die Sonne, die Deinen Ruhm Tag für Tag in dieser Schöpfung verkündet und in Treue gemäß der ihr gesetzten Ordnung ihre Bahnen zieht. Lass mich in derselben Treue auch diesen Tag den Bahnen Deiner Ordnung, Deines heiligen und unfehlbaren Wortes, in den Fußstapfen meines Herrn und Meisters und dem Vorbild der Apostel und der großen Schar der Überwinder folgen.
Ich lobe und preise Dich für die Gesundheit und Kraft, die Du meinem Körper geschenkt und erhalten hast, um mich und die Meinen mit meiner Hände Arbeit zu ernähren. Und, Herr, was darüber hinaus erworben wird, zeige mir die Bedürftigen, die Du durch die Frucht meiner Arbeit segnen und ermuntern möchtest. Du hast uns ja zu guten Werken erschaffen, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Ich bete auch für jene, die keine Arbeit haben; sei es aus Krankheit und der allgemeinen Not um uns her, oder weil sie im Ruhestand sind. Gib Ihnen ihr tägliches Brot und ein Auskommen, lass ihren Mut nicht sinken. Vor allem aber, gib ihnen einen feurigen Glauben, die gelegene Zeit zu Deiner Ehre auszukaufen, denn die Tage sind böse.
[Besonders bete ich für …]
Für die Regierung, unter deren Führung wir leben, flehe ich Dich an, dass sie die Wahrheit suchen und erkennen mögen und von der Verachtung Deiner Ordnungen ablassen, dass sie sich als Deine Diener erweisen mögen, die Guten zu belohnen und die Bösen zu bestrafen, damit wir auch ein Leben in Frieden und Gottseligkeit führen mögen zu Deiner Ehre. Bewahre uns auch vor Verfolgung in unserem Land und hilf unseren Glaubensgenossen, die derzeit auf der ganzen Welt um Deines Namens willen geschmäht, verachtet, gefangen, gefoltert und dem Leib nach getötet werden. Festige die Hoffnung der Auferstehung in ihren Herzen, gib ihnen Mut und Ausdauer, sprich ihnen zu, dass Du sie nicht verlassen noch versäumen wirst. Herr, köstlich ist der Tod der Heiligen in Deinen Augen! Lass uns den bitteren Kelch als einen Kelch des Heils aus Deiner Hand nehmen, wenn es Dein Wille ist, und nicht zurückscheuen.
Begleite uns, Herr in unserem Tagwerk und gib Gelingen in all unserem Tun. Hilf uns, den Arbeitern um uns und den Vorgesetzten ein Licht und Zeugnis zu sein; gib uns Gelassenheit mit verkehrten und fehlerhaften Vorgesetzten und halte uns auch unsere Schwächen und Fehler vor Augen, damit wir uns nicht überheben. Bewahre uns auch vor Unfall und Schaden und davor, dass das Tagwerk und die Sorgen des Alltags die gute Saat in uns wie Unkraut überwuchern und ersticken.
Vor allem aber, bewahre uns diesen Tag vor den listigen Anschlägen des Teufels, der umhergeht wie ein brüllender Löwe, um uns zu verschlingen. Lass seine feurigen Pfeile uns nicht unvorbereitet treffen. Ich danke Dir, unser Hauptmann und Führer, für die geistliche Waffenrüstung, den Schild des Glaubens, den Panzer der Gerechtigkeit, den Helm des Heils, den Gürtel der Wahrheit, das Schwert Deines Wortes im Heiligen Geist, die Stiefel der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums und das Gebet. Vor allem aber für den Sieg, den Du bereits über alle Mächte der Finsternis und Bosheit am Kreuz errungen hast. Lass uns als gute Soldaten in Treue feststehen und nicht von den Dingen des Alltags verstrickt und gefangengenommen werden, um Dir, der Du uns mit Deinem kostbaren und teuren Blut angeworben hast, zu gefallen.
Hilf uns, auch unser Kreuz zu tragen, damit wir gleich Dir durch Selbstverleugnung und innerem Absterben als Sieger und Überwinder in der Auferstehung und Neuheit des Lebens wandeln mögen.
Herr Jesus Christus, Dein Name sei gelobt dafür, dass Du alle Tage bei uns bist bis zur Vollendung der Zeitalter. Lass uns nichts ohne Dich tun, lass uns stets die Ehre Deines Namens suchen; stärke uns in allem Tun und Reden durch Deinen heiligen Geist, denn wir sind schwach.
Lass, Herr, diese Welt vergehen und Dein Königreich kommen in Macht und Herrlichkeit, nach dem sich die ganze Schöpfung unter Schmerzen und Seufzen sehnt. Herr, aus Dir, durch Dich und für Dich sind alle Dinge. Dir sei Macht, Lob, Majestät und Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
