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WegGefährten - über 70 Geschichten von Mensch & Hund, die bewegen Ein Jahr lang haben Carmen Demer und Frank S. Bauer in ganz Deutschland Menschen mit Hunden gesucht, gefunden und fotografiert, die bereit waren ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. In einem bunten Mix finden Sie neben der Geschichte von Rauhaar Dackel Gerd Oskar vom Kloster-Hof eine Geschichte von Hundeflüsterin und Bestseller-Autorin Maja Nowak, von Bambi, dem Reh, dass mit Berner Sennenhündin Tapsi aufgewachsen ist, dem Kindergartenhund Cita, Bob von der Polizei Berlin bis hin zu einer privaten Geschichte der "tierisch" engagierten Moderatorin und Autorin Nina Ruge.
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Seitenzahl: 206
Veröffentlichungsjahr: 2017
Wau, mein Name ist Alonso und ich möchte Euch meine Familie und mich vorstellen. Ich bin fünf Jahre alt, die Menschen nennen meine Rasse Magyar Vizsla. Zu meiner Familie gehören neben Frauchen und Herrchen auch noch Lasse, Fynn und die jetzt vier Monate alte Paula.
Wir beide sind schon richtig gute Freunde, auch wenn Paula mir manchmal mein Körbchen klaut! Da wir beide sehr temperamentvoll sind, lieben wir es, unserem Spiel- und Jagdtrieb bei uns daheim im Garten oder auf langen Spaziergängen mit Bällen und anderem Spielzeug freien Lauf zu lassen. Besonders schön ist es, nach einem langen und erlebnisreichen Tag im Körbchen zu schlafen und sich dabei auf ganz typische Vizsla-Weise zu verknoten.
Aber jetzt zu den Zweibeinern auf dem Foto. Die beiden Kinder sind Lasse und Fynn. Lasse und ich sind beste Freunde, wir spielen oft im Garten zusammen Fußball und „Stöckchen werfen“ – das macht uns beiden immer wieder „tierisch“ Spaß. Mit Fynn kann ich noch nicht ganz so viel anfangen, er stellt mich oft vor echte Schwierigkeiten. Wenn er sich mal wieder zu mir ins Körbchen legen möchte, suche ich immer das Weite. Anders kann ich mir einfach nicht helfen, sein Bettchen ist anscheinend längst nicht so bequem wie meins! Ob ich das wohl mal testen sollte? Von mir aus gern! Aber da gibt es ein Problem, das mit den beiden anderen Zweibeinern auf dem Bild zu tun hat. Das sind Herrchen und Frauchen – Anna und Benny. Sie erlauben mir weder Bett noch Sofa!
Zu den beiden bin ich damals kurz vor Lasses Geburt gekommen. Mein erstes Training war die Hundeschule mit Herrchen. Mit ihm habe ich das Hunde–Einmaleins gelernt, um beiden zumindest das Gefühl zu geben, dass ich sehr gut gehorchen kann. Um ehrlich zu sein: Ich kann das auch, wenn ich es will!
Herrchen habe ich ganz besonders gern, was wohl auch daran liegt, dass ich immer auf seinem Schoß liegen kann, wenn er auf dem Boden sitzt. Früher tat er das allerdings mit etwas mehr Begeisterung. Ob das etwas mit meinen 29 Kilogramm Lebendgewicht zu tun hat? Ich denke nicht! Frauchen und Herrchen haben sich für meine Rasse entschieden, da wir so lebhafte, fröhliche, menschenbezogene, elegante und familienfreundliche Begleiter sind, die es den Besitzern leicht machen, mit ihnen glücklich zu sein.
Und so ist es auch: Wir sind glücklich miteinander!
ALONSO & PAULA | Anna, Benjamin, Fynn & Lasse
„So eine Schnapsidee!“, sagte meine sonst so verständnisvolle Mutter mit ungewohnt strengem Unterton, als ich ihr eröffnete, dass ich meine erste eigene Wohnung gerne noch mit einem kleinen Hund beleben möchte. Dann fügte sie hinzu: „Wir haben einen Hund in der Familie. Ich wäre dir dankbar, wenn du Luna öfter nehmen würdest.“ Mein Freund, mit dem ich schon seit einer Weile zusammenlebte, war übrigens auch gegen die Anschaffung eines Hundes, doch ich weiß, wie ich mich verhalten muss, wenn ich etwas durchsetzen möchte. Ein Chihuahua-Mischling sollte es sein; nicht zu groß und damit taschentauglich und transportfähig.
Im April 2011 begann ich, mir bei „e-bay-Kleinanzeigen“ Fotos von Hundebabys anzusehen. Am Abend des Freitags vor Pfingsten sah ich sie: Ein winziges, hellbraunes „Etwas“, ein Chihuahua-Jack-Russel-Hundemädchen mit dackelähnlichen Schlappohren und einem traurigen, herzerweichenden Blick aus unwiderstehlichen, blauen Augen. Das ist sie! Ich war mir ganz sicher. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, weil meine Mutter das verlängerte Wochenende mit ihren beiden Freundinnen aus München beschäftigt sein würde. Ich setzte meinen Hundeblick auf, verstellte meine Stimme, damit sie klang wie die eines kleinen Mädchens, und flehte lispelnd meinen Freund an: „Schatzi, bitte“. Nachdem er ein entnervtes „Von mir aus“ gebrummt hatte, folgte der entscheidende Telefonanruf bei der Besitzerin des Hundebabys.
Am nächsten Morgen ging es zu einem Treffpunkt in Hohen-Neuendorf. Eine schwangere Frau, begleitet von ihren beiden Kindern überreichte mir Klein-Lieselotte einschließlich Kissen und Körbchen, nachdem ich ihr die geforderten 250 Euro in die Hand gedrückt hatte. Die Kinder weinten bitterlich, als wir uns mit Lieselotte auf den Heimweg machten. „Von jetzt an heißt du Amy“, sagte ich und sah auf den schlafenden Winzling mit dem Stummelschwanz, der fast im Kissen versunken war.
Zuhause dann eine böse Überraschung: Amy hatte schlimmen Durchfall. Panik erfasste mich. Schluchzend rief ich bei meiner Mutter an. „Mama, bitte hilf mir, Amy ist schwer krank; wir müssen zum tierärztlichen Notdienst und ich habe kein Geld mehr…“ Zwei Tage hintereinander eine Fahrt nach Schöneberg, Spritzen und Infusionen, weitere 300 Euro und die ernüchternde Feststellung des Tierarztes: „Das Tier ist viel zu früh von der Mutter weggekommen, sie ist höchstens sechs Wochen alt.“
Amy erholte sich schnell. Das apathische, kranke Hundekind entwickelte sich zu einem äußerst lebendigen Familienmitglied. Nichts war vor ihr sicher: Schuhe und Kissen, Matratzen, die Oberarme meiner Mutter oder Gummidichtungen in Türrahmen. Wegen Amy musste das rote Sofa in unserem Wohnzimmer sein Dasein auf dem Sperrmüll beenden.
Selbst die damals dreijährige Luna schien innerlich ihre schwarzen Knopfaugen zu verdrehen, wenn Amy schier unermüdlich an ihrem Zottelfell zupfte.
Als ich sie wegen meines schon lange gebuchten Sommerurlaubs zu meiner Mutter gegeben hatte, rief mein Bruder bereits am zweiten Tag an: „Flieg sofort zurück und hole deinen Terrorwelpen ab; Mama ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch.“
Amys große Ohren stellten sich wenige Monate später nacheinander auf. Jetzt sieht sie aus wie eine Kreuzung aus einem Fuchs und einer Fledermaus. Sie liebt es, über Baumstämme zu klettern, springt vom Stand in meine Arme und wenn andere Hunde nur „Pfötchen geben“, macht sie „give me five“, indem sie voller Freude ihre kleine Pfote auf meine geöffnete Hand klatscht. Sie schmiegt sich an uns wie eine Katze; es fehlt nur noch, dass sie schnurrt. Ihr charakteristisches, manchmal nervtötendes Bellen nennen wir „Jack-Russeln“. Sie ist interessiert, intelligent und frech. Ich liebe sie über alles. Wenn sie sich in eine Tasche stecken ließe und aufhören würde, Joggern in die Waden zu zwicken, wäre sie der absolut perfekte Hund …
AMY | Vanessa
Seit 2004 lebt Clea, ein heller Labrador Retriever, in meinem Haushalt mit sechs Personen. In dem Haus ist auch meine logopädische Praxis, in der ich fast ausschließlich mit Kindern arbeite. Anfangs hatte ich Sorge, wie die „Therapieeltern“ auf einen Hund reagieren würden und sperrte Clea in den privaten Bereich ein. Natürlich war häufig ein lautes Protestbellen zu vernehmen, wodurch die Kinder neugierig wurden und den Welpen auch mal schnell in die Therapieräume schleppten. Die Kinder, aber auch die Eltern ermutigten mich immer mehr, Clea mit in die Therapie zu integrieren, so dass ich eineinhalb Jahre später mit ihr die Ausbildung zum Therapiebegleithund begann. Seit nunmehr sechs Jahren arbeite ich mit Clea als Team in der Praxis und möchte sie nicht mehr missen. Sie schafft es immer wieder, Kinder zum Lächeln zu bringen, temperamentvolle Kinder zu besänftigen, lässt sich immer gerne streicheln und insbesondere füttern. Leider macht sie sich hin und wieder selbständig und untersucht Kinderwagen oder Taschen nach Essbarem – aber bei diesem Unschuldsblick verzeiht ihr jeder …
Da Clea den ganzen Tag mit in die Therapien integriert ist und gezielt eingesetzt wird, wollte ich sie etwas entlasten und ihr eine Mitarbeiterin an die Seite stellen. Somit ist 2012 Anouk, ein Labrador-Goldendoodle-Mix, ebenfalls als Welpe, in unsere Familie gekommen. Clea konnte ihr viel beibringen und nun steht auch Anouk kurz vor ihrer Prüfung zum Therapiebegleithund. Da Anouk schwarz ist, zeigen manche Kinder erhöhten Respekt, doch aufgrund ihrer zurückhaltenden und gehorsamen Art lieben die Therapiekinder auch sie – und können sich manchmal gar nicht entscheiden, mit wem sie arbeiten wollen.
Clea möchte derzeit noch gar nicht „entlastet“ werden, sondern fordert ihre Anwesenheit immer wieder ein. Zum Glück habe ich auch noch Kollegen in der Praxis, die ebenfalls mit den Hunden arbeiten, so dass beide einen ausgefüllten Tag haben.
Neben der Arbeit darf natürlich das Spielen und Toben nicht fehlen, weshalb ich jeden Tag mit den Hunden im Wald oder im Garten tobe und „arbeite“.
Clea und Anouk lernen immer wieder neue Kunststücke, um die Kinder zu überraschen. So kann Clea Türen öffnen, Socken ausziehen, sich drehen, rollen, winken, auf Kommando bellen und auf einem Stuhl mit am Tisch sitzen, um beispielsweise zu würfeln oder mitzuessen. Auch dürfen sich Kinder auf sie legen, sie verkleiden, Doktor spielen und viele andere Sachen. Anouk, die Jüngere, eignet sich dafür besser zum Ball apportieren, Schubfächer öffnen, Leckerli erschnüffeln und lernt mit Sicherheit in der nächsten Zeit noch viele andere Kunststücke. Wir sind gespannt und möchten keinen Tag mehr mit den Hunden missen.
ANOUK & CLEA | Carola
Seit April 2009 wohnt mein bester Freund Anton nun schon bei uns! Es war ein regnerischer Tag, als wir Anton, einen großen schwarzen Hovawart, aus dem Tierheim abholten. Sein langes Fell triefte vor Nässe, als er schwanzwedelnd auf uns zugelaufen kam. Durch meine zahlreichen Besuche im Tierheim kannte er mich schon recht gut und deshalb freute er sich jedes Mal, wenn ich ihn besuchte. Aber dieses Mal wollte ich ihn nicht nur besuchen, sondern mit nach Hause nehmen. Meine Mutter sah Anton an diesem Tag das erste Mal, da ich ihn zuvor immer heimlich besucht hatte. Zu jener Zeit wohnte ich noch bei meinen Eltern und ich wusste, dass sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch keinen Hund wollten. Doch als ich ihnen die Fotos und ein über Anton gedrehtes Video zeigte, konnte ich sie umstimmen und sie teilten nunmehr meine Meinung, dass so ein toller Hund nicht mehr länger im Tierheim bleiben sollte. Und so zog Anton bei uns ein.
„Toni“ – so lautet inzwischen sein Spitzname – hat sich schnell bei uns eingelebt und fühlte sich von Anfang an wohl bei uns. Und so war er von nun an bei allen Familien- feiern und Urlauben immer dabei und ist es auch heute noch. Ein Jahr nachdem wir Anton aus dem Tierheim geholt hatten, zog ich von zu Hause aus und mit meinem Freund Daniel zusammen. Leider konnte ich Anton in meine neue Wohnung nicht mitnehmen, da wir durch die Arbeit nicht genug Zeit für ihn gehabt hätten. So blieb Anton bei meinen Eltern. Sie kümmern sich sehr gern um ihn, denn ihren „kleinen Liebling“ Anton – oder wie meine Schwester Steffi und ich immer scherzen: „ihren Sohn“ – wollten sie nun auch gar nicht mehr hergeben. Dennoch besuche ich Anton regelmäßig oder er kommt uns besuchen. Er freut sich immer total, weil er weiß, dass er von mir immer viele Leckerlis bekommt und ich mit ihm herumtobe. Heute ist Anton schon zehn Jahre alt, aber immer noch topfit.
Bei uns und in der Hundeschule lernt er trotz seines Alters ständig immer noch sehr viel dazu. Hoffentlich begleitet er uns noch einige Jahre, denn ohne ihn würde uns sicherlich etwas Wichtiges fehlen. Anton ist immer überall und mittendrin; er freut sich riesig, wenn wir zusammen sind und viel Zeit mit ihm verbringen – schließlich sind wir jetzt „sein Rudel“.
ANTON | Michi & Steffi
Wie fast jeder Mensch hatte auch ich mit der Trennung von meiner Verlobten sehr zu kämpfen. Dazu kam noch der Verlust unserer beiden Kater, die ich ebenfalls schmerzlich vermisste. Was lag also näher, als täglich in unser örtliches Tierheim zu gehen und dort die Staffordterrier – für mich meine Kampfschmuser – zu besuchen? Ich bin seit jeher fasziniert von ihrer Power, ihrem unabdingbaren Willen, dem perfekten Körperbau sowie diesem einnehmenden, liebevollen, sensiblen Wesen.
Der nächste Schritt war der Kontakt mit Staffwelpen, die sich auch in der näheren Umgebung befanden. Auf einmal stand mein kleines verrücktes Monster vor mir! Es war Liebe auf den ersten Blick – daran gab es nichts zu rütteln: Mein absolutes Wunschtier namens Aron!
Nun wurde ich in meinem großen Glück mit den Vorurteilen der Rasse gegenüber konfrontiert! Es gab Probleme mit Anwohnern, denen ich nicht gewachsen war. Diese Tiere sind sehr intelligent sowie menschen- und kinderfreundlich, alles andere ist anerzogen. Die Tiere stammen aus England und lebten dort früher in den Haushalten der ärmeren Bergleute. Es war üblich, dass sie dort die Ratten jagten. Natürlich machten sich die Menschen einen Sport daraus und es gab regelrechte Kämpfe, welches Tier die meisten Ratten erlegte. England ist ja ein wettfreudiges Land. Es gab dann sogar Kämpfe mit den Hunden und diese Legende hält sich natürlich hartnäckig in den Köpfen der Menschen!
Bei meinen Problemen halfen mir, das möchte ich hier ausdrücklich erwähnen, meine wunderbare Tierärztin und ihr gesamtes Team sowie das Veterinäramt, von dem ich auch viel Hilfe bekam.
Aber auch Menschen, die schon einmal diese Rasse hatten, sprachen mich auf der Straße an und bewunderten Aron. Auch wenn es kaum jemand nachvollziehen kann, stellt mein kleines „Jokerface“ ein vollständiges und akzeptiertes Familienmitglied dar. Jedenfalls ist er total in meine Familie integriert. Er spielt sogar mit meinem Neffen im Sandkasten und schläft in meinem Wasserbett. Schließlich schläft das Rudel zusammen. Ich bin froh und dankbar für jeden Moment, den ich mit meinem Baby verbringen darf.
Da ich u. a. im Stadtrat bin, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, damit zumindest in Niedersachsen die Welt weiterhin in Ordnung bleibt. Vielleicht zieht auch eines Tages eine Hundedame bei uns ein und wir bekommen Nachwuchs?
Fest steht, wir haben einen Plan: Wir werden zusammen im Altersheim in unseren Schaukelstühlen sitzen – und wir werden den ganzen Tag schimpfen und meckern … und Spaß dabei haben!!!
Danke, Aron, dass du in mein Leben gekommen bist und mir so viel gibst!
ARON | Dennis
Wir waren – wie immer – mit den Kindern in LeGurp in Frankreich. Diesmal jedoch nur als Zwischenstation, denn den Sommer wollten wir in Portugal verbringen. In der Apotheke in dem kleinen Ort Soulac-sur-Mer stieß ich auf ein Foto von acht kleinen, süßen Goldies. Dieses Foto ging mir nicht aus dem Kopf. Auch nach fünf Wochen Sommerurlaub in Portugal ließ mich der Gedanke, einen süßen kleinen Goldie zu haben, nicht los.
Ich wollte schon immer einen Hund haben. Allerdings war mein Mann immer dagegen. Er äußerte sich immer dazu mit folgenden Worten: „Wenn du dir einen Hund anschaffst, lasse ich mich scheiden.“
Wieder in Frankreich angekommen, führte mein erster Weg zur Apotheke. Doch das Foto war nicht mehr da. Ich verständigte mich mit Händen und Füßen mit dem Apotheker, um herauszubekommen, ob die kleinen Welpen noch zu haben waren. Der Apotheker gab mir daraufhin eine Telefonnummer. Da mein Cousin in der Nähe von Bordeaux lebt, bat ich diesen, nach den kleinen Welpen zu forschen. Gesagt, getan. Zwei von acht waren noch nicht vergeben. Charles, mein Cousin, hatte einen Termin ausgemacht, zu dem ich jedoch alleine hingehen sollte mit meiner Tochter. Zuvor löcherten wir meinen Cousin mit allen Details, die er durch das Telefonat erfahren hatte.
Abends diskutierten wir eifrig über mögliche Hundenamen. In Frage kam Edouard, passend für den E-Wurf. Aber auch die Namen Gold und Ave, wie mein Onkel Avelino, wurden vorgeschlagen. Auch fanden wir die Idee gut, da es ja ein Franzose ist, ihn nach dem typischen Weingebiet zu nennen. In Frage kam also auch Medoc, wobei meine Kinder im gleichen Moment „My Dog“ verstanden hatten und ich, ehrlich gesagt, es ziemlich einfallslos finde, einen Hund ‚mein Hund‘ zu nennen. Nun ja, es waren ja auch nur rein hypothetische Vorschläge, da die Züchterin am Telefon auch mitgeteilt hatte, dass sie skeptisch sei, uns generell einen Hund zu geben, da wir aus Deutschland kommen und den Hund auf eine lange Autofahrt mitnehmen würden. Wir konnten die Bedenken sehr gut verstehen und wollten erst mal das Treffen abwarten.
Am nächsten Tag machten meine Tochter Selena und ich uns auf den Weg. und wurden superfreundlich von der Züchterin Isabelle begrüßt. Wir sahen einen riesigen Garten und weiter hinten die vielen Welpen hinter einem Zaun. Die Mutter und der Vater liefen beide frei herum. Wir fühlten uns auf Anhieb wohl und sahen, dass es den Tieren gut ging. Isabelle erzählte uns, wie es mit den Kleinen gewesen war, als sie geboren wurden und äußerte sich erneut skeptisch zur langen Autofahrt, falls wir einen Hund mitnehmen sollten. Dagegen konnte ich argumentieren, dass auch meine vier Kinder die Fahrt problemlos überstehen, da wir viele Pausen machen. Außerdem erzählte ich ihr mehr von meinen Kindern, dem Garten und auch, dass wir sehr nah am Park wohnen und somit gute Voraussetzungen für die Haltung eines Hundes haben. Das beruhigte sie, das merkten wir sofort. Und dann nahm sie einen Hund aus dem Auslauf und setzte ihn meiner Tochter auf den Schoß. Es war der goldigste und dickste Welpe von allen. Sie sagte, dass dieser noch nicht vergeben sei und wir ihn haben könnten. Ohne lange zu überlegen, stimmte ich zu. Vor allem als ich ihn in den Armen hielt, wusste ich, dass ich diesen Welpen unbedingt wollte. Sie sagte, dass wir lediglich noch eine Leine und ein Halsband bräuchten. Alles Weitere würde sie uns fürs Erste mitgeben.
Somit machte ich mich mit meiner Tochter auf in die Stadt, um die Sachen zu besorgen. Ein paar Stunden später fuhren wir zurück und durften endlich unseren Hund holen. Lustigerweise verwechselte die Züchterin die Welpen, als sie unseren vermeintlichen Hund noch schnell mit Läusepulver einsprühen wollte. Aber das merkten wir sofort. Es war unglaublich, wie wir uns in diesen Hund verliebt hatten und ihn unter seinen Brüdern und Schwestern ausfindig machen konnten. Er war einfach der dickste und größte. Seine Pfoten waren riesig. Nachdem wir die Formalitäten geklärt hatten nahmen wir ihn mit. Im Auto saß er vorne bei meiner Tochter und er sagte keinen Ton, war völlig zufrieden und ausgeglichen.
Wir beschlossen, ihn Monsieur Ave Medoc zu nennen, jedoch als Rufname nur Ave. Als wir in LeGurp ankamen, begrüßten ihn meine anderen Kinder. Alle waren sofort begeistert. Ave war der Held und Hingucker. Jeder wollte ihn streicheln, tragen, mit ihm am Strand spazieren und auch mit ihm schwimmen.
Ich allerdings bekam langsam ein schlechtes Gewissen. Mir fielen die Worte meines Mannes ein, aber irgendetwas sagte mir, dass er sich nicht trennen würde. Ich war einfach so glücklich und meine Kinder waren es auch. Er musste es verstehen. Ich rief ihn an und fragte ihn, ob ich etwas mitbringen dürfte aus dem Urlaub. Er sagte: „Alles, außer einem Hund.“ Er hatte mich sofort durchschaut. Ich schwieg. Dann sagte er: „Na, wenn du ihn schon hast, dann kannst du ihn mitbringen.“ Ein Stein fiel mir vom Herzen.
Die Rückfahrt gestaltete sich als super unkompliziert. Wir fuhren sehr viele Raststätten an und Ave machte in den 14 Stunden nicht einmal ins Auto.
Zu Hause in Deutschland fühlte sich der kleine Franzose sehr schnell pudelwohl. Auf der Straße wurde man immer angesprochen, wie süß dieser kleine Hund sei.
Mittlerweile ist Ave vier Jahre alt. Er wird immer noch gedrückt, gestreichelt und geliebt von allen. Er ist ein absoluter Familienhund und unglaublich unkompliziert. Er will immer dabei sein, ist dabei aber total entspannt. Und obwohl er jetzt schon so lange in Deutschland lebt, hat man manchmal das Gefühl, dass er Deutsch immer noch nicht so ganz versteht. Ich gehe gerne mit ihm spazieren – oft stundenlang. Er war das beste Mitbringsel aus einem Urlaub, für das ich mich bislang entschieden habe.
AVE | Helena
Ich bin Mareike, bin 32 Jahre alt und habe zwei Dalmatiner, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.
Mein damaliger Partner hatte einen Rottweiler-Rüden und ich selbst wollte immer schon einen eigenen Hund besitzen, nur fand er, dass ein Hund im Haushalt wohl reichen sollte. Ich selbst bin leidenschaftliche Reiterin und ich habe auf Ausritten immer den damaligen Hund vom Stall mitgenommen. Diese Ausritte habe ich so sehr genossen, dass in mir der Wunsch nach einem eigenen Hund weiter stieg und mir klar wurde, dass ein eigener Hund her musste, egal welche Konsequenzen das jemals haben könnte. Somit erkundigte ich mich nach Rassen, die zum Ausreiten optimal wären und ich kam zu dem Entschluss, dass es ein Dalmatiner werden sollte, da sie sehr lauf- und arbeitsfreudige Hunde sind. Ich schrieb also mehrere Züchter an, die bereits schon Welpen hatten oder aber wo sich der Nachwuchs angekündigt hatte, ohne das vorher mit meinem Partner zu besprechen. Ich überrumpelte ihn eines Tages mit einem Besuchstermin bei der damaligen Züchterin meines inzwischen fast sechsjährigen Rüden Bacardi in Neuss. Trotz großer Skepsis fuhr er mit mir dorthin. Obwohl die Hündin noch tragend war und man noch keine Welpen sehen konnte, war mir ab diesem Zeitpunkt klar, dass dies die beste Entscheidung meines Lebens sein würde.
Nach mehreren Besuchen konnte ich auch meinen damaligen Freund davon überzeugen, dass dieser Hund unser Leben verändern würde. Nach ca. zehn Wochen zog Bacardi bei uns ein, in eine Familie mit einem weiteren Rüden und einer Katze. Er ist ein sehr aufgeweckter und lebensfreudiger Hund, der immer auf der Suche nach Blödsinn war und auch immer noch ist. Im ersten Jahr war seine beliebteste Zeit zum Aufstehen gegen 4:30 Uhr und das täglich. Somit war an Ausschlafen nicht mehr zu denken.
Meine Auffassung zur Hundehaltung und Hundeerziehung veränderte sich mit Bacardi. Allerdings konnte mein Partner diese nie teilen und somit trennten sich unsere Wege und Bacardi und ich wurden noch mehr zu einer Einheit. Man sah mich eigentlich nur noch mit Hund, egal wo ich hinging, er war an meiner Seite, ob im Restaurant, in der Kneipe, im Zoo und natürlich auch beim Pferd.
Bacardi war schon immer ein sehr sportlicher Hund und wollte Beschäftigung, sowohl was das Laufen betraf, aber vor allem musste ich ihn vom Kopf her beschäftigen, was nicht immer einfach war. Wir haben angefangen, uns der Hundesportart Agility zu nähern. Wir hatten und haben beide sehr viel Spaß daran, auch wenn diese Sportart mit ihm eher Just for Fun ist. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Kinder in Grundschulen oder in Kindergärten zu besuchen und ihnen beizubringen, wie man sich Hunden gegenüber verhält, denn Bacardi ist ein ausgebildeter Schulbegleithund und kommt gelegentlich auch mal mit in meine Einrichtung, wo ich mit geistig behinderten Menschen arbeite.
Inzwischen ist Bacardi fast sechs Jahre alt und er wird etwas ruhiger. Allerdings braucht er immer noch lange und ausgedehnte Spaziergänge, die er mit mir und seiner Tochter Mia sehr genießt. Bacardi hat schon mehrfach erfolgreich Hündinnen gedeckt und aus dem ersten Wurf habe ich eine Hündin behalten, auch wenn es eigentlich nie mein Plan war, einen zweiten Hund zu halten. Aber nachdem ich den ersten Wurf natürlich einmal sehen wollte, war es um mich geschehen und ich musste sie einfach behalten.
Mia ist eine sehr lebhafte Dalmatiner-Hündin, die im nächsten Jahr zwei Jahre alt wird. Mit ihr betreibe ich Agility im sportlichen Sinn und laufe mit ihr Turniere.
Meine Hunde haben mein Leben sehr verändert: Ich bin sportlicher geworden, genieße die Natur bei jedem Wetter und sie machen mich jeden Tag aufs Neue stolz und vor allem glücklich!
Ich möchte sie in meinem Leben nicht missen und ich wünsche mir viele weitere tolle Jahre mit ihnen.
BACARDI & MIA | Mareike
Es war der neunte Geburtstag unserer Tochter Zoe. In einer Stunde erwarteten wir die Kinde für die Party. Auf Grund des schlechten Wetters entschlossen wir uns, ins Schwimmbad zu fahren. Ich war im Garten, um noch schnell alles vor dem Regen in Sicherheit zu bringen, als ein lauter Schrei: „Neiiin Balouuu“ durchs Haus schallte.
Balou ist unser Hund. Im Alter von neun Wochen kam er zu uns. Ein Mischling – die Mutter ein Sabueso Espanol, der Vater ein Südländer, der sich nach der Zeugung aus dem Staub gemacht hatte. Balou war an Zoes Geburtstag ca. siebeneinhalb Monate alt.
Selbst im Garten hörte ich den Schrei. Ich lief schnell ins Haus, um nachzuschauen, was unser Hund wohl dieses Mal angestellt hatte. Da standen sie alle in der Küche. Meine Frau Moni, Tochter Zoe und Balou. Sie blickten alle auf den Küchentisch, wo noch vor kurzem ein ganzer Schokoladen-Geburtstagskuchen gestanden hatte. Moni und Zoe blickten schon ziemlich sauer, während Balou mich mit großen fragenden Augen anschaute: „Habe ich etwas falsch gemacht?“. Junge, wie soll ich dich da noch in Schutz nehmen? Den Kuchen sollten doch nachher die Kinder essen und nicht du! Von der noch unberührten Seite des Kuchens probierte ich ein Stück. Zu meinen beiden Frauen gewandt, bemerkte ich nur: „Er schmeckt echt lecker, da kann ich Balou verstehen.“ Das brachte mir einen Ellenbogencheck von meiner Frau ein. Anschließend backte Moni noch schnell einen neuen Kuchen und die Party konnte kommen.
