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Alterstraumatologische Verletzungen und orthopädische Eingriffe bei betagten Patienten nehmen in Deutschland durch den demografischen Wandel dramatisch zu. Um dieser Herausforderung zu begegnen und die Versorgung zu verbessern, entstehen zunehmend Zentren, in denen ältere Patienten durch Orthopäden und Unfallchirurgen gemeinsam mit Geriatern behandelt werden. Das Weißbuch zeigt die wichtigsten Schritte einer guten Versorgung von älteren unfallchirurgischen und orthopädischen Patienten auf und enthält konsentierte nationale Behandlungsempfehlungen der DGOU und DGG.
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Seitenzahl: 321
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Die Herausgeber
Prof. Dr. med. Ulrich C. Liener, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie und spez. Unfallchirurgie. Seit 2009 Ärztlicher Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Marienhospital Stuttgart sowie Leiter des Alterstraumazentrums am Marienhospital Stuttgart. Seit 2014 Leiter der Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
Prof. Dr. med. Clemens Becker, Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Geriatrie. Seit 2003 bis 2021 Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart. Leiter der Unit Digitale Geriatrie, Geriatrisches Zentrum, Medizinische Klinik des Universitätsklinikum Heidelberg sowie Klinischer Leiter Mobilise-D, Robert Bosch Gesellschaft für Medizinische Forschung, Stuttgart.
Prof. Dr. med. Kilian Rapp, Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Geriatrie. Seit 2010 Oberarzt und seit 2021 Ärztlicher Leiter und Forschungsleiter der Abteilung für Geriatrie des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart.
Prof. Dr. med. Michael J. Raschke, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Schwerpunkt Spezielle Unfallchirurgie, Handchirurgie. Seit 2003 Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster. Ab 2020 Präsident der DKOU 2020 »Vereinte Vielfalt« (Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie) und DGU Präsident (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie)/Vize-Präsident der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie).
Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Facharzt Orthopädie und Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit 1996 Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach. Seit 2015 Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), stv. Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
Prof. Dr. med. Dieter C. Wirtz, Facharzt für Orthopädie, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit 2006 Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Bonn. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) 2020 und 2021.
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Pharmakologische Daten, d. h. u. a. Angaben von Medikamenten, ihren Dosierungen und Applikationen, verändern sich fortlaufend durch klinische Erfahrung, pharmakologische Forschung und Änderung von Produktionsverfahren. Verlag und Autoren haben große Sorgfalt darauf gelegt, dass alle in diesem Buch gemachten Angaben dem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Da jedoch die Medizin als Wissenschaft ständig im Fluss ist, da menschliche Irrtümer und Druckfehler nie völlig auszuschließen sind, können Verlag und Autoren hierfür jedoch keine Gewähr und Haftung übernehmen. Jeder Benutzer ist daher dringend angehalten, die gemachten Angaben, insbesondere in Hinsicht auf Arzneimittelnamen, enthaltene Wirkstoffe, spezifische Anwendungsbereiche und Dosierungen anhand des Medikamentenbeipackzettels und der entsprechenden Fachinformationen zu überprüfen und in eigener Verantwortung im Bereich der Patientenversorgung zu handeln. Aufgrund der Auswahl häufig angewendeter Arzneimittel besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-041174-6
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-041175-3
epub: ISBN 978-3-17-041176-0
Prof. Dr. med. Ulrich Christoph Liener
Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
Marienhospital Stuttgart
Böheimstr. 37, D-70199 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Clemens Becker
Unit Digitale Geriatrie, Geriatrisches Zentrum
Universitätsklinikum Heidelberg
Bergheimer Str. 20, D-70499 Heidelberg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Kilian Rapp
Abteilung für Geriatrie
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstraße 110, D-70376 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Michael J. Raschke
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude W1
Waldeyerstr. 1, D-48149 Münster
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Bernd Kladny
Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie
m&i-Fachklinik Herzogenaurach
In der Reuth 1, D-91074 Herzogenaurach
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Dieter Christian Wirtz
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Bonn
Venusberg-Campus 1, D-53127 Bonn
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med. Rene Aigner
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstr., D-35043 Marburg
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Philip Anderson
Lehrstuhl für Orthopädie der Universität Würzburg
Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus
Brettreichstr. 11, D-97074 Würzburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Christine von Arnim
Abteilung für Geriatrie
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Str. 40, D-37077 Göttingen
E-Mail: [email protected]
Gabriele Bales
Pflegeexpertin als Advanced Practice Nurse (MScN)
Universitäre Altersmedizin Felix Platter
Burgfelderstrasse 101, CH-4055 Basel
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Bartl
Osteoporosezentrum am Dom München
Kaufingerstr. 15, D-80331 München
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Christopher Bliemel
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstr., D-35043 Marburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Wolfgang Böcker
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM)
LMU Klinikum München – Campus Großhadern
Marchioninistr. 15, D-81377 München
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. L. Cornelius Bollheimer
Medizinische Klinik VI (Altersmedizin)
Uniklinik RWTH Aachen
Pauwelsstr. 30, D-52074 Aachen
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Hartmut Bork
Reha-Zentrum am St. Josef-Stift gGmbH
Westtor 7, D-48324 Sendenhorst
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Benjamin Bücking
Klinik für Unfallchirurgie
Klinikum Hochsauerland GmbH
Nordring 39-44, D-59821 Arnsberg
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Kerstin Bühl
Abteilung für Geriatrie
Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart
Auerbachstraße 110, D-70376 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
PD Dr. med. Heinrich Burkhardt
Geriatrisches Zentrum, IV. Medizinische Klinik – Geriatrie
Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3, D-68167 Mannheim
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Mark Coburn
Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Venusberg-Campus 1, Gebäude 22, D-53127 Bonn
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Michael Denkinger
Institut für Geriatrische Forschung der Universität Ulm
Geriatrisches Zentrum Ulm/Alb-Donau
AGAPLESION Bethesda Klinik, Akademisches Krankenhaus der Universität Ulm
Zollernring 26, D-89073 Ulm
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Karsten E. Dreinhöfer
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Medical Park Berlin Humboldtmühle
und
Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
An der Mühle 2–9, D-13507 Berlin
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Friedemann Ernst
Kompetenz-Centrum Geriatrie der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste
beim Medizinischen Dienst Nord
Hammerbrookstr. 5, D-20097 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Daphne Eschbach
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstr. 1, D-35043 Marburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Gerhard Eschweiler
Geriatrisches Zentrum am Universitätsklinikum Tübingen
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Calwerstraße 14, D-72076 Tübingen
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Thomas Friess
Projektkoordination AltersTraumaZentrum und AltersTraumaRegister-DGU
AUC – Akademie der Unfallchirurgie
Emil-Riedel-Str. 5, D-80538 München
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Cornelia Gleisberg
Abteilung Medizin
GKV-Spitzenverband
Reinhardtstr. 28, D-10117 Berlin
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. univ. Markus Gosch
Medizinische Klinik 2 – Schwerpunkt Geriatrie, Klinikum Nürnberg
Universitätsklinik für Geriatrie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg
Prof. Ernst Nathan Str. 1, D-90419 Nürnberg
E-Mail: [email protected]
Michaela Groß, M.Sc.
Abteilung für Geriatrie
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstraße 110, D-70376 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. Martin Grünewald
Medizinische Klinik I
Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH
Schloßhaustr. 100, D-89522 Heidenheim
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Klaus-Peter Günther
UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie
am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstr. 74, D-01307 Dresden
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Carl Haasper
AMEOS Klinikum Seepark
Langener Str. 66, D-27607 Geestland
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. rer. nat. Julia Haberstroh
Psychologische Alternsforschung, Institut für Psychologie
Universität Siegen
Adolf-Reichwein-Str. 2a, D-57068 Siegen
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. phil. med. habil. Klaus Hauer
Agaplesion Bethanien-Krankenhaus
Geriatrisches Zentrum am Klinikum der Universität Heidelberg
Rohrbacherstrs.149, D-69126 Heidelberg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller
Orthopädische Klinik Braunschweig
Stiftung Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Str. 24, D-38124 Braunschweig
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. Dr. med. Eric Hesse
Institut für Molekulare Muskuloskelettale Forschung (IMMF)
LMU Klinikum München – Campus Großhadern
Fraunhoferstr. 20, D-82152 Planegg-Martinsried
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Christoph-E. Heyde
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie
Liebigstr. 20, D-04103 Leipzig
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med Gunnar Hischebeth
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie
Universitätsklinikum Bonn AöR
Venusberg Campus 1, Gebäude 63, D-53127 Bonn
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Nicolas H. von der Höh
Universitätsklinikum Leipzig AöR
Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie
Liebigstr. 20, D-04103 Leipzig
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Volkmar Jansson
Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation
LMU Klinikum München – Campus Großhadern
Marchioninistr. 15, D-81377 München
E-Mail: [email protected]
Prim. Prof. Dr. med. Christian Kammerlander
Unfallkrankenhaus Steiermark, Graz & Kalwang
Standort Graz: Göstingerstr. 24, A-8020 Graz
Standort Kalwang: Rudolf-von-Gutmann-Str. 1, A-8775 Kalwang
E-Mail: [email protected]
und
apl. Professor an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM)
LMU Klinikum München – Campus Großhadern
Marchioninistr. 15, 81377 D-München
Dr. med. Tobias Kappenschneider
Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Universität Regensburg
Sektion Orthopädische Geriatrie
Asklepios Klinikum Bad Abbach
Kaiser-Karl V.-Allee 3, D-93077 Bad Abbach
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. phil. Wolfgang Kemmler
Institute of Medical Physics
Friedrich-Alexander University of Erlangen-Nürnberg
Henkestraße 91, D-91052 Erlangen
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Rainer Kiefmann
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Schwerpunktbereich Gerontoanästhesiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, D-20246 Hamburg
E-Mail: [email protected]
und
Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Rotkreuzklinikum München
Nymphenburger Str. 163, D-80634 München
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med Stephan Kirschner, MBA
Orthopädische Klinik
ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe
Steinhäuserstraße 18, D-76135 Karlsruhe
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Sven Klaschik
Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Venusberg-Campus 1, Gebäude 22, D-53127 Bonn
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Tom Knauf
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstr., D-35043 Marburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Matthias Knobe, MME, MHBA
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Luzerner Kantonsspital
Spitalstrasse, CH-6000 Luzern 16
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med. Hendrik Kohlhof, MHBA
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Rheinische Friedrich Wilhelms-Universität Bonn
Venusberg-Campus 1, D-53127 Bonn
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Hans-Helmut König, MPH
Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, D-20246 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med. Albert Lukas
Zentrum für Altersmedizin
HELIOS Klinikum Bonn/Rhein-Sieg
Von-Hompesch-Str. 1, D-53123 Bonn
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Ursula Marschall, Dipl. oec.
Institut für Gesundheitssystemforschung
Forschungsbereich Medizin/Versorgungsforschung
BARMER Hauptverwaltung
Lichtscheider Str. 89, D-42285 Wuppertal
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Uwe Maus, MHBA
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5, D-40225 Düsseldorf
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. Dr. h. c. Edgar Mayr
Zentralklinikum Augsburg
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie
Steglinstr. 2, D-86156 Augsburg
E-Mail: [email protected]
Dr. P.H. Matthias Meinck
Kompetenz-Centrum Geriatrie der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste
beim Medizinischen Dienst Nord
Hammerbrookstr. 5, D-20097 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Patrick Meybohm
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Str. 6, D-97080 Würzburg
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Matthias Meyer
Orthopädische Klinik für die Universität Regensburg
Asklepios Klinikum Bad Abbach
Kaiser-Karl V.-Allee 3, D-93077 Bad Abbach
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier
Orthopädische Klinik
Universitätsmedizin Rostock
Doberaner Str. 142, D-18057 Rostock
E-Mail: [email protected]
Norbert H. Müller, RA
Rechtsanwälte Klostermann Schmidt Monstadt Eisbrecher
Kortumstr. 100, 44787 Bochum
Postfach 10 13 04, 44713 Bochum
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med Ursula Müller-Werdan
Klinik für Geriatrie und Altersmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin
und Evangelisches Geriatriezentrum Berlin
Reinickendorfer Str. 61, D-13347 Berlin
E-Mail: [email protected]
Ass.-Prof.in Dr.in rer. medic. Nadja Nestler
Institut für Pflegewissenschaft und -praxis
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Strubergasse 21, A-5020 Salzburg
E-Mail: [email protected]
PD Dr. med. Carl Neuerburg
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM)
LMU Klinikum München – Campus Großhadern
Marchioninistr. 15, D-81377 München
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. rer. medic. Kristina Norman
Klinik für Geriatrie und Altersmedizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Reinickendorfer Str. 61 | D-13347 Berlin
E-Mail: [email protected]
und
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Abteilung für Ernährung und Gerontologie
Arthur-Scheunert-Allee 114–116, D-14558 Nuthetal
Dr. med. Cynthia Olotu
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, D-20246 Hamburg
E-Mail: [email protected]
Ass.-Prof. Dr. Martin Pallauf, Dipl.-Pflegewirt (FH)
Institut für Pflegewissenschaft und -praxis
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Strubergasse 21, A-5020 Salzburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Johannes Pantel
Arbeitsbereich Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie
Institut für Allgemeinmedizin
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7, D-60590 Frankfurt am Main
E-Mail: [email protected]
Dr. rer. nat. Klaus Pfeiffer
Abteilung für Geriatrie
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstraße 110, D-70376 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Pumberger
Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1, D-10117 Berlin
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Maximillian Rudert
Lehrstuhl für Orthopädie der Universität Würzburg
Orthopädische Klinik König-Ludwig-Haus
Brettreichstr. 11, D-97074 Würzburg
E-Mail: [email protected]
Dr. biol. hum. Patrick Roigk, M.A. Pflegewissenschaft
Abteilung für Geriatrie
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstr. 110, D-70376 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Pol M. Rommens
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Langenbeckstr. 1, D-55131 Mainz
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Dietrich Rothenbacher, MPH
Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie
Universität Ulm
Helmholtztsr. 22, D-89081 Ulm
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Steffen Ruchholtz
Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg
Baldingerstr., D-35043 Marburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Oliver W. Sakowitz
Neurochirurgisches Zentrum Ludwigsburg-Heilbronn
RKH Gesundheit – Klinikum Ludwigsburg
Posilipostr. 4, D-71640 Ludwigsburg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Markus Scheibel
Schulthess Klinik
Lengghalde 2, CH-8008 Zürich
E-Mail: [email protected]
und
Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburgerplatz 1, D-13353 Berlin
E-Mail: [email protected]
Dr. med. Klaus John Schnake
Interdisziplinäres Zentrum für Wirbelsäulen- und Skoliosetherapie
Malteser Waldkrankenhaus St. Marien
Rathsberger Str. 57, D-91054 Erlangen
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Tobias L. Schulte
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthopädische Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Katholisches Klinikum Bochum, St. Josef-Hospital
Gudrunstr. 56, D-44791 Bochum
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Rüdiger Smektala
Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum
Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
In der Schornau 23–25, D-44892 Bochum
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Arnd Steinbrück
OCKA orthopädisch chirurgisches Kompetenzzentrum Augsburg
Vinzenz-von-Paul-Platz 1, D-86152 Augsburg
E-Mail: [email protected]
Dr. rer. med. Dipl.-Psych. Valentina A. Tesky
Arbeitsbereich Altersmedizin
Institut für Allgemeinmedizin
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7, D-60590 Frankfurt am Main
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Ulrich Thiem
Zentrum für Geriatrie und Gerontologie, Albertinen-Haus
Sellhopsweg 18-22, D-22459 Hamburg
E-Mail: [email protected]
und
Lehrstuhl für Geriatrie und Gerontologie
Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
Priv.-Doz. Dr. med. Christine Thomas
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere
Klinikum Stuttgart
Prießnitzweg 24, D-70374 Stuttgart
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. rer. nat. Dorothee Volkert
Professur für Klinische Ernährung im Alter
Institut für Biomedizin des Alterns
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kobergerstr. 60, D-90408 Nürnberg
E-Mail: [email protected]
Prof. Dr. med. Rainer Wirth
Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation
Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Hölkeskampring 40, D-44625 Herne
E-Mail: [email protected]
Der demografische Wandel stellt unser Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen, die wir bereits heute in einer noch nie dagewesenen Dynamik erleben. Es ist eine überaus erfreuliche Tatsache, dass immer mehr Menschen immer älter werden und dass das sog. vierte Alter heute für viele mit einer hohen Lebensqualität verbunden ist. Allerdings erleben wir vor dem Hintergrund eines körperlichen und geistigen Abbaus auch zahlreiche altersassoziierte Probleme, die in der medizinischen Versorgung von Menschen in Orthopädie und Unfallchirurgie Berücksichtigung finden müssen. Gebrechlichkeit, kognitive Störungen, Multimorbidität und Multimedikation seien hier nur als Stichworte genannt, um die zunehmende Komplexität der individuellen Situation unserer Patienten zu skizzieren.
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) haben diese Herausforderung mit der Erstellung des Weißbuchs Alterstraumatologie im Jahr 2018 angenommen. Das Weißbuch hat Einfluss auf die Versorgungsrealität genommen und Orientierung für die Weiterentwicklung der Patientenversorgung gegeben. Es konnten interdisziplinäre Abläufe etabliert werden, die die Versorgungsqualität signifikant verbessern und sogar zu einer nachhaltigen Verbesserung der Überlebenszeit alterstraumatologischer Patienten beitragen. Ihre praktische Umsetzung erfuhren die Inhalte des Weißbuchs in der Etablierung von zertifizierten Alterstraumazentren.
In der elektiven Behandlung orthopädischer Erkrankungen älterer Patienten müssen die altersassoziierten Besonderheiten ebenso Berücksichtigung finden, um diesen Patienten medizinisch gerecht zu werden. Wir sehen es daher als einen weiteren wichtigen Fortschritt für das gemeinsame Fach Orthopädie und Unfallchirurgie an, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) der Herausforderung gestellt hat, Orthopädie und Unfallchirurgie bei älteren Patienten in einem gemeinsamen Weißbuch abzubilden.
Die Besonderheiten in der Betreuung älterer Patienten beginnen nicht erst mit der Operation. Im Hinblick auf die Besonderheiten der prä- und perioperativen Phase finden sich durchaus Gemeinsamkeiten in der Versorgung traumatologisch und elektiv zu behandelnder Patienten. Die Inhalte des Weißbuchs im Hinblick auf die Frakturversorgung werden aus dem orthopädischen Spektrum mit Ausführungen zur operativen Versorgung mit Endoprothetik, der Wirbelsäulenchirurgie, periprothetischer Frakturen und Infektionen ergänzt. Die Notwendigkeit und die Inhalte des Geriatrischen Co-Managements werden dargestellt und Hinweise zur postoperativen Versorgung gegeben. Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind auch im Bereich der Versorgung älterer Patienten in Orthopädie und Unfallchirurgie unverzichtbar.
Wir sind der Überzeugung, dass mit dem gemeinsamen Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie ein Buch gelungen ist, das sehr gut an den Erfolg des Weißbuchs Alterstraumatologie anschließt und diesen fortsetzen kann. Es stellt eine sehr gute Basis für die interprofessionelle Versorgung älterer Patienten und die darin involvierten ärztlichen und nicht-ärztlichen Berufsgruppen in unserem sehr breiten Fach und darüber hinaus dar. Darüber hinaus soll es auch den Vertretern der Politik und den Kostenträgern wichtige Hinweise für Entscheidungen geben, die im Sinne von Qualität und Sicherheit für die Behandlung dieser auch zahlenmäßig bedeutsamen Patientengruppe zu treffen sind.
Prof. Dr. med. Bernd Kladny
Stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
Prof. Dr. med. Dietmar Pennig
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
Prof. Dr. med. Rainer Wirth
President-elect der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
Herausgeber- und Autorenverzeichnis
Geleitwort
Einführung zur Vorgängerausgabe
Weißbuch Alterstraumatologie
Einführung zum
Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie
I Einführung in die Alterstraumatologie
1 Epidemiologie und Kosten osteoporotischer Frakturen in Deutschland
Kilian Rapp, Dietrich Rothenbacher und Hans-Helmut König
2 Evidenz für orthogeriatrisches Co-Management nach proximalen Femurfrakturen
Kilian Rapp und Benjamin Bücking
II Einführung in die Orthogeriatrie
1 Definition der Orthogeriatrie
Dieter C. Wirtz und Bernd Kladny
2 Epidemiologie und Kosten orthogeriatrischer Eingriffe
Ursula Marschall
3 Herausforderungen in der Betreuung orthogeriatrischer Patienten
Karsten E. Dreinhöfer und Clemens Becker
III Prä- und perioperative Phase
1 Präoperative Diagnostik und geriatrisches Assessment
Albert Lukas und Ulrich Thiem
2 Besondere Situationen der Einwilligungsfähigkeit – Einwilligung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in medizinische Maßnahmen
Valentina A. Tesky, Julia Haberstroh, Ulrich C. Liener, Daphne Eschbach, Norbert H. Müller und Johannes Pantel
3 Perioperative Planung, Zeitpunkt der Operation von proximalen Femurfrakturen
Rüdiger Smektala
4 Umgang mit gerinnungshemmender Medikation
Benjamin Bücking, Michael Denkinger und Martin Grünewald
5 Anästhesiologische Verfahren und Schmerzmanagement
Sven Klaschik und Mark Coburn
6 Patientenorientiertes Blutmanagement
Patrick Meybohm und Daphne Eschbach
7 Delir und Demenz
Christine von Arnim, Kerstin Bühl und Christine Thomas
8 Perioperative kardiologische Betreuung
Ursula Müller-Werdan
9 Medikamentenmanagement und Polypharmazie
Heinrich Burkhardt
10 Prärehabilitation in der Orthogeriatrie
Stephan Kirschner, Cynthia Olotu und Rainer Kiefmann
IV Frakturversorgung
1 Implantatfixierung und Endoprothetik im osteoporotischen Knochen
Eric Hesse und Carl Haasper
2 Proximale Femurfrakturen
Benjamin Bücking, Christopher Bliemel und Matthias Knobe
3 Distale Radiusfrakturen
Christoph Bartl
4 Proximale Humerusfrakturen
Edgar Mayr
5 Fragilitätsfrakturen des Beckens
Pol M. Rommens
6 Schädel-Hirn-Trauma
Oliver W. Sakowitz
7 Geriatrisches Polytrauma
Tom Knauf, Steffen Ruchholtz und Rene Aigner
V Primär- und Wechselendoprothetik
1 Hüftgelenksarthrose
Karl-Dieter Heller
2 Kniegelenksarthrose
Maximilian Rudert und Philip Anderson
3 Schultergelenksarthrose
Markus Scheibel
4 Aseptische Prothesenlockerung
Klaus-Peter Günther
5 Septische Prothesenrevision
Gunnar Hischebeth und Hendrik Kohlhof
VI Planbare Wirbelsäulenchirurgie
1 Spinalkanalstenose
Matthias Pumberger
2 Degenerative Skoliosen
Tobias L. Schulte
3 Spondylodiszitis
Christoph-E. Heyde und Nicolas H. von der Höh
VII Periprothetische Frakturen und osteoporotische Wirbelkörperfrakturen
1 Periprothetische Frakturen
Michael J. Raschke und Dieter C. Wirtz
2 Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen
Klaus John Schnake und Christian Kammerlander
VIII Geriatrisches Co-Management
1 Orthogeriatrische Zusammenarbeit in der Traumatologie
Thomas Friess, Daphne Eschbach und Markus Gosch
2 Modelle der orthogeriatrischen Versorgung
Hendrik Kohlhof, Matthias Meyer, Albert Lukas und Tobias Kappenschneider
IX Postoperative Phase
1 Pflege
Martin Pallauf, Nadja Nestler, Gabriele Bales und Patrick Roigk
2 Diagnostik und Therapie der Osteoporose nach Fraktur
L. Cornelius Bollheimer, Kilian Rapp und Uwe Maus
3 Koordiniertes Osteoporose-Management mittels Fracture Liaison Service (FLS)
Carl Neuerburg, Christian Kammerlander und Wolfgang Böcker
4 Rehabilitation und Training in der Alterstraumatologie
Klaus Hauer, Clemens Becker, Wolfgang Kemmler, Daphne Eschbach, Patrick Roigk und Michaela Groß
5 Rehabilitation und Training in der Orthogeriatrie
Hartmut Bork und Bernd Kladny
6 Diagnostik und Therapie der Malnutrition
Kristina Norman, Dorothee Volkert und Rainer Wirth
7 Sturzangst und Depression
Klaus Pfeiffer und Gerhard Eschweiler
8 Sturzprävention
Clemens Becker, Patrick Roigk und Michaela Groß
X Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement
1 Qualitätskontrollen von Struktur- und Prozessanforderungen in der Versorgung hüftgelenknaher Femurfrakturen durch die Medizinischen Dienste
Matthias Meinck und Friedemann Ernst Kompetenz-Centrum Geriatrie der Gemeinschaft der Medizinischen Dienste
2 Die Richtlinie zur Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur – QSFFx-RL
Cornelia Gleisberg
3 Endoprothetikzentren-Zertifizierung: EndoCert
Wolfram Mittelmeier
4 Endoprothesenregister Deutschland (EPRD)
Volkmar Jansson und Arnd Steinbrück
Übersicht über SOPs
Die Zahl der typischen alterstraumatologischen Verletzungen wie Hüft- oder Oberarmfrakturen nimmt in Deutschland weiter zu. Damit wird die Sicherstellung einer guten akutmedizinischen Versorgung älterer Patienten nach sturz- oder osteoporosebedingten Frakturen immer wichtiger. In einer 2014 vom Robert Koch-Institut vorgelegten Untersuchung zeigte sich, dass sturzbedingte Verletzungen neben Herzerkrankungen, Krebs, Demenz und Schlaganfall zu den fünf wichtigsten Ursachen für einen Verlust an qualitätsadjustierten Lebensjahren gehören (Plass et al. 2014). Daten aus benachbarten europäischen Ländern zeigen, dass bei Patienten, die durch Unfallchirurgen und Geriater in alterstraumatologischen Abteilungen gemeinsam behandelt werden, die 30-Tage- und Ein-Jahres-Mortalität um mehr als 25 % gesenkt werden konnte (Hawley et al. 2016). Zudem konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass die frühe Einbeziehung geriatrischer Behandlungsprinzipien zu besseren funktionellen Ergebnissen führte (Prestmo et al. 2015). Hunderte Heimeinweisungen wären vermeidbar und häusliche Pflegebedürftigkeit reduzierbar, wenn eine hochwertige, evidenzbasierte Akutbehandlung und Rehabilitation von älteren Patienten nach altersassoziierten Frakturen in erfahrenen, qualifizierten Abteilungen durchgeführt würde. Die hierfür nötigen Strukturen und Prozesse sind in Deutschland bisher nur teilweise vorhanden und sollten in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden.
Alterstraumatologische Frakturen haben schon jetzt eine sehr hohe ökonomische Relevanz; die Kosten betragen mehrere Milliarden Euro. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten, die durch Frakturen verursacht werden, in den nächsten Jahren stark ansteigen werden. Die Prognosemodelle für alle Fallgruppen weisen darauf hin, dass systematische und systemische Präventionsmaßnahmen erforderlich sein werden, damit die Mengenentwicklung beherrschbar und steuerbar bleibt.
Die gegenwärtige Situation erinnert an die Diskussion bei der Einführung der Stroke Units vor mehr als zehn Jahren. Es ist unstrittig, dass im Bereich der Schlaganfallbehandlung eine gut koordinierte interdisziplinäre Behandlung, eingebettet in ein dichtes Versorgungsnetz, die Prävention, Therapie und Rehabilitation verbessert hat. Dieser Weg muss auch im Bereich der Alterstraumatologie beschritten werden. Dabei sollte auf die Stärken des deutschen Gesundheitswesens, wie deren Innovationsfähigkeit, aufgebaut werden. Die Erfahrungen anderer europäischer Länder in der Alterstraumatologie im Bereich der Auditierung und Prozessevaluation sollten auf deutsche Verhältnisse angepasst und konsequent implementiert werden.
In Deutschland werden derzeit mehr als 400.000 alterstraumatologische Frakturen pro Jahr stationär behandelt. Prototyp ist hierbei die Fraktur des coxalen Femurs (umgangssprachlich oft, aber nicht korrekt, »Oberschenkelhalsbruch« genannt). Das Durchschnittsalter dieser Patienten liegt mittlerweile bei über 82 Jahren.
Die strukturelle Organisation und die hiermit verbundenen Prozesse vieler deutscher Krankenhäuser sind derzeit noch nicht optimal auf die alterstraumatologischen Herausforderungen vorbereitet. Die Gesundheitspolitik und die Leistungsträger legen zu Recht großen Wert auf die Qualität der Versorgung. Die präoperative, intraoperative und postoperative Versorgung der überwiegend hochaltrigen Patienten setzt eine koordinierte Behandlung von Unfallchirurgie, Anästhesie, Geriatrie und Nachbardisziplinen wie der Pflege und der Therapieberufe voraus. Derzeit erfüllen weniger als 100 Zentren in Deutschland die Voraussetzungen einer zertifizierten Alterstraumatologie. In den kommenden fünf Jahren ist davon auszugehen, dass sich viele Abteilungen auf den Weg machen werden, diese Voraussetzungen zu erfüllen. Das Weißbuch setzt sich zum Ziel, die Strukturen und Prozesse zu beschreiben, die hierfür nötig sind. Der Bewertungsmaßstab hierfür sind klinische Studien mit hoher Qualität. Die dazu nötigen Formen der Zusammenarbeit sind in Deutschland noch nicht gelebte Praxis.
Es geht darum, bis 2020 interdisziplinäre und interprofessionelle Einheiten zu schaffen, die die Stärken aller Teammitglieder gegenseitig anerkennen und fördern. Dies betrifft ärztliche und nichtärztliche Gesundheitsfachberufe. Neben den Pflegeberufen sind hier die therapeutischen Berufsgruppen an erster Stelle zu nennen. Bei der Diskussion ist zu bedenken, dass die gegenwärtige Bewertung durch die DRG-Systematik diese Prozesse nur teilweise im Rahmen der frührehabilitativen Komplexbehandlung abbildet. So werden weniger als 50 % der Patienten eines alterstraumatologischen Zentrums über das Merkmal einer frührehabilitativen Komplexbehandlung korrekt erfasst. Dabei reicht das alterstraumatologische Spektrum vom ambulant behandelten Patienten mit Radiusfraktur bis hin zum multimorbiden, in einem Pflegeheim lebenden Patienten mit Hüftfraktur.
Vor diesem Hintergrund enthält das Weißbuch eine kurze Zusammenfassung der unfallchirurgischen Therapie häufiger Frakturtypen. Der Stand der Wissenschaft wird in einer auch für Nichtmediziner verständlichen Sprache zusammengefasst. Im Bereich der unfallchirurgischen Therapie zeigt sich die Stärke einer innovativen Medizintechnik. Durch neue operative Verfahren und Implantate können relevante Fortschritte erreicht werden.
Ergänzend hierzu wird das perioperative Management durch die Anästhesie und Geriatrie vor dem Hintergrund des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses zusammengefasst. Internationale Studien zeigen, dass die perioperative Mortalität gesenkt werden kann, wenn eine optimal koordinierte Therapie stattfindet. Viele, aber nicht alle, Komplikationen wie Pneumonie, tiefe Beinvenenthrombose, Blutungskomplikationen, Delir, Dekubitus und Infekte der Harnwege sind vermeidbar.
Die postoperative Trainingstherapie und Rehabilitation ist von herausragender Bedeutung, wenn das gesellschaftlich akzeptierte Ziel der Vermeidung und Minimierung von Pflegebedürftigkeit erreicht werden soll. Die meisten Frakturen führen über eine Phase der relativen oder absoluten Immobilität zu muskulären, koordinativen und kognitiven Defiziten. Die auch in Deutschland durchgeführten Meilensteinstudien zeigen, dass das rehabilitative Potential der meisten Patienten nicht ausreichend genutzt wird.
Bei praktisch allen alterstraumatologischen Patienten wird die Behandlung nicht mit der Entlassung aus dem Akutbereich oder der stationären Rehabilitation abgeschlossen sein. Die ambulante Behandlung weist unverändert erhebliche Defizite auf. Dies betrifft die konsequente Behandlung der Osteoporose zur Sekundärprävention ebenso wie eine konsequente ambulante Sturzprävention. Bei der Verbesserung der Schnittstellen steht Deutschland noch am Anfang.
Stuttgart, im Frühjahr 2018
Ulrich Christoph Liener, Clemens Becker und Kilian Rapp
Hawley S, Javaid MK, Prieto-Alhambra D, Lippett J, Sheard S, Arden NK, Cooper C, Judge A; REFReSH study group. Clinical effectiveness of orthogeriatric and fracture liaison service models of care for hip fracture patients: population-based longitudinal study. Age Ageing. 2016 Mar;45(2):236-42.
Plass D, Vos T, Hornberg C, Scheidt-Nave C, Zeeb H, Krämer A: Trends in disease burden in Germany – results, implications and limitations of the Global Burden of Disease Study. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 629–38.
Prestmo A, Hagen G, Sletvold O, Helbostad JL, Thingstad P, Taraldsen K, Lydersen S, Halsteinli V, Saltnes T, Lamb SE, Johnsen LG, Saltvedt I. Comprehensive geriatric care for patients with hip fractures: a prospective, randomised, controlled trial. Lancet. 2015 Apr 25;385(9978):1623-33.
Seit der ersten Ausgabe des Weißbuchs Alterstraumatologie im Jahr 2018 wurden mittlerweile auch in Deutschland belastbare Zahlen der Versorgungsforschung vorgelegt. Diese zeigen, dass es für Patienten1 und Kliniken von Vorteil ist, wenn die Empfehlungen des Weißbuchs umgesetzt werden. Die Ergebnisse des PROFinD2-Konsortiums, das Daten von mehr als 50.000 Patienten untersucht hat, zeigen, dass sich die 30-Tage-Mortalität um 20 % reduziert, wenn Patienten von interdisziplinären Teams alterstraumatologisch betreut werden.
Die Zahl der alterstraumatologischen Verletzungen hat in Deutschland in den letzten Jahren weiter zugenommen. Dem Ziel der verbesserten akutmedizinischen Versorgung älterer Patienten nach sturz- oder osteoporosebedingten Frakturen wurde mit dem G-BA-Beschluss 2019 Rechnung getragen. Dieser legt mit einer Übergangsfrist fest, dass zukünftig die Regelbehandlung alterstraumatologischer Patienten durch interdisziplinäre Teams erfolgen soll. Neben der frühzeitigen operativen Therapie wurden zahlreiche Struktur- und Prozessmerkmale festgelegt. Das Indexkrankheitsbild ist dabei die Hüftfraktur. Es ist aber davon auszugehen, dass eine ähnliche Vorgehensweise auch bei den anderen Frakturen älterer Menschen zu einer Verbesserung führen wird.
Fragilitätsfrakturen haben eine hohe ökonomische Relevanz. Die Kosten einer vermeidbaren Heimeinweisung sind sowohl für die einzelne Familie als auch für die sozialen Sicherungssysteme enorm. Die hier vorgelegten Prognosemodelle weisen darauf hin, dass diese in den nächsten Jahren weiter stark ansteigen werden. Damit diese Mengenentwicklung beherrsch- und steuerbar bleibt, ist eine grundlegende systematische und systemische Weiterentwicklung von Behandlung, Rehabilitation und Prävention unerlässlich.
Die Situation des neuen Weißbuchs Alterstraumatologie und Orthogeriatrie beschreibt somit den Aufbruch in eine neu strukturierte Versorgung, die zusammen mit der Reorganisation der Notaufnahmen zu einer nachhaltigen Veränderung des deutschen Krankenhaussystems führen wird. Es gibt noch viele offene Fragen. Die hohen Strukturvoraussetzungen des G-BA müssen refinanziert werden. Die Umstellung von einem 5-Tage-Angebot auf ein 7-Tage-Angebot der interdisziplinären Behandlung sind mit weiteren erheblichen Kosten verbunden. Eine große Herausforderung für die Krankenhausträger ist die Umsetzung dieser Vorgaben.
In Deutschland werden derzeit mehr als 450.000 Patienten mit Fragilitätsfrakturen stationär behandelt. Eine vergleichbar große Anzahl an Patienten wird darüber hinaus mit orthopädischen Erkrankungen im Alter von mindestens 80 Jahren oder älter als 70 Jahren mit einem geriatrischen Multimorbiditätsprofil stationär betreut. Wesentlicher Unterschied zu alterstraumatologischen Patienten ist bei orthogeriatrischen Patienten in der Regel das Fehlen einer notfallmäßigen Behandlungsnotwendigkeit, so dass insbesondere bei planbaren Eingriffen ein präinterventioneller Zeitraum besteht. Gerade dieser sollte und muss multiprofessionell genutzt werden, um die perioperative Komplikationsrate zu senken und das Outcome zu verbessern.
Bis dato sind jedoch die strukturelle Organisation und die hiermit verbundenen Prozesse für planbare orthopädische Eingriffe noch nicht optimal auf die orthogeriatrischen Herausforderungen vorbereitet. Die Gesundheitspolitik und die Leistungsträger legen – zu Recht – großen Wert auf die Qualität der Versorgung. Die prä-, intra- und postoperative Versorgung der hochaltrigen Patienten setzt eine koordinierte und verzahnte Behandlung von Orthopädie und Unfallchirurgie, Anästhesie, Geriatrie und Bereichen wie Pflege- und Therapieberufe voraus.
Das neuaufgelegte Weißbuch setzt sich zum Ziel, die Strukturen und Prozesse in der Alterstraumatologie fortzuschreiben und für die orthogeriatrischen Patienten erstmalig zu definieren.
Es geht darum, bis 2025 überall interdisziplinäre und interprofessionelle Einheiten zu schaffen, die die Stärken sämtlicher Teammitglieder gegenseitig anerkennen und fördern. Bei der Diskussion ist zu bedenken, dass die gegenwärtige Bewertung durch die DRG-Systematik diese Prozesse nur teilweise im Rahmen der frührehabilitativen Komplexbehandlung abbildet. So werden derzeit nur knapp 50 % der Patienten über das Merkmal einer frührehabilitativen Komplexbehandlung korrekt erfasst.
Bei praktisch allen älteren Patienten wird die Behandlung nicht mit der Entlassung aus dem Akutbereich oder der stationären Rehabilitation abgeschlossen sein. Die ambulante Weiterbehandlung weist erhebliche Defizite und Lücken auf. Dies betrifft die konsequente Erfassung und die Behandlung der Osteoporose zur Sekundärprävention ebenso wie eine konsequente Sturzprävention. Bei der Verbesserung der Schnittstellen steht Deutschland immer noch am Anfang.
Vor diesem Hintergrund enthält das neuaufgelegte Weißbuch eine Zusammenfassung der prä- peri- und postoperativen Phase. Der Stand der Wissenschaft wird in einer auch für Nichtmediziner verständlichen Sprache zusammengefasst.
Stuttgart, Münster, Bonn und Herzogenaurach, im Herbst 2021
Ulrich Christoph Liener, Clemens Becker, Kilian Rapp,
Michael J. Raschke, Bernd Kladny, Dieter Christian Wirtz
1 Zugunsten einer lesefreundlichen Darstellung wird in diesem Herausgeberwerk bei personenbezogenen Bezeichnungen in der Regel die männliche Form verwendet. Diese schließt alle Geschlechtsformen ein (weiblich, männlich, divers).
1 Epidemiologie und Kosten osteoporotischer Frakturen in Deutschland
2 Evidenz für orthogeriatrisches Co-Management nach proximalen Femurfrakturen
Die bedeutsamsten osteoporotischen Frakturen treten am Oberarm, Unterarm, den Wirbelkörpern, dem Becken und der Hüfte auf. Sie sind ganz überwiegend ein Problem des höheren und sehr hohen Alters. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Frakturtypen bezüglich ihrer Alters- und Geschlechtsverteilung. So werden z. B. handgelenksnahe Frakturen sehr häufig bei noch relativ jungen Frauen zwischen 50 und 70 Jahren beobachtet, während Frakturen der Hüfte oder des Beckens bei beiden Geschlechtern typische Frakturen des hohen und sehr hohen Alters sind. Dies spiegelt sich auch in den typischen »Frakturbiografien« wider, in denen auf zunächst weniger dramatische Frakturen mit zunehmendem Alter funktionell immer folgenreichere Frakturen auftreten. So hatte z. B. mindestens die Hälfte der Personen mit einer Hüftfraktur zuvor eine andere osteoporotische Fraktur erlitten.
Im Jahr 2019 wurden nach der offiziellen Statistik des Bundes etwa 431.000 Personen über 65 Jahre aufgrund einer Fraktur am Oberarm, Unterarm, den Wirbelkörpern, dem Becken und der Hüfte behandelt. Hüftfrakturen führten mit 39 % am häufigsten zu einer stationären Behandlung. Allerdings werden Frakturen des Unterarms oder der Wirbelkörper häufig nicht stationär, sondern ambulant behandelt, und deshalb – zieht man nur die Krankenhausstatistik zu Rate – deutlich unterschätzt. Valide Daten für die Krankheitslast aller osteoporotischer Frakturen liegen für Deutschland nicht vor. Für Europa wird geschätzt, dass etwa 30 % der Frakturen auf die Hüfte, 28 % auf den Unterarm, 24 % auf die Wirbelkörper und 12 % auf den Oberarm entfallen (Johnell und Kanis 2006).
Die Hüftfraktur ist die am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur.
In Deutschland finden sich 3 von 4 der osteoporotischen Frakturen bei Frauen. Dies liegt zum einen an einem generell erhöhten Frakturrisiko, zum anderen aber auch an einer höheren Lebenserwartung. Bei Frauen beträgt das Lebenszeitrisiko in Deutschland für eine der hauptsächlichen osteoporotischen Frakturen (Hüfte, Unterarm, Wirbelkörper, proximaler Humerus) im Alter von 50 Jahren circa 35 %, bei Männern 20 %. Die rohe Inzidenz bei Männern und Frauen im Alter von 50 Jahren oder darüber in Deutschland betrug im Jahr 2017 23 pro 1.000 Personen und war damit nach Schweden die zweithöchste in Europa (Borgström et al. 2020).
Etwa jede dritte 50-jährige Frau und jeder fünfte 50-jährige Mann wird im Laufe des Lebens eine osteoporotische Fraktur erleiden.
Da das Frakturrisiko mit dem Alter zunimmt, ist aufgrund der demografischen Alterung unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren auch mit einer Zunahme osteoporotischer Frakturen zu rechnen. Wenn man davon ausgeht, dass sich das alters- und geschlechtsspezifische Risiko, eine Fraktur zu erleiden, in den nächsten Jahrzehnten nicht ändert, so ist bis 2030 bzw. 2050 mit einer Zunahme der Frakturen um 21 % bzw. 57 % zu rechnen (eigene Hochrechnung). Bei Hüftfrakturen muss bis 2050 sogar mit einer Zunahme von circa 70 % ausgegangen werden, sollte es nicht gelingen, das Frakturrisiko deutlich zu senken. Das wiegt deshalb besonders schwer, da die Hüfte die Frakturlokalisation ist, die sowohl funktionell als auch finanziell die weitreichendsten Folgen hat. Deshalb soll hier auf diesen Frakturtyp etwas ausführlicher eingegangen werden.
Für Deutschland liegen gute Daten für die Inzidenz von Hüftfrakturen vor (Icks et al. 2008). Während es in mehreren anderen Industrieländern in den letzten 10 Jahren zu einem Rückgang der altersspezifischen Frakturrate kam (Cooper et al. 2011), ist dies für Deutschland bisher noch nicht zu verzeichnen (Icks et al. 2013). Ein besonders hohes Risiko für Hüftfrakturen haben Personen, die bereits pflegebedürftig sind, unabhängig davon, ob sie zuhause oder im Pflegeheim leben. So verursachen 12 % der Personen über 65 Jahre, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, etwa die Hälfte aller in Deutschland auftretenden Hüftfrakturen (Rapp et al. 2012). Für Pflegeheimbewohner verfügt Deutschland über die derzeit weltweit besten Inzidenzdaten (Rapp et al. 2008; Rapp et al. 2012). So sind z. B. jährlich 3 bis 4 Hüftfrakturen pro 100 Bewohnerplätze zu erwarten. Werden Bewohner zeitlich ab ihrer Aufnahme ins Pflegeheim beobachtet, so ist die Anzahl noch höher. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass das Risiko einer Fraktur in den ersten Monaten in der neuen Umgebung erheblich erhöht ist (Rapp et al. 2008).
Personen mit Pflegebedarf haben ein besonders hohes Frakturrisiko.
Die Folgen einer Hüftfraktur sind noch immer erheblich. Die modernen Osteosyntheseverfahren und die damit einhergehende frühe Mobilisierbarkeit der Patienten führten zwar in der Vergangenheit zu einem deutlichen Rückgang der Mortalität. Allerdings versterben noch immer bis zu 36 % der Patienten innerhalb der ersten 12 Monate nach einer Hüftfraktur (Abrahamsen et al. 2009). Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass es sich bei diesen Patienten um häufig sehr gebrechliche Personen mit einem ohnehin erhöhten Mortalitätsrisiko handelt. Die funktionellen Folgen einer Hüftfraktur wie z. B. eine eingeschränkte Geh- oder Selbstpflegefähigkeit sind für die weitere Lebensplanung der Patienten ganz erheblich. So werden z. B. in Deutschland 30 % der Frauen und 27 % der Männer, die das Krankenhaus nach einer Hüftfraktur lebend verlassen, im Rahmen der Pflegeversicherung innerhalb von 6 Monaten erstmalig als pflegebedürftig eingestuft (eigene Daten). Eine Aufnahme ins Pflegeheim erfolgt innerhalb desselben Zeitraums bei immerhin 15 % aller weiblichen und 12 % aller männlichen Hüftfrakturpatienten (Rapp et al. 2015).
Neben der hohen Krankheitslast von osteoporotischen Frakturen haben diese auch eine erhebliche ökonomische Relevanz. Der größte Anteil der medizinischen Versorgungskosten wird dabei im akutstationären Bereich und durch frakturindizierte Pflegeheimaufenthalte verursacht (Konnopka et al. 2009; Bleibler et al. 2013). In Deutschland lagen im Jahr 2009 die Kosten für stationäre Frakturbehandlung von Patienten über 50 Jahren bei ca. 2,4 Mrd. Euro. Circa 73 % dieser Versorgungskosten fielen bei weiblichen Patienten an, wobei 42 % der Kosten durch proximale Femurfrakturen entstanden. Dabei sind 36 % der stationären Versorgungskosten auf den Risikofaktor Osteoporose (Knochendichte T ≤ –2,5) zurückzuführen (Bleibler et al. 2014). Aufgrund des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die Frakturkosten, vor allem die durch Osteoporose bedingten, überproportional stark ansteigen werden. Dieser starke Kostenanstieg ist vor allem durch zu erwartende frakturbedingte Kosten im Bereich der stationären Pflege zu erklären (Bleibler et al. 2013). Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die gesamten jährlichen Versorgungskosten (einschließlich stationärer Pflege) für osteoporotische Frakturen in Deutschland von ca. 11,3 Mrd. Euro im Jahr 2017 auf ca. 13,9 Mrd. Euro im Jahr 2030 ansteigen werden (Borgström et al. 2020).
Frakturen haben schon jetzt eine hohe ökonomische Relevanz. Es ist aber davon auszugehen, dass die Kosten, die durch Frakturen verursacht werden, in den nächsten Jahren noch einmal ansteigen werden.
Abrahamsen B, van Staa T, Ariely R, Olson M, Cooper C. Excess mortality following hip fracture: a systematic epidemiological review. Osteoporos. Int. J. Establ. Result Coop. Eur. Found. Osteoporos. Natl. Osteoporos. Found. USA. 2009 Oct;20(10):1633–50.
Bleibler F, Konnopka A, Benzinger P, Rapp K, König HH. The health burden and costs of incident fractures attributable to osteoporosis from 2010 to 2050 in Germany – a demographic simulation model. Osteoporos Int. 2013 Mar;24(3):835–47.
Bleibler F, Benzinger P, Lehnert T, Becker C, König HH. Frakturkosten im deutschen Krankenhaussektor – Welche Rolle spielt die Osteoporose? Gesundheitswesen. 2014 Mar;76:163–8.
Borgström F, Karlsson L, Ortsäter G, Norton N, Halbout P, Cooper C, Lorentzon M, McCloskey EV, Harvey NC, Javaid MK, Kanis JA; International Osteoporosis Foundation. Fragility fractures in Europe: burden, management and opportunities. Arch Osteoporos. 2020 Apr 19;15:59.
Cooper C, Cole ZA, Holroyd CR, Earl SC, Harvey NC, Dennison EM, Melton LJ, Cummings SR, Kanis JA, IOF CSA Working Group on Fracture Epidemiology. Secular trends in the incidence of hip and other osteoporotic fractures. Osteoporos. Int. J. Establ. Result Coop. Eur. Found. Osteoporos. Natl. Osteoporos. Found. USA. 2011 May;22(5):1277–88.
