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Beschreibung

"Feminismus ist Faschismus für Feiglinge. Wer mich deshalb einen Rassisten nennt, den nenne ich einen Hundsfott." Ralph Giordano (1923–2014)  Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Der genderkonforme Bürokrat legt fest, wer was wie sagen und formulieren darf – und welche Positionen man in Folge ausfüllen kann. Gut ausgestattet und steuerfinanziert selbstverständlich, denn Gender ist Staatsziel. Top-down-implementiert und deshalb angenehm diskussionsfrei. Geschlossenheit und Transparenz sind offenbar gefragt: eine schöne und zutreffende Beschreibung für einen Käfig.  Die Autoren haben ihr Gespür genutzt. Gegendert wird das Ergebnis eher nicht sein … dafür ist der Anteil an Satire höher, als ursprünglich erwartet. In Zeiten, in denen Satiriker nicht nur von ausländischen Staatsoberhäuptern über den Paragrafen der "Majestätsbeleidigung" drangsaliert werden, sondern frühere Flaggschiffe der freien Meinungsäußerung wie die ZEIT oder der WDR selbst Satiriker verklagen, könnte man sogar von einem gewissen Risiko sprechen. Wie deprimierend. Und wie beängstigend! 

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Seitenzahl: 204

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Rainer Schorm & Jörg Weigand (Hrsg.)

WEIBERWELTEN

Die Zukunft ist weiblich

AndroSF 81

Rainer Schorm & Jörg Weigand (Hrsg.)

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Die Zukunft ist weiblich

AndroSF 81

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© dieser Ausgabe: Mai 2018

p.machinery Michael Haitel

Titelbild: Rainer Schorm

Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda, Xlendi

Lektorat: Rainer Schorm, Jörg Weigand, Michael Haitel

Herstellung: global:epropaganda, Xlendi

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Ammergauer Str. 11, 82418 Murnau am Staffelsee

www.pmachinery.de

für den Science Fiction Club Deutschland e. V., www.sfcd.eu

ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 131 0

In memoriam

DANIEL WALTHER

1940–2018

Rainer Schorm: Weiberwelten: Ein Vorwort

Manche Begriffe versprechen mehr, als sie halten. Andere sind derart schwammig, dass sie jeder mit dem ihm genehmen Inhalt füllen kann. Begriffe wie »Gender Mainstreaming« etwa.

Wie dem mehr oder weniger geneigten Leser sofort auffallen wird, verzichtet der Herausgeber auf eine genderkonforme Formulierung und diskriminiert damit fünfzig Prozent der Menschheit und ganze einhundert Prozent der Weiblichkeit. Eine Irritation in der erwünscht korrekten Sprachlandschaft. Gut so! Nimmt man die Gedanken des feministischen »Sprachhandelns« ernst, soll Sprache an solchen Stellen nicht der Kommunikation (und damit einer anzustrebenden Klarheit) dienen, sondern der Irritation, der Provokation und gar der Verwirrung.1

Festzustellen, dass die Kaiserin nackt ist, ist natürlich hochgradig sexistisch und damit nicht statthaft. Auf diese Idee kann nur jemand kommen, der in den überkommenen heterodominanten Rollenbildklischees denkt …

Nicht Verständnis ist das Ziel, sondern Verschleierung und Manipulation. Das ist einer der vielen Hinweise, dass es sich beim Feminismus und dem ihm entsprungenen Gender Mainstreaming nicht um eine emanzipatorische Bewegung handelt – wie es die Bewegung für Frauenrechte durchaus war und ist! –, sondern um eine Ideologie mit Absolutheitsanspruch. Der »-ismus« ist sprachlich ein unmissverständliches Zeichen. Eindeutig und damit im Widerspruch zum gerade erwähnten »Sprachhandeln«.

Diese Anthologie hat nicht zum Ziel, irgendein verstaubtes Gesellschaftsbild aus dem letzten oder vorletzten Jahrhundert zu propagieren; weder theoretisch noch praktisch! Der Vorwurf allerdings wird reflexartig erhoben werden: Das ist den Herausgebern klar, aber Tadel aus der richtigen Ecke muss Mann als Lob verstehen. Über diesen Satz dürfen Sie gerne nachdenken.

Was die Herausgeber erstaunt hat, war, wie viele der Autoren die totalitären Tendenzen von Feminismus und Gender Mainstreaming deutlich herausgearbeitet haben, einschließlich der bürokratischen Exzesse. Das scheint sich aufzudrängen, sobald man nicht im ideologischen Korsett steckt.

Letztendlich will »Gender Mainstreaming« mit den typischen Sprach- und Formulierungsvorgaben genau das erreichen, was George Orwell mit seinem bedrückenden »Neusprech« vorausahnte. Einmal mehr will eine Ideologie einen »neuen Menschen« schaffen. Zu glauben, dass »Big Sister« irgendwie angenehmer wäre als »Big Brother«, ist erstaunlich naiv – auf der anderen Seite entspricht das vielen Aspekten von Feminismus und Gender Mainstreaming: Die Diffamierung der Biologie als »bloßer Biologismus« ist dabei nicht der einzige, wenn auch einer der peinlichsten intellektuellen Ausrutscher. Wie beruhigend, dass solche Versuche mit schönster Regelmäßigkeit an den Klippen der Realität zerschellen. Es dauert lediglich seine Zeit. Wenig erbaulich ist es für diejenigen, die es bis dahin aushalten müssen … Frauen in Führungspositionen? Gerne … aber das beschert uns leider Gestalten wie Marine Le Pen und oder Sarah Palin. Ein Gleichstellungserfolg, ohne Zweifel, aber ein Fortschritt?

Wer Formulierungen vorschreibt, will keine freie Sprache. Wer nicht frei sprechen und formulieren kann, ist nicht frei! Und das Gegenteil von Freiheit ist Totalitarismus … nicht etwa größere Freiheit.

Ebenfalls haftet vielen Geschichten der Hang zum Grotesken an. Eine Nähe, die jeder bestätigt bekommt, der Bürger von der Straße über die bizarren Einfälle im hornscheidtschen Stil befragt. Die Reaktion auf sprachschänderische Konstrukte wie ProfessX ist eindeutig und wird selten zurückhaltend formuliert. Eins wird schnell klar: Feminismus und Gender Mainstreaming sind genau das nicht: eine Bürgerbewegung. Dazu passt, dass die entsprechenden politischen Vorgaben top-down-implementiert wurden; ganz bewusst und flächendeckend. Eine bürokratisch-politische Guerillataktik sozusagen: die Spielwiese ideologischer Kader und ein weiterer Hinweis, in welcher weltanschaulichen Ecke der Feminismus wurzelt.

Mit Demokratie hat das übrigens nichts zu tun. Der genderkonforme Bürokrat legt fest, wer was wie sagen und formulieren darf – und welche Positionen man in Folge ausfüllen kann. Gut ausgestattet und steuerfinanziert selbstverständlich, denn Gender ist Staatsziel. Top-down-implementiert und deshalb angenehm diskussionsfrei. Geschlossenheit und Transparenz sind offenbar gefragt: eine schöne und zutreffende Beschreibung für einen Käfig.

Die Autoren haben ihr Gespür genutzt, um dem gerecht zu werden. Gegendert wird das Ergebnis eher nicht sein … dafür ist der Anteil an Satire höher, als ursprünglich erwartet. In Zeiten, in denen Satiriker nicht nur von ausländischen Staatsoberhäuptern über den Paragrafen der »Majestätsbeleidigung« drangsaliert werden, sondern frühere Flaggschiffe der freien Meinungsäußerung wie die ZEIT oder der WDR selbst Satiriker verklagen2, könnte man sogar von einem gewissen Risiko sprechen. Wie deprimierend. Und wie beängstigend!

»Feminismus ist Faschismus für Feiglinge. Wer mich deshalb einen Rassisten nennt, den nenne ich einen Hundsfott.«

Ralph Giordano3

Der leider verstorbene Publizist und Journalist ist sicher niemand, der des dumpfen Rechtspopulismus verdächtig wäre. Ein Vorwurf, der bei Genderkritik gerne, häufig und meist reflexartig erhoben wird.

Lassen wir uns davon nicht einschüchtern.

Lassen wir jetzt den Autoren das Wort.

Das freie Wort!

Rainer Schorm

Freiburg, Februar 2018

1 Berlin, Humboldt-Universität, AG »Feministisches Sprachhandeln«: Broschüre zum antidiskriminierenden Sprachhandeln. Düsseldorf, Gleichstellungsbüro: »Klartext. Sprachleitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren« (2014).

2 www.sueddeutsche.de/medien/urteil-des-bundesgerichtshofs-zeit-journalisten-scheitern-mit-ihrer-klage-gegen-zdf-1.3326810; www.spiegel.de/politik/deutsch land/wdr-mitarbeiterin-verklagt-serdar-somuncu-a-1129468.html

3 Ralph Giordano, März 1923 bis Dezember 2014, deutscher Journalist, Publizist, Schriftsteller und Regisseur.

Thomas Le Blanc: Flughafeneröffnung erneut verschoben

Senatrix für Umwelt und

Stadtentwicklung

im Senat von Berlin

GB Bauordnung

An

Vorstandx und Aufsichtsratx der

BER – Flughafen Berlin-Brandenburg »Willy Brandt« GmbH

12521 Berlin

10707 Berlin, den

19. März 2022

Direktzustellung mit

Postzustellungsurkunde

SOFORTVORLAGE

Betriebsgenehmigung vom 28. November 2021

hier: Widerruf mit Sofortvollzug

Sehr geehrt Vorstandx,

sehr geehrt Aufsichtsratx,

wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir nach aktuell erfolgter Änderung der Landesgesetzgebung Ihnen folgende Verfügung im Eilverfahren zustellen und deshalb die für kommende Woche geplante Eröffnung des Flughafens untersagen müssen:

Widerruf der Betriebsgenehmigung

Die nach der letzten baurechtlichen Abnahme am 16. November 2021 Ihnen mit Baubescheid vom 28. November 2021 erteilte Betriebsgenehmigung wird widerrufen. Der Sofortvollzug wird angeordnet.

Begründung:

Das Abgeordnetenhaus des Landes Berlin hat am 18. März 2022 das Gesetz für gendergerechtes Bauen und Betreiben von öffentlichen Gebäuden verabschiedet und am heutigen 19. März 2022 auf die Senatsinternetseiten gestellt und es damit verkündet. Bei noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gewordenen Gebäuden tritt die Gesetzeswirkung bereits am Tag nach der Verkündigung in Kraft.

Dieses Gesetz enthält eine Reihe von noch nicht im Detail überprüften Vorschriften über den Umgang mit der Geschlechtsorientierung der in Ihrem Gebäude sich demnächst aufhaltenden Personen. Eine erste, nur kursorische und keinesfalls abschließende Durchsicht der Bauunterlagen lässt bereits folgende Mängel vermuten, deren Abstellung von Ihnen im Einzelnen nachzuweisen ist:

1. Toiletten und vergleichbare Sanitäreinrichtungen

In allen öffentlichen wie auch betriebsinternen Bereichen sind Toiletten für folgende Geschlechter vorzuhalten:

*  männlich

*  weiblich

*  biologisch männlichen Geschlechts, aber weiblich orientiert

*  biologisch weiblichen Geschlechts, aber männlich orientiert

*  doppelgeschlechtlich

*  geschlechtslos

*  biologisch uneindeutig

*  sich nicht für eine geschlechtliche Orientierung öffentlich erklärend

*  experimentell

Das Geschlechtsmerkmal »unbekannt« (meint: das eigene Geschlecht ist der Person selbst unbekannt) ist b. a. w. dem Geschlechtsmerkmal »sich nicht für eine geschlechtliche Orientierung öffentlich erklärend« zuzuordnen. Da hier die Ergebnisse der Genderforschung nicht eindeutig sind, wurde im Gesetz dieses Verfahren gewählt. Der Senatsunterausschuss für Genderangelegenheiten ist beauftragt, diese Frage zu beobachten und in Jahresabstand Bericht zu erstatten. Eventuelle neue Erkenntnisse könnten dann in eine Novellierung des Gesetzes einfließen.

Im Innern jeder dieser Toiletten sind diskriminierungsfrei sowohl Sitzschüsseln als auch Urinale einzubauen und anzuschließen, da kontaktloses und damit hygienisches Stehpinkeln nicht vom Geschlecht abhängig gemacht werden darf. Außerdem sind im Geiste der Diskriminierungsfreiheit Größe, Zahl und Zugänglichkeit der Einrichtungen gleich zu halten und nicht von der Anzahl der zu erwartenden Nutzerx abhängig zu machen.

Analog ist mit Badeeinrichtungen, Stillräumen, Körperreinigungskabinen sowie eventuell vorhandenen sexuellen Kontakträumen zu verfahren.

Es sind außerdem ausreichend Leerflächen vorzuhalten, um erforderlichenfalls Toiletten für mögliche weitere Geschlechter (auch von Aliens) einzurichten.

2. Sicherheitsschleusen

In den Zugängen zu den Rollfeldern sowie im Zollbereich sind getrennte Sicherheitsschleusen für alle neun unter Ziffer 1 angegebenen Geschlechter einzurichten. Während maschinelles Scanning geschlechtsneutral abläuft, ist sicherzustellen, dass körperliche Durchsuchungen nur von Personen desselben Geschlechts vorgenommen werden. Sofern nicht alle Geschlechter in einer Schicht verfügbar sind, müssen bei einer körperlichen Durchsuchung mindestens drei Personen mit anderer Geschlechtsorientierung zugegen sein.

3. Beschilderung

Alle sprachlichen Beschilderungen und Piktogramme im Flughafenbereich sind entweder geschlechtsneutral oder gemäß aller neun unter Ziffer 1 genannten Geschlechter auszurichten. Auf der Homepage des beim Senat von Berlin angesiedelten Referats für Gendergerechtigkeit können entsprechende Piktogramme heruntergeladen und die wichtigsten Begriffe abgerufen werden.

Dasselbe gilt für Aushänge, Plakate, Wandbeschriftungen, Merkblätter, Formulare, Texte auf Bildschirmen und ähnliche schriftliche oder schriftähnliche Mitteilungen. Bei öffentlich bereitgestellten Internetzugängen sind Warnhinweise anzubringen, dass auf möglicherweise nicht gendergerechte Texte von Drittanbietern kein Einfluss genommen werden kann.

Welche Sprachen neben Deutsch, Türkisch und Englisch in der Beschilderung verwendet werden, liegt im Benehmen des Flughafenbetreibers. Es ist aber sicherzustellen, dass die geschlechtsspezifischen Begriffe in allen verwendeten Sprachen eingesetzt werden.

Analog ist bei Lautsprecherdurchsagen zu verfahren.

4. Sprachschulung

Das beim Senat von Berlin angesiedelte Referat für Gendergerechtigkeit bietet ab sofort Sprachschulungen an, wie Kundenx und Kollegenx geschlechtsspezifisch korrekt anzureden und in persönlichen Angelegenheiten diskriminierungsfrei zu behandeln sind. Jede in Ihrem Gebäude tätige Person hat beim Referat für Gendergerechtigkeit oder bei einer anderen zertifizierten Anbieterfirma eine solche Schulung zu absolvieren und anschließend einen sog. Genderschein zur Personalakte zu geben.

5. Warenverkauf

Sie sind verpflichtet, in die Verträge mit allen Mietparteien Ihres Hauses eine Klausel einzufügen, die es untersagt, Waren oder Dienstleistungen im öffentlichen Bereich feilzubieten, die als geschlechtsdiskriminierend angesehen werden könnten. Im Sinne der Gewerbe-, der Kunst- und der Meinungsfreiheit darf jede Mietpartei allerdings baulich abgetrennte Bereiche einrichten, vor deren Eintritt in gut sichtbaren Aushängen darauf hingewiesen wird, dass hier geschlechtsanstößige Waren beworben, ausgestellt und verkauft werden.

6. Genderbeiratx

Sie haben einen dem Vorstandx direkt zuarbeitenden Genderbeiratx aus neun Personen, von denen jede eins der neun Geschlechter vertritt, zu installieren, der weisungsungebunden die Einhaltung von allen landes-, bundes- und europarechtlichen Vorschriften zur Geschlechtergleichbehandlung ständig zu überprüfen und auftretende Mängel anzuzeigen hat. Der Genderbeiratx hat auch die Funktion einer Ombudsperson und Beschwerdestelle für alle Nutzerx und Bedienstetenx des Flughafens.

Die vorstehende Liste soll Ihnen als erster Anhalt dienen, da wir gemäß der Verordnung zur Beschleunigung von Baugenehmigungsverfahren und im Blick auf das Qualitätsmanagement der Bauverwaltung bestrebt sind, die weitere Verzögerung der Eröffnung des Flughafens zu minimieren. Die Liste wird in Kürze durch eine ausführliche Benennung aller sichtbaren Mängel ersetzt. Wir können beim aktuellen Stand unserer Feststellungen jedoch nicht ausschließen, dass weitere Mängel erkannt werden.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass eine Reihe von Vorschriften sich nicht nur auf Personen bezieht, die sich bei einem geplanten Betrieb in Ihrem Gebäude aufhalten, sondern bereits Geltung für das Baufachpersonal, das Management und die Bewachung in der Bauphase haben. Wir untersagen deshalb ausdrücklich ein Betreten des Gebäudes, solange nicht entsprechend abgenommene Bauhilfseinrichtungen (mobile Toiletten, Arbeitsschutzhilfen etc.) gendergerecht vorgehalten werden, außerdem der arbeitsrechtliche Nachweis erbracht wurde, dass die Einstellung des Personals nach den Richtlinien dieses Gesetzes vorgenommen wurde.

Rechtsbehelfsbelehrung

Gegen diesen Bescheid ist der Widerspruch zulässig. Er ist gegenüber dem Senat von Berlin binnen vier Wochen nach Zustellung des Bescheids schriftlich oder persönlich per Niederschrift zu erklären. Ein Widerspruch hat jedoch keine aufschiebende Wirkung. Widerspruchsschreiben, die sprachlich nicht geschlechtlich diskriminierungsfrei formuliert sind, werden zur Korrektur zurückgesandt und gelten als nicht eingegangen.

Vorsorgliche Gendererklärung

Möglicherweise noch nicht gendergerechte Formulierungen, die aufgrund einer unachtsamen Verwendung des erst heute gültig gewordenen Gesetzes in diesem Schreiben verblieben sind, werden bedauert. Sie sind aufgrund einer Protokollnotiz zum Gesetz jedoch nur bei grobem Vorsatz als Anfechtungsgrund anzuerkennen.

Mit freundlichen Grüßen

Auf Anordnung

Besenbinder

Senatsoberratx

Karla Weigand: Eisern durchhalten!

Nicht zum ersten Mal beglückwünschte Alexandra Hausmann sich dazu, einen Job ergattert zu haben, den sie von zu Hause aus erledigen konnte. Eine Vorgesetzte, die ihr andauernd prüfend über die Schulter schaute, oder auch neugierige Kolleginnen hätte sie in ihrer Situation gar nicht gebrauchen können.

Von Anfang an hatte Alex darauf bestanden, dass ihre Arbeit eine »künstlerische« sei und sie daher absolute Ungestörtheit benötige. Nur dies erlaube ihr, sich ihre Zeit eigenverantwortlich einzuteilen, um ihre Designentwürfe für »Haus- und Heimkunst« am Computer zu entwerfen.

Es handelte sich dabei um Dinge, die später im 3-D-Drucker hergestellt wurden, um die Wohnungen der Kundinnen zu schmücken, die dafür eine Stange Geld auszugeben bereit waren; als da waren kitschige Vasen, scheußliche Kerzenleuchter, Tier- und nackte Frauenfiguren oder – und sie waren der absolute Renner: – geschmacklose Aschenbecher in allen Größen und erdenklichen Formen.

Man schrieb das Jahr 2096, und seitdem ein Bronchialkarzinom nicht mehr Beschwerden machte als ein Schnupfen, wurde wieder gequalmt, was das Zeug hielt! Krankheiten wie Krebs, Parkinson, Multiple Sklerose, Aids und Alzheimer galten seit vier Jahrzehnten als weitgehend besiegt; die durchschnittliche Lebenserwartung lag bei Frauen bei rund einhundertfünf Jahren. Bei Männern konnte man es nicht so genau sagen … Aber davon später mehr.

Für heute machte Alex Schluss. Während sie ihren Laptop herunterfuhr, machte sich in ihr bereits die Vorfreude auf jene Tätigkeit breit, der sie sich seit sechs Jahren mit ganzem Herzen widmete. Heimlich natürlich. Falls auffliegen sollte, was sie und ihre beiden gleichaltrigen Freundinnen, junge Frauen von achtundzwanzig Jahren, in ihrer Freizeit anstellten, wäre »ihr Projekt« kaputt und sie selbst würden für unabsehbare Zeit hinter Gitter wandern.

Womit Alex, Dorit und Jenny sich beschäftigten, war dermaßen topsecret, dass nicht einmal ihre Mütter oder Schwestern davon wissen durften, geschweige denn fremde Frauen.

Ermöglicht worden war den dreien ihr Vorhaben dadurch, dass Alex von ihrer Großmutter einen Gutshof geerbt hatte, den ihre Oma schon nicht mehr bewirtschaftet, sondern in ein »Wellness-Areal« verwandelt hatte. Das Grundstück, welches das Wohngebäude umgab, war vergleichsweise riesig und von Alex mit einer hohen Mauer umgeben worden, sodass niemand so leicht überprüfen konnte, ob überhaupt und wenn doch, was dort Geheimnisvolles vor sich ging.

Um bei Fremden erst gar keine unziemliche Neugier oder gar Misstrauen aufkommen zu lassen, ließen sie das große Eingangstor meist offen und gewährten somit freien Einblick in den weitläufigen parkähnlichen Garten, der allerdings wegen seiner reichlich fantasielosen »Gestaltung« höchstens Befremden und bestenfalls Langeweile zu verbreiten vermochte; sodass nicht einmal die eifrigsten staatlichen Kontrollpersonen, die regelmäßig (zum Schutze der Bewohnerinnen!) ihre Runden drehten, sich bemüßigt fühlten, dieses Stück Urwald, wo alles wie Kraut und Rüben durcheinander wuchs, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Galt das Ganze doch als das »adäquate Ambiente einer durchgeknallten Künstlerin«, die allerdings trotz ihrer sämtlichen »Besonderheiten« als hundertprozentig verlässliche Staatsbürgerin galt, der nichts mehr am Herzen lag, als ihrem Land und seinen Bewohnerinnen zu dienen.

Von Bewohnern redete man schon seit gut fünfzig Jahren nicht mehr. Anfangs hatte es natürlich Widerstände en masse gegeben, aber mittlerweile kam man längst ohne Männer blendend aus. Ja, viele junge Mädchen, die es gar nicht mehr anders kannten, konnten sich ein Leben mit Wesen, denen Bärte und Haare auf der Brust wuchsen, die eine tiefe Stimme hatten und im Allgemeinen größer und muskulöser als Frauen gewesen waren, gar nicht mehr vorstellen.

»Wie waren die denn so?«, fragten etwa die Jüngferchen ihre Mütter oder Lehrerinnen und es hörte sich an, als habe es sich bei diesen merkwürdigen Geschöpfen nicht um die Hälfte der Menschheit, sondern um irgendwelche seltsamen, längst ausgestorbenen Tiere oder bestenfalls um Vorstufen des weiblichen Geschlechts gehandelt.

Aber nur die wenigsten erhielten darauf eine Antwort, sondern wurden auf Zeitungsarchive, digitalisierte alte Büchereien und Filme verwiesen – oder auf uralte Großmütter, welche noch mit Individuen, die über XY-Chromosomen verfügten, persönlich verkehrt hatten.

Was die Mädels dann in der Regel zu hören bekamen, hörte sich nicht sehr verheißungsvoll an: »Je, nun! Die Kerle waren laut, anmaßend und unverschämt und hatten außer Alkohol nur Fußball, Autos und Sex im Kopf!«

Wenn man das hörte, war es kein Wunder, dass der weltweit agierende und alles beherrschende AFR (Allgemeine Frauen-Rat) sich dazu entschlossen hatte, alles daran zu setzen, den maskulinen Teil der Menschheit sukzessive auszuschalten! Zum Selbstschutz gewissermaßen. Und die bisherigen »Herren der Schöpfung« hatten es ihm auch noch leicht gemacht.

Dank einer Mischung aus schlechtem Gewissen, gutem Willen und Nachgiebigkeit hatten sie Schritt für Schritt an Boden verloren und schlussendlich ihre Handlungsfreiheit so weit eingebüßt, bis sie sozusagen zu einer Fußnote der Geschichte verkümmert waren, getreu dem abgewandelten Sprichwort: »Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist!«

Es blieb dennoch nicht aus, dass es zu Beginn der »Säuberungsaktion« mordsmäßige Widerstände gegeben hatte. Aber man konnte sich ja auf das Konzept des Gender-Mainstreaming berufen, welches auf der Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) entwickelt und u. a. von der EU im Vertrag von Amsterdam (1997) verankert worden war.

Nach diesem Konzept waren alle (politischen und gesellschaftlichen) Akteure für Geschlechterfragen und Frauenpolitik, und zwar Geschlechter (nicht nur Frauen!), für Veränderungen in den Geschlechterverhältnissen (v. a. Überwindung der Ausschließung und Diskriminierung von Frauen) zuständig. Step by step wurden die Männer hinausgedrängt und zuletzt hatten nur noch Frauen das Sagen.

Die rigorose Radikalität der Feministinnen fand allerdings zu Anfang durchaus nicht den Beifall aller Geschlechtsgenossinnen. Viele Frauen wollten partout nicht einsehen, dass sie auf ihre geliebten männlichen Partner verzichten sollten! Zudem war noch ein nicht geringer Prozentsatz der irrigen Meinung, Väter wären im Interesse der Kinder unbedingt notwendig.

So hatte es anfangs subtilster Indoktrination sowie massivster Zwänge bedurft, um auch der dümmsten Gans klar zu machen, dass sie »ohne« doch um vieles besser dran sei …

Es dauerte Jahrzehnte, bis sich der ganz große Gegenwind gelegt hatte und sich die allgemeine Ansicht durchsetzen konnte, im Alltagsleben benötige frau die XY-Träger nun wirklich nicht.

Die beste Freundin war auf jeden Fall vorzuziehen, falls Probleme anstanden: Als weibliches Wesen verstand sie es nämlich, wovon frau redete; empfand sie doch ähnlich und benutzte auch dieselbe Sprache, was bei den maskulinen Wesen häufig nicht der Fall gewesen war. Das nervige Debattieren und Erklärenmüssen – im Zusammenleben mit Männern ein leidiger Dauerbrenner und an der Tagesordnung – konnte künftig entfallen.

Anfangs war man noch vorsichtig zu Werke gegangen: Da es ein Leichtes war, vor der Geburt das Geschlecht des Nachwuchses festzustellen, sorgte der AFR dafür – häufig ohne Wissen der Schwangeren –, dass fast nur noch Mädchen das Licht der Welt erblickten.

Das war zwar illegal gewesen, aber im Dienste der guten Sache konnte man schon mal ein Auge zudrücken, nicht wahr? Der künftige Mangel an Männern war ja gewollt!

Ganz im Gegensatz zu China! Da hatte man es vor vielen Jahren wegen der Einkindpolitik genau anders herum gemacht und Knabengeburten bevorzugt. Folge war ein eklatanter Frauenmangel, der sich später zu regelrechten Raubzügen in den Nachbarprovinzen auswuchs, um sich Frauen zu »beschaffen« …

In Deutschland musste man – trotz aller gebotenen Vorsicht – gehörig Druck machen mit dem »Programm«, denn durch die Politik ausgerechnet einer Bundeskanzlerin, hatte sich das Land vor ungefähr achtzig Jahren von jungen männlichen Zuwanderern regelrecht überschwemmen lassen!

Eine wahre Crux bildete der immense Männerüberschuss, verursacht vor allem von muslimischen Neubürgern aus Nordafrika, die sich auch noch der Weiblichkeit überlegen fühlten – eine Haltung, die man nun so gar nicht mehr goutierte. Zum Teil sollte es mächtig Ärger gegeben haben, weil diese Individuen mit ihrer »Steinzeitmentalität« keine devoten Partnerinnen mehr fanden. Man kann darüber heute noch in alten Aufzeichnungen nachlesen.

Wie jedenfalls Alex und ihre Freundinnen erfuhren, war das Ganze ziemlich unerfreulich geworden, weil die Kerle »ohne Weiber« logischerweise ziemlich frustriert waren.

Noch eine ganze Weile hatten alle Frauen das einstmals so forsch gelispelte »Wir schaffen das!« im Kopf gehabt und der AFR nahm’s schlussendlich zum Anlass, zu handeln.

Allzu lange hatte man allerdings diesen Teil des »Programms«, der die Geburt von Knaben gänzlich verhindern wollte, nicht praktizieren können. Bald fiel es nämlich auf, dass von ungewollten Aborten stets nur männliche Föten betroffen waren und das machte böses Blut. Also schwenkte der AFR um und ließ die Frauen ihre Söhne gebären – um sie ihnen danach zum großen Teil postwendend wieder wegzunehmen, weil die Knaben vorgeblich Träger einer fürchterlichen Krankheit waren, die man leider noch nicht behandeln konnte.

Ein gegen Ende der fünfziger Jahre verabschiedetes Gesetz schrieb die schnelle und schmerzlose Entsorgung der Knäblein vor, deren Leichen man anfangs in Salzsäure auflöste, bzw. später in großen Öfen verbrannte, um die angeblich gefährlichen Keime an der Ausbreitung zu hindern.

Da diese Maßnahmen mit großen finanziellen Aufwendungen verbunden waren, behalf man sich damit, dass man im Gegenzug die gesetzlichen Krankenkassenleistungen für ältere Männer drastisch zusammenstrich.

In relativ kurzer Zeit gelang es dem AFR dadurch, die Bevölkerungszahl in etwa zu halbieren. Da man bestrebt war, dieses doch etwas herbe Manko auszugleichen, strebte man doppelt so viele Mädchengeburten an. Folglich gab es Prämien pro Entbindung einer Tochter.

Natürlich hätte man die bereits existierenden Frauen klonen können, was immerhin den Vorteil geboten hätte, auf Männer als Samenspender ganz zu verzichten. Aber aus irgendeinem Grund klappte das nicht so recht: Die Geklonten entwickelten sich nämlich nicht so, wie man sich das wünschte.

Dass es bei den meisten ein wenig an der Intelligenz haperte, wäre noch nicht einmal das Schlimmste gewesen, aber sie waren zugleich anfällig für alle möglichen Krankheiten, waren gegen so gut wie alles allergisch, waren depressiv oder aggressiv und starben meist früh.

Also behalf man sich damit, einen Teil der Jungen aufzuziehen als spätere Samenspender, deren Sperma man nach gründlicher Untersuchung auf Erbkrankheiten und vor allem auf Tauglichkeit zur Zeugung von weiblichem Nachwuchs in kleinen Portionen einfror, um es bei Bedarf aufzutauen und gebärwilligen Frauen einzupflanzen.

Sündteure Versuche mit »Brutmaschinen«, welche der AFR ursprünglich favorisiert hatte, waren bald sang- und klanglos wieder eingestellt worden. Menschliche Gebärmütter schienen im Augenblick noch tauglicher zu sein. Im Laufe des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts mochte sich das ja vielleicht anders darstellen …

Weil man längst weitgehend von erzwungenen Abtreibungen als »inhuman« absah, tolerierte man zwar das Austragen von männlichen Kindern, beseitigte aber gleichzeitig den Großteil der Knaben nach der Geburt.

Viele – auch militante Verfechterinnen des »Programms« des AFR – mochten das zwar insgeheim bedauern, aber um das Richtige zu tun, bzw. um das, was als richtig erkannt worden war, auch durchzusetzen, musste man eben hin und wieder zu Maßnahmen greifen, die einige Unverbesserliche immer noch als »traurig« oder sogar »verwerflich« empfanden.

Zu Letzteren gehörten etwa Alex, Jenny und Dorit. Selbstverständlich waren alle drei Frauen gute und loyale Staatsbürgerinnen, die in der Öffentlichkeit das Lied des »Allgemeinen Frauen-Rates« besonders laut sangen – und nur im Geheimen opponierten. Nach etlichen Jahrzehnten Gehirnwäsche waren indes die Proteste – die lauten sowieso, aber auch die leisen – eklatant zurückgegangen.

Die guten Gründe lagen auf der Hand.

Jede Frau, die Lust dazu verspürte, durfte Mutter (von Töchtern!) werden und auch bleiben – und jene, die eher nicht dafür waren, sich zu reproduzieren, wurden mit sanftem bis massivem Druck »von oben« dazu gebracht, sich ebenfalls »für die gute Sache« freiwillig zur Verfügung zu stellen. Das hatte doch schon im zwanzigsten Jahrhundert so famos geklappt! (Wobei es allerdings ganz anders begründet worden war: »Führer, Volk und Vaterland« waren damals angesagt …)

Weder in Schulen noch im Berufsleben gab es lästige männliche Konkurrenz; bei Beförderungen wurde keine Frau mehr wegen eines Mannes übergangen; kein weibliches Wesen fühlte sich belästigt von blöder männlicher Anmache oder musste Angst vor Vergewaltigung haben. Dass die Anzahl der Lesbierinnen ordentlich angewachsen war, störte niemanden.

Und Frauen, die nach wie vor dem Akt mit einem männlichen Partner nachtrauerten, denen wurde natürlich ebenfalls geholfen! Hilfreich waren dabei sowohl die einfallsreiche Sexspielzeug- wie die findige Pharmaindustrie. Beide waren rührend ums Wohl ihrer Klientinnen besorgt und eifrig bemüht, sexuelle Nöte auszumerzen.

Vor allem Letztere hatte ein breites Spektrum von Medikamenten entwickelt – nach individuellem Bedarf in verschieden starken Wirkungsgraden –, welche auf das weibliche Lustzentrum im Gehirn einwirkten und der Anwenderin »sexy Träume« verschafften, vom guten alten »Quickie« bis zum Langzeitorgasmus, der sich laut Beipackzettel im Bedarfsfall die ganze Nacht lang hinzog, »eine Erfahrung, die einem ein maskulines Wesen der Spezies homo sapiens normalerweise nicht verschaffen« konnte!

Selbst Alex und ihre Freundinnen – und mit ihnen Millionen anderer Frauen – hatten speziell daran nichts auszusetzen. Keine Frau musste fortan unbefriedigt ihre Tage und Nächte fristen; die Zeiten der frustrierten alten Jungfer gehörten definitiv genauso der Vergangenheit an wie Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwängerungen. Sogar das Leiden der Hysterie schien nahezu ausgerottet.

Dieser geradezu paradiesisch anmutende Zustand hatte sich mittlerweile – ausgehend von Deutschland, Österreich, der Schweiz, sowie den skandinavischen Ländern – auch in den Mittelmeerstaaten, soweit sie der EU angehörten, ausgebreitet. Sogar die bigotten USA waren etwa zur Hälfte reine »Frauenstaaten« geworden; lediglich von solchen »Hinterwäldlerstaaten«, wie etwa Minnesota, Missouri, Iowa und Kansas, die immer noch stark patriarchalisch geprägt waren, kam scharfer Gegenwind; genau wie in reinen Macholändern, in denen die Kirche oder Imame das Sagen hatten.

Hartnäckig und eifersüchtig verteidigten die angeblichen »Herren der Schöpfung« ihr uraltes Machtmonopol mit allen Mitteln, sodass am Ende des 21. Jahrhunderts mit Fug und Recht behauptet werden konnte, die Menschheit stünde sich feindlich gegenüber. Aber tat sie das nicht schon seit Anbeginn ihrer Entstehung aus einem höher entwickelten Affenstamm?

Die Grenzen verliefen zwar nicht mehr zwischen Nord und Süd, zwischen Arm und Reich, zwischen Weiß und Schwarz, sondern – um es ganz direkt und unverblümt auszudrücken – zwischen Schwanzträgern und jenen perfekten Menschen mit dem Doppel-X in ihren Chromosomen!

Was Alexandra Hausmann indes zur heimlichen Rebellin gegen das angeblich »so wunderbar funktionierende System« des Frauenregimes hatte werden lassen, lag ganz woanders.

Allmählich hatten sich nämlich bei der Selektion von männlichen Säuglingen Praktiken herausgebildet, die nicht nur nach Alex’ und ihrer Freundinnen Meinung zum Himmel stanken. Eigentlich war es ja schon schlimm genug, den unschuldigen Knäblein das Leben zu nehmen.

Doch niederträchtiges Gewinnstreben (eine verachtenswerte Eigenschaft, die man bisher leichtfertig allzu gerne mit dem Prädikat »männlich« versehen hatte, während man die holde Weiblichkeit davon unbeleckt sehen wollte), hatte sich klammheimlich eingeschlichen und schamlos breitgemacht.

Was war im Einzelnen passiert? Alex war auf verschlungenen Wegen zu Ohren gekommen, man sei, um Knabenaufzucht effektiv zu verhindern, dazu übergegangen, die Kleinen notdürftig zu versorgen und sie dann in Containern zu sammeln und diese auf »Deponien« zu verbringen, wo sie dann – aus Kostengründen! – lebend in riesige Schredderapparaturen geworfen wurden.

Wobei deren Betreiberinnen dreist behaupteten, die »X-Ypsiloner« würden umgehend und deshalb auch vollkommen schmerzlos ausgelöscht! Eine Vorgehensweise, geeignet, geradezu Entsetzen hervorzurufen, und zudem eine Behauptung, die Alex und andere Mitschwestern keineswegs überzeugte.

In einer uralten Zeitschrift von 2016 hatte sie gelesen, dass dies damals die übliche Methode gewesen wäre, um männlichen Hühnernachwuchs zu entsorgen. Irgendwann war dieses Verfahren bei männlichen Küken auch der damaligen Bevölkerung sauer aufgestoßen und man zog vor Gericht, um die nur auf Gewinnmaximierung gepolten Geflügelzüchter dazu zu verpflichten, sich von dieser Barbarei in den Mastbetrieben zu verabschieden.

Leider war den Klägern von den Richtern eine unverständliche Abfuhr erteilt worden …

Und nun, achtzig Jahre später, kam sie bei männlichen Babys zur Anwendung. Wenn man es recht bedachte, eigentlich eine schon irgendwie auch nachvollziehbare Konsequenz …

Alex war dennoch gewillt, in dieser Richtung weiter in der Vergangenheit zu forschen, aber das war nicht leicht, angesichts der Gefahr, beim AFR unliebsames Aufsehen zu erregen. Staatliche Stellen schätzten es nämlich gar nicht, sobald sich Bürgerinnen allzu sehr für Sachverhalte interessierten, die im Verdacht standen, irgendetwas mit Männlichkeit zu tun zu haben.

Maskulines war mittlerweile weitgehend ausgeschaltet – selbst in der Sprache. Die Anrede »Herr« etwa existierte so gut wie nicht mehr. Wozu auch, wenn es (fast) keine Männer mehr gab?

Bereits vor gut acht Jahrzehnten hatten »Emanzen« begonnen – und sich damals damit total lächerlich gemacht –, im Osten Deutschlands von den Studierenden zu verlangen, männliche Angehörige des Lehrkörpers mit »Herr Professorin« anzusprechen.

Angeblich hätten sich viele damals gefragt, welche Art von Drogen man eingeworfen haben müsse, um auf solch hirnverbrannten Blödsinn zu kommen …