Weihnachtszauber & Plätzchenduft - Sabrina Schuh - E-Book
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Weihnachtszauber & Plätzchenduft E-Book

Sabrina Schuh

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Beschreibung

Wenn Plätzchenduft die Häuser erfüllt, ist es wieder so weit: Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Durch diesen Adventskalender mit 24 zuckersüßen Geschichten und dazu passenden Plätzchenrezepten wird die Adventszeit nicht nur besonders unterhaltsam, sondern auch lecker.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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www.fakriro.de
Fakriro GmbH
Bodenfeldstr. 9
91438 Bad Windsheim
1. Auflage September 2025
Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks, Kopie und Verbreitung in jeglicher Form sind vorbehalten.
Coverdesign: Mary Cronos, www.colors-of-cronos.de
Innenillustrationen: Mary Cronos, www.colors-of-cronos.de
Lektorat: Sabrina Schuh, www.write-spread-repeat.de
Korrektorat: Rosi Tippl
Buchsatz: Widest Solutions UG (haftungsbeschränkt) www.widest-solutions.de
Bookpress.eu, 10-408 Olsztyn (Polen))

Das Vorwort einer einsamen Weihnachtsgeschichte

Wie jedes Jahr rückte die Weihnachtszeit näher und damit auch die Zeit, in der mich die anderen Weihnachtsgeschichten besuchen kamen, um allen Menschen die Weihnachtszeit zu versüßen. Seit mich die beiden Frauen von Fakriro mit ihnen zusammengeführt hatten, verbrachten wir jedes Jahr eine gute Zeit zusammen und im Laufe der Jahre waren wir immer mehr geworden. Geschichten über Rentiere und Wichtel hatten sich ebenso zu unserer Runde gesellt wie jene über Feen, Engel und Trolle. Die bunte Mischung machte uns aus, und wenngleich die Natur uns nicht alle zu Freunden gemacht hatte, so ließ uns der Zauber der Weihnacht zu Weggefährten werden. Ich liebte diese Zeit des Jahres, doch stellte sie jedes Mal auch eine große logistische Herausforderung dar, denn so viele Geschichten hatten ganz schön viel Hunger. Obwohl ich mich bemühte, eine gute Gastgeberin zu sein, so hatte ich dennoch das Gefühl, dass die übrigen Geschichten mir die Haare vom Kopf fraßen und ich niemals genug Gebäck zur Verfügung stellen konnte. Dieses Jahr allerdings wollte ich es anders angehen und so lud ich alle Geschichten mit der expliziten Bitte ein, ihr Lieblingsrezept samt Zutaten mitzubringen, damit wir die Plätzchen gemeinsam zubereiten können. Und genau dies werden wir nun die ganze Weihnachtszeit über machen und hoffen, dass ihr liebe Leser*innen daran ebenso viel Freude haben werdet wie wir und euch das Nachbacken die gleiche Freude bereitet wie uns.
Frohe Adventszeit und wundervolle Festtage wünschen euch eine mehlverschmierte Weihnachtsgeschichte und ihre Herausgeberinnen
Sabrina Schuh und Mary Cronos

Das Verschwinden der Weihnachtslichter

N.L. Berg

Dicke Flocken schwebten durch die Lüfte. Die ersten in diesem Winter. Eine kirschrote Knollnase zuckte in einem Bettchen aus Stroh, welches versteckt in einer Höhle aus Obstkisten auf dem Dachboden eines Bauernhauses stand. Nicht ahnend, dass Ärger in Form einer dunklen Gestalt über den Bauernhof huschte, drehte sich der Wichtel mit seiner moosgrünen Mütze auf die Seite.
Stampfende Schritte, soweit ein Wesen von der Größe einer Maus solche Geräusche verursachen konnte, weckten ihn.
»Immer dasselbe mit dir, Floki«, schimpfte eine verärgerte Stimme. »Ich habe wirklich keine Lust mehr, dich jeden Abend zu decken. Der Boss will dich sehen. Was hast du wieder angestellt? Vor Aufregung fliegt ihm schon seine Spucke beim Sprechen in alle Richtungen.«
Floki setzte sich auf und kratzte sich am Kopf. »Der alte Zopf ist doch ständig aufgeregt, Cortie.«
»Diesmal ist es anders. Sein Gesicht hat diese hektischen Flecken wie damals, als die Weihnachtselfen die Bäckerei bestreikten.« Cortie lugte unter seiner Mütze hervor, deren Farbe an einen Senfbottich erinnerte. »Wir beeilen uns besser.«
Sie kamen nicht weit, da hörten sie bereits das dumpfe Pochen eines Gehstocks auf den Planken des Dachbodens.
»Floki Tomte Flocktrott«, bellte es zu ihnen herüber.
Der Angesprochene zuckte zusammen und vergrub seine Nase in seinem braunen Zottelbart, der ihm bis zu den Knien reichte. »Uh, der Zausel ist sauer«, murmelte er.
»Und ob der Zausel sauer ist. Ich mag zwar fast vierhundert Jahre alt sein, meine Ohren funktionieren allerdings noch einwandfrei.«
Cortie schob sich unauffällig hinter Floki.
»Welche Aufgabe hattest du gestern Nacht?« Unter der roten Zipfelmütze blitzten gelbe Augen auf und fixierten den Jüngeren.
»Die Hühner füttern und tätscheln«, krächzte Floki, weil ihm bewusst war, was das Wichteloberhaupt wusste.
»Damit die Hühner was tun?«
»Viele Eier legen«, lautete die zögerliche Antwort.
»Wie also kommt es, dass die Bäuerin wutschnaubend über den Hof stapfte, weil keine Eier im Hühnerstall lagen?«
»Ich … ehm … die Hühner haben ihr Korn bekommen. Und zusätzlich hab ich ihnen zugeflüstert. Aber dann ist der olle Ka…«
Der alte Wichtel unterbrach ihn. »Alfred hat nie auch nur irgendwem etwas getan. Lass ihn endlich in Frieden und kümmere dich um deine Aufgaben. Der erste Schnee fällt und die Bäuerin kann ihren Stollen nicht backen. Das ist deine Schuld. Wir sind dafür verantwortlich, dass –«
»Jaja, dass die Menschen besinnliche Weihnachten feiern und einander Mitgefühl und Dankbarkeit schenken können. Wenn der Kater allerdings den Weihnachtsbaum umreißt, um mit den Kugeln zu spielen …«
»Das ist schließlich ein dummer Kater. Und jetzt Schluss mit den Diskussionen. Ihr zwei werdet heute die Weihnachtslichter entwirren und im Dorf verteilen. Lichter haben die Gemüter letztlich immer besänftigt.« Damit drehte er sich weg.
Grummelnd begaben sich Floki und Cortie auf die Suche nach der Kiste mit der Weihnachtsdekoration.
»Hm … hey, Cortie, scheint, als wären uns die Menschen beim Schmücken zuvorgekommen.«
Sein langjähriger Freund trat an seine Seite und schaute in die offen stehende Pappkiste, in der sich glänzende Kugeln und Keramikengel stapelten. Lichter versteckten sich nicht darunter. »Lass uns in den anderen Häusern nachsehen.«
Weder in den Kellern noch auf den Dachböden waren Kerzen, Schwibbögen oder Lichterketten zu finden.
»Das ist merkwürdig. Im Haus und auf den Straßen ist es dunkel.« Corties Kopf rotierte in alle Richtungen, um zu prüfen, ob er etwas übersehen hatte
»Keine Beleuchtung, dafür grauschwarze Haarbüschel. Wie das Fell von Alfred.« Floki hielt einzelne Strähnen zwischen seinen Fingern empor, um sie Cortie zu zeigen.
»Du siehst nur, was du sehen willst. Das muss überhaupt nicht in Zusammenhang stehen.« So wie sich Corties Nase allerdings runzelte, schienen ihn erste Zweifel zu beschleichen.
Nachdem sie dem Ältesten von ihrer Entdeckung berichtet hatten, rief dieser sofort die Wichtelgemeinschaft zu einer Notsitzung in den Schuppen. Die Flecken in seinem Gesicht breiteten sich immer stärker aus. Seine Stimme stotterte aufgeregt. »Das-s i-ist eine Ka-t-tastroph-phe«, beendete er seine Schilderung. Die anderen Wichtel wurden weiß um die Nasen. Suvi, der am dichtesten bei Floki stand, schniefte pausenlos, andere sanken zu Boden wie Luftballons, denen langsam die Luft ausging.
»Wir könnten neue Kerzen ziehen«, schlug Cortie vor. »Wir holen aus der Stadt die Materialien und bereiten alles in der nächsten Nacht vor, dann können wir die Häuser zumindest mit Kerzenlicht erhellen.«
Der Älteste war einverstanden und nannte Cortie die Verantwortlichen für die Ausführung, Floki dagegen wurde erneut zu den Hühnern geschickt.
Chaotisches Gegacker wies Floki den Weg zum Stall. Noch bevor er das Holzhäuschen erreichte, erregte ein Schatten im Schein der Straßenlaterne beim Bauernhaus seine Aufmerksamkeit. »Wer tappt denn da so lautlos durch die Nacht?« Floki beschlich eine Ahnung und er folgte der Spur.
Stille empfing ihn. Nicht mal das Schnarchen des Bauern war zu vernehmen. Auf Zehenspitzen und die knarzenden Dielen meidend durchsuchte der Wichtel das Erdgeschoss. Ein Poltern ertönte über seinem Kopf. Vor Schreck hüpfte er in die Luft, um direkt danach eilig hinter einem Vorhang zu verschwinden, der mit ihm zusammen erzitterte. Sich so klein wie möglich machend linste er an dem Stoff vorbei auf den Flur. Kaum hörbar klackte im selben Moment eine Tür ins Schloss. Flokis Herz vollführte einen Satz. Oh nein! Du entwischst mir nicht. Erneut huschte er auf Zehenspitzen weiter ins Obergeschoss, in dem das Badezimmer, das Schlafzimmer und ein Gästezimmer warteten. Die Menschen lagen in ihren Betten und jetzt, da er sich ihnen näherte, konnte er ihren gleichmäßigen Atem hören. Vor der Tür des Gästezimmers blieb er stehen. Auf dem Boden glänzte es silbrig. »Interessant.« Flokis Nase senkte sich zur Alufolie und zuckte auf und ab, als er daran schnupperte. »Schokolade!«
Mit dem Silberpapier in der Hand betrat er das Zimmer. Er sah sich in seiner Vermutung bestätigt: Die Schranktür zum geheimen Süßigkeitenvorrat der Bäuerin stand offen. »Ich dachte, ich sei der Einzige, der davon weiß«, murmelte er.
Während er gedankenverloren die Treppe wieder hinunterschlurfte, überlegte Floki fieberhaft, wer dahinterstecken konnte. Ein Miauen erschreckte ihn und sein Blick zuckte nach vorne. In seiner Brust pumpte sein Herz viel zu heftig. Vor ihm an der Eingangstür strich Alfred schnurrend um einen sehr wütend aussehenden Wichtel herum, dessen Gesicht hochrot wie die Glut im Kaminofen war.
Die gelben Augen des Ältesten blitzten zu dem Silberpapier, welches Floki fest in den Händen hielt. Das Wichteloberhaupt brauchte nichts zu sagen, Floki kannte diesen Gesichtsausdruck.
Der Geruch von Kuhfladen haftete an ihm wie eine Klette. Die restliche Nacht hatte er den Kuhstall ausmisten müssen. Eigentlich zusammen mit Suvi, der bei seinem Eintreten vor Schreck beinahe den Bottich Milch umgestoßen hätte und dem eine weitere Strähne seines dunklen Barts grau wurde. Es ärgerte Floki noch immer, dass der Wichtel einfach nicht zurückgekehrt war. Dabei wollte er nur die Milch in die Küche bringen. So hatte Floki den ganzen Mist allein wegschippen müssen. Erst im Morgengrauen, nachdem der Hahn sein Krähen beendet hatte, hatte er die Arbeit geschafft. Nun lag er in seinem warmen Bettchen und ihm gelang es nicht einzuschlafen. Obwohl er bereits seine Mütze und seine Kleidung gewechselt hatte, verklebte ihm der Gestank die Nasenlöcher. Er brauchte ein Bad, doch das barg am Tag ein großes Risiko. Gar nicht auszumalen, was der Älteste mit ihm anstellen würde, wenn er ihn ertappte. Vermutlich würde er ihn frühzeitig in ihr Sommerlager zurückschicken, denn nichts war schlimmer für einen Wichtel, als die Weihnachtszeit einsam im Sommerdorf verbringen zu müssen. Ohne die freudigen Gesichter der Menschen, ohne die Atmosphäre der Herzlichkeit und vor allem ohne den Weihnachtsmann und die Leckereien der Weihnachtselfen. Floki liebte ihre Plätzchen und Nussecken. Sollte er das riskieren? »Ich darf mich halt nicht erwischen lassen. Der listige Kater schläft und in der Waschküche im Keller wird mich schon keiner entdecken«, murmelte er zu sich selbst. Mit klopfendem Herzen und einem Zwicken im Bauch schlich er sich vom Dachboden.
Das kleine Bad, welches er sich im Waschkeller eingelassen hatte, war herrlich. Floki schrubbte jeden Zentimeter seines Körpers gründlich, bevor er aus dem Becken stieg. Er schüttelte sich wie ein Hund, sodass die Wassertropfen aus seinem Bart in alle Richtungen stieben. Mit einem herumliegenden Lappen beseitigte er seine nassen Spuren. Als er zur Kühltruhe gelangte, beugte er verwundert den Kopf. »Das ist aber nicht von mir.«
Vor der Truhe sammelte sich eine Pfütze.
Er runzelte die Stirn. Weitere Wasserspuren lenkten ihn um die Ecke in den angrenzenden Flur. Von dort führte der Weg nur nach draußen. Und zum Lagerkeller. Voller Überzeugung, den Kater endlich auf frischer Tat erwischt zu haben, polterte Floki in den Nachbarraum. Ein Quieken ertönte, Flokis erstauntes »Du?« folgte.
»Ich … ähm … ich kann das erklären.«
»Na, da bin ich ja gespannt.« Floki stemmte die Hände in die Hüften und schaute Suvi erwartungsvoll an.
Schweißperlen rannen in dessen grauschwarzen Bart. »Ich … also … versprich bitte, dass du mich nicht auslachst.« Er legte sich die winzigen Hände vors Gesicht und linste durch die Finger zu Floki.
Der nickte, sichtlich interessiert, was der Wichtel ihm gleich erzählen würde.
»Ich versuche, die leckersten Plätzchen zu backen, um in die Weihnachtsbäckerei aufgenommen zu werden«, sprudelte es aus Suvi heraus.
Floki blinzelte. Und ruckelte an seiner Mütze, weil er glaubte, die Worte wären falsch durch den Filz hindurchgelangt. »In die Weihnachtsbäckerei? Arbeiten da nicht nur Weihnachtselfen?«, fragte Floki ungläubig.
Der andere Wichtel sackte bei diesen Worten in sich zusammen und fing an zu schluchzen. »Ich weiß, es ist lächerlich. Seit ich die ersten Plätzchen probiert habe, war es mein sehnlichster Wunsch, in das Geheimnis eingeweiht zu werden und eigene neue Rezepte kreieren zu dürfen. Die ganzen letzten Tage experimentiere ich schon, um außergewöhnliche Kekse für den Weihnachtsmann zu backen, damit er mir einen Platz in seiner Bäckerei anbietet, aber ich bekomme einfach die Schokoglasur nicht hin.« Dicke Tränen kullerten in seinen Bart.
Floki dämmerte es, als er die Färbung der Haare betrachtete, die dem Fell des Katers zum Verwechseln ähnlich sahen. »Du hast die Lichter genommen«.
Suvi nickte bekümmert. »Ja, und die Eier, die Milch, die Schokolade und die Beeren aus der Kühltruhe für die Marmelade. Bitte verrate mich nicht.«
Floki starrte den anderen Wichtel eine Weile an. Dessen Verzweiflung war nahezu greifbar und ihm wurde das Herz schwer. »Was ist mit der Glasur? Warum klappt die nicht?«, fragte er nun mit sanfter Stimme und legte Suvi eine Hand auf die Schulter.
Überrascht blickte dieser auf. »Mir brennt die Schokolade immer an.« Er drehte sich zu einem improvisierten Herd mit Backofen um.
Floki sog scharf die Luft ein. »Suvi, hast du deine Magie für die Erschaffung eines Ofens genutzt? Waren dafür all die Lichter?«
Erschrocken stellte sich der Wichtel vor das Gerät, als ob es helfen würde, wenn er Floki die Sicht darauf versperrte.
Dieser schüttelte nur kurz den Kopf, sah sich dann jedoch den Topf an, in dem die Schokolade verkrustet am Boden festgetrocknet war. Es stank fürchterlich. »Du brauchst ein Wasserbad.« Auf Suvis fragenden Blick hin erklärte ihm Floki, was er einmal bei der Bäuerin beobachtet hatte.
Suvi machte sich sofort ans Werk, führte die Anweisungen von Floki genauestens aus und bestrich die Plätzchen auf den Blechen mit der geschmolzenen Schokolade.
»Was sind das überhaupt für Kekse?«, wollte Floki wissen.
Suvi hüpfte inzwischen vor Freude umher. Statt zu antworten, schnappte er sich ein Teilchen und steckte es Floki in den Mund.
Verzückt von der fruchtig-schokoladigen Mischung schloss dieser die Augen und kaute genüsslich. »Wahnsinn, als würde der Sommer mit Weihnachten verschmelzen.«
»Danke.« Suvis Knollnase wurde kirschrot.
»Aber jetzt lass uns schlafen und unsere Aufgaben erledigen, damit wir nicht ins Sommerdorf abgeschoben werden und den Weihnachtsmann verpassen.«
Der Weihnachtsabend kam und die Wichtelgemeinschaft hatte sich im Stall zusammengefunden. Floki hatte Suvis Geheimnis niemandem verraten. Glücklicherweise verschwanden keine Eier oder Lichter mehr, sodass die Menschen und die Wichtel vergnügt und besinnlich Weihnachten verbringen konnten. Und während die Wichtel munter miteinander plauderten, war eine Knollnase gebannt auf die Tür des Stalles gerichtet. In den winzigen Händen, unter einem langen Bart versteckt, hielt der zugehörige Wichtel eine Dose fest.
Melodisches Glockengeläut war zu vernehmen, da schob sich auch schon knarrend die Tür auf. Ein Mann mit weißem Bart und weinrotem Anzug trat ein. Wie in jedem Jahr wurde er vom Ältesten begrüßt und über die Vorkommnisse am Hof informiert – über die wichtigsten zumindest. Der Weihnachtsmann bedankte sich überschwänglich bei jedem Einzelnen und übergab kleine Tüten mit erlesensten Werken seiner Weihnachtsbäckerei. Bei Suvi angelangt verlor dieser seinen Mut, murmelte einen Dank und war im Begriff sich wegzudrehen, als Floki sich zu ihm stellte und den Mann stoppte.
»Nanu? Möchtest du mir noch etwas sagen?«, erklang es freundlich.
Suvi schüttelte panisch den Kopf, sodass Floki sich gezwungen sah, einzuspringen. »Suvi hat da eine Kleinigkeit für Sie.« Er schnappte sich den Arm des anderen Wichtels und zog diesen unter dem Bart hervor.
Eine glänzende Dose in der Farbe des Anzugs des Weihnachtsmanns kam zum Vorschein.
»Er will sich bei Ihnen bewerben.«
Der Weihnachtsmann nahm die Dose entgegen und hob den Deckel an. Mit einem verzückten Seufzen schnupperte er an den Keksen. Dann schob er sich einen in den Mund und schloss wie schon Floki die Augen. Er ließ sich Zeit mit seiner Kostprobe, doch als er schließlich seine Augen wieder aufschlug, offenbarten sie ein Funkeln. »Du würdest dir wünschen, in meiner Bäckerei zu arbeiten?«
Suvi traute sich nicht, nach oben zu schauen, aus Angst vor der Belustigung in den Mienen, wenngleich er nickte.
»Du hast Talent. Deine Kekse werden mir den Sommer in den Norden bringen. Sehr gerne nehme ich dich in der Weihnachtsbäckerei auf.«
Während zuvor die Wichtel alle fassungslos und mit offenen Mündern zwischen den beiden hin- und hergeschaut hatten, brachen sie bei diesen Worten in Jubelrufe aus. Sie hoben ihren Suvi in die Höhe und freuten sich mit ihm, dass sich sein Wunsch erfüllte. Dabei platzten sie fast vor Stolz, dass der erste Wichtel aus ihrer Gemeinschaft es in die Weihnachtsbäckerei geschafft hatte.

Suvis Sommer-Weihnachts-Kuss(ca. 30 Stück)

2 Eiweiß

300g Puderzucker

80g Mehl

200g gemahlene Mandeln

150g gemahlene Haselnüsse

3 Teelöffel Zimt

Erdbeermarmelade

75g Zartbitterkuvertüre

gefriergetrocknete Erdbeeren

Eiweiß steif schlagen und nach und nach den Puderzucker unterrühren. In einer zweiten Schüssel Mehl, Mandeln, Haselnüsse und Zimt mischen. Anschließend in die Eiweiß-Puderzucker-Mischung geben und alles zu einem klebrigen Teig verkneten.

Backofen auf 140°C Umluft vorheizen.Den Teig zwischen zwei Frischhaltefolien auf etwa 0,5cm Dicke ausrollen und mit einem Sternausstecher Kekse ausstechen. Anschließend auf mittlerer Schiene 10-15 Minuten backen.

Wenn die Kekse ausgekühlt sind, die eine Hälfte mit Erdbeermarmelade bestreichen und die andere Hälfte als Deckel aufsetzen.

Die Kuvertüre im Wasserbad schmelzen, auf den Deckeln verteilen und jeweils eine gefriergetrocknete Erdbeere daraufsetzen.

Von kleinen Wellen und großem Hexenglück

Isabella Fuchs

Nitsa fieberte diesem Tag entgegen, seit ihre Magie vor einigen Wochen erwacht war. Genau an ihrem zwölften Geburtstag wie bei allen Hexen in ihrer Familie. Jetzt stand sie an ihrem ersten Schultag zusammen mit Papa und Oma vor der Hexenschule. Hier sollte sie herausfinden, welche Art von Hexenkraft sie hatte und wie sie diese anwenden konnte.
Die spitzen Dächer des großen Cottage und seiner Türmchen waren mit Schnee bedeckt, ebenso die Fensterläden und -bänke. Das Gebäude hatte einige Erker, deren dunkle Holzdekorationen mit schönen Mustern verziert waren. Auf den Sträuchern und der Wiese ringsherum lag ebenfalls eine dicke weiße glitzernde Schicht.
Nitsa war aufgeregt. Einerseits freute sie sich darauf, neue Dinge zu lernen. Andererseits kam viel Unbekanntes auf sie zu, was ihr ein wenig Angst machte, zumal sie nun für eine längere Zeit nicht mehr zu Hause sein würde. Sie drückte die Hand ihres Papas fester.
»Alles in Ordnung?«, fragte ihr Papa und beugte sich herunter.
Sie nickte langsam, aber Freude und Sorge wechselten sich immer wieder ab.
»Du musst keine Angst haben, Nitsa.« Oma Elpida streichelte ihr über den Kopf. Sie hatte die Unsicherheit ihrer Enkelin bemerkt. »Deine Mama und ich sind hier auch zur Schule gegangen und es war eine wunderbare Erfahrung. Du findest bestimmt schnell Freunde.«
Gemeinsam gingen sie zum Eingangstor und läuteten an der Glocke. Die Tür öffnete sich und warme Luft wehte ihnen entgegen. In der kleinen Eingangshalle stand eine große Frau mit einem blonden Zopf. Sie trug ein dunkelgraues Kleid mit langen Ärmeln. »Willkommen an der Hekate-Akademie für angehende Hexen. Ich bin Madame Angelique, die Rektorin«, sagte sie und lächelte.
»Vielen Dank. Schön, Sie persönlich kennenzulernen«, entgegnete Nitsas Papa.
Nitsa und ihre Oma nickten zustimmend.
»Ich freue mich sehr, dass Nitsa unsere Schule besuchen wird. Wir haben für heute einige spannende Programmpunkte geplant. Zunächst führe ich Sie durch unsere Akademie. Dann wird Nitsa in die Zauberfächer reinschnuppern. Wir wollen sehen, ob sich ihre Hexenkraft zeigt. Am Abend gibt es einen Spieleabend, sodass sich alle besser kennenlernen können.«
»Das klingt wunderbar. Was meinst du, Nitsa?«, fragte Oma Elpida.
»Finde ich auch«, antwortete die kleine Hexe. Sie klang ein wenig unsicher, doch die freundliche Art der Rektorin beruhigte sie.
Madame Angelique führte Nitsa und ihre Familie durchs Gebäude. Zuerst waren die Schlafräume im oberen Stockwerk an der Reihe. In Nitsas Zimmer gab es ein Bett, einen Schreibtisch und einen Kleiderschrank. Sie inspizierte es skeptisch. Es sah aus wie die Kammer einer Nonne.
»Ich weiß, es ist noch recht karg, aber jede Schülerin darf ihr Zimmer selbst gestalten«, führte Madame Angelique aus.
Zum Glück hatte Nitsa ihre Kuscheltierfreunde im Gepäck. Schöne Bettwäsche, Fotos und Poster konnte Oma ihr morgen schicken.
Ihr Papa stellte den Koffer auf die Kommode, danach ging es zurück ins Erdgeschoss zum Speisesaal, dessen Wände mit Holz verkleidet waren. In der Mitte stand ein breiter Tisch und darüber hing ein großer Kronleuchter. Durch einen Kamin an der rechten Wand wirkte der Raum behaglich.
»Wir essen hier nicht nur, sondern treffen uns, um den Abend gemeinsam zu verbringen oder die Einschulung einer neuen Schülerin zu feiern«, erklärte Madame Angelique und lächelte Nitsa an. »Nun sollten wir schauen, dass du zum Schnupperunterricht kommst.«
Die Gruppe begab sich wieder in die Eingangshalle.
Nitsa verabschiedete sich von ihrem Papa und ihrer Oma, dabei steckte Elpida ihr noch eine Tüte Kekse zu. Der Abschied fiel ihr schwer, aber sie war auch sehr neugierig und wollte endlich wissen, was für eine Hexenkraft sie hatte.
Die Rektorin lotste sie in einen langen Flur mit drei Portalen.
»Jedes Portal bringt dich in ein anderes Klassenzimmer, Nitsa. Mit dem Portal rechts außen gelangst du zu Miss Lane. Sie lehrt Zaubertrankkunde. Wenn du durch das mittlere Portal gehst, unterrichtet dich Miss Okita darin, wie du die Elemente beherrschst. Und das Portal links von dir führt dich in den Wald hinter der Akademie. Dort lernst du von Miss Marwa, die Tiere zu verstehen. Also, welchen Unterricht möchtest du zuerst besuchen?«
»Die Zaubertrankstunde.«
»In Ordnung. Dir eine schöne erste Unterrichtsstunde«, wünschte ihr die Rektorin.
Nitsa lief durch ein steinernes Tor mit leuchtend blauen Schriftzeichen und fand sich in einem hohen, abgedunkelten Raum wieder. An den Wänden reihten sich zahllose Regale mit vielen unterschiedlichen Glasbehältern aneinander, daneben waren zwei weitere Portale. Vor ihr standen mehrere Tische, auf denen sich Kolben und Mörser befanden. Dahinter warteten drei Personen auf sie. Eine kleine Frau mit kurzen braunen Haaren und zwei Mädchen. Sie trugen alle das gleiche Kleid wie die Rektorin.
»Hallo Nitsa. Willkommen in der Zaubertrankklasse. Ich bin Miss Lane. Das hier sind Jimin und Tari. Sie sind beide schon seit einem Jahr in meiner Klasse.«
Die Lehrerin zeigte zunächst auf Jimin, die ihre fliederfarbenen Haare zu zwei seitlichen Zöpfen geflochten hatte. Taris lockige schwarze Haare fielen ihr sanft über die Schultern.
»Hallo, schön euch kennenzulernen«, sagte Nitsa.
Die Mädchen strahlten sie an und begrüßten sie freudig.
»Jetzt, da wir uns kennengelernt haben, gehen wir mal an die Arbeit. Heute werden wir einen Trank gegen Magenverstimmungen brauen. Die Zutaten liegen samt eurem Werkzeug auf den Tischen bereit. Wir brauchen Pfefferminze, Kümmel, Schöllkraut und Zimt. Ich werde die Schritte vormachen und ihr wiederholt sie bitte.«
Nitsa war aufgeregt. Ihr erster Zaubertrank sollte unbedingt gut werden, also gab sie sich besonders große Mühe.
»Die Temperatur des Trankes ist perfekt, Nitsa«, bemerkte Miss Lane, die ihren Schülerinnen zwischendurch über die Schulter schaute.
Nitsa freute sich über das Lob. Im Klassenzimmer duftete es herrlich nach Zimt. Nachdem alle ihren Trank zubereitet hatten, sollten die Schülerinnen ihn durch einen Zauberspruch fertigstellen.
Jimin und Tari sprachen Miss Lane nach. Über ihren Kesseln färbte sich der Dampf in ein sattes Grün.
Dann war Nitsa an der Reihe. Obwohl sie die Worte richtig aussprach, passierte nichts.
Sie wiederholte ihn.
Nichts geschah.
Sie ließ die Schultern hängen.
Tari und Jimin stellten sich zu ihr und versuchten, sie aufzumuntern. »Nicht traurig sein.«
»Keine Sorge. Du findest schon heraus, welche Art der Hexerei dir liegt. Vermutlich im nächsten Unterricht. Welche Klasse möchtest du jetzt ausprobieren?«, fragte Miss Lane.
»Bestimmt, danke. Ich denke Tierkunde«, antwortete Nitsa.
Die Lehrerin gab ihr einen Wintermantel mit und die junge Hexe ging durch eines der Portale.
Nur einen Wimpernschlag später stand sie in einem Stall voller Heu. Rechts und links von ihr befanden sich verschiedene Boxen, die ebenfalls mit Heu ausgelegt waren. Kalte Luft und Schneeflocken wehten durch das offene Tor vor ihr in den Stall. Sie lief nach draußen. Auf dem Weg aß sie ein paar Kekse. Der Geschmack nach Zimt wärmte sie von innen.
Nitsa folgte einigen Fußspuren bis zu einer Lichtung. Dort hockte an einer Tränke eine Frau, auf deren Arm ein Grauhörnchen saß. »Ich weiß, dass du nicht mehr alle deine Verstecke findest, doch ich werde dir keinen Sack Nüsse holen. Du wirst dich schon erinnern müssen.«
»Hallo«, rief Nitsa.
Die Frau, deren Frisur aus vielen kleinen, aber langen geflochtenen Zöpfen bestand, drehte sich um. »Ah, hallo, du bist Nitsa, richtig? Ich bin Miss Marwa. Schön, dass du uns besuchst. Entschuldige, dass ich dich nicht am Stall empfangen habe. Wahta meinte, es sei ein Notfall und ich müsste dringend zur Tränke kommen.«
Ein Quieken ertönte von ihrer Schulter. Das Grauhörnchen gestikulierte und schien etwas sagen zu wollen, allerdings verstand Nitsa es nicht.
»Nein, Wahta. Nitsa wird dir nicht helfen.« Miss Marwa lachte und wandte sich zu Nitsa. »Wahta ist das Grauhörnchen auf meiner Schulter. Ich schlage vor, wir gehen zu den anderen. Dann zeigen wir dir, was wir hier machen.«
»Ja, gerne.« Nitsa folgte der Lehrerin zu einer weiteren Lichtung, auf der Holzbänke, mehrere Tröge und Futterkrippen standen. Auch hier lag überall Schnee. Drei Schülerinnen füllten gerade das Heu auf.
»Iwa, Fenja, Zlata. Kommt ihr bitte zu mir?«, fragte Miss Marwa.
Die Mädchen legten das Futter beiseite und kamen auf Nitsa und Miss Lane zu. Sie trugen wie alle Mitglieder der Akademie das dunkelgraue Kleid.
»Hallo. Willkommen in der Anfänger-Tierkundeklasse.« Sie begrüßten Nitsa im Gleichklang und stellten sich nacheinander vor. Zlata war die Kleinste, Iwa am größten. Fenja hatte eine rote Mütze auf.
»Hallo«, entgegnete Nitsa.
»Ich dachte mir, ihr könntet unserem Neuzugang zeigen, was wir hier machen. Vielleicht fangen wir mit der Futterzubereitung an und holen dann Finnley? Was haltet ihr davon?«
Die Schülerinnen stimmten der Idee ihrer Lehrerin zu. Zlata und Iwa führten Nitsa zu einem Trog. Daneben standen Wassereimer, Schüsseln mit Haferflocken, ein Korb Äpfel und eine Futterschaufel.
»Hier bereiten wir das Futter für die Pferde vor. Heute gibt es Haferbrei«, erklärte Zlata.
»Wie wäre es, wenn ich und Zlata die Zutaten umfüllen und du das Ganze durchrührst?«, schlug Iwa vor.
Nitsa nickte, nahm das Werkzeug und rührte alles, so gut sie konnte, zusammen.
Nach einer Weile kam Miss Marwa vorbei. »Der Brei ist schön gleichmäßig vermischt. Ihr habt prima im Team gearbeitet«, lobte sie.
Die drei waren sichtlich stolz.
Nitsa freute sich, dass ihre Mitschülerinnen sie so freundlich aufgenommen hatten. Ihre Sorgen waren verschwunden und sie fühlte sich immer wohler in der Akademie.
Fenja führte vier Pferde zu den vorbereiteten Schüsseln.
Ein fünftes trabte mit einigem Abstand hinter ihr her. Es stellte sich vor die Mädchen.
»Darf ich vorstellen, Nitsa? Das ist Finnley. Finnley, das ist Nitsa. Eine neue Schülerin.«
Er schaute die junge Hexe an und ging anschließend zu den anderen Pferden.
»Keine Sorge«, erklärte die Lehrerin. »Er weiß jetzt, wie du aussiehst, und kommt nach dem Essen zu dir. Dann kannst du versuchen, mit ihm eine Verbindung aufzubauen. Er ist sehr mitteilsam, daher sollte es recht leicht sein, mit ihm zu reden. Und wenn du Finnley einen Apfel gibst, wird er dich vermutlich auf sich reiten lassen.«
Miss Marwa wies Nitsa an, auf einer Bank zu warten.
Nach ein paar Minuten gesellte sich das Pferd zu ihr.
Nitsa hielt ihm einen Apfel hin, den er genüsslich kaute. Sie sah ihm in die Augen und legte ihre Hand auf seinen Hals. Sie streichelte Finnley, aber sie hörte und spürte nichts. Einige Momente später ließ sie den Kopf sinken.
»Alles in Ordnung?« Miss Marwa setzte sich zu ihr.
»Nein, nichts ist in Ordnung. Ich verstehe Finnley nicht und einen ordentlichen Zaubertrank konnte ich auch nicht brauen.« Ihr liefen Tränen über die Wange.
»Deine Hexenkraft zeigt sich noch. So wie du den Brei angerührt hast, bist du sicherlich bei Miss Okita gut aufgehoben«, munterte die Lehrerin sie auf.
»Danke.« Sie wischte sich die Tränen weg.
»Ich öffne dir ein Portal, das dich zur Wiese hinter der Akademie bringt. Dort findet der Elementarmagie-Unterricht statt.«
Nitsa nickte und verabschiedete sich von allen. Wie Miss Marwa gesagt hatte, stand eine Frau auf der schneebedeckten Wiese. Nachdem sie Nitsa bemerkt hatte, winkte sie ihr zu. »Hallo, hier sind wir«, rief sie.
Die junge Hexe beeilte sich und kam laut atmend bei Miss Okita an. »Hallo Miss Okita.«
»Schön, dass du hergefunden hast.«
Nitsa schaute sich um. Zwei Mädchen saßen auf dem Boden.
Die Lehrerin folgte ihrem Blick. »Das sind Pegah und Camira. Sie sind schon seit zwei Monaten in meiner Klasse.« Miss Okita zeigte erst auf das blonde Mädchen, dann auf das kleinere, das eine lange silberne Kette um den Hals trug. Vor ihnen schwebte jeweils ein faustgroßer Kieselstein einige Zentimeter über der Wiese.
»Ist das nicht kalt?«, fragte die junge Hexe.
»Nein, die Schuluniform der Akademie ist verzaubert und passt sich jedem Wetter an«, antwortete Miss Okita.
»Und was machen die mit dem Kiesel?«, wollte Nitsa wissen.
»Sie kontrollieren die Luft um den Stein herum, sodass er vom Boden abhebt. Für dich habe ich aber etwas anderes vorbereitet«, erläuterte die Lehrerin und führte sie zu einem Kessel, in dem sich Wasser befand.
»Es gibt vier Elemente: Wasser, Feuer, Erde und Luft. Davon ist Wasser das Element, das am einfachsten zu beherrschen ist. Schließ deine Augen und stell dir vor, du würdest daran ziehen wie an einem Faden.«
Nitsa war skeptisch, dennoch versuchte sie, den Anweisungen zu folgen, obwohl diese seltsam klangen. Sie stellte sich vor, wie sie an dem Wasser zog. Ihr Körper zitterte vor Konzentration, doch mehr spürte sie nicht. Schon wieder nichts, dachte sie und atmete aus. Da vernahm sie ein Platschen. Sie öffnete die Augen und schaute zum Kessel. Sanfte Wellen kräuselten sich auf der Wasseroberfläche.
»Sehr gut!«, lobte Miss Okita.
»Das war ich?« Sie konnte es nicht glauben.
»Ja, das warst du«, bestätigte die Lehrerin.
Hinter sich hörte die junge Hexe ein Klatschen. Sie drehte sich um.
Camira und Pegah lächelten sie an. »Herzlich willkommen bei uns«, begrüßten die beiden sie.
»Danke!« Die junge Hexe strahlte über das ganze Gesicht.
»Wir sollten nun reingehen und zu Mittag essen, oder was denkt ihr?«, erkundigte sich Miss Okita.
Sie folgte der Aufforderung ihrer Lehrerin. Endlich hatte sie den Ort gefunden, an dem sie ihre Hexenkraft entdecken und einsetzen konnte. Als Nachtisch teilte sie ihre Kekse mit ihren neuen Mitschülerinnen.
Am Nachmittag rief Nitsa ihre Familie an und berichtete, was sie erlebt hatte.
»Das war ja ein aufregender Tag, meine Maus«, meinte ihr Vater.
»Ja, und es waren alle supernett. Könnt ihr mir vielleicht etwas schicken, das ich später zum Spieleabend mitnehmen kann?«
»Sicherlich. Woran hast du gedacht?«, fragte Oma Elpida.
Nitsa erzählte von ihrer Idee und ihre Großmutter versprach ihr, die Sachen so schnell wie möglich per Expressrabe zuzusenden.
Am Abend ging sie mit der Dose, die der Rabe gebracht hatte, in den Speisesaal. Die Mitglieder der Akademie waren anwesend, auch diejenigen, die sie noch nicht kennengelernt hatte.
»Schön, dass du da bist.« Die Rektorin lächelte sie an. »Was hast du denn da mitgebracht?«
»Kekse. Das sind Haferkekse mit Apfel und Zimt. Alles Dinge, die ich heute für meine Aufgaben gebraucht habe. Meine Oma hat sie gebacken, weil ich was zum Spieleabend mitbringen wollte.«
Die junge Hexe stellte die Plätzchen auf den Buffettisch und gesellte sich zu ihren Mitschülerinnen, die schon auf sie gewartet hatten. Sie war sich jetzt ganz sicher, dass sie sich an der Akademie wohlfühlen würde.

Suvis Sommer-Weihnachts-Kuss(ca. 30 Stück)

250g Hafermehl

125g kalte Butter

100g Zucker

1 mittelgroßer Apfel

½ Teelöffel Backpulver

1 Prise Salz

1 Päckchen Vanillezucker

½ Teelöffel Zimt (mehr nach Belieben)

Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und den Ofen auf 150°C Umluft vorheizen. Den Apfel waschen und schälen, das Kerngehäuse entfernen und den Apfel raspeln. Mehl mit allen weiteren trockenen Zutaten mischen. Die kalte Butter in kleine Stücke schneiden und zur Mehlmischung hinzugeben. Das Ganze so lange kneten, bis kleine Streusel entstanden sind. Nun den geriebenen Apfel hinzugeben und unter die Streusel kneten. Dazu am besten einen Knethaken verwenden. Mit einem Teelöffel kleine Portionen abnehmen, mit den Händen leicht zusammendrücken und mit etwas Abstand zueinander auf das Backblech legen. Die Plätzchen 15 Minuten auf mittlerer Schiene backen.

Das große Fest im Wald

Mary Cronos

Es ist wieder diese schwierige Zeit im Jahr, in der alles anders ist. Draußen ist es kalt und dunkel und es fällt mir schwer, meine Menschen zu einem Rundgang durch mein Revier zu motivieren. Sie scheinen unser Zuhause nur noch zu verlassen, wenn sie durch außergewöhnliche Situationen dazu gezwungen werden. Dafür bringen sie im ganzen Haus merkwürdige Lichter an, die zum Teil bunt sind und fürchterlich herumblinken. Ob sie das machen, um besser sehen zu können? Vielleicht finden sich Menschen im Dunkeln schlechter zurecht als wir Hunde. Auf jeden Fall gilt es für mich aufzupassen. Zum einen, um nicht irgendein Licht oder einen der vielen seltsamen Gegenstände, die jetzt überall stehen, mit meiner Rute umzustoßen. Zum anderen, damit kein Fremder hereinkommt und irgendetwas fortnimmt. Das ist ein ziemlicher Druck, alles ist so aufregend.
Und das Schlimmste: Jeden Tag duftet es nach Leckereien aus der Küche meiner Menschen. Leckereien, die ich nicht haben darf. Das ist schrecklich unfair! Sie wissen diese Köstlichkeiten gar nicht so zu schätzen wie ich. Egal was sie in das Feuergerät schieben, das immer heißer wird und dabei grollt wie ein Bär, es verbrennt ständig. Zumindest würde es das, wenn meine feine Nase die Gefahr nicht rechtzeitig erkennen und ich Alarm schlagen würde.
Ich kann stolz behaupten, so einige Mahlzeiten gerettet zu haben. Und was ist der Dank? Dieses Zeug aus der Dose. Was würde ich darum geben, nur ein einziges Mal etwas von diesen wohlduftenden Speisen abzubekommen. Es muss ja nicht der große Braten sein, aber würde es denn wirklich auffallen, sollten ein paar von diesen kleinen Gebäckstücken verschwinden? Manche sind sternförmig und andere sehen aus wie Herzen. Die, die heute in dem Feuerding sind, haben sogar Nüsse darauf. Im ganzen Haus riecht es so köstlich, dass ich fast auf meiner eigenen Sabberspur ausrutsche, als ich dem Duft in die Küche folge. Vielleicht könnte ich einen unbeobachteten Moment nutzen und mir dann sichern, was mir zusteht. Ohne mich werden diese winzigen Teilchen schließlich wieder verbrennen.
»Nein, Rupert, vergiss es. Das ist nicht gut für dich.«
Mist. Frauchen hat mich bemerkt.
»Ich weiß, dass das unfair ist. Die Plätzchen riechen bestimmt toll für dich.« Sie geht vor mir – und damit zwischen mir und diesen ›Plätzchen‹ – in die Knie und krault meinen Nacken. »Trotzdem kann ich dir davon nichts abgeben. Du würdest furchtbare Bauchschmerzen bekommen.«
Keine Ahnung, wovon sie da erzählt, doch solange sie mich dabei krault, kann sie weiterreden. Genießerisch schließe ich die Augen.
»Sei ein braver Junge. Du kriegst heute Abend eine Belohnung. Versprochen.«
Braver Junge. Das hab ich verstanden. Das sagt sie oft zu mir, wenn ich etwas richtig gemacht habe. Also lobt sie mich gerade, oder? Belohnung ist auch so ein Wort, das mir bekannt vorkommt. Das ist auch gut. Menschensprache ist wirklich kompliziert. Zum Glück kann man bei Menschen deutlich erkennen, was sie meinen. Am Blick, an der Gestik, am Klang ihrer Stimme und vor allem an ihrem Geruch. Das hat mich einige Male davor bewahrt, Frauchen falsch zu verstehen. Aber diesmal? Ist es jetzt gut oder schlecht, dass ich an diesem heißen Ungetüm gewartet habe? Darf ich was haben oder nicht? Sie hat mich schließlich gelobt. Okay, sie hat mich auch von dem feurigen Ding weggeschoben, allerdings bestimmt nur zum Schutz vor der Hitze. Als sie das große Maul des metallischen Ungeheuers öffnet, kommt mit dem Duft jedenfalls eine Welle heißer Luft heraus und lässt mich noch ein paar Schritte rückwärts tapsen.
»Sei brav. Bleib«, sagt mein Frauchen, während sie mir ihre Vorderpfote entgegenstreckt.
Bleib kenne ich auch. Ich darf hierbleiben. Also setze ich mich und schlecke über meine eigene Schnauze.
---ENDE DER LESEPROBE---

Inhaltsverzeichnis

Das Vorwort einer einsamen Weihnachtsgeschichte

Das Verschwinden der Weihnachtslichter

Von kleinen Wellen und großem Hexenglück

Das große Fest im Wald

Der kleine blaue Drache

Eine neue Familie

Nikolaus im Orkbau

Die geheime Zutat

Wo ist Herjetta geblieben?

Wotan, der Weihnachtsbackelf

Eine Erinnerung aus Eis und Schnee

Die Rentierdetektei: Nunus Verschwinden Teil 1

Die Rentierdetektei: Nunus Verschwinden Teil 2

Drachenfeuer

Plätzchenzauber für den kleinen Troll

Ein nächtliches Bruder-Dilemma

Die Mission

Leo und die magischen Weihnachtskekse

Leni backt für Luna

Weihnachten auf dem Land

Weihnachtsfest in Gefahr

Alles anders und doch gleich

Die Rettung des Weihnachtsfestes

Ein weihnachtlicher Wettkampf

Aller Kekse Anfang ist schwer

Nachwort einer kugelrunden Weihnachtsgeschichte

Orientierungsmarken

Inhaltsverzeichnis

Cover