9,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 9,99 €
Ein Sommer voller Wellenrauschen und Herzklopfen am Strand
Als Hotelmanagerin auf einem Luxuskreuzfahrtschiff fühlt sich Sandra Meerbach auf der ganzen Welt zu Hause. Doch dann zwingt sie der Unfall ihrer kleinen Schwester, in ihre Heimat Altensande an der Ostsee zurückzukehren. Sie erhält das Angebot, an der Modernisierung des kleinen Küstenorts mitzuwirken. Dafür müssen allerdings einige traditionsreiche Einrichtungen weichen, vor allem die Surfschule direkt am Strand. Davon hält Surflehrer Philipp allerdings überhaupt nichts. Um mehr über ihn und die Surfschule herauszufinden, belegt Sandra unter einem anderen Namen einen Kurs bei ihm. Mit jeder Welle spürt Sandra, wie sehr ihr das Meer gefehlt hat, und auch der attraktive Phillip geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Nur, was wenn er dahinterkommt, warum sie wirklich hier ist?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das Buch
Während ich mit den anderen Teilnehmern des Surfkurses auf den Surflehrer warte, gehe ich im Kopf ein letztes Mal meinen Plan durch: Ich muss so viel wie möglich über Phillip Sommer herausfinden. Nur so kann ich am Ende die richtige Strategie ausarbeiten, um ihn von unserem Modernisierungskonzept zu überzeugen.
Ein Mann in einem dunkelblauen Neoprenanzug betritt die Veranda. Er ist gut einen Kopf größer als ich, hat breite Schultern und hohe Wangenknochen, an denen man sich schneiden könnte. Sandblonde Haare kleben ihm nass an der Stirn. Etwas an ihm kommt mir bekannt vor, aber ich kann es nicht zuordnen. Zumindest nicht, bis er die Sonnenbrille abnimmt und uns anlächelt. Mir wird mit einem Schlag eiskalt.
Die Autorin
Karin König hat Journalistik studiert, für mehrere Lokalzeitungen geschrieben und ein Volontariat beim WDR absolviert. Aktuell arbeitet sie als Journalistin für den WDR. Wenn sie mal nicht hinter ihrem Laptop sitzt, hat sie meistens ein Buch vor der Nase. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich als Rettungsschwimmerin. Den Sommer verbringt sie am liebsten an der Ostsee.
KARIN KÖNIG
Roman
WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN
Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.
Copyright © 2023 by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München
Redaktion: Michelle Stöger
Covergestaltung: t. mutzenbach design, München, unter Verwendung von © Shutterstock.com (solarbird, a_shum, Evgenia_art_art, Anastasia Lembrik, Daria Ustiugova)
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-30289-4V002www.heyne.de
Für Mama, die mich in der Grundschule zum ersten Mal mit in die Bücherei genommen hat. Das hier ist alles deine Schuld.
Es ist neun Uhr morgens in Belize City, und ich trinke meine zweite Tasse starken Kaffee. Wir haben die Bohnen zu Beginn unserer Mittelamerika-Kreuzfahrt in El Salvador gekauft, und ihr kräftiges, bitteres Aroma entschädigt mich für den fehlenden Schlaf. Eigentlich beginnt meine Schicht erst jetzt, aber es gab heute Morgen ein Problem im Spa-Bereich der Evrima, sodass mich die Kollegin, die dort die frühen Sauna-Aufgüsse macht, um sieben aus dem Bett geklingelt hat. Nicht, dass ich geschlafen hätte. Dazu bin ich viel zu aufgeregt.
Wie sich herausstellte, war unser Vorrat an Fango-Schlamm zur Neige gegangen, weil eine Gruppe von steinreichen Italienerinnen jeden Morgen und jeden Abend eine Stunde zum Entschlacken im Schlamm baden wollte. Zum Glück waren die Damen mit einem Gutschein für eine kostenlose Kosmetikbehandlung im schiffseigenen Luxus-Beauty-Salon wieder zu versöhnen, und ich versprach, mich direkt um unseren Schlammvorrat zu kümmern. Drei E-Mails später klingelte das Telefon, weil eine unserer Guides für die Landgänge sich krankgemeldet hat. Bis ich Ersatz organisiert hatte, bewegten sich die Zeiger der Uhr auf meinem Schreibtisch unaufhaltsam auf neun Uhr zu. Die Umrechnung in meinem Kopf passiert mittlerweile automatisch. Neun Uhr in Belize City bedeutet, es ist sieben Uhr in New York. Dort, wo der Senior Manager des Ritz-Carlton heute über mein Schicksal entscheiden wird. Wann kann ich wohl frühestens mit dem Anruf rechnen? Würde er es sofort machen, sobald er im Büro war? Oder hat er so viel zu tun, dass erst am Ende seines Arbeitstags Zeit dafür ist?
Und wie soll ich bitte so lange warten?
»Sandra?« Meine Assistentin Agila steckt ihren Kopf zur Tür herein. »Es gibt da ein Problem.«
»Wenn ich doch nur jedes Mal einen Dollar bekäme, wenn jemand diesen Satz sagt.«
Agila grinst. »Wir wären schon längst Millionärinnen.«
»Du sagst es.« Ich greife nach meinem Diensthandy und stehe auf. »Was ist passiert?«
Anstelle einer Antwort winkt Agila mich durch die Tür und stürmt los. Ich werfe noch schnell einen Blick in den kleinen Taschenspiegel, den ich für Notfälle immer in meiner Schreibtischschublade aufbewahre. Unsere Kunden erwarten Perfektion in allen Bereichen, das schließt auch das Auftreten der Mitarbeitenden ein. Trotz meines hektischen Morgens sitzt meine Frisur. Mit ein paar routinierten Handbewegungen lasse ich zwei abtrünnige schwarze Strähnen wieder in meinem Dutt verschwinden, dann springe ich auf und folge Agila. Ich muss mich beeilen, um mit ihr Schritt zu halten. Die Filipina mag fast doppelt so alt sein wie ich, aber man merkt, dass sie den Großteil ihrer knapp bemessenen Freizeit im Fitnessraum verbringt.
»Es geht um das Bankett heute Abend«, erklärt sie, während sie mich mit unbeirrbarer Zielstrebigkeit durch die Gänge des Unterdecks führt. Auf der anderen Seite der Bullaugen schimmert das karibische Meer in Azurblau, aber ich habe heute kein Auge dafür.
»Das Bankett für Miss Penelopes Geburtstag?«
»Genau.«
Penelope ist die Tochter des amerikanischen Immobilien-Tycoons Mike Severide, der eine halbe Etage nur für seine Familie gebucht hat und seiner Tochter zum sechszehnten Geburtstag eine unvergessliche Party schenken möchte. Mir schwant Böses. »Was ist damit?«
Agila ignoriert meine Frage, biegt scharf rechts ab und öffnet eine unscheinbare Tür neben dem Aufzug für Angestellte.
»Wo gehen wir eigentlich hin?«
»In die Kombüse. Marco hat gesagt, das musst du selbst sehen.«
Der Gang, den sie mich entlangführt, ist schmal und schummrig beleuchtet. Die Wände sind nicht verputzt, und auf dem Boden liegen ein paar einsame Verpackungen und eine Kiste Schrauben. Mein Gehirn knüpft die nötigen Verbindungen und kommt zu dem Schluss, dass wir uns in einem der Gänge befinden, den die Werftarbeiter beim Bau der Luxus-Yacht benutzt haben. Selbst nach einem halben Jahr auf dem Schiff bin ich mir sicher, dass ich diesen Bereich noch nie betreten habe. Nichts deutet daraufhin, dass man auf der anderen Seite der Wand einen großen Flur mit weichem Teppich und prunkvollen Lampen vorfindet, der zu Suiten führt, in denen eine Nacht ein ganzes Monatseinkommen kostet.
Bevor ich Agila weiter befragen kann, kommen wir an einer kleinen Tür an. Durch das Holz höre ich Töpfe klappern und Wasser rauschen. Sie reißt die Tür auf, und Sekunden später betreten wir die große Kombüse der Evrima, in der schon das Mittagessen für unsere knapp dreihundert Gäste vorbereitet wird. Das grelle Licht der Leuchtstoffröhren spiegelt sich in den Edelstahlwänden und lässt mich blinzeln.
»Dios mío, es ist eine Katastrophe!«
Ich fahre herum. Ein breitschultriger Mexikaner kommt auf uns zugeeilt, einen großen Topf in der Hand und einen finsteren Ausdruck im Gesicht.
»Marco, was ist denn pass…«
»Señorita Meerbach, sehen Sie sich das an!«
Anstelle einer Antwort hält er mir den Topf unter die Nase, und ich verstehe sofort, was er meint: Fauliger Gestank steigt zu mir auf und frisst sich innerhalb von Sekunden in meine Nasenschleimhaut. Ich springe einen Schritt zurück und atme ein paarmal tief durch, um meinen Würgereiz unter Kontrolle zu bekommen. »Was zur Hölle ist das?«
»Das ist vergammeltes Ziegenfleisch, aus dem ich heute Abend eine klassisch mexikanische Birria zubereiten soll. Ich bin zwar ein Sternekoch, aber das geht nicht, Señorita! Es geht nicht. Erst recht nicht, wenn mir drei Leute fehlen.«
»Es fehlen drei Leute? Wieso das denn?«
»Mikaela, George und Prisha sind krank«, schaltet sich Agila wieder in die Unterhaltung ein, ihr Notizbuch aufgeklappt. »Es geht gerade offenbar die Grippe um.«
Die anderen Mitglieder der Küchencrew haben nach und nach aufgehört zu arbeiten, um unserem Gespräch zuzuhören. Sie sehen mindestens so verzweifelt aus wie Marco selbst.
»Es ist eine Katastrophe! Mr. Severide wird eine Beschwerde einlegen. Und über mich hat sich noch nie jemand beschwert!«
Ich kann Marcos Verzweiflung verstehen. Denn wenn Mr. Severide etwas zu beanstanden hat, wird das nicht nur ein schlechtes Licht auf ihn werfen, sondern auch auf mich. Und Clarice Biles von der Reederei könnte es sich noch mal überlegen, ob sie mir ein Empfehlungsschreiben ausstellt. Das kann ich im Moment wirklich nicht gebrauchen.
»Mikaela hat angeboten, dass sie trotzdem arbeitet, wenn ihr Fieber bis heute Abend runter ist«, sagt Agila vorsichtig. Ein Dutzend hoffnungsvoller Augenpaare wendet sich mir zu.
Ich atme einmal tief durch und sortiere meine Gedanken. »Kommt nicht infrage. Sie ist krank, sie soll sich erholen. Wir kriegen das hin. Als Erstes setze ich mich mit dem Fleischlieferanten in Verbindung. Das Geld bekommen wir zurück, so viel steht fest. Dann überzeuge ich die Severides davon, dass es ganz viele wunderbare mexikanische Gerichte ohne Fleisch gibt, die sich für die Party ihrer Tochter eignen. Und danach schaue ich in den Dienstplan, ob ich dir heute Abend jemand anderen abstellen kann. Vielleicht können die Kollegen vom Bordcafé aushelfen. Zur Not stelle ich mich selbst in die Küche, und du erklärst mir, was zu tun ist. Okay?«
Marco nickt wie ein Soldat, der gerade seinen Marschbefehl erhalten hat. »Sí, Señorita. So machen wir es.« Zur restlichen Küchencrew sagt er: »Ihr habt sie gehört! Also los, an die Arbeit.«
Um uns herum bricht wieder das ganz normale Chaos einer Bordkombüse aus. Ich schieße mit meinem Handy Fotos vom vergammelten Ziegenfleisch und mache mich dann auf den Weg ins Bordcafé. Während ich die Treppen hochsteige, tippe ich bereits eine böse E-Mail an den Fleischlieferanten und scrolle danach durch eine Liste mit vegetarischen Alternativen und Fischgerichten, die ich den Severides vorschlagen könnte. Mr. Severide ist nicht unbedingt ein einfacher Charakter, aber ich bin noch nie vor einer Herausforderung zurückgeschreckt. Genau das ist schließlich die Aufgabe einer Hotelmanagerin: Sicherzustellen, dass alle Passagiere eine unvergessliche Zeit an Bord haben. Und darin bin ich verdammt gut.
So gut, dass ich diese Beförderung einfach bekommen muss.
Als ich auf dem Oberdeck ankomme, schicke ich per WhatsApp Genesungswünsche an das erkrankte Küchenpersonal, dann schlüpfe ich durch den Personaleingang ins Bordcafé. Eine Viertelstunde später ist der Dienstplan so angepasst, dass Marco heute Abend drei Extra-Kräfte aus dem Café zur Seite gestellt bekommt, und sein erster Vorschlag für ein vegetarisches Ersatzmenü ist auf meinem Handy eingegangen. Mit dem befriedigenden Gefühl, schon vor dem dritten Morgenkaffee eine Katastrophe abgewendet zu haben, schlendere ich zurück zu meinem Büro. An Deck ist es noch relativ leer, also nehme ich ausnahmsweise den langen Weg über das Oberdeck. Die meisten unserer Gäste sind nach dem Frühstück noch mal auf ihre Zimmer gegangen oder verbringen den Tag mit einem Landgang in Belize City. Ich nutze die Gelegenheit, um einen Moment an der Reling stehen zu bleiben und den Blick schweifen zu lassen. Wir liegen gut zwei Meilen vor dem Hafen der Stadt, der für ein Kreuzfahrtschiff von der Größe der Evrima zu flach ist. Über dem glitzernden Wasser des karibischen Meeres erheben sich Hunderte Häuser mit bunten Fassaden rechts und links des Flusses, der die Stadt in zwei Teile teilt. Die ersten Tenderboote sind bereits unterwegs und bringen Passagiere und Waren vom Hafen zur Evrima und zurück. Heißer Wind streicht mir durch die Haare und zerrt an meinem Dutt. Trotz der tropischen Temperaturen müssen alle Angestellten auf dem Schiff immer lange Hosen und hochgeschlossene Oberteile tragen, was in den klimatisierten Innenräumen kein Problem ist. Unter der heißen Sonne der Karibik sieht das schon anders aus. Feine Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn, und mein Hemd beginnt, an meinen Armen zu kleben. Trotzdem bleibe ich noch einen Moment stehen, sauge jedes Detail der Szenerie in mir auf.
In New York wird die Aussicht eine andere sein.
Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass mein Ziel zum Greifen nah ist. Noch während meines Studiums des Tourismusmanagements in Hamburg hat einer der Dozenten uns Fotos vom Ritz-Carlton in New York gezeigt. Die hohe weiße Fassade des Hauses mit direktem Blick über den Central Park. Die livrierten Männer, die vor der imposanten Eingangstür stehen. Die mühelose Eleganz des Interieurs, jedes Detail sorgsam ausgewählt, luxuriös, aber zurückhaltend. »Das New Yorker Ritz-Carlton ist eins der bekanntesten Luxushotels der Stadt. Und New York die bekannteste Stadt der Welt«, sagte mein Dozent, und damit war mein Ziel klar: Mit dreißig werde ich in einem solchen Hotel arbeiten. Mit fünfunddreißig werde ich es führen. Und jetzt ist es fast so weit: In zwei Monaten ist mein dreißigster Geburtstag, und der Plan könnte nicht besser aufgehen.
Beschwingt drehe ich mich um und setze meinen Weg fort. Ich betrete gerade das Treppenhaus, als mein Handy klingelt. Mein Herz stolpert. Es ist so weit.
Mit zitternden Händen ziehe ich das Handy aus der Tasche. Das Display zeigt eine unbekannte Handynummer. Vielleicht ruft er ja von seinem privaten Telefon an? Ich atme einmal tief durch, dann nehme ich ab.
»Sandra Meerbach, wie kann ich Ihnen helfen?«
»Sandra«, sagt eine Frauenstimme am anderen Ende. »Ich bin’s. Nina.«
»Du hast was?«
»Mir den Arm gebrochen.« Die Stimme meiner Schwester klingt gepresst. »Und den Fuß verstaucht und mein Handy zerstört.«
»Wie ist das denn bitte passiert?«
»Ich war mit meiner Klasse im Wald, für den Bio-Unterricht. Ich wollte eben, dass sie das nicht alles nur aus dem Buch lernen, sondern live in der Natur. Und dann war da ein Abhang, und ich hab aufgepasst, dass keines der Kinder stürzt. Dabei bin ich selbst abgerutscht.«
»Scheiße.«
»Das kannst du laut sagen. Deshalb kann ich gerade nicht mehr als zwei Meter laufen und weder einen Topf Nudelwasser abschütten noch Hannahs Haare flechten.«
Im Hintergrund weint ein Mädchen.
»Ist sie das? Geht es ihr gut?«
»Wie man’s nimmt. Hey, Schatz, alles ist gut.« Nina entfernt sich vom Hörer. Das Weinen wird etwas leiser. »Alles wird wieder gut. Ich spreche gerade mit Tante Sandra.«
»Sandra?« Meine Nichte klingt mit einem Mal hoffnungsvoll. »Ich will mit Sandra reden!«
»Später, Schatz. Später«, sagt Nina.
»Sandra!«, ruft Hannah. »Hallo, Sandra!«
Es ist Monate her, dass ich das letzte Mal ihre Stimme gehört habe. Bei dem Gedanken sticht etwas in meiner Brust.
»Hallo, Hannah! Geht es dir gut, Süße?«
Nina seufzt kaum hörbar, dann raschelt etwas.
»Hallo!« Hannahs Stimme ist plötzlich so laut, dass ich das Handy von meinem Ohr weghalten muss. »Hallo, Tante Sandra!«
»Hey, Große. Na, ist alles okay?«
»Na ja. Ich weiß nicht so recht«, sagt sie, und mein Herz zieht sich zusammen.
»Was macht deine Mama auch für verrückte Sachen, mh?«
»Ja, voll verrückt«, murmelt Hannah, dann hellt sich ihre Stimme etwas auf. »Sandra, wohnst du ab jetzt echt bei uns?«
Der Satz trifft mich wie ein Eimer Eiswasser mitten ins Gesicht.
»Ähm … was?«
»Darf ich noch mal, Schatz? Danke. Hey, ich bin’s wieder.« Das ist Ninas Stimme. »Sorry dafür, sie ist mir offenbar zuvorgekommen.«
»Womit zuvorgekommen?«
Für einen Moment herrscht Schweigen am anderen Ende der Leitung. Beinahe so, als müsste Nina sich dazu zwingen, den nächsten Satz laut auszusprechen. »Mit der Frage, ob du mir helfen kannst. Uns helfen kannst.«
Als wäre damit ein Damm gebrochen, sprudeln die nächsten Worte aus ihr heraus. »Es wäre auch nicht für lange. Höchstens zwei Monate, sagt der Arzt. Dann kannst du sofort wieder gehen, versprochen! Aber ich kann mich kaum bewegen, und allein mit Hannah schaffe ich es nicht, und es wäre mir wirklich eine riesige Hilfe.«
Ich wäge blitzschnell alle Möglichkeiten im Kopf ab. Aber egal wie ich es drehe und wende, ich kann es mir nicht leisten, ausgerechnet jetzt für zwei Monate nach Altensande zurückzugehen. Ausgeschlossen.
»Gibt es niemand anderen, der dir helfen kann?«, erkundige ich mich vorsichtig. Schon während ich die Frage ausspreche, fühle ich mich wie eine furchtbare große Schwester. Aber es ist die einzige Möglichkeit. »Was ist denn mit … wie heißt sie noch? Gila? Der Mutter von Hannahs bester Freundin?«
»Gertrud?«
»Ja, die. Oder jemand anders aus Hannahs Kitagruppe? Oder …?« Ich muss seinen Namen nicht aussprechen, damit sie versteht, wen ich meine.
»Jan?« Ihre Stimme wird bitter. »Vergiss es. Der ist gerade mit seiner neuen Freundin nach Ibiza geflogen. Und die anderen haben alle selbst mindestens ein Kind und einen Job und …«
»Ich habe auch einen Job.«
»Ach, tatsächlich?« Sie zieht das Wort in die Länge. »Das ist mir ja noch gar nicht aufgefallen. Wo du kaum jemals davon sprichst.«
Ihr Tonfall geht mir direkt unter die Haut. »Vielleicht verstehst du nicht, wie wichtig mir das hier ist, aber für mich steht gerade verdammt viel auf dem Spiel! Dafür habe ich jahrelang gearbeitet.«
»Glaubst du etwa, ich nicht? Ich warte schon ewig darauf, endlich meine eigene Klasse zu haben, nicht immer nur Vertretungsstunden zu übernehmen. Aber jetzt kann ich mich leider kaum bewegen, geschweige denn arbeiten, egal, wie gerne ich das würde!«
Das schlechte Gewissen gewinnt die Oberhand über meinen Stolz. »Ja, natürlich. Da hast du recht.«
Ich höre sie auf der anderen Seite atmen. Stelle sie mir vor, wie sie in der Küche in Altensande sitzt, mit den dunklen Holzmöbeln und den blassgelben Kacheln an den Wänden, Hannah auf dem Schoß. Wie die Uhr im Wohnzimmer gleich 18 Uhr schlägt und sich die alte Weide vor dem Fenster sanft im Wind wiegt.
»Heißt das, du kommst?«, fragt sie leise.
An meiner Situation hat sich nichts geändert. Wenn ich die Beförderung bekomme, fange ich in drei Wochen in New York an. Es geht nicht. Trotzdem höre ich mich sagen: »Lass mich sehen, was ich tun kann.«
Ich kann nichts tun. Es gibt nur zwei Optionen: Entweder ich komme meinen Verpflichtungen hier auf der Evrima nach und gehe anschließend direkt nach New York oder ich fahre zu meiner Schwester nach Altensande. Beides geht nicht. Auch eine halbe Stunde auf den Dienstplan zu starren und mögliche Flugverbindungen rauszusuchen ändert nichts an dieser Tatsache. Dann steht Agila in meiner Tür und verkündet, dass Mr. Severide mit einem Manager sprechen will, also klappe ich den Laptop zu und gehe zurück an die Arbeit. Nachdem ich ihn mit Engelszungen und unter Zuhilfenahme einer Tabelle, die den CO2-Ausstoß in einem vegetarischen Gericht gegenüber des geplanten Ziegenfleisches darstellt, überzeugt habe, muss ich mit den Transportunternehmen unseres nächsten Halts auf den Cayman Islands die Uhrzeiten für die Landgänge abstimmen. Danach will die Reisegruppe des Santa Barbara Country Clubs die Details für ihre Jubiläumsfete an Bord klären und der nervöse britische Bräutigam-to-be zum dritten Mal den Ablauf seiner anstehenden Verlobung mit einer indischen Millionenerbin durchgehen. Bis ich dazu komme, mich das nächste Mal hinzusetzen, ist es halb vier Uhr nachmittags. Das heißt, kurz vor Mitternacht in Altensande. Wo Nina gerade verletzt und allein mit ihrer Tochter ist. Bei dem Gedanken dreht sich mir der Magen um. Im Kopf gehe ich wieder und wieder die Liste der Menschen aus Altensande durch, deren Kontaktdaten ich noch habe. Sie ist verdammt kurz. Meine Friseurin. Meine Sitznachbarin aus dem Gymnasium, von der ich seit zehn Jahren nichts gehört habe. Rosa vom Café an der Ecke. Allerdings sind alle Nummern, die ich von ihnen habe, uralt und ich bezweifle, dass sie noch stimmen. Von meinen Freunden aus dem Studium sind mittlerweile viele im Ausland, arbeiten in Ferienressorts auf Teneriffa oder Spa-Hotels auf Bali. Da komme ich also auch nicht weiter. Und mit der Familie sieht es nicht viel besser aus, denn sie besteht aktuell nur aus Tante Tony, die im Schwarzwald wohnt.
Eine Welle aus Sehnsucht nach meinen Eltern schwappt in mir hoch. Wenn Mama und Papa noch da wären, gäbe es dieses Problem überhaupt nicht. Papa würde sich um Hannah kümmern, sie jeden Morgen mit zum Fischen aufs Meer nehmen und Mama würde Nina umsorgen, wie sie früher die Gäste unserer Pension versorgt hat.
Trauer ist eine seltsame Sache. Manchmal ist sie so leise, dass ich sie über dem Lärm des Alltags ausblenden kann. Und dann gibt es Momente wie diese, in denen sie plötzlich lauter ist als alles andere.
Ich hole gerade ein Taschentuch aus meiner Schublade, als das Handy klingelt.
Eilig wische ich mir über die Augen und räuspere mich, bevor ich abnehme.
»Sandra Meerbach, wie kann ich …?«
»Paul Clark hier.« Die Stimme am anderen Ende spricht mit der Art von Autorität, die es gewöhnt ist, dass man ihr zuhört. Kein Wunder: Der Mann, zu der sie gehört, ist der oberste Hotelmanager des Ritz-Carlton in New York.
»Frau Meerbach, Sie haben sich auf eine Position in unserem Management beworben.«
Mein Mund ist mit einem Mal wie ausgetrocknet. »Ri-richtig. Ich meine: Ja, das habe ich«, korrigiere ich schnell. »Vielen Dank für Ihren Anruf.«
»Bedanken Sie sich nicht zu schnell«, sagt Mr. Clark. Mein Herz rutscht mehrere Stockwerke tiefer.
»Wir haben Ihre Bewerbung eingehend studiert«, fährt er fort. »Für eine Frau Ihres Alters haben Sie einen durchaus beeindruckenden Lebenslauf. Hamburg, London, Shanghai, Sydney und jetzt einen unserer Luxusliner in der Karibik. Das hat uns imponiert.«
In jedem seiner Worte schwingt ein Aber mit, dass es mir unmöglich macht, mich über dieses Kompliment zu freuen.
»Aber …« Er macht eine dramatische Pause. »Sie sind am Ende nur unsere zweite Wahl geworden.«
Für einen Moment sitze ich wie betäubt da. Starre blind auf die Arbeitsplatte meines Schreibtischs und wiederhole diesen Satz in Gedanken wieder und wieder.
Sie sind am Ende nur unsere zweite Wahl geworden.
Gibt es irgendeine Chance, dass ich ihn missverstanden habe?
»Frau Meerbach?« Mr. Clark klingt völlig ungerührt, beinahe gelangweilt. »Sind Sie noch dran?«
»Ja. Ich bin noch da«, krächze ich. Da ist auf einmal ein riesiger Kloß in meinem Hals, an dem kaum Worte vorbeipassen. »Was heißt das denn jetzt für mich?«
»Eine andere Kollegin wird bei uns anfangen. Wenn sich in der Probezeit herausstellt, dass sie den Anforderungen dieser Position doch nicht gewachsen ist, werden wir noch einmal auf Sie zukommen.«
»Aha«, murmele ich. »Ich verstehe.«
»Gut, gut«, sagt er. Auf der anderen Seite raschelt Papier, ein Telefon klingelt. »Ich muss dann auch weiter.«
»Natürlich. Ja. Noch einen schönen Tag wünsche …«
Piepen in der Leitung. Mr. Clark hat aufgelegt.
Meine Augen brennen, und meine Finger zittern, als ich meinen Laptop wieder aufklappe. Die Tabs mit den Flügen nach Deutschland sind immer noch offen. Ich greife zur Maus.
Der Himmel über Frankfurt ist noch dunkel, als die Maschine zwischen die Wolken sinkt. Unter uns liegt die Stadt wie eine glitzernde Decke, die sich an die Ufer des Mains schmiegt. Eigentlich liebe ich diesen Moment, in dem ich einen ersten Blick auf meinen Ankunftsort werfen kann. Klebe am Flugzeugfenster, um jedes Detail aufzusaugen. Aber nicht mal die Schlafmaske, die ich bei meinem Zwischenstopp in Houston für einen unverschämten Preis gekauft habe, hat verhindern können, dass ich seit fast vierundzwanzig Stunden wach bin. Dazu kommt, dass ich für den ersten möglichen Flug aus Belize nach Deutschland ein kleines Vermögen bezahlt habe. Selbst die schönste Skyline könnte jetzt keine Begeisterungsstürme in mir hervorrufen.
Es knackt in meinen Ohren, während das Flugzeug sich der Landebahn nähert und rings um mich herum Laptops zugeklappt und Tablets verstaut werden. Um halb sechs Uhr morgens setzen wir auf dem Asphalt auf, und ich bin wieder in Deutschland. Das erste Mal seit zwei Jahren. Wie in Trance folge ich meinen Mitreisenden durch die langen Gänge des Flughafens. Einreise, Gepäckband, Zoll. Um mich herum wird plötzlich wieder hauptsächlich Deutsch gesprochen, die Schilder und Werbebanner in den Wartehallen sind größtenteils in meiner Muttersprache verfasst. Ich fühle mich seltsam fehl am Platz. Bei meinem letzten Besuch in Altensande bin ich auch in Frankfurt gelandet. Damals hat Nina mich mit ihrem Auto abgeholt, und wir sind vom Flughafen direkt auf den Friedhof gefahren, um Mama zu beerdigen.
Für einen Moment spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, zurück zum Schalter zu gehen und mir einen Flug zu buchen. Egal wohin, Hauptsache weg. Dann pingt mein Handy mit einer Nachricht von Nina, und der Gedanke verpufft.
Bist du gut angekommen?
Ich mache ein Selfie vor dem Gepäckband. Meine Augen sind blutunterlaufen, und ich bin blass unter meiner Bräune. Schwarze Strähnen hängen mir wirr ins Gesicht, und auf meinem Shirt ist ein Kaffeefleck, den ich Turbulenzen über dem Atlantik zu verdanken habe. Ich lösche das Selfie und tippe eine Antwort.
Ja. Mache mich jetzt auf den Weg zum Bahnhof. Wenn alles klappt, bin ich in vier Stunden da.
Trotz der frühen Stunde ist der Bahnsteig voller Menschen mit großen Koffern und überdimensionierten Rucksäcken. Ich nutze die Wartezeit auf den ICE, um die Mails zu beantworten, die während meines Flugs in meinem Arbeitspostfach eingegangen sind. Wie erwartet, ist meine Vorgesetzte nicht begeistert, dass ich auf einen Schlag alle meine verbleibenden Urlaubstage und Überstunden genommen habe. Familiärer Notfall hin oder her, ich hätte ja auch eine Verpflichtung gegenüber unseren Gästen, schreibt sie. Sie bittet mich nachdrücklich, meine Entscheidung zu überdenken und möglichst schnell auf die Evrima zurückzukehren. Ich schiebe die Nachricht in den Ordner Später beantworten. Die nächste Mail ist von Marco. Er hat mir ein Foto geschickt, auf dem er mit Penelope Severide posiert, die in die Kamera strahlt. Im Hintergrund steht ihr Vater, auf dessen Gesicht ebenfalls ein zufriedenes Lächeln liegt. Das Dinner lief fantastisch, schreibt Marco. Noch mal vielen Dank für die Hilfe gestern.
Mein schlechtes Gewissen sticht mir zwischen die Rippen. Wenn Marco mir heute persönlich von seinem Erfolg erzählen will, wird er ein leeres Büro vorfinden. Ich habe mich von keinem meiner Kollegen verabschiedet, bevor ich gegangen bin. Agila wird zu Beginn ihrer Schicht einen Zettel und den Rest meines Schokoladenvorrats auf ihrem Schreibtisch finden. Alle anderen werden es dann von ihr erfahren. Für mehr hatte ich gestern weder die Zeit noch die Kraft. Ich beginne, eine Antwort mit einer Erklärung an Marco zu tippen, aber genau in diesem Moment fährt der ICE ein.
Auf dem Weg zu meinem Sitzplatz hole ich mir im Bordbistro einen doppelten Espresso. Den werde ich brauchen, um die nächsten Stunden zu überstehen. Dann wende ich mich wieder meinen Mails zu. Mittlerweile ist die Absage des New Yorker Ritz-Carlton auch schriftlich bei mir eingegangen.
Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Sie nicht unsere erste Wahl sind …
Ich schiebe die Mail in den Papierkorb. Über dem Atlantik hatte ich eine Menge Zeit, um nachzudenken, und habe beschlossen, diese Niederlage nicht zu akzeptieren. Wer auch immer die erste Wahl ist, noch ist nichts in Stein gemeißelt. Noch stehe ich auf der Liste, und ich werde einen Weg finden, Mr. Clark und seine Kollegen von mir zu überzeugen. Komme, was wolle.
Draußen vor dem Fenster des Zugs fliegt die Landschaft vorbei. Während in Belize gerade die Regenzeit beginnt, steht in Deutschland unverkennbar der Sommer vor der Tür. Die letzten Kirschblüten klammern sich noch an die Äste, während die meisten Bäume schon hellgrüne Blätter tragen und Rapsfelder leuchten in der Morgensonne. Nach einem halben Jahr in der Karibik ist es ein kleiner Kulturschock für mich, wieder Tannen und Fichten, Buchenwälder und Apfelbäume zu sehen. Je weiter der Morgen voranschreitet, desto flacher wird die Landschaft vor dem Fenster. Dichte Wälder weichen offenen Wiesen, und die ersten reetgedeckten Häuser tauchen auf. Die Fahrt fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit. Aber die Sandra, die vor über zehn Jahren weggegangen ist, ist nicht mehr dieselbe wie die, die jetzt zurückkommt. Ich klammere mich an diesen Gedanken, wiederhole ihn in meinem Kopf, bis er zu einem beruhigenden Mantra wird: Ich bin nicht mehr achtzehn Jahre alt. Ich bin eine eigenständige, unabhängige Frau. Daran wird auch Altensande nichts ändern.
Als wir am Bahnhof von Lüneburg anhalten, sind meine Beine steif vom langen Sitzen. Von hier geht es langsam mit dem Regionalzug weiter, der gemächlich über die Dörfer tuckert. Außer mir sitzen nur ältere Damen auf Einkaufstour und ein paar Teenies im Zug, die die Schule schwänzen. Ich bin die Einzige, die mit mehr als einem kleinen Rucksack unterwegs ist, und mein großer schwarzer Koffer mit dem Gepäckband vom Frankfurter Flughafen zieht einige Blicke auf sich. Mittlerweile sind wir meiner alten Heimat so nahe, dass mich vielleicht sogar jemand kennen könnte. Bei dem Gedanken angele ich nach meiner großen schwarzen Sonnenbrille und rutsche tiefer in meinen Sitz. Wenn es nach mir geht, muss niemand im Dorf erfahren, dass ich vorübergehend wieder da bin. Auf die unangenehmen Gespräche, die einem Wiedersehen mit alten Bekannten folgen würden, habe ich nun wirklich keine Lust. Ich werde einfach immer ganz früh einkaufen und nur nach Einbruch der Dunkelheit joggen gehen. Sobald Nina wieder fit ist, werde ich verschwinden, als wäre ich nie da gewesen.
Altensande selbst hat keinen Bahnhof, also muss ich in Scharbeutz in einen Bus umsteigen. Offenbar hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert, was den öffentlichen Nahverkehr betrifft, denn der Bus fährt nur einmal die Stunde und den letzten habe ich um fünf Minuten verpasst. Natürlich.
Für einen Moment überlege ich, mich einfach auf der kleinen Bank an der Bushaltestelle zusammenzurollen und die Augen zu schließen. Nur für ein paar Minuten. Langsam verliert auch der Espresso aus dem Zug seine Wirkung, und es kommt mir so vor, als sei es Wochen her, dass ich mein kleines Zimmer auf der Evrima verlassen habe. Meine Augenlider sind so schwer wie der Koffer, den ich über die Straße ziehe, und mein Kopf fühlt sich an, als wäre er mit Watte vollgestopft. Ich will einfach nur noch ins Bett. Vielleicht stellt sich das alles ja als böser Traum heraus, aus dem ich wieder aufwachen kann. Und eigentlich sitze ich gerade im Flugzeug nach New York.
Ein Hupen reißt mich aus meinen Gedanken.
»Sandra! Sandra, hier drüben!«
Ich wirbele herum. Auf der anderen Straßenseite steht ein knallpinker Transporter mit der Aufschrift Café Rosa. Eine Frau mit gleichfarbiger Schürze lehnt sich aus dem Fenster auf der Fahrerseite. »Sollen wir dich mitnehmen?«
So viel zu meinem Plan, unerkannt zu bleiben.
»Ähm … okay. Vielen Dank.«
Ich kratze den letzten Rest meiner Energiereserven zusammen und ziehe den Koffer über die Straße auf den Transporter zu. Rosa Guthoff war eine von Mamas besten Freundinnen. Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, stand sie neben Mamas Grab auf ihrer Beerdigung. Das ist schon zwei Jahre her, aber Rosa hat sich kaum verändert. Mit einer Geschwindigkeit, die ihre sechsundsechzig Jahre nicht vermuten lassen würden, springt sie aus dem Wagen und wuselt um mich herum, um den Kofferraum aufzumachen.
»Hier, lass mich dir helfen.« Gemeinsam schieben wir den Koffer zwischen zwei große Säcke Mehl und eine Kanne Milch. »So, das passt doch perfekt.« Rosa stemmt zufrieden die Hände in die Hüften. »Wir waren gerade unsere Vorräte auffüllen, da habe ich dich hier stehen sehen. Wie schön, dass du mal wieder im Lande bist! Was verschafft uns die Ehre? Ach, du bist bestimmt da, um Nina zu helfen. Gott, das arme Kind, wie kann man so viel Pech haben? Weißt du denn schon, wie lange du bleibst?«
Ich blinzele, während mein übermüdetes Gehirn nach der richtigen Antwort sucht. Es mag lange her sein, dass ich in Altensande gelebt habe, aber ich weiß noch genau, wie schnell der Dorfklatsch ist. Deshalb antworte ich möglichst ausweichend: »Das ist ein ziemlich spontaner Besuch. Ich weiß noch gar nicht, wie lange ich bleiben kann. Weil Nina mich ja nicht abholen kann, wollte ich eigentlich den Bus nehmen.«
»Nonsens.« Rosa schiebt mich sanft an den Schultern Richtung Beifahrertür. »Wir nehmen dich natürlich mit.«
Bevor ich fragen kann, wen sie mit »wir« eigentlich meint, öffnet sich die Tür und eine junge Frau lächelt mir entgegen. »Ich habe schon Platz gemacht. Du kannst gerne hier sitzen.«
»Danke.« Ich klettere auf die vordere Sitzbank, die insgesamt drei Menschen Platz bietet. Auf der Fahrerseite steigt Rosa wieder ein, während die Frau mich dabei beobachtet, wie ich den Gurt anlege. »Schön, dass wir dich mitnehmen können. Ist doch viel netter zu dritt. Ich bin Manuela, und du heißt Sandra, richtig?«
»Ja, das stimmt. Schön, dich kennenzulernen.«
»Dich auch.« Sie strahlt mich an. Sie hat ein flaches Gesicht, eine breite Nase und hellgrüne Augen. Ihre Haare sind zu einem ordentlichen Zopf geflochten, und sie trägt ein Piercing im linken Ohr.
»Kommst du aus Altensande?«, fragt sie, während Rosa den Motor anlässt. »Ich habe dich da noch nie gesehen.«
»Ich war auch eine Weile weg«, murmele ich. Bevor sie nachhaken kann, füge ich hinzu: »Und du? Bist du neu im Ort?«
»Nicht so richtig. Ich habe vor drei Jahren im Internet eine Anzeige gesehen, von Rosas Café. Dass sie Mitarbeiter sucht. Ich liebe die Arbeit in einem Café, die netten Menschen, das alles. Aber ich habe in Hamburg keinen Arbeitsplatz gefunden. Ich habe Trisomie 21, weißt du?«, sagt sie. »Deshalb wollen viele Leute mich nicht einstellen.«
»Das stelle ich mir ganz schön hart vor.«
»Ist es auch«, sagt sie. »Aber Rosa hat meine Bewerbung gelesen und mich schon am nächsten Tag angerufen. Einen Monat später bin ich dann hierhergezogen, in eine Wohnung über dem Friseur an der Hauptstraße.«
»Und sie ist die beste Verkäuferin, die ich je hatte«, wirft Rosa ein. »Ohne sie wüsste ich nicht, wie ich das Sommergeschäft bewältigen sollte.«
»Und ohne Paul und Kathi natürlich«, wehrt Manuela ab. »Die beiden kümmern sich um das Backen. Kathi macht den besten Rhabarberkuchen, den du dir vorstellen kannst. Sie ist eine Freundin von mir, aus der Wohngruppe in Hamburg. Sie kann nicht so gut lesen, aber sie hat ein wahnsinniges Gedächtnis! Wenn sie ein Rezept einmal gemacht hat, vergisst sie es nie wieder.«
»Wow, beeindruckend.« Ich lächele Manuela zu. »Das klingt ja so, als würde es gut laufen für das Café Rosa.«
»Wir kommen zurecht«, antwortet die Eigentümerin vom Fahrersitz aus. »Ein bisschen mehr Gäste würden uns ehrlich gesagt nicht schaden. Aber die fahren eben lieber nach Scharbeutz oder Timmendorf. Da können wir nichts machen.« Auf den zweiten Blick sehe ich, dass die letzten Jahre doch nicht so spurlos an Rosa vorbeigegangen sind. Ihre kurzen braunen Haare sind von silbernen Strähnen durchzogen, und die Falten um ihre Augen sind etwas tiefer geworden.
Wie würde Mama wohl jetzt aussehen, wenn sie noch leben würde?
Für einen Moment gebe ich mich dem Traum hin, dass sie zu Hause in Altensande auf mich wartet. Sobald sie Rosas Transporter hört, käme sie in den Garten, um uns zu begrüßen, die Haare zu einem Dutt hochgesteckt und den Kragen ihrer Bluse aufgestellt. Immer ordentlich für die Gäste der Pension. Papa wäre wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, einen der Obstbäume zu schneiden oder den Rasen zu mähen, und die beiden würden darüber diskutieren, wie viel Abstand er von Mamas Blumenbeet halten muss. Er würde meinen Koffer tragen, und Mama würde Rosa und Manuela auf einen Tee hereinbitten und dann jedes Detail von meiner Reise hören wollen. Sie wären stolz auf die Tochter, die aus der weiten Welt zurückkommt. Und nicht enttäuscht, weil sie geflüchtet ist. Manchmal frage ich mich, ob sie mir das bis zuletzt nachgetragen haben.
Manuela macht das Radio an und beginnt, im Takt der Musik mit zu wippen. Ich lege meinen Kopf ans Fenster und schließe die Augen. Die Scheibe ist angenehm kühl an meiner Schläfe, und ich spüre das Vibrieren des Motors an meiner Haut. Im nächsten Moment tippt mich jemand an der Schulter.
»Sandra? Wir sind da.«
Ich reiße die Augen auf. Der Wagen hat vor der Pension Meerbach gehalten. Benommen schnalle ich mich ab und öffne die Tür. Rosa wartet schon neben der Kofferraumklappe auf mich.
»Danke fürs Mitnehmen.«
»Jederzeit. Schön, dass du wieder da bist, Kind.« Sie zieht mich für einen Moment an sich. Ich bin fast einen Kopf größer als sie, sodass ihre Haare mich an der Nase kitzeln. Sie riecht nach Vanille und Kaffee und Mehl und Kindheit.
Meine Augen beginnen zu brennen, und ich muss ein paarmal heftig blinzeln, um wieder klar zu sehen. Es ist wirklich höchste Zeit, dass ich ins Bett komme.
Nachdem ich Rosa versprochen habe, bald im Café vorbeizuschauen, greife ich nach meinem Koffer und ziehe ihn über die Straße. Hinter einer Buchsbaumhecke erhebt sich ein altes zweistöckiges Fachwerkhaus, das mit Reet gedeckt ist. Die dunkelgrünen Fensterläden im ersten Stock sind geschlossen. Seit wir keine Pensionsgäste mehr haben, werden die Räume dahinter nicht mehr genutzt. Der Garten, den meine Mutter jahrelang liebevoll gepflegt hat, ist mittlerweile wieder in seinem Urzustand. Die Büsche haben wild ausgetrieben, der Rasen reicht mir bis an die Knöchel und Unkraut sprießt zwischen den Pflastersteinen des Fußwegs hervor, der zur Haustür führt. Nur die Blumenkästen an den Fenstern sind immer noch sorgfältig bepflanzt. Violette Geranien, Mamas Lieblingsblumen. Die Räder meines Koffers bleiben immer wieder in den kleinen Lücken zwischen den Steinen hängen, und ich umfasse den Griff fester. Die letzten drei Stufen zu unserer Haustür, deren Holz so dunkelgrün gestrichen ist wie die Fensterläden, zerre ich den Koffer nach oben. Nur eine runde Stelle im Holz, an der das Grün etwas verblasst ist, erinnert an das Messingschild mit der Aufschrift Pension Meerbach, das früher an der Tür hing. Einen Moment lang stehe ich einfach da. Mein Atem geht schwer, und meine Knie fühlen sich an wie Wackelpudding.
Ich bin tatsächlich hier. Über neuntausend Kilometer entfernt von der Evrima, die gerade von Belize Kurs auf die Cayman Islands nimmt. Unendlich weit weg von New York, wo mein Traum auf mich wartet.
Nur für zwei Monate. Dann bin ich wieder weg.
Ich habe schon seit Jahren keinen Schlüssel mehr für das Haus, also drücke ich auf die Klingel.
»Sandra! Hey.«
»Hallo.«
Für einen Moment stehen wir voreinander, und ich weiß nicht, was ich tun soll. Nina sieht furchtbar aus. Ihr rechter Arm ist eingegipst, und der linke Fuß steckt in einer Schiene. Ihre Augen sind blutunterlaufen, die Locken stehen in alle Richtungen ab und auf ihrem T-Shirt sind Flecken, über deren Herkunft ich lieber nicht spekulieren möchte.
Dann streckt meine Schwester vorsichtig den gesunden Arm aus und zieht mich in eine Umarmung. Ich lege behutsam die Hände um ihre Schultern, traue mich kaum, sie zu berühren.
»So schnell zerbreche ich nicht«, murmelt sie in meine Schulter. »Hast du mal in den Spiegel geguckt?«
Sie löst sich von mir und lässt den Blick demonstrativ an mir herunterwandern. »Das Gleiche könnte ich dich fragen.«
Ich zucke mit den Schultern. »Keine Ahnung, was du meinst. Ich bin das Postergirl des glamourösen Jetset-Lebens.«
Einschließlich zerknitterter Klamotten, verknoteter Haare, Kaffeeflecken und Augenringen.
Sie lächelt. »Es ist schön, dass du da bist.«
Ich räuspere mich. »Das … das finde ich auch.«
Meine Schwester greift nach einer Krücke, die neben ihr an der Wand lehnt und humpelt vor mir her durch den Flur.
»Setz dich einfach. Stell deinen Kram irgendwo hin, darum kümmern wir uns später. Hannah macht gerade Mittagsschlaf, wir müssen also leise sein. Möchtest du einen Tee? Immer noch zwei Stück Zucker?«
»Ich mach das schon. Setz du dich, du bist die mit dem kaputten Fuß.«
Ohne auf ihren Protest einzugehen, drücke ich sie sanft auf den Küchenstuhl und stelle den Wasserkocher an. Ich muss mehrere Schranktüren öffnen, bis ich die Tassen und den Zucker gefunden habe. Offenbar hat Nina umgeräumt, seit ich das letzte Mal hier war. Einige Minuten später stehen zwei dampfende Tassen vor uns auf dem Tisch.
»Wie geht es dir? Ist es sehr schlimm?«
»Ach, es geht schon. Sieht wahrscheinlich wilder aus, als es ist.« Nina rührt Zucker in ihren Schwarztee. »Wie war dein Flug? Hat alles geklappt?«
»Alles bestens. Ein bisschen Verspätung in Miami, aber das war eigentlich kein Problem.«
»Ah. Verstehe.«
Wir schweigen. Es fühlt sich seltsam an, wieder zusammen mit ihr in der Küche zu sitzen. Vertraut und gleichzeitig ganz anders, als ich es in Erinnerung hatte.
»Danke, dass du gekommen bist«, sagt Nina, bevor die Pause zu lang wird. »Ich weiß, es war nicht leicht für dich zurückzukommen und deine Arbeit zu vernachlässigen.«
»Ist doch selbstverständlich«, murmele ich in meine Tasse und fühle mich dabei wie eine Lügnerin. Wenn ich die Zusage für New York bekommen hätte, wäre ich dann auch hier? Oder hätte ich Nina im Stich gelassen?
Für den Bruchteil einer Sekunde sehe ich meinen eigenen Zweifel auf Ninas Gesichtszügen. Dann setzt sie wieder eine neutrale Miene auf. Früher wusste ich auf den ersten Blick, wie es ihr geht, was sie gerade denkt. Jetzt sehe ich in ihren Augen nur dieselbe Erschöpfung, die ich fühle.
Es trifft mich unvorbereitet, wie ähnlich sie unserer Mutter sieht. Die rotbraunen Haare, die grünen Augen, die Sommersprossen, selbst die kleinen Falten um die Mundwinkel, die sie bei meinem letzten Besuch noch nicht hatte. Mit meinen schwarzen Haaren, der kleinen Nase und der etwas kräftigeren Statur komme ich eher nach unserem Vater. Im Dorf wussten es natürlich alle, aber als wir in den Nachbarort aufs Gymnasium gingen, glaubten viele Mitschüler am Anfang nicht, dass wir Geschwister sind.
Nina legt vorsichtig ihren Arm auf den Tisch und saugt scharf die Luft ein, als er die Holzplatte berührt. Das Geräusch holt mich mit einem Schlag zurück in die Gegenwart.
»Sicher, dass alles okay ist? Hast du schlimme Schmerzen? Brauchst du irgendwas?«
Ihr Lächeln sieht aus wie eine Grimasse. »Ich hab kurz vor deiner Ankunft die letzte Schmerztablette genommen. Die nächste gibt es erst in frühestens vier Stunden.«
»Sollen wir den Arm irgendwie kühlen?«
Ich stehe auf und gehe zum Kühlschrank. Nina hält mich mit ihrem gesunden Arm auf. »Durch einen Gips kann man nicht kühlen. Aber es ist alles gut. Wirklich.«
Ich will protestieren, aber sie gibt mir keine Gelegenheit dazu. »Du hattest einen verdammt langen Tag. Was hältst du davon, wenn du erst mal eine Pause machst. Wenn Hannah gleich aufwacht, dürfte das nämlich schwierig werden.«
Die Frage »Wer ist hier eigentlich die große Schwester?« liegt mir auf der Zunge, aber als ich den Mund öffne, kommt nur ein Gähnen heraus.
Nina grinst. »Ich denke, du findest dein altes Zimmer noch? Beziehen musst du das Bett selbst, fürchte ich, das habe ich mit einer Hand nicht geschafft.«
»Kein Thema«, murmele ich um ein zweites Gähnen herum. Dann schnappe ich mir meinen Koffer und den Rucksack, und stapfe die Treppe nach oben in den ersten Stock.
Als ich aufwache, weiß ich für einen Moment nicht, wo ich bin. Die Matratze unter mir ist weich, die Decke angenehm schwer und das Kissen, in dem meine Nase steckt, riecht sanft nach Lavendel.
Genauso wie Mamas Waschpulver.
Im nächsten Moment kollidiert etwas Hartes mit meinem Bauch, und ich reiße die Augen auf.
»Tante Sandra!!«
Kleine Arme winden sich um meinen Hals, und ich schaue nach unten auf ein Nest voller blonder Haare.
»Hey, Hannah!« Vorsichtig schließe ich meine Arme um ihre kleinen Schultern und ziehe sie an mich. »Na, hast du gut geschlafen?«
»Ich habe supergut geschlafen!«, wiederholt sie und löst die Umarmung. Als sie mich angrinst, klafft zwischen ihren vorderen Schneidezähnen eine kleine Lücke. »Du auch? Mama sagt, du musst auch schlafen. Warum musst du schlafen? Du bist doch schon groß. Große Menschen schlafen nicht am Tag. Außer natürlich, sie sind krank, wie Mama.«
»Ja, und das sollten wir ganz schnell ändern. So ein kleiner Mittagsschlaf ist unbezahlbar«, antworte ich, während ich meine Nichte betrachte. Vor zwei Jahren auf der Beerdigung saß sie noch in einem Buggy. Die ersten paar Tage konnte sie mit mir überhaupt nichts anfangen. Erst am Ende meines einwöchigen Aufenthalts konnte ich sie im Arm halten, ohne dass sie weinte. Jetzt wippt sie energiegeladen auf meinem Schoß, als fiele es ihr schwer, auch nur eine Minute still zu sitzen.
»Komm, lass uns runter gehen! Warst du schon im Garten? Ich muss dir meine Spielsachen zeigen! Und unsere Schaukel!«
Da ich in meinen Klamotten geschlafen habe, muss ich nur schnell in die Schuhe schlüpfen, dann folge ich Hannah nach unten. Vor der Wohnzimmertür bleibt sie stehen und legt einen Finger an die Lippen. »Hier müssen wir leise sein«, flüstert sie. »Mama ruht sich aus.«
Ich tue so, als würde ich meine Lippen abschließen und werfe den imaginären Schlüssel über meine Schulter. Hannah kichert leise.
Auf Zehenspitzen schleichen wir durchs Wohnzimmer, wo Nina auf der Couch liegt und leise schnarcht. Ich mache einen kurzen Abstecher und breite die Wolldecke, die neben ihr auf dem Sessel liegt, über ihrem Körper aus. Als ich die Terrassentür hinter mir schließe, ist Hannah schon zur Schaukel gestürmt und winkt mich zu sich hinüber.
»Schiebst du mich an? Ganz schnell?«
Gehorsam greife ich nach den Seilen und tue, wie mir geheißen. Während Hannah juchzt, lasse ich meinen Blick langsam durch den Garten wandern. Die große Terrasse, auf der früher die Pensionsgäste Kaffee getrunken haben, ist bis auf einen einsamen Sonnenstuhl leer. In Mamas Beeten wächst mittlerweile mehr Unkraut als Blumen, und die Obstbäume sind höher, als Papa sie jemals hat wachsen lassen. Die Junisonne malt Schatten ins Gras, und über mir schreit eine Möwe. Ich stehe im Garten meiner Kindheit in einem kleinen Kaff an der Ostsee mit meiner Nichte auf der Schaukel.
Der Gedanke trifft mich wie eine Welle Salzwasser, wirft mich um und braust über mich hinweg. Als jemand meinen Namen ruft, muss ich ein paarmal blinzeln, um die Tränen aus meinen Augen zu vertreiben.
»Hannah? Sandra?«
