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Einwanderung und Vielfalt - diese Themen werden in Deutschland besonders emotional und kontrovers diskutiert: Einerseits werden die Vorteile gesehen, andererseits gibt es Befürchtungen, dass Einwanderung die Sozialsysteme belastet und den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht. Doch es wird immer offensichtlicher, dass Deutschland auf Einwanderung angewiesen ist, um den steigenden Fachkräftebedarf und den demographischen Wandel aufzufangen. In den Städten zeigt es sich am deutlichsten: Deutschland ist längst ein Einwanderungsland. Neue Zuwanderer kommen - aus Spanien, Griechenland, Polen, Bulgarien, Rumänien, auch aus Bürgerkriegsländern wie Syrien. Die einen sind hoch qualifiziert, andere nicht, manche sind vor Krieg und Verfolgung geflohen. So oder so: Die Städte sind gefordert, ihnen ein neues Zuhause zu bieten, den Familien zu helfen, in ihrer neuen Stadt zurechtzukommen, ob im Kindergarten, am Arbeitsmarkt oder in der Nachbarschaft. Wie bewältigen die Kommunen diese neuen Herausforderungen? Wie kann Verwaltung in diesen Fragen bürgernah und kompetent werden? Wie können Politik und Verwaltung in ihrer Mitarbeiterschaft und ihren Leitungsgremien die vielfältige Gesellschaft widerspiegeln? Wie leisten Vereine, Organisationen und auch die Wirtschaft einen Beitrag zum guten Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft? Willkommens- und Anerkennungskultur ist mittlerweile in aller Munde - doch wie sieht die Realität aus? Viele Kommunen haben sich längst aufgemacht - diese Publikation zeigt ihre unterschiedlichen Wege.
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Seitenzahl: 236
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Kommunen als Spiegel einer vielfältigen Gesellschaft
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Wir bedanken uns bei der Volkshochschule Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Standort Neubrandenburg, für die Unterstützung unseres Fotoshootings.
© E-Book-Ausgabe 2014
© 2014 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Claudia Walther
Mitarbeit: Roman Wink
Lektorat: Heike Herrberg
Herstellung: Christiane Raffel
Umschlaggestaltung: Elisabeth Menke
Bildnachweis: Luis Santos/Fotolia.com (Umschlag), BMAS/Bildschön (S. 53, 54), Thomas Kunsch (S. 5, 7, 17, 29, 35, 39, 82, 88, 94, 98, 101, 105), alle übrigen Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der porträtierten Städte und Gemeinden.
Satz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN 978-3-86793-504-3 (Print)
ISBN 978-3-86793-568-5 (E-Book PDF)
ISBN 978-3-86793-569-2 (E-Book EPUB)
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Einleitung
Von der Theorie zur Praxis: Interkulturelle Öffnung von Kommunen und öffentlicher Verwaltung
Martina Eckert
Interkulturelle Öffnung der kommunalen Verwaltung – Bestandsaufnahme
John Siegel
Interkulturelle Öffnung in sieben Schritten
Alfred Reichwein, Khadidja Rashid
»Mehr Migranten in den öffentlichen Dienst!« Welche Hürden können den Zugang erschweren?
Christine Lang
Kommunen als Spiegel einer vielfältigen Gesellschaft Praxisbeispiele aus Städten, Kreisen und Gemeinden
Beate Ramm
Frankfurt: Ein Zehnpunkteplan für gemeinsames Handeln
Leipzig: Willkommenskultur als Zukunftschance einer Großstadt mit Metropolfunktion
Erfurt: Ausländische Studierende als Wachstumsmotor für eine bunte Kulturstadt
Hamburg: Eine Zielzahl gibt das Tempo vor
Köln: »Probearbeiten« in der Verwaltung für junge Migrantinnen und Migranten
München: Vorreiterin bei interkultureller Öffnung in Verwaltung und Ausländerbehörde
Regensburg: Mehr Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte am Arbeitsplatz und im Alltag
Hannover: Lokaler Integrationsplan mit Erfolgskontrolle
Wiesbaden: Chancen und Potenziale von Menschen mit Berufsbiografien
Kreis Offenbach: Vielfalt als Standortfaktor und Markenzeichen
Landkreis Ostprignitz-Ruppin: Umfassende Strategie und Leitbild einer Willkommenskultur
Bremen: Interkulturelles Personalmanagementkonzept
Metropole Ruhr: Kulturelle Vielfalt als Chance und Markenzeichen der Region
Berlin-Neukölln: »Zur Integration gibt es keine Alternative!«
Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik
Neue Zuwanderung aus Südosteuropa – Schwerpunkt Bulgarien und Rumänien
Claudia Walther
OPENCities – Offenheit als ein Erfolgsfaktor für Städte
Andrea Wagner
Kreuzen gegen den Wind: Wie Stolpersteine bei der interkulturellen Öffnung von Ausländerbehörden zu überwinden sind
Helmuth Schweitzer
Willkommens- und Anerkennungskultur – unterschiedliche Konzepte eines chancenreichen Begriffs
Sebastian Lemke
Interkulturelle Öffnung – Kulturwandel und Migranten in Führungspositionen
Martin Wilhelm
Wie offen ist die Feuerwehr? Engagement von Migranten und Migrantinnen in Vereinen
Maren von Wilmes, Vera Hanewinkel
Die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit
Ansgar Drücker
Netzwerk mit Kopf, Hand und Fuß – Ansatz zur Stärkung kooperativer Integrationsarbeit
Dagmar Bode, Jan Lorenz Wilhelm
Cities of Migration: Beispiele guter Praxis weltweit
Die Autorinnen und Autoren
Abstract
Einwanderung und Vielfalt gehören in unserem Land zu den Themen, die besonders emotional und kontrovers diskutiert werden. Umfragen zeigen, dass die Menschen in Deutschland hin- und hergerissen sind: Einerseits werden die Vorteile von Einwanderung gesehen, andererseits gibt es Befürchtungen, dass die Sozialsysteme belastet werden und der gesellschaftliche Zusammenhalt bedroht ist.
Niemand allerdings stellt mehr infrage, dass sich die Gesellschaft hierzulande in den letzten Jahrzehnten enorm verändert hat. Wäre jemand mit einer Zeitmaschine aus den 1950er-Jahren in das Jahr 2014 katapultiert worden, hätte er sich wohl die Augen gerieben: In Bus oder U-Bahn, im Wartezimmer oder in der Fußgängerzone finden sich Menschen unterschiedlichster kultureller Wurzeln – Vielfalt in jeder Hinsicht. In vielen großen Städten von München bis Hamburg kommt bereits etwa ein Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner aus einer Einwandererfamilie.
Ein weiterer auffallender Unterschied ist der Mangel an Kindern auf den Straßen. Denn die Geburtenrate, die noch bis Mitte der 1960er-Jahre stieg, ist seitdem dramatisch zurückgegangen. Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten nicht nur bunter, sondern auch älter geworden. Prognosen zeigen, dass die Bevölkerung bis 2050 ohne Zuwanderung von derzeit 82 Millionen Menschen auf 65 Millionen schrumpfen und die Zahl der Erwerbstätigen von derzeit 45 auf 27 Millionen zurückgehen würde. Das bedeutet: Wirtschaft und Staat müssen sich in den nächsten Jahren verstärkt um Einwanderung bemühen, um dieser demographischen Herausforderung zu begegnen.
»Fit werden für Vielfalt« lautet – frei nach dem Autor und Migrationsforscher Mark Terkessidis – eine der zentralen Entwicklungsaufgaben für Kommunen in der Einwanderungsgesellschaft. Dabei sind viele konkrete Fragen zu beantworten: Sind die Kommunen und ihre Verwaltungen weltoffen, sodass sie mit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern umgehen und kommunizieren können? Sind sie interkulturell kompetent? Sind sie bürgernah und serviceorientiert auch im Umgang mit Menschen verschiedenster Couleur? Spiegeln die öffentlichen Verwaltungen die Vielfalt wider, das heißt, arbeiten hier so viele Menschen aus Einwandererfamilien, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht – und zwar nicht nur in der Pförtnerloge, sondern auch in den Leitungspositionen? Sind die Angebote, Werbematerialien und Räumlichkeiten zielgruppengerecht?
Bei einer ehrlichen Bestandsaufnahme werden Kommunen viele dieser Fragen noch verneinen müssen. Aber es hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan. Das Thema »Interkulturelle Öffnung der Verwaltung und Politik« steht in vielen Kommunen inzwischen auf der Tagesordnung. Gerade größere Städte sind hier bereits seit mehreren Jahren in der Offensive. Kampagnen wie in Berlin (»Berlin braucht dich!«), Hamburg oder Bremen haben auch anderswo Schule gemacht. Inzwischen gilt es, die Zielsetzung »Fit für Vielfalt« auch für Neuzuwanderer weiterzuentwickeln. Schließlich liegt es auf der Hand: Die benötigten und umworbenen potenziellen Fachkräfte aus dem Ausland werden sich nur dann in Deutschland und in einer bestimmten Stadt niederlassen, wenn sie attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen vorfinden.
Städte wie Hamburg, Dresden, Stuttgart oder Essen sind auf einem guten Weg, ihre Ausländerbehörden neu aufzustellen und als »Welcome Center« zu profilieren. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert hierzu ein Projekt. In anderen Städten wie Arnsberg, Wuppertal und Hamm wurden Ausländerbehörden und Integrationsressorts bereits vor Jahren unter einer gemeinsamen Dachstruktur zusammengefasst, ebenfalls mit dem Ziel, besseren Service und kürzere Wege nach dem Prinzip »One-Stop-Shop« zu bieten.
Aber es geht um viel mehr als um ein neues sympathisches Profil von Ausländerbehörden. Im Kern geht es um eine neue inklusive Haltung, die sich nicht nur auf neue Zuwanderer, sondern auch auf Menschen mit ausländischen Wurzeln bezieht, die schon seit Langem in den Kommunen ansässig sind. Und letztlich geht es um die Förderung der Teilhabe aller Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die in einer Kommune leben. Die heute viel beschworene Willkommenskultur, die besonders von der Wirtschaft wegen des drohenden Fachkräftemangels gefordert wird, muss deshalb untrennbar einhergehen mit einer Anerkennungskultur im Sinne einer Kultur der Teilhabe und Inklusion.
Wer eine Willkommens- und Anerkennungskultur in den Kommunen entwickeln will, stößt aber in breiten Teilen der Bevölkerung auf eine ambivalente Haltung gegenüber Einwanderung. Die heftige Debatte über die vermeintliche Armutseinwanderung durch die Ausweitung der EU-Binnenmobilität auf Bulgarien und Rumänien sowie die Überforderung, die Kommunen in diesem Zusammenhang signalisieren, befördern nicht gerade eine »inklusive« Einstellung.
Unzweifelhaft brauchen Kommunen Unterstützung von den Ländern, dem Bund und auch der Europäischen Union, wenn sie die Herausforderungen der neuen gesellschaftlichen Realität und der weiteren Zuwanderung erfolgreich gestalten wollen. Aber sie sind auch gefordert, eigene Lösungen und Initiativen zu entwickeln. Wir hoffen, dass unsere Publikation für Kommunen, die fit werden wollen für Vielfalt, hilfreich ist.
Dr. Kirsten Witte
Director
Programm »LebensWerte Kommune«
Ulrich Kober
Director
Programm »Integration und Bildung«
»Dann lernen wir eben Fremdsprachen!
Anspruch und Wirklichkeit der interkulturellen Öffnung deutscher Kommunalverwaltungen«
Dieses Seminar führten das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) und die Bertelsmann Stiftung für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus kommunaler Politik und Verwaltung durch. Es fand am 18./19. April 2013 in Berlin statt. Einige der Seminarbeiträge veröffentlichen wir in dieser Publikation.
Weitere Informationen unter:
www.difu.de/veranstaltungen/2013-04-18/dann-lernen-wir-eben-fremdsprachen.html
Ansprechpartner:
Rüdiger Knipp
Telefon: 030/39001-242
E-Mail: [email protected]
Martina Eckert
»Ich möchte eine Perspektive in Deutschland haben und nicht in die Türkei gehen und sagen: ›Ich habe in Deutschland gelebt, aber keine Arbeit bekommen, und deshalb komme ich jetzt hier hin.‹ Was ich gelernt habe, möchte ich weiterführen, und hoffe, dass es hier einige gibt, die uns die Chance geben, es zu etwas zu bringen. Wir wollen Deutschland helfen und nicht andersherum.«
Das waren die abschließenden Worte einer jungen Berufskollegschülerin mit türkischem Migrationshintergrund auf der Tagung »Gleichbehandlung und Antirassismus in Betrieb und Verwaltung« des Vereins »Mach meinen Kumpel nicht an!« e.V. im Dezember 2012 in Essen (Tagungsdokumentation 2012: 16). Das Auftreten der jungen Frau war beeindruckend, offenbart das Statement doch zweierlei: Es gibt die gut integrierten und integrationswilligen jungen Menschen, die sich mit Deutschland identifizieren, und diese Menschen sind davon abhängig, dass man ihnen in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt eine Chance gibt. Ohne diese Offenheit geht es nicht! In der Aussage der jungen Frau schimmert außerdem das Potenzial durch, das im Rahmen von interkultureller Öffnung gehoben werden soll. Es geht darum, Menschen mit Migrationshintergrund die Teilhabe in den staatlichen und kommunalen Institutionen zu ermöglichen. Es geht auch um das Recht auf echte Teilhabe und Gleichstellung in unserer Gesellschaft.
Eine Person, die nicht nur keinen Zweifel daran lässt, dass sie trotz (oder gerade wegen) ihrer Zuwanderungsbiografie gewillt ist, sich für das Land, in dem sie sich beheimatet fühlt, einzusetzen, sondern auch selbstbewusst ihre gleichberechtigte Stellung einfordert, ist ein Rollenvorbild, mit dem sich auch die öffentliche Verwaltung auseinanderzusetzen hat: Verwaltung muss sich angesichts der Entwicklungen an eine von Vielfalt getragene Lebenswelt gewöhnen und anpassen, um funktionstüchtig und modern zu bleiben. Denn was kann überzeugender sein, als sich um Menschen jeder Couleur zu bemühen und so dafür zu sorgen, dass sie das Verwaltungsbild aktiv prägen und es mit verändern?
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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