Wenn die Zeit erfüllt ist - Max Lucado - E-Book

Wenn die Zeit erfüllt ist E-Book

Max Lucado

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Beschreibung

Max Lucado zeigt, dass die Bibel einen klaren Überblick über Gottes Plan für die Zukunft gibt – und dass wir als seine Kinder keine Angst zu haben brauchen. In einer Welt voller Ungewissheit und Fragen richtet Lucado einen klaren, hoffnungsvollen Blick auf das, was laut der Bibel bevorsteht. Statt Angst zu schüren, lädt er ein, sich mit Vertrauen und Zuversicht auf das Kommende vorzubereiten. Lucado führt uns durch bedeutende Ereignisse wie die Entrückung, die Trübsal und die Herrlichkeit des Himmels. Dabei bleibt er stets verständlich und ermutigend – ohne Spekulationen, aber mit klarer Ausrichtung auf das, was die Bibel lehrt.

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Seitenzahl: 341

Veröffentlichungsjahr: 2026

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MAX LUCADO

Wenn die Zeit erfüllt ist

Ein Wegweiser durch die Endzeit – klar, biblisch, hoffnungsvoll

Aus dem Englischen von Beate Zobel

Gerth Medien

Über den Autor

Max Lucado ist langjähriger Pastor der Oak Hills Church in San Antonio, Texas. Er ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Töchtern und Verfasser zahlreicher Bücher. Fast 150 Millionen Exemplare seiner Werke wurden inzwischen weltweit verkauft und in über 50 Sprachen übersetzt. Die Zeitschrift Christianity Today zählt ihn zu den bekanntesten christlichen Autoren Amerikas.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

Originally published in English in the U. S. A. under the title: What Happens Next?. Published by arrangement with HarperCollins Christian Publishing, Inc.

Copyright © 2024 by Max Lucado

Copyright der deutschen Ausgabe © 2026 Gerth Medien in der SCM Verlagsgruppe GmbH,Berliner Ring 62, 35576 Wetzlar

Wenn nicht anders angegeben, wurden die Bibelverse entnommen aus: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen

Weitere verwendete Bibelübersetzungen:

Hoffnung für alle® Bibel. Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten. (Hfa)

Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen (ELB)

Bibeltext der Schlachter Übersetzung, Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf,Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (SLT)

Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (GNB)

Erschienen im Januar 2026

ISBN 978-3-96122-751-8

Umschlagfoto: Shutterstock (IgorZh, Physics_joe)

Umschlaggestaltung: Maren Habla

Lektorat: Imke Früh

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

www.gerth.de

Denalyn und ich möchten dieses Buch unseren fantastischen Freunden bei HarperCollins Christian Publishing widmen. Seit Jahrzehnten schätzen wir ihre Freundlichkeit, ihre Professionalität und ihr Engagement für höchste Qualität bei jedem Buch. Es ist uns eine Ehre, sie zu kennen und ihre hervorragende Arbeit zu feiern.

Inhalt

Die himmlische Zeittafel

Startklar

Teil I: Vier grundlegende Konzepte

1. Wir werden herrschen und regieren

2. Wenn Gott einen Bund schließt

3. Gottes Plan für die Zeitalter

4. Das Tausendjährige Was?

Teil II: Was als Nächstes kommt und warum das wichtig ist

1. Die Bewohner des Paradieses

2. Der Rebell und die Rettung

3. Von Christus gekrönt

4. Hochzeit „made in heaven“

5. When the Saints go marching in – und was danach kommt

6. Das Chaos bricht aus

7. Viele Kronen und ein blutgetränktes Gewand

8. Der Garten – Gottes Utopia

9. Wo die Seele stirbt

10. Endlich zu Hause

Nachwort: Zu Größerem berufen

Bonusmaterial

Persönliche Fragen zum Weiterdenken

Zum Nachwort: „Zu Größerem berufen“

Dank

Anmerkungen

Die himmlische Zeittafel

Die himmlische Zeittafel

Startklar

Das Outfit für den Flug ist gewählt. Der Wetterbericht hat entschieden, welche Jacke mitsoll. Der Kulturbeutel ist eingepackt und der Koffer zugeklappt. Die Hotelreservierung ist bestätigt, die Bordkarte heruntergeladen. Das Taxi zum Flughafen steht auch schon bereit. Bevor es losgeht, noch ein allerletzter Blick auf die Packliste:

Wasserflasche? – Ist eingepackt.

Bargeld und Kreditkarte? – Sind dabei.

Smartphone? Buch zum Lesen? Tagebuch und Stift? – Ja. Alles eingepackt.

Ich bin startklar!

Und doch wird nicht alles nach Plan verlaufen. Unvorhergesehenes ist unvermeidlich. Verzögerungen und Verspätungen hier, Unterbrechungen und Umwege dort. Wir können nie alles im Voraus wissen. Aber wir können uns so gut wie möglich vorbereiten: Wir machen einen Plan, suchen die beste Reiseroute heraus, informieren uns über das Ziel und besorgen die passende Ausrüstung. Und dann sind wir startklar. Es kann losgehen.

Es wäre doch unklug, sich nicht ausreichend vorzubereiten, oder?

Ich bin in den vergangenen Jahrzehnten viel gereist: bin durch Dutzende von Flughäfen geeilt, habe in unzähligen Hotels geschlafen und die Räder meines Rollkoffers verschlissen. Unterwegs habe ich mich mit Hunderten von anderen Reisenden unterhalten. Deshalb fühle ich mich inzwischen als Experte in Sachen Flughafen-Smalltalk. Ein guter Einstieg ist immer die Frage: „Wohin fliegen Sie?“ Und schon ist man mitten im Gespräch. Diese Frage scheint mir für Reisende so elementar wie der Löffel für den Koch. Ich stelle sie jedenfalls oft.

Mittlerweile habe ich Hunderte von verschiedenen Antworten gehört: „Toledo.“ „Rio.“ „Tokio.“ „Kokomo.“ Aber eine Antwort habe ich noch nie bekommen: „Ich weiß es nicht.“ Kein einziges Mal hat jemand gesagt: „Keine Ahnung.“ Reisende kennen ihr Ziel. Auf Reisen lautet die Devise ganz klar: „Ich muss wissen, wohin ich will.“

Ist das nicht auch ein guter Grundsatz für unser Leben?

Wir alle gehen irgendwohin. Jeder Tag bringt uns dem letzten Atemzug, dem letzten Seufzer und dem letzten Herzschlag ein Stück näher. Wir werden nicht jünger. Der Tod ist unausweichlich, er ereilt Junge und Alte, Reiche und Arme, Bescheidene und Dekadente, Könige und einfache Leute. Sollte die Frage nach dem Ziel unserer Lebensreise da nicht an erster Stelle stehen?

Die Bibel jedenfalls legt das nahe. Sie spricht fast 500-mal vom Himmel.[1] Und im Neuen Testament behandeln mehr als 300 Stellen die Wiederkunft von Jesus – das ist (je nach Übersetzung) ungefähr jeder dreißigste Vers. Außerdem wird in 23 von 27 Büchern des Neuen Testaments das zweite Kommen von Jesus thematisiert, und etwa 50-mal werden wir aufgefordert, uns darauf vorzubereiten.[2] Falls es hier einen Zusammenhang zwischen der Quantität und der Priorität gibt, dann ist das Leben nach dem Tod in Gottes Augen sehr bedeutungsvoll.

Wenn wir die biblischen Texte betrachten, die etwas über die Zukunft sagen, tauchen zwei Themen immer wieder auf: Jesus und Hoffnung.

Es geht um Hoffnung

Am Abend vor seiner Kreuzigung erklärte Jesus seinen Freunden, was ihm bevorstand. Er würde von seinen Freunden verlassen und von seinen Feinden gekreuzigt werden. Auf ihn warteten Verleugnung, Verrat, gebrochene Versprechen und schließlich die Hinrichtung.

Für die Jünger klang das schrecklich. Ihr Rabbi sollte getötet werden. Sie würden allein zurückbleiben. Damit zerplatzten all ihre Hoffnungen und Träume. An diesem Abend hatten sie viele Fragen:

„Wie kann das sein?“

„Was meint er damit?“

„Wohin sollen wir gehen?“

Doch bevor sie über ihre Ängste sprechen konnten, beruhigte Jesus sie:

„Habt keine Angst. Ihr vertraut auf Gott, nun vertraut auch auf mich! Es gibt viele Wohnungen im Haus meines Vaters, und ich gehe voraus, um euch einen Platz vorzubereiten. Wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch dann so gesagt? Wenn dann alles bereit ist, werde ich kommen und euch holen, damit ihr immer bei mir seid, dort, wo ich bin.“

Johannes 14,1-3

Was macht Jesus hier? Er lenkt ihre Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Statt auf ihre Fragen einzugehen, spricht er vom Haus seines Vaters und einem vorbereiteten Ort. Dann verspricht er ihnen wiederzukommen. Im Grunde sagt er: „Befasst euch nicht so sehr mit euren gegenwärtigen Ängsten. Denkt mehr an euer zukünftiges Zuhause.“ Was würde Jesus unserer verunsicherten Generation heute sagen?

Hoffnung ist ein zartes Pflänzchen. Wir machen uns heute so viele Sorgen wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Einer Umfrage zufolge sind nur 14 Prozent der Amerikaner „sehr glücklich“. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. „Fast jeder Vierte … fühlt sich sehr oder ziemlich einsam.“[3] Glücksgefühle sind selten geworden, die Einsamkeit nimmt zu, und der Optimismus ist auf dem Rückzug.

Vor allem junge Menschen sind betroffen, viele scheinen ihr inneres Gleichgewicht verloren zu haben. Untersuchungen des National Institute of Mental Health (NIMH) zeigen eine erschreckende Zunahme psychischer Probleme bei den 18- bis 24-Jährigen in den USA:

Jeder vierte Jugendliche zeigt Symptome einer Angststörung.[4]Etwa jeder achte junge Erwachsene (13 Prozent) hatte schon einmal ernsthafte Selbstmordgedanken.[5]Jeder siebte Jugendliche konsumiert schädliche Substanzen wie Drogen oder Alkohol.[6]Insgesamt gibt die Hälfte der Jugendlichen im College-Alter an, regelmäßig unter Angst, Depression, Furcht oder Selbstmordgedanken zu leiden.[7]Die jungen Erwachsenen von heute – die Generation der Führungskräfte von morgen – finden nur schwer einen Sinn in ihrem Leben.[8]Die Selbstmordrate ist so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.[9]

Viele von uns können das nachvollziehen. Ein gebrochenes Herz, geplatzte Träume, der ständige Kampf gegen Krankheiten oder Alterserscheinungen. Manch einer fragt sich: Wozu das alles? Ist dieses Leben überhaupt lebenswert?

Unseren Ängsten setzt Gott seinen Zuspruch entgegen:

Denn unsere jetzigen Sorgen und Schwierigkeiten sind nur gering und von kurzer Dauer, doch sie bewirken in uns eine unermesslich große Herrlichkeit, die ewig andauern wird! So sind wir nicht auf das Schwere fixiert, das wir jetzt sehen, sondern blicken nach vorn auf das, was wir noch nicht gesehen haben. Denn die Sorgen, die wir jetzt vor uns sehen, werden bald vorüber sein, aber die Freude, die wir noch nicht gesehen haben, wird ewig dauern.

2. Korinther 4,17-18

Ich glaube, wir können die Probleme dieses Lebens besser bewältigen, wenn wir uns auf die Verheißungen des nächsten Lebens konzentrieren. Die Zukunft ist weniger bedrohlich, wenn wir wissen, was auf uns zukommt. Und wir können es wissen, weil wir den kennen, der die Zukunft in seiner Hand hält.

Letztlich geht es um IHN

Als Jesus in den Himmel zurückkehrte, ließ er seine Freunde sprachlos zurück. Da erschienen zwei Engel und fragten: „Männer aus Galiläa, warum steht ihr hier und starrt zum Himmel? Jesus ist von euch fort in den Himmel geholt worden. Eines Tages wird er genauso wiederkommen, wie ihr ihn habt fortgehen sehen!“ (Apostelgeschichte 1,11).

Sie sagten: „Er wird kommen.“ Nicht „kann kommen“, „könnte kommen“ oder „würde vielleicht kommen“. Jesus wird kommen! Seine verheißene Wiederkunft ist kein frommer Wunsch, kein „Schön wär’s!“. Die Engel machten eine konkrete Zusage, sie garantierten die Rückkehr von Jesus. Und Jesus selbst schenkte uns Hoffnung, die über dieses Leben hinausgeht, indem er das Grab verließ. Darauf gründete sich die Überzeugung der Apostel:

Wäre aber Christus nicht auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube hätte keine Grundlage … Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen. Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.

1. Korinther 15,14.19-20 (Hfa)

Ist das Grab leer? Wurde der Tod besiegt? Hat Jesus die Leichentücher abgelegt wie einen alten Mantel und das Grab verlassen?

„Ja, wir haben ihn gesehen!“, sagen die Frauen, als sie vom Grab zurückkehren (Johannes 20,11-17; Matthäus 28,9-10).

Auch die Freunde, die sich zunächst aus Angst nur hinter verschlossenen Türen trafen, sind sich schließlich sicher: „Wir haben den Herrn gesehen!“ (Johannes 20,19-29).

Mehr als fünfhundert Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus können bezeugen: „Ja, wir haben ihn gesehen!“ (1. Korinther 15,6).

Das Neue Testament befragt sämtliche Augenzeugen, ob Jesus von den Toten auferstanden ist. Und die einhellige Antwort lautet: „Ja!“

Auf dem Boden des Grabes haben seine durchbohrten Füße Spuren hinterlassen. Sie wurden am Freitag an ein Kreuz genagelt und lagen am Samstag leblos im Grab. Doch am Sonntag hauchte die Oster-Hoffnung ihnen neues Leben ein, sodass sie stehen, gehen und aus dem Grab heraustreten konnten.

Als Jesus das Grab verließ, beschenkte er alle Menschen mit Hoffnung. Weil das Grab leer ist, dürfen wir damit rechnen, dass Jesus wiederkommt.

Petrus verbrachte den Großteil seiner letzten Lebensjahre in Jerusalem. Ob er wohl manchmal den Weg zum Ölberg gegangen ist, von wo aus Jesus in den Himmel aufgefahren ist? Ob er dort über die Worte der Engel nachgedacht hat? „Er wird wiederkommen.“ Hat er die Wolken betrachtet? Sich den Himmel vorgestellt? Das Versprechen der Engel gemurmelt? „Jesus … wird genau so kommen, wie ihr ihn habt gehen sehen.“

Drei Jahrzehnte nach der Himmelfahrt von Jesus forderte Petrus seine Leser genau dazu auf. „Setzt eure ganze Hoffnung auf die Gnade, die euch bei der Wiederkehr von Jesus Christus erwartet“ (1. Petrus 1,13).

Als Christen leben wir gewissermaßen immer auf dem Sprung. Wir können unseren Blick nach oben gerichtet halten und jeden Morgen mit dem Gedanken erwachen: Vielleicht ist es ja heute so weit!Unsere Hoffnung richtet sich auf die leibliche Rückkehr von Jesus. Wir warten auf ein neues Zeitalter, in dem Jesus der rechtmäßige König sein wird – und wir seine dankbaren Diener. Die Geschichte der Menschheit steuert auf diesen großen Tag zu, der ein ewiges Zeitalter der Gerechtigkeit, der Freude und der Herrlichkeit einleiten wird.

In einer seiner ersten Predigten erklärte Petrus: „Gott … wird euch Jesus senden, den Retter, den er für euch bestimmt hat. Jesus musste zuerst in den Himmel zurückkehren und dort seine Herrschaft antreten, aber die Zeit wird kommen, in der alles neu wird“ (Apostelgeschichte 3,20-21; Hfa).

Alles wird neu werden. Es kommen „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“ (Apostelgeschichte 3,21; ELB). Ein echter Trost, wenn uns das Herz blutet! Sind wir über die zunehmende Fremdenfeindlichkeit verzweifelt? Die Gerechtigkeit wird wiederhergestellt werden. Belasten uns die Gedanken an Kindesmissbrauch? Alles wird neu werden! Können wir die schrecklichen Nachrichten über Krieg und Terror nicht mehr ertragen? Alles wird wiederhergestellt!Sind wir wütend, weil die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Und frustriert angesichts der Skandale in unseren Kirchen und Gemeinden? Alles – wird – neu – werden.

Das ist unsere Hoffnung. ER ist unsere Hoffnung: „Jesus Christus, der unsere Hoffnung ist“ (1. Timotheus 1,1; Hfa). Paulus hat uns einen guten Rat gegeben: „Denkt nicht an weltliche Angelegenheiten, sondern konzentriert eure Gedanken auf ihn!“ (Kolosser 3,2). Manche sagen, wenn Menschen sich zu sehr mit dem Gedanken an den Himmel trösten, dann verlieren sie die Motivation, hier auf der Erde etwas zu bewegen. Aber: Das Gegenteil ist der Fall. Und so schreibt C. S. Lewis:

Aus der Geschichte wissen wir, dass gerade die Christen am meisten für das Diesseits taten, die sich auch am eingehendsten mit dem Jenseits befassten … Die Apostel, die mit der Bekehrung des Römischen Imperiums begannen, die vielen bedeutenden Männer des Mittelalters, die englischen Protestanten, denen es gelang, den Sklavenhandel abzuschaffen – sie alle drückten dieser Welt ihren Stempel auf, gerade weil ihr Sinnen und Trachten auf das Jenseits gerichtet war.[10]

Ich habe einem Freund erzählt, dass ich ein Buch über die Endzeit schreibe. Er reagierte zynisch: „Was bringt es, über die Zukunft nachzudenken? Ich bin ein Carpe-Diem-Typ. Ich konzentriere mich lieber auf das Hier und Jetzt.“ Das ist ein gutes Argument. Wir müssen schließlich Rechnungen bezahlen, Kinder großziehen, Termine einhalten. Warum sollten wir uns mit dem „Noch nicht“ befassen, wenn wir unsere ganze Kraft für das „Hier und Jetzt“ brauchen? Aus einem einfachen Grund: Wenn wir die Zukunft verstehen, können wir die Gegenwart besser meistern. Dementsprechend schreibt Paulus:

Ich setze meine ganze Kraft für dieses Ziel ein. Indem ich die Vergangenheit vergesse und auf das schaue, was vor mir liegt, versuche ich, das Rennen bis zum Ende durchzuhalten und den Preis zu gewinnen, für den Gott uns durch Christus Jesus bestimmt hat.

Philipper 3,13-14

Lassen wir uns diese Formulierungen mal auf der Zunge zergehen: „auf das schauen, was vor mir liegt“, „das Rennen bis zum Ende durchhalten“, „den Preis gewinnen“. Das Beste im Leben kommt erst noch! Ist unser jetziges Leben voller Herausforderungen? Dann hilft es, an das zukünftige Leben zu denken. Christen haben allen Grund, zukunftsorientiert zu leben.

Also, ich bin jedenfalls neugierig, was die Zukunft bringt. Ich bin gespannt auf das, was als Nächstes kommt. Vielleicht auch, weil ich älter werde. Auf meiner letzten Geburtstagstorte haben siebzig Kerzen ihren Platz gefunden! Meine Haare werden immer grauer, und die kahle Stelle wird immer größer. In der Sanduhr meines Lebens ist unten viel mehr Sand als oben. Kein Wunder, dass mich die Eschatologie – die Lehre von der Endzeit – immer mehr fasziniert. Manche Menschen widmen sich im Alter der Gartenarbeit oder der Malerei. Ich habe begonnen, mich mit der Entrückung, dem Antichristen und Harmagedon zu beschäftigen. Es interessiert mich brennend, was die Zukunft bringen wird. Denn ich bin neugierig auf das, was uns bevorsteht.

Aber ich mache mir auch Sorgen um die Gegenwart. Wer tut das nicht? Während ich dieses Buch schreibe, drohen uns in den Vereinigten Staaten Konflikte mit dem Iran, China oder Russland – oder mit allen dreien. Israel führt Krieg gegen die Hamas, und die Hisbollah rasselt mit den Säbeln gegen Israel. Wir könnten noch eine ganze Reihe anderer Sorgen hinzufügen: Klimawandel, Pandemien, Hungersnöte. Der fragile Zustand unserer Welt hat einige Wissenschaftler dazu veranlasst, die Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe zu berechnen. Ihre jüngste Schätzung: Es ist „neunzig Sekunden vor zwölf“.[11]

Das klingt nicht gut. Kein Wunder, dass vier von zehn Amerikanern glauben, wir leben in der Endzeit.[12] Der Blick in die Zukunft ist beunruhigend. Und Jesus sagt, wir sollen uns auf stürmische Zeiten vorbereiten. Die letzten Tage werden seiner Meinung nach von sich zuspitzenden Ereignissen geprägt sein. Konkret spricht er in den Evangelien von:

VerführungZeichen am Himmelwirtschaftlichen KrisenErdbebenChristenverfolgungpolitischen KonfliktenHungersnötenSeuchenAufständenethnischen Konfliktenfalschen Prophetenschwindendem GlaubenSchreckensbildernKriegen und drohenden bewaffneten AuseinandersetzungenKrankheiten[13]

Diese Aufzählung erinnert mich an die meisten unserer Nachrichtensendungen. Jesus sagt: „Das alles ist aber erst der Anfang – so wie die ersten Wehen bei einer Geburt“ (Matthäus 24,8; Hfa).

Aus verlässlichen Quellen weiß ich, dass die Wehen immer heftiger werden und immer schneller aufeinander folgen, je näher die Geburt rückt. Jesus sagt, genau so wird es der Erde eines Tages auch gehen. Es wird eine Generation geben, die erleben wird, wie die Gefahren und das Böse immer schneller zunehmen.

Sind wir diese Generation? Oder anders ausgedrückt …

Hat das letzte Viertel bereits begonnen?

Ich glaube schon.

Am Freitag, dem 14. Mai 1948, geschah etwas Einmaliges in der Geschichte der Menschheit. An diesem Tag saßen zwei Männer in einer ruhigen Ecke des F Street Clubs in Washington, DC. Sie arbeiteten am Text einer Erklärung, die das Weiße Haus bald veröffentlichen würde. Der eine war Harry Truman. Nachdem Franklin Roosevelt zu Beginn seiner vierten Amtszeit gestorben war, wurde Truman Präsident der Vereinigten Staaten. In den folgenden Jahren führte er das Land durch eines der turbulentesten Kapitel seiner Geschichte. Während seiner Präsidentschaft endete der Zweite Weltkrieg, die Vereinten Nationen wurden gegründet, die Rassendiskriminierung in der US-Armee wurde abgeschafft, und der Marshall-Plan zum Wiederaufbau Europas trat in Kraft. Harry Truman erlebte als Präsident die Kapitulationen von Nazi-Deutschland und Japan genauso wie die Abschottung durch den Eisernen Vorhang in Osteuropa und den Bambusvorhang in China und Teilen Ostasiens.

Doch seine weitreichendste Entscheidung traf Trumans im Mai 1948. Es war eine Entscheidung, deren Wurzeln weit in die Vergangenheit zurückreichten und deren Auswirkungen zugleich bis in die fernste Zukunft – um nicht zu sagen bis in die Ewigkeit – hineinreichen würden. Um dieses Thema zu besprechen, hatte Harry Truman sich am 14. Mai mit seinem Sonderberater Clark Clifford getroffen. Es ging um die Gründung eines israelischen Staates. Truman war entschlossen, diesen Schritt zu wagen, obwohl ein Großteil seiner Regierung, einschließlich des Außenministers, ihm davon abriet.

Als gläubiger Christ holte sich Truman auch Rat bei dem bekannten Pastor J. Frank Norris aus Fort Worth in Texas.[14] Norris erinnerte den Präsidenten an die Verheißung Gottes an Isaak:

Halte dich als Fremder auf in diesem Land! Und ich werde mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinen Nachkommen werde ich alle diese Länder geben, und ich werde den Schwur aufrechterhalten, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe.

1. Mose 26,3 (ELB)

Truman schickte Pastor Norris einen Dankesbrief. Kurz darauf traf er seine Entscheidung.

Kaum war der Text der sorgfältig formulierten Erklärung fertiggestellt, rief Clark Clifford bei Elihu Epstein an, einem Beamten der Jewish Agency in Washington. Er teilte ihm mit, dass die Anerkennung des Staates Israel noch am selben Tag erfolgen würde. David McCullough schrieb darüber in seinem Buch Truman:

Der neue jüdische Staat – der erste jüdische Staat seit fast 2000 Jahren – wurde pünktlich um Mitternacht in Jerusalem und um 18 Uhr in Washington ausgerufen. Elf Minuten später verkündete Charlie Ross im Weißen Haus die De-facto-Anerkennung durch die Vereinigten Staaten.[15]

Der Präsident unterzeichnete eine Proklamation, die nur zwei kurze Absätze umfasste:

Die Regierung ist davon in Kenntnis gesetzt worden, dass in Palästina ein jüdischer Staat ausgerufen wurde. Die provisorische Regierung hat uns um Anerkennung ersucht. Die Vereinigten Staaten erkennen die provisorische Regierung als die De-facto-Autorität des neuen Staates Israel an.

Der Name „Staat Israel“ wurde handschriftlich eingefügt, da er erst in letzter Minute festgelegt worden war.

Welchem anderen Volk hat Gott ein bestimmtes Land versprochen, aus dem es dann vertrieben wurde, um später wieder dorthin zurückzukehren? – Keinem. Aber diese Rückkehr Israels in sein eigenes Land wird in der Heiligen Schrift angekündigt. Hesekiel schrieb 650 Jahre vor der Geburt von Christus: „Denn ich hole euch aus den Völkern und sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land zurück“ (Hesekiel 36,24). Jesaja schrieb 740 Jahre vor der Geburt von Christus: „Er richtet ein Zeichen unter den Völkern auf und versammelt die Verbannten Israels. Er wird das zerstreute Volk von Juda aus allen Ecken der Erde holen“ (Jesaja 11,12).[16]

Am 14. Mai 1948 wurde eine neue Seite im Kalender der prophetischen Geschichte aufgeschlagen. Dem jüdischen Volk wurde sein Land zurückgegeben. Das veränderte alles. Wir werden in den folgenden Kapiteln sehen, wie viele zentrale endzeitliche Ereignisse von der Existenz Israels als Nation abhängen.

Das Buch Daniel sagt einen Bund zwischen dem Antichristen und Israel voraus (Daniel 9,27). Das kann nur geschehen, wenn Israel auch existiert.In der Bibel wird der Wiederaufbau des Tempels prophetisch angekündigt (Jesaja 2,1-4; 2. Thessalonicher 2,4). Auch hierfür ist die Existenz Israels die Voraussetzung.Daniel und Jesus sprechen von einer zukünftigen völligen Entweihung des Tempels (Daniel 12,11; Markus 13,14). Ohne Israel gibt es auch keinen Tempel.Die Schlacht von Harmagedon ist nur möglich, wenn Israel das Land besitzt, in dem dieser Ort liegt: Harmagedon ist das heutige Megiddo im Norden Israels.

Vor 1948 war eine Wiederbesiedlung Israels und die Gründung eines eigenen Staates undenkbar. Über zwanzig Jahrhunderte lang war das jüdische Volk über mehr als siebzig Länder verstreut. Doch seit 1948 erleben wir, wie sie sich wieder sammeln. Zum ersten Mal seit 135 n. Chr. leben in Israel wieder mehr Menschen jüdischer Abstammung als an jedem anderen Ort der Welt.

Die Wiederansiedlung jüdischer Menschen in Israel wird als wichtiges Zeichen gedeutet. In den biblischen Schriften wird die Sammlung des jüdischen Volkes als zeitgeschichtlicher Wendepunkt gesehen. Erst danach sind bestimmte Ereignisse möglich (Jeremia 30,1-5; Hesekiel 34,11-24; Hesekiel 37; Sacharja 10,6-10). Es ist ähnlich wie bei einem Formel-1-Rennen, wenn die Tafel mit der Aufschrift Final Lap („letzte Runde“) hochgehalten wird. Dann wissen alle Beteiligten: Jetzt geht’s in die letzte Runde. Seit der Gründung des Staates Israel haben alle anderen Zeichen der Zeit an Bedeutung gewonnen. Kriege, Katastrophen und Verwirrung hat es immer gegeben. Aber jetzt ist ein Ereignis eingetreten, das den Beginn einer neuen Ära markiert. Israel wurde wiederhergestellt, und alle Zeichen deuten seither auf das bevorstehende Ende hin.

Wenn die Geschichte der Menschheit ein Jahr wäre, dann würden gerade rot verfärbte Blätter von den Bäumen fallen.

Wenn die Geschichte der Menschheit ein Tag wäre, dann würde die Sonne gerade untergehen.

Wenn die Geschichte der Menschheit eine Stunde dauern würde, dann hätte der Minutenzeiger die zwölf fast erreicht.

Ich bin mir sicher: Wir leben in den letzten Tagen. Und deshalb sollten wir die Augen offen halten und verkünden: Das Ende ist nahe.

In meiner Highschool-Footballmannschaft gehörte ich zu den fünf oder sechs Spielern, die den Beginn des vierten Viertels ankündigten. Wir waren die Außenseiter in der Schulmannschaft. Nicht schlecht genug, um aus dem Team geschmissen zu werden. Aber auf keinen Fall gut genug, um mitzuspielen.

Aber wir hatten unseren großen Auftritt immer zu Beginn des vierten Viertels. Auf ein Zeichen des Trainers hin begannen wir, an der Seitenlinie auf und ab zu laufen. Dazu reckten wir vier Finger in die Luft und riefen: „Viertes Viertel! Letztes Viertel!“

Die Erschöpfung der Spieler wächst während des Spiels von Minute zu Minute. Da braucht es diesen Weckruf vom Spielfeldrand: „Letzter Kickoff vor dem Spielende! Gebt alles! Passt auf!“

Müsste das nicht auch heute jemand rufen?

Jesus kann jeden Augenblick wiederkommen. Das glaube ich aus tiefstem Herzen – nicht nur, weil ich die Bibel so verstehe, sondern auch, weil ich die Zeitung lese.

Natürlich gilt: „Niemand kennt den Tag oder die Stunde, in der diese Dinge geschehen werden, nicht einmal die Engel im Himmel, und auch nicht der Sohn. Nur der Vater weiß es“ (Matthäus 24,36). Der genaue Zeitpunkt ist unbekannt. Doch auch wenn wir den Tag und die Stunde nicht kennen, können wir die Zeichen deuten. Und ich meine, dass die Zeichen der Zeit uns zur Wachsamkeit mahnen.

Wir leben in den letzten Tagen. Deshalb sollten wir die Augen offen halten und verkünden: Das Ende ist nahe.

Wir haben die Wahl. Wir können ängstlich oder zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die Angst sieht wenig Grund zur Hoffnung und viel Grund zur Sorge. Der Glaube dagegen erkennt, wie sich die Geschichte auf eine neue Zeit und eine himmlische Bestimmung zubewegt. Gott kündigt an, was auf uns zukommt, um uns vorzubereiten – nicht, um uns zu erschrecken. Er ist der Pilot, der die Passagiere über die bevorstehenden Turbulenzen informiert. Ein guter Pilot hält seine Passagiere auf dem Laufenden. Unser guter Vater tut dasselbe. Zwischen jetzt und dem Ende dieses Zeitalters haben wir mit einigen schweren Turbulenzen zu rechnen. Aber wir werden sicher ankommen.

Viele stehen dem Thema „Endzeit“ mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Ich kann das verstehen. Man kann durchaus zynisch auf die zahllosen widersprüchlichen Auslegungen der biblischen Prophetie reagieren. Biblische Prophetie ist wie die Serengeti in Afrika – endlos, weit und einschüchternd. Es ist eine Welt der Zahlen und Symbole, unberechenbar und wild. Beim Bibellesen bewegen sich die meisten von uns viel lieber auf den gut ausgebauten, viel befahrenen Straßen der Theologie: in den Berichten über Jesus, der Lehre von Paulus und den Biografien der Patriarchen. Die prophetischen Schriften finden viele von uns eher einschüchternd.

Einige wenige sind hingegen fasziniert. Wenn die biblische Prophetie die Serengeti ist, dann sind manche Christen so etwas wie die Wildhüter. Sie verbringen ihr ganzes Leben im Busch, entdecken Prophezeiungen auf Schritt und Tritt, Symbolik in jedem Ereignis und Endzeithinweise in jedem zweiten Bibelvers. Was sie ausgraben, kann für andere Bibelleser sehr nützlich sein. Allerdings sind sie in ihrem Denken manchmal recht einseitig unterwegs und stellen sich auch gern mal über die anderen. Prophetie-Experten entdecken überall Zusammenhänge, die anderen nicht auffallen – und genießen es manchmal auch, das anderen unter die Nase zu reiben.

Ich meine, irgendwo zwischen diesen beiden Positionen liegt die ideale Haltung. Christen, die in Bezug auf die biblischen Prophetien weder ignorant noch arrogant sind, sehnen sich nach dem, was Gott jedem schenken will: ein tief verwurzeltes Vertrauen darauf, dass unsere Zukunft in seinen Händen gut aufgehoben ist. Ziel jeder Prophetie ist es, uns Glaubenden eine Ahnung von der Souveränität Gottes zu vermitteln. Paulus hat das so ausgedrückt: „Wer dagegen prophetisch redet, der hilft anderen, im Glauben an den Herrn zu wachsen, und er ermutigt und tröstet sie“ (1. Korinther 14,3). Biblische Prophetie versetzt uns in die Lage, vertrauensvoll in die Zukunft zu gehen.

Vor 500 Jahren fürchteten die Seefahrer den Horizont. Sie dachten: Wer zu weit segelt, läuft Gefahr, über den Rand der Erde in die Tiefe zu stürzen. Im antiken Denken misstraute man dem Unsichtbaren. So diente ein Monument an der Straße von Gibraltar als Warnung. Dort, wo man von Europa nach Afrika hinüberschauen kann, errichteten die Spanier, die beide Seiten der Meerenge beherrschten, die Säule des Herkules. In den Stein dieses riesigen Wahrzeichens waren die drei lateinischen Worte eingraviert: ne plus ultra (nicht mehr weiter).

Doch dann kam Kolumbus mit seiner Reise im Jahr 1492. Er entdeckte eine neue Welt jenseits von Spanien. Aus dem lateinischen Satz ne plus ultra musste das erste Wort gestrichen werden. Der neue Slogan wurde von da an auf spanische Münzen geprägt: plus ultra (darüber hinaus).[17]

Auch wir können das „Nein“ aus unserer Zukunft streichen, indem wir unser Herz und unser Leben für die großen Gewissheiten öffnen. Wir sind dazu geschaffen, die Zukunft zu erforschen. Es geht um Hoffnung – denn letztlich geht es um IHN.

Also: Machen wir uns startklar für die große Endzeitreise!

Teil I Vier grundlegende Konzepte

Der Flug ins Nirgendwo war innerhalb von zehn Minuten ausgebucht. Qantas Airways sprach von den am schnellsten verkauften Tickets in der Geschichte der Fluggesellschaft. Die billigsten Plätze gab es für 575 Dollar, in der ersten Klasse konnte man auch 2.675 Dollar bezahlen. Und was bekamen die Passagiere dafür? Sieben Stunden lang durften sie über Australien kreisen, um dann wieder dort zu landen, wo sie gestartet waren.[1]

Schuld daran war die Coronapandemie. Nach monatelangen Lockdowns waren es alle leid, zu Hause herumzusitzen. Und das brachte manche Leute dazu, Hunderte von Dollars auszugeben, um … nirgendwohin zu fliegen.

Ich will niemanden verurteilen. Aber mir wäre mein Geld zu schade dafür. Bevor ich einfach nur im Kreis herumfliege, bleibe ich lieber zu Hause. Im Kreis fliegen? Nein danke. Ein richtiges Ziel haben? Das finde ich viel besser. Und außerdem ist es biblisch.

Ein zentrales Versprechen der Bibel ist: Wir werden an einen Ort kommen, der besser ist als unser Ausgangspunkt. Wir können den Winter des Lebens überstehen, dank der Gewissheit, dass ein herrlicher Frühling auf uns wartet.

Dieses Versprechen stützt sich auf vier Grundannahmen, die schon im ersten Kapitel der Bibel zu finden sind und die sich bis zur letzten Seite der Bibel durchziehen:

Wir sind geschaffen, um zu regieren.Gott hat uns Verheißungen gegeben, die er erfüllen wird.Es gibt eine himmlische Zeitrechnung.Als Gottes Kinder gehen wir einem goldenen Zeitalter entgegen.

Das sind die vier Grundpfeiler aller Überlegungen zur Zukunft der Menschheit. Es sind die großen Felsen im Steingarten der Endzeit, um die sich die kleinen Kiesel gruppieren. Wir kennen die Kieselsteine. Wenn wir an die Apokalypse denken, fallen uns viele dieser Bilder und Vorstellungen ein: Sieben Jahre Chaos, auch große Trübsal genannt. Der Antichrist mit seinem Charisma und seiner Grausamkeit. Das atemberaubende Szenario der Schlacht von Harmagedon, dem letzten und schrecklichsten aller Kriege. Diese und viele weitere Bilder tragen zu der Faszination bei, die von Endzeitgeschichten ausgeht. Sie sind gleichzeitig wohlig vertraut und gruselig wie ein Horrorfilm, dazu hochdramatisch wie die Urgewalt eines Vulkanausbruchs oder die explosive Kraft eines gigantischen Feuerwerks.

Wir werden uns diese Kieselsteine im Verlauf des Buches im Detail anschauen. Dabei wollen wir herausfinden, was hinter den bekannten Begriffen steht, und uns mit den Fragen beschäftigen, die sie aufwerfen. Doch zuvor werden wir uns mit den erwähnten vier theologischen Grundpfeilern beschäftigen. Durch sie bekommen wir ein Grundverständnis für Gottes Denken, sodass wir seine Pläne für die Zukunft besser einordnen können. Wir wollen ja nicht nur über dem Flughafen kreisen, oder? Nein, wir sind unterwegs zu einem Ort, der viel besser ist als unser Ausgangspunkt.

1. Wir werden herrschen und regieren

Gott hat Pläne für unser Leben, die unsere eigenen Träume blass erscheinen lassen. Die verheerendste Lüge der Menschheitsgeschichte lautet: Gott ist gegen dich. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Jeder Mensch begann als eine Idee Gottes. Für jedes einzelne Leben hat Gott sich eine Zukunft überlegt, die schöner ist als alles, was wir uns ausdenken können.

Im Garten Eden, dem wohl berühmtesten Garten der Weltgeschichte, wurden Gottes Ideen sichtbar. Wer wissen will, was kommen wird, sollte sich zuerst mit dem beschäftigen, was war. Gott hat seine guten Pläne für jeden Menschen gleich auf den ersten Seiten der Bibel enthüllt. Die Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen, beginnt mit der Protologie, der Lehre von den ersten Dingen.

Unsere Bestimmung: die Vollendung von Eden

Die Geschichte der Menschen begann folgendermaßen:

Da sprach Gott: „Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.“

1. Mose 1,26

Zu dieser Zeit hatte Gott schon vieles geschaffen. Sterne funkelten in der Nacht. Wolken zogen über den Himmel. Die Luft war erfüllt von Blütenduft und Vogelgesang. Tiere durchstreiften die Täler und schliefen auf den Bäumen. Doch so prächtig und herrlich die Schöpfung auch war, sie war nicht Gottes Ebenbild. Dieses Vorrecht war uns Menschen vorbehalten. Nur wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Weder Engel noch Elefanten sind es. Auch nicht die Quallen oder mein Hund Andy. Nur wir Menschen!

Wie kam es dazu? – „Da nahm Gott, der Herr, etwas Staub von der Erde, formte daraus den Menschen“ (1. Mose 2,7; Hfa).

Staub von der Erde … Das ist vielleicht ein interessantes Detail für alle Leserinnen, die sich manchmal fragen, warum Männer in Bezug auf Dreck so unempfindlich sein können. Wir wurden aus Staub gemacht. Aus Gartenerde. Gott formte Adams Torso, dann fügte er zwei Beine an. Obendrauf setzte er einen runden Kopf mit Nase. Dieselben Hände, die zuvor die Sterne über den Himmel verteilt und den Meeresboden ausgehoben hatten, formten nun den Körper eines Menschen. Und dann, während die Engel staunend dabeistanden, nahm Gott den ersten Menschen „und blies ihm den Atem des Lebens in die Nase. So wurde der Mensch lebendig“ (1. Mose 2,7).

Gott atmete aus. Adam atmete ein. Zum ersten Mal hob sich seine Brust, als sich seine Lunge mit Atemluft füllte. Dann ließ er die Luft wieder ausströmen. Und so ging es weiter und weiter – Adam war lebendig geworden. Aber es war nicht nur der Sauerstoff, der seine Lungen füllte. Gottes Atem war in ihm.

Was für ein unvorstellbar wunderbares Geschöpf muss Adam gewesen sein. Er war unberührt von Schuld und kannte weder Habgier noch Hass noch Angst. Adam war vollkommen. So vollkommen, dass Gott ihm eine Aufgabe übertragen konnte: „Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden. Er sollte ihn bebauen und bewahren“ (1. Mose 2,15). Gott beauftragte Adam, für die Schöpfung zu sorgen, und er gab ihm eine Partnerin an die Seite, die ihm dabei helfen sollte. Wunderbar, wie Gott das begründete: „Es ist nicht gut für den Menschen allein zu sein“ (1. Mose 2,18).

Es war das erste Mal, dass Gott „nicht gut“ sagte. Als er das Licht sah, war es gut. Auch das Land fand er gut. Pflanzen, Bäume, Tag und Nacht – alles war gut. Aber Adam – allein? Ohne Gegenüber, ohne Partnerin? Nicht gut! Also brachte Gott Tiere und Vögel zu Adam und „der Mensch betrachtete die Tiere und benannte sie. Für sich selbst aber fand er niemanden, der zu ihm passte und ihm eine Hilfe sein könnte“ (1. Mose 2,20; Hfa).

Adam kümmerte sich um die Schöpfung, wie Gott es ihm aufgetragen hatte, und gab jedem Lebewesen einen Namen. Er nannte das Nilpferd „Nilpferd“, das Nashorn „Nashorn“, die Mücke „Mücke“. Aber er fand niemanden, der ihm eine Hilfe sein konnte. Zum Glück! Nicht wahr, liebe Männer? Nicht auszudenken, wenn er sich mit einem Warzenschwein als Gegenüber zufriedengegeben hätte! Nein, Gott wollte Adam ein ganz besonderes Geschenk machen.

Da ließ Gott, der Herr, Adam in einen tiefen Schlaf versinken. Er entnahm ihm eine seiner Rippen und schloss die Stelle wieder mit Fleisch. Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte, und brachte sie zu ihm. „Endlich!“, rief Adam aus. „Sie ist ein Teil von meinem Fleisch und Blut! Sie soll ‚Männin‘ heißen, denn sie wurde vom Mann genommen.“ Das erklärt, warum ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlässt und sich an seine Frau bindet und die beiden zu einer Einheit werden.

1. Mose 2,21-24

Gott ließ Adam in einen tiefen Schlaf fallen – damit heiligte er aus meiner Sicht das schöne Ritual des Mittagsschlafs –, entnahm ihm eine Rippe und schuf für ihn die perfekte Partnerin. Wie der Knochen, aus dem sie erschaffen wurde, war auch Evas Platz ganz nah am Herzen ihres Mannes. Besser hätte das Leben nicht sein können.

Da sprach Gott: „… Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.“

1. Mose 1,26

In diesem Satz kommt es fast auf jedes Wort an. Wo fangen wir an? Vielleicht mit: Sie sollen herrschen. Der Mann und die Frau sollen Partner sein und gemeinsam herrschen. Mann und Frau – von Gott gleich geliebt und gleichermaßen nach Gottes Bild geschaffen.

Gemeinsam sollen sie über all die verschiedenen Tiere herrschen. Die Menschen sollen als Mitregenten Gottes über die Schöpfung herrschen, sie bebauen und bewahren.

Doch seit damals hat sich etwas verändert. Sind wir heute noch in der Lage, das Meer, die wilden Tiere und den ganzen Rest der Schöpfung zu beherrschen? Nicht im Geringsten. Es gelingt uns kaum, die Fische zum Anbeißen zu bewegen, unmöglich, von ihnen Gehorsam zu verlangen. Manche Tiere würden uns eher fressen, als auf uns zu hören. Wir müssen einem der Autoren des Neuen Testaments recht geben, der feststellte: „Wenn er ihm (dem Menschen) Macht über alles gegeben hat, dann gibt es nichts, worüber er nicht herrscht. Aber noch sehen wir das alles nicht“ (Hebräer 2,8).

Nein, wir sehen es wirklich noch nicht. Statt über die Natur zu herrschen, sie zu bebauen und zu bewahren, zerstören wir sie und leiden unter ihr. Die Schöpfung ist ausgebeutet, verdreckt und unberechenbar geworden. Hitzewellen. Waldbrände. Wirbelstürme. Flutkatastrophen. Erdbeben. Hungersnöte. „Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch leidet und stöhnt wie eine Frau in den Geburtswehen“ (Römer 8,22; Hfa). Das hat nicht mehr viel mit der Ausgangssituation zu tun. Dazu kommt, dass sich Mann und Frau oft nicht mehr wie Partner verhalten, sondern eher wie Rivalen.

Wie konnte das geschehen?

Die Antwort ist bekannt: Sünde, Rebellion und Gier kamen in die Welt. Das Böse übernahm das Kommando und streute Misstrauen, bis das Menschenpaar glaubte, der prächtige, üppige Garten sei nicht genug. Die Menschen wollten mehr, wollten so sein wie Gott. Und Gott, der am besten weiß, was gut für seine Geschöpfe ist, sagte nein. Notgedrungen legte er seinen Garten-Eden-Plan vorübergehend auf Eis. Aber er gab ihn keineswegs ganz auf.

Gottes guter Plan hat Bestand. Gott hat ihn nie endgültig verworfen. Genauso wenig, wie er uns Menschen verworfen hat. Ganz im Gegenteil!

Gottes Entscheidung: Eden zurückerobern

Gott hatte von Anfang an einen Erlösungsplan, bei dem Verheißungen, Prophetien und Wunder zum Einsatz kommen sollten. Er schloss einen Bund mit Abraham. Später ließ er zu, dass Josef nach Ägypten verschleppt wurde. David gab er Mut. Und durch Esther verhinderte er die Auslöschung des jüdischen Volkes.

Doch die Menschen sündigten weiter. Egoismus lastete wie ein Fluch auf jedem Leben. Was mit Adam begann, infizierte von da an jeden Menschen. Nur eine sündlose Person würde das vollkommene Opfer sein können, das nötig wäre, um diesen Fluch zu brechen.

Und dann betrat Jesus die Bühne.

In der Bibel wird Jesus als der „letzte Adam“ bezeichnet (1. Korinther 15,45-49). Jesus und Adam haben einiges gemeinsam. Genau wie Adam hatte auch Jesus keinen irdischen Vater. Auch Jesus erhielt Autorität über die Schöpfung. Und so wie Adam wurde auch Jesus von Satan versucht. Allerdings ließ er sich – im Gegensatz zu Adam – nicht zur Sünde verführen.

Paulus hat das alles wunderbar auf den Punkt gebracht:

Es steht also fest: Durch die Sünde eines einzigen Menschen sind alle Menschen in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines einzigen Menschen sind alle mit Gott versöhnt und bekommen neues Leben. Oder anders gesagt: Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig; aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott freigesprochen.

Römer 5,18-19 (Hfa)

Wo Adam scheiterte, war Jesus erfolgreich. Er wurde zum Retter aller Menschen. Das erinnert mich an die unglaubliche Rettungsgeschichte, die sich im Frühjahr 2023 im Amazonas abgespielt hat:

Am 1. Mai 2023 stürzte ein kleines Flugzeug mit sieben Passagieren an Bord in einer der entlegensten Gegenden der Welt ab: dem Amazonas-Regenwald. Die einmotorige Cessna sollte von einem kleinen Dorf zu einem etwas größeren Ort fliegen, einige hundert Kilometer südlich von Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens.

Vermutlich fiel der Motor des Fliegers unterwegs aus. Das Flugzeug trudelte auf das dichte Blätterdach zu und zerschellte dann am Boden. Man musste davon ausgehen, dass die sieben Passagiere den Absturz nicht überlebt hatten. Das Gebiet, in dem nach ihnen gesucht wurde, war 150 Kilometer lang und 30 Kilometer breit.

Nach über zwei Wochen entdeckten kolumbianische Spezialeinheiten endlich die Absturzstelle. Dort fanden sie die sterblichen Überreste von drei Erwachsenen, die bei dem Aufprall ums Leben gekommen waren. Doch die übrigen Passagiere – vier Geschwister im Alter zwischen 13 Jahren und 11 Monaten – waren weder im Wrack noch rund um die Absturzstelle der Cessna zu finden.