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Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Dein Entschluss steht fest?«, fragte Baronin Sofia von Kant ihren Sohn Konrad, als sich die Familie an diesem Abend im Schloss zum Essen in den blauen Salon begab. »Keine große Feier zu deinem achtzehnten Geburtstag? Immerhin wirst du volljährig, Konny.« »Keine große Feier«, bestätigte Konrad. »Ein schönes Essen mit euch, mit den Hohenbrunns, mit Charly und Tito, das fände ich toll. Auf ein großes Fest habe ich keine Lust.« Nach kurzer Pause setzte er hinzu: »Ich bin nicht in der Stimmung, mir ist eher nach Ruhe und guten Gesprächen zumute. Außerdem habe ich am Montag Geburtstag, da bietet sich eine Party sowieso nicht an, und nachfeiern will ich auf keinen Fall.« »Gut, dann geben wir diese Information so an die Küche weiter. Herr Hagedorn?« Eberhard Hagedorn, der in den vielen Jahren, die er nun schon im Sternberger Schloss tätig war, allmählich den Status einer Legende erreicht hatte, trat vor. »Ich spreche sofort mit Frau Falkner, Frau Baronin«, sagte er. »Sie wird ein Essen auf den Tisch bringen, das Sie nie vergessen werden, Baron Konrad.« Konrad grinste vergnügt. »Das macht sie doch eigentlich immer, Herr Hagedorn, oder? Ich freue mich jetzt schon darauf.« Marie-Luise Falkner, die junge Schlossköchin, war hochbegabt und sehr begehrt.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Dein Entschluss steht fest?«, fragte Baronin Sofia von Kant ihren Sohn Konrad, als sich die Familie an diesem Abend im Schloss zum Essen in den blauen Salon begab. »Keine große Feier zu deinem achtzehnten Geburtstag? Immerhin wirst du volljährig, Konny.«
»Keine große Feier«, bestätigte Konrad. »Ein schönes Essen mit euch, mit den Hohenbrunns, mit Charly und Tito, das fände ich toll. Auf ein großes Fest habe ich keine Lust.« Nach kurzer Pause setzte er hinzu: »Ich bin nicht in der Stimmung, mir ist eher nach Ruhe und guten Gesprächen zumute. Außerdem habe ich am Montag Geburtstag, da bietet sich eine Party sowieso nicht an, und nachfeiern will ich auf keinen Fall.«
»Gut, dann geben wir diese Information so an die Küche weiter. Herr Hagedorn?«
Eberhard Hagedorn, der in den vielen Jahren, die er nun schon im Sternberger Schloss tätig war, allmählich den Status einer Legende erreicht hatte, trat vor. »Ich spreche sofort mit Frau Falkner, Frau Baronin«, sagte er. »Sie wird ein Essen auf den Tisch bringen, das Sie nie vergessen werden, Baron Konrad.«
Konrad grinste vergnügt. »Das macht sie doch eigentlich immer, Herr Hagedorn, oder? Ich freue mich jetzt schon darauf.«
Marie-Luise Falkner, die junge Schlossköchin, war hochbegabt und sehr begehrt. Schon viele hatten versucht, sie abzuwerben, alle hatten sich eine Absage eingehandelt. Bei Eberhard Hagedorn war es im Übrigen ähnlich. Eine Butler-Legende hätten auch andere gern in ihren Diensten gehabt, doch er fühlte sich auf Sternberg zu Hause und konnte sich nicht vorstellen, dieses Zuhause zu verlassen.
Nachdem er den Salon verlassen hatte, wandte sich die Baronin ihrer Tochter Anna zu, die drei Jahre jünger als Konrad war. »Und wie sieht es bei dir aus?«
»Mama, wie oft willst du mich denn noch fragen? Ich habe doch gesagt, dass ich mit meinen Freundinnen nach München fahren will. Die dürfen auch alle, und Papa und du, ihr habt gesagt, ich darf auch. Und weil der Geburtstag auf den Samstag fällt, ist das ja günstig.«
Zu guter Letzt blickte Sofia ihren Neffen Christian von Sternberg an. Es war nämlich so, dass die Geburtstage der drei Teenager dicht aufeinander folgten – deshalb hatten sie im Jahr zuvor die Idee gehabt, gemeinsam ein großes Fest im Schloss zu feiern. Und obwohl Christian bei dieser Gelegenheit Annas Freundin Stephanie von Hohenbrunn kennengelernt und sich in sie verliebt hatte, dachte er mit gemischten Gefühlen an den Abend zurück – und nicht nur er. Ein Drogendealer hatte Stephanie erpresst, so dass er sich mit ihrer Hilfe unter die jugendlichen Gäste hatte mischen können. Viel Aufregung und ein großer Polizeieinsatz waren die Folgen gewesen. Nichts also, was man gern wiederholen würde.
Darüber wurde jetzt nicht gesprochen, aber es war klar, dass alle daran dachten, auch Baron Friedrich, der jetzt zum ersten Mal ins Gespräch eingriff. »Du hast dich bislang noch gar nicht dazu geäußert, wie du dir deinen Geburtstag vorstellst, Chris«, sagte er.
Christian von Sternberg, der mit fünfzehn Jahren seine beiden Eltern, das Fürstenpaar von Sternberg, bei einem Hubschrauberabsturz verloren hatte, blickte einmal langsam in die Runde. Sofia, eine Schwester seiner Mutter, und ihr Mann hatten ihn sofort nach dem Unfall als drittes Kind in ihre Familie aufgenommen. Mit seinen Eltern hatte Christian den Ostflügel des Schlosses bewohnt, nach ihrem Tod war er in den Westflügel zu den Kants übergesiedelt. Die beiden Familien hatten glückliche Jahre im Schloss verlebt, die Kinder waren wie Geschwister aufgewachsen – das erwies sich nach dem tragischen Unglücksfall als Segen. Zwar hatte Christian seine Eltern verloren, aber er hatte noch immer eine Familie, und seine Heimat, das Schloss, blieb ihm erhalten. Nicht zuletzt diese Umstände hatten wohl dazu beigetragen, dass er den schweren Verlust hatte überstehen können, ohne seinen Lebensmut zu verlieren.
»Mir geht es wie Konny«, antwortete Christian jetzt auf die Frage seines Onkels. »Auf ein großes Fest habe ich keine Lust. Nicht nur, weil das letztes Jahr so … na ja, so außer Kontrolle geraten ist. Mir ist einfach nicht danach. Ich werde ja siebzehn, ein Jahr noch, dann bin ich erwachsen, wie Konny. Das beschäftigt mich. Ein Jahr geht schnell vorbei, und dann …« Er schüttelte leicht den Kopf. »Ich will auch nichts unternehmen, wie Anna. Ein Essen hier wäre schön. Aber sonst … nein, wirklich, sonst nichts.«
Sofia und Friedrich wechselten einen Blick, halb amüsiert, halb besorgt. »Ist das normal?«, fragte Sofia. »Es heißt doch immer, die heutige Jugend sei feiersüchtig.«
»Ach, alles nur Gerede«, erwiderte Konrad. »Freut euch doch, bei einem Essen ist die Gefahr viel geringer, dass so etwas passiert wie letztes Jahr.«
»Rede nicht davon!«, rief Anna schaudernd. »Es war einfach nur schrecklich.«
»Nein, nicht nur«, widersprach Christian. »Immerhin habe ich Steffi an dem Abend kennengelernt.«
»Das war aber auch das einzig Gute«, warf Konrad ein. Er bemerkte Annas Gesicht. »Schon gut, wir reden nicht mehr darüber. Es ist ja nicht so, dass ich mich wahnsinnig gern daran erinnere.«
Der Baron hielt es für angebracht, das Gespräch an diesem Punkt abzukürzen. »Gut, dann sind eure Pläne also klar, Frau Falkner wird an den Geburtstagen der Jungen sensationelle Menüs auf den Tisch bringen, und Anna macht wie geplant den Ausflug nach München. Aber Herr Wiedemann fährt euch und bleibt in der Nähe. Ohne Aufsicht lassen wir euch nicht weg, damit das klar ist.«
»Es ist klar, Papa, du hast es bestimmt schon tausend Mal erwähnt!« Annas hübsches rundes Gesicht mit den blauen Augen verzog sich unwillig. Sie sah aus wie eine jüngere Ausgabe ihrer Mutter – auch deren blonde Locken hatte sie geerbt.
»Entschuldige bitte, Anna.« Baron Friedrich blieb ganz ernst, nur seine Augen funkelten belustigt. »Aber ich denke, so etwas kann man nicht oft genug sagen.«
Er war groß, schlank und sah sehr gut aus mit seinem scharf geschnittenen Profil. In das Braun seiner Haare mischte sich erstes Grau, was ihn gelegentlich mit Wehmut erfüllte. Konrad sah ihm sehr ähnlich, nur waren seine Haare blond, wie die seiner Mutter und seiner Schwester.
Christian fiel, rein äußerlich gesehen, aus dem Rahmen, er ähnelte seiner verstorbenen Mutter, war dunkelhaarig wie sie, hatte ihre dunklen Augen und das gleiche schmale, gut geschnittene Gesicht. Oft, wenn Sofia ihren Neffen betrachtete, gab es ihr einen Stich ins Herz, weil er sie so sehr an ihre tote Schwester erinnerte, an die sie jeden Tag dachte. Noch immer schmerzten diese Erinnerungen sie so, dass sie es nur sehr selten über sich brachte, dem Familienfriedhof auf dem Hügel am Rande des Schlossparks einen Besuch abzustatten, auf dem Elisabeth und ihr Mann Leopold die letzte Ruhe gefunden hatten.
Christian dagegen machte sich jeden Tag einmal auf den Weg dorthin, um mit seinen Eltern stumme Zwiesprache zu halten. Als Zweijähriger hatten ihn die Leute ›der kleine Fürst‹ getauft – im Gegensatz zu seinem groß gewachsenen Vater, und dieser Name war ihm bis heute geblieben. Er hörte ihn gern, sprach doch große Zuneigung daraus, und er fand es auch nicht schlimm, dass er längst nicht mehr klein war.
Ein Fürst war er schließlich auch noch nicht, dennoch trug er den Namen wie einen Ehrentitel. Nur manchmal fragte sich, wie es sein würde, wenn er volljährig war und damit seinem Vater als Fürst von Sternberg nachfolgte. Würde er auch dann noch ›der kleine Fürst‹ bleiben, wenigstens noch eine ganze Weile?
Er nahm es an.
»Fünf Tage noch, bis ich volljährig bin«, sagte Konrad, »irgendwie ist das ein komisches Gefühl.«
»Na ja, erwachsen wirst du in diesen fünf Tagen nicht mehr werden«, erwiderte Anna und brachte die anderen damit zum Lachen. Konrad bewies Humor und lachte mit.
In der Küche hatte Eberhard Hagedorn unterdessen die Information weitergegeben, dass es bei der ursprünglichen Planung bleiben würde: Konrad wünschte sich ein schönes Essen im Kreise der Familie und mit wenigen guten Freunden, Anna würde an ihrem Geburtstag weitgehend abwesend sein. »Und bei Prinz Christian läuft es jetzt auch auf ein Abendessen im selben Rahmen wie bei Baron Konrad hinaus, Marie.«
»Als hätte ich es geahnt«, erklärte die junge Köchin. »Obwohl ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass sich die jungen Herrschaften letzten Endes doch fürs Feiern entscheiden würden, habe ich mir vorsichtshalber ein paar Gedanken für zwei große Fest-Menüs gemacht.«
Eberhard Hagedorn lächelte. »Es hätte mich gewundert, wäre es anders gewesen.«
»Ich darf dir helfen, Marie, wenigstens bei einem Menü, du hast es mir versprochen«, setzte Jannik Weber hinzu, Eberhard Hagedorns junger Auszubildender, der kürzlich zwanzig Jahre alt geworden war und Marie-Luise, die mehr als ein Jahrzehnt älter war als er, glühend verehrte. Sie wusste es, Eberhard Hagedorn wusste es, aber Jannik bildete sich ein, sein Geheimnis sicher bewahrt zu haben. Sie ließen ihm diese Überzeugung, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen.
»Und meine Versprechen halte ich«, erwiderte Marie-Luise. »Aber jetzt solltest du dich vielleicht wieder auf deine Arbeit konzentrieren. Ist der Tisch abgeräumt für die Desserts? Die sind nämlich fertig und warten darauf, serviert zu werden.«
Jannik wurde rot und stürzte aus der Küche.
*
Emilia von Hohenbrunn war mit ihrer Enkelin Stephanie und ihrer Freundin Hanne Maurer in der Sternberger Innenstadt unterwegs, um nach ganz bestimmten Knöpfen zu suchen, die Hanne brauchte. Sie wollte keine Massenware haben, sondern suchte das Besondere, an dem der Blick sofort hängen blieb. Emilia wusste aus Erfahrung, dass Hanne sich nicht mit einem Kompromiss zufrieden geben würde.
Da Hanne rheumakrank war und sich außerhalb der Wohnung meistens mit Hilfe eines Rollators bewegte, kamen sie nur langsam voran, aber das störte weder Emilia noch Stephanie. Mit Hanne einzukaufen war immer ein Erlebnis. Sie war schon Anfang achtzig, aber im Kopf beweglicher als mancher Jugendliche. Und in Sachen Stil und Geschmack machte ihr niemand etwas vor. Sie hätte das Zeug zu einer großen Designerin gehabt, doch ihre Lebensverhältnisse hatten einen solchen Werdegang verhindert. Doch seit sie mit der vermögenden Emilia zusammenwohnte, kümmerte sie sich um deren Garderobe, und endlich kamen ihre Talente voll zur Geltung. Sie arbeitete alte Stücke um und das mit so viel Geschick, dass die neu entstandenen Sachen überall Aufsehen erregten. Auch für ihre eigene Garderobe entwickelte Hanne, seit sie in dem eleganten Penthaus wohnte, das Emilia gekauft hatte, wieder Ehrgeiz. Die beiden alten Damen gehörten zu den elegantesten Einwohnerinnen Sternbergs.
Stephanies Vater, Emilias Sohn, hatte der ›Seniorenwohngemeinschaft‹ seiner Mutter keine lange Dauer vorhergesagt – so wie viele andere auch. Am skeptischsten war Hanne selbst gewesen: Wie sollte das gut gehen, bei derart unterschiedlichen Vermögens- und Lebensverhältnissen? Aber alle hatten sich getäuscht: Emilia und Hanne freuten sich jeden Tag über ihre Entscheidung, sie hatten sie noch keine Sekunde bereut.
Die Knöpfe, die Hanne an diesem Tag suchte, waren für die Geburtstagsgeschenke gedacht, die sie für die Sternberger Teenager angefertigt hatte. Konrad und Christian würden jeder ein maßgeschneidertes Hemd bekommen – Konrad ein eher auffällig gemustertes, sportliches, Christian ein dezentes, elegantes – und Anna ein Kleid. Bei allen drei Kleidungsstücken fehlten nach Hannes Meinung noch die berühmten i-Tüpfelchen, sie würden das Besondere der Stoffe noch unterstreichen. Emilias Anteil an diesen Geschenken waren die Stoffe und das Zubehör.
»Da!«, sagte Stephanie. »Sie hatten Recht, Frau Maurer: Das Antiquitätengeschäft ist die beste Adresse für das, was Sie suchen. Sie haben sogar alte Knöpfe im Schaufenster.«
Stephanie war ein sehr hübsches Mädchen mit rotbraunen Locken und ungewöhnlichen grauen Augen. Manchmal ärgerte sie sich über die paar Sommersprossen auf und neben ihrer Nase, aber sie hatte längst begriffen, dass andere gerade die Sommersprossen besonders anziehend fanden, und so freundete sie sich allmählich damit an.
Das Antiquitätengeschäft hatte eine eigene Abteilung für Kleidung, in der Hanne schon öfter fündig geworden war, wenn sie etwas Besonderes gesucht hatte. Sie trat näher, ihre Augen leuchteten auf, als sie die Auslage sah. »Das wird dich ein Vermögen kosten, Emilia«, sagte sie seufzend.
»Es ist mir ein Vermögen wert, Hanne«, erwiderte Emilia. »Du hast die ganze Arbeit, ich kann nichts dazu beisteuern als das Material. Das soll dann wenigstens erstklassig sein.«
»Die Hemden und das Kleid sind so toll geworden!«, sagte Stephanie, die stellvertretend für Anna das Kleid immer wieder hatte anprobieren müssen und die auch bei der Auswahl für die Stoffe hatte mitreden dürfen. Schließlich wusste eine fast Fünfzehnjährige am besten, was anderen Teenagern gefallen könnte – und sie kannte die drei Geburtstagskinder schließlich sehr gut.
»Lasst uns hineingehen«, schlug Emilia vor.
Sie waren in dem Antiquitätengeschäft als Kundinnen bestens bekannt. Gelegentlich gab es schönes altes Leinen oder Hanne fand eine Gürtelschnalle, die ihr gefiel, einen Teppich, aus dem sich noch etwas machen ließ oder Schmucksteine, die sich für ein Ballkleid eigneten. Eigentlich verließ sie den Laden nie, ohne etwas zu kaufen.
Sie wollte eben nach den Knöpfen fragen, als ihr Blick auf eine alte, abgewetzte Lederjacke fiel. Sie stand ganz still, während sie die Jacke betrachtete.
Emilia unterdrückte ein Lächeln, sie wusste, was jetzt kam. So sah Hanne aus, wenn sie eine Idee hatte. Stephanie hingegen stand bereits bei den Knöpfen und drehte sich ungeduldig zu ihnen um. »Was ist denn?«, rief sie. »Die Knöpfe liegen hier!«
»Die Jacke«, sagte Hanne. »Da müsste ich gar nicht viel machen, und sie wäre perfekt für Konrad. Er trägt doch solche Sachen gern, und so eine alte Jacke wünscht er sich schon lange, wie ich weiß. Die hier hat die richtige Form, sie muss nur etwas aufgearbeitet werden. Das Futter ist zerrissen, die Taschen sind nicht mehr in Ordnung, ein paar Nieten fehlen, und das Leder braucht Fett – sonst ist sie wunderbar.«
»Aber …«, begann Stephanie, doch ihre Großmutter unterbrach sie.
»Wir nehmen sie«, sagte sie. »Konrad wird volljährig, da darf sein Geschenk ruhig ein bisschen größer ausfallen.«
»Du bist sehr großzügig, Emilia«, sagte Hanne.
»Eher du, denn du hast die Arbeit. Schaffst du das denn mit der Jacke in den nächsten paar Tagen?«
»Locker«, behauptete Hanne.
