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"Richtig idiotisch, wie ich euch liebe, wenn ihr euch gut versteht." Birger Sellin "(…) das Genre Zivilisation entsteht überhaupt erst, wenn Begriffe wie autistisch ins Wörtlichsein gedrängt werden. Jede spontane oder gewaltsam-rasche Neuverteilung von Wörtlichkeit wirkt logischerweise immer zivilisationsgefährdend (…)" Clemens J. Setz Dieses Buch enthält drei Vorlesungen, die sich eher paradoxen Aspekten des Schreibens zuwenden: Das seltsame Schicksal poetischer oder autobiografischer Literatur, die von "nonverbal autistischen" Menschen geschrieben wurde. Die schwer fassbare literarische Qualität der Peinlichkeit. Und zuletzt die Frage, warum ausgerechnet Nebendinge, die nichts mit einer Erzählung zu tun haben, so viel mit der Erzählung zu tun haben. THEORIE & PRAXIS - die Reihe: Wir schreiben, lesen, erzählen, sprechen, experimentieren, forschen und lehren. Wir bewegen uns durch literarische Produktionsräume, erproben Techniken und Formen. Wir beobachten die Gegenwartsliteratur, ihre Entstehung, Vermittlung und Rezeption. Wir erschließen Kontexte der Jetztzeit. In dieser Schriftenreihe buchstabieren wir Methoden, Poetiken, Werkprozesse und Inszenierungen des literarischen Schreibens durch. Regelmäßig erscheinen neue Bände, die sich essayistisch, literarisch oder auch wissenschaftlich mit den für das Literaturinstitut Hildesheim zentralen Fragen auseinandersetzen.
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2026
theorie & praxis 8
«RICHTIG IDIOTISCH WIE ICH EUCH LIEBE WENN IHR EUCH GUT VERSTEHT»
PASSING THE TURD TEST
NIEMAND EXPLODIERT
UNIFIED-BOND-THEORY
Die guten Sätze
Guido Graf
Nachweise
Schriftenreihe des Literaturinstitut Hildesheim
Band 8
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier
Satz und Layout: Guido Graf
Umschlaggestaltung: Antje Schroeder, Walsrode
Herstellung: bookpress.eu Printed in Poland
Vertrieb: edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG, München
© Clemens J. Setz
Literaturinstitut Hildesheim 2026
Alle Rechte vorbehalten
ISBN: 978-3-68930-180-4
Die Erde, der Vulkan und das summen der Bienen sind das ewige Schreiben auch der Zugvögel. Das vibrieren der Ameisen.
Ernst Herbeck, Das ewige Schreiben
Es gibt einen Satz in dem von mir sehr bewunderten Werk W.G. Sebalds, der mir immer wieder durch den Kopf geht. Er macht mich komplett ratlos, dieser Satz. Er findet sich in der langen Reiseerzählung «All’estero» in dem Buch Schwindel. Gefühle. Am Beginn des Berichts beschließt der sich vorübergehend in Wien aufhaltende Erzähler, nach Venedig zu fahren, aber den Tag vor seiner Abreise «noch mit Ernst Herbeck in Klosterneuburg zu verbringen». Es ist der Oktober des Jahres 1980. Der Ausflug der beiden wird in ausführlicher und gütiger Sebald-Manier beschrieben, ja, der Erzähler, der natürlich viele Züge des Autors Sebald teilt, scheint von aufrichtiger und tiefer Zuneigung für den zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünfunddreißig Jahren in einer psychiatrischer Einrichtung lebenden Dichter Herbeck erfüllt.
Nach einigen sanften Abenteuern in der Landschaft rund um Klosterneuburg bemerken sie Gesang, der aus einem Haus kommt. Es ist die Volksschule und es sind die Stimmen der Kinder. «Ernst blieb stehen, kehrte sich, als wären wir miteinander in einem Theaterstück, mir zu und sprach in einer Art Bühnendeutsch den, wie es mir schien, vor langer Zeit irgend einmal auswendig gelernten Satz: Es klingt sehr schön durch die Luft und erhebt einem das Herz.» Danach geht es ähnlich hübsch weiter, in den magischen, mehrwaggonigen Sebaldsätzen, durch würdevolles Eintauchen in die Vergangenheit und den Schrecken des Jahrhunderts. Aber dieser dem Dichter Herbeck zugeschriebene Satz:
«Es klingt sehr schön durch die Luft und erhebt einem das Herz», der macht mich bis heute ratlos. Denn es ist so, dass Ernst Herbeck diesen Satz mit größter Wahrscheinlichkeit niemals hätte aussprechen können. Er litt seit der Geburt an einer extremen Gaumen-Kiefer-Spalte (im Volksmund „Wolfsrachen« genannt), die operativ nie ganz korrigiert wurde, was Unterhaltungen mit ihm allgemein schwierig machte. Es gibt Videoaufnahmen von ihm, wo er seine Gedichte vorliest, bei denen man merkt, dass er beinahe nur konsonantenlos und äußerst mühevoll murmelnd sprechen kann. Viele seiner Gedichte handeln von dieser Sprechbehinderung. Als ich einmal mit dem heutigen psychiatrischen Leiter der Anstalt Gugging bei einer Veranstaltung zusammentraf, fragte ich ihn, was er von diesem von Sebald zitierten Satz hielte. Er meinte auch, das könne er sich bei Herbeck keinesfalls vorstellen, aber Sebald habe bekanntlich gern ausgeschmückt und oft kräftig hinzuerfunden. Nun ist an Ausschmücken und Hinzuerfinden natürlich nichts verkehrt, aber hier, in diesem Fall, ist die Entscheidung auf jeden Fall merkwürdig. Denn die Ausschmückung betrifft eine ausgeprägte körperliche Behinderung der Figur. Stellen wir uns vor, der Erzähler beschriebe ein Treffen mit einem Dichter, von dem bekannt ist, dass er sein Leben lang für die Wahrung seiner Bewegungsfreiheit im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen war. Aber nun wird einfach so, ohne weiteren Kommentar und ohne Erwähnung irgendeiner Gehbehinderung, ein rüstiger Fußmarsch zu zweit durchs Gebirge beschrieben. Erlaubt, jaja, natürlich, auch nicht verwerflich, erst recht in leicht fiktionalisierten Berichten, aber eben doch seltsam. Wie kommt man überhaupt auf die Idee? Was genau lässt sie reizvoll erscheinen? Und warum – ausgerechnet – «Bühnendeutsch», das ja gerade durch besonders harte und klar intonierte Konsonanten definiert ist?
Um diese verblüffend schwierige Frage anzugehen, möchte ich einen sehr weiten Anlauf nehmen, bis hinein in ein Gebiet der Literatur, in dem ich mich in den letzten Jahren immer wieder mit Staunen und einem Gefühl von Zuhausesein aufhalte. Es ist interessanterweise ein Gebiet, das, seinem Namen nach, gar nicht existieren kann. Der Name (den sich diese Art von Literatur freilich nicht selbst gegeben hat) ist ein klarer Widerspruch in sich: die Literatur und Poesie nonverbaler Menschen. Nun bedeutet «nonverbal» aber, dass eine Person keine Wörter verwendet bzw. verwenden kann, egal ob in gesprochener oder geschriebener Form. Literatur aber besteht aus Wörtern.
Lassen Sie mich Ihnen nun vier Mal hintereinander exakt dieselbe Geschichte erzählen.
NR.1
All the sky is spread out far And is full of bliss
Yet with sightless thoughts in self I guess the sights I miss.
Wer hat diese Zeilen geschrieben? Emily Dickinson? Nein, aber gut geraten. Erinnert tatsächlich ein wenig an sie. Ich verrate es gleich. Zuerst noch ein paar Beispiele:
ANTS
Little selves in busy way Make the best of their day
Und:
Like the spring she had her stay Like the spring she cheered And like spring she filled the air With her voice so dear.
«Like the spring she had her stay», was für eine anmutige, melodisch fließende Zeile. Man könnte sie sich von Barbra Streisand gesungen denken. Diese und auch die anderen Zeilen wurden von Tito Mukhopadhyay verfasst, einem als vollkommen nonverbal und low-functioning autistisch eingestuften jungen Mann aus Indien.
My hands, as usual, were flapping
The birds knew
I was Autistic
They found no wrong with anything.
Mukhopadhyay hat schon als Teenager unzählige Gedichte und später eine Reihe autobiografischer Bücher veröffentlicht. Sein erstes nannte er The Mind Tree, seine bevorzugte Metapher für die eigene Verfassung. Ein äußerlich reglos dastehender Baum mit rein innerlich arbeitendem Bewusstsein. Man könnte sagen, Mukhopadhyay ist ein richtiger Vielschreiber. In seinen Texten erzählt er viel von seinem Alltag, seinen Visionen und Erfahrungen, und vor allem scheint es ihm ein Anliegen zu sein, Missverständnisse aufzuklären, die in der Wahrnehmung seiner Verhaltensweisen durch neurotypische Menschen entstehen. Warum tut er eher dies und nicht das? Warum kann er nicht lange Augenkontakt halten? Warum kann er nicht einfach laut sprechen, mit seinem Mund? Warum verfällt er in den unangebrachtesten Momenten in repetitives ‚Stimming’. Das Problem dabei ist, dass Mukhopadhyay ursprünglich, um Schreiben zu können, eine unorthodoxe Hilfestellung benötigte. Seine Mutter assistierte ihm beim Tippen, indem sie seine Schulter festhielt. Man nennt das «facilitated communication» (im Folgenden abgekürzt als «FC») und man begreift sofort, dass Beeinflussungen der stützenden Person in diesem Modell durchaus möglich sind.
Um die Flut an Zweifeln an der Autorschaft ihres Sohnes zu besänftigen, entwickelte Soma Mukhopadhyay, zusammen mit Tito, eine neue Spielart, das Rapid Prompting, was keine physische Berührung zwischen ihr und ihm mehr erforderte. Sie hielt nun einfach für ihn das Brett mit den Buchstaben. Aber das schien den Kritikern immer noch höchst verdächtig. Ein nonverbal autistischer Junge, der eine Vielzahl an poetischen und essayistischen Texte schrieb, wieso brauchte der überhaupt jemanden mit sich im Zimmer? Wieso schrieb er nicht einfach allein, so wie normale Menschen? Nein, das alles konnte nur eine Fälschung der Mutter sein.
Nun, warum konnte Mukhopadhyay nicht von Anfang an allein tippen, «wie ein normaler Mensch»? Auch auf diese Frage hat er selbst inzwischen, viele Jahre später, gewissenhaft und ausführlich Antwort gegeben, aber da seine frühen Schriften vielen als Fälschungen galten, glaubten natürlich nicht alle Menschen diesen Erklärungen. Seit mehreren Jahren schreibt Mukhopadhyay übrigens vollkommen allein, ohne stärkende oder konzentrationsfördernde Berührung, und auch ohne Rapid Prompting. Auf Youtube findet man Interviews mit ihm, wo er seine Antworten selbständig tippt. Aber die alte Kritik an der Autorschaft seiner Bücher besteht trotzdem weiter. Sie wird vermutlich nie ganz verklingen. Auch wenn die neuen Texte vielleicht zu hundert Prozent aus seiner Feder stammen mögen, heißt es in manchen Kommentaren, so seien die früheren Texte bestimmt trotzdem Fälschungen.
Woher diese Beharrlichkeit? Bevor wir darüber nachdenken, noch einmal exakt dieselbe Geschichte.
Nr. 2
Ido Kedar. Selbe Diagnose als nonverbal-autistisch, seit frühester Kindheit. Selber atypischer Kommunikationsstil (FC) zu Beginn seiner literarischen Arbeit im Teenageralter. Selbe Vorwürfe. Kedars bevorzugte Form ist die des kurzen, schlaglichtartigen Tagebucheintrags.
Existential Issues November 2008
Internally I’m so sad. I hate my situation in life. Is it fair to give a person a mind to think but no means to communicate with others? Is God good or is God indifferent to my pain? I wonder, is God ever going to help me?
Interessant bei Kedar ist, dass er in seinen Aufzeichnungen („Ido in Autismland«) häufig über seinen Glauben an Gott schreibt. Bei Mukhopadhyay werden religiöse Bräuche im Alltag durchaus auch erwähnt, aber er selbst erlaubt sich keine persönlichen theologischen Gedankenfolgen. Kedar dagegen denkt viel darüber nach, ob Gott böse oder gut sei. Das war auch einer der Gründe, weshalb seine Autorschaft besonders früh angezweifelt wurde. In dem Artikel «Clever Han(d)s Skepticism and ‹Ido in Autismland›» beschreibt Janyce Boynton das «KlugeHans»-Phänomen, bei dem ein Pferd durch subtile visuelle Zeichen des Besitzers zum scheinbaren Buchstabieren eines Textes gebracht wurde. Sie beschreibt geheime Handsignale der Mutter, die angeblich am Rand von Ido Kedars Gesichtsfeld gemacht werden und ihm den gewünschten Buchstaben suggerieren. In neueren Videos, wie etwa einem TV-Bericht über sein Leben, sieht man allerdings Kedar allein auf ein iPad tippen, vollkommen fokussiert auf den Bildschirm. Ein Restverdacht bleibt allerdings, zumindest laut Kritikern wie Boynton – könnte es einfach geschickt gefilmt worden sein, sodass man die signalgebende Mutter nicht sieht?
At the Bottom of a Well February 2009
I am lonely in school. So are my autistic classmates. We could laugh and tell jokes and have fun if they could use a letter board. It makes no sense to me why they are not taught it. It’s not nice for them to see me communicate and to be denied the same opportunity. Why is the world so cruel to them? One of my classmates had a taste of communication with my mom and now he is silent once more. I see he watches me in sadness. It hurts me to see it.
Halten wir für einen Augenblick die eigenartige Beruhigung, die von der Kritik an der Autorschaft ausging. Es wäre eine Fälschung, eine tragische Täuschung, eine Illusion. Diese Deutung hat eine enorme Sogwirkung, oder? Nichts in einem sperrt sich dagegen.
Ido Kedar ist, soweit ich sehen kann, der einzige als nonverbal geltende Verfasser eines ganzen Romans (In Two Worlds). Es ist ein wirklich erstaunliches Werk, in dem die Erfahrungen einer Familie angesichts der Nonverbalität eines Kindes dargestellt werden. Wenn Sie nur eine einzige Lektüreempfehlung aus meiner Vorlesung mitnehmen möchten, dann würde ich diese hier nennen. Auch diesen Roman hat Kedar bereits nicht mehr mit FC getippt, sondern allein, mit einem einzigen sich rasch über eine iPad-Tastatur bewegenden Zeigefinger.
Aber natürlich treffen ihn immer noch regelmäßig die alten Vorwürfe der Fälschung und der «Pseudowissenschaft FC». Die geheimen Handzeichen seiner Mutter. Er antwortet leidenschaftlich auf sie. Auch liest man gelegentlich den Vorwurf, seine Werke seien zwar vielleicht authentisch, aber dennoch in der vorliegenden Form abzulehnen, weil sie «falsche Hoffnung» vermitteln. Eltern nonverbal autistischer Kinder könnten durch sie auf den Gedanken kommen, dass auch in ihrem Kind usw.
Ido Kedar schloss 2013 die High School mit sehr guten Noten ab und begann ein College-Studium. Er tritt viel als Public Speaker auf und betreibt einen Blog.
Aber gut, nun noch mal dieselbe Geschichte.
Nr. 3
Ähnliche Themenbereiche wie Mukhopadhyay und Kedar, aber in einer viel weniger poetisch-lyrischen, sondern eher wissenschaftlich-essayistischen Sprache behandeln die Bücher des ebenfalls seit frühester Kindheit als low-functioning und nonverbal eingestuften Japaners Naoki Higashida. Seine beiden ins Deutsche übersetzten Memoirbände Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann und Sieben mal hinfallen, acht mal aufstehen gehören für mich zum Bemerkenswertesten, das mir je in schriftlicher Form untergekommen ist, vor allem aufgrund Higashidas außerordentlicher Fähigkeit zur Mikroskopie seiner eigenen Beobachtungen. – Ich vermute, meine Eltern hätten, als ich klein war, auch liebend gern so ein Buch gehabt. Glücklicherweise war ich nie vollkommen nonverbal, obwohl ich die Verlockung dieses Zustands gut kenne. Ich wünschte, ich könnte die Bedingungen seiner Entstehung ebenso gut beschreiben wie Higashida. Es ist eine der rätselhaftesten Erfahrungen, die man machen kann – und ich beneide jeden Menschen, der sie überhaupt nie machen muss. David Mitchell, bekannter Romanautor und der englische Übersetzer von Higashida, versucht ihn so zusammenzufassen:
Der dreizehnjährige Autor dieses Buchs lädt Sie, seine Leser, ein, sich vorzustellen, Ihnen sei plötzlich Ihre Sprachfähigkeit abhandengekommen. Weder können Sie mitteilen, dass Sie müde sind, Hunger oder Schmerzen haben, noch nett mit einem Freund plaudern. Ich möchte dieses Gedankenspiel aber noch ein wenig erweitern. Stellen Sie sich also vor, dass nach dem Verlust Ihrer Kommunikationsfähigkeit auch noch der Redakteur, der für das Ordnen Ihrer Gedanken zuständig ist, einfach ohne Vorankündigung verschwindet. Höchstwahrscheinlich wussten Sie gar nichts von der Existenz dieses Gedankenredakteurs, aber jetzt, wo er nicht mehr da ist, geht Ihnen auf, dass er all die Jahre für das Funktionieren Ihres Gehirns gesorgt hat. Eine Flut von Ideen, Erinnerungen, Anregungen und Gedanken stürmt ununterbrochen auf Sie ein, und bisher hatte Ihr Redakteur diese Flut reguliert, sie zum allergrößten Teil weggeleitet und nur eine winzigeAuswahl zu Ihnen durchgelassen. Doch jetzt sind Sie ganz und gar auf sich gestellt.
Higashida beschreibt in seinen Büchern ausführlich die paradoxen und für neurotypische Menschen niemals erratbaren Wahrnehmungsreihenfolgen des autistischen Alltagserlebens. Hier etwa seine Beschreibung von Regen:
Aus heiterem Himmel ging plötzlich ein Schauer nieder. Sobald Mama das Geräusch des Regens hörte, rief sie: «Es regnet!», eilte, ohne aus dem Fenster zu schauen, nach oben und holte die Wäsche vom Balkon. Ich stand da und beobachtete sie und muss wohl ein bisschen verdattert gewirkt haben. Was jetzt folgt, ist eine Chronologie dessen, was sich während dieser Szene in meinem Kopf abspielte:
