Wenn wir bleiben könnten - Lily Brett - E-Book

Wenn wir bleiben könnten E-Book

Lily Brett

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16,99 €

Beschreibung

Lily Bretts Gedichte erzählen von der Liebe, der Sehnsucht und fundamentalen Familiengeheimnissen. Ihre Gedichte eröffnen ganze Welten, in denen sie ihre Rolle als Tochter, Mutter, Ehefrau und Freundin auslotet. In Momentaufnahmen setzt sie ihrer Familie ein Denkmal, ergründet beharrlich die Geschichte ihrer Eltern, die die Shoah überlebten. Präzise und konzentriert beschwört ihre Sprache die Macht der Erinnerung, ist lebenstrunken und wehmütig und besingt das Wunder des Überlebens mit leisen Worten und abgründigem Witz. Die Ausgabe präsentiert die Gedichte neben der Übersetzung auch im amerikanischen Original. In einem Vorwort erläutert Lily Brett ihre Auswahl, die sie für diesen sehr persönlichen, aufrichtigen Band getroffen hat.

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Seitenzahl: 42

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Lily Bretts Gedichte erzählen von Liebe, Sehnsucht und Erinnerungen. In Momentaufnahmen setzt sie ihrer Familie ein Denkmal, ergründet beharrlich die Geschichte ihrer Eltern, die die Shoah überlebten. Präzise und konzentriert beschwört ihre Sprache die Macht der Erinnerung, ist lebenstrunken und wehmütig und besingt das Wunder des Überlebens mit leisen Worten und abgründigem Witz.

 Als Tochter von Holocaust-Überlebenden hat sie ein lyrisches Werk geschaffen, in dem sie sich deren spezieller Lebenssituation, ihrer Sorgen und Nöte annimmt und das Unsagbare ausspricht. Ihre Gedichte zeigen den lebenslangen Prozess ihrer Arbeit an der Bewältigung des Geschehenen. Ihr gesamtes Werk ist der Versöhnung gewidmet.

 Der vorliegende Band schöpft aus dem gesamten lyrischen Werk Bretts, er versammelt die wichtigsten poetischen Texte der Autorin, die nun zum Großteil erstmals in deutscher Übertragung vorliegen.

Lily Brett wurde 1946 in einem Lager für Displaced Persons in Feldafing in Deutschland geboren. Ihre Eltern hatten im Ghetto von Lodz geheiratet; sie überlebten, voneinander getrennt, Auschwitz. Sechs Monate nach Kriegsende fanden sie einander wieder. 1948 wanderte die Familie nach Australien aus. Mit neunzehn Jahren begann Lily Brett für Go-Set, eine australische Rockmusik-Zeitschrift, zu schreiben und porträtierte zahlreiche Stars wie Jimi Hendrix oder Mick Jagger. Sie veröffentlichte sieben Gedichtbände, vier Bände mit Essays und Kolumnen sowie sechs Romane, darunter den internationalen Bestseller Chuzpe. Zuletzt erschien ihr Roman Lola Bensky. Heute lebt die Autorin in New York. Sie ist mit dem Maler David Rankin verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.www.lilybrett.com

Lily Brett

Wenn wir bleiben könnten

Ausgewählte Gedichte

Mit einem Vorwort von Lily Brett

eBook Insel Verlag Berlin 2014

Der vorliegende Text folgt der Erstausgabe, 2014.

© der deutschen Ausgabe Insel Verlag Berlin 2014

© Lily Brett 2014

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

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Satz: Satz-Offizin Hümmer GmbH, Waldbüttelbrunn

Covergestaltung: glanegger.com, München

Umschlagmotiv: © David Rankin, Lily, 1994

»Ich träume von Wörtern.«

Vorwort von Lily Brett

Ich habe Wörter immer geliebt. Als Kind in Australien musste ich meine Wörter sehr sorgfältig wählen. Meine Flüchtlingseltern, die sehr wenig Englisch konnten, bestanden darauf, dass ich nur englisch mit ihnen sprach. Dies reduzierte meinen Wortschatz und zwang mich, jedes Wort sorgsam abzuwägen.

Ich denke immer über Wörter nach. In meinem Kopf stelle ich Wörter zusammen und nehme sie wieder auseinander. Meine Tagträume handeln von Wörtern und woraus sie bestehen. Andere Leute haben Tagträume von Essen oder Wein oder Urlaub. Ich träume von Wörtern. Und manchmal auch von einem Lottogewinn.

Ich bin nicht die entspannteste Person der Welt. Gedichteschreiben beruhigt mich. Schreiben überhaupt beruhigt mich. Aber Gedichteschreiben ist ganz besonders beruhigend. Ich konzentriere mich außerordentlich auf jedes Wort, jeden Ausdruck, jeden Rhythmus. Ich liebe den Rhythmus der Wörter. Ich liebe sogar den Rhythmus der Sprachen, die ich nicht verstehe – ich höre Menschen, die Italienisch, Russisch, Spanisch, Koreanisch oder guyanesisches Kreolisch sprechen, gerne zu und genieße den Ton und die Sprachmelodie.

Ich höre Wörtern zu wie andere Menschen der Musik. Ich höre kaum je Musik. Ich bin ohne Musik aufgewachsen und suchte immer nach Ruhe. Ich wollte wegkommen vom Lärm der Alpträume und der allgegenwärtigen Angst um mich herum.

Ich mag Ruhe immer noch. Und vielleicht fürchte ich mich davor, mich in Musik zu verlieren, während es für mich etwas ganz Großartiges ist, mich im Klang der Wörter zu verlieren.

Wenn ich Gedichte schreibe, brauche ich dafür nur sehr wenig. Ein oder zwei Notizbücher, ein oder zwei Füller, einen Bleistift, einen Radiergummi und einen Bleistiftspitzer. Dies steht in starkem Kontrast zu der Ausrüstung, die ich benutze, wenn ich Romane oder Essays schreibe. Wenn ich Prosa schreibe, liegen neben mir verschiedenfarbige Büroklammern, ein Sortiment Neon-Marker, Dutzende von Füllern mit schwarzer Tinte und einige mit roter. Ich habe auch mehr Bleistifte, als ich zählen kann, einige Bleistiftspitzer, mindestens vier oder fünf Notizbücher auf einmal, ganze Packen von vielfarbigen Post-it-Zetteln und Radiergummis aus verschiedenen Teilen der Welt – die mexikanischen und die deutschen Radiergummis sind die besten.