Wenn zwei sich streiten ... - Viola Maybach - E-Book

Wenn zwei sich streiten ... E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. »Den Blonden da hinten finde ich richtig süß«, sagte Naomi Berghoff. »Guckt euch nicht so auffällig um, sonst merkt er doch gleich, dass wir über ihn reden!« Annika Köster grinste vergnügt. Sie hatte keinerlei Anstalten gemacht, sich umzudrehen, aber die Dritte im Bunde, Laura Renner, verrenkte sich natürlich trotz Naomis Bitte den Kopf. Typisch, dachte Annika. Sie interessierte sich kaum jemals für die jungen Männer, die Naomi und Laura wahlweise ›süß‹ oder ›scharf‹ fanden. Sie waren, wie Annika das bei sich nannte, ständig ›auf der Jagd‹, und vor allem konkurrierten sie dauernd miteinander. Beides verstand Annika nicht, aber letztlich war es ihr gleichgültig. Sie war gerne Single, was ihr Laura und Naomi freilich nicht glaubten. Zu ihrer Clique gehörten noch zwei Männer, Ivo Matuschek und Sebastian Kehlmann. An diesem Abend waren sie allerdings nur zu dritt unterwegs. Endlich wandte sich Laura wieder ihren Freundinnen zu. »Nicht mein Typ, zu blond für mich. Zwei Blonde zusammen, das passt irgendwie nicht, finde ich.« Der Blonde war natürlich längst auf sie aufmerksam geworden, was, wie Annika wusste, der Sinn der Sache gewesen war. Deshalb wunderte es sie nicht, als er sich wenig später, betont lässig, auf den Weg zu ihrem Tisch machte, wobei er hier und da stehenblieb, um die Sache noch etwas spannender zu machen. Schlechter Schauspieler, dachte Annika. »Er kommt!«, zischte Laura Naomi zu.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Der neue Dr. Laurin – 72 –Wenn zwei sich streiten ...

Liebt Fritz etwa die dritte Frau?

Viola Maybach

»Den Blonden da hinten finde ich richtig süß«, sagte Naomi Berghoff. »Guckt euch nicht so auffällig um, sonst merkt er doch gleich, dass wir über ihn reden!«

Annika Köster grinste vergnügt. Sie hatte keinerlei Anstalten gemacht, sich umzudrehen, aber die Dritte im Bunde, Laura Renner, verrenkte sich natürlich trotz Naomis Bitte den Kopf. Typisch, dachte Annika. Sie interessierte sich kaum jemals für die jungen Männer, die Naomi und Laura wahlweise ›süß‹ oder ›scharf‹ fanden. Sie waren, wie Annika das bei sich nannte, ständig ›auf der Jagd‹, und vor allem konkurrierten sie dauernd miteinander. Beides verstand Annika nicht, aber letztlich war es ihr gleichgültig. Sie war gerne Single, was ihr Laura und Naomi freilich nicht glaubten.

Zu ihrer Clique gehörten noch zwei Männer, Ivo Matuschek und Sebastian Kehlmann. An diesem Abend waren sie allerdings nur zu dritt unterwegs.

Endlich wandte sich Laura wieder ihren Freundinnen zu. »Nicht mein Typ, zu blond für mich. Zwei Blonde zusammen, das passt irgendwie nicht, finde ich.«

Der Blonde war natürlich längst auf sie aufmerksam geworden, was, wie Annika wusste, der Sinn der Sache gewesen war. Deshalb wunderte es sie nicht, als er sich wenig später, betont lässig, auf den Weg zu ihrem Tisch machte, wobei er hier und da stehenblieb, um die Sache noch etwas spannender zu machen. Schlechter Schauspieler, dachte Annika.

»Er kommt!«, zischte Laura Naomi zu.

Naomi setzte ein gleichgültiges Gesicht auf und sah interessiert in die andere Richtung. Zwei Minuten später war sie mit dem Blonden auf der Tanzfläche.

»Er ist wirklich süß, guck mal, er ist ganz verknallt in Naomi«, sagte Laura.

Annika blieb stumm, sie wusste nicht, was sie dazu hätte sagen sollen. Für sie sah es jedes Mal gleich aus, wenn sich ein junger Mann für Laura oder Naomi interessierte. Sie versuchte ja, es zu verstehen, aber es gelang ihr einfach nicht: Was war so toll daran, ständig auf der Suche nach einem Mann zu sein, nur um sich kurz darauf bereits gelangweilt wieder von ihm abzuwenden? Umgekehrt war es so, dass Laura und Naomi regelmäßig fassungslos waren, wenn Annika ihnen wieder einmal erklärte, wie schön sie ihr jetziges Leben fand. Und im Grunde, nahm sie an, glaubten die beiden ihr nicht.

Die Liebe war eindeutig nicht ihr Revier, das wusste sie schon länger. Nicht, dass ihr das etwas ausgemacht hätte. Oder dass sie grundsätzlich etwas gegen einen Freund einzuwenden gehabt hätte. Aber wann immer sie einen jungen Mann näher kennenlernte, wusste sie schon sehr bald, dass sie ihr Leben ohne ihn schöner fand. Sie wollte nichts daran ändern, jedenfalls nicht im Augenblick. Endlich stand sie auf eigenen Füßen, sie hatte eine hübsche kleine Wohnung, in der sie sich sehr wohl fühlte, niemand machte ihr Vorschriften, was sie zu tun und zu lassen hatte. Es kam ihr vor wie im Paradies.

Annika war ausgebildete Physiotherapeutin, arbeitete in einer Praxis mit nur drei Kolleginnen und zwei Kollegen zusammen und obwohl die Arbeit körperlich anstrengend war, war es doch genau das, was sie immer hatte machen wollen. Sie sah den meisten Menschen sofort an, wo ihre Probleme lagen – und den Rest fanden ihre Hände heraus. Außerdem hörte sie genau zu, wenn ihre Patientinnen und Patienten von ihren Leiden berichteten. Es gab nichts Schöneres für sie, als nach einer Behandlung die Worte zu hören: »Ich weiß nicht, wie Sie das gemacht haben, aber ich habe keine Schmerzen mehr.«

Sie empfand, was sie tat, als ihre Berufung, und so ging sie jeden Tag richtig gern zur Arbeit. Und dann hatte neulich auch noch ihre Chefin gesagt: »Du hast eine echte Begabung, Annika, nutze sie.« Da war sie richtig glücklich gewesen, uneingeschränkt glücklich.

Ja, sie hatte vor, ihre Begabung zu nutzen, denn abgesehen davon war sie nichts Besonderes, das stand mal fest. Sie war normal klug, normalgewichtig, normal groß, normal hübsch, normal nett, und das war völlig in Ordnung so. Sie war einen Meter siebzig groß, hatte lange Haare, die immer ein wenig unordentlich aussahen. Ihre Haarfarbe war so normal wie alles andere auch: dunkelblond. Sie war, so hatte sie einmal festgestellt, die Normalität in Person.

Ganz anders als ihre Freundinnen. Naomi war schwarzhaarig, Laura hellblond, das war schon auf den ersten Blick etwas anderes als schlichtes Dunkelblond. Und Annikas Augen waren einfach nur blau. Da gab es keine interessante Grünschattierung wie bei Laura oder braune Einsprengsel, und riesengroß waren sie auch nicht. Sie waren normal blau und normal groß. Das Gesicht war ein bisschen rund, ihr Mund war hübsch geschwungen, ihre Nase nicht sehr groß. Es war ein nettes Gesicht, fand sie, aber keins, das einem sofort im Gedächtnis blieb. Ihre Figur war gut, aber nicht so kurvig wie bei Laura, und so superschlank wie Naomi war sie auch nicht. Aber sie wollte ja auch nicht so sein. Wenn sie sich nur vorstellte, sie müsste wie ihre beiden Freundinnen dauernd ›auf der Jagd‹ sein, sich jeden Tag bemühen, die Schönste zu sein, die schicksten Klamotten zu tragen oder zwei Kilos loszuwerden, damit sie irgendeinem Ideal entsprach, dann wurde ihr schon ganz anders. Sie bewunderte Laura und Naomi dafür, dass sie diesen Dauerstress, jederzeit perfekt auszusehen, anscheinend mühelos auf sich nahmen, aber für sie wäre es nichts gewesen. Schon allein die Idee, sich jeden Morgen zu schminken, fand sie abwegig. Sie beobachtete Naomi und den Blonden, bis sie in der Masse der zuckenden Leiber auf der Tanzfläche verschwanden. Als sie sich Laura wieder zuwenden wollte, sah sie einen schmalen Dunkelhaarigen mit Brille, der vor ihrer Freundin stand – und sie sah Laura kurz zögern, bevor sie dem Mann auf die Tanzfläche folgte. Interessant, Laura mit einem Brillenträger. Sie war ziemlich wählerisch, was ihre Partner anging, die mussten immer blendend aussehen und auch sonst einiges zu bieten haben. Der Brillenträger sah normal gut aus, mehr nicht. Warum Laura wohl trotzdem mit ihm tanzte?

»Tanzt du auch?«, fragte jemand, der plötzlich vor ihr stand.

Ach je, dachte sie, der schon wieder. Ein pickeliger, dürrer Junge, der garantiert ein paar Jahre jünger war als sie. Sie vermutete, dass er nett war, aber er war so schüchtern, dass er für jeden Satz minutenlang Anlauf nehmen musste. Sie ahnte also, was es ihn gekostet hatte, zu ihr zu kommen und ihr diese Frage zu stellen. Sie waren sich schon einige Male begegnet. Noch nie hatte sie ihn in Gesellschaft gesehen.

Sie wusste, dass es ein Fehler war, aber wieder einmal siegte ihr Mitleid. Sie nickte und folgte ihm auf die Tanzfläche.

Nach einer Viertelstunde sagte sie ihm, sie wolle zurück an ihren Tisch, er solle ruhig noch weitertanzen. Dann ging sie schnell davon. Er machte sich wahrscheinlich ohnehin schon Hoffnungen, und sie wollte ihn darin nicht weiter bestärken.

Von Laura und Naomi war nichts zu sehen, das hatte sie auch nicht erwartet. Sie war froh, eine Weile allein am Tisch zu sitzen. Sie konnte Leute beobachten, ihnen Geschichten zuschreiben, ihre Gedanken hierhin und dorthin schweifen lassen. Ein paar davon würde sie später aufschreiben. Niemand wusste, dass sie Geschichten schrieb. Das tat sie schon, seit sie ein Teenager war, aber regelmäßig erst seit etwa zwei Jahren. Sie hatte Freude daran, und sie bezweckte damit nichts weiter. Es machte ihr einfach Freude.

Naomi verabschiedete sich bald darauf, sie verließ den Club mit dem Blonden zusammen. Laura kehrte zu Annika zurück.

»Was für ein Langweiler!«, stöhnte sie. »Weißt du, worüber er mit mir reden wollte? Über sein neues Fitness-Studio. Die Brille trägt er nur, damit er aussieht wie ein Intellektueller, stell dir das mal vor – das erzählt er mir auch noch.«

Sie konnte sich gar nicht wieder beruhigen.

»Lass uns tanzen«, schlug Annika vor. »Ich brauche noch ein bisschen Bewegung.«

Sie tanzten noch mehr als eine Stunde, bevor sie beschlossen, den Club zu verlassen. Danach kehrten sie noch in einer Kneipe ein, wo sie ein paar Freunde trafen, unter anderem Ivo und Sebastian. Dort blieben sie hängen. Alle tranken zu viel, amüsierten sich aber großartig.

Als Annika schließlich allein den Heimweg antrat, war es schon nach drei. Aber sie konnte sich am nächsten Tag ja ausschlafen, und das würde sie auch tun.

Abends würde Tamara zum Essen kommen, ihre kleine Schwester, die mittlerweile ein paar Zentimeter größer war als sie. Aber sie war einige Jahre jünger, würde also immer ihre ›kleine Schwester‹ bleiben.

In ihrer Wohnung reichte es gerade noch für eine Katzenwäsche, dann fiel Annika ins Bett und sofort in tiefen Schlaf.

*

Die sechzehnjährige Kaja Laurin, die bei einem Unfall ziemlich schwer verletzt worden war – sie hatte mehrere Rippen, sowie einen Arm und ein Bein gebrochen und saß vorübergehend im Rollstuhl – ging wieder zur Schule. Oder besser gesagt: Sie fuhr, und sie war froh darüber. Die Schule hatte ihr gefehlt, sie war sich wie eingesperrt vorgekommen. Abgesehen von ihrer Freude darüber, ihre Freundinnen und Freunde wiederzusehen, genoss sie auch die besondere Aufmerksamkeit, die ihr und ihrem Rollstuhl zuteilwurde. Ihre Laune war sofort deutlich besser geworden. Hinzu kam, dass der Autofahrer, der den Unfall verursacht hatte, endlich von seinem Anwalt zur Einsicht gebracht worden war: Er leugnete seine Schuld nicht länger, und so würde es wohl keinen in die Länge gezogenen Prozess mit Gutachtern geben.

Kajas Zimmer zu Hause war vorübergehend ins Erdgeschoss verlagert worden, ins Esszimmer. Ihre Eltern und Geschwister hatten sich bereits daran gewöhnt, dass es für ein paar Wochen etwas umständlicher sein würde, den Esstisch zu decken, denn der befand sich jetzt im Wohnzimmer, und das war von der Küche aus nicht mehr direkt zu erreichen. Verständlicherweise hatte Kaja darauf bestanden, dass die Tür, die Küche und Esszimmer miteinander verband, geschlossen blieb. Also musste alles durch den Flur getragen werden, aber nach ein paar Tagen war der neue Weg bereits allen ganz selbstverständlich, und niemand beschwerte sich über den Umweg.

An diesem Sonntagabend saß Familie Laurin vollzählig beim Abendessen: Antonia und Leon Laurin, die Eltern, sowie ihre vier Kinder, zu denen außer Kaja noch ihr Zwillingsbruder Konstantin, der drei Jahre jüngere Kevin und die elfjährige Kyra gehörten. Leon leitete die Kayser-Klinik, die von Antonias Vater Joachim Kayser gegründet worden war, er arbeitete aber weiterhin auch noch in seinen beiden medizinischen Fachgebieten, der Gynäkologie und der Chirurgie. Antonia hatte sich nach langen Jahren, in denen sie sich vornehmlich um die Kinder gekümmert hatte, wieder als Kinderärztin – gemeinsam mit ihrer Partnerin Maxi Böhler in eigener Praxis, die an die Kayser-Klinik angeschlossen war.

Ihr Wunsch, noch einmal ins Berufsleben einzusteigen, hatte zunächst für einige Unruhe in der Familie gesorgt, doch die hatte sich längst gelegt. Das war vor allem Simon Daume zu verdanken, der erst dreiundzwanzig Jahre alt war, ihnen aber seit Antonias Wiedereinstieg in den Beruf in hervorragender Weise den Haushalt führte. Er hielt nicht nur Haus und Garten in Ordnung, er kochte auch – und zwar so, dass die Familie das gemeinsame Abendessen jeweils nur noch wärmen musste.

Er war ein sehr begabter Koch, der davon träumte, später sein eigenes Restaurant zu führen und damit berühmt zu werden. Keiner in der Familie zweifelte daran, dass ihm das gelingen würde. Auch an diesem Abend genossen sie ohne Ausnahme, was er für sie vorbereitet hatte.

»Unsere Physiotherapeuten sind alle auf Monate hinaus ausgebucht, Kaja«, sagte Leon. »Dabei wäre es gut, wenn du bereits mit ein paar einfachen Übungen anfangen würdest. Aber ich möchte gar nicht erst den Eindruck erwecken, dass meine Tochter bevorzugt behandelt wird, während andere Patientinnen und Patienten ihretwegen länger warten müssen.«

»Das kommt ja auch gar nicht infrage«, sagte Kaja. »Ich kenne ein Mädchen an unserer Schule, deren Schwester Physiotherapeutin ist, die hat gesagt, sie fragt mal nach, ob es in der Praxis, wo ihre Schwester arbeitet, noch eine Möglichkeit gibt.«

»Wie heißt das Mädchen?«

»Tamara Köster«, antwortete Kaja. »Sie macht demnächst Abi. Ihre Schwester ist ein paar Jahre älter als sie und hat die Ausbildung vor Kurzem abgeschlossen. Tamara ist sehr nett, und sie sagt, ihre Schwester muss ziemlich begabt sein, weil sie sofort eingestellt worden ist und die Praxis ihr einen sehr guten Vertrag gegeben hat. Und sie hat noch erzählt, wenn sie mal Schmerzen hat, dass ihre Schwester ihr dann immer helfen kann. Sie meint, die fühlt Probleme im Körper mit den Händen.«

»Gute Physiotherapeuten können das – gute Osteopathen übrigens auch«, sagte Leon. »Ich habe nichts dagegen, wenn du es versuchst, Kaja. Im Gegenteil, es wäre mir sogar lieb, wenn es auf diese Weise klappte. Aber es sollte möglichst bald losgehen.«

»Tamara sagt mir morgen Bescheid«, erwiderte Kaja.

Leon nickte, und damit war das Thema erst einmal erledigt.

Antonia hatte Kevin bereits mehrere prüfende Blicke zugeworfen. Er war normalerweise der Unterhaltsamste am Esstisch, aber bislang hatte er noch keinen Ton von sich gewesen, sondern aß mit verschlossenem Gesicht, ohne auch nur einmal den Blick zu heben.

»Was ist los, Kevin?«, erkundigte sie sich schließlich. »Warum dieser düstere Blick?«

»Weil ich morgen wieder früh aufstehen muss«, lautete die trübselige Antwort. »Es geht mir gerade so richtig gut, wie jeden Sonntagabend – und morgen geht das Elend wieder los. Wenn ich nur daran denke, wie um halb sieben der Wecker klingelt, dreht sich mir schon der Magen um.«

Alle anderen betrachteten ihn voller Mitgefühl. Kevin war als Einziger in der Familie eine typische Nachteule, er fand selten vor zwei Uhr ins Bett – mit dem Erfolg, dass er, je weiter die Woche fortschritt, immer müder wurde. Er hatte schon oft versucht, früher einzuschlafen, doch ohne Erfolg. Deshalb dienten ihm die Wochenenden vor allem dazu, endlich auszuschlafen, was er auch tat.

»Ihr glaubt gar nicht«, fuhr er fort, »wie ich mich auf die Zeit freue, wo das mit dem frühen Aufstehen vorbei ist. Ich nehme keinen Job an, bei dem man das muss, das steht fest. Wahrscheinlich mache ich mich am besten selbstständig.«

»Wenn du Ingenieur wirst, musst du da nicht früh aufstehen?«, fragte Kyra.