Wenzeslaus, der Gabber-Gnom - Shillelagh O'Donell - E-Book

Wenzeslaus, der Gabber-Gnom E-Book

Shillelagh O'Donell

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Beschreibung

Schund: Das ist Abenteuer und Action pur! In dieser brandneuen Anthologie-Reihe ist für jeden etwas dabei. Fantasy, Science-Fiction, Cyberpunk, Western, Horror, Mystery, nichts muss, alles kann. Wechselnde Autoren stellen in jeder neuen Ausgabe eine ihrer fantastischen Welten und Charaktere vor. Schund ist Pulp in seiner reinsten Form. Rasante Unterhaltung für das 21. Jahrhundert! Willkommen zurück im Knochenwald – einem Ort, an dem das Unterholz flüstert, verfallene Ruinen sich regen und der Wahnsinn niemals weit entfernt ist. Gruseljakob, der kürbisköpfige Magier mit Hang zu seltsamen Gebräuen, und Fleischbär, das Muskelpaket mit Herz und Pranke, ahnen nichts Böses, als plötzlich ein tanzender Gnom in Warnweste vor ihrer Hütte steht – Wenzeslaus, der Gabber-Gnom. Aus seiner Boombox dröhnen synthetische Bässe, doch seine Botschaft ist düster: Höllenbernd, ein größenwahnsinniger Möchtegern-Diktator mit zweifelhafter Frisur und Hang zu kaputter Technik, plant Unheilvolles in einer längst vergessenen Ruinenstadt. Gemeinsam machen sich die drei ungleichen Helden auf eine Reise voller schräger Begegnungen, maroder Maschinen und unerwarteter Gefahren. Doch Höllenbernd ist nicht allein: Bernardo, die elektrische Katze, wartet nur auf den perfekten Moment für seinen eigenen Coup. Ein aberwitziges Fantasy-Abenteuer voll absurdem Chaos und herzlicher Kameradschaft – für alle, die ihre Magie mit einem Beat und einem Augenzwinkern mögen.

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Seitenzahl: 73

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Shillelagh O’Donell

Schund

# 9

Wenzeslaus, der Gabber-Gnom

I M P R E S S U MSchund

# 9

Wenzeslaus, der Gabber-Gnom

Shillelagh O’Donell© 2025 Shillelagh O’DonellAlle Rechte vorbehalten.Shillelagh O’DonellHorner Landstr. 126

22111 Hamburg

[email protected]

Wenzeslaus, der Gabber-Gnom

Dichter Dampf kroch an den Balken entlang und formte gespenstische Gestalten, die sich in der stickigen Luft von Gruseljakobs windschiefer Hütte langsam auflösten. Die Wände knarrten wie alte Knochen, die sich ungern bewegten, und durch die verrußten Fenster fiel kaum Licht, außer dem flackernden Schein des Kessels in der Mitte des Raumes.

Gruseljakob stand mit verschränkten Armen vor seinem dampfenden Gebräu. Die Flammen unter dem alten Kessel knisterten in einem geisterhaften Grün. Krähenfüße, Schattenmoos, zersplitterte Phasensteine, das übliche eben – doch diesmal war etwas anders. Ein Tropfen einer durchscheinenden Essenz hing an der Spitze seiner Knochennadel und schimmerte wie flüssiger Nebel.

„Wenn das hier nicht endlich die Erinnerungen des Moosgreises wieder freilegt, fress ich meinen eigenen Kürbiskopf“, brummte Gruseljakob und stupste mit der Nadel in den Trank. Es zischte leise, dann spuckte der Kessel eine Rauchwolke aus, die in der Luft die Form eines lachenden Totenschädels annahm.

Fleischbär, der regungslos auf einem mit Pilzen überwucherten Hocker saß, knabberte an einem hölzernen Käfer-Snack. Seine langen Arme baumelten lässig herab, während seine bernsteinfarbenen Augen wachsam auf die brodelnde Brühe starrten.

„Sag mal, Jakob … das Zeug riecht wie verbrannte Träume und Pilzsocken. Bist du sicher, dass das trinkbar ist?“

Gruseljakob fuhr herum. „Es ist kein Tee für Sonntagspicknicks, mein guter Bär. Dies ist ein Erinnerungsbrecher, ein Seelensud, ein…“

„Ein Magen-Durchbruch, wenn du mich fragst“, brummelte Fleischbär, während er sich vorsichtig vom Hocker erhob und an den Kessel herantrat. „Ich erinnere mich an das letzte Mal, als du einen Sud zusammengebraut hast. Drei Tage lang hab ich in Spiralen gesprochen und einen Specht geheiratet.“

Gruseljakob schnaufte verächtlich. „Der Specht war immerhin höflich. Außerdem war das ein Unfall. Dieses Mal habe ich die Zutaten exakt nach dem Manuskript des Flüsterbuchs abgewogen.“

„Dem Buch, das ständig seine Seiten ändert, wenn man nicht hinschaut?“

„Exakt dem.“ Jakob grinste. Sein ausgehöhlter Kürbiskopf verzog sich zu einem schiefen Lächeln. „Ich nenne es Fortschritt mit Überraschungspotenzial.“

Fleischbär schnaubte amüsiert, doch sein Blick wanderte zum Fenster. Draußen raschelte der Knochenwald. Äste wie Finger, Nebelschwaden, die über den Boden schlichen wie vergessene Gedanken. Etwas war in Bewegung. Keine Bedrohung – noch nicht. Aber ein Flüstern ging durch das Unterholz.

„Du fühlst es auch, oder?“, murmelte Fleischbär.

Gruseljakob nickte langsam. „Ja. Der Wald zieht sich zusammen wie eine Lunge vor dem Schrei. Irgendwas kommt. Etwas Altes. Etwas Dummes vielleicht.“

„Oder beides“, knurrte Fleischbär. „Wir sollten bald aufbrechen.“

„Wohin denn?“, fragte Jakob, der mit einem leisen „Plopp“ einen letzten Löffel Moosschaum in den Trank rührte.

„Wohin der Wald uns führt“, antwortete Fleischbär und streckte seine krallenbewehrte Hand aus. „Und wohin du deinen dampfenden Hexen-Eintopf auch mitnimmst, ich trag ihn bestimmt nicht.“

„Oh, du wirst ihn lieben. Spätestens, wenn du ihn brauchst.“

Ein plötzliches, energisches Klopfen riss die beiden Gefährten aus ihrem Gespräch. Es war kein vorsichtiges Anklopfen, sondern ein hektisches, nahezu rhythmisches Hämmern, begleitet von einem dumpfen Wummern, das offenbar nicht nur von draußen kam, sondern den Boden der Hütte leicht erbeben ließ.

Fleischbär, dessen massive Gestalt selbst in der dämmrigen Hütte eine imposante Silhouette abgab, knurrte leise und erhob sich von seinem Hocker. Er war ein gewaltiges Wesen, halb Tier, halb Rätsel: Sein Leib war bedeckt von Fleischlappen, seine Tatzen waren groß genug, um einen Schädel mit einem Hieb zu zerschmettern. Zwischen den Zähnen kaute er noch an einem trockenen Käferflügel, als er zur Tür stapfte und sie aufzog.

Im nächsten Moment ergoss sich eine Lawine aus Licht und Klang in die Hütte.

„WUBWUBWUB—TSCHAK—TSCHAK—WUB—WUB—TSCHAK!“

Fleischbär zuckte zurück. Vor der Tür tanzte ein winziges Wesen, das bei jedem Bassschlag wie von einer unsichtbaren Kraft durch die Luft geschleudert wurde. Es war zweifelsfrei ein Gnom, aber von einer Sorte, die man nicht alle Tage sah. Der Gnom trug eine knallorange Weste mit reflektierenden Pilzmustern, dazu eine mit Nieten besetzte Hose aus Moosleder und einen neonfarbenen Kopfschmuck, der wie ein überreizter Farn aus seinem Kopf zu sprießen schien.

An seinem Gürtel baumelte ein zylindrisches Gerät, das zu vibrieren schien wie ein lebendiger Organismus. Es schoss die ohrenbetäubenden Beats in die Welt hinaus, begleitet von grell blinkenden Lichtern. Der Gnom bewegte sich dazu mit erschreckender Präzision, wild, zuckend, ekstatisch.

Fleischbär hielt sich mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck die Ohren zu. „Was bei allen Grabmooren ist DAS denn?!“

„Ein Lärmgeist?“, brummelte Gruseljakob, während er sich mühsam von seinem Kessel abwandte. Er war eine groteske Erscheinung: ein schlanker Körper, der aus alten Leinen und mit Knochen verstärkten Stofflagen bestand, auf dessen Schultern ein ausgehöhlter Kürbiskopf thronte. In die Oberfläche waren seltsame Runen geschnitzt, sein Gesicht bestand aus einem rußigen Grinsen und glühenden Augenhöhlen. Seine langen, knochigen Finger zuckten bereits nervös, bereit, notfalls einen Bannspruch loszulassen.

„EY, BRUDIS!“, rief der Gnom, ohne mit dem Tanzen aufzuhören, „GEILE VIBES HIER! DIESER WALD KNALLT, ALTER!“

Gruseljakob machte eine beschwörende Handbewegung, dann donnerte seine Stimme durch die Hütte: „HALT EIN, WER AUCH IMMER DU BIST! SCHALT DEN DÄMONENLÄRM AB ODER ICH VERWANDELE DICH IN EINEN TANZENDEN KACKHUTZEL!“

Der Gnom stockte tatsächlich für einen Moment, schaute verwirrt, kramte an seinem Gürtel und drückte dann eine winzige Stachelbeere auf dem Gerät. Mit einem letzten „TSCHAK!“ verstummte der Lärm.

„Boah, sorry! Ich vergess das immer! Wenn ich einmal drinne bin im Beat, ne? Da geht der kleine Wenzeslaus halt ab wie ’ne Sporenkapsel auf Drachengras!“

Er verbeugte sich schwungvoll, so tief, dass sein neonfarbener Kopfschmuck kurz den Boden küsste.

„Ich bin Wenzeslaus – DER Gabber-Gnom! Musikbote, Beatbeschwörer und zertifizierter Funkemischer aus dem Bass-Tal. Ich hab eure Frequenzen gespürt. Dachte, ich bring mal etwas Energie in die Bude!“

Fleischbär schnaubte misstrauisch. „Energie? Du hast fast meine Trommelfelle zersprengt, Kleiner.“

Gruseljakob neigte leicht den Kopf. „Wenzeslaus, sagst du…? Nun, wenn du kein Irrsinnsdämon bist, und ich bin mir da noch nicht ganz sicher, dann tritt ein. Aber tritt leise.“

Der Gnom grinste über beide spitzen Ohren und hüpfte mit einem akrobatischen Satz in die Hütte. „Klaro, Alter! Ich kann auch flüstern – mit der Hüfte!“ Er warf eine komplizierte Tanzbewegung ein, bei der seine Fersen einmal den eigenen Rücken berührten.

Gruseljakob seufzte.

Fleischbär schloss wortlos die Tür hinter dem vibrierenden Gnom. „Ich habe das ungute Gefühl, dass das hier gleich sehr anstrengend wird.“

Gruseljakob blickte auf den noch dampfenden Kessel. „Dann hoffen wir, dass der Trank stärker ist als seine Beats.“

Der Gnom ließ sich auf einem Hocker nieder, natürlich im Schneidersitz, mit den Füßen wippend im Takt eines imaginären Basses, und grinste breit:

„Also, Jungs… Was geht ab im Knochenwald? Hab gehört, hier passiert Magie. Und wenn’s irgendwo flimmert, will der Wenzeslaus mittanzen!“

Fleischbär stemmte sich mit einem Brummen in die Lehne eines grob gezimmerten Stuhls. „Also, Gnom. Was genau führt dich in diese Ecke des Knochenwaldes? Du siehst nicht gerade aus wie jemand, der zufällig durch den düsteren Morast tanzt.“

Wenzeslaus grinste schief und schob sich eine zischende Pilzkapsel zwischen die Lippen, die kurz aufleuchtete. Dann nickte er, nun ernster als bisher. Seine wippende Hüfte kam endlich zur Ruhe.

„Ihr habt recht. Ich bin nicht zufällig hier.“

Er holte ein kleines, knisterndes Päckchen aus seiner Tasche, eine Mischung aus Pilzsporen, phosphoreszierenden Käfern und etwas, das wie geriebene Rinde roch, und warf es ins Feuer. Es knisterte, eine violette Rauchwolke stieg auf, und für einen Moment roch es nach Blitzschlag und feuchter Erde.

„Ich wurde geschickt“, sagte Wenzeslaus. „Und zwar vom Rat der Rhizom-Grotten. Wisst ihr, nicht alle Gnome wohnen in Pilzen und kichern mit den Schnecken. Einige von uns haben Aufgaben. Verantwortung. Wir hören Dinge… durch die Pilzadern. Die alten Netzwerke. Der Boden spricht, und wir hören zu.“

Gruseljakob lehnte sich leicht vor. Seine glühenden Augenhöhlen verengten sich wie neugierig zusammengezogene Kerzenflammen. „Die Pilzadern also... Das alte Netzwerk unter dem Knochenwald. Es lebt noch?“

„Oh, es lebt nicht nur“, sagte Wenzeslaus. „Es brodelt. Es bebt. Und etwas stört den Rhythmus. Etwas Dunkles. Verrücktes. Unausgegorenes. Die Sporen erzählen von... Bewegung. Verzerrten Energien. Und einem Namen.“

Er sah beide ernst an.

„Höllenbernd.“

Fleischbär verzog das Gesicht. „Höllenbernd?! Klingt wie ein billiger Freizeitbösewicht.“

„Ich wünschte, es wäre so“, erwiderte der Gnom. „Höllenbernd war einst ein drittklassiger Illusionist mit Hang zum Größenwahn. Aber dann ist er verschwunden. Tief in die südliche Dunkelwildnis, dorthin, wo die Ruinen liegen. Eine Stadt aus alten Zeiten. Vergessene Götzen, uralte Glyphen, und darunter… Labyrinthe.“

Gruseljakob verschränkte die langen Finger seiner knochigen Hände. „Und jetzt ist er zurück?“

„Er hat sich eingenistet“, sagte Wenzeslaus. „Hat sich einen Thron gebaut aus Spiegelscherben und Halbwissen. Spielt den Tyrannen. Und er hat etwas gefunden… etwas, das nicht gefunden werden sollte.“

„Und du?“, fragte Fleischbär, die Stirn gerunzelt. „Warum schickt der Rat ausgerechnet dich? Einen Tänzer mit Bass im Herzen?“