Wer bist du, Jasmin? - Viola Maybach - E-Book

Wer bist du, Jasmin? E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an. Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt. Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen. Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert. Der neue Dr. Laurin Nr. Wer bist du, Jasmin? Jasmin Körber betrachtete sich aufmerksam im Spiegel. Sie sah aus wie immer: schmales, hübsches Gesicht, dunkle lockige Haare, blaue Augen. Sie bildete sich nichts darauf ein, dass sie hübsch war, sie fand das unangemessen. Schließlich hatte sie nichts für ihr gutes Aussehen getan, sie war so auf die Welt gekommen. Es gab andere, die sich wer weiß was auf ihr Aussehen einbildeten, damit konnte sie nichts anfangen. Geschminkt hatte sie sich nur wenig, sie mochte keinen ›Kleister‹ im Gesicht, aber weil sie auf eine Party gehen wollte, hatte sie sich die Wimpern getuscht, ihre blauen Augen mit einem etwas dunkleren Stift umrandet und einen brombeerfarbenen Lippenstift aufgetragen, der perfekt zu ihrem Top passte. Sie trat ein paar Schritte zurück, drehte sich einmal nach rechts, einmal nach links, fand auch an ihrem Outfit nichts auszusetzen und ließ sich erleichtert auf ihr Bett plumpsen. Sie griff nach den Tabletten, die auf ihrem Nachttisch lagen, drückte eine aus der Packung und nach kurzem Überlegen eine zweite. Eine dritte steckte sie in das Pillendöschen der kleinen Tasche, die sie mitnehmen würde. Sie schluckte zwei Tabletten, spülte mit viel Wasser nach, schlüpfte in ihre Schuhe und griff nach ihrem Handy. »Bin fertig«, schrieb sie. »Bin in zwei Minuten da«, lautete die Antwort. Sie lächelte, zog sich noch eine Jacke an, eilte in den Flur, schnappte sich die Schlüssel und verließ die Wohnung. Als sie auf die Straße trat, war Isa schon da – Isabella Wedel, ihre beste Freundin. Sie begrüßten sich mit einer Umarmung, wie immer.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Der neue Dr. Laurin – 64 –Wer bist du, Jasmin?

Ein Missverständnis kommt selten allein

Viola Maybach

Jasmin Körber betrachtete sich aufmerksam im Spiegel. Sie sah aus wie immer: schmales, hübsches Gesicht, dunkle lockige Haare, blaue Augen. Sie bildete sich nichts darauf ein, dass sie hübsch war, sie fand das unangemessen. Schließlich hatte sie nichts für ihr gutes Aussehen getan, sie war so auf die Welt gekommen. Es gab andere, die sich wer weiß was auf ihr Aussehen einbildeten, damit konnte sie nichts anfangen.

Geschminkt hatte sie sich nur wenig, sie mochte keinen ›Kleister‹ im Gesicht, aber weil sie auf eine Party gehen wollte, hatte sie sich die Wimpern getuscht, ihre blauen Augen mit einem etwas dunkleren Stift umrandet und einen brombeerfarbenen Lippenstift aufgetragen, der perfekt zu ihrem Top passte. Sie trat ein paar Schritte zurück, drehte sich einmal nach rechts, einmal nach links, fand auch an ihrem Outfit nichts auszusetzen und ließ sich erleichtert auf ihr Bett plumpsen. Sie griff nach den Tabletten, die auf ihrem Nachttisch lagen, drückte eine aus der Packung und nach kurzem Überlegen eine zweite. Eine dritte steckte sie in das Pillendöschen der kleinen Tasche, die sie mitnehmen würde. Sie schluckte zwei Tabletten, spülte mit viel Wasser nach, schlüpfte in ihre Schuhe und griff nach ihrem Handy.

»Bin fertig«, schrieb sie.

»Bin in zwei Minuten da«, lautete die Antwort.

Sie lächelte, zog sich noch eine Jacke an, eilte in den Flur, schnappte sich die Schlüssel und verließ die Wohnung.

Als sie auf die Straße trat, war Isa schon da – Isabella Wedel, ihre beste Freundin.

Sie begrüßten sich mit einer Umarmung, wie immer. »Alles gut?«, fragte Isa.

»Ja, bestens.«

»Kein Schwindel heute?«

»Zum Glück nicht, und auch keine Kopfschmerzen. Ich habe aber vorsichtshalber zwei Tabletten genommen, ich will heute einfach nur fröhlich sein und an nichts Unangenehmes denken.«

Isa hängte sich bei Jasmin ein. »Da kommen ein paar Leute, die niemand kennt«, sagte sie. »Das hat mir Tanja verraten.«

Tanja Gebhardt war das Geburtstagskind, das heute gefeiert wurde – sie hatte die magische Zahl fünfundzwanzig erreicht.

»Hoffentlich gibt es keine bösen Überraschungen, so wie letztes Mal bei Sven, weißt du noch? Wo sich die angeblich supernetten Leute, die er gerade im Urlaub kennengelernt hatte, zugekifft haben, nachdem sie ihren mitgebrachten Schnaps getrunken hatten. Und dann ist allen schlecht geworden.«

Isa schauderte.

»Erinnere mich nicht daran. Wir haben das ganze Wochenende gebraucht, um die Spuren in der Wohnung zu beseitigen, weil doch Svens Eltern weggefahren waren. Wenn die gesehen hätten, wie es da aussah … Und wie das gestunken hat! Ich glaube, Sven gibt nie wieder eine Party, wenn seine Eltern weg sind.«

»Die waren aber auch eklig, die Typen«, erinnerte sich Jasmin. »Ich mochte die von Anfang an nicht und habe mich gleich gefragt, was Sven an denen gefunden hat. Er konnte es dann später auch nicht mehr so richtig erklären.«

»Ich glaube«, sagte Isa, »er hatte sich in die Schwester von einem von denen verknallt. Das wollte er dann nur nicht mehr zugeben.« Sie kicherte. »Er hatte ziemliche Angst, dass wir die Wohnung nicht wieder hinkriegen.«

Eine Weile gaben sie sich noch diesen Erinnerungen hin – es war zwar schrecklich gewesen, aber jetzt, in der Rückschau, natürlich nur noch halb so schlimm, denn alles war ja gutgegangen – dann sagte Jasmin: »Du weißt Bescheid: Wenn ich merke, dass ich doch Kopfschmerzen kriege, verdrücke ich mich unauffällig.«

»Klar, ich sage, dass du einen Anruf von jemandem bekommen hast, der dringend deine Hilfe braucht.« Nach einer kurzen Pause setzte Isa hinzu: »Du solltest endlich mal mit deinem Hausarzt reden, auch wenn diese Schwindelgeschichten bei euch in der Familie liegen. Du bist fünfundzwanzig, Jasmin, das ist doch nicht normal! Und das mit den Kopfschmerzen auch nicht.«

»Die sind ja neu, vorher hatte ich nie Kopfschmerzen«, sagte Jasmin. »Aber du hast recht. Ich mache einen Termin bei Dr. Jacobs, ich verspreche es dir.«

»Es würde dir ja auch bessergehen, wenn du wüsstest, was mit dir los ist.«

»Ja, wahrscheinlich. Ich hatte gehofft, der Schwindel würde von selbst verschwinden. Das wäre mir natürlich am liebsten gewesen.«

Sie ließen sich Zeit auf ihrem Weg. Die erste Stunde einer Party war ohnehin immer ein bisschen langweilig, es schadete nicht, wenn man später kam, und so erzählten sie sich noch, wie so oft, ein paar Bürogeschichten der zurückliegenden Wochen.

Jasmin arbeitete bei einer Versicherung, Isa war Reisekauffrau und von einem großen Reiseveranstalter angestellt worden. Sie kannten sich schon seit der ersten Klasse, waren zusammen aufs Gymnasium gegangen, hatten Abitur gemacht und erst dann unterschiedliche Wege eingeschlagen. Ihre Freundschaft hatte das nicht beeinträchtigt, im Gegenteil, jetzt hatten sie sich noch mehr zu erzählen als vorher.

Beide wollten in München bleiben. Zwischendurch hatten sie sogar einmal zusammengewohnt, in einer Wohngemeinschaft, aber das war nur ein kurzes Zwischenspiel gewesen. Jetzt hatte jede von ihnen eine kleine Wohnung, sie waren nicht direkt Nachbarinnen, aber doch beinahe, und so fanden sie es perfekt.

Isa hatte eine eher unangenehme Woche hinter sich, es tat ihr gut, sich noch etwas bei Jasmin auszuweinen. Aber als sie sich dem hell erleuchteten Haus näherten, das Tanjas Eltern gehörte, war die zurückliegende Woche vergessen.

Tanja wohnte noch bei ihren Eltern, sie fand es bequem und angenehm und sah nicht ein, dass sie darauf verzichten sollte, wo sie doch noch kein Geld verdiente. Tanja studierte Architektur, aber sie war nicht besonders ehrgeizig, was sie auch offen zugab. Ihre Eltern waren vermögend, sie hatte es einfach nicht nötig – so sagte sie es auch selbst.

»Ich bin nicht stolz drauf«, hatte sie Jasmin einmal anvertraut, »aber ich weiß einfach nicht, warum ich mich anstrengen soll, wenn ich es doch gar nicht muss. Das Leben ist so kurz, ich will das genießen.«

Jasmin und Isa mochten Tanja gern, auch wegen dieser Offenheit und weil sie kein bisschen eingebildet war. Manchmal beneideten sie Tanja, aber im Grunde waren sie doch beide der Ansicht, dass es besser war, wenn man von den Eltern nicht allzu sehr verwöhnt wurde. Bei ihnen jedenfalls war davon nicht die Rede gewesen. Sowohl Isas als auch Jasmins Eltern mussten mit ihrem Geld haushalten, was die beiden jungen Frauen nur zu gut wussten, hatte eine gewisse Geldknappheit doch vor allem in ihrer Teenagerzeit oft genug der Erfüllung ihrer Herzenswünsche im Weg gestanden.

Die Party war, wie sich herausstellte, bereits in vollem Gange. Sie wurden mit großem Hallo begrüßt und fühlten sich sofort wie zu Hause. Erst nach und nach sahen sie hier und da ein fremdes Gesicht zwischen den vielen vertrauten, aber nirgends gab es, wie damals bei Sven, eine ganze unbekannte Clique, die zusammenhockte und ihr eigenes Ding machte.

Jasmin bekam ein Glas Wein in die Hand gedrückt, an dem sie nippte, bevor sie den Wein unauffällig in einen Blumentopf goss und das Glas mit Wasser wieder auffüllte, das sie mit etwas Apfelsaft so färbte, dass es wie Wein aussah.

Sie hatte mittlerweile Übung darin, so zu tun, als ob sie Alkohol trank. Sie wollte nicht als Spielverderberin gelten, aber so wurde es von einigen Leuten aufgefasst, wenn sie sagte, dass sie keinen Alkohol trinken wollte, also ließ sie es. So war es einfacher. Manchmal fand sie sich selbst feige, aber es war ihr zu mühsam, immer wieder zu erklären, dass sie Alkohol nicht mehr vertrug. Noch vor ein paar Jahren war das anders gewesen, da hatte sie beim Trinken gut mithalten können, aber mittlerweile verstärkte sich ihr Schwindel, wenn sie trank, und immer öfter bekam sie jetzt auch noch Kopfschmerzen davon. Darauf konnte sie gut verzichten.

Sie würde tanzen heute Abend. Sie tanzte für ihr Leben gern, dabei fühlte sie sich leicht und frei, sie konnte vergessen, was ihr Kummer bereitete. Im Augenblick war das vor allem ihr Kopf, denn mit dem stimmte etwas nicht, das spürte sie. Isa hatte ihr schon mehrmals gesagt, sie solle endlich mit ihrem Arzt darüber reden, aber was Isa nicht verstand, war, dass sie Angst davor hatte. Angst vor dem, was eine Untersuchung möglicherweise ans Licht bringen würde. Ja, sie würde mit Dr. Jacobs reden, aber noch nicht gleich. Ein bisschen Zeit würde sie sich noch nehmen.

Sie trank ihr Wasser-Apfelsaft-Gemisch und stellte das Glas in dem Moment ab, in dem jemand vor ihr stehen blieb – einer von den Neuen. Er stand einfach da und lächelte auf sie herunter. Er war einen guten Kopf größer als sie, und sie war selbst nicht gerade klein. Er hatte hellbraune Haare, die er ziemlich lang trug, sie fielen ihm bis auf die Schultern. Seine Augen waren ebenfalls braun, aber viel dunkler als die Haare. Er hatte Wimpern, um die ihn jede Frau beneidet hätte: Sie waren lang und dicht. Seltsam, dass ihr das auffiel. Seit wann achtete sie bei Männern darauf, wie ihre Wimpern aussahen?

Er hatte noch kein Wort gesagt, stand nur vor ihr und sah sie an, als studierte er ein besonders interessantes Objekt.

»Ist was?«, fragte sie.

»Lust zu tanzen?«, fragte er. »Ich bin übrigens Marvin, und ich tanze nicht gern allein.«

»Jasmin. Ja, große Lust, und ich tanze auch nicht gern allein.«

Sie lächelten einander an, er nahm ihre Hand und bahnte sich mühelos einen Weg durch die vielen Leute, die überall in Grüppchen herumstanden. Das Haus von Tanjas Eltern war ziemlich groß, also gab es ein richtiges Tanzzimmer, das fast völlig leergeräumt worden war. Die Musik gefiel Jasmin, sie legte gleich los, Marvin ebenfalls. Er schien kein Freund vieler Worte zu sein, was sie angenehm fand. Sie hasste es, wenn Männer beim Tanzen versuchten, Konversation zu machen. Dann brüllten sie gegen die Musik an, was sie noch schlimmer fand als die meist banalen Sprüche, die ihnen einfielen, um überhaupt ins Gespräch zu kommen.

Sie tanzten eine halbe Stunde, dann machte der DJ – es war Ricky, wie immer, er wusste am besten, welche Musik man zu welcher Zeit auflegen musste – eine Pause, um etwas zu trinken.

»Ich brauche ein Wasser«, sagte Marvin, »und du?«

»Ich auch, bitte«, antwortete Jasmin, erfreut darüber, dass sie nicht herumdrucksen oder ein Wasser ›zum Wein‹ bestellen musste.

»Kommt sofort.«

Er verschwand und war so schnell wieder da, dass sie sich fragte, wie er das hingekriegt hatte. Sie wusste schließlich, dass die Küche bei einer Party immer der am stärksten belagerte Ort war. Zu manchen Zeiten war es dort so voll, dass kein Durchkommen mehr war.

Marvin hingegen war nicht nur schnell zurück, er hatte sogar gleich eine ganze Flasche Wasser mitgebracht, sie konnte ihr Glück kaum fassen. Er schien ihre Gedanken zu erraten, denn er sagte mit breitem Lächeln: »Wasser ist gerade nicht so gefragt, die stehen alle für Wein oder Bier an. Und wenn wir was essen wollen, könnte es auch schwierig werden, jedenfalls im Moment.«

»Ist nicht eilig bei mir«, versicherte Jasmin. »Ich hoffe nur, dass später noch genug da ist.«

Er lachte. »Mehr als genug. Ich glaube, da gibt es sogar ein paar gute Geister im Hintergrund, die dafür sorgen, dass das Büffet immer wieder aufgefüllt wird.«

Er sah sich um.

»Ich kenne Tanja noch nicht lange. Ihre Eltern scheinen ziemlich reich zu sein.«

»Ja, das sind sie. Aber trotzdem nett.«

»Trotzdem? Was meinst du damit? Dass reiche Leute normalerweise nicht nett sind?«

»Ich kenne nicht so viele, dass ich wüsste, wie sie normalerweise sind, aber es gibt ein paar, die sich etwas auf ihren Reichtum einbilden, das mag ich nicht so sehr. Tanja ist überhaupt nicht so, ihre Eltern sind auch nicht so. Ich kann arrogante Leute nicht ausstehen, und ich glaube, Reiche sind eher arrogant als arme, weil sie denken, dass sie mehr Grund haben, auf andere herabzusehen. Deshalb habe ich ›trotzdem‹ gesagt.«

Sie wusste nicht genau, warum sie sich so lange rechtfertigte, aber sie wollte auf keinen Fall, dass er einen falschen Eindruck von ihr bekam. Klar, sie hatte Vorurteile, wie fast alle Menschen, aber sie bemühte sich, diese nicht überhand nehmen zu lassen.

»Verstehe. Ich glaube, ich kannte bis jetzt niemanden, der richtig reich ist, insofern kann ich mir überhaupt kein Urteil erlauben«, gestand er freimütig. »Was machst du beruflich?«

»Ich bin bei einer Versicherung angestellt, obwohl ich anfangs nicht wusste, ob das etwas für mich ist. Aber tatsächlich macht es mir Spaß. Andere finden es schrecklich, sich mit Verträgen und so auseinanderzusetzen, aber ich mache das gern. Und ich rede auch gern mit Leuten, wenn sie uns bitten, ihnen etwas zu erklären oder ihnen zu helfen, aus einem Vertrag auszusteigen, der viel zu teuer und unnötig für sie ist.«

»Das heißt, ihr gehört zu den Guten?«

»Wir müssen auch Geld verdienen, das ist ja klar, aber grundsätzlich würde ich schon sagen: Ja, wir gehören zu den Guten. Und du? Was machst du?«

»Ich bin Architekt, blutiger Anfänger natürlich. Ab und zu mache ich eine Veranstaltung an der Uni – so eine Art Einführung für Erstsemester, damit sie einen besseren Überblick haben und sich schneller orientieren können. So habe ich Tanja kennengelernt.«

»Tanja ist doch kein Erstsemester mehr.«

»Nein, aber sie hat geholfen, die letzte Veranstaltung vorzubereiten, wofür ich ihr sehr dankbar war. Ich weiß, dass sie nicht gerade zu den eifrigsten Studentinnen gehört, das hat sie mir selbst erzählt, aber sie kennt an der Uni praktisch jeden, der irgendwie mit Architektur zu tun hat. Wir haben uns gleich verstanden.«

Jasmin nickte. »So war das bei uns auch. Isa und ich sind gut mit Tanja befreundet, wir mochten sie gleich.«

»Wer ist Isa?«

Jasmin wies zur Tür, wo Isa gerade aufgetaucht war, mit Tom im Schlepptau. »Die Blonde an der Tür. Sie ist meine beste Freundin«, erklärte sie.

Isa winkte, Jasmin winkte zurück.

Die Musik setzte wieder ein. Wie auf Kommando stellten sie ihre Gläser ab und erhoben sich für eine weitere Tanzrunde.

*

Es war knapp drei Stunden später, als Isa die Toilette verließ und Jasmin davorstand, blass, mit gequältem Gesichtsausruck. Isa wusste, was das bedeutete.