Wer denken will, muss fühlen - Elisabeth Beck - E-Book

Wer denken will, muss fühlen E-Book

Elisabeth Beck

4,9

  • Herausgeber: Kynos
  • Kategorie: Lebensstil
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2011
Beschreibung

Heute steht uns mehr Wissen über Hunde zur Verfügung steht denn je: Noch nie gab es eine so reiche Auswahl an Trainingsmethoden und Trainingsangeboten. Ideale Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben mit dem vierbeinigen Hausgenossen? Nicht ganz. Nähe und Vertrauen zwischen Mensch und Tier bleiben über all dem irgendwann auf der Strecke. Fast könnte man meinen, das viele Wissen, das uns heute über Hunde vermittelt wird, habe es eher schwieriger als leichter gemacht, eine gute Beziehung zum eigenen Vierbeiner zu haben. Elisabeth Beck zeigt mit wissenschaftlichem Hintergrund und anhand vieler Beispiele, warum nur eine Synthese aus "Verstand", dem Beherrschen der Methodik des Trainings, und "Herz", der intakten Gefühlsbeziehung zum Tier, zu einer erfolgreichen Kommunikation mit Hunden führen kann. Nicht das Verhalten des Hundes steht dabei im Vordergrund, sondern die Fähigkeiten des Menschen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier als wichtigste Grundlage des Trainings. Eine aktuelle, ganzheitliche Perspektive auf das Zusammensein von Mensch und Hund, die einen gesunden Mittelweg zwischen den Befürwortern reinen Bauchgefühls und reiner mechanistischer Trainingstechnik sucht und findet.

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Seitenzahl: 335

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Elisabeth Beck

WER DENKEN WILL,

MUSS FÜHLEN

Mit Herz und Verstand zu einembesseren Umgang mit Hunden
Kynos Verlag

© 2010 KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun

Telefon: +49 (0) 6592 957389-0

Telefax: +49 (0) 6592 957389-20

www.kynos-verlag.de

Titelbild: »Riera Aldo Augusto«, Foto Natalia Kostikova, www.horsephoto.ru

ebook-Ausgabe der Printversion (epub)

ISBN 978-3-942335-31-7

Mit dem Kauf dieses Buches unterstützen Sie dieKynos Stiftung Hunde helfen Menschen.www.kynos-stiftung.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Inhaltsverzeichnis

Von Flüsterern und Methodikern

1. Aktuelles Wissen

Alte Vorurteile über Tiere und wo sie herkommen

Wie ein Gespenst jahrhundertelang die Tierforschung beherrschte

Wie den Tieren erneut die Gefühle abhanden kamen

Tragische Blüten einer verhängnisvollen Philosophie

Neues aus der Welt der Tiere

Ich fühle, also bin ich

»Ich denke, also bin ich« – nun also doch?

Tierische Sprachforschung

Tiere sind wie wir und doch ganz anders

Es geistert weiter auf den Hundeplätzen

Alles Alpha?

Der Trieb kommt um zehn

Leckerchen im Hundehirn

Beziehungskisten

Bitte noch einmal mit Gefühl

Vermenschlichung – ein ganz heißes Eisen

Schädliche Vermenschlichungen

»... und raus bist du! «

Abschied von der Angst vor Vermenschlichung

2. Flexibles Training mit Herz und Verstand

Techniken oder Methoden?

Wie der Bauch dem Kopf bei der Beurteilung von Herangehensweisen hilft

Die freie Zusammenstellung von Techniken oder die grundsätzlich gute Methode als Trainingsgrundlage

Click und Trick – ein Beispiel für eine grundsätzlich gute Methode als Ausgangspunkt

Ein Verhalten einfangen

Ein Verhalten formen (Shaping)

Das Grundbedürfnis-Modell als Brücke zwischen Gefühl und Verstand

Biologisch verankerte Grundbedürfnisse, die Mensch und Tier teilen

Die Sache mit der Lust und vom Dreiklang der Grundbedürfnisse

Von Marshmallows und der anderen Seite des Lustprinzips

Lernen, Lust und Leckerchen

Leckerchen im Hundehirn, die Zweite

Pawlow einmal ganz anders – Das Bedürfnis nach Kontrolle und Orientierung

Was Stress und Kontrolle miteinannder zu tun haben

Die Stressimpfung

Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...

Von einem ganz speziellen Bio-Cocktail – und wie dieser uns dazu bringt, ängstliche Hunde zu streicheln

Eine interessante Studie über Affen

Was wir von Rhesusaffen über »schwierige« Hunde lernen können

Von flüsternden Bindungsfiguren und einem fliegenden dicken Mönch

3. Gefühltes Wissen: Das Geheimnis der innigen Mensch-Tierbeziehung

Intuition, die Königsfähigkeit der Spitzentrainer

Was wir heute über die Intuition wissen

Warum es fast unmöglich ist, Hunde zu trainieren, ohne dabei die Intuition zu nutzen

Bitte entscheiden Sie -jetzt!

Wer denken will, muss fühlen

Soziale Intuition – vom Einfühlen zum Resonanzerleben

Hunde sprechen nicht Latein

Sag mir, was du denkst

Wie ein kleiner Affe das Weltbild der Wissenschaftler erschütterte

Was die Spiegelneurone noch können

Flüstererneurone

Tierisch intuitiv

Unerforschte Spiegel

Der Kluge Hans und andere vierbeinige Meister der intuitiven Wahrnehmung

WU-WEI – Von der absichtlichen Absichtslosigkeit zur ganzheitlich-intuitiven Wahrnehmung

4. Übungen und Trainingsinstrumente für Spitzentrainer

Antidominanztraining einmal anders

Selbstmanagement

Motiviert ins Training gehen/Neue Übungen vorbereiten

Den Alltag draußen lassen

Positiver Fokus

Atemtechnik

Kongruenz/Maulkorb ab

Intuitionstraining

Intuitionsfallen

Sinnesspezifisch genaue Wahrnehmung statt Interpretation

Aufspannen der Aufmerksamkeit/Der periphere Blick

Mit Achtsamkeit und absichtlicher Absichtslosigkeit zur ganzheitlich-intuitiven Wahrnehmung

Wege zur Resonanz

Fühlen und denken wie ein Tier – die Welt aus den Augen des Hundes sehen und erleben

Joint Attention und Arbeitsspannung

Von der Kunst des Führens und Folgens

Zu guter Letzt

Danke

Zum Weiterlesen empfohlen

Literatur

Index

Von Flüsterern und Methodikern

Flüsterer haben Konjunktur. Zunächst waren es die Pferdeflüsterer, die die Menschen beschäftigten, bald war auch von Hundeflüsterern die Rede und inzwischen scheint es Flüsterer für fast jede Tierart zu geben. Trainer, die sich Flüsterer nennen, haben großen Zulauf. Offenbar wollen sehr viele Leute »flüstern« lernen -aber warum?

Menschen schaffen Hunde an, weil sie sich nach einer innigen Beziehung zu einem anderen Lebewesen sehnen – die meisten wenigstens. Das ist natürlich nichts, was ich sicher wissen kann, aber je länger ich mit Tierhaltern und ihren Vierbeinern zu tun habe, desto sicherer bin ich, dass ich da nicht ganz falsch liege.

Wir leben in einer Zeit, in der uns mehr Wissen über Hunde zur Verfügung steht denn je. Noch nie gab es eine so reiche Auswahl an Hundetrainingsmethoden und so viele Trainingsangebote wie heute. Ideale Voraussetzungen für ein harmonisches und glückliches Zusammenleben mit dem vierbeinigen Hausgenossen also? Nicht ganz. Für viele Menschen stehen, kaum ist der Vierbeiner im Haus, bald nur noch Probleme und Schwierigkeiten im Vordergrund. Und während ihnen Hundebücher, Hundetrainer und zahllose Fernsehsendungen die angeblich perfekte Lösung für jedes Problem anbieten, will sich der erwünschte Erfolg für den einen oder anderen trotz aller Anstrengungen nicht einstellen. Nähe und Vertrauen zwischen Mensch und Tier, um die es ursprünglich gegangen war, bleiben über all dem irgendwann auf der Strecke. Fast könnte man meinen, das viele Wissen, das uns heute über Hunde vermittelt wird, habe es eher schwieriger als leichter gemacht, eine gute Beziehung zum eigenen Vierbeiner zu haben. Wie kann das sein?

Während man sich früher in der Hundeerziehung hauptsächlich auf die eigene Erfahrung und das eigene Gefühl verließ, ist es heute fast selbstverständlich geworden, eine Hundeschule zu besuchen, Experten zuzuziehen. Die Ausbildung von Hunden ist also weitgehend professionalisiert. Damit wurde sie den Menschen aber auch ein Stück weit aus der Hand genommen. Und viele von ihnen sind unzufrieden. Sie spüren irgendwo, dass sich der Umgang mit dem Tier, so wie er vermittelt wird, oft nicht gut oder stimmig anfühlt. Sie sollen lernen, dem Hund zu zeigen, wer »das Sagen hat«. Vieles, was ihnen Freude gemacht hatte, wie etwa die abendliche Kuschelstunde auf dem Sofa, soll plötzlich grundfalsch sein. So mancher, der sich einen Hund ins Haus geholt hat, weil er den engen Kontakt mit einem anderen Lebewesen sucht, erfährt, es sei vollkommen verkehrt, dem Tier Aufmerksamkeit zu schenken, er müsse lernen, es konsequent zu ignorieren. Professionelle Hundetrainer erklären Leuten, die ihre Vierbeiner lieben, dass Hunde ihrerseits niemals etwas aus Liebe tun würden, sondern immer nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht seien. Vor allem aber sei die Einstellung vieler Hundehalter eine, die das Tier vermenschlicht. Und das sei das Schlimmste von allem. Die Menschen glauben den Experten. Die Erklärungen und Theorien klingen schlüssig. Der Kopf stimmt zu, aber das Herz sagt »nein«. Kein Wunder also, dass der Ruf nach dem Flüsterer laut wird. Ein Flüsterer – könnte das nicht jemand sein, der die Lücke, die da zwischen Verstand und Gefühl klafft, zu schließen vermag?

Was aber meinen wir überhaupt, wenn wir von »Flüsterern« und vom »Flüstern« sprechen? Ich wollte es genauer wissen und habe daher eine Umfrage unter Tierhaltern veranstaltet. Vor allem interessierte es mich, was denn die Einzelnen mit dem Begriff »Flüstern« verbinden und wie jemand sein müsste, der die Bezeichnung »Flüsterer« ihrer Meinung nach wirklich verdient. Hier sind einige der eindrucksvollsten Antworten, die ich bekommen habe: »Flüstern suggeriert für mich ein leises Zwiegespräch, das erst mal gar nicht für andere Ohren gedacht ist, das sich auf Vertrauen und Nähe gründet.« Oder: »Die Person soll in dem Tier ein Wesen sehen, das individuell und einzigartig ist. Er soll dieses Wesen achten und respektieren.« Und: »Er (der Flüsterer) müsste auf einer anderen Ebene als die meisten Menschen mit den Tieren kommunizieren können, also sich mit ihnen verwandt, mit ihnen eins fühlen und ihre Sprache sprechen, sei es in Gedanken, Gebärden, Lauten.«

Insgesamt verbanden fast alle der Befragten mit der Idee des Flüsterns in erster Linie einen besonderen Zugang zum Tier und immer wieder tauchte in den Beschreibungen das Wort »Geheimnis« auf. Es gibt also offenbar einen deutlichen Unterschied zwischen dem, was die meisten Leute von einem Flüsterer erwarten und dem, was eine Trainingsmethode ausmacht.

Eine Methode ist ein planmäßiger Weg, den man wählt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wir können Methoden auch mit Rezepten vergleichen – oder besser mit ganzen Kochbüchern. Kochbücher stehen in der Regel unter einem bestimmten Motto wie »Französische Küche«, »Süßspeisen«, »Schnellgerichte«, usw. und sie enthalten viele einzelne Rezepte. Jeder kann sie nachkochen und wer das einigermaßen korrekt tut, wird ein gutes Ergebnis bekommen. Auch Hundetrainingsmethoden stehen unter einem Motto, das heißt, sie beruhen auf einer bestimmten Philosophie, und sie stellen Trainingstechniken (die einzelnen »Rezepte«) zur Verfügung. Diese sind nützlich, wenn wir unserem Hund beibringen wollen, bei Fuß zu laufen, auf Zuruf zu kommen, Agility-Hindernisse zu bewältigen, bestimmte Aufgaben zu erledigen oder Kunststücke zu erlernen. Bis zu einem gewissen Grad können sie auch helfen, Probleme zu lösen. Wenn wir uns jedoch eine vertraute Beziehung zu unseren Hunden wünschen, ist das etwas, das eine Methode nicht leisten kann. Ebenso wenig, wie ein gutes Kochbuch aus irgendjemandem einen Meisterkoch macht, werden wir zu »Flüsterern«, indem wir eine Methode anwenden.

Anders als die Methode bezieht sich »Flüstern« – wenigstens in der Vorstellung der meisten Menschen – auf die Person, die mit dem Tier umgeht, auf ihre Einstellungen und Fähigkeiten. Wer sich jedoch an einen Trainer gewandt hat, der sich Flüsterer nennt, wird – ein wenig enttäuscht vielleicht – festgestellt haben, dass dieser auch nur mit Methoden arbeitet und keineswegs irgendwelche besonderen Fähigkeiten vermittelt. Das jedenfalls ergab der zweite Teil meiner Umfrage, in dem es um konkrete Erfahrungen mit Flüsterern ging.

Die Flüsterer-Methoden wurden sehr unterschiedlich beurteilt. Die Palette reichte von »eindrucksvoll« und »faszinierend« bis »grausam« und »abstoßend«. Interessant fand ich, dass die Pferdeflüsterer dabei insgesamt besser wegkamen als die Hundeflüsterer. Die meisten dieser Trainer stellen zwar die Mensch-Tierbeziehung in den Vordergrund, meinen damit aber letztlich auch nur die »Dominanzbeziehung«. Es geht also einmal mehr darum, wer »der Chef« ist -wie in der Hundeschule nebenan. Oft arbeiten die Flüsterer überwiegend mit der Körpersprache. Das ist eine sehr gute Sache, da viele Tiere auch untereinander überwiegend körpersprachlich kommunizieren. Aber es genügt nicht. Auch ein grundsätzlich guter methodischer Ansatz führt nicht automatisch zu einer tiefen, innigen Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Fast könnte man meinen, die Fähigkeiten, die wir dem Flüsterer zuschreiben, existierten überhaupt nicht, sie seien nichts weiter als ein Produkt unserer Fantasie. Dennoch hat es zu allen Zeiten und lange, ehe der Flüsterer-Begriff in Mode kam, Menschen gegeben, die mit Tieren intuitiv richtig umgehen und so eine besonders innige Beziehung zu ihnen herstellen konnten – und es gibt sie noch heute. Worin aber besteht ihr Talent?

Um dieser Frage genauer auf den Grund zu gehen, habe ich mich an Tiertrainer gewandt, die dem recht nahe zu kommen scheinen, was die meisten von uns mit dem Flüsterer-Begriff verbinden – auch wenn sie sich selbst nicht »Flüsterer« nennen. Sie alle arbeiten im Showbereich – was mir sehr entgegenkam, da sie aus diesem Grund keine Methoden verkaufen müssen, wie das bei Hundetrainern oft der Fall ist – und mit sehr unterschiedlichen Tieren. Viele von ihnen kenne ich gut und lange und ich schätze sie ganz besonders für die beeindruckende Art und Weise, in der sie mit ihren vierbeinigen Schülern umgehen und mit ihnen kommunizieren.

Ich habe die Arbeit dieser hochbegabten Tiertrainer sehr genau beobachtet und viele Gespräche und Interviews geführt. Dabei haben sich schließlich jene Fähigkeiten herauskristallisiert, die weit über verhaltensbiologisches Wissen und methodisches Know-how hinausgehen: Alle Spitzentrainer erwiesen sich als Meister des Selbstmanagements. Mit welchen Widrigkeiten des Alltags sie auch zu kämpfen hatten, sie konnten blitzartig jeden Ärger sowie Sorgen und Probleme beiseite stellen, sobald sie begannen, mit ihren Tieren zu arbeiten. Dabei schienen sie vollkommen in dem aufzugehen, was sie taten. Sie alle konnten sich in einer ungewöhnlich intensiven Weise in ihre vierbeinigen Schüler einfühlen und sie waren hochflexibel in ihren Handlungen. Am auffallendsten aber waren ihre blitzartigen und intuitiven Reaktionen auf die Tiere.

Selbstmanagement, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Intuition sind emotionale Fähigkeiten. Das Talent, Tiere zu verstehen und sich ihnen verständlich zu machen, hat offenbar mit der Art zu tun, wie Gefühl und Wissen, Herz und Verstand in dem Menschen zusammenwirken, der mit dem Tier umgeht.

Dieses Buch möchte das Geheimnis der innigen Mensch-Tierbeziehung ein Stück weit lüften, indem es sich mit jenem Bereich befasst, der im Hundetraining für gewöhnlich ausgeklammert wird: mit der Rolle der Gefühle in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier und der emotionalen Kompetenz des Menschen am anderen Ende der Leine. Dies ist also kein Buch darüber, wie Sie Ihren Hund am besten erziehen oder ausbilden. Das ist auch gar nicht der Schwerpunkt meiner Arbeit, denn ich bin keine Hundetrainerin, sondern Human- und Tierpsychologin. Als solche bin ich ganz besonders an den vielen Fähigkeiten von Menschen und Tieren interessiert und an der Art, wie sie miteinander kommunizieren und einander bereichern können. Nicht der Hund und sein Verhalten stehen hier im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zum Hund als wichtigste Grundlage des Trainings.

Wir alle verfügen – von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt – über emotionale Fähigkeiten. Wir können flexibel handeln und unsere Befindlichkeiten managen. Wir können uns in andere Lebewesen einfühlen und Situationen intuitiv erfassen. Warum also nutzen wir dieses Potenzial nicht im Umgang mit unseren Hunden? Es mag daran liegen, dass die Fähigkeiten des Zweibeiners im Hundetraining bisher so gut wie keine Rolle gespielt haben. Je nach Schule hat man den Menschen allenfalls gesagt, sie hätten selbstbewusst aufzutreten, oder aber sie müssten überhaupt keine besonderen Fähigkeiten haben, um Tiere zu trainieren, sondern lediglich wissen, was sie tun. »So etwas« wie Intuition, das sogenannte Bauchgefühl, war sogar regelrecht verpönt. Hunde trainierte man mit dem Kopf.

Der Frage, wie es dazu kam, dass der Umgang mit dem besten Freund des Menschen immer »kopflastiger« wurde, beantwortet eine Exkursion in die Welt der Tierforschung. Sie möchte zeigen, wie Vorurteile, die unsere Vorstellungen von Mensch und Tier jahrhundertelang geprägt haben, dazu führten, dass der gesamte Bereich der menschlichen und tierlichen Emotionen aus dem Hundetraining ausgeklammert blieb – und warum wir uns aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nun endgültig von diesen verabschieden können.

Ich möchte Sie ermutigen, mit Hilfe Ihrer emotionalen Kompetenz Expertenwissen zu überprüfen und aktuelles Wissen zu nutzen, um die für Sie und Ihren Hund besten Herangehensweisen im Training auszuwählen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Probleme lösen, Tricks trainieren, Ihren Vierbeiner zu einem angenehmen Zeitgenossen machen, ihn für bestimmte Aufgaben oder einen Sport ausbilden wollen. Schließlich wird es darum gehen, wie die besonderen Fähigkeiten herausragender Trainer, Selbstmanagement, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Intuition, miteinander verbunden sind und wie Sie diese Instrumente für sich und Ihren Hund nutzen können.

Was fortschrittliche Wissenschaftler innerhalb der letzten Jahre herausgefunden haben, steht nicht mehr in Widerstreit zum natürlichem Empfinden, das die meisten Menschen Tieren gegenüber haben. Wir brauchen uns also nicht zwischen »Kopf« und »Bauch« zu entscheiden. Das, worum es geht, ist eine gute Balance zwischen beiden. »Flüstern« im Sinne einer weiteren Methode werden wir also nicht. Wenn Sie aber am liebsten Flüstererfähigkeiten hätten, um eine immer inniger werdende Beziehung zu Ihrem Hund wachsen zu lassen, wenn »Flüstern« für Sie bedeutet, zu einem immer tieferen Verständnis anderer Lebewesen zu gelangen und Hunde mit Herz und Verstand zu trainieren, sind Sie herzlich eingeladen, ein wenig zu flüstern.

1

AKTUELLES WISSEN

Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können.

Albert Einstein

Alte Vorurteile über Tiere und wo sie herkommen

»Haben Tiere eine Seele?« Was für eine Frage! Ich saß an meiner Abschlussarbeit zum Erwerb des »Bachelor of Animal Psychology« und sollte plötzlich dazu Stellung beziehen, ob ich der Meinung sei, dass Tiere eine Seele hätten. Schon der Ausdruck »Seele« statt »Psyche« war im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Studiums ungewöhnlich. Aber ich wusste, was von mir erwartet wurde. Während der letzten Jahre war mir und meinen Mitstudierenden schließlich eindringlich genug vermittelt worden, dass Tiere lediglich durch Instinkte oder auch durch Reaktionen auf Reize »gesteuert« würden, gerade so, als seien sie nicht viel mehr als Automaten. Bewusstsein, Denken und das Erleben von Gefühlen sei eine rein menschliche Angelegenheit, hatte man versucht, uns beizubringen -recht erfolglos in meinem Fall. Ich hielt solche Ideen, besonders die, dass Tiere keine Gefühle hätten, für ziemlich abwegig und ich wusste, dass es den meisten anderen Menschen, die mit Tieren leben, ähnlich ergeht. Jedenfalls aber bedeutete das, dass man nach der offiziellen Lehrmeinung den Tieren alles absprach, was die Psyche – oder eben die Seele – ausmacht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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