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Wer bin ich? Warum kann ich mich an nichts erinnern? Und was ist in diesem Wald geschehen? Plötzlich steht sie da, mutterseelenallein, mitten im Wald. Clara kann sich an nichts mehr erinnern, außer an ihren Namen. Sie weiß nicht, was geschehen ist, und warum sie sich plötzlich in Völkersweiler, dem kleinen Dorf im Wald, wiederfindet. Eine Familie aus dem Dorf nimmt das Mädchen ohne Identität bei sich auf, und während Clara verzweifelt versucht, ihre Erinnerungen wiederzuerlangen, fühlt sie sich immer stärker zu Jakob, dem ältesten Sohn der Familie, hingezogen. Doch genau wie alle anderen Familienmitglieder, scheint auch er etwas vor ihr zu verbergen. Wem kann sie vertrauen und wer spielt ein falsches Spiel? Nichts ist so wie es scheint in dem kleinen Dorf, in dem jeder ein Geheimnis hat…
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Seitenzahl: 504
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Laura Herges
Wer ist Clara?
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Laura Herges – Wer ist Clara?
Prolog: Ausgelöscht
Kapitel 1: Vergessen
Kapitel 2: Verwundet
Kapitel 3: Verschollen
Kapitel 4: Verwirrt
Kapitel 5: Verbunden
Kapitel 6: Verändert
Kapitel 7: Verschwiegen
Kapitel 8: Verborgen
Kapitel 9: Verpasst
Kapitel 10: Verschlossen
Kapitel 11: Vertraut
Kapitel 12: Verletzt
Kapitel 13: Verdammt
Kapitel 14: Verliebt
Kapitel 15: Verstört
Kapitel 16: Verdächtig
Kapitel 17: Verlogen
Kapitel 18: Verachtet
Kapitel 19: Verabscheut
Kapitel 20: Verschüttet
Kapitel 21: Verzweifelt
Kapitel 22: Verurteilt
Kapitel 23: Verwandt
Kapitel 24: Verhasst
Kapitel 25: Verschwunden
Epilog: Weiterleben
Impressum neobooks
Wer bin ich?
Warum kann ich mich an nichts erinnern?
Und was ist in diesem Wald geschehen?
Plötzlich steht sie da, mutterseelenallein, mitten im Wald.
Clara kann sich an nichts mehr erinnern, außer an ihren Namen. Sie weiß nicht, was geschehen ist, und warum sie sich plötzlich in Völkersweiler, dem kleinen Dorf im Wald, wiederfindet.
Eine Familie aus dem Dorf nimmt das Mädchen ohne Identität bei sich auf, und während Clara verzweifelt versucht, ihre Erinnerungen wiederzuerlangen, fühlt sie sich immer stärker zu Jakob, dem ältesten Sohn der Familie, hingezogen. Doch genau wie alle anderen Familienmitglieder, scheint auch er etwas vor ihr zu verbergen. Wem kann sie vertrauen und wer spielt ein falsches Spiel?
Nichts ist so wie es scheint in dem kleinen Dorf, in dem jeder ein Geheimnis hat…
Für Völkersweiler.
Es war wundervoll, hier aufzuwachsen.
Tell me something I've never heard before.
I'm like a prayer you whisper from your
Window to the world.
No matter what you say, I won't stay, I'll find a way.
Promise you won't say,
Promise you won't say a word.
VersaEmerge, “Illusion.”
Schritt für Schritt, ein Fuß vor den anderen. Es ist dunkel, aber das kann ich gerade noch erkennen: die Umrisse meiner Sneakers, die sich unermüdlich ihren Weg durch die Nacht bahnen. Wie hypnotisiert beobachte ich meine Schritte, als ob es nichts anderes auf der Welt gäbe. Aber irgendetwas stimmt nicht. Tief in mir breitet sich langsam ein ungutes Gefühl aus, das nach und nach alles mit Eis zu überziehen scheint. Fröstelnd schlinge ich die Arme um meinen Körper.
Ich muss kurz stehen bleiben, um nachzudenken. Ich atme tief durch und versuche, mich zu beruhigen, doch das ungute Gefühl lässt sich nicht abschütteln. Es ist, als ob es mir anhaften würde, als würde mich etwas langsam, aber unnachgiebig nach unten ziehen. Ich schließe für einen Moment die Augen. Irgendetwas ist ganz und gar nicht in Ordnung.
„Hey!“ Ich zucke zusammen, als ob man mich geschlagen hätte. Der Ruf reißt mich mit einem Mal aus meiner Trance und mein Kopf fährt hoch, um nachzusehen, wem ich diesen Schrecken zu verdanken habe. Die Silhouette eines Mannes hebt sich gegen das schwache Licht ab. Ich kann sein Gesicht nicht erkennen, aber eine Bewegung am Boden lässt mich erstarren. Er hat einen Hund dabei. Der ist zwar nicht besonders groß, aber sein Bellen schüchtert mich dennoch ein.
„Alles okay?“, fragt der Mann plötzlich und kommt näher. Instinktiv weiche ich zurück.
Er sagt etwas zu mir und bleibt stehen. Ich blinzele verwirrt. Ich habe absolut nichts verstanden. Aber eben hat er doch noch deutsch mit mir geredet, oder? Ich bin so durcheinander…
Er wiederholt die Worte, doch sie erscheinen mir immer noch unverständlich, wenn auch nicht mehr ganz so abstrakt. Ich glaube schon, dass das deutsch war, aber auf keinen Fall hochdeutsch.
„Kannst du das vielleicht noch mal sagen?“, frage ich zögernd und höre, wie erschöpft und heiser meine eigene Stimme klingt.
„Oh, sorry, du kommst nicht von hier, oder?“, erwidert er.
Ich denke nach und stoße auf… Leere. Verwirrt versuche ich es noch einmal, doch es ändert sich nichts. An dem Ort in meinem Gedächtnis, an dem sich mein Heimatort befinden sollte, ist einfach eine Lücke, eine weiße Leinwand, ein absolutes Nichts.
„Ich… weiß nicht!“, stoße ich erschrocken hervor und spüre, wie mein Herz anfängt, schneller zu schlagen. Was passiert hier? Habe ich vielleicht einen Schlaganfall oder so was?
„Na ja, also deine Aussprache sagt mir, dass du nicht von hier kommst.“ In meiner Schockstarre habe ich gar nicht gemerkt, wie er mir immer näher gekommen ist. Jetzt steht er genau vor mir und ich stelle fest, dass er doch eher ein Junge ist als ein Mann. Neugierig blickt er mich an.
„Aber wie, du weißt nicht? Was meinst du damit?“
Ich starre ihn an und schüttele den Kopf. „Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß nicht, was los ist!“
Plötzlich spüre ich eine Berührung an meinem Bein und sehe, wie der Hund versucht, an mir hochzuspringen. Erschrocken weiche ich zurück.
„Luchsi, aus!“, sagt der Junge und meint dann an mich gewandt: „Sie ist ziemlich verspielt, aber sie hat noch nie jemanden gebissen.“
Ich nicke, halte aber dennoch lieber etwas Abstand.
„Vielleicht hast du irgendeine Krankheit, bei der dein Gedächtnis ausgelöscht worden ist“, meint der Junge, „Weißt du noch, wie du heißt?“
„Clara“, erwidere ich wie aus der Pistole geschossen. Zumindest das funktioniert also noch.
„Ich bin Lukas“, erwidert er. „Weißt du noch, was du um diese Uhrzeit im Wald wolltest?“„Was?“, frage ich verwirrt.
„Na ja, es ist…“ Er tippt kurz auf seine Armbanduhr und der Bildschirm leuchtet blau auf, „halb elf und wir sind im Wald. Warum bist du so spät noch hier – allein?“
Erstaunt sehe ich ihn an und blicke mich dann um. Tatsächlich, wir stehen gerade im Wald und außer uns ist weit und breit niemand zu sehen. Erneut fröstele ich. Ich habe keine Ahnung, was ich hier mache. Wie er eben gesagt hat, ist meine Erinnerung völlig ausgelöscht.
„Ich hab keine Ahnung“, sage ich leise.
Lukas‘ Blick hat sich mittlerweile von neugierig in besorgt gewandelt.
„Wir sollten zu mir nach Hause gehen“, sagt er plötzlich, „Meine Eltern werden wissen, was zu tun ist.“
Ich nicke zögernd. Erwachsene zu Rate ziehen, das ist eine gute Idee. Oder zumindest fällt mir im Moment keine bessere ein.
Wir gehen los, und ich versuche erneut, tief durchzuatmen, um mich zu beruhigen. Das alles ist ganz und gar nicht normal. Mein Blick wandert zum Himmel. Vollmond. Dann schaue ich zu dem Hund, der fröhlich vor uns her rennt. Mir ist kalt.
Wir laufen noch nicht lange, als plötzlich der kalte Schein von weißem Laternenlicht durch das Blätterdach dringt. Wir nähern uns einem Ort. Zivilisation, das ist auf alle Fälle besser als der Wald. Ich blicke noch einmal zurück und mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Was habe ich hier nur gemacht?
Als ich wieder nach vorne schaue, sehe ich bereits die ersten Häuser sowie ein Ortsschild.
„Völkersweiler“, murmele ich.
„Sagt dir der Name was?“, fragt Lukas.
Ich schüttele den Kopf. „Nicht, dass ich wüsste.“ Aber was zur Hölle mache ich dann hier? Das Gefühl der Hilflosigkeit manifestiert sich in Form eines dicken Kloßes in meinem Hals, der es mir schwer macht, zu schlucken. Ich spüre, wie Tränen in mir aufsteigen, doch ich blinzele sie schnell weg. Ich kann mir jetzt nicht erlauben zu weinen. Ich muss herausfinden, was in dem Wald passiert ist, und zwar am besten so schnell wie möglich.
Die Häuser in dem Ort sind alle ziemlich klein: Ein-, höchstens Zweifamilienhäuser. Ansonsten sieht es hier ganz nett aus: Fast alle Häuser, an denen wir vorbeilaufen, haben einen kleinen Garten. In manchen stehen Rutschen und Schaukeln, in manchen Gartenzwerge, in manchen gibt es nur Blumenbeete.
Ich merke, wie die Straße unter meinen Schuhsohlen ansteigt und blicke geradeaus, um zu sehen, dass wir jetzt bergauf laufen. Hoffentlich ist es nicht ganz so weit, denke ich und blicke zu Lukas. Er ist vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre alt, seine Haare heben sich dunkel gegen das Laternenlicht ab und seine Augen sind starr auf die Straße gerichtet. Er trägt eine Steppjacke, Jeans und Turnschuhe.
Und ich? Ich blicke an mir herunter und sehe erneut die Turnschuhe von vorhin. Chucks, in irgendeiner dunklen Farbe. Das weiße Licht schluckt alles Bunte, sodass sich die einzelnen Farben nur erahnen lassen. Aber ich stelle dennoch fest, dass meine Schuhe nicht mehr die neuesten sind. Beim Gehen merke ich, dass die Sohlen schon ziemlich abgelaufen sind, und abgesehen davon sehen sie auch ziemlich schmutzig aus. Aber nicht nur meine Schuhe, auch auf meiner Jeans glaube ich, schmutzige Flecken erkennen zu können. Prüfend halte ich meine Hände vor meinen Körper. Ja, auch die Ärmel meines Kapuzenpullovers sind schmutzig. Und da dieser eine helle Farbe hat, muss es hier wohl am offensichtlichsten ins Auge springen. Ob es Lukas vorhin aufgefallen ist? Auch auf meinen Händen sind Schmutzspuren. Sie sehen schlicht aus, kein Nagellack, kein Schmuck, keine Uhr. Nichts.
Aber wahrscheinlich brauche ich einfach keine Uhr, schließlich habe ich ja ein… Instinktiv greife ich in meine linke Hosentasche, stelle aber sofort fest, dass diese vollkommen leer ist. Daraufhin überprüfe ich auch meine rechte Hosentasche und die Einschubtaschen meines Pullis – nichts.
„Ich hab kein Handy“, murmele ich.
„Was?“, fragt Lukas, den ich wohl gerade aus seinen Gedanken gerissen habe.
„Ich hab kein Handy“, wiederhole ich, „Aber das… das ist doch nicht normal, oder?“Lukas blickt mich etwas hilflos an.
„Ich hab auch keinen Geldbeutel dabei oder irgendwas anderes“, fahre ich fort, „Aber wer geht denn ohne das alles in den Wald?“
„Vielleicht hattest du eine Handtasche oder so“, meint Lukas.
„Die ich dann im Wald verloren habe“ Ich blicke ihn erschrocken an. „Das könnte doch passiert sein, oder? Ich muss zurück und danach suchen!“
„Heute machen wir das am besten nicht mehr“, erwidert Lukas, „Es ist schon zu spät und total dunkel. Und außerdem sind wir jetzt da.“ Mit diesen Worten deutet er auf ein Haus, das sich plötzlich wie aus dem Nichts vor uns erhebt. Es ist auffällig groß, wenn ich es mit den anderen Häusern, die mir auf unserem Weg begegnet sind, vergleiche. In der Dunkelheit kann ich nicht allzu viel erkennen, aber auf alle Fälle erheben sich noch zwei weitere Stockwerke über dem Erdgeschoss, und es ist in irgendeiner hellen Farbe gestrichen. Lukas geht zur Haustür, nimmt einen Schlüsselbund aus seiner Hosentasche und schließt auf. Der Hund rennt voraus ins Innere. Lukas deutet auf den Lichtkegel, der zu uns in die Dunkelheit fällt, und ich trete ein, gefolgt von ihm.
Früher:
Ich halte den Brief in meinen Händen. Meine Fingerknöchel treten weiß hervor, so sehr verkrampfe ich mich, als ich die Worte lese, die eigentlich gar nicht dort stehen dürften.
Vielleicht werde ich ja verrückt und bilde mir den Brief nur ein. Doch jedes Mal, wenn ich an seiner Echtheit zweifle, sehe ich ihn wieder direkt vor mir. Ich kann ihn fühlen, ihn sehen und manchmal glaube ich sogar, den Duft seines Verfassers riechen zu können.
Eigentlich glaube ich nicht an Gott, nicht mehr.
Aber anscheinend können die Toten doch auferstehen.
Jetzt:
„Bin wieder da!“, ruft Lukas und läuft an mir vorbei durch den schmalen Flur. Zumindest erahne ich, dass es das ist, was er gesagt hat. Angehört hat es sich eher wie ‚Binwiado‘.
Ich folge ihm zögernd bis zu einer offenstehenden Tür zu unserer Rechten.
„Ich hab jemanden mitgebracht“, sagt er, immer noch in diesem komischen Dialekt, und tritt zur Seite, um den Blick auf mich freizugeben. Ich blicke in ein Wohnzimmer, in welchem eine Frau und ein Mann auf einer ausladenden Couch sitzen und in gedimmtem Licht auf einen Fernseher starren.
„Hallo“, sage ich leise.
Die beiden blicken fragend zu Lukas.
„Ich hab sie im Wald aufgegabelt. Sie war allein“, höre ich aus dem folgenden Dialekt-Wortschwall heraus.
Die Frau, die wahrscheinlich Lukas‘ Mutter ist, fragt nach, wie er das meint und er entgegnet, dass ich mich an nichts erinnern kann.
„Und sie kann kein Pfälzisch“, meint er dann mit einem Blick auf mich.
Pfälzisch. Das ist also diese komische Sprache, die in meinen Ohren so fremd klingt.
Die Frau steht auf und kommt zu uns. Ihr Mann blickt weiterhin nur neugierig von der Couch aus zu uns herüber.
„Ist das wahr? Du kannst dich an nichts erinnern?“ Sie bemüht sich, hochdeutsch zu sprechen, doch ich höre immer noch einen kleinen pfälzischen Einschlag. Aber zumindest verstehe ich sie jetzt viel besser als vorher.
„Ich glaube, nur an meinen Vornamen“, erwidere ich zögernd, „Clara.“
„Clara…“, murmelt die Frau mit einem nachdenklichen Blick auf mein Gesicht, „Du musst auf jeden Fall so bald wie möglich zu einem Arzt, der sich das ansieht.“„Sollen wir sie in die Notaufnahme fahren?“, fragt Lukas neben mir.
Die Frau wendet sich wieder mir zu: „Hast du irgendwelche Schmerzen oder ist dir schlecht?“
Ich schüttele den Kopf.
„Dann warten wir bis morgen, wenn das für dich okay ist“, sagt sie.
Oh ja, das ist mir sogar sehr recht, denn ich bin schrecklich erschöpft. Es fällt mir erst jetzt so richtig auf, aber ich glaube, wenn ich mich jetzt hier auf den Boden legen würde, würde ich direkt einschlafen.
„Wir haben ein Gästezimmer, wenn du willst, kannst du dort die Nacht verbringen“, sagt sie. Das klingt wie Musik in meinen Ohren.
„Danke, das ist sehr nett“, erwidere ich.
„Und wenn du willst, kannst du dich auch abduschen.“ Ihr sind also meine schmutzigen Kleider aufgefallen. „Von was bist du so… dreckig?“, fragt sie verwirrt.
Ich zucke nur mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“
„Gib ihr ein paar Kleider von Johanna“, sagt sie an Lukas gewandt, und dann wieder zu mir: „Das Bad ist oben, die erste Tür rechts. Deine Kleider kannst du vor die Waschmaschine legen, die wasche ich mit, wenn du magst.“„Danke“, erwidere ich erneut, „Das ist wirklich sehr, sehr nett von Ihnen.“
„Sag ruhig ‚du‘ zu mir“, entgegnet sie lächelnd. Ich bin Eva und das ist mein Mann Paul.“ Sie deutet auf den Mann, der mir vom Sofa aus zunickt.
Der ist ja wirklich sehr gesprächig, denke ich.
Ich drehe mich um und will gerade zur Treppe laufen, als sich plötzlich erneut die Tür öffnet. Wie auf ein Kommando hin stürmt Luchsi los und springt an der Person hoch, die jetzt eintritt. Es ist wieder ein Junge, aber er ist etwas größer und scheint auch älter zu sein als Lukas.
„Hey Luchsi!“, sagt der Junge lachend und streichelt dem Hund durchs Fell, „Ja fein!“
„Jakob“, sagt Eva und er blickt auf. Sofort fällt sein Blick auf mich. Ich muss schlucken und würde am liebsten zu Boden blicken, aber etwas hält mich davon ab. Ich frage mich, ob es die Neugier in seinem Blick ist oder die Überraschung, doch etwas hindert mich daran, meinen Blick abzuwenden.
Eva spricht pfälzisch mit ihm und ich verstehe nur ein paar Wörter, aber sie erzählt ihm im Großen und Ganzen dasselbe, was wir eben besprochen haben. Und Lukas wirft am Ende noch ein, dass ich kein Pfälzisch spreche.
Erstaunt schaut Jakob wieder zu mir. „Du weißt gar nichts mehr?“, fragt er, doch bei ihm klingt es nicht so vollkommen fassungslos wie bei Lukas und Eva, sondern eher… besorgt?
Ich schüttele den Kopf. „Nein, nichts.“„Das tut mir leid“, sagt er leise und ich spüre, wie die Tränen erneut versuchen, sich ihren Weg an die Oberfläche zu bahnen.
„Gehst du dann Johanna abholen?“, fragt Eva, oder zumindest glaube ich, dass sie das gefragt hat, denn es fällt mir immer noch genauso schwer wie vorhin, den Dialekt zu verstehen. Er nickt und geht wieder zur Haustür. Ich blicke ihm kurz nach und verabschiede mich dann nach oben, wo ich wie empfohlen duschen will.
Ich finde das Bad sofort, es befindet sich direkt neben der Treppe. Als ich das Licht einschalte, erstarre ich für einen Moment, denn aus dem Spiegel blickt mir ein fremdes Gesicht entgegen.
Das bin also ich? Prüfend lehne ich mich über dem Waschbecken ein Stück nach vorn. Ja, das Gesicht gehört tatsächlich mir. Graublaue Augen starren mir aus einem blassen Gesicht entgegen, eine leicht nach oben geneigte Stupsnase über relativ vollen Lippen. Ich habe dunkle Ringe unter den Augen; keine Ahnung, wann ich das letzte Mal geschlafen habe… Mein Haar ist hellbraun und ich trage es in einem Pferdeschwanz. Ich löse das Haargummi und mein Haar fällt mir in langen Wellen über die Schultern. Ich fahre mir durch die etwas strähnigen Locken und stelle erneut fest, dass mir nichts von alldem bekannt vorkommt. Mir klebt ein wenig Dreck auf der Wange. Ich wische ihn mir mit dem Handrücken weg, dann schließe ich mich ein und beginne, mich auszuziehen.
Erst jetzt fällt mir auf, wie dreckig meine Klamotten sind: Alles ist mit rotbraunen Sandflecken überzogen – die gestreifte Kapuzenjacke, die zerschlissenen Jeans und auch die dunkelblauen Chucks an meinen Füßen. Das einzige halbwegs saubere Kleidungsstück ist das dunkle T-Shirt mit irgendeinem englischen Aufdruck, der nicht besonders viel Sinn macht. Könnte allerdings auch sein, dass man die Flecken auf dem dunklen Stoff nur nicht so gut sieht…
Bevor ich in die Dusche trete, betrachte ich mich noch einmal kurz im Spiegel, doch immer noch scheint es der Körper einer Fremden zu sein, in dem ich mich befinde. Erneut spüre ich den Kloß in meinem Hals, doch bevor mir die Tränen kommen, steige ich in die Duschkabine und drehe den Wasserhahn auf. Es ist ein unglaublich angenehmes Gefühl, das warme Wasser über meinen Kopf laufen zu spüren, und zum ersten Mal an diesem Abend fühle ich so etwas wie Erleichterung. Ich bin in Sicherheit. Ich kann hier schlafen. Mir wird hier nichts passieren. Fürs Erste geht es mir gut, auch wenn ich mich an nichts erinnern kann.
Eine Welle der Dankbarkeit überrollt mich. Wer weiß, was mit mir passiert wäre, wenn Lukas mich nicht im Wald aufgegabelt hätte…
Ich finde nur ein Shampoo und ein Duschgel für Frauen – vermutlich gehören sie auch dieser Johanna.
Ich schäume meinen Körper und meine Haare damit ein und fahre zusammen, als ich meinen Hinterkopf berühre. Etwas tut weh, aber meine Finger sind nicht rot, also blute ich nicht. Ein wenig beunruhigt drehe ich das Wasser wieder auf. Ich meide die Stelle, während ich den Schaum abspüle.
Als ich aus der Dusche steige, fühle ich mich wie neugeboren. Ich rieche an meinen blumig duftenden Haaren, schlinge mir ein Handtuch, das ich aus dem Badregal nehme, um den Körper, und betrachte mich noch einmal im Spiegel. Immer noch klingelt nichts.
Seufzend fahre ich mir durch die verknoteten Haare. Mein Blick fällt auf eine Haarbürste, die im Regal liegt. Ich ziehe ein paar dunkle Haare aus den Borsten, bevor ich sie benutze.
„Sorry, Johanna“, murmele ich, während ich mein Haar entwirre.
Danach greife ich nach dem ebenfalls bereitliegenden Föhn und trockne mein Haar.
Bevor ich aus dem Badezimmer trete, werfe ich vorsichtig einen Blick auf den Gang. Niemand da, also schließe ich die Tür hinter mir und laufe in Richtung Gästezimmer, als zwei Stimmen meine Aufmerksamkeit erregen. Eine davon gehört Lukas, die andere einer Frau. Beide reden pfälzisch, deshalb verstehe ich nur etwa die Hälfte. Aber ich kapiere sofort, worum es in ihrer Diskussion geht: um mich.
„Sie hat doch nichts! Was hätte ich denn machen sollen?“
„Mich vorher fragen vielleicht?“
„Oh Mann, Jojo, du warst halt nicht da!“
„Warten bis ich da bin?“
So in etwa geht das Gespräch, dem ich lausche, während ich mich vorsichtig der Tür nähere, aus der die Stimmen dringen. Die Kälte des Fußbodens zieht durch meine nackten Sohlen in meinen gesamten Körper, doch ich bin zu neugierig, um jetzt umzukehren. Ich sehe das Mädchen nur von hinten: Sie hat tatsächlich schwarzes Haar, das ihr glatt bis knapp über die Schultern fällt. Sie trägt einen lilafarbenen Hoodie, einen schwarzen Minirock und eine Netzstrumpfhose. Über ihre Schulter hinweg sehe ich Lukas, der mit genervtem Gesichtsausdruck die Hände ringt.
„Es musste aber jetzt sein!“
„Sorry, dass ich genervt bin, wenn du meine Sachen irgendwelchen dahergelaufenen Waldmädchen gibst!“
In dem Moment trifft mich Lukas‘ Blick. Ich weiche erschrocken zurück, doch das Mädchen hat schon begriffen: Sie dreht sich zu mir um und ihr Blick fällt auf mich. Ich erröte und stammele eine Entschuldigung.
„Ich wollte euch nicht belauschen, ehrlich!“
Wie ihre Brüder wechselt auch Johanna sofort ins Hochdeutsche.
„Ähm, du bist also…?“
„Das Waldmädchen“, kann ich mir nicht verkneifen, und strecke ihr meine Hand entgegen, während meine andere weiterhin das Handtuch über meiner Brust festhält, „Clara.“
„Hi, ich bin Johanna“, erwidert sie und schüttelt meine Hand. Sie ist ebenfalls rot geworden, und es ist mehr als deutlich, wie unangenehm ihr die ganze Situation ist. Lukas hingegen scheint sich prächtig zu amüsieren: Auf seinem Gesicht hat sich ein belustigtes Grinsen ausgebreitet.
„Tut mir leid, dass du mir deine Sachen ausleihen musst“, sage ich zögernd.
„Nein! Nein, das muss es nicht, ehrlich!“, erwidert sie. Ihre mit dunklem Kajal umrandeten Augen sind vor Schreck weit geöffnet. „Wirklich, das ist kein Problem. Lukas hat dir auch schon ein paar Schlafsachen aufs Bett gelegt.“
„Danke“, erwidere ich mit einem zögernden Lächeln.
Die Blicke der beiden bleiben an mir hängen und ich fühle mich plötzlich nackt, trotz des Handtuchs.
„Ich gehe dann mal schlafen“, sage ich schnell, „Gute Nacht!“
„Gute Nacht!“, erwidern beide, und Lukas fügt noch ein „Schlaf gut!“, hinzu, während ich mich schon auf dem Weg ins Gästezimmer befinde.
Auf dem Bett liegt ordentlich zusammengefaltet ein Schlafanzug, bestehend aus lila gestreiften Shorts und einem Top, auf dem in großen Buchstaben „I need coffee“ neben einem Coffee to Go-Becher steht. Ich weiß noch nicht mal, ob ich gerne Kaffee trinke. Seufzend nehme ich den Schlafanzug, unter dem noch eine Unterhose zum Vorschein kommt. Erneut werde ich rot, auch wenn ich alleine bin. Es ist mir trotzdem unangenehm.
Nach einem Kontrollblick auf die geschlossene Tür lasse ich das Handtuch fallen und ziehe mich um. Immerhin sind die Sachen bequem. Nur das Licht der Straßenlaternen fällt durch das Fenster und taucht das Zimmer in ein gespenstisch kaltes Licht. Ich schalte die kleine Nachttischlampe neben dem Bett ein und gehe zum Fenster, um den Rollladen nach unten zu lassen. Mein Blick fällt auf einen großen Garten, mit einem Brunnen, einem Pavillon und mehreren Bäumen. Plötzlich erregt etwas meine Aufmerksamkeit: Aus dem Augenwinkel habe ich eine Bewegung bei einem der Bäume wahrgenommen. Da, schon wieder! Jemand ist im Garten. Ein schattiger Umriss schält sich aus dem Dunkel des Gartens, doch ich kann nicht erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Die Person hält kurz inne, und ich kann ihren durchdringenden Blick durch das Glas der Scheibe auf meiner Haut spüren. Im nächsten Moment verschmilzt sie wieder mit den Schatten und ist verschwunden.
Mein Herz schlägt so schnell, dass ich es in meinen Ohren rauschen hören kann. Ich reiße an dem Rollladen, sodass dieser scheppernd nach unten fällt. Dann lege ich mich ins Bett und ziehe mir die Decke bis unters Kinn. Wer auch immer das war, er oder sie hat mich beobachtet.
Du bist hier in Sicherheit, denke ich wieder und lasse mich langsam auf das Kopfkissen sinken. Als ein spitzer Schmerz durch meinen Kopf schießt, fahre ich sofort wieder hoch. Ich ziehe scharf die Luft ein und berühre reflexartig meinen Hinterkopf. Erneut ertönt der Schmerz in meinem Kopf, diesmal jedoch gedämpfter. Jetzt bin ich mir ganz sicher: Ich habe eine Verletzung. Langsam setze ich mich wieder auf.
In diesem Moment klopft es an der Tür. Mein Herz setzt schon wieder einen Schlag aus.
„Ja?“, sage ich zögernd.
Die Tür öffnet sich und Johanna kommt herein. Erleichtert atme ich aus.
„Hey Clara, sorry, dass ich dich noch mal störe!“, sagt sie mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen, und setzt sich zu mir auf die Bettkante, „Ich hab das eben nicht so gemeint. Ich war nur genervt, aber du kannst nichts dafür.“
„Macht nichts“, erwidere ich lächelnd, „Und danke, dass ich deine Sachen ausleihen kann.“
„Kein Problem“, entgegnet sie und will sich erheben, doch ich halte sie auf.
„Johanna, warte mal kurz.“ Sie blickt mich fragend an. „Kannst du dir vielleicht mal meinen Hinterkopf ansehen? Ich glaube, dass ich eine Verletzung habe.“
„Oh… ähm, klar“, sagt sie zögernd, „Warte, lass mich das Licht einschalten.“
Sie erhebt sich und drückt auf den Lichtschalter neben der Tür. Geblendet kneife ich die Augen zusammen. Dann kommt sie zu mir zurück und ich drehe ihr den Rücken zu. Ich spüre, wie sie meine Haare anhebt und scharf die Luft einzieht.
„Ja, du hast da ein bisschen Schorf. Tut es sehr weh?“
Ich drehe mich zu ihr um und blicke in ihr besorgtes Gesicht. Um sie zu beruhigen, schüttele ich den Kopf.
„Aber du solltest es vielleicht trotzdem mal von einem Arzt ansehen lassen. Das könnte doch gut etwas mit deinem Gedächtnisverlust zu tun haben…“
Aber natürlich: Ich habe irgendetwas auf den Hinterkopf bekommen und deswegen meine Erinnerungen verloren – alles macht Sinn! Hatte ich etwa einen Unfall? Oder wurde ich… geschlagen? Ich schaudere bei dem Gedanken daran.
„Wir werden morgen mit dir zum Arzt gehen, okay?“, sagt Johanna, die meine Beunruhigung bemerkt haben muss.
„Danke, das ist nett“, erwidere ich mit einem Lächeln.
„Dann schlaf dich mal gut aus. Ich muss morgen in die Schule“, sagt sie mit gequältem Gesichtsausdruck.
„Schlaf gut“, entgegne ich und lege mich auf die Seite, während Johanna aufsteht, das Licht ausschaltet und die Tür hinter sich zuzieht.
Diese Verletzung… Der Gedächtnisverlust… So einen Zufall gibt es doch gar nicht, oder? Ich überlege hin und her, versuche fieberhaft, mich zumindest an irgendwas zu erinnern, aber egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich habe keinen Erfolg.
Frustriert schließe ich die Augen und merke erst jetzt, wie müde ich eigentlich bin. Innerhalb weniger Sekunden bin ich bereits weggedämmert.
Ich renne. Durch nichtssagende Straßen, vorbei an kahlen Häusern und leeren Gesichtern.
Ich weiß nicht, wohin ich will, oder woher ich komme.
Ich weiß nur eines: Ich renne.
Früher:
Zunächst habe ich noch geglaubt, jemand wolle mich an der Nase herumführen. Ich habe geglaubt, dass es nur ein grausamer Scherz wäre, von wem auch immer. Aber niemand könnte so grausam sein, sich so etwas auszudenken. Oder zumindest hoffe ich das.
Ich habe niemandem davon erzählt – es macht mir Angst. Dieses Geheimnis, das ich plötzlich mit mir herumtrage, lastet schwer auf meinen Schultern, und ich ringe jeden Tag mit mir.
Vielleicht wäre es besser, es mit jemand anderem zu teilen…
Jetzt:
Ich erwache aus dem merkwürdigen Traum.
Ich blinzele mehrmals, während sich die Umrisse des Raums aus der Dunkelheit schälen.
Wo bin ich?, ist mein erster Gedanke. Während die Erinnerung an gestern in mein Gedächtnis zurückkehrt, wird die Frage durch eine andere abgelöst: Wer bin ich?
Ich kann mich an alles erinnern, was gestern passiert ist: Lukas, seine Familie, die Dusche, die Kopfwunde. Aber alles, was davor war, bleibt nach wie vor vollkommen ausgelöscht.
Ich schlucke hart und stehe vorsichtig auf. Trotz allem fühle ich mich erholt, und ein Blick auf den Radiowecker neben meinem Bett verrät mir auch warum: Es ist schon halb zwölf. Ich habe fast zwölf Stunden geschlafen.
Ich streiche mir die Haare aus dem Gesicht und öffne den Rollladen. Es ist ein strahlend schöner Tag: Die Sonne scheint von einem hellblauen, wolkenlosen Himmel auf den großräumigen Garten, auf den ich schon gestern einen Blick geworfen habe. Ich denke wieder an die Person, die da unten stand und mich beobachtet hat, und mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Wäre es möglich, dass ich mir das nur eingebildet habe, in meinem verwirrten Zustand? Insgeheim hoffe ich es.
Ich öffne das Fenster und gehe ins Bad, wo ich mir als erstes kaltes Wasser ins Gesicht spritze. Ein weiterer Blick in den Spiegel bringt mir immer noch keine Klarheit. Nun sehe ich die blauen Augen, die blasse Haut und das hellbraune Haar zum ersten Mal im Tageslicht, doch ich erkenne das Mädchen im Spiegel dennoch nicht.
Als ich nach Johannas Haarbürste greife, fällt mein Blick auf einen Becher, der auf dem Waschbeckenrand steht. Mein Name ist mit einem Edding auf das weiße Plastik geschrieben worden, und darin befinden sich eine ungeöffnete Tube Zahnpasta und eine Zahnbürste. Die Geste rührt mich: Diese Leute kennen mich gar nicht und sind trotzdem so gastfreundlich zu mir. Lächelnd betrachte ich den Becher und putze mir die Zähne. Dann trete ich aus dem Badezimmer in den Flur. Alles ist ruhig und ich weiß zunächst nicht, was ich jetzt tun soll. Dann entscheide ich mich, nach unten zu gehen. Barfuß gehe ich die Treppe hinab und spüre erneut, wie die Kälte des Bodens in meine Fußsohlen steigt.
Unten angekommen werfe ich zunächst einen Blick ins Wohnzimmer, wo mich gestern Eva und Paul begrüßt haben, doch auch dieser Raum ist leer. Es ist trotzdem interessant, alles im Tageslicht zu sehen: Das Zimmer ist hell, mit weißen Holzmöbeln und einer großen, grauen Couchlandschaft. An den Wänden hängen unzählige Bilder. Neugierig betrete ich den Raum und schaue mir die Bilder an: Es sind vor allem Kinderfotos, dazwischen auch ein paar Hochzeitsbilder, die offensichtlich aus den Neunzigern stammen. Ein Bild springt mir besonders ins Auge, weil hier die ganze Familie versammelt ist: Vater, Mutter und drei Kinder, zwei Jungs und ein Mädchen. Hier sind sie allerdings noch weitaus jünger, zwischen zehn und fünf vielleicht.
„Gefallen dir die Bilder?“Ich zucke zusammen und fahre herum.
„Oh, Entschuldigung! Ich wollte dich nicht erschrecken, tut mir leid.“ Vor mir steht der Junge, der mir schon gestern Abend begegnet ist: Lukas‘ Bruder.
„Hast… du gut geschlafen?“, fragt er zögernd.
Ich nicke stumm. Er kommt langsam näher und stellt sich neben mich. Er ist etwa einen halben Kopf größer als ich. „Das da ist Lukas“, sagt er und deutet auf den kleineren Jungen auf dem Familienbild, „Das ist Johanna“, er zeigt auf das Mädchen, „Und das bin ich.“ Sein Finger verweilt kurz auf dem größten Kind, einem kleinen Jungen mit drei Zahnlücken. Lächelnd blicke ich von dem Foto zu ihm. Seine Augen sind genau die gleichen: dunkelbraun und glänzend. Er sieht Lukas nicht besonders ähnlich – dieser hat etwas helleres Haar und hellere Augen, ebenso wie Johanna. Diese hat zwar sogar noch dunklere Haare als ihr ältester Bruder, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sie nur schwarz färbt, damit sie zu ihrem restlichen Stil passen.
„Das ist ein schönes Bild“, sage ich zögernd, „Es ist mir direkt aufgefallen. Ihr seht alle so fröhlich aus.“
„Ja, das stimmt“, erwidert er, während sein Blick auf dem Bild verweilt. In seinem Lächeln glaube ich, etwas Wehmütiges erkennen zu können. Dann blickt er plötzlich wieder mich an. „Hast du Hunger?“
Ich nicke. „Dann komm mit“, entgegnet er lächelnd und läuft voraus in die Küche. Auch dieser Raum ist lichtdurchflutet – vor einer Eckbank steht ein großer Tisch aus hellem Holz, und davor noch drei dazu passende Stühle. Auch die Küchenzeile ist groß und modern.
„Was magst du?“, fragt er, „Müsli? Toast?“
„Toast ist super“, entgegne ich.
„Okay, ich mache dir einen“, erwidert er, „Setz dich doch!“ Er deutet mit dem Kopf zu dem Tisch. Ich lasse mich auf die Küchenbank sinken und lehne meinen Rücken an. Hier ist es immerhin wärmer als im Wohnzimmer, denn die Sonne scheint direkt durch die Fenster in diesen Raum.
Ich betrachte ihn still, während er Toast aus einer der Schubladen holt und ihn in den Toaster steckt. Dann dreht er sich zu mir um. „Magst du Kaffee?“
Ich überlege für einen Moment. „Ich glaube nicht“, erwidere ich dann zögernd.
„Kakao?“, fragt er. Ich nicke. Er dreht sich wieder um und werkelt weiter in der Küche herum.
Ich beiße mir auf die Lippe, bevor ich ein wenig beschämt frage: „Kannst du mir deinen Namen noch mal sagen?“
Er dreht sich um und lächelt mich an. „Klar, ich bin Jakob.“
„Jakob“, wiederhole ich leise und nicke.
„Und du bist Clara?“, vergewissert er sich noch einmal, während er sich lächelnd mit dem Rücken gegen die Küchenzeile lehnt.
„Ja.“ Mein Name – das Einzige, woran ich mich noch erinnern kann…
„Mit K oder mit C?“, fragt er weiter.
„Mit C“, entgegne ich sofort.
„Das hast du also nicht vergessen“, murmelt er gedankenverloren. Ich nicke wieder.
„Und ansonsten weißt du nichts mehr? Auch nicht, wie alt du bist? Oder was du im Wald gemacht hast?“
„Keine Ahnung“, erwidere ich leise.
„Ich bin mir sicher, dass deine Erinnerungen wieder zurückkommen“, meint er. Es soll aufheiternd klingen, aber ich bin gerade nicht besonders optimistisch. „Hey“, sagt er dann zögernd, „Johanna hat gesagt, dass du eine Verletzung am Hinterkopf hast?“
„Ja.“ Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.
„Darf ich… mal sehen?“
Ich nicke und drehe mich um. Behutsam streicht er mein Haar beiseite. Sein Daumen berührt dabei kurz meinen Nacken. Die Berührung ist sanft, wenn auch unbeabsichtigt. Mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken und ich hoffe, dass er es nicht gemerkt hat.
„Das sieht nicht gerade gut aus“, sagt er, „Wir sollten sowieso mal zum Arzt fahren, nachdem du was gegessen hast.“ Er lässt mein Haar los und ich drehe mich wieder zu ihm um.
„Du und ich?“, frage ich zögernd.
„Klar, wer sonst? Es ist niemand anderes hier“, entgegnet er lächelnd.
„Aber wo sind denn alle?“, frage ich.
„Arbeiten oder in der Schule“, erwidert Jakob, „Es ist Mittwoch.“
„Oh.“ Natürlich. Plötzlich komme ich mir ziemlich dumm vor. Nur, weil diese Leute mich gestern aufgenommen haben, heißt das natürlich nicht, dass sie keinen Alltag haben.
In dem Moment ertönt ein klackendes Geräusch. Ich zucke zusammen, bevor ich sehe, dass es nur der Toast war.
„Magst du Nutella? Oder Marmelade?“, fragt Jakob, während er die beiden Scheiben auf einen Teller legt.
„Ja, gern“, erwidere ich.
Einen Moment später stellt er den Teller, zusammen mit einer Tasse Kakao einem Messer, Butter, Nutella und Marmelade vor mir auf den Tisch. „Danke“, sage ich lächelnd.
Still sieht er mir zu, während ich mir zunächst Butter, und danach Marmelade auf die erste Scheibe Toast streiche.
„Und du?“, frage ich zögernd, bevor ich den ersten Bissen nehme, „Hast du heute frei?“
„Ja, ich hab Semesterferien. Ich studiere“, erwidert er.
„Cool, was studierst du denn?“, frage ich.
„Englisch und Germanistik – aber nicht auf Lehramt“, entgegnet er.
„Hier in der Nähe?“
„In Heidelberg. Da hab ich auch ein WG-Zimmer, wo ich während des Semesters wohne.“
„Schön“, erwidere ich nickend.
„Warst du schon mal in Heidelberg?“, fragt er.
„Ich weiß nicht“, entgegne ich mit einem entschuldigenden Lächeln.
„Oh, stimmt ja. Tut mir leid!“ Er erwidert mein Lächeln.
Wir schweigen für einen Moment, dann frage ich: „Also du bist der Älteste von euch dreien?“
Jakob nickt. „Ich bin zwanzig, Lukas siebzehn und Johanna sechzehn.“
„Und, gehen die beiden auf die gleiche Schule?“, frage ich. Es ist belangloser Smalltalk, aber besser als Schweigen.
„Ja, aufs Trifels-Gymnasium. Da habe ich auch mein Abi gemacht.“
„Was bedeutet ‚Trifels‘?“Jakob lächelt. „Du kommst echt nicht von hier, oder? Das ist eine Burg hier in der Nähe – viele Dinge sind danach benannt, die Schule, Hotels, eine Apotheke und sogar unsere Zeitung.“
Er greift in den Zeitungsständer, der neben der Eckbank steht, und fördert eine Zeitung zutage, die er mir in die Hand drückt. ‚Trifels Kurier‘ prangt in dicken Lettern auf der Titelseite, und darunter ein Artikel über ein Treffen mehrerer Bürgermeister aus der Region.
„Das hier ist übrigens meine Tante Anna“, sagt Lukas und deutet auf die einzige Frau auf dem Foto. Sie ist groß und schlank und trägt ihr braun-blondes Haar glatt und lang. Tatsächlich kann ich in ihrem hübschen Gesicht eine gewisse Ähnlichkeit zu Jakob erkennen.
„Sie ist die Bürgermeisterin von Völkersweiler“, sagt dieser in dem Moment.
Völkersweiler. Jetzt fällt mir wieder das Ortsschild von gestern ein.
„So heißt der Ort hier, oder?“, frage ich. Er nickt.
Ich habe den Namen noch nie gehört, oder zumindest glaube ich das. Plötzlich ertönen von draußen die Kirchenglocken. Es ist zwölf Uhr.
„Tut mir leid, dass ich so lange geschlafen habe. Das passt bestimmt gar nicht in deinen Tagesplan, dass du mit mir heute noch zum Arzt fahren musst…“ Ich spüre, dass ich rot werde.
Jakob lacht. „Welcher Tagesplan? Schon vergessen, ich bin Student.“ Damit entlockt er auch mir ein Lachen.
„Nein ehrlich“, meint er dann, „Das macht gar nichts. Ich hab zwar Hausarbeiten zu schreiben, aber die sind generell ziemlich tolerant mit dem Abgabedatum. Und ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass du nicht schon vor drei Stunden aufgewacht bist. So lange bin ich nämlich auch noch gar nicht wach…“
Ich lächele und blicke wieder auf meinen Toast. Ich spüre seinen Blick auf mir, während ich die zweite Scheibe mit Nutella bestreiche.
„Du isst keine Butter unter der Nutella“, kommentiert Jakob.
„Nein, das ist eklig“, erwidere ich reflexartig.
„Sehe ich genauso“, entgegnet er lächelnd. Ich erwidere das Lächeln.
„Danke übrigens für die Zahnbürste und die Zahnpasta“, sage ich, bevor ich von meiner zweiten Scheibe Toast abbeiße.
„Woher weißt du, dass ich das gemacht habe?“, fragt er.
Ich zucke mit den Schultern. „Das war geraten.“ Er lächelt mir erneut zu.
„Was machen deine Eltern eigentlich beruflich?“, frage ich, um weiteres Schweigen zu verhindern.
„Mein Vater ist als Elektriker selbstständig und meine Mum ist Kassiererin. Nichts Besonderes also.“
„Wie meinst du das?“ frage ich.
Er seufzt. „Wenn du neu an die Uni kommst, ist das eine der ersten Fragen, die dir von deinen Kommilitonen gestellt wird. Und viele glauben, dass sie einen bestimmten Status haben, nur weil ihre Eltern viel Geld verdienen, als Professor oder Anwalt oder so. Hast du gewusst, dass weniger als 25 Prozent aller Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien überhaupt studieren?“
Ich schüttele den Kopf.
„Ist alles ziemlich oberflächlich an der Uni“, erwidert er, „Aber vielleicht kennst du das ja selbst.“„Ich wüsste gerne, ob ich studiere“, entgegne ich und wir müssen beide aufgrund der absurden Situation lachen.
„Sicher meldet sich bald jemand. Wer weiß, vielleicht hat deine Familie schon eine Vermisstenmeldung bei der Polizei gemacht…“, meint er einen Moment später.
„Ich hoffe es“, erwidere ich und esse den letzten Happen von meinem Toast.
„Sollen wir uns dann langsam mal auf den Weg machen?“, fragt Jakob, nachdem ich auch meinen Kakao leer getrunken habe. Ich nicke.
„Okay“, sagt er und erhebt sich. Ich tue es ihm gleich und nehme den Teller und die Tasse vom Tisch.
„Wohin soll ich das tun?“, frage ich.
„Stell es einfach in die Spülmaschine“, erwidert er und öffnet eine Klappe unter der Küchenzeile, hinter der sich die Spülmaschine verbirgt.
„Und der Arzt ist hier im Ort?“, frage ich, während ich das Geschirr einräume.
„Im Nachbardorf“, erwidert Jakob.
Als ich die Spülmaschine geschlossen habe, bemerke ich, dass er mich ansieht. Sein Blick wandert von oben bis unten über meinen Körper. „Aber so kannst du nicht gehen…“, sagt er mit einem Lächeln. Ich spüre, wie ich wieder rot werde und wünschte, ich würde mehr als den kurzen, dünnen Schlafanzug tragen…
„Komm, du kannst dir was von Johannas Sachen ausleihen“, meint er und läuft voraus.
„Ich glaub nicht, dass sie das so gut findet“, erwidere ich, während wir durch den Flur laufen.
„Wieso?“, fragt Jakob und beginnt, die Treppe in den ersten Stock nach oben zu steigen.
„Na ja…“, entgegne ich, während ich ihm folge, „Ich hab gestern mitbekommen, wie sie Lukas angemotzt hat, weil er mir ihren Schlafanzug gegeben hat. Aber als ich dann in der Tür stand, war sie ziemlich nett zu mir…“
Jakob lacht. „Das ist Johanna: immer erst motzen, bevor sie nachdenkt – sie ist halt in der Pubertät…“
Ich folge ihm in das Zimmer seiner Schwester, es ist das erste im Flur, auf der linken Seite. Daneben, gegenüber vom Bad, ist ein weiteres Zimmer, in das ich bisher noch keinen Blick geworfen habe, und neben meinem Zimmer gibt es noch einen weiteren Raum, doch auch hier weiß ich noch nicht, was sich darin befindet.
Ohne zu zögern betritt Jakob das Zimmer seiner Schwester. Ich folge ihm und erblicke schwarze, glänzende Vorhänge, eine lilafarbene Wand, eine weitere Wand, die übersät ist mit Fotos und Postern, unter der Johannas Bett mit lila-schwarz gestreifter Bettwäsche steht. Auf dem Boden liegt ein lilafarbener Teppich, und an den anderen Wänden stehen ein Schrank und ein Schreibtisch aus hellem Holz, die absolut nicht in dieses Zimmer passen – vermutlich Überbleibsel aus der Zeit, bevor Schwarz Johannas Lieblingsfarbe wurde…
Jakob öffnet den Schrank, und uns fällt ein Schwall von Klamotten entgegen. Überrumpelt fangen wir beide einen Teil der Kleiderlawine auf, bevor einige Teile auf den Boden fallen.
„Wie kann man nur so unordentlich sein?“, murmelt er kopfschüttelnd, was mich amüsiert.
„Pubertät halt“, sage ich schulterzuckend, was ihm ebenfalls ein Lachen entlockt.
„Also, da es hier überhaupt kein System zu geben scheint – oder ich einfach zu dumm bin, um das System zu verstehen – würde ich sagen, du nimmst dir einfach irgendwas, was dir gefällt.“
„Ich hoffe, ich erwische jetzt nicht gerade Johannas Lieblingsteil…“, sage ich zögernd.
„Solange es nicht schwarz oder lila ist, ist das Risiko relativ gering“, erwidert er und zwinkert mir zu. Ich spüre schon wieder, dass ich rot werde, und sehe weg, während ich mich durch die Kleider wühle. Dabei stoße ich auf eine lange Jeans.
„Dafür ist es, glaube ich, zu warm heute“, meint Jakob, der sich ebenfalls auf die Suche gemacht hat.
Ich lege die Hose zurück und nehme stattdessen eine Jeansshorts. Ich halte sie mir kurz an den Körper. Müsste passen.
„Hier, versuch das mal“, sagt Jakob in diesem Moment und drückt mir ein beigefarbenes Shirt mit großen Rüschen am Ausschnitt in die Hand.
„Das gehört Johanna?“, frage ich ungläubig.
„Ja, kaum zu glauben, was?“, entgegnet er amüsiert, „Das hatte sie vor ein paar Monaten noch gefühlt jeden zweiten Tag an. Und da hatten ihre Haar noch die gleiche Farbe wie die von Lukas…“
„Und warum ist sie dann so… geworden?“, frage ich zögernd.
„Pubertät?“, erwidert er schulterzuckend, und wir müssen beide lachen. „Ich hoffe jedenfalls, dass es nur eine Phase ist“, meint er und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Ich gehe dann mal nach unten und warte, bis du fertig bist.“ Mit diesen Worten dreht er sich um und lässt mich allein.
Mir wird klar, dass ich noch einen BH brauche, und mein Blick fällt auf die Schubladen im unteren Bereich des Schranks. Ich bücke mich und öffne eine der Schubladen, doch ich sehe nur Socken. Ich wühle durch die Strümpfe, in der Hoffnung, doch noch einen BH zu entdecken, aber stattdessen stoße ich auf etwas anderes: Am Boden der Schublade liegt etwas Helles, Flaches. Es ist ein Foto, verborgen zwischen all den Socken, auf dem ich eine strahlende Johanna sehe. Das geht mich nichts an. Schnell schließe ich die Schublade wieder und öffne die darunter. Bingo.
Ich nehme mir einen schlichten weißen BH ohne Bügel aus der Schublade. Dann zögere ich für einen Moment. Meine Neugier siegt schließlich doch, und ich öffne die Schublade mit den Socken wieder. Mit einem schlechten Gewissen nehme ich das Foto heraus und betrachte es. Es ist ein Polaroid und die Johanna auf dem Foto hat hellbraunes, langes Haar und trägt ein rosafarbenes Shirt. Sie sieht jünger aus, auch wenn das Foto wahrscheinlich noch gar nicht so alt ist. Die schwarzen Haare und das dunkle Make-up lassen sie älter wirken. Ich drehe das Polaroid um und sehe, dass jemand etwas auf die Rückseite geschrieben hat:
‚Du bist wunderschön, meine Süße‘, steht dort in unordentlichen, gekritzelten Buchstaben.
Schnell lege ich das Foto zurück in die Schublade. Das geht mich nun wirklich nichts an…
Ich nehme mir ein Paar Socken und ziehe mich um. Erst beim Anziehen bemerke ich, dass das Shirt schulterfrei ist. Als ich alles angezogen habe, betrachte ich mich im Spiegel. Sieht eigentlich ganz gut aus. Aber Jakob meinte, draußen wäre es ziemlich warm – zu warm für meine offenen langen Haare vermutlich. Schnell gehe ich ins Bad und werfe einen Blick in Johannas Regalfach. Zum Glück finde ich gleich ein Haargummi, mit dem ich mir die Haare vorsichtig, um nicht an meine Wunde zu kommen, zu einem Pferdeschwanz binde.
Dann gehe ich schnell die Treppe nach unten. Jakob sitzt auf der Couch im Wohnzimmer und ist mit seinem Handy beschäftigt. Als ich hereinkomme, lässt er es sinken und betrachtet mich.
„Sieht gut aus“, meint er mit einem Lächeln, das mich schon wieder erröten lässt, und erhebt sich. Im Flur steht ein großer Schuhschrank, aus dem er mir ein Paar helle Turnschuhe reicht.
„Glaub mir, Johanna hat dafür sicher keine Verwendung mehr“, sagt er, als er meinen fragenden Blick sieht. Dann schlüpft auch er in ein Paar Turnschuhe, nimmt einen Schlüssel von dem Brett, das neben der Haustür hängt, und wir gehen nach draußen.
Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel und unter anderen Umständen hätte ich sicher einen Moment innegehalten, um ihre Wärme auf meinem Gesicht zu genießen, aber jetzt gerade habe ich keinen Kopf dafür. Ich bin nervös. Wie gestern schießen mir tausend Fragen durch den Kopf, zu denen ich keine Antwort kenne.
Wir laufen die Stufen, die zur Straße führen, hinunter und zu einem alten Polo, der am Straßenrand geparkt steht. Im Vorbeigehen fällt mir das Klingelschild mit der Aufschrift ‚Sommer‘ auf. Bis eben wusste ich noch nicht mal, wie die Familie, bei der ich übernachten durfte, mit Nachnamen heißt…
„Ist das dein Auto?“, frage ich, als Jakob die Fahrertür des Polos aufschließt und mir bedeutet, auf der Beifahrerseite Platz zu nehmen.
„Ja“, entgegnet er, als wir beide sitzen, „Ich hab’s zum achtzehnten geschenkt bekommen. Ist zwar eine alte Kiste, aber mir reicht’s.“
Ich steige in das aufgeheizte Auto, und fange sofort an, zu schwitzen. Hier drinnen ist die reinste Sauna. Als er den Motor startet, schaltet sich auch das Radio ein, und ein Song ertönt, den ich von irgendwoher kenne.
„Sind das… die Red Hot Chili Peppers?“, frage ich zögernd.
„Ja, genau!“, erwidert Jakob, während er das Auto auf die Straße fährt. Er lächelt mir zu. „Das ist ‚Under the Bridge‘, eins meiner Lieblingslieder. Magst du die Band auch?“
Ich zucke mit den Schultern, und sein Lächeln wird ein wenig schwächer.
„Oh, stimmt ja. Tut mir leid“, sagt er, und ich schweige ein wenig beschämt.
Jakob fährt los, die Straße runter, die ich gestern mit Lukas entlanggelaufen bin. Im Tageslicht stelle ich fest, dass es nur einen winzigen Bürgersteig gibt, wenn überhaupt; an manchen Stellen fehlt er komplett. Die Häuser haben alle höchstens ein Stockwerk über dem Erdgeschoss, ganz selten auch zwei, und oft einen Vorgarten. In einigen spielen Kinder oder Erwachsene sitzen in der Sonne. Wir kommen jetzt ans Ende des kleinen Hügels, den Lukas und ich gestern hoch gelaufen sind, und biegen nach rechts ab. Links ist der Wald, aus dem ich gekommen bin, rechts das Dorf. Schon wieder führt die Straße bergab. Es fasziniert mich, wie die Häuser an den hügeligen Untergrund angepasst sind: Manche von ihnen scheinen geradezu aus dem Boden herauszuwachsen. Hier unten sind die Häuser kleiner, und ich kann keine Vorgärten mehr sehen. Wir fahren an einem kleinen Dorfplatz vorbei, der das Zentrum des Ortes zu bilden scheint. Ein Brunnen aus rotem Sandstein mit einer schwarz lackierten Wasserpumpe steht in der Mitte des kleinen Platzes, und einige Kinder jagen einander mit Wasserspritzpistolen. Ich schaue ihnen nach, als wir vorbeifahren.
„Meine Freunde und ich haben das früher auch oft gemacht“, sagt Jakob plötzlich, „Wasserschlachten am Brunnen, das waren noch Zeiten…“
Ich schaue ihn an, doch sein Blick ruht weiterhin auf der Straße.
„Es muss toll sein, an so einem schönen Ort aufzuwachsen“, sage ich.
„Ja, auf jeden Fall“, erwidert er lächelnd.
Wir haben jetzt das Ende des Dorfs erreicht, und vor uns liegt eine Landstraße. Jakob bleibt an der Einmündung zum Dorf stehen und ich erhasche einen Blick auf das Ortsschild. Völkersweiler. Warum klingelt da bei mir nichts? Und was habe ich nur hier gemacht?
Ich seufze leise, aber anscheinend nicht leise genug, denn plötzlich sagt Jakob: „Du musst keine Angst haben, Herr Weiß ist echt nett. Er war schon immer unser Hausarzt.“
„Das ist es nicht“, erwidere ich, „Ich hab nur Angst davor, was er sagen wird…“
Jakob biegt nach rechts auf die Landstraße ab. „Egal was es ist, wir werden dir helfen“, sagt er. In meiner Brust breitet sich plötzlich ein warmes Gefühl aus. Ich habe so ein Glück, zufällig an so nette Menschen geraten zu sein.
„Danke“, sage ich leise und versuche, meine Emotionen zurückzuhalten.
Wir fahren an einem kleinen Friedhof vorbei, und dann befinden sich plötzlich sowohl rechts als auch links von uns nur noch Wiesen. Allerdings nur für etwa eine Minute, denn dann taucht schon das nächste Ortsschild vor uns auf. Gossersweiler-Stein.
„Komischer Name“, murmele ich. Auch dieser Ort sagt mir rein gar nichts.
„Ja, stimmt“, erwidert Jakob lachend, „Und er wird noch komischer, wenn du ihn pfälzisch aussprichst. Beziehungsweise die zwei Namen. Gossersweiler und Stein sind eigentlich zwei getrennte Dörfer – und wenn du zu jemandem aus Stein sagst, dass er in Gossersweiler lebt, dann Gnade dir Gott…“
Ich muss lachen. „So schlimm?“
Jakob blickt mich an. „Ich würd’s nicht versuchen“, meint er lachend. „Jedenfalls sagen wir zu Stein ‚Stä‘ und zu Gossersweiler ‚Gousch‘.“
„Hä, wieso das denn?“ Ich muss schon wieder lachen.
„Keine Ahnung“, entgegnet er schulterzuckend, „Da müsste ich meinen Opa fragen, aber der weiß es vermutlich auch nicht…“
Wir fahren in eine Rechtskurve und biegen dann rechts ab.
„Da ist es“, meint Jakob, als wir eine kleine Rampe hinauf fahren. Auf dem kleinen Parkplatz stehen bereits fünf Autos, was bedeutet, dass schon so gut wie alle Plätze belegt sind. Jakob parkt den Polo auf dem äußersten, dem einzigen freien Parkplatz, und wir steigen aus und laufen zur gläsernen Eingangstür. Galant hält er sie für mich auf. „Danke“, sage ich ein wenig verlegen und betrete die Praxis. Es ist etwas dunkel drinnen, und als ich mich umsehe, wird mir bewusst, wie klein hier alles ist: Wir stehen quasi mitten im Wartezimmer, das einfach der vordere Teil des Raums ist, nicht abgetrennt durch eine Tür, eine Wand oder etwas Ähnliches. Und direkt vor uns, ebenfalls im selben Raum, befindet sich die Rezeption. Jakob läuft an mir vorbei und erst jetzt wird mir klar, dass ich verwirrt stehen geblieben bin. Schnell laufe ich ihm nach.
„Bitte?“, fragt das Mädchen, das an der Rezeption sitzt und wohl kaum älter ist als wir.
„Hallo“, erwidert Jakob und sagt dann etwas auf Pfälzisch, dass ich als „Wir würden gerne in die Sprechstunde“ identifiziere.
„Wie jetzt, du oder sie?“ Das Mädchen deutet auf mich.
„Ähm…“ Ich weiß nicht, was ich sagen soll, doch Jakob setzt bereits zu einer Erklärung an.
„Eigentlich sie“, sagt er, „Aber ich geh mit.“
„Okayyyy“, entgegnet das Mädchen gedehnt, und meint an mich gewandt: „Ich bräucht dann noch‘s Kärtel.“
Fragend blicke ich sie an.
Jakob seufzt und erwidert: „Hat se net.“
Jetzt fällt der Groschen bei mir: Sie will meine Krankenkassenkarte. Jakob senkt die Stimme und erklärt in einer Kurzfassung den Grund für unseren Arztbesuch.
Das Mädchen seufzt und erklärt, dass sie irgendeine Karte bräuchte, woraufhin Jakob ihr sagt, dass sie seine nehmen soll. Mit vorwurfsvollem Blick folgt sie seinem Rat, steckt seine Karte in das Erfassungsgerät und gibt sie ihm dann zurück.
„Dann grad noch än Moment Platz nemme“, sagt sie und deutet mit dem Kopf auf den Wartebereich, aus dem uns schon von weitem neugierige Blicke entgegenschlagen.
Als wir hinlaufen, schauen die meisten weg, während andere keinen Hehl aus ihrer Neugier machen.
„Hallo“, sagt Jakob freundlich in die Runde, woraufhin die meisten auch ein Hallo murmeln, dann setzen er und ich uns auf die äußersten Plätze einer Wartebank. Außer uns sitzen noch eine junge Mutter mit zwei quengelnden Kindern, ein Mann in Handwerkerkleidung, zwei alte, miteinander tuschelnde Damen und ein etwa vierzehn- oder fünfzehnjähriger Junge im Wartebereich. Während die Damen weiterreden, wirft eine von ihnen immer wieder Blicke in Jakobs und meine Richtung.
„Warum schauen die so?“, flüstere ich ihm zu, was ihn zu amüsieren scheint.
„Weil sie dich nicht kennen“, erwidert er so dicht an meinem Ohr, dass sein Atem mich kitzelt. Ich blicke ihn an.
„Du bist etwas Neues, Exotisches, worüber es sich zu tratschen lohnt“, meint er mit einem amüsierten Grinsen, „Ignorier es einfach.“
„Und dich kennen sie?“, frage ich nach.
„Ich glaube, eine von ihnen war mit meiner Oma befreundet, keine Ahnung. Nur weil alte Leute dich kennen, heißt das nicht, dass du sie auch kennst. Meistens ist das Gegenteil der Fall…“
Die Frau mit den Kindern wird ins Behandlungszimmer gerufen. Die beiden alten Frauen quatschen immer noch über uns.
Ich nehme mir eine der Zeitschriften, die auf dem niedrigen Tisch vor uns liegen, und lese ein wenig darin. Es ist ein Naturmagazin mit Bildern von wunderschönen Landschaften. Ich blättere es durch und betrachte circa hundert Orte, an denen ich jetzt lieber wäre als hier.
„Jakob Sommer?“, sagt plötzlich eine Stimme und Jakob erhebt sich. Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich laufe Jakob nach und folge ihm durch eine offene Tür neben der Rezeption. Es befindet sich nicht viel in dem Raum, nur ein Schreibtisch mit Drehstuhl, zwei weitere Stühle, ein Waschbecken und eine Liege. Am Schreibtisch sitzt ein Mann, der uns den Rücken zuwendet. Jakob setzt sich auf einen der anderen Stühle und ich folge zögernd seinem Beispiel.
Der Mann steht auf und schließt die Tür. Er ist vielleicht Mitte 40, hat dunkle Haare und eine Brille. Erst als er zurückkommt, scheint er mich zu bemerken.
„So, womit kann ich helfen?“, fragt er und nimmt auf seinem Stuhl Platz. Ich bin überrascht, dass er hochdeutsch spricht.
„Wir sind eigentlich nicht wegen mir hier, sondern wegen ihr.“ Jakob deutet mit dem Kopf auf mich. „Mein Bruder hat sie gestern im Wald gefunden, und sie hat ihr Gedächtnis verloren.“
Der Arzt blickt von Jakob zu mir und sein Blick ruht auf mir, ohne dass er etwas sagt.
„Er hat Recht“, sage ich nervös, „Alles woran ich mich erinnern kann, ist mein Vorname. Ich…“ Ich muss schlucken. „Ich glaube, dass mich etwas am Hinterkopf getroffen hat. Ich habe da eine Wunde…“„Kann ich mir die mal ansehen?“, fragt der Arzt. Ich nicke und stehe auf. Dann wende ich ihm den Rücken zu, löse meinen Zopf und streiche mein Haar beiseite, sodass er die Wunde betrachten kann.
Der Arzt stößt einen Pfiff aus. „Das ist nicht gerade was Kleines. Eigentlich hätte man die auch nähen können, aber dafür ist es jetzt zu spät… Wurde die Wunde gereinigt?“„Ich war gestern duschen“, murmele ich kleinlaut und wende mich wieder dem Arzt zu.
„Wir sollten sie trotzdem noch desinfizieren“, meint er, „Ich bin gleich zurück.“
Mit diesen Worten verlässt er das Zimmer und lässt uns allein zurück.
„Hey, alles klar?“, fragt Jakob.
Ich nicke. „Ich frage mich nur, wie das passiert sein könnte…“
In diesem Moment kommt der Arzt zurück, mit einem Tupfer und Desinfektionsmittel.
„Können Sie bitte auf der Liege Platz nehmen?“
Ich nicke und tue was er sagt. Dann hebe ich mein Haar wieder an, sodass er die Wunde sehen kann, und er beginnt, sie zu desinfizieren. Ich zucke zusammen und stoße einen Schmerzenslaut aus. Das Mittel brennt wie Feuer.
„Wir haben’s schon“, meint der Arzt in diesem Augenblick. Ich atme einen Moment lang durch, dann frage ich: „Glauben Sie, mein Gedächtnisverlust hängt mit dieser Wunde zusammen?“
„Das glaube ich nicht nur, da bin ich mir sogar sicher“, erwidert er.
Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken, obwohl ich es bereits geahnt habe. Aber die Gewissheit zu haben, macht alles noch unheimlicher. „Und wie… habe ich diese Wunde bekommen?“
„Also, so wie ich das beurteile, wurden sie von einem schweren Gegenstand am Kopf getroffen. Hatten Sie vielleicht einen Autounfall? Haben Sie noch weitere Verletzungen?“
Ich schüttele den Kopf. „Nein. Als ich… als Lukas mich gefunden hat, war ich… ziemlich schmutzig, aber nicht verletzt.“
„Dann lässt das für mich nur einen Schluss zu“, meint der Arzt, „Jemand muss Sie niedergeschlagen haben.“
Früher:
Ich habe es niemandem erzählt – wem denn auch?
Meine Eltern haben ihre eigenen Sorgen und Probleme, und Freunde habe ich nicht – nicht mehr…
Die letzten Monate waren die schlimmsten meines Lebens, und dann taucht plötzlich dieser Brief auf und bringt alles noch mehr durcheinander, als es ohnehin schon war. Ich bin wütend auf mich selbst, darüber, dass ich mich schon wieder so aus der Bahn werfen lasse.
Und falls es doch einen Gott gibt, bin ich auch wütend auf ihn: War das letzte Jahr denn nicht schon genug?
Jetzt:
Mir ist plötzlich eiskalt. „Sind Sie sich sicher?“, frage ich, „Könnte ich nicht vielleicht… im Wald spazieren gegangen, und dann ausgerutscht sein, und gestürzt, oder so was?“Doch der Arzt schüttelt den Kopf. „Nein, dann hätten Sie auch noch weitere Verletzungen. Aber wenn es wirklich nur diese eine Wunde ist, kann ich mir nichts anderes vorstellen.“
Geschockt senke ich den Blick. Wer sollte so etwas tun? Und vor allem: Warum?
„Ich verstehe das nicht…“, murmele ich.
„Werden die Erinnerungen denn zurückkommen?“, fragt Jakob in dem Moment.
Oh mein Gott, daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht! Gespannt blicke ich den Arzt an, doch zu meiner Erleichterung nickt er.
„Bei fast allen durch Verletzungen ausgelösten Amnesien kommen die Erinnerungen irgendwann zurück.“
„Irgendwann?“, frage ich, während mein Herz schwer wird.
„Das variiert stark, aber in Ihrem Fall würde ich sagen, dass es frühestens in ein paar Tagen und spätestens in ein paar Wochen passieren wird.“
Ein paar Wochen… Und was mache ich bis dahin?
„Können wir denn irgendwas tun, um zu helfen?“, fragt Jakob.
„Ich fürchte nein“, meint der Arzt und wendet sich dann wieder an mich. „Es kann sein, dass bestimmte Trigger ihre Erinnerungen teilweise zurückbringen. Das ist oft der Fall. Bestimmte Orte, Klänge, Gerüche; es kann alles Mögliche sein. Aber außer Ihnen Schmerzmittel für die Wunde zu verschreiben, kann ich leider nichts tun.“
„Danke, aber das brauche ich nicht“, erwidere ich. Was ich brauche, sind meine Erinnerungen, und die kann mir im Moment niemand zurückgeben…
„Gut, wir sollten es aber dennoch röntgen lassen, auch wenn ich nicht glaube, dass Sie bleibende Schäden davongetragen haben. Und falls die Wunde sich doch entzünden sollte, kommen Sie sofort zu mir, in Ordnung?“
Ich nicke. „Danke“, sage ich dann und schüttele ihm zum Abschied die Hand. Nachdem sich auch Jakob sich verabschiedet hat, verlassen wir die Arztpraxis – allerdings nicht ohne, dass er noch ein ‚Tschüss‘ in Richtung der Rezeption ruft und sogleich ein Echo davon zurückbekommt.
Als wir im Auto sitzen, lasse ich erschöpft den Kopf in meine Hände fallen und schließe für einen Moment die Augen.
„Hey, Kopf hoch“, meint Jakob aufmunternd und legt sanft seine Hand auf meinen Rücken. Ich schaue ihn an.
„Es könnte immer noch schlimmer sein“, sagt er.
„Ach ja? Wie denn?“, erwidere ich niedergeschlagen.
„Du könntest zum Beispiel obdachlos sein.“
„Wer weiß, vielleicht bin ich’s ja“, entgegne ich, „Ich hatte ja noch nicht mal einen Geldbeutel oder ein Handy dabei…“ Ich überlege einen Moment lang, dann frage ich: „Glaubst du, dass die Person, die mich niedergeschlagen hat, mir meine Sachen gestohlen hat?“
„Vielleicht hast du’s auch einfach nur verloren“, meint Jakob. „Wir werden es gleich herausfinden. Meine Eltern haben gestern schon gesagt, dass ich mit dir zur Polizei gehen soll. Vielleicht gibt es ja eine Vermisstenanzeige. Oder vielleicht hat jemand deine Sachen gefunden und abgegeben. Also: jetzt erst mal ins Krankenhaus zum Röntgen, und dann fahren wir zur Polizei.“ Mit diesen Worten nimmt er seine Hand von meinem Rücken und startet den Motor.
„Ich wünschte, ich könnte so optimistisch sein wie du…“, sage ich, während ich mich anschnalle.
Wir fahren den Weg zurück nach Völkersweiler, doch anstatt links in den Ortseingang abzubiegen, fahren wir weiter. Die Landstraße führt einen ziemlich steilen Hügel hinauf und dann in einer scharfen Kurve weiter bergauf, bevor es wieder bergab geht, mitten in den Wald hinein.
„Ziemlich schwierige Strecke, oder?“, frage ich etwas beunruhigt. Jakob gibt ganz schön Gas. Und er ist zwanzig, wie viel Fahrerfahrung kann er schon groß haben?
„Ach, ich bin früher jeden Tag diese Strecke in die Schule gefahren. Man gewöhnt sich ziemlich schnell dran…“
Ich schaue aus dem Fenster und bin überrascht, dass es scheinbar mitten im Wald überhaupt so gute Straßen gibt. Es ist wirklich schön hier, aber auch ziemlich weg vom Schuss…
„Ich würde dich ja nach Musikwünschen fragen, aber das Auto ist so alt, dass ich nur einen CD-Player habe“, sagt Jakob in dem Moment.
„Ach, kein Problem, mir gefällt deine Musik“, erwidere ich. Jetzt gerade läuft ein weiteres Lied, das mir bekannt vorkommt.
