Werewolves of Rebellion - Im Bann der Wölfe - Ana Lee Kennedy - E-Book

Werewolves of Rebellion - Im Bann der Wölfe E-Book

Ana Lee Kennedy

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Beschreibung

Als sie jetzt in seine dunklen, bis in ihre Seele dringenden Augen sah, wurde ihr klar, dass seine Anziehung auf sie zu einer Besessenheit geworden war, die sie nach seiner Berührung dürsten ließ. Frank mochte dominant, halsstarrig und häufig arrogant sein, aber Bernadette bekam ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf. Bernadette Kelly ist ehrgeizig und furchtlos. Und somit genau die Richtige, um ein Buch über die undurchdringliche und gefährliche Welt der MCs zu schreiben. Ihre Recherchen führen sie nach Rebellion, eine Stadt mit einem düsteren Geheimnis und noch düsteren MCs.Sie landet bei den Werewolves of Rebellion. Der Club fasziniert sie - doch es ist vor allem der geheimnisvolle und äußerst attraktive Präsident Frank, der sie in seinen Bann zieht. Als Bernadette die Wahrheit über Frank und seinen MC entdeckt, ahnt sie noch nicht, wie weit das Schicksal der Werewolves of Rebellion mit ihrem verwoben ist - und dass sie in ein tödliches Spiel aus Macht und Leidenschaft gerät. Düster, sexy und geheimnisvoll - "Im Bann der Wölfe" ist der Auftakt der neuen Paranormal-MC-Reihe "Werewolves of Rebellion" von Ana Lee Kennedy. eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

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Seitenzahl: 403

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Inhalt

Cover

Über dieses Buch

Über die Autorin

Titel

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Unsere Empfehlung

Über dieses Buch

Als sie jetzt in seine dunklen, bis in ihre Seele dringenden Augen sah, wurde ihr klar, dass seine Anziehung auf sie zu einer Besessenheit geworden war, die sie nach seiner Berührung dürsten ließ. Frank mochte dominant, halsstarrig und häufig arrogant sein, aber Bernadette bekam ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Bernadette Kelly ist ehrgeizig und furchtlos. Und somit genau die Richtige, um ein Buch über die undurchdringliche und gefährliche Welt der MCs zu schreiben. Ihre Recherchen führen sie nach Rebellion, eine Stadt mit einem düsteren Geheimnis und noch düsteren MCs. Sie landet bei den Werewolves of Rebellion. Der Club fasziniert sie – doch es ist vor allem der geheimnisvolle und äußerst attraktive Präsident Frank, der sie in seinen Bann zieht. Als Bernadette die Wahrheit über Frank und seinen MC entdeckt, ahnt sie noch nicht, wie weit das Schicksal der Werewolves of Rebellion mit ihrem verwoben ist – und dass sie in ein tödliches Spiel aus Macht und Leidenschaft gerät.

Düster, sexy und geheimnisvoll – „Im Bann der Wölfe“ ist der Auftakt der neuen Paranormal-MC-Reihe „Werewolves of Rebellion“ von Ana Lee Kennedy.

Über die Autorin

Ana Lee Kennedy alias Faith Bicknell lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und Enkeln, zwei Katzen und zwei Hunden in Ohio. Sie schreibt schon fast ihr ganzes Leben lang. Ihre Lieblingsgenres sind Paranormal, Fantasy und Frauenliteratur mit einer gehörigen Portion Romantik. Seit zwanzig Jahren ist sie auch als Lektorin tätig.

Ana Lee Kennedy

Werewolves of Rebellion

Im Bann der Wölfe

Ins Deutsche übertragen von Michaela Link

Deutsche Erstausgabe

»be« – Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG

Für die Originalausgabe:

Copyright © 2016 by Ana Lee Kennedy

Titel der amerikanischen Originalausgabe: »Nightshade’s Flame«

Originalverlag: Riverdale Avenue Books, LLC, New York

Für diese Ausgabe:

Copyright © 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Covergestaltung: Guter Punkt, München unter Verwendung von Motiven von © Getty Images/subjob; © GettyImages/hkuchera; © Getty Images/FXQuadro; © Getty Images/WerksMedia

eBook-Erstellung: 3w+p GmbH, Rimpar (www.3plusp.de)

ISBN 978-3-7517-0273-7

be-ebooks.de

lesejury.de

Kapitel 1

Frank hasste die Hitze. Die Sonne brannte erbarmungslos auf die versammelten Mitglieder des »MC Wraithkillers« nieder, und der Duft von Schweinegülle, Kuhfladen und frischem Heu, das auf den Feldern trocknete, setzte seinem Geruchssinn zu. Schweiß rann ihm durchs Haar und wurde von dem schwarz-weißen Stirnband aufgefangen, das er sich, zu einem langen Streifen zusammengerollt, um den Kopf geschlungen hatte. Er musterte Crow, den Präsidenten der Wraithkillers, hielt Ausschau nach irgendwelchen Anzeichen von Hinterhältigkeit und wünschte, ihn einfach umbringen, auf ihn pissen und dann Leine ziehen zu können. Er blinzelte mehrmals und zwang sich, diese Gedanken zu vertreiben. Die Tage der »blutigen Übernahmen« – wie es die Alten ihres Clans zu nennen pflegten – waren vorüber. Er musste sein Verlangen nach Blutvergießen unterdrücken. Alle mussten das, ob Mensch oder Werwolf.

»Es ist ein fairer Tausch, Frank«, erklärte Crow, womit sich Franks Aufmerksamkeit wieder auf das aktuell anliegende Problem richtete.

»Ihr habt eine unserer Frauen geraubt«, knurrte Frank, über Crows Worte aufgebracht, »und du nennst das einen fairen Tausch?«

»Na klar.« Der Kerl lächelte und ließ dabei makellose weiße Zähne sehen, die vor dem Hintergrund seiner dunklen Haut umso strahlender glänzten. Es hieß, Crow sei halb Indianer, halb Afroamerikaner. Manche beteuerten dagegen, dass er jamaikanischer Herkunft sei, während einige sogar behaupteten, Crow habe japanische Wurzeln. Aus welchem Land auch immer seine Vorfahren ursprünglich stammen mochten, er war mit allen Wassern gewaschen, gewitzt, stark und einfallsreich, und die Frauen fühlten sich von seinem guten Aussehen und seinem Charme angezogen. Die Männer seines Bikerclubs bewunderten ihn und wünschten sich, selbst all das zu haben, was ihr Boss hatte, aber sie waren klug genug, ihn nicht herauszufordern.

Das Grinsen seines Gegenübers erinnerte Frank an einen Puma kurz vor dem Angriff. Außerdem schien Crow sich heute schon etwas zu viel von was auch immer reingepfiffen zu haben, sodass Frank doppelt vorsichtig sein musste, ihm ja nicht auf den Schlips zu treten.

»Ihr habt unsere Kiste mit den Knarren, und wir haben eine von euren Frauen«, Crow blickte in die Runde, »bei der es sich, glaube ich, um Beastmans Alte handelt.« Als der junge Anwärter auf Clubmitgliedschaft, den Crow im Blick gehabt hatte, nun bestätigend nickte, fuhr Crow fort: »Gebt uns zurück, was uns gehört, und wir revanchieren uns entsprechend.«

»Verdammt, Crow!«, donnerte Frank.

Crows Männer griffen nach ihren Messern oder Pistolen. Frank hoffte inständig, dass ihm nicht gleich alle Sicherungen durchbrennen würden. »Meine Männer haben euch nichts geraubt. Sie haben die Kiste halb zerbrochen auf der Straße gefunden – vollgepackt mit 9-Millimeter-Waffen und AK-15 s. Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass wir das Ding gefunden haben. Die Wraithkillers sind für Waffenschiebereien bekannt. Ihr wisst selbst, wenn die Kiste den Bullen untergekommen wäre, hätten die in eurem Club herumgeschnüffelt, um euch das Ganze anzuhängen. Wir haben euch einen Gefallen getan.«

Crow zuckte mit den Achseln. »Scheißegal. Ihr habt trotzdem etwas genommen, das euch nicht gehört.« Er deutete mit der Hand auf die gefesselte und geknebelte Frau hinter einem Traktor. »Ich will, dass es fair zugeht.«

Frank warf Phil, seinem Stellvertreter, einen Blick zu.

Phil schüttelte seufzend den Kopf. »Von mir aus können wir tauschen«, meinte er. »Du weißt, wenn Beastman seine Süße nicht zurückbekommt, wird er gegen die Abmachungen verstoßen und auf Crows Gelände kommen, um sie sich zu holen. Und damit wahrscheinlich einen neuen Krieg auslösen.«

»Hör auf deinen Stellvertreter«, sagte Crow herablassend grinsend.

Frank hätte dem Mistkerl gern einen Kinnhaken verpasst. Er ballte seine rechte Hand zur Faust, sodass sich seine Krallen in die Handinnenfläche gruben, und zwang sich, sie nicht ganz auszufahren.

»Er hat völlig recht mit dem, was er sagt«, fügte Crow hinzu. »Ihr wollt doch nichts tun, was dem vorläufigen wackeligen Frieden, den wir während der letzten sechs Monate hatten, ein Ende setzen würde, oder?«

Frank kämpfte gegen das Tier in sich. Es würde so guttun, seine Krallen wachsen zu lassen, Crow die Kehle aufzureißen und dann zuzusehen, wie der arrogante Ausdruck auf seinem Gesicht dahinschwand, zusammen mit seinem Leben. Aber so was würde Frank nicht tun, er war kein Fiesling. Er war der Präsident der »Werewolves of Rebellion«, und er hatte lange darum gekämpft, hier in den Appalachen eine Art Zufluchtsstätte für seine Leute zu schaffen. Nur die vertrauenswürdigsten Außenstehenden kannten ihre wahre Identität, und nachdem sie während der letzten zwei Jahre mit den Wraithkillers im Clinch gelegen hatten, war es nun endlich gelungen, eine Art Frieden zwischen den beiden Bikerclubs herzustellen, obwohl Crow gern alle gegen sich aufbrachte und Unruhe stiftete, wann immer er konnte.

Frank ließ den Blick über Crows Gelände wandern, bis er an der Scheune hängen blieb, die zum Clubhaus umgebaut worden war. Ein kleines baufälliges Gehöft stand links davon am Waldrand. Ungefähr dreißig Motorräder, größtenteils Harleys, parkten zwischen den beiden Gebäuden, und einiges an altem landwirtschaftlichen Gerät der Marke John Deere – von Traktoren bis hin zu einem Mähdrescher und allem möglichen Zubehör – war um die Scheune herum verteilt oder auf deren Rückseite abgestellt worden. Als Nächstes begutachtete er die anwesenden Wraithkillers. Die meisten waren junge Anwärter auf die Vollmitgliedschaft, aber in der Tür zum Clubhaus konnte er auch Firewater ausmachen, Crows Stellvertreter. Vier der »Schafe« der Gang starrten von drinnen zu ihnen heraus, ihr Haar zerwühlt und die Brüste fast aus den BHs quellend. Jede der Frauen schien gespannt, wie sich die Ereignisse wohl entwickeln würden.

Eines musste er Crow lassen: Der Mann kümmerte sich um seine Bikerfamilie – er sorgte für sie, wachte über sie. Crow machte nur, was für seinen Club das Beste war, und genau das Gleiche hätte Frank ebenfalls getan.

Mit einem unzufriedenen Grunzen richtete er seine Aufmerksamkeit auf Luella. Sie saß mit an die Anhängerkupplung des Traktors gefesselten Händen da, ihre Füße waren zusammengebunden, und man hatte ihr ein rotes Kopftuch als Knebel in den Mund gestopft. Und was für ein schöner Mund das war, vergegenwärtigte sich Frank. Bevor sie Beastmans Frau geworden war, hatte Luella ihm mehrfach einen geblasen – und das unfassbar gut. Er hatte immer noch eine Schwäche für sie. Und Phil hatte recht – Beastman würde auf Crows Grundstück gestürmt kommen und die meisten der Wraithkillers niedermetzeln, ehe auch nur einer von ihnen die Gelegenheit hätte, eine Waffe zu ziehen. Wenn Crow wüsste, dass er hier sechs Werwölfen gegenüberstand – echten Werwölfen –, hätte er schon längst eine ordentliche Pfütze zwischen seinen Füßen gehabt.

»Na gut«, sagte Frank und bedeutete zweien seiner Clubanwärter, die reparierte Kiste herzubringen.

Er wartete, bis die Männer sie auf halbem Wege zwischen seinen und Crows Leuten abgestellt hatten. Sobald Steven und Ass Crack wieder zurückgetreten waren, gab Crow seinen Männern ein Zeichen, die Kiste in Augenschein zu nehmen.

Sie bestätigten, dass alles da war, dann hoben sie das Teil hoch und trugen es in die Scheune. Ihren Schafen brüllten sie zu, dass sie ihnen verdammt noch mal nicht in die Quere kommen sollten, als sie eintraten.

»Kommt mit«, verkündete Crow. »Es ist alles geklärt. Bindet die Alte los. Wir sind wieder Freunde, also lasst uns einen trinken.«

»Bring Luella nach Hause«, wandte sich Frank an Johnny, einen zuverlässigen Anwärter seiner Gang. »Sieh zu, dass Beastman auch bei ihr bleibt.« Er flüsterte ihm ins Ohr: »Sag ihm, dass ich ihn einen Monat lang Wachdienst schieben lasse, sollte er auch nur versuchen, auf Crows Gelände zu kommen.«

Johnny feixte. »Er hasst den Wachdienst.«

»Eben deshalb«, antwortete Frank.

Lachend legte Johnny Luella den Arm um die Hüfte. »Komm, Süße, bringen wir dich nach Hause.«

»Frank?«

Er drehte sich zu ihr um.

»Danke«, sagte sie. »Ich meine es ernst.«

»Hey, Babe, keine Ursache. Du gehörst zur Familie. Wir kümmern uns um unsere Leute.«

Danach schenkte sie ihm ein breites Lächeln, und ihre großen, runden blauen Augen wurden feucht vor Dankbarkeit. Sie nickte, dann ließ sie sich von Johnny zu seiner Yamaha Midnight Special führen.

Frank hatte nicht die geringste Lust, sich mit Crow in sein Clubhaus zu setzen und mit ihm einen zu heben, aber er wusste, dass Crow gekränkt wäre, wenn er ablehnte. Er musste sicherstellen, dass wirklich Frieden zwischen den Clubs herrschte, wenn er von hier die Biege machte. »Jungs, lasst uns ein Bier trinken.«

Als Frank die umgebaute Scheune betrat, schlug ihm der Gestank von Sex, Gras, abgestandenem Bier und ungewaschenen Menschen entgegen. Sehr ähnliche Gerüche erfüllten auch das Clubhaus der Werwölfe, aber die kannte er. Sie waren vertraut und vom wilden Aroma ihrer wahren Identität erfüllt – und es waren Düfte, die er kaum mehr wahrnahm. Der Gestank in der Bude der Wraithkillers dagegen beleidigte seine Sinne. Menschen rochen immer nach Essen oder nach Sport, aber wenn sich ihre Gerüche mit anderen unappetitlichen Duftnoten vermischten, wie dreckigen Ärschen und schweißigen Achselhöhlen, ließen sie sich auch als Mittel zur Abwehr von Wölfen einsetzen.

Die Tage der Jagd auf Menschen waren lange vorüber, daher schluckte er die aufsteigende Galle herunter und versuchte, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Für einen Moment blieb er stehen, um die Arbeit zu bewundern, die die Wraithkillers beim Umbau der Scheune zu einem echten Clubhaus geleistet hatten. Zwar war das Innere modern eingerichtet, doch jemand hatte sich wirklich große Mühe gegeben, eine scheunenähnliche Atmosphäre zu erhalten, bis hin zu den Dielenbrettern am Boden, den grob behauenen Dachbalken, den zu Büros umfunktionierten Stallungen und einem Raum, der als Spielhölle diente. Soweit er es durch eine halb geöffnete Tür erkennen konnte, war der hinterste Raum ein großes Schlafzimmer, einschließlich Doppelbett und einer darauf knienden nackten Frau, die den Hintern in die Luft streckte, während sie es genoss, zwei Männer gleichzeitig zu befriedigen.

Auf der linken Seite befand sich ein Freizeitbereich mit vier Billardtischen und zwei elektronischen Dartautomaten. Ein paar Biker und ihre Freundinnen spielten laut und trunken eine Runde der Dartvariante Cricket. Frank konnte es über den Rhythmus der leise aus einer verborgenen Stereoanlage dringenden Country- und Westernmusik hinweg deutlich hören. Eine der Frauen, eine Blondine mit einer riesigen Tätowierung auf dem Rücken, die eine tropische Szenerie zeigte, traf in das Triple-19-Feld und kreischte so schrill auf, dass Frank schon befürchtete, die Trommelfelle seiner Wolfsohren könnten platzen. Der Mann neben ihr applaudierte, hob sie hoch und trug sie dann zum Dachboden hinauf, wo er die Tür hinter ihnen zuknallte.

»Die Schlampe mogelt«, stellte ein Typ mit nacktem Oberkörper fest.

»Wie zum Teufel kann man beim Darts mogeln?«, wollte sein Kumpan wissen. »Wir haben die Pfeile hier vom Haus benutzt, daher wissen wir, dass sie alle das gleiche Gewicht haben.«

»Keine Ahnung«, antwortete der mit dem nackten Oberkörper, »aber keine verdammte Schlampe sollte so gut Darts spielen können wie diese ...«

Frank kommentierte das Gespräch mit einem spöttischen Schnauben und schlug einen Bogen um ein riesiges Ledersofa, das sich um einen großen, aus Steinen gemauerten Kamin zog und auf dessen Ende ein Pärchen hingebungsvoll und lautstark vögelte. Die Frau bog sich ihrem Partner Stoß für Stoß entgegen, ihre langen mageren Beine waren fest um die pumpenden Hüften des jungen Kerls geschlossen. Frank entging nicht, dass ihre Lustlaute nur vorgetäuscht waren. Andererseits waren die stets gefügigen Schafe oder willigen Sweet Butts wie einige der Clubmitglieder diese Frauen nannten, eben dazu da, so benutzt zu werden, wie die Männer im Club es wünschten. Der Biker, der sie bumste, stieß ein leises Stöhnen aus und krampfte sich zusammen, als Frank und seine Männer vorbeigingen. Frank war froh, dass jedes einzelne Mitglied seines eigenen Clubs genau wusste, was er im Leben wollte, und sich davon nicht leicht abbringen ließ. Aber so war es bei den meisten Lykanthropen. Gut, von einem einzigen Clan einmal abgesehen. Er schob den Gedanken beiseite und unterdrückte einen widerwilligen Schauder, der ihm über den Rücken rieseln wollte. Sein engster Familienkreis wurde nicht müde zu beteuern, dass der Waterleaper Clan ausgestorben war.

»Wie kann sich Crow nur eine solche Ausstattung für sein Clubhaus leisten?«, fragte Phil leise.

»Er vertickt Waffen. Und da das Crystal Meth in den Städten unten am Fluss in so großen Mengen im Umlauf ist«, fügte Frank mit noch leiserer Stimme hinzu, »gehe ich davon aus, dass er gute Geschäfte macht – richtig gute.«

Endlich hatten sie die Bar erreicht: eine schlichte, gleichwohl wunderschöne Eichentheke, an der sich hohe Hocker aneinanderreihten. Die Eichenregale dahinter waren mit Spirituosenflaschen gefüllt, vom billigsten Fusel bis hin zu ganz edlem Stoff. Hinter den Regalen befanden sich keine Spiegel, sondern hölzerne Setzkästen, die mittels Brandmalerei mit Mustern von Krähen und Geistererscheinungen verziert worden waren. Frank zog angesichts der hier zur Schau gestellten Kunstfertigkeit die Brauen hoch. Er hätte wetten können, dass diese verzierten Setzkästen mindestens einen Riesen verschlungen hatten.

Vielleicht hatte Phil da eine nur allzu berechtigte Frage gestellt. Warum sollte Crow so viel Geld in sein Clubhaus investieren? Sicher, Luxus – wie neue Billardtische und Möbel – war in Ordnung, aber wenn Frank selbst so viel Geld hätte, wie es die Wraithkillers zu besitzen schienen, hätte er sich eher darum gekümmert, Krankenversicherungen und bessere Quartiere und Häuser für seine Mitglieder bereitzustellen, statt das Geld für Brandmalerei-Muster und teure Edelbrände auszugeben. Er fragte sich, auf welche Weise Crow wohl sonst noch mit dem offensichtlich überreichlich in die Kassen seiner Gang fließenden Geld zu protzen gedachte.

Irgendjemand stellte eine Flasche Bier vor ihn hin. Als er aufschaute, blickte er in die Augen eines Mannes, den er noch nie gesehen hatte. Er war groß – wirklich groß. Frank ließ sich seine Überraschung nicht anmerken. Der Barkeeper maß wahrscheinlich gut zwei Meter zehn, und er hatte sehr kräftige Schultern und Arme, die aussahen, als könnten sie Stahl verbiegen. Der einzige Frank bekannte andere Biker, der sich mit diesem Typen vergleichen ließ, war Beastman, und selbst der war kleiner. Abgesehen von seiner Größe war der Barkeeper nicht weiter auffällig. Keine Tätowierungen, keine Narben, keine Piercings oder sonstige Veränderungen am Körper.

Der Riese nickte knapp, dann konzentrierte er sich darauf, jedem von Franks Männern eine Bierflasche hinzustellen. Frank ordnete ihn der Schublade »neuer Anwärter« ein und schenkte ihm weiter keine Beachtung.

Eine Bewegung an der Treppe erregte Franks Aufmerksamkeit, und ihm klappte der Unterkiefer herunter. Er hatte im Laufe der Jahre viele Rotschöpfe gesehen, vor allem seit sich sein Clan in einem vorwiegend von Iren besiedelten Gebiet niedergelassen hatte, aber die Frau, die jetzt die Treppe herunterkam – flammend rotes Haar, zierlich, kurvenreich –, haute ihn um. Speichel lief ihm in den Mundwinkeln zusammen, und er presste die Lippen fest zusammen. Was zum Teufel war mit ihm los? Er stand auf Blondinen, nicht auf Rothaarige.

Alle Männer im Haus hielten in ihrem Tun inne, um die Süße anzugaffen, während sie sich ans Ende der Theke begab. Die Schafe im Club, darauf bedacht, die Aufmerksamkeit ihrer Bikerpartner nicht zu verlieren, klammerten sich an die Typen. In ihren Mienen lag Geringschätzung und Eifersucht – das bedeutete Ärger für die Rothaarige.

Als sie die Theke erreichte, spannte sich Frank innerlich an. Schwache Überbleibsel von blauen Flecken umgaben ihre Augen und zierten ihren Mund, als hätte sie blaues, grünes und lilafarbenes Kool-Aid getrunken. Entweder hatte ihr jemand eine Tracht Prügel verpasst, oder sie hatte sich eine heftige Schlägerei geliefert.

Crow trat hinter die Theke und legte eine 9-Millimeter-Pistole darauf. »Hier, ein Geschenk. Eine der besten Knarren aus der Kiste, nur um klarzustellen, dass wir euch nichts nachtragen.«

»Das ist eine teure Pistole«, erwiderte Frank und versuchte, sich auf Crow zu konzentrieren statt auf die Frau.

»Es hat genug Blutvergießen zwischen unseren Clubs gegeben, Frank.« Crows Stimme war tief und voll. Frank konnte keine Hinterhältigkeit darin wahrnehmen. »Da draußen ist die Situation für ein paar Minuten ziemlich kritisch gewesen. Du hast das Richtige getan, und ich will dir meine Dankbarkeit zeigen.«

Die Rothaarige gab dem Barkeeper ein Zeichen. Der hörte sich an, was sie sagte, schenkte dann einen puren Whiskey ein und reichte ihr das Glas. Sie nahm einen Schluck, schloss die Augen und entspannte die Gesichtsmuskulatur.

»Wessen Frau ist das?«, erkundigte sich Frank und deutete beiläufig mit dem Kopf in Richtung der Rothaarigen.

»Herrenlos«, antwortete Crow. »Sie heißt Bernadette Kelly. Sie ist durch einen unserer Anwärter zu uns gekommen. Der Junge hat sie über eine Prostituierte in Columbus kennengelernt. Die Nutte hat gesagt, diese Rothaarige hat ein Buch über das Leben dreier befreundeter Huren geschrieben, und so hat die Tante sie«, er machte eine Kopfbewegung in Richtung der Rothaarigen, »mit dem Typen von uns in Kontakt gebracht, und der Blödmann hat sie hier angeschleppt. Sie beteuert, Schriftstellerin zu sein und für ein Buch über Motorradgangs zu recherchieren.« Er schaute zu ihr hinüber und stieß einen leisen Pfiff aus. »Ich würde diese unfassbar geile Schnecke liebend gern flachlegen, aber das Letzte, was ich brauche, wäre, im Knast zu landen, weil ich einen Cop gefickt habe.«

»Was bringt dich auf die Idee, dass sie eine verdeckte Ermittlerin sein könnte?«

Bei der Art, wie Crow die Frau ansah, überlief Frank ein verärgerter Schauder. Es war, als wolle Crow sie mit Blicken verschlingen. Die Rothaarige bemerkte Crows intensive Begutachtung. Sie prostete ihm mit ihrem Glas zu, bedachte ihn mit einem leisen Lächeln und ließ den Blick kurz über Frank hinwegwandern, dann wandte sie sich ab und ging wieder die Treppe hinauf.

»Bernadette ist viel klüger, als es ihr guttut«, erklärte Crow. »Es ist die Art, wie sie dich ansieht, die Art, wie sie einfach allem und jedem Beachtung schenkt. Sie hat so eine Bullenschläue. Sie ist mindestens Journalistin. Verstehst du, was ich meine?«

Frank nickte und sagte: »Ja, versteh schon. Mit wem hat sie sich denn geschlagen?«

»He, Alter.« Crow hob die Hände, die Innenflächen nach außen gedreht, und schüttelte den Kopf. »Keiner meiner Jungs hat sie angerührt. Nicht, wenn sie ein Polyp sein könnte, der hier rumschnüffelt. Nein, zwei meiner Schafe sind über den Rotschopf hergefallen – ein scheußlicher Zickenkrieg. Ich und Bloodbath dort drüben«, Crow deutete mit dem Daumen über die Schulter auf den riesigen Barkeeper, »mussten eingreifen, um sie auseinanderzubringen. Aber die Schafe, die sie so übel zugerichtet haben, sehen genauso schlimm aus. Bernadette ist ein Teufelsweib, so viel steht fest. Meine Mädels behaupten, sie hätten beschlossen, ein paar Informationen aus ihr rauszuprügeln, weil sie ihr nicht trauen, aber ich glaube, da war mehr Eifersucht im Spiel als sonst irgendetwas.«

»Hat sie ihnen gegenüber denn irgendwas rausgelassen?«, erkundigte sich Frank.

»Nein. Sie ist bei ihrer Geschichte geblieben, dass sie Schriftstellerin ist.«

Frank begutachtete den prächtigen Hüftschwung, mit dem die Rothaarige die obersten Treppenstufen hinaufglitt. Ihr runder Hintern bettelte förmlich darum, dass man hineinbiss. »Wie wär’s, wenn du mir die Rothaarige gibst statt der Waffe?« Frank sah Crow direkt in die Augen. Wo zum Teufel kommt diese Idee jetzt plötzlich her?

Crow blinzelte. »Ernsthaft?«

Frank zuckte mit den Achseln. »Warum nicht? Wir könnten ein neues Mädchen gut gebrauchen, und wenn es nicht funktioniert, kann ich ein paar meiner Wölfe bitten, sie nach Columbus zurückzubringen.«

»Nimm sie mit!« Crow öffnete den Deckel einer Kühlbox und zog eine Flasche Lager heraus. »Es gefällt mir zwar gar nicht, mir etwas so Schönes durch die Finger gehen zu lassen, aber besser, du setzt dich mit einer Braut in die Nesseln, die womöglich Polizistin ist, als ich.«

Frank schob Crow die Pistole hin. »Abgemacht.«

Phil beugte sich zu Frank hinüber, sodass sie mit den Schultern aneinanderstießen, und sagte: »Boss, du lässt deinen Schwanz für dich denken. Sie ist zum Sterben schön, aber du weißt nicht, wer sie ist.«

Sein Stellvertreter hatte da nicht ganz unrecht, aber das Gefühl der Anziehung, das Frank beim Anblick von Bernadette empfunden hatte, ließ ihn einfach nicht los. »Wir wissen kaum je einmal, was das für Frauen sind, wenn wir sie irgendwo auflesen oder wenn sie zu uns kommen.«

»Aber Crow hat bereits den Verdacht geschöpft, dass die irgendwie mit den Bullen in Verbindung steht. Vielleicht ist sie auch eine dieser nervigen Journalistinnen.«

»Dann werden wir uns mal mit der Polizeidienststelle von Monroe County in Verbindung setzen und dort nachfragen.« Nachdem er sein Bier heruntergekippt hatte, stellte Frank die Flasche auf die Theke. »Und wenn sie tatsächlich Journalistin ist, könnten wir sie zu unserem Vorteil einsetzen.«

Phil sah ihn für eine ganze Weile an, dann zeichnete sich ein Lächeln auf seinen Zügen ab. »Wie?«

»Um die Werewolves of Rebellion in einem guten Licht erscheinen zu lassen.«

Phil lächelte. »Es ist dein Club, Boss.«

»Ich zieh dann mal los, Crow«, sagte Frank und streckte ihm die Hand hin. »Ich warte draußen auf die Frau.«

Crow nahm seine Hand und schüttelte sie resolut. »Ich schick sie raus, sobald sie ihre Sachen zusammengepackt hat.«

Kapitel 2

Bernadette hatte kaum ihren Laptop aufgeklappt, als einer der Wraithkillers die Tür zu ihrem Zimmer aufriss.

»Was soll das?«, blaffte sie von ihrem Stuhl aus. »Weißt du nicht, dass man zuerst anklopft?«

»Unser Club, unsere Regeln«, bellte der Mann. »Crow schickt dich zu einem anderen Club.«

Sie setzte sich kerzengerade auf und schloss ihren Laptop. »Was? Warum?«

Er verschränkte die Arme, und die Tattoos, die sich über seine Unterarme schlängelten, vermischten sich mit all denen auf seiner Brust. Er ließ den Blick über sie hinwegwandern. Am längsten konzentrierte sich seine Aufmerksamkeit auf ihre Brüste. Schließlich blickte er ihr in die Augen. »Weil Crow es sagt. Jetzt pack deinen Kram zusammen. Du gehst zu den Werewolves of Rebellion.«

Bernadette hatte nicht viel bei sich, nur ihr Handy und einen Rucksack mit ihrem Laptop, einer hochwertigen Digitalkamera, zwei Garnituren Kleidung zum Wechseln und ihrem Kulturbeutel, dazu die Turnschuhe, die sie jetzt trug, und ein Paar Flipflops. Sie machte Anstalten, dem Wraithkiller zu folgen, da merkte sie, dass sie ihren guten Kugelschreiber auf dem Tisch vergessen hatte. Sie streckte die Hand danach aus, aber er flog ihr ganz von selbst zwischen die Finger. Reflexhaft ballte sie die Hand zur Faust, bevor sie den Stift dann in ihre Tasche gleiten ließ.

»Leck mich am Arsch!« Der Biker schaute sie ungläubig und etwas ängstlich an. »Wie hast du das gemacht?«

Sie zuckte mit den Achseln. »Nur so ein Taschenspielertrick, den ich gelernt habe, als ich klein war.«

Er musterte sie skeptisch, dann ließ er ihr die Erklärung mit einem Nicken durchgehen.

Bernadette hatte diesen Gesichtsausdruck schon öfters bei Leuten gesehen. Die Menschen hatten Angst vor dem, was sie nicht verstanden. Teufel auch, sie verstand die seltsamen Dinge, die sie tun konnte, ja selbst nicht.

»Gehen wir.« Er bedeutete ihr, ihm nach unten zu folgen.

»Und bleib, wo immer du hingehst«, fauchte die Blondine mit dem Tropenszenerie-Tattoo. Sie saß auf dem Schoß eines Mannes und hielt seinen steifen Schwanz locker zwischen den Fingern. »Sonst muss ich dir dein hübsches Gesicht noch mal verunstalten.«

»Na klar, und mit deiner dicken Lippe und der Reisebroschüre, die du dir auf den Rücken hast tätowieren lassen, bist du ja definitiv ein echtes Supermodel«, gab Bernadette zurück und folgte dem Biker nach draußen.

Hinter ihr brachen die Männer in Gelächter aus. Die Blondine stieß einen entrüsteten Aufschrei aus. Bernadettes Begleiter warf ihr einen Seitenblick zu, aber Bernadette entging das belustigte Glitzern in seinen Augen nicht.

Sie warf einen prüfenden Blick über die Gruppe von Bikern, die draußen bei ihren Maschinen standen. Alle bis auf eins der Stahlrosse waren Harleys. Der Mann, der an der Theke mit Crow geredet hatte, ließ sie nicht aus den Augen, als sie über den Parkplatz geschlendert kam. Er hatte sie vorhin schon fasziniert, und seine mit bunten Tattoos geschmückten Arme zogen ihre Aufmerksamkeit jetzt aufs Neue auf sich, doch sie gab sich alle Mühe, ihn nicht allzu lange anzustarren. Jeder Einzelne der Werewolves of Rebellion war einen guten Kopf größer als fast alle von Crows Männern, aber deren Präsident wirkte mit all seinen Tattoos am wildesten – überaus gefährlich und mit seinem kohlschwarzen Haar und den durchdringend blickenden blauen Augen sehr verlockend. Sie schüttelte den Gedanken ab. Sie durfte sich bei den Recherchen für ihr Buch von nichts und niemandem ablenken lassen. Und erst recht nicht von einem hübschen Gesicht und tätowierten Muskeln!

Entschlossen legte sie die letzten Meter zu der Gruppe zurück. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel herab, und eine sanfte Brise wehte den Gestank von Vieh in ihre Richtung, trug aber wenig dazu bei, die drückende Hitze zu lindern. Durch den heißen Wind und die ultraviolette Strahlung der Sonne würde sie während der Motorradfahrt mit Sicherheit rote Haut bekommen und, wenn sie das andere Clubhaus erreicht hatten, richtig verbrannt aussehen. Im Geiste ergänzte sie ihre Einkaufsliste um den Posten Sonnencreme.

»Miss Kelly«, sagte der Boss und hielt ihr eine sehr große schwielige Hand hin. »Ich bin Frank Nightshade, Präsident der Werewolves of Rebellion.«

Sie griff nach seiner Pranke, und ihre eigene Hand verschwand ganz darin. »Bitte«, sagte sie, »nenn mich Bernadette.«

Er nickte, sein Blick unverwandt, neugierig und ... interessiert?

»Warum schicken sie mich zu euch?«, erkundigte sie sich.

Er blinzelte, als sei er überrascht von ihrer Frage. »Ich erklär dir alles später. Je schneller wir jetzt erst einmal das Gelände der Wraithkillers verlassen, umso besser.« Er schwang sich auf sein Motorrad und legte die Hände auf den hohen Lenker. »Du fährst mit mir, Bernadette.«

Die Art, wie er ihren Namen aussprach, tief und dröhnend wie eine bewusste Liebkosung, jagte einen wohligen Schauder über ihren Rücken. Sie ließ sich von Frank dabei helfen, auf die Fußraste zu steigen, und ihr Blick wurde sofort von der realistischen Darstellung eines Wolfskopfs mit gebleckten Fangzähnen gefangen genommen, den jemand in Airbrushtechnik auf den Benzintank seiner Maschine gemalt hatte. Dann schwang auch sie ihr Bein hinüber und nahm dicht hinter Frank Platz. Sie begutachtete das Abzeichen auf der Rückseite seiner Kutte: Vor einem großen vollen Mond war die Silhouette eines Wesens zu sehen – halb Mensch, halb wildes Tier –, das den Kopf in den Nacken warf und heulte. Erneut tanzte ihr das Gefühl von etwas Gefährlichem die Wirbelsäule hinunter.

»Halt dich fest«, wies er sie an.

Bernadette beugte sich vor. In dem Moment, als ihre Brüste seine Motorradjacke berührten, deren Leder von seiner Körperwärme und von der Sonne ganz heiß war, breitete sich eine pulsierende Hitze in aus; sie wurde von einem so ungeheuer starken, schmerzlichen Verlangen erfüllt, dass sie sich beinahe auf dem Sitz gewunden hätte. Als er nun die gewaltige Maschine anließ, durchdrangen die Vibrationen des Motors das Sitzpolster und intensivierten das Pochen zwischen ihren Beinen. Sie hatte diesen Mann gerade erst kennengelernt, aber ... Wow, was für ein Kerl! Sie legte ihm die Hände auf die Hüfte, eigentlich nur, um sich festzuhalten, aber als Frank losfuhr und die staubige Zufahrt hinunterrollte, presste sie sich enger an ihn und schlang ihm die Arme um die Taille. Verdammt ... er fühlt sich gut an. Hart, lauter kompakte Muskeln ...

Zu ihrer Überraschung nahm er eine Hand vom Lenker und tätschelte ihre Hände. Sein Bauch, flach und mit definierten Muskeln, bewegte sich sacht unter ihren Handflächen. Gütiger Himmel, sie verstand jetzt, warum manche Frauen Biker so liebten. Wenn Frank Nightshades Männer alle ihrem Boss ähnelten, würde es ihr wirklich schwerfallen, sich auf ihr Manuskript zu konzentrieren. Natürlich wusste sie, dass nicht alle Biker Frauen gut oder auch nur einigermaßen fair behandelten, aber irgendwie spürte sie, dass Frank anders war.

Er steuerte die Harley gerade schnell genug die lange Zufahrt entlang, dass er nicht die Füße zu Hilfe nehmen musste, um nicht umzukippen. Sie ließ ihren Blick über die anderen Motorradfahrer zu beiden Seiten schweifen, dann schaute sie über ihre Schulter zu den Bikern hinter ihnen zurück und begriff, dass sie so langsam fuhren, um möglichst keinen Staub aufzuwirbeln und einander zu ersticken.

Frank stoppte am Ende der Zufahrtsstraße, warf einen Blick in beide Richtungen und bog dann auf die State Route 800 ein. Die anderen folgten ihm, und schon bald donnerten sie über die Staatsstraße, kurvten mühelos durch sämtliche Haarnadelkurven. Bernadettes Brüder hatten im Laufe der Jahre eine Reihe von Motorrädern gehabt, daher wusste sie, dass sie sich hinter Frank einfach entspannen musste, aber die Geschwindigkeit, mit der er manche der Kurven nahm, jagte ihr eine Heidenangst ein. Auf einem geraden Straßenstück tätschelte er noch einmal ihre Hand. Das half ihr, sich zu entspannen, und trotz all ihrer Vorbehalte schmiegte sie sich an Franks Rücken und versuchte, ganz mit ihm zu verschmelzen, während er die Harley steuerte.

Sie bretterten auf einer kurvenreichen Straße einen Hügel hinauf und passierten das Gemeindezentrum von Midway, dessen Eingang sich in der Mitte einer langen L-förmigen Kurve befand, dann ging es weiter den Hang hinauf. Oben angekommen rasten sie über die sanft gewellten Hügel der Hochfläche. Sie verlangsamten ihr Tempo, solange sie das verschlafene Dorf Antioch durchquerten, aber gerade als Bernadette den Eindruck gewonnen hatte, sich jetzt aufrichten und die üppig grüne Sommerlandschaft um sich herum genießen zu können, erreichten sie wiederum einen Straßenabschnitt voller steiler Hänge und scharfer Kurven. Sie drückte sich an Franks Rücken und wartete, bis die Fahrt nicht mehr gar so serpentinenreich war. Schließlich überquerten sie eine weitere Hochfläche und rasten dann in ein Tal hinab und auf der anderen Seite einen Hügel hinauf, den die Ortsansässigen Steed’s Hill nannten. Einige Minuten später donnerten sie durch die Straßen der Stadt Rebellion mit ihren etwa 2300 Einwohnern.

Als sie den Marktplatz der Stadt erreicht hatten, bog Frank in eine Parklücke ein. Ein paar seiner Männer parkten in der Nähe, und zwei weitere mussten um die Ecke nach Parkgelegenheiten für ihre Maschinen suchen.

»Was machen wir hier?«, wandte sich Bernadette an Frank.

»Ich muss mit jemandem reden, aber falls du irgendetwas einkaufen willst, lass ich dich von einem meiner Jungs begleiten.«

Sie runzelte die Stirn. »Ich kann nicht allein losziehen?«

»Baby, bis ich mehr über dich weiß, gehst du nirgendwohin allein.«

»Aha, verstehe. Du vertraust mir nicht.«

»Vertraust du mir?«, gab er zurück.

»Ich kenn dich ja nicht.«

»Genau darauf wollte ich hinaus.«

Sie nickte. Na schön. Wenn er sich damit besser fühlte, sollte er seinen Willen haben. Außerdem konnte sie Informationen über Frank und seinen Club sammeln, wenn sie mitspielte.

»Tom, würdest du Bernadette begleiten, wo immer sie hingehen will?«, fragte Frank.

»Klar doch, Boss.« Der etwa dreißigjährige Mann nahm seine Sonnenbrille ab. In den Kreisen, die die Brille rund um seine Augen hinterlassen hatte, war die Haut heller. Während er die Gläser putzte, wandte er sich an Frank: »Brauchst du auch irgendetwas?«

»Nein, bin versorgt. Wir treffen uns in etwa einer halben Stunde wieder hier.« Er machte eine Kopfbewegung in Toms Richtung, zum Zeichen, dass Bernadette mit ihm gehen sollte.

Sie warf Frank noch einen Blick zu, dann trat sie zu Tom an den Straßenrand. Dort blieb sie stehen und sah Frank nach. Er überquerte den Platz und blieb für einen Moment abwartend in seiner Mitte stehen, wo sich früher einmal ein überdachter Brunnen befunden hatte, wie sie von Ortsansässigen erfahren hatte. Dann ging er weiter, bis er den Gehsteig erreicht hatte. Er verschwand in nördlicher Richtung den Hügel hinunter. Sie vermutete, dass er mit irgendjemandem im Büro des Bezirkssheriffs reden wollte, um festzustellen, ob man etwas über sie wusste. Kluger Kerl. Und verdammt sexy.

»Wohin willst du als Erstes?«, erkundigte sich Tom.

Die anderen waren inzwischen in verschiedene Richtungen davongeschlendert. Zwei von ihnen hatten sich bereits in ein kleines Rattenloch von Kneipe verdrückt.

Sie schaute zu dem langen dünnen Biker auf. »Ich bräuchte ’nen Supermarkt. Für Sonnencreme und noch ein paar andere Sachen.«

»Bei dieser Scheißhitze sollten wir lieber nicht zu Fuß gehen.« Tom bedachte sie mit einem charmanten Lächeln, das sie zurückgrinsen ließ. »Wir fahren zum Family-Dollar-Shop.«

»Danke.« Er nahm vorn Platz, und Bernadette kletterte hinter ihm aufs Motorrad. Sie legte ihm die Hände auf die Hüften, sorgsam darauf bedacht, den Abstand zwischen ihnen zu wahren. Ihr war bereits aufgefallen, dass zwischen den Wraithkillers und den Werewolves of Rebellion ein großer Unterschied bestand. Wenn ihre Instinkte sie nicht trogen, würde sie eine Menge über Franks Gang in Erfahrung bringen können.

Frank schritt den Bürgersteig entlang, vorbei an dem großen, imposanten Verwaltungsgebäude mit seinen roten und gelben Backsteinen und dem riesigen Glockenturm, der hoch über ihm aufragte. Franks Familie lebte hier, seit Archibald Woods im Jahr 1814 Rebellion gegründet hatte. Damals hatte ihm die Familie beim Roden des Waldes geholfen, um Platz für Rebellion zu schaffen. Archibald hatte gewusst, was für Geschöpfe Franks Leute waren, aber es war ihm ebenfalls klar gewesen, dass sie nicht wie die anderen Werwölfe waren, die das wilde, ungezähmte Land durchstreiften. Archibald hatte sich für ihre treue Verbundenheit und harte Arbeit dankbar erwiesen, mit der Folge, dass Franks Werwölfe nun draußen in Richtung Graysville eine große Menge Land besaßen, das sie für immer ihr Zuhause nennen durften.

Jetzt wimmelte es in der Stadt von Leuten aus der Öl- und der Gasindustrie, die allesamt erpicht darauf waren, den Grundbesitzern ihre Schürfrechte abzukaufen. Auch Frank hatte bereits mit der Überlegung gespielt, die Rechte des Clubs zu veräußern, aber je länger er darüber nachgegrübelt hatte, umso weniger hatte ihm der Gedanke an all die Unruhe gefallen, die das mit sich gebracht hätte – schweres Erdbewegungsgerät, Bohrungen, das laute Dröhnen von abgefackeltem Gas, die großen Laster zum Transport von Sand und Wasser, die hellen Lichter der Förderanlage, die auf viele Meilen hin sichtbar gewesen wären. Nein, es gab bereits Hunderte von Fracking-Bohrungen überall im Umkreis, die eine Menge von Leuten beschäftigten, darunter auch mehrere der Männer aus seinem Club, aber die Werewolves of Rebellion liebten Mutter Natur, und sie hatte sie auch immer gut behandelt. Sie verdiente es, auch selbst gut behandelt zu werden.

Frank bog in einen Durchgang ein, öffnete eine Tür und betrat den schmalen Flur, der zum Büro des Sheriffs von Monroe County führte. Er zog die Bürotür auf und trat in einen hellen holzvertäfelten Raum mit grauem Teppichboden ein. Die übliche Bundesstaatsflagge und andere Symbole für Ohio und das Monroe County sowie einige kleine Stadtpläne zierten die Wände. Das Ganze war in verschiedene Arbeitsbereiche aufgeteilt, und in jedem befanden sich gerahmte Familienfotos, die entweder auf den Schreibtischen standen oder an den Trennwänden aufgehängt waren. Deputy Sheriff Craig Williamscot saß in seiner prächtigen schwarz-goldenen Uniform auf einem bequemen Sessel in einer Ecke des Büros. Aktenschränke reihten sich an der Wand hinter ihm. Ein hochmoderner neuer Computer stand an einem Ende seines Schreibtischs, und gerahmte Fotos seiner Frau sowie seiner kleinen Tochter waren am anderen Ende gegenüber aufgestellt.

»Was kann ich für dich tun, Frank?«, fragte er.

Frank wartete einen Moment, bis die Telefonistin zwischen ihm und Craigs Schreibtisch hindurchgegangen war. Sie grinste Frank an und zwinkerte ihm zu. »Frankie, schön, dich zu sehen, mein Lieber.«

»Hallo, Nancy«, grüßte Frank sie. Er bemerkte Craigs Grinsen, weil sie ihn mit »Frankie« angeredet hatte. Abgesehen von seiner Mutter und seiner Großmutter war sie die einzige Frau, der er diesen speziellen Kosenamen durchgehen ließ. »Wie geht es denn deinen Enkeln?«

»Katie Bug kann jetzt schon laufen«, erklärte sie, und ihr rundes Gesicht strahlte vor Liebe zu ihrer Enkeltochter. »Nicht zu glauben, dass sie schon vierzehn Monate alt ist, Frankie. Und die drei anderen schießen in die Höhe wie Unkraut.«

»Wunderbar zu hören, Liebes«, antwortete er, und seine Worte kamen von Herzen. »Es gibt doch nichts Schöneres, als sie nach Strich und Faden zu verwöhnen und anschließend zu ihren Mamas zurückzuschicken, nicht wahr?«

»Genau!« Sie kicherte, ein Lachen, das so sehr nach einem ausgelassenen Teenager klang, dass Frank nun ebenfalls kichern musste. »Wart’s nur ab, Frankie, eines Tages hast du selbst Kinder, und dann weißt du erst richtig, was es mit all dem Wirbel um Kinder auf sich hat.«

»Ich geh jetzt auf die vierzig zu, Nancy. Ich weiß nicht, ob ich ...«

»Ich muss jetzt leider zurück an die Arbeit«, zwitscherte sie und ging zum anderen Ende des Büros hinüber.

Frank lachte. Nancy weigerte sich jedes Mal, sich auf ein Gespräch darüber einzulassen, ob er denn je Kinder haben würde, und schnitt ihm einfach das Wort ab.

Deputy Williamscot schüttelte grinsend den Kopf. »Sie hat dich mal wieder in die Schranken verwiesen, nicht wahr?«

»Wie immer«, erwiderte Frank.

Nancy streckte die Hand nach dem klingelnden Telefon aus und wechselte wieder von der glücklichen Großmutter zur tüchtigen Telefonistin.

»Diese Frau hat zehnmal mehr Energie und Begeisterungsfähigkeit, als ich je zu besitzen hoffen könnte.«

»Sie ist ein ganz besonderer Mensch, Craig. Solange du diese Frau richtig behandelst, geht sie mit dir, dem Sheriff und allen anderen Hilfssheriffs durch dick und dünn.«

»Als wüsste ich das nicht selbst.« Deputy Williamscot zeigte auf einen der beiden Stühle vor seinem Schreibtisch. »Und? Was führt dich heute zu mir?«

Frank schaute sich um, um festzustellen, welche Ohren lauschen mochten, und erkannte, dass alle bis auf Craig und Nancy gerade in der Mittagspause waren. Er senkte aber trotzdem die Stimme, als er sich nun auf dem angebotenen Stuhl niederließ. »Ich brauche Informationen über jemanden.«

»Und dieser Jemand wäre?« Craig zog seine blonden Brauen hoch, legte die Fingerspitzen aneinander, beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch.

»Hast du schon mal von einer Bernadette Kelly aus Columbus gehört?«

»Tatsächlich habe ich das, ja. Ich bin ihr einmal morgens im Café Lunchbox begegnet. Miss Kelly scheint eine ausgesprochen nette Frau zu sein, zudem ist sie eine echte Augenweide und sehr intelligent. Schreibt Bücher, insbesondere True-Crime-Geschichten. Sie hat gemeint, dass sie mich gern mal in Sachen Motorradclubs ausfragen würde, aber ich habe ihr geantwortet, dass es hier in der Gegend ziemlich still ist, vor allem da die beiden Clubs im Umkreis«, er machte eine Kopfbewegung zu Frank hin, »nun endlich eine Art Waffenstillstand geschlossen haben.«

»Hoffen wir, dass der hält«, ergänzte Frank mit ernster Stimme. Er ließ Craig die neue Information verarbeiten, dann fragte er: »Ist diese Frau, diese Kelly, wirklich Schriftstellerin?« Er fand es furchtbar, dass ihm Bernadettes wahre Identität so wichtig war, aber er hatte einfach kein gutes Gefühl dabei, sie auf das Gelände der Werwölfe zu bringen, bis er sich sicher sein konnte, dass mit ihr alles stimmte.

»Sie hat mir ein Exemplar ihres Buches gezeigt«, erwiderte Craig. »Ich hab im Moment den Titel nicht mehr parat, aber es hatte etwas mit dem Leben dreier Prostituierter und ihrer Freundschaft miteinander zu tun.« Er sah Frank durchdringend an. »Hast du etwa vor, sie zu deiner Lady zu machen?«

Frank stützte die Unterarme auf die Knie und erwiderte selbstbewusst den Blick seines Freundes. »Verdammt noch mal, nein. Ich habe sie Crow abgenommen.«

Stirnrunzelnd lehnte sich Deputy Williamscot in seinem Sessel zurück. »Warum sollte Crow sie dir überlassen, wenn sie so schön ist? Ich würde mal meinen, dass er sie für sich selbst will.«

»Er hatte Angst, sie könnte eine verdeckte Ermittlerin von der Polizei oder eine Reporterin sein.«

»Also hast du beschlossen, an seiner Stelle das Risiko einzugehen und deine Leute womöglich auffliegen zu lassen?«

»Ich habe nur ... Nun ja, ich wollte ...« Er seufzte entnervt. »Ach, scheiß drauf! Keine Ahnung, warum ich das gemacht habe, Craig. Ich weiß, dass wir niemanden gebrauchen können, der auf unserem Gelände herumschnüffelt, aber als ich sie gesehen habe, habe ich ihm spontan das Angebot gemacht, sie mitzunehmen, ohne recht zu wissen, warum.« Er lehnte sich gegen die Stuhllehne und fuhr sich mit der Hand durch seine windzerzausten Locken. »Du und Miranda seid die Einzigen, die die Wahrheit über meinen Club kennen, aber nachdem ich vorhin Bernadette hinter mir auf meiner Maschine gehabt habe, ist mir klar geworden, wie dumm es von mir war, sie mitzunehmen.« Er verstummte und sammelte seine Gedanken. Er würde ihm mit Sicherheit nicht unter die Nase reiben, dass er den mörderischsten Ständer seit langer Zeit in der Hose gehabt hatte, als sie sich von hinten an ihn gedrückt hatte. »Ich fand einfach, dass es mich beruhigen könnte, wenn ich mal mit dir über sie rede.«

»Klingt so, als hättest du sofort eine Riesenlatte bekommen, als du sie gesehen hast«, bemerkte Craig und versuchte, nicht zu lachen.

»Ja, kann sein.« Frank stieß ein belustigtes Schnauben aus. »Sie ist wahrscheinlich die schönste Frau, der ich je begegnet bin.«

»Ich mag verheiratet sein«, antwortete Craig, »aber ich bin nicht blind. Bist du dir sicher, dass du nicht einfach mit deinem besten Stück denkst?«

Frank zuckte mit den Achseln. »Ich weiß wirklich nicht, was mich da geritten hat, Craig. Ich habe sie gesehen, und im nächsten Moment habe ich Crow angeboten, sie ihm abzunehmen.«

»Ja, klingt für mich ganz nach einem Schwanztrauma«, erwog Craig.

Sie saßen für längere Zeit schweigend da, während Frank über Craigs Worte nachgrübelte. Die Telefone klingelten pausenlos, und Nancy nahm jeden Anruf mit geschäftsmäßig ruhiger Stimme entgegen. Sie hörte jedem aufmerksam zu, stellte sachdienliche Fragen und gab die Angelegenheit dann an den jeweiligen Polizisten weiter, der am nächsten an der Sache dran war.

Schließlich beugte sich Craig vor und stützte sich wieder auf den Schreibtisch. »Was willst du wissen, Frank?«

»Ist Bernadette Kelly eine verdeckte Ermittlerin?«

»Meines Wissens nach nicht.«

»Bist du dir sicher?«

»Jepp.«

»Ist sie Journalistin?«, feuerte Frank seine nächste Frage ab.

»Das, mein Freund, weiß ich nicht. Möglich wäre es. Du weißt, wie die Medienleute sind.«

»Mist. Mitunter kann ein Journalist noch schlimmer sein als ein Bulle.« Er schaute zu Craig auf, dann verzog er das Gesicht. »Entschuldige bitte, aber du weißt ja, was ich meine.«

Grinsend bestätigte Craig: »Ja, in der Tat.«

Frank stand auf. »Kannst du mal schauen, was du über sie in Erfahrung bringen kannst, falls es da überhaupt irgendetwas zu holen gibt, und mir dann Bescheid geben?«

»Ich werde mein Bestes tun, das weißt du.« Deputy Williamscot erhob sich nun ebenfalls.

»Danke, Craig. Grüß Miranda und Shayla von mir.«

»Dabei fällt mir etwas ein«, begann Craig. »Miranda bittet dich, im Laden deiner Mama vorbeizuschauen. Sie hat dort ein paar Gläser Honig für dich abgegeben, den sie mit diesem Spezialmittel versetzt hat.«

»Super. Wir haben fast keinen mehr, also richte ihr bitte aus, dass ich es sehr zu schätzen weiß.« Er zog sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche. »Was bin ich ihr schuldig?«

Während sie abrechneten, gingen im Büro mehrere Anrufe ein. Nachdem Nancy alles an die zuständigen Beamten weitergeleitet hatte, schaltete sie das Mikrofon aus und starrte Craig mit offenem Mund an. »Auf dem Plainview Ridge sind Tote gefunden worden, Craig. Drei verschiedene Anrufer haben es gemeldet, und sie sagen alle das Gleiche.« Sie schluckte, und alle Farbe wich ihr aus dem Gesicht.

Frank und Craig eilten beide mit drei langen Schritten zu ihr hinüber. Sie drohte umzukippen, und Craig fasste sie gerade noch rechtzeitig am Ellbogen und half ihr, sich hinzusetzen. »Was haben sie gesagt, Nancy?«, drang er in sie.

»Zwei Menschen, ein Vater und sein Sohn. Beide in Fetzen gerissen, überall Blut ... Es hing sogar Gedärm in den Ästen der Bäume.«

Frank zuckte zurück und richtete sich auf.

Nancy lehnte den Schädel an die Kopfstütze. »Der eine Anrufer sagte, neben den Leichen hätte eine Brieftasche und eine Jagderlaubnis gelegen, aber er hatte Angst, sie sich anzusehen und dadurch den Tatort zu verändern.« Sie schluckte wieder, aber allmählich kehrte das Rosa in ihre Wangen zurück. »Der Sheriff wird seinen Urlaub abbrechen müssen.«

Die Telefone leuchteten auf und klingelten wie Alarmglocken. Frank verabschiedete sich von Nancy und Craig und verließ das Büro.

Die Neuigkeit von den Todesfällen, ob es sich nun um Morde oder Angriffe durch Tiere handelte, hatte einen kalten Kloß des Grauens in seinem Brustkorb hinterlassen. Natürlich bestand immer die Möglichkeit, dass ein Schwarzbär die Männer getötet hatte, aber wenn es kein aggressiver Einzelgänger oder ein Muttertier mit Jungen war, vermieden Schwarzbären eigentlich die Begegnung mit Menschen. Und Bären warfen kein Gedärm in Bäume. Frank spürte, dass ein finsteres Geheimnis hinter diesen Todesfällen verborgen war, etwas, das vorausahnen ließ, dass dunkle Tage vor ihnen lagen. Doch es hatte keinen Sinn, voreilige Schlüsse zu ziehen, solange die Spurensicherung und die Bezirksbehörden noch nichts darüber hatten verlauten lassen, was passiert war.

Er würde ein Treffen des gesamten Clubs einberufen und auch alle herbeizitieren müssen, die nicht in ihrer Wohnkommune lebten ... nur für den Fall des Falles.

Frank unterdrückte sein Unbehagen und ging an dem Verwaltungsgebäude vorbei wieder den Hügel hinauf, bis er die Straßenecke erreicht hatte. Seine Männer sollten jetzt eigentlich am Marktplatz auf ihn warten. Er würde ein andermal im Laden seiner Mutter vorbeischauen. Im Moment wollte er erst mal Bernadette heimbringen, wo er mehr über sie herausfinden konnte und sie seiner Ansicht nach in Sicherheit war.

Wo zum Teufel kommt das jetzt her?

Er hatte nicht den geringsten Anlass, dieser Frau gegenüber einen Beschützerinstinkt zu entwickeln – er kannte sie ja nicht einmal.

Die Ampel wechselte endlich auf Grün, sodass er die Straße überqueren konnte. Auf der anderen Seite des Marktplatzes sah er Tom mit Bernadette, die bereits von ihren Einkäufen zurückgekehrt waren, und alle anderen saßen schon auf ihren Harleys. Als er Frank entdeckte, riss Tom grüßend die Hand hoch, dann schwang er sich auf seinen Ofen. Als Bernadette Anstalten machte, hinter ihm aufzusteigen, deutete Tom auf Franks Motorrad, auf das sie sich dann stattdessen setzte.

Die Tatsache, dass sie überhaupt mit Tom hatte fahren wollen, ließ Frank die Hände zu Fäusten ballen. Dann drehte sich Bernadette auf dem Soziussitz um und sah ihm zu, wie er über den Platz gelaufen kam. Sie lächelte ihn an und klopfte tätschelnd auf die Sitzfläche.

Verdammt, sie ist mehr als nur schön.

Und wenn er seinen Schwanz nicht unter Kontrolle bekam, würde er bald in sehr, sehr großen Schwierigkeiten stecken.

Frank schwang ein Bein über den Sitz, dann legte er einen Kickstart hin. Der Motor heulte auf, und für einen Moment war alles auf der Welt in Ordnung, während er die Harley hochjagte und in beide Richtungen nach dem Verkehr schaute. Doch während er sein Bike mit den Füßen vom Parkplatz und auf die Hauptstraße schob, seine Männer links und rechts von sich, verlor sich das angenehme Gefühl der Vorbereitung auf eine Spritztour, und die Sorge kehrte zurück. Das Wichtigste war, dass er Bernadette sicher zum Club brachte. Sobald sie dort war, konnte er sich vielleicht entspannen.

Vielleicht.

Kapitel 3

Die Fahrt zu Franks Club über die State Route 800 in südlicher Richtung hin zur SR 26 war lang, aber wunderschön. In Columbus geboren und aufgewachsen war Bernadette das flache Gelände rund um die Hauptstadt von Ohio gewöhnt. Hier in den Appalachen erhoben sich Berge in den Himmel, Bäche und Flüsse durchzogen kreuz und quer das Land, Bäume eroberten die Straßen, und es wimmelte nur so von Tieren – Kühe und Truthähne, Kojoten, Hirsche und einmal sogar ein Rotluchs liefen vor ihnen über die zweispurige Straße und zwangen sie, ihr Tempo zu drosseln.