Wertvolles Erbe, Calwer Gestalter -  - E-Book

Wertvolles Erbe, Calwer Gestalter E-Book

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Beschreibung

Das Buch stellt Personen und Unternehmer vor, die über Jahrhunderte den materiellen und geistigen Wohlstand Calws geprägt haben.

Das E-Book Wertvolles Erbe, Calwer Gestalter wird angeboten von Schmidmusic Musikverlag E.K. und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Calw, Nordschwarzwald,Württemberg, Hermann Hesse, Georg Dörtembach, Religion, Pietismus, Geschichte, Industrie Nordschwarzwald

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Wertvolles Erbe Calwer Gestalter

Abt Willhelm von Hirsau *um 1030 †5.7.1091

Andreae, J. Valentin *17.8.1586 Herrenberg †27.6.1654 Stuttgart

Barth, Christian Gottlob *31.7.1799 Stuttgart †12.11.1862 Calw

Bohnenberger, Johann G. Christoph *1.3.1732 Neuenbürg †29.5.1807 Altburg

Bohnenberger, Johann G. Friedrich *5.6.1765 Simmozheim †19.4.1831 Tübingen

Doertenbach, Johann Georg *8.6.1795 Calw †8.9.1870 Calw

Fröhner, Friedrich Eugen *11.3.1858 Hirsau †21.6.1940 Berlin

Gärtner, Joseph *12.3.1732 Calw †14.7.1791 Tübingen

Gärtner, Karl Friedrich *1.5.1772 Göppingen †1.9.1850 Calw

Georgii-Georgenau, Emil W. von *1.12.1820 Calw †23.12.1894 Stuttgart

Gugeler, Gottlieb *13.10.1882 Obertürkheim †7.10.1954 Calw

Gundert, Hermann *4. 2.1814 Stuttgart †25.4.1893 Calw

Gundert, Marie *18.9.1842 Calw †24.4.1902 Calw

Haug, Balthasar *4.7.1731 Stammheim †3.1.1792 Stuttgart

Hellwag, Christoph Friedrich *6.3.1754 Calw †16.10.1835 Eutin

Hesse, Hermann *2.7.1877 Calw †9.8.1962 Montagnola

Krauß, Hermann Wilhelm *20.3.1899 Calw †27.6.1971 Freiburg

Laitenberger, Theophil *11.11.1903 Tuningen †13.3.1996 Schorndorf

Lindner, Annemarie *22.09.1920 Charlottenburg †18.2.2016 Calw

Molt, Emil *14.4.1876 Schwäbisch Gmünd †16. 6.1935 Stuttgart

Perrot, Johann Immanuel *15.05.1835 Neuhengstett †30.04.1898 Calw

Römer, Helmuth *7.1.1900 Bad Cannstatt †6.8.1989 Hirsau

Rülein, Ulrich von Kalbe *4.7.1465 Calw †1523 Leipzig

Sannwald, Erwin *19.11.1872 Nagold †19.6.1947 Calw

Sapper, Agnes *12.4.1852 München †19.3.1929 Würzburg

Schlichter, Rudolf *6.12.1890 Calw †3.5.1955 München

Schüz, Georg Emil Carl C. *12.8.1828 Calw †6.4.1877 Calw

Stälin, Christoph Friedrich *4.8.1805 Calw †12.8.1873 Stuttgart

Vischer, Emilie Auguste *15.5.1799 Calw †5.6.1881 Stuttgart

Vischer, Johann Martin *21.1.1751 Calw †29.12.1801 Calw

Weinhold, Kurt *28.9.1896 Berlin †1965 Calw

Zahn, Johann Georg *27.4.1759 Althengstett †11.2.1831 Calw

Zahn, Christian Jakob *12.9.1765 Althengstett †8.7.1830 Calw

Ziegler, Richard *3.5.1891 Pforzheim †23.2.1992 Pforzheim

"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten."

Zitat Helmut Kohl aus der Bundestagsrede vom 1.6.1995 zur Geschichte der Vertreibung

Abt Wilhelm von Hirsau *um 1029/1030 Bayern †05.07.1091 Hirsau

In Bayern als Sohn frommer Eltern geboren, wurde Wilhelm schon als Knabe dem Kloster St. Emmeram in Regensburg zur Erziehung übergeben. In seiner Jugend trat er in den Orden ein und wurde zum Priester geweiht. Zunächst arbeitete er als Lehrer für Mathematik, Astronomie und Musik, wurde dann auch Prior seines Klosters. Er verfasste die ersten naturwissenschaftlichen Schriften in Bayern, zunächst eine zur Astronomie, dann eine zur Musik, und war ein mittelalterliches Universalgenie.

Eine astronomische Uhr, die er nach dem Bericht eines Biographen gefertigt habe, scheint zu seiner Zeit Aufsehen erregt zu haben. Nach dem Bericht eines Zeitgenossen muss er auch eine neue Art von Flöte erfunden haben.

1069 wurde Wilhelm als Nachfolger des abgesetzten Abts Friedrich im Aurelius Kloster in Hirsau eingesetzt. Da Wilhelm jedoch nach seiner Einsetzung erkannte, dass sein Vorgänger unrechtmäßig abgesetzt, übernahm er die Geschäfte, aber nicht den Titel des Abtes, solange jener lebte. Erst nach dessen Tode 1071 am Feste Christi Himmelfahrt, den 2. Juni, ließ er sich vom Bischof von Speyer installieren. Von Anfang an sein Amt lag ihm daran, seinem Kloster die volle Freiheit und Unabhängigkeit von den Grafen von Calw zu sichern; dies gelang ihm, nachdem Graf Adalbert von Calw zuerst versucht hatte, ihn zu hintergehen. Es gelang ihm jedoch eine königliche Bestätigungsurkunde am 9. Oktober 1075 zu erhalten. Um auch die päpstliche Bestätigung der Privilegien des Klosters zu erlangen, reiste Wilhelm noch im Herbst des Jahres 1075 nach Rom.

Über die Zeit seines Aufenthaltes in Rom wird nur berichtet, dass er fünf Monate schwer erkrankte und erst im Sommer 1076 nach Deutschland zurückgekehrte. Es wird angenommen, dass er in dieser Zeit seine Beziehung zu Papst Gregor VII. aufbaute.

In dem um diese Zeit beginnenden Investiturstreit steht Wilhelm mit dem Kloster Hirsau in erster Reihe unter den Anhängern des Papstes. Paul von Bernried, der Biograph Gregors VII., nennt ihn einen der vier Säulen der Gregorianischen Partei in Deutschland. Das Kloster Hirsau wird ein Mittelpunkt für die Anhänger des Papstes und die Gegner Heinrichs. So kam es, dass der Gegenkönig Rudolf im Jahr 1077 im Kloster Hirsau das Pfingstfest feierte. Oft wird von Besuchen kirchlich hochstehender Männer berichtet. Beeinflusst durch diese Besuche ging von Hirsau ein bedeutender Einfluss auf das klösterliche Leben und das religiöse Leben in Schwaben aus.

Dass der Papst selbst die Bedeutung Wilhelms für seine Sache in Deutschland richtig erkannte und schätzte, zeigt das an B. Altmann von Passau und Wilhelm gerichtete Schreiben Papst Gregor im Jahr 1081. Wenn die Person Wilhelm bei politischen Aktionen nicht in den Vordergrund trat, hat er durch seinen moralischen Einfluss umso mehr zur Stärke der Gregorianischen Partei in Deutschland beigetragen.

Er war eine streitbare Natur und ließ sich im Streit trotz seiner Klugheit oftmals von blindem Eifer leiten.

Die Geistesrichtung, die Wilhelm zu einem begeisterten Anhänger Gregors VII. machte, war nicht unbegründet.

Unterstützung wurde Wilhelm vom Papst entgegengebracht, in dem er seine die Einführung der Cluniazensischen Klosterreform in Deutschland wesentlich unterstützte.

Zwar hatten um dieselbe Zeit, etwas vor Hirsau, die Klöster Sigeberg im Erzbistum Köln und St. Blasien von dem oberitalienischen Cluniazensischen Kloster Fructuaria aus, die Cluniazensische Regel bekommen, das erste deutsche Kloster aber, das mit Cluny direkt in Beziehungen trat, war Hirsau unter Abt Wilhelm.

Die Geschichte der Reform seines Klosters erzählt Wilhelm selbst im Prolog seiner „Konstitutionen Hirsaugienses“. Darnach geht seine erste Bekanntschaft mit der Cluniazenser Regel auf den Besuch des Abtes Bernhard von St. Victor in Marseille zurück, der als päpstlicher Legat nach Deutschland kam und sich 1077 längere Zeit bei Wilhelm in Hirsau aufhielt.

Um dieselbe Zeit kam ein Jugendfreund Wilhelms, der Cluniazenser Prior Ulrich von Zell nach Hirsau, der auf Wilhelms Bitte für ihn eine schriftliche Aufzeichnung der Cluniazensischen Gebräuche entwarf.

Um sich über Cluniazensische Gebräuche genauer zu informieren, schickte Wilhelm mehrere Male Mönche nach Cluny, die mit Erkenntnissen des Abtes Hugo von Cluny zurückkamen.

Wilhelm sollte nach den besonderen Bedürfnissen seines Klosters die Regel von Cluny ändern, was etwa die Verhältnisse des Klimas und die Sitte des Landes zu ändern verlangen. In diesem Sinne arbeitete Wilhelm seine „Constitutiones Hirsaugienses“ in zwei Büchern aus.

Eine mit dieser Reform in Verbindung stehende Einrichtung ist die Einführung der Laienbrüder als eines von den eigentlichen, geistlichen und gelehrten Mönchen unterschiedenen Standes von dienenden Brüdern in Deutschland, welche die häuslichen Arbeiten im Kloster, den Dienst im Armen- und Krankenhause, auch die Dienstleistungen bei Kirchen- und Klosterbauten zu übernehmen hatten. Man nannte sie „Bärtlinge“.

Von Hirsau aus verbreitete sich die Cluniazenser Regel weiter in Schwaben und anderen deutschen Ländern, in Klöstern, welche von Wilhelm und unter seiner Mitwirkung gegründet wurden und durch ihn ihre ersten Mönche und Vorsteher erhielten.

Die Klostergründungen Wilhelms sind Weilheim unter der Teck, Reichenbach im Schwarzwald, St. Georgen, Blaubeuren, Zwiefalten, Comburg in Franken, Fischbachau in Bayern, später in Scheyern, St. Paul im Lavantertal in Kärnten, Reinhardsbrunn in Thüringen, St. Peter in Erfurt. Schaffhausen und Petershausen bei Konstanz wurden durch Wilhelm im Cluniazensischen Sinne reformiert.

Einzelne von den Tochterklöstern Hirsaus wirkten ihrerseits im gleichen Sinne, wenn auch in geringerem Maßstabe, für die weitere Ausbreitung der klösterlichen Reform.

Die Zahl der Mönche im Kloster Hirsau zählte bei Abt Wilhelms Tode 150 Mönche jedoch ohne die Laienbrüder. Dies führte zum Bau eines neuen Klosters am andern, dem linken Ufer der Nagold. Der Bau wurde nach neunjähriger Bauzeit im Jahre 1091 vollendet und von Bischof Gebhard von Konstanz eingeweiht. Die Übersiedlung der Mönche in das neue Kloster erlebte Abt Wilhelm nicht mehr. Er selbst starb im gleichen Jahre, wenige Wochen nach der Einweihung der Kirche nach kurzer Krankheit. Als sein Todestag ist der 5. Juli 1091 angegeben.

Um weitere Details über das Kloster Hirsau zu erhalten, empfehlen wir das Buch „Die Hirsauer Kloster-Landschaft“ von Dr. Klaus – Peter Hartmann ISBN 978-3-939148-41-5

Ulrich Rülein von Calw weitere Namen: Ulrich Rülein von Kalbe, Ulricus Molitoris de Calb * 04.07.1465 Calw †1523 Leipzig, Sterbetag ist nicht bekannt.

Universalgelehrter

Ulrich Rülein, als Sohn eines Müllers in der oberen Mühle in Calw geboren, studierte ab 1485 an der Leipziger Universität die "Freien Künste". Er wurde 1491 "Magister artium" und beschäftigte sich dann bis 1497 mit Medizin und Mathematik. Nach 12 Jahren an der Leipziger Universität verließ er als "Doktor medicinae" Leipzig und ging als "Physicus ordinarius" nach Freiberg, dem Zentrum des sächsisch-erzgebirgischen Silbererzbergbaus.

Die Leipziger Jahre sind durch gleichzeitiges Lernen und Lehren geprägt. Aus dem im Jahre 1500 erschienene Rechenbuch "Algorithmus linealis" von Balthasar Licht wissen wir, dass Rülein mehrere Jahre als Mathematikprofessor in Leipzig gewirkt hat. Charakteristische Gebiete waren das Rechnen auf Linien (Rechenbrett mit vier waagerechten Linien in den Werten 1, 10, 100 und 1000), Rechnen auf der Feder (Rechnen mit Niederschreiben der Ziffern) und das Rechnen mit indisch-arabischen Ziffern das im 15. Jahrhundert in Europa noch selten war.

Rülein lehrte also die Mathematik in einer für die Zeit um 1500 progressiven und einer z.B. für die Kaufleute interessanten Form. Während seiner Mathematik-Lehrtätigkeit betrieb er gleichzeitig seine Medizinstudien.

Um 1500 veröffentlichte er unter dem Titel „Ein nutzlich bergbuchleyn“ die erste Druckschrift über den Bergbau überhaupt. Belehrend wie zugleich auch werbend für Investitionen im Montanwesen markiert sie den Beginn einer Entwicklung, die mit den Werken von Georgius Agricola einen ersten Höhepunkt fand. Das Buch ist in der Form des Dialogs geschrieben, indem eine mythische Figur, der mittelalterliche Bergsachverständige Daniel, einen jungen Knappen belehrt. In volkstümlicher Form wird die Kunde von den Erzlagerstätten, die Regeln zum Aufsuchen und Ausrichten der Vorkommen sowie ökonomische Erfahrungen wie zum Wesen der Kuxe mitgeteilt. Das Bergbüchlein ist die älteste gedruckte Quelle der deutschen Bergmannssprache. Rülein hat sich mit diesem Werk, ähnlich wie Adam Ries mit seinen Rechenbüchern als Lehrmeister des deutschen Volkes ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Als Mediziner hat Rülein Spuren auf den Gebieten der Pestbekämpfung und der Heilquellen hinterlassen. Die Pest, der 1521 in Freiberg mehr als 2000 Menschen erlagen, veranlasste Rülein, zwei Pestschriften zu verfassen, von denen eine uns noch heute gedruckt bekannt ist.

Rülein war über 10 Jahre von 1509 bis 1519 als Ratsherr und während zwei Wahlperioden von 1514 bis 1517 als regierender Bürgermeister der Stadt Freiberg tätig. In diesen dem Gemeinwohl dienenden Tätigkeiten zeichnete sich Rülein als hervorragender Repräsentant des aufstrebenden Bürgertums aus. Er bewies Weitsicht bei der Reform des städtischen Bildungswesens. Rülein gründete 1514/15 gemeinsam mit Nikolaus Hausmann (1479–1538) Prediger, Reformator und Freund von Martin Luther, eine städtische Lateinschule in Freiberg. Hier wirkten u.a. Johannes Rack (1457–1520) sorbischer Gelehrter, Theologe und Humanist auch Aesticampianus genannt und Petrus Mosellanus (1493–1524) Humanist, Philologe und römisch-katholischer Theologe mit großen Sympathien für Martin Luther und andere Reformatoren als Lehrkräfte. Die bedeutendsten Schüler dieser Schule waren die beiden Söhne, Moritz und August, des sächsischen Herzogs Heinrich des Frommen (1473 - 1541). Der Sohn Moritz (1521 - 1553) war ab 1548 Kurfürst von Sachsen. Sein Bruder August (1526 - 1586) war sein Nachfolger.

Da sich die neue Einrichtung jedoch gegenüber der noch nach scholastischen Auffassungen geführten Domschule zu behaupten hatte und der Widerstand innerhalb des Stadtrats nicht zu überwinden war, entschied sich Ulrich Rülein Freiberg zu verlassen und nahm 1519 eine Professur für Medizin in Leipzig an. Ulrich Rülein hatte zu Herzog Heinrich dem Frommen als dessen Leibarzt und Berater in bergbaulichen Fragen eine direkte Beziehung.

Mit dem Freiberger und erzgebirgischen Silberbergbau kam Rülein in vielfache Beziehung. Bereits 1456/57 übernimmt er im Gebiet einer neu entdeckten Silbererzlagerstätte die Vermessung und städtebauliche Planung und Beratung einer neuen Bergstadt, die später den Namen St. Annaberg erhält und sich noch während Rüleins Lebenszeit zur größten Stadt Sachsens entwickelt. Im Jahre 1521 schafft Rülein im Auftrag von Herzog Heinrich dem Frommen erneut die städteplanerischen Grundlagen für eine neue Bergstadt mit dem Namen Marienberg. Mit dem Stadtgrundriss Marienbergs schuf Rülein für Deutschland das erste Beispiel für die Anwendung neuer Städtebauauffassungen der italienischen Renaissance.

Rüleins Verbundenheit zum Bergbau, insbesondere zum Freiberger, Annaberger und Marienberger Silberbau dokumentiert sich einmal in seiner städteplanerischen Tätigkeit für zwei Bergstädte, weiter seine Tätigkeit als Stadtarzt der Bergstadt Freiberg mit vorwiegend im Bergbau beschäftigter Bevölkerung und mit eigenem Unternehmertum im Freiberger und Annaberger Silberbergbau.

Der Name Rülein erscheint z.B. in den Freiberger Zehntrechnungen der Jahre 1514 bis 1546. Nach Rüleins Tod im Jahr 1523 werden seine Familienangehörigen (Witwe, Söhne) als Bergbautreibende weiterhin genannt. Von Rülein ist kein Bildnis, nur das Todesjahr 1523 und Leipzig als mutmaßlicher Sterbeort überliefert.

Das hier vorhandene Bild wurde nach verschiedenen historischen Beschreibungen von dem in Weil der Stadt lebenden Maler und Werbegrafiker Otto Gann 2021 erstellt.

Rülein, Persönlichkeit im Urteil seiner Zeit:

− Rüleins Schüler Balthasar Licht charakterisiert im Jahre 1500 seinen ehemaligen Leipziger Mathematiklehrer im Widmungsschreiben zum Mathematikbuch

"Algorithmus linealis": "Gern habe ich vor allen anderen nur Dich als Ratgeber gewünscht, besonders bei der Entscheidung von Zweifelsfragen. An Charakter und Gelehrsamkeit überragst Du weit alle übrigen, so viele ich auch um Rat gefragt habe".

− Widmungsschreiben vom 6. April 1521 von Hieronimus Emser an Rülein:

"Dem sehr berühmten Professor der Freien Künste und der Arzneikunst, Doktor Ulrich Rülein von Calw, dem vorurteilsfreien Arzt der weltbekannten Stadt Freiberg, sendet der Priester Hieronymus Emser seinen besten Gruß".

− Der Gelehrte Johann Rmus schreibt 1541 über die 1521 durch Rülein ausgeführte Planung der Bergstadt Marienberg:

"Hierfür schulden die Einwohner dieser Stadt dem ganz besonders überragenden und durch Verstand und Wissen ausgezeichneten Ulrich CALW großen Dank, da dieser erfinderisch praktisch begabte Mann den Bebauungsplan von vornherein so trefflich entworfen und abgesteckt hat“.

Wir erkennen daraus in Ulrich Rülein einen Großen seiner Zeit. Er gehört zu den Gelehrten der Renaissance mit einem sehr anspruchsvollen breiten Wirkungskreis, Rülein tritt für den Fortschritt auf den Gebieten der Wissenschaften und des praktischen Lebens ein. So hält er als Naturwissenschaftler die Welt für erkennbar. Als Bergbaufachmann mahnt er zum sorgsamen Umgang mit den Bodenschätzen und erteilt Lehren, wie man den Bergbau sinnvoll betreiben soll. Als Mitverantwortlicher für das Gemeinwohl der Bergstädte Freiberg, Annaberg und Marienberg gibt er sein Bestes.

Würdest du den Gewinn höher achten als die Kunst, so müsstest du die Kunst samt dem Gewinn entbehren. Ulrich Rülein von Calbe

Quellen: Freiberger Forschungshefte Wilhelm Pieper Deutsche Nationalbibliothek Sächsische BibliografieBildquelle: © schmidmusic /Otto Gann

Johann Valentin Andreae *17.08.1586 Herrenberg †27.06.1654 Stuttgart

Theologe, Schriftsteller, Mathematiker

Er war das fünfte Kind des lutherischen Pfarrers Johannes Andreae von Herrenberg und Abtes von Königsbronn und seiner Ehefrau Maria Andreae geborene Moser, eine Tochter des Herrenberger Vogtes Valentin Moser. Andreaes Großvater Jakob Andreae war Kanzler der Universität Tübingen.

1601 verstarb Johann Valentin Andreaes Vater. Seine Mutter, eine in der Heilkunst bewanderte Frau, zog darauf mit den Kindern zu ihren Verwandten nach Tübingen.

Der beim Tode seines Vaters schon 15-jährige Johann Valentin Andreae studierte in Tübingen von 1602 bis 1605 die Freien Künste. Er verfasste in dieser Zeit zwei Bühnenstücke nach englischen Vorbildern, Esther und Hyazinthus, sowie seine berühmte Schrift Chymische Hochzeit Christiani Rosencreutz. 1603 wurde Andreae Baccalaureus und 1605 Magister. Ab 1606 nahm Johann Valentin Andreae das Studium der Theologie und der Mathematik auf. 1607 musste er jedoch wegen eines Studentenstreichs die Universität verlassen. Er wurde nicht zum Examen zugelassen und wurde auch vom Kirchendienst zurückge- stellt. Durch unterrichten verdiente er sich im Jahr eine Summe von 100 fl., was zur damaligen Zeit eine hohe Summe war. Damit ersparte er sich so viel Geld für das Studium, dass er die Kosten für die Universitäten Straßburg, Lauingen in der Oberpfalz und Heidelberg aufbringen konnte.