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Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: keine, Freie Universität Berlin (Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften), Sprache: Deutsch, Abstract: Kafkas „In der Strafkolonie“ wurde von der Literaturwissenschaft bereits aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Der Text wurde historisch, spirituell, biographisch und poetologisch gedeutet. Diese Interpretationsansätze werden in „Widerstreit der Gesetze“ kurz beleuchtet. Anschließend wird die Rolle des Mediums Maschine besprochen und seine Bedeutung für den poetologischen Ansatz verdeutlicht. Im letzten Teil werden paradoxe und antinomische Strukturen des Textes herausgearbeitet die eventuell als Berührungspunkte der verschiedenen Deutungslinien fungieren können.
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Veröffentlichungsjahr: 2009
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Kapitel 1Einleitung
Kafka interpretieren bedeutet in vielen Fällen Eulen nach Athen tragen. Und schlimmer noch: Ständig läuft man Gefahr, dass sich das gute Tier als Kauz entpuppt. Und wenn dann noch alle Wege nach Rom führen, ist es um die Interpretation geschehen.
Dennoch möchte ich mich in dieser Arbeit mit Kafkas Erzählung »In der Strafkolonie« auseinandersetzen, die sicherlich in die Kategorie »Faustschlag« gehört. Im Zentrum der Arbeit soll eine poetologische Interpretation stehen, die versucht die Bedeutung des »Mediums Maschine« zu beleuchten. Dabei werde ich der Analyse der vonWolf Kittlerbeschriebenen Antinomie des »Urteil[s] über alle Urteile«2besondere Auf-
merksamkeit schenken. Vorangestellt ist ein Überblick über ausgewählte Interpretationsansätze der Literaturwissenschaft.
1Franz Kafka; Hans-Gerd Koch(Hrsg.): Briefe 1900-1912. New York: S. Fischer, 1999, Franz Kafka: Schriften, Tagebücher, Briefe. Kritische Ausgabe, S. 36.
2Wolf Kittler:Schreibmaschinen, Sprechmaschinen. Effekte technischer Medien im Werk Franz Kafkas. In:Wolf KittlerundGerhard Neumann(Hrsg.): Franz Kafka: Schriftverkehr. Freiburg: Rombach Verlag, 1990, S. 136.
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Kapitel 2Deutungslinien
Zu Kafkas Strafkolonieist geradezu ein Krieg der Interpretationen ausgebrochen. Wie viele Texte Kafkas, lädt »In der Strafkolonie« durch seine Widersprüchlichkeit ein zur Interpretation, insbesondere auch zu widersprüchlichen Interpretationen.
Die Deutungswut aller Beteiligten, eingeschlossen der Leser, wird gerade durch den kalkulierten Sinnzersetzungsprozeß der zentralen Begriffe angestachelt. Gerade die pedantisch - ausführlichen Erklärungen des Offiziers in der »Strafkolonie« wie auch die Präzision der Texte Kafkas überhaupt verleiten zu der Hoffnung, eine sichere Deutungsbasis etablieren zu kön-nen.2
Um es vorweg zu nehmen: Diese Hoffnung wird nicht erfüllt werden. Deshalb möchte ich, ohne auf die chronologische Abfolge einzelner Positionen verschiedener Interpreten einzugehen, wie es Peter Höfle vornimmt3,
im Folgenden einige der vorgeschlagenen Deutungslinien vorstellen.
