Wiedersehen am Drachenfels - Anna Jonas - E-Book

Wiedersehen am Drachenfels E-Book

Anna Jonas

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Beschreibung

Acht Jahre nach Kriegsende ringt das Luxushotel Hohenstein noch immer damit, zu seiner einstigen Größe zurückzufinden. Sebastian, der Enkel von Hotelier Karl Hohenstein, kommt mit neuen Ideen aus Amerika und will den nur zögerlich anlaufenden Tourismus ankurbeln. Er verliebt sich in die Ärztin Annemarie, die sich auf ein Verhältnis einlässt, obwohl sie einem anderem die Ehe versprochen hat. Als ihr Verlobter tot im Rhein gefunden wird, fällt der Verdacht auf Sebastian. Währenddessen holt Karl seine Vergangenheit ein, und plötzlich steht nicht nur Sebastians Ruf auf dem Spiel, sondern auch der des Hotels …

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Veröffentlichungsjahr: 2018

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ISBN 978-3-492-99023-3© Piper Verlag GmbH, München 2018Covergestaltung: U1 berlin / Patrizia Di StefanoCovermotiv: © ILINA SIMEONOVA / Trevillion ImagesDatenkonvertierung: Uhl + Massopust, Aalen

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Inhalt

Zitat

Teil I Heimkehrer

1 »Dieser Rotzbengel hat …

2 Magdalena fand sich …

3 »Hilfst du mir …

4 Da Magdalena ihre …

5 »Das ist das …

6 Frau Weiß verhielt …

7 »Bist du sicher, …

8 Während Magdalena mit …

9 Inzwischen konnte Ruth …

Teil II Grenzgänger

10 Der Sommer hatte …

11 Annemaries Vater hatte …

12 Tausende Menschen strömten …

13 In einem eleganten …

14 Nach der überaus …

15 Die ganze Sache …

16 Es war Hans …

17 Das Schneetreiben setzte …

18 Magdalena bat darum, …

19 Als Annemarie die …

Teil III Enthüllungen

20 Der Februar hielt …

21 Der März war …

22 Es war noch dunkel, …

23 In den ersten …

24 Als Margot die …

25 Seit jenem Vorfall …

26 Es dauerte nach …

27 Nachdem Margot über …

28 »Ich bin entzückt, …

Epilog

Personenübersicht

»Durch diesen Herbstestag voll Sturm Zum Drachenfels empor die Steige! Schon winkt zu Häupten mir der Turm, Der breite durch die falben Zweige. Da steh ich – roter Sonnenschein Umlodert königlich die Klippe; Zu meinen Füßen braust der Rhein.«

Emanuel Geibel

Teil I Heimkehrer

1

»Dieser Rotzbengel hat mich altmodisch genannt!« Karl Hohenstein stand im Vestibül, die Hände in die Seiten gestemmt, und sah in die Richtung, in die sein Enkel verschwunden war.

»Du hast deinen Vater seinerzeit mit demselben Wort belegt, erinnerst du dich?«, antwortete seine Ehefrau mit einem nachsichtigen Lächeln.

»Er war altmodisch, ich bin lediglich auf Stil bedacht.«

»So begründete er es seinerzeit auch.«

»Ich bin nicht altmodisch.«

»Wäre dir Altersstarrsinn lieber?«

Karl bekam den Eindruck, dass Julia dieser Disput Spaß machte, und gab es seufzend auf. Man krempelte sein Hotel um, und er sollte als Zuschauer danebenstehen. Langsam ließ er seinen Blick durch das Vestibül gleiten, über die geschwungene Treppe, die Rezeption aus poliertem Holz mit ihren goldverzierten Kästen für Zimmerschlüssel und Post, die Säulen, die eleganten Sitzgruppen – Bilder schoben sich darüber, lachende Gäste in Abendroben, Soldaten, Offiziere … Karl spürte einen Stich in der Brust und sah wieder zu dem Aufzug, dessen Türen sich hinter seinem Enkel geschlossen hatten. Vielleicht war es nicht das Schlechteste, einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit zu machen, und Sebastian brachte in der Tat frischen Wind hier hinein.

Karl verließ das Hotel und trat auf den Hof. Es war Anfang März und die Temperaturen immer noch empfindlich kalt. Schneereste klebten an den Wegesrändern, waren auf dem Hof zu matschigen Pfützen geschmolzen. Zwar bemühte sich Karl nach wie vor um einen gepflegten Eindruck, aber es war unübersehbar, dass das Hotel einmal bessere Zeiten gesehen hatte, daran änderte auch der Anblick der glänzend polierten Limousinen – »altmodisch, Großvater!« – in der Remise nichts. »Du kannst deine Gäste doch nicht in diesen Vorkriegsmodellen durch die Gegend kutschieren«, hatte sein Enkel sich beschwert.

Aber für neuere Wagen war schlechterdings gerade kein Geld da, und Karl war – so ungern er es gestand – zu alt, um sich allein um das Hotel zu kümmern. Solange Konrad noch gelebt hatte, war es immer noch irgendwie gegangen. Außerdem hatten sie dessen Sohn Andreas gehabt, der ebenfalls mit der Leitung betraut gewesen war, aber auch der war aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Wie so viele andere, unter anderem Karls Neffe Jacob, dessen Bruder Hans zwar nach wie vor im Hotel in der Buchhaltung arbeitete. Doch seit seine Frau auf und davon war und ihn mit der kleinen Tochter Greta allein gelassen hatte, war er nicht mehr so recht mit dem Herzen bei der Sache. Karls Cousine Emma half zwar ebenfalls, aber auch für sie wurde es langsam zu viel.

Karl zitterte ein wenig in der Kälte, blieb jedoch dennoch draußen stehen und spürte alten Zeiten nach – wie so oft in letzter Zeit. Er hoffte nicht, dass das bedeutete, er würde sich eines Tages gänzlich in der Vergangenheit verlieren, aber er vermisste sie alle so furchtbar, die Gefährten, die ihn auf dem letzten Stück seines Weges nicht mehr begleiteten.

»Willst du dir eine Lungenentzündung holen?«, fragte Julia, die ihm nun nach draußen gefolgt war. Im Gegensatz zu ihm hatte sie sich jedoch vorher noch einen warmen Mantel geholt und ihm seinen gleich mitgebracht.

»Denkst du, es war die richtige Entscheidung?«, fragte er und sah seine Frau an. »Ihn aus Amerika kommen zu lassen? Ist es nicht, als wolle man einem Toten neues Leben einhauchen?« Er drehte sich um und sah zum Hotel, während seine Hände in die warmen Ärmel des Mantels glitten.

»Es ist nicht tot«, antwortete Julia. »Es hat all das überlebt. Ebenso wie wir.« Sie hakte sich bei ihm ein, und er drückte ihre Hand.

Im Sommer hatte er nach langem Überlegen seinem Sohn in Amerika geschrieben und diesem das erste Mal gestanden, dass er das Hotel nicht länger allein halten konnte. Da das Haus zur Hälfte seinem Sohn zustand, wollte er diesen darüber in Kenntnis setzen, dass er mit dem Gedanken spielte, es zu verkaufen, wenn nicht die Möglichkeit bestand, Hilfe zu bekommen. Sein Sohn hatte darauf reagiert, indem er Karls Enkel Sebastian schickte. Sebastian, der kaufmännisch ausgebildet war und ohnehin oft davon gesprochen hatte, nach Deutschland zu gehen, musste nicht lange überredet werden. Die Aussicht, hier etwas aufzubauen, kreativ zu werden, hatte ihn zu sehr gereizt, als dass er hätte widerstehen können.

Für Karl und Julia, die die Familie ihres Sohnes das letzte Mal vor dem Krieg gesehen hatten, war es wunderbar, dass ihr Enkel nun sozusagen heimkehrte. Und Sebastian war ein Hohenstein durch und durch, wenngleich er optisch mehr nach der Familie seiner Mutter kam mit seinem dunklen Haar und den Augen, die mehr grau als blau waren.

Und nun hatte auch noch seine Schwester Johanna aus Ungarn geschrieben und angekündigt, ihm ihren Enkel Adrián zu schicken, um ihm unter die Arme zu greifen. Da Karl und seine Schwester sich sehr nahestanden, machte ihn das Angebot überglücklich, und nur zu gerne würde er ihren Enkel hier aufnehmen. Julia hatte recht, sie mussten zuversichtlich in die Zukunft blicken. Es war das Jahr der Heimkehrer.

»Das kann einfach nicht dein Ernst sein«, beklagte Margot Rebein sich bei ihrer Mutter, während sie sich im Zimmer umsah. »Warum kann ich nicht mit Papa in Bonn bleiben?«

Emma, die diese Diskussion wieder und wieder geführt hatte, war es langsam leid. »Weil dein Vater und ich nicht getrennt leben wollen, nur weil es dir hier zu ruhig ist.«

»Es ist nicht zu ruhig, es ist todlangweilig.«

Emma sah sich in den vertrauten Räumlichkeiten um. Hier war sie aufgewachsen, hatte auch nach ihrer Eheschließung immer wieder ihre Eltern besucht, und nicht im Traum wäre ihr eingefallen, dass sie je wieder hier einziehen würde, obwohl sie nach wie vor im Hotel arbeitete. Doch jetzt fühlte es sich richtig an, als sei dies immer ihr wahres Zuhause geblieben und habe nur auf ihre Rückkehr gewartet.

Nachdem ihr Vater, Konrad Alsberg, gestorben war, hatte ihre Mutter sich allein um Andreas’ Kinder gekümmert. Emma glaubte nach wie vor, dass der Kummer um den Tod seines Sohnes ihren Vater, der immer gesund gewesen war, so plötzlich hatte sterben lassen. Sein Herz hatte einfach aufgegeben. Auch ihre Mutter hatte sich so sehr gegrämt, und allein die Erinnerung daran ließ Emma die Tränen in die Augen steigen. Aber Katharina Alsberg war nach wie vor gebraucht worden von den Kindern ihres Sohnes. Und so hatte sie sich um sie gekümmert, bis eine Erkältung, der eine Lungenentzündung gefolgt war, sie vor zwei Monaten das Leben gekostet hatte. Und da Emmas Cousin Karl – der ihrem Vater vom Alter her nähergestanden hatte als ihr, aber das war dem umtriebigen Leben ihres Großvaters geschuldet – neben dem Hotel nicht auch noch Andreas’ Kinder Ruth, Nele und Curt versorgen konnte, hatte Emma beschlossen, die Wohnung ihrer Eltern im Hotel zu beziehen.

»Bei uns wäre auch Platz gewesen für die drei«, beklagte sich Margot nun erneut.

»Das hatten wir alles schon.«

»Sie wolltest du nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen, aber bei mir ist das nicht so schlimm, ja?«

Emma schloss die Augen und atmete tief durch, dann sah sie ihre Tochter an. »Du hast deine Eltern immerhin nicht verloren.« Andreas’ Ehefrau war bei der Geburt von Curt, ihres einzigen Sohnes, verstorben. Der würde nun später der Haupterbe sein, war aber gerade mal dreizehn Jahre alt und ging noch zur Schule. Emma bemühte sich um einen versöhnlichen Ton. »Du bist doch hier nicht aus der Welt.«

»Ich bin so weit entfernt von jedem fröhlichen Treiben, als wäre ich’s. Warum verkauft Karl diesen alten Kasten nicht einfach? Als würde derzeit auch nur irgendeiner Urlaub in Deutschland machen. Ich zumindest würd’s nicht tun, und ich kann auch Sebastian nicht verstehen. Wer verlässt denn New York, um hier zu leben? Entweder hat er dort etwas ausgefressen, oder er ist nicht bei klarem Verstand. Wie ein ausgemachter Langweiler wirkt er nämlich nicht gerade.«

Emma ersparte sich eine Antwort darauf, da sie wusste, dass diese ihrer Tochter nur als weitere Vorlage gedient hätte, sich erneut zu echauffieren. »Pack deine Koffer aus«, sagte sie. »Und wenn du genug geschmollt hast, kannst du dich zu uns in den Hotelsalon gesellen.« Damit verließ sie das Zimmer und ging durch den Korridor zur Wohnungstür.

Die Wohnungen lagen im privaten Wohntrakt der Familie, der durch eine Tür vom Hotelbetrieb getrennt war. Unten wohnte Hans mit seiner Tochter Greta, darüber Karl und Julia in der Beletage, darüber nun Emma mit Georg und Margot, und im dritten Obergeschoss hatte einstmals Emmas Bruder Andreas mit seiner Familie gelebt, nun wohnten dort nur noch seine drei Kinder, wobei die älteste Tochter Ruth gerade einundzwanzig geworden war, zwei Jahre älter als Margot. Da sich die beiden allerdings nicht gut verstanden, war das für Emmas Tochter nicht gerade ein Anreiz gewesen, sich mit der neuen Wohnsituation abzufinden.

Als Emma das Vestibül betrat, sah sie Sebastian in ein Gespräch mit dem Concierge vertieft. Sie gesellte sich dazu, schenkte dem jungen Mann, der so unverkennbar amerikanische Weltgewandtheit ausstrahlte, ein Lächeln und sah in das Buch, in dem die Reservierungen verzeichnet waren. So mager hatte das zuletzt 1920 ausgesehen, aber da hatte sich der Hotelbetrieb irgendwann wieder erholt. Nun jedoch schien es, als verschlinge das Haus nur noch Geld, ohne auch nur annähernd genug einzubringen, um die laufenden Kosten zu decken. Karl war schon vor drei Jahren an sein Privatvermögen gegangen und hatte dieses in den Betrieb investiert, nachdem sämtliche finanzielle Rücklagen des Hotels aufgebraucht waren. Auch am Personal waren Einsparungen vorgenommen worden. Es gab keine Dienstboten mehr, die nur für die Familie zuständig waren, keine Stubenmädchen, keine Lakaien, keine Kammerdiener und Zofen. Die Zimmermädchen kümmerten sich auch um die Privaträume, und die Speisen für die Familie waren von jeher schon in der Hotelküche zubereitet worden, dort waren keine weiteren Einsparungen mehr möglich.

»Sieht nicht gerade erfreulich aus, nicht wahr?«, bemerkte Sebastian, der ihr über die Schulter blickte.

Sie drehte sich zu ihm um. »Wir haben die Hoffnung gehabt, dass sich der Tourismus irgendwann erholen würde, so wie in den Zwanzigern.«

»Das waren andere Zeiten.« Und eine andere Vergangenheit, schwang ungesagt mit.

»Wie ist dein bisheriger Eindruck?«

Er deutete in Richtung Salon, und Emma verließ mit ihm die Rezeption. »Es war einst sicher ein Treffpunkt mit mondänem Flair, aber jetzt wirkt das meiste ziemlich altbacken.«

»Hast du das deinem Großvater mit diesen Worten gesagt?«

»Ja.«

»Da war er sicher sehr erfreut.«

»Er konnte kaum an sich halten.« Ein kurzes Lächeln glitt über Sebastians Lippen. »Aber er wird sich den Änderungen auf Dauer nicht verschließen können, und dafür hat er mich ja immerhin kommen lassen, nicht wahr?«

»Vielleicht solltest du das ein klein wenig taktvoller formulieren.«

»Ich werde mir Mühe geben«, versprach er. »Und du wohnst jetzt dauerhaft hier?«

»Ja, ab heute.«

Sie betraten den Salon. Emma steuerte einen Tisch am Fenster an und versuchte dabei, den Raum mit Sebastians Augen zu sehen. Für sie war er von klein auf der Inbegriff von Eleganz gewesen, aber sah ein Besucher aus dem Ausland das ebenfalls so? Oder wirkte in der Tat alles ein wenig angestaubt?

»Der Salon ist hübsch«, bemerkte Sebastian, als habe er ihre Gedanken gelesen. »Ich sage ja nicht, dass das Hotel von Grund auf renoviert werden muss, einen Hauch von Nostalgie schätzen die Gäste. Aber die Zimmer sind einfach hoffnungslos veraltet. Und die Automobile erst recht.«

»Wie wirst du vorgehen?«

»Ich erstelle einen Finanzplan, dafür brauche ich einen Überblick über sämtliche Konten.«

»Ich sage Hans Bescheid, damit er sich darum kümmert.«

Ein Sonnenstrahl brach durch die Wolkendecke und tastete sich in den Raum, ließ den polierten Parkettboden in buttrigem Gold glänzen. Seltsamerweise machte das den fast leeren Raum noch trostloser.

»Du hättest es früher erleben sollen«, sagte sie.

»Habe ich doch«, antwortete er, und Emma erinnerte sich an das Jahr, als Karls Sohn das letzte Mal mit den Kindern hier gewesen war, 1937, zwei Jahre vor Ausbruch des Krieges, dessen Ende nun schon acht Jahre zurücklag.

»Erinnerst du dich noch daran?«, fragte sie.

»Vage. Aber ich muss sagen, die Bilder, die später zu uns rüberschwappten, waren prägnanter, und ich habe mich oft gefragt, wie ihr seinerzeit so sorglos habt feiern können.«

Wenn du wüsstest, dachte Emma.

»Magdalena Schürmann?«, fragte eine hagere Frau in mittleren Jahren, und Magdalena erhob sich rasch von dem Stuhl, auf dem man sie gebeten hatte Platz zu nehmen.

»Mein Name ist Erna Weiß, ich bin die Haushälterin.« Die Frau gab ihr die Hand und deutete dann einen schmalen Korridor hinunter. »Kommen Sie bitte mit in meine Räumlichkeiten, dort können wir in Ruhe alle Formalitäten besprechen.«

Magdalena nahm ihre Tasche, folgte der Frau über den leicht verschlissenen Teppich und stellte fest, dass der leise Hauch von Verfall hier unten stärker sichtbar war als oben. Ein Relikt, das nur noch durch die Zeit geschleppt wurde, ohne deren Wandel mitzumachen.

»Nehmen Sie bitte Platz.« Frau Weiß deutete auf einen Stuhl und ließ sich auf der anderen Seite des kleinen Schreibtisches nieder. Dann streckte sie die Hand aus, und Magdalena reichte ihr die Mappe mit ihrem Zeugnisheft. Dieses musste lückenlos geführt werden und enthielt Empfehlungen und Tadel vorhergehender Arbeitgeber – glücklicherweise in Magdalenas Fall nur Ersteres. Bisher hatte sie für die Betreiberin einer kleinen Pension gearbeitet, die sie nur ungern hatte ziehen lassen, daher war sie voll des Lobes für sie. Magdalena vermutete, dass man hier nach wie vor auf einen untadeligen Lebenslauf Wert legte.

Langsam blätterte Frau Weiß das Heft durch, während Magdalena die Hände in ihrem Schoß faltete und den Blick aus dem Fenster richtete. Da sie wusste, dass an ihrem Zeugnis nichts auszusetzen war, brachte sie dessen Prüfung nicht aus der Ruhe. Sie hörte Papier rascheln, als Frau Weiß umblätterte, und hielt den Blick weiterhin aus dem Fenster gerichtet, betrachtete das diesige Grau, das dann und wann von einem zögerlichen Sonnenstrahl durchbrochen wurde. Der Frühling schien sich in diesem Jahr viel Zeit lassen zu wollen.

»Also gut«, hörte sie Frau Weiß sagen und wandte sich ihr wieder zu. »Das sieht alles so weit erfreulich aus. Herr Hohenstein wird den Vertrag vorbereiten, und ich zeige Ihnen schon einmal Ihr Zimmer.« Sie erhob sich, und Magdalena tat es ihr gleich.

Sie verließen den Raum und gingen durch den Dienstbotenkorridor zur Personaltreppe und hoch in das Dachgeschoss. »Es gibt auch zwei Aufzüge«, erklärte Frau Weiß, aber die sind nur für die Gäste und die Herrschaften. Die einzigen Dienstboten, die sie nutzen dürfen, sind der Concierge und die Pagen. Den Zimmermädchen ist es nur erlaubt, wenn sie den Putzständer mit sich führen müssen. Das wäre zu mühsam über die Dienstbotentreppe.« Sie öffnete eine schwere Holztür und führte Magdalena durch einen Korridor, von dem zu beiden Seiten Türen abgingen. »Sie kommen in den Luxus, eine eigene Kammer zu bewohnen. Das ist nicht selbstverständlich, aber wir haben derzeit nur wenig Personal.«

Da Magdalena nicht so recht wusste, was sie darauf antworten sollte, sagte sie lediglich, dass sie sich darauf freue, die Stelle anzutreten. Die Haushälterin öffnete eine Tür und deutete auf eine kleine, saubere Kammer. Außer zwei Betten mit dazugehörigen Kommoden gab es einen zweigeteilten Schrank, einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen und eine Kommode mit vier Schubladen.

»Es ist sehr hübsch«, lobte Magdalena, weil sie das Gefühl hatte, etwas sagen zu müssen, und stellte ihre Tasche auf den Boden. »Vielen Dank.«

»Sie können sich hier einrichten, ich erwarte Sie dann in einer halben Stunde in meinem Zimmer, damit Sie den Vertrag unterschreiben. Danach werden Sie eingewiesen.« Damit ließ sie Magdalena allein und schloss die Tür hinter sich.

Langsam ging Magdalena durch den Raum, ließ eine Hand über den Schreibtisch gleiten, überlegte, welches Bett sie nehmen sollte. Sie entschied sich für das auf der Wandseite und ging hernach zum Fenster, das so hoch war, dass sie sich ein wenig recken musste, um hinausschauen zu können. Von hier aus hatte sie einen herrlichen Ausblick auf die bewaldeten Berge und einige Minuten lang stand sie einfach nur da und sah hinaus. Dann sah sie auf die Uhr und machte sich seufzend daran, ihre Kleidung in eine Hälfte des Schrankes zu räumen. Sie hoffte, dass die Personalsituation blieb, wie sie war, denn sie war nicht sonderlich erpicht darauf, mit einer Fremden den Schlafraum zu teilen. Schlimm genug, dass sie überhaupt hier arbeiten und ihnen zu Diensten sein musste.

Nachdem sie alles eingeräumt hatte, blieb ihr noch ausreichend Zeit, sich in aller Ruhe auf den Weg zu Frau Weiß zu machen. Langsam ging sie durch den Korridor auf die Tür zu, öffnete sie und trat in einen weiteren Korridor, von dem aus eine Tür zu den Kammern der männlichen Dienstboten führte. Sie dachte an die Geschichten, die sie über das Hotel während der Kriegsjahre gehört hatte, und fragte sich, was diese Räume wohl zu erzählen wüssten. Aber alles zu seiner Zeit, jetzt musste sie erst einmal ihre Stelle antreten, und wenn sie diese behalten wollte, bis sie wusste, was sie wissen wollte, durfte sie sich keine Verfehlung leisten.

»Ah, Sie sind pünktlich, sehr gut.« Frau Weiß nickte anerkennend. »Damit haben Sie auch gleich eine der wichtigsten Regeln des Hotelbetriebs erfasst. Wenn viel Betrieb ist, können wir uns keine Verzögerungen erlauben, da läuft alles nach einem Zeitplan ab, der unbedingt eingehalten werden muss. Und natürlich haben Sie immer dann zur Verfügung zu stehen, wenn ein Gast außer der Reihe wünscht, dass sein Zimmer aufgeräumt wird. Aber dazu später mehr. Darüber hinaus ist absolute Diskretion wichtig. Nichts, was Sie in diesem Haus erfahren, wird an die Öffentlichkeit getratscht. Sollten wir Sie bei einer derartigen Verfehlung ertappen, werden Sie fristlos und ohne Zeugnis gekündigt.«

»Ja, Frau Weiß.« Magdalena nickte gehorsam.

»Gut, dann habe ich hier die Verträge. Frau Rebein wird Ihnen später das Haus zeigen und Ihnen Ihre Aufgaben erklären.«

Magdalena hatte sich vorher eingehend mit den Familienverhältnissen befasst und wusste, dass Emma Rebein die Cousine von Karl Hohenstein war. Sie unterschrieb den Vertrag, und Frau Weiß legte ein Löschblatt darauf.

»Gut, da wären wir also. Ich begleite Sie jetzt zu Frau Rebein. Den restlichen Tag können Sie dann damit verbringen, sich hier einzufinden, ehe Sie morgen früh um sechs Ihren Dienst antreten.«

Frau Rebein war eine elegante Frau Ende vierzig, deren blondes, von nur wenigen grauen Strähnen durchzogenes Haar zu weichen Locken gedreht war. Sie saß an einem Schreibtisch und erhob sich, als Frau Weiß mit Magdalena das Arbeitszimmer betrat. »Unser neues Zimmermädchen, wie schön.« Ihr Lächeln wirkte entwaffnend, und obwohl Magdalena keinerlei freundliche Gedanken für die Familie hegte, stellte sie fest, dass es schwer war, Emma Rebein nicht zu mögen.

»Danke, Frau Weiß.« Die Frau nickte der Haushälterin zu und wandte sich an Magdalena. »Sie kommen aus der Region?«

»Aus Bonn, gnädige Frau.« Gespannt beobachtete Magdalena, ob ihr Name in Verbindung mit ihrer Herkunft eine Erinnerung in Emma Rebein wachrief, aber deren freundliches Lächeln blieb unverändert, weder schlich sich Vorsicht hinein noch verblasste es. Entweder wusste sie es nicht, oder aber es war bedeutungslos für sie.

Lange Zeit war das Siebengebirge vom Krieg verschont geblieben, und so war auch der Tourismus weitergegangen. Die Vergnügungssucht der Menschen, die aus allen Teilen Deutschlands angereist kamen, hatte schon fast etwas Verzweifeltes gehabt. Auch NS-Funktionäre waren hier abgestiegen, was Karl zähneknirschend hatte dulden müssen. Er hatte seine weltoffene Haltung nie aufgegeben, wenngleich er sie zeitweise nicht gar zu offen hatte zeigen dürfen.

Zum Kriegsende hin hatten Wehrmachtssoldaten das Hotel besetzt und es in ein Lazarett umgewandelt. Karls Zimmermädchen waren in die Krankenpflege eingewiesen worden, und männliches Personal hatte er zu dem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr gehabt, da alle Männer im entsprechenden Alter eingezogen worden waren. Lediglich der Concierge, Herr Wolff, war noch bei ihnen geblieben, da er für den Kriegsdienst als untauglich befunden worden war.

Nach Kriegsende waren die Verwundeten auf die Krankenhäuser verteilt worden, das Hotel stand leer und war in einem desolaten Zustand. Da in den ersten Jahren niemand auch nur an Reisen denken konnte, verdingten sich die Mitglieder der Familie in der Stadt, um beim Wiederaufbau zu helfen. Das weibliche Personal arbeitete in Bonn, behielt das Wohnrecht im Dienstbotentrakt und zahlte eine geringfügige Miete, die Karl wiederum als Einkommen geltend machen konnte. Es waren eigenartige Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen den Herrschaften und dem Personal sich veränderte und sie alle eine Hausgemeinschaft bildeten. Gemeinsam brachten sie schwere Winter hinter sich, in denen Rationierungen und Kälte an ihnen zehrten. Einige bewarben sich später woanders, andere kamen hinzu, und als Karl nach der Währungsreform langsam den Hotelbetrieb wieder aufnahm, tat er dies mit einer Haushälterin, acht Zimmermädchen, einem Pagen und drei Kellnern, während er selbst die Aufgaben des Concierge übernahm, nachdem Herr Wolff in den Ruhestand getreten war.

Das Hotel warf so wenig ab, dass sich in den letzten Monaten drei der Zimmermädchen anderweitig bewarben, und Karl beschloss, diese zunächst nur durch ein Mädchen zu ersetzen. Dafür stellte er mehr Kellner ein, denn in letzter Zeit gab es wieder vermehrt Ausflügler ins Siebengebirge, die auf dem Hin- oder Rückweg in seinem Restaurant einkehrten. Er hoffte, dass sein Enkel Sebastian und Johannas Enkel Adrián die richtigen Ideen hatten, denn ansonsten würde er sich in der Tat mit dem Verkauf des Hotels auseinandersetzen müssen. Aber er fühlte sich mit seinen fünfundsiebzig Jahren zu müde, um hier wegzuziehen und seinen Lebensabend in der Stadt zu verbringen. In diesem Haus war er geboren, hatte hier wundervolle Zeiten erlebt, Kinder großgezogen, Enkelkinder willkommen geheißen, und wenn es nach ihm ging, wollte er hier auch seinen letzten Atemzug tun.

Er saß an seinem Schreibtisch und ging die Bilanzen durch, als sein Neffe Hans eintrat. »Sebastian war gerade bei mir«, sagte er. »Er fragte, welches Bureau er beziehen kann.«

»Ach ja, richtig, darum wollte ich mich ja kümmern.«

»Das kann ich doch auch machen.« Hans ließ sich auf einem der beiden Besucherstühle nieder. »Er kann einen der beiden Schreibtische in dem großen Arbeitszimmer haben. Oder ich räume dieses hier, ganz wie du möchtest.«

Karl schüttelte den Kopf. »Nein, du behältst deinen Platz. Das große Arbeitszimmer reicht vollkommen, dann setzen wir Adrián zu ihm. Ich hoffe ja, die beiden wirken mit ihren Ideen aufeinander ein.«

»Oder sie streiten die ganze Zeit.«

»Das bekommen wir hier ja dann glücklicherweise nicht mit.« Karl teilte mit seinem Neffen eines der seltenen, verschwörerischen Lächeln. Er hatte den Arbeitsplatz, an dem er derzeit saß, schon vor Jahren an Hans abgetreten, als dieser offiziell seine Nachfolge antrat, aber gelegentlich zog es ihn doch wieder hierher. Er war immer schon ein ruheloser Geist gewesen, und offenbar wurde das auch hochbetagt nicht besser. Da Karls Sohn sich gegen eine Laufbahn als Hotelier entschieden hatte und mit seiner Ehefrau nach Amerika gegangen war, hatte Karl seinen Neffen an dessen Stelle gesetzt. Nun stand dessen Platz wiederum seinem Enkel zu, aber Sebastian sollte sich erst einmal bewähren, danach würden sie weitersehen.

Sooft Karl auch bedauert hatte, dass seine Kinder so weit weg wohnten, war er in den Kriegsjahren froh darum gewesen, seine Tochter in der Schweiz und seinen Sohn in Amerika zu wissen. Sein Schwiegersohn war der beste Koch, den er je gehabt hatte, und so traf Karl dessen Abschied nicht nur persönlich, sondern auch beruflich. Andererseits hatte er durchaus verstehen können, dass die Familie seiner Tochter Deutschland verließ, denn sein Schwiegersohn hatte bereits Mitte der Dreißiger gesagt, ihm bereite die Richtung, in die das Land sich entwickelte, tiefstes Unbehagen, und so hatte er eine lukrative Stelle in einem großen Hotel in Genf angetreten.

Hans’ Bruder hatte sich mit demselben überbordenden Eifer in den Krieg gestürzt wie ihr Vater seinerzeit, Karls Bruder Alexander. Die Desillusionierung war recht schnell gekommen, Tod und Verzweiflung anstelle von Heldentum, und am Ende der Kampf für eine Sache, hinter der man nicht einmal stand. Karl beobachtete Hans, der wiederum einen Stapel Akten zu sich gezogen hatte, um darin zu lesen. Wenn man ihn ansah, war es, als sähe man seinen Vater vor sich, in einem Alter, das dieser nicht hatte erreichen dürfen. Wenn er einmal geht, dachte Karl, dann erinnert nichts mehr an Alexander.

2

Magdalena fand sich recht schnell ein in den Hotelbetrieb, was dadurch erleichtert wurde, dass nicht viele Gäste da waren. Auch mit dem übrigen Personal verstand sie sich gut. Es gab ein Dienstbotengesellschaftszimmer – das inzwischen ein Raum für alle Angestellten war, den alten Namen jedoch behalten hatte –, wo sowohl die Speisen eingenommen als auch Pausen gemacht wurden, und Magdalena kam immer mal wieder mit einem der anderen Zimmermädchen oder einem der Köche ins Gespräch. Die Kellner und Rezeptionisten wohnten nicht im Hotel, und die Pagen hatten ihren eigenen Raum, um immer schnell verfügbar zu sein, wenn Gäste kamen, sodass Magdalena ihnen außerhalb der Arbeit nur selten begegnete.

Im Dienstbotenzimmer zu rauchen verbot man ihr ausdrücklich. »Nicht auszudenken, wenn die Küche, das Personal – gar die Speisen! – nach Rauch stinken«, empörte sich Frau Weiß, als habe Magdalena explizit darum gebeten, hier rauchen zu dürfen, und nicht nach einem Platz gefragt, wo ihr dies gestattet war. Erst nach dieser Standpauke wies Frau Weiß auf eine Tür hin, die zum seitlichen Hof hinter der Remise führte. »Dort ist es gestattet«, sagte sie. »Allerdings stehen dort gelegentlich auch die Herrschaften, sehen Sie also zu, dass Sie nicht Zeugin von Gesprächen werden, die nicht für Ihre Ohren bestimmt sind.«

Wenn die Herrschaften sich über pikante Details unterhalten wollten und das an einem so öffentlichen Ort taten, so waren sie nach Magdalenas Dafürhalten selbst schuld, wenn man sie belauschte. Aber da sie keinen Anlass zu Beschwerde geben wollte, fügte sie sich, und ohnehin war es bisher nur zu kurzen Begegnungen gekommen. Herr Hans Hohenstein hatte einmal draußen gestanden und geraucht und ihr erzählt, sie trage denselben Namen wie seine Cousine. Und einmal war ihr Sebastian Hohenstein begegnet, als sie gerade aufgeraucht hatte und er nach draußen trat. Er hatte ihr freundlich zugenickt und sie gefragt, wie es ihr hier gefalle.

Als sie an diesem Nachmittag draußen stand und sich gerade eine Zigarette angezündet hatte, trat ein Mann aus der Remise, bemerkte sie und fragte mit einem Lächeln, ob es ihr etwas ausmachte, wenn er sich dazugeselle. Ein wenig befremdet über so viel Höflichkeit nickte Magdalena lediglich. Während er einem silbernen Etui eine Zigarette entnahm, musterte Magdalena ihn unauffällig. Er hatte einen leichten Akzent, den sie jedoch nicht einordnen konnte. Ein Gast, vermutete sie und reichte ihm ihre Streichhölzer, da er sein Feuerzeug offenbar nicht finden konnte.

Er dankte ihr, und kurz darauf flammte die Zigarettenspitze rot auf, als er den ersten Zug nahm. Mit einem langen Seufzer stieß er den Rauch aus. Da er keine Anstalten machte, sich mit ihr zu unterhalten, und Magdalena ihrerseits dazu angehalten war, den Herrschaften keine Gespräche aufzudrängen, rauchten sie schweigend. Weil sie befürchtete, man könne die falschen Schlüsse aus der Art ziehen, wie sie hier mit ihm stand, drückte sie den Zigarettenstummel aus, warf ihn in einen Abfallkübel und ging zurück ins Haus.

»Da bist du ja«, kam es von Hertha, einem der Zimmermädchen. »Frau Weiß sagt, du sollst mit mir zusammen eine Suite in der Beletage aufräumen, die Familie ist gerade abgereist.« Sie schnupperte. »Du riechst nach Zigaretten.«

»Ich habe gerade geraucht.«

»Na, dann hoffe ich, dass nachher nicht das ganze Zimmer nach dir riecht.«

Magdalenas Antwort erschöpfte sich in einem Verdrehen der Augen hinter dem Rücken der Frau, ehe sie diese in die Wäschekammer begleitete, wo sie frische Laken und Bezüge holten, die sie auf ein Gestell legten, an dessen Haken sie Eimer mit Wasser und Tücher hängten. Glücklicherweise durften die Zimmermädchen die Aufzüge benutzten, wenn sie die Zimmer reinigten. Das ging schneller, als alles die Dienstbotentreppe hochzutragen. Wichtig war, darauf zu achten, dass die Gäste immer Vorrang hatten und bestimmte Zeiten eingehalten werden mussten.

»Das hat Karl Hohenstein vor einigen Jahren so eingeführt«, erklärte Hertha. »Er ist ein guter Arbeitgeber, man könnte es wirklich schlechter treffen.«

»Ich dachte, Hans Hohenstein leitet jetzt alles.«

»Na ja, offiziell schon, aber der alte Hohenstein zieht die Fäden immer noch im Hintergrund.«

Die Suiten in der Beletage waren geräumig und luxuriös, die hochpreisigsten Räume im ganzen Hotel. Magdalena machte sich daran, die Betten abzuziehen, während Hertha weiterplauderte. »Der Familienvater, der hier gewohnt hat, war im Widerstand«, erzählte sie. »Daher hat er nur noch ein Bein, sie haben wohl einige üble Dinge mit ihm angestellt.«

Magdalena schwieg.

»Die Hohensteins waren auch im Widerstand.« Herthas Stimme hatte etwas Prahlerisches bekommen, als sei dies auch ihr Verdienst.

»Warst du da schon hier?«

»Ja, ich war schon vor dem Krieg hier als ganz junges Ding.«

Langsam zog Magdalena das Bettlaken des Doppelbettes ab. »Und wie war das so?«

»Im Nachhinein aufregend, aber eigentlich hatte ich die ganze Zeit über furchtbare Angst. Offiziell durfte ich ja nicht mal was wissen, falls die Sache herausgekommen wäre. Herr Hohenstein wollte uns schützen, aber natürlich konnte er so etwas nicht vor allen verheimlichen.«

»Gab es keine Verräter darunter?«

»Nein, zumindest nicht unter denen, die ich kannte. Für die anderen lege ich meine Hand nicht ins Feuer. Na ja, und wenn du nach dem Krieg gefragt hast, waren sie ja alle von Anfang an entweder ahnungslos oder gegen das Regime.«

Magdalena nickte nur und dachte an all das, was sie verloren hatte. Sie berührte ihre Schürze, spürte das Knistern von Papier und blickte zu Hertha, um zu sehen, ob diese etwas davon mitbekommen hatte, aber sie war damit beschäftigt, den Frisiertisch abzuwischen.

»Man wird sagen, du seiest frivol.«

Ruth Alsberg, die sich gerade im Spiegel des Vestibüls betrachtet hatte, drehte sich um und sah Karl an der Rezeption stehen und sie mit kaum verhohlenem Amüsement beobachten. Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg. »Findest du es schlimm, dass ich kein Schwarz trage? Großmutter sagte immer, den Toten nützt es ohnehin nichts, und Trauer trägt man innerlich, nicht äußerlich.«

»Ja, das klingt ganz nach ihr.« Karl lächelte.

Ruth hatte nach dem Tod ihres Vaters Schwarz getragen, weil die Gesellschaft es von ihr erwartet hatte. Doch nach dem Tod ihres Großvaters hatte ihre Großmutter es ihr ausdrücklich untersagt. »Konrad hätte es scheußlich gefunden!«

Als ihre Großmutter vor zwei Monaten gestorben war, hatte Ruth sich erneut dem gesellschaftlichen Diktat gebeugt, aber an diesem Morgen war sie erwacht, hatte gesehen, wie die Sonnenstrahlen das letzte bisschen Schnee schmolzen, und gewusst, dass die Zeit der schwarzen Kleider, die Zeit des Schattendaseins, vorbei war. Sie trug ein hellblaues gepunktetes Kleid mit schwingendem Rock und langen Ärmeln. Die Farbe harmonierte mit ihren blauen Augen, und ihr dunkelbraunes Haar bildete einen reizvollen Kontrast dazu.

»Findest du es schlimm?«, fragte sie an Karl gewandt.

»Nein, trag, was du möchtest. Es gibt wahrlich schlimmere Laster als ein hübsches Kleid.«

Ruth ging zu ihm an die Rezeption. »Margot ist wütend auf mich, sie denkt, wir hätten Emma dazu gedrängt, hierherzuziehen. Dabei habe ich ihr gesagt, ich kann mich um meine Geschwister selbst kümmern.«

»Wir wissen, dass du das kannst, aber du bist jung, und du hattest wahrhaftig bisher wenig Gelegenheit, deine Jugend zu genießen. Willst du jetzt die nächsten Jahre damit verbringen, deine Geschwister zu erziehen?«

Ruth mochte keinen Streit, mochte die Art nicht, wie Margot sie von oben herab behandelte, als sei sie hoffnungslos provinziell. Aber Margot hatte sich viel darauf eingebildet, in der Stadt zu leben, von Männern umworben zu werden und einen reichen Vater zu haben, während Ruths Leben sich in einem Hotel abspielte, das seine Glanzzeiten lange hinter sich hatte.

»Es ist entschieden«, kam Karl einer Antwort von ihr zuvor. »Und Margot tut gut daran, sich damit abzufinden.« Er wandte sich dem Buch mit den Reservierungen zu, und der diensthabende Rezeptionist, der im angrenzenden Arbeitszimmer gewesen war, kehrte an seinen Platz zurück.

»Der Brief ist nicht auffindbar, Herr Hohenstein«, sagte er bedauernd.

»Das ist nicht gut«, antwortete Karl.

»Was ist denn passiert?«, wollte Ruth wissen.

»Heute Morgen wurde ein Brief für einen Gast abgegeben, und gerade bemerken wir, dass er aus dem Fach verschwunden ist.«

»Hat der Gast ihn vielleicht schon erhalten?«

»Nein, er war eben hier und fragte danach, da er ihn für heute erwartete.« Karl drehte sich zu den Fächern um und ging die Briefe durch, vermutlich nicht zum ersten Mal.

»Aber wer klaut denn Briefe?«

»Wenn ich das wüsste, würde ich ihn nicht suchen.«

Ruth trat hinter die Rezeption, hob das Buch für die Reservierungen an und sah die Papiere durch, die dort lagen. »Was stand denn Bedeutsames darin?«

»Das habe ich natürlich nicht gefragt.«

Nach einigen Minuten gab Ruth die Suche auf. »Was sagst du dem Gast nun? Dass der Brief nicht angekommen ist?«

»Nein, die Wahrheit.« Karl seufzte.

»Vielleicht taucht er ja wieder auf.«

»Hmhm«, machte Karl unbestimmt. Dann sah er an Ruth vorbei, und ein überraschtes Lächeln glitt über seine Lippen. »Adrián?«

Ruth drehte sich um und sah einen jungen Mann durch das Vestibül kommen. Schlank, elegant, dunkles Haar, dunkle Augen.

»Seit wann bist du hier?«, fragte Karl.

»Seit einer Stunde.«

»Da war ich noch in Königswinter, tut mir leid, dass ich dich nicht persönlich empfangen habe.« Karl musterte den jungen Mann. »Du siehst wirklich aus wie dein Großvater.«

»Das sagt meine Großmutter auch ständig. Allerdings klingt es bei ihr immer so, als wolle sie damit auf meinen einzigen Vorzug hinweisen.« Er lachte, und Karl stimmte ein.

»Ja, das klingt nach Johanna. Wo ist dein Gepäck? Hast du dein Zimmer schon gesehen?«

»Alles bestens, dein Neffe hat sich um alles gekümmert.« Nun wandte Adrián sich an Ruth, die immer noch hinter der Rezeption stand, und er lächelte, was ihr – ein ständiges Ärgernis – das Blut ins Gesicht trieb. Karls Miene war nachsichtige Belustigung, und er legte ihr in großväterlicher Manier die Hand auf die Schultern.

»Ruth Alsberg, die Tochter meines Cousins.«

»Sehr erfreut«, begrüßte Adrián sie.

»Warum erzählst du unserem Neuankömmling nicht bei einer Tasse Kaffee ein wenig über das Hotel?«, schlug Karl vor, und wieder wurden Ruths Wangen heiß. »Unsere Ruth«, erklärte er Adrián, »wohnt schon ihr ganzes Leben hier. Zu den geschäftlichen Details kommen wir dann später, das machen Hans und ich.«

Adrián schenkte Ruth ein charmantes Lächeln. »Es wäre mir eine Ehre.« Er reichte ihr seinen Arm, und nach kurzem Zögern legte sie die Hand darum.

»Später machen wir dich dann mit Sebastian bekannt«, fuhr Karl fort. »Der ist momentan noch mit Emma in Bonn.«

»Ich würde dich gerne galant zum Salon geleiten«, sagte Adrián, während sie das Vestibül durchquerten, »aber in Ermangelung meiner Ortskenntnis befürchte ich, musst du die Führung übernehmen.«

»So gehört sich das«, ging Ruth auf seinen scherzenden Tonfall ein.

Im Salon befanden sich nur wenige Gäste, und so hatten sie freie Platzwahl. Ruth schlug den Weg zu einem Tisch an einem der hohen Fenster ein. »Ist das deine erste Reise nach Deutschland?«, fragte sie.

»Ja. Wir waren früher oft in Österreich in der Villa meines Großvaters, aber auch dort seit Ende des Krieges bisher nur einmal. Mein Onkel ist der Haupterbe, und ich vermute, er wird sie nicht behalten. Seit dem Krieg hat sich viel verändert, und unser Leben spielt sich inzwischen fast ausschließlich in Ungarn ab.«

Ruth reichte ihm die Karte und öffnete eben den Mund, um die Plauderei fortzusetzen, als sie Margot bemerkte, die den Salon betrat, sich kurz umsah, sie erspähte und auf sie zukam. Und wie erwartet gehörte in diesem Augenblick, als Adrián sie bemerkte, seine Aufmerksamkeit ganz und gar ihr. Das war nicht ungewöhnlich, Männer reagierten so auf Margot, die mit ihrem fast schwarzen Haar und den grauen Augen fast schon klassisch schön war. Neben ihr fühlte Ruth sich nahezu unsichtbar, obwohl sie sich eigentlich gar nicht so unähnlich waren, aber Margot hatte etwas an sich, vielleicht jene mondäne Eleganz, die Ruth fehlte.

»Weißt du, ob meine Mutter wieder da ist?«, fragte Margot.

»Karl sagte, sie sei noch in Bonn mit Sebastian.«

»Ich habe einen Termin Bonn, und es steht kein Wagen zur Verfügung.«

Da Ruth nicht wusste, was sie an dem Umstand ändern sollte, sah sie ihre Cousine nur schweigend an. Deren Blick wanderte zu Adrián, und da dieser dem Gespräch mit fragender Miene gefolgt war, machte sich Ruth seufzend daran, die beiden miteinander bekannt zu machen.

»Margot, das ist Adrián, unser Verwandter aus Ungarn.«

Ihre Cousine hob überrascht die Brauen. »Ah, tatsächlich?«

»Adrián, meine Cousine Margot, die Tochter von Emma.«

Er erhob sich und reichte Margot die Hand. Bildete Ruth sich das ein, oder hielt er sie einen Moment länger als es nötig gewesen wäre? »Ich befürchte, ich habe mir noch nicht alle Namen und Verwandtschaftsgrade gemerkt.«

»Oh, ich helfe nur zu gern.« Margot schenkte ihm eines jener Lächeln, die wirkten, als gehörten sie nur ihrem Gegenüber. Und Adrián reagierte darauf wie jeder andere Mann und schenkte Margot das, was Ruth insgeheim immer das Schafslächeln nannte.

»Ich dachte, du willst nach Bonn?«, fragte sie, als Margot einen Stuhl zurückzog, um sich zu setzen.

»Wie du mitbekommen hast, ist kein Wagen verfügbar.«

»Ich gehe bei dem Wetter gerne zu Fuß zur Fähre und nehme dann die Bahn.«

Margot taxierte sie. »Ja, das glaube ich dir aufs Wort.« Dann wandte sie sich an Adrián. »Habt ihr schon bestellt?«

»Nein, wir waren eben dabei.« Adrián reichte ihr die Karte, und sie studierte sie, als wisse sie nicht auswendig, was darin stünde. Ruth warf einen Blick aus dem Fenster, dann sah sie Adrián an, der gerade eine Frage beantwortete, die Margot ihm gestellt hatte. So viel zum Ende des Schattendaseins, dachte Ruth.

»Du wirst sehr überzeugend sein müssen, wenn du Karl zu der Ausgabe solcher Summen überreden möchtest«, erklärte Emma, während sie den Wagen in die Einfahrt des Hotels lenkte.

Sebastian ließ seinen Blick über die Fassade des Hauses gleiten, über den Hof, die Remise und überlegte, wo er mit den Investitionen beginnen sollte. Die Wagen konnte man zunächst vernachlässigen, entschied er. Den einen oder anderen Gast mochte der nostalgische Chic sogar ansprechen, wenngleich dieser Zustand natürlich nicht auf Dauer bestehen bleiben konnte.

Nachdem Emma geparkt hatte, öffnete Sebastian die Tür und stieg aus. »Ich spreche nachher noch mit Großvater«, sagte er zu ihr.

»Viel Glück dabei. Lass es mich bitte wissen, wenn du Hilfe brauchst.«

Sie hatten sich in Bonn Möbel angesehen sowie Stoffe für Vorhänge und Bezüge. Als Nächstes würde Sebastian sich um einen detaillierten Einblick in die Finanzen bemühen. »Macht Hans die Buchhaltung?«, fragte er.

»Ja, aber das letzte Wort hat immer noch dein Großvater. Wenn es um Geld geht, musst du also wohl oder übel mit ihm sprechen, auch wenn Hans sicher leichter zu überzeugen wäre.«

Sebastian nickte und trat in das Vestibül, sah Karl Hohenstein an der Rezeption stehen und ging zu ihm.

»Ah, ihr seid zurück«, begrüßte sein Großvater ihn. »Wie war es?«

»Sehr aufschlussreich«, antwortete Sebastian.

»Adrián Rados ist vorhin angekommen«, erzählte Karl Hohenstein.

»Ach was? Schon?«, fragte Emma. »Wo ist er?«

»Mit Ruth im Salon.«

»Und wie ist er so?«

»Das kann ich bisher noch nicht so recht sagen. Er sieht Victor sehr ähnlich.«

»Na«, antwortete Emma, »wenn er charakterlich auch nach ihm schlägt, können wir uns sicher nicht beklagen.« Sie legte die Hand auf Sebastians Arm. »Komm, machen wir uns mit ihm bekannt.«

Sebastian wusste zwar, dass ihm ein weiterer Verwandter an die Seite gestellt wurde, aber ihm war noch nicht so recht klar, was er davon halten sollte. Immerhin war er der Haupterbe, während der Besuch aus Ungarn im Grunde genommen keinerlei Ansprüche an das Hotel hatte. Er hoffte, dass es nicht zu einem stetigen Kompetenzgerangel kommen würde.

Im Salon entdeckte er den Neuankömmling zusammen mit Margot und Ruth an einem Tisch am Fenster. Während sich Margot gut zu unterhalten schien, saß Ruth schweigend daneben und nippte an ihrem Kaffee. Sebastian mochte Ruth, ihre ruhige Gelassenheit und den Humor, der immer wieder durchschimmerte, obwohl sie derzeit wahrhaftig nicht viel zu lachen hatte.

»Guten Tag«, sagte er, und die drei blickten auf. Er sah Ruth an und zwinkerte ihr zu. »Hübsches Kleid.«

Nun wandte sich auch Margot ihr zu. »Tatsächlich«, sagte sie, als falle es ihr erst jetzt auf, was Sebastian nicht einen Moment lang glaubte. »Du trägst ja gar kein Schwarz mehr.«

Ruth hob das Kinn, wirkte, als wolle sie einen Angriff abwehren, und sah dann Sebastian an, lächelte zögernd. »Danke für das Kompliment.«

»Sehr gern.«

»Margot, Liebes«, hörte er Emma sagen. »Es tut mir leid, die ganze Angelegenheit hat länger gedauert als geplant.«

Margot nickte, als sei dies nur ein weiteres Ärgernis in einem Leben, das dergleichen zuhauf zu bieten hatte.

»Und du bist Adrián, ja?«

Der junge Mann erhob sich, und Emma reichte ihm die Hand. »Emma Alsberg, ich bin die Cousine deiner Großmutter.«

»Margot war so freundlich, mir durch die Irrungen den verwandtschaftlichen Beziehungen zu helfen.«

Sebastian bemerkte, dass Ruth die Augen verdrehte, und lächelte verstohlen, dann wandte er sich an Adrián. »Sebastian Hohenstein.«

»Ah, das ist leicht. Der Enkel von Karl Hohenstein, ja?«

»Ganz recht.«

»Ich bedaure, aber ich muss euch jetzt verlassen.« Margots Blick galt Adrián. »Aber wir sehen uns ja bald wieder.«

»Gewiss.« Er lächelte, sah ihr nach, dann wandte er sich Sebastian zu. »Also, wir beide arbeiten künftig zusammen, ja?«

»Ja, allerdings hat mir mein Großvater noch nicht gesagt, wie genau das vonstattengehen soll.«

»Ich habe in Budapest an einer Hotelfachschule gelernt.«

Das war ihm neu. »Tatsächlich?«

»Danach habe ich im Hotel Gellért gearbeitet.«

Sebastian ließ seinen Blick kurz über den Tisch gleiten. »Wie ich sehe, habt ihr die Kaffeestunde beendet. Also nutzen wir doch den Tag und tauschen Ideen aus. Beginnen wir mit einem Hotelrundgang?«

Adrián nickte. »Nur zu.«

Als Sebastian Ruths Blick bemerkte, der kurz zu Adrián zuckte und dann wieder aus dem Fenster, musste er lächeln. »Ruth, kommst du mit und zeigst Adrián alles? Ich befürchte, ich eigne mich nach der kurzen Zeit noch nicht so recht zum Hotelführer, und du kannst ihm sicher mehr erzählen als ich.«

Ruth wandte sich zu ihm um, erhob sich, und wieder streifte ihr Blick Adrián flüchtig. »Sehr gerne. Fangen wir mit dem Hotelbereich hier unten an und gehen später in die Zimmer?«

»Das überlassen wir dir«, antwortete Sebastian.

»Gut. Das Vestibül kennst du ja inzwischen«, sagte Ruth, die an Adriáns rechter Seite war, während Sebastian zu seiner Linken ging. »Aber wir fangen trotzdem dort an.« Sie steuerten auf die Rezeption zu, wo Sebastian seinen Großvater im Gespräch mit einem sichtlich aufgebrachten Gast entdeckte.

»Normalerweise sind unsere Gäste zufrieden«, erklärte Ruth leise. »Aber wie du siehst, gibt es immer mal wieder Konflikte.«

»Ja, dergleichen kenne ich.«

Sie gingen an der Rezeption vorbei. »Früher einmal konnte man dort«, Ruth zeigte auf einen abgetrennten Bereich, »Fotos machen, aber seit unser Fotograf in den Krieg gezogen ist, wird das Atelier nicht mehr genutzt.«

Das säulenbestandene Foyer war groß und in weiß-goldenem Marmor gehalten, mit einem Brunnen in der Mitte, aus dessen Blütenkelchen Wasser floss, und Farnen in weißen Töpfen neben den Sitzgruppen. Zwei Aufzüge waren zurückgesetzt angebracht, sodass man sie beim Hineinkommen nicht sofort sah, und ein roter Teppich führte vom Eingang bis zur Rezeption. Es gab eine recht moderne Telephonzentrale, die mit drei Damen besetzt war und von wo aus die eingehenden Gespräche entweder zur Rezeption oder zu den Zimmern weitergeleitet wurden.

Weiter ging es durch die Halle, den großen Saal, den Wintergarten, den Lichtspielraum, die Bibliothek, den Innenhof, den Speisesaal, den Damensalon, das Schreib- und Lesezimmer, die Festsäle und die Bar. Zu guter Letzt fanden sie sich im Garten ein, in dem es trotz der frühlingshaft anmutenden Sonne recht kühl war.

»Für den Garten haben wir zwei Gärtner«, erklärte Ruth. »Früher einmal wurden hier regelmäßig Konzerte gegeben.«

»Jetzt nicht mehr?«, fragte Adrián.

»Nein.« Es mangelte am Geld, das musste sie nicht betonen.

»Das war sehr aufschlussreich.« Adrián klang, als habe der Rundgang sämtliche offene Fragen beantwortet. Er schob die Hände in die Taschen und zog fröstelnd die Schultern hoch. »Ich würde sagen, ich folge jetzt dem Gebot der Höflichkeit und suche Großtante Julia auf, dann werde ich mich mit Karl darüber unterhalten, was er sich genau vorstellt und wo er meine Aufgaben hier sieht.«

»Ich werde mit Emma darüber sprechen, ob ich in ihren Bereich für Werbung und Personal eingearbeitet werden kann«, sagte Ruth und klang ein wenig zurückhaltend, als käme ihr ein solches Anliegen gewagt vor. »Ich habe schon früher oft ausgeholfen«, fügte sie hinzu, als sei sie eine Erklärung schuldig.

»Hier muss einiges getan werden. In dieses Vorkriegsrelikt bekommen wir keine gut zahlenden Gäste«, fügte Sebastian hinzu.

Adrián drehte sich um und ließ seinen Blick über die rückwärtige Fassade des Hotels schweifen, dann wandte er sich erneut dem Garten zu, immer noch schweigend. Langsam nickte er, dann sah er Ruth und Sebastian an, lächelte verschwörerisch. »Also gut, packen wir es an.«

»Deine Art, an allem etwas auszusetzen, ist in höchstem Maße anstrengend«, sagte Emma, die nach dem Nachmittag mit ihrer Tochter in der Stadt in Stimmung war, das Auto vor die nächste Hauswand zu setzen, nur um zu hören, wie es schepperte.

»Du hättest mich bei Tobias lassen können.«

Margots Halbbruder, das Produkt jugendlichen Überschwangs Georg Rebeins, wohnte in der Rebein-Villa, seit er in die Firma seines Vaters eingestiegen war. Da er und Margot sich allerdings nicht besonders gut verstanden – was weniger an ihm als an Emmas maßlos verwöhnter Tochter lag –, waren für diese Idee weder er noch Margots Eltern zu begeistern gewesen. »Zum letzten Mal: Nein.«

»Ruth ist alt genug, um für ihre Geschwister zu sorgen.«

»Sie hat ein Leben, ebenso wie du. Und sie sollte ihre jungen Jahre nicht damit verbringen, die Muterrolle für ihre Geschwister zu übernehmen.«

»Ich fühle mich von allen im Stich gelassen«, klagte Margot.

»Du hast es nötig«, murmelte Emma. Die Rebein-Werke hatten schon vor dem Krieg ein Vermögen gemacht, das sich nun, in der Aufbauzeit, vervielfachte. Während Tobias und sein Vater bis spätabends arbeiteten, fehlte es Margot an nichts. Nicht einmal in der Zeit der Rationierungen hatte sie darben müssen, da Georg die Schwarzmarktpreise bezahlen konnte. Und nach der Währungsreform, als es endlich wieder bergauf ging, waren Margots Backfischjahre vorbei, und sie konnte als junge Frau das Leben rückhaltlos genießen.

Emma und Georg hatten sich mehrere Kinder gewünscht, aber Emma hatte nach einigen Fehlgeburten nur dieses eine austragen können und war hernach nicht mehr schwanger geworden. Und so hatten sie und Georg das Kind hingebungsvoll verwöhnt, dabei jede Mahnung zur Mäßigung ignoriert, und nun bekamen sie die Quittung dafür. Natürlich liebte Emma Margot über alles, aber sie machte sich auch Vorwürfe, denn dadurch, dass sie beständig um sich selbst kreiste und von ihrer Umwelt dasselbe erwartete, stand Margot sich fortwährend selbst im Weg, machte jedoch andere dafür verantwortlich. Einen Gefallen hatten sie ihr mit dieser maßlosen Hingabe nicht getan, das sah selbst Georg inzwischen ein. Und momentan kostete sie der ständige Kampf mit ihrer Tochter einfach so viel Kraft, Kraft, die Emma nicht mehr zu haben schien. Die Zeit nach dem Krieg, der Tod ihres Vaters und dann nach kurzer Krankheit der ihrer Mutter – das alles schien die letzten Reserven aufgezehrt zu haben. Und nun musste sie mit Ende vierzig einen Jungen erziehen, ein halbwüchsiges Mädchen, musste für ihre älteste Nichte da sein und ihre Tochter. Gelegentlich – und das tat sie nicht ohne schlechtes Gewissen – spielte Emma die Szenerie durch, sich einfach bei Nacht und Nebel mit gepackten Koffern in die Vereinigten Staaten abzusetzen, wo Karls Sohn Ludwig mit seiner Frau – Georgs Schwester – lebte.

»Ruth trauert gar nicht um Großmutter«, sagte Margot.

»Wie kommst du darauf?«

»Hast du sie vorhin nicht gesehen?«

»Ja. Ebenso, wie ich sehe, dass du ebenfalls kein Schwarz trägst.«

»Mir hat sie auch nicht über Jahre die Mutter ersetzt. Ich finde es schon fast frivol, wie gut sie gelaunt ist.«

»Stimmt, ich werde ihr sagen, dass sie bitte den ganzen Tag niedergeschlagen durch das Haus schleichen soll. Das wäre ganz im Sinne meiner Mutter gewesen. Und zusätzlich soll sie auch noch ihre Geschwister erziehen. Ist das das Dasein, das du ihr zugedacht hast?«

»Das hier«, sie deutete auf das Hotel, das vor ihnen auftauchte, »ist zumindest nicht das Dasein, das ich mir zugedacht habe.«

Emma lenkte den Wagen in die Remise und stieg aus. Den weißen Mercedes hatte Georg ihr vor einem Jahr gekauft, und sie hatte versucht, Margot zu überzeugen, auch fahren zu lernen. »Du wärst viel unabhängiger«, hatte sie ihr erklärt, aber bisher war ihre Tochter nicht dazu zu bewegen. Ruth konnte fahren, aber sie hatte kein Auto, sondern nahm meist das Fahrrad.

Da Margot ihre Jammertirade glücklicherweise für den Moment aufgegeben hatte, gingen sie schweigend zum Haus. Emma machte einen Abstecher in das ehemalige Arbeitszimmer ihres Vaters und suchte die Unterlagen zum Personal raus, da Sebastian darum gebeten hatte, um nachvollziehen zu können, wie sie aufgestellt waren. Eigentlich hatte sie sofort wieder gehen wollen, aber nun blieb sie doch, nahm in dem Sessel Platz, in dem ihr Vater so viele Jahre gesessen hatte, und schloss einen Moment lang die Augen. Eigentlich hätte dies nun das Bureau ihres verstorbenen Bruders Andreas sein sollen, aber noch ehe ihr Vater den Schreibtisch hatte räumen können, war er eingezogen worden, und nun würde es einige Jahre dauern, ehe hier wieder ein Alsberg saß.

Das Hotel hatte seinerzeit zu gleichen Teilen Karl Hohenstein und seinem nur wenige Jahre älteren Onkel Konrad Alsberg gehört, der uneheliche Bruder seines Vaters. Nach Konrad Alsbergs Tod wäre sein Teil des Hotels an Andreas gegangen, stand nun jedoch seinem Sohn Curt zu, sobald der groß genug war, um in die Fußstapfen seines Großvaters treten zu können. Von dem Privatvermögen hatte Emma einen Teil erhalten, der Rest teilte sich auf zwischen Andreas’ drei Kindern. Ruth war bereits volljährig und bekam ihren Anteil als monatliche Rente ausgezahlt. Das Geld war fest angelegt, was Konrad Alsberg wohl im Hinblick auf mögliche Mitgiftjäger getan hatte. Gleich, ob sie heiratete oder nicht, sie verfügte über ein Auskommen. Die jüngere Tochter Nele – Helene sagte niemand zu ihr – würde ebenfalls eine Rente ausgezahlt bekommen, wenn sie volljährig war, Curt jedoch würde bei seiner Volljährigkeit über den kompletten Betrag verfügen können.

Da die finanziellen Rücklagen des Hotels weitgehend aufgebraucht waren, zahlte Emma nun, da sie Curts Vormund war, laufende Kosten aus dem Privatvermögen ihres Mannes, da sie nicht wollte, dass Karl alles allein trug. Müde rieb Emma sich die Augen, und wieder überkam sie für einen Moment lang der Wunsch, alles hinzuwerfen und zu gehen. Sie nahm die Unterlagen, legte sie im Vorbeigehen auf Hans’ Schreibtisch ab und ging hernach in ihre Wohnung.

»Ah, da bist du ja.« Georg trat aus dem Salon, ein Glas in der Hand, die Krawatte gelockert. Er kam zu ihr und küsste sie.

»Seit wann bist du hier?«

»Ich bin heute früher gegangen, um dann festzustellen, dass ihr gar nicht da seid.«

»Tut mir leid.«

»Das war kein Vorwurf.« Er küsste sie erneut. »Was ist mit Margot los? Sie hat kaum gegrüßt und ist direkt in ihrem Zimmer verschwunden.«

»Das, was los ist, seit wir hierhergezogen sind.«

»Soll ich noch mal mit ihr reden?«

»Das haben wir beide doch schon unzählige Male.«

In diesem Augenblick verließ Margot ihr Zimmer und ging, ohne ein Wort zu sagen, zur Tür.

»Wo willst du hin?«, fragte Georg.

»Raus.«

»Wohin?«

»In den Garten. Wohin soll man hier schon gehen?«

»Hältst du diesen Ton für angebracht?«, fragte er.

Sie krauste die Stirn. »Fängst du jetzt auch damit an? Schickt Mama dich vor, oder was?«

In Georgs Gesicht wetterleuchtete es Unheil verkündend, und da Emma gerade nichts weniger ertrug als einen handfesten Streit, legte sie begütigend die Hand auf seinen Arm. »Komm nicht zu spät hoch.«

»Keine Sorge, der Heimweg ist ja überschaubar.« Ehe jemand antworten konnte, knallte die Wohnungstür ins Schloss.

Georg machte Anstalten, ihr zu folgen, aber Emma hielt seinen Arm fest. »Nicht, lass sie.«

Er stellte sein Glas ab und zog sie an sich, gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

»Ich muss noch hoch, nach den Kindern sehen«, sagte sie.

»Das habe ich schon gemacht. Ruth isst mit ihnen zu Abend, danach gehen sie zu Bett.«

»Danke«, murmelte sie.

»Und was tun wir zwei nun, hm?«

»Wenn du früher in diesem Ton gefragt hast, folgten darauf meistens atemberaubende Stunden.«

»Höre ich da einen leisen Vorwurf?«

»Nein, ich weiß ja, dass du viel arbeiten musst.«

Sein Lächeln hatte sie schon als junge Frau hinreißend gefunden, und auch jetzt, da sie mehr als fünfundzwanzig Jahre verheiratet waren, verfehlte es seine Wirkung nicht. Als er jedoch unvermittelt leicht in die Knie ging und sie hochhob, stieß Emma einen Schrei aus, der halb Lachen halb Schreck war. »Verausgabe dich nur nicht schon im Voraus.«

»Du wirst gleich merken, wie wenig verausgabt ich bin.«

Er trug sie zu ihrem Schlafzimmer, und Emma öffnete die Tür, die er anschließend mit dem Fuß wieder hinter sich ins Schloss stieß.

3

»Hilfst du mir nachher bei den Hausaufgaben?«, fragte Nele, während sie beim Mittagessen saßen.

»Natürlich«, versprach Ruth. »Curt, pass bitte auf, du kleckerst mit der Suppe«, ermahnte sie ihren Bruder, der sich während des Essens ständig zum Fenster drehte, als könne der Sonnenschein verblassen, wenn er hier noch länger sitzen musste. Es fiel Ruth schwer, ihn zu ermahnen, erst die Hausaufgaben zu machen, ehe er hinausdurfte.

»Du machst erst die Hausaufgaben«, sagte Hans, und so durfte Ruth weiterhin die verständnisvolle große Schwester sein, die bei diesem Wetter auch viel lieber draußen war, als über den Büchern zu sitzen. Er lächelte sie an und widmete sich wieder dem Essen. Seit seine Frau fort war, nahm Hans mit ihnen zusammen die Mahlzeiten ein, seiner Tochter zuliebe, damit diese Gesellschaft hatte. Und nun, da Ruths Großmutter verstorben war, kehrte es sich um, und er war es, der dem Essen etwas Familiäres und ihnen das Gefühl gab, keine echten Waisen zu sein.

»Was hältst du von unseren Neuankömmlingen?«, fragte Hans.

»Ruth ist in den Ungarn verliebt«, krähte Curt, und Ruth spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg.

»Ach, halt doch den Mund«, antwortete sie gereizt.

Hans sah sie interessiert an, dann lächelte er.

»Gestern«, fuhr Curt unbeirrt fort, »hat er mit ihr gesprochen, und sie hat so geguckt.« Er spitzte den Mund und verdrehte die Augen.

»Das ist doch gar nicht wahr«, fuhr Ruth ihn an. »Jetzt sei still und iss.«

»Und dann hat er …«

»Curt!« Jetzt sprach Hans ein Machtwort. »Noch ein Wort, und du isst in der Küche weiter. Weitere Respektlosigkeiten dulde ich nicht.«

Greta kicherte und tauschte einen verschwörerischen Blick mit Curt. Seufzend legte Ruth den Löffel nieder und erhob sich, um den nächsten Gang vom Servierwagen auf den Tisch zu stellen. »Nele, komm und hilf mir«, wies sie ihre Schwester an, während Greta sich daranmachte, die Suppenschüsseln einzusammeln.

Während des Hauptganges stießen sich Greta und Curt immer wieder unter dem Tisch an, tauschten Blicke und kicherten, was Hans irgendwann beendete, indem er beiden Stubenarrest androhte. Aber auch, wenn es oftmals an ihren Nerven zehrte, war Ruth froh darum, dass Curt mit dem Tod der Großmutter, die ihm zeitlebens die Mutter ersetzt hatte, zurechtkam. Natürlich hatten sie noch Julia, aber das war nicht dasselbe, und gelegentlich verfiel Curt in Traurigkeit und zog sich in sein Zimmer zurück. Aber das war wohl der Vorteil, den man als Kind vielleicht hatte – man akzeptierte den Tod als Teil des Lebens noch eher, als dies ein Erwachsener tat. Ruth fehlte die Großmutter sehr, und auch wenn sie nicht den ganzen Tag in brütende Trauer verfiel, so ertappte sie sich doch ständig dabei, dass sie sich mit Fragen an sie wenden wollte. Das waren Momente, wo der Verlust über ihr zusammenschlug wie eine Welle und sie für einige Augenblicke lang in einen Sog von düsterer Traurigkeit zog.

Nach dem Essen schickte sie die Kinder in die Zimmer für die Hausaufgaben.

»Darf ich meine Aufgaben hier machen?«, bat Greta.

»Nur, wenn du keinen Unsinn machst«, antwortete ihr Vater.

»Nein, mache ich nicht, versprochen.«

Ruth räumte den Tisch ab und bereitete alles vor, sodass die Küchenmagd den Servierwagen nur noch holen und den Tisch abwischen musste. Da Hans einen freien Nachmittag hatte und sich erbot, bei den Hausaufgaben zu helfen, konnte Ruth ins Hotel gehen, wo Sebastian und Adrián sich ersten Plänen widmen wollten. Curt hatte unrecht, sie war nicht in Adrián verliebt, sie kannte ihn ja kaum; ehe er vor drei Wochen angekommen war, hatte sie ihn noch nie gesehen. Aber er gefiel ihr gut, und sie konnte sich vorstellen, ihn näher kennenzulernen.

»Na, wohin des Weges?«, fragte Karl, als sie ihm im Korridor begegnete, der zu den Arbeitszimmern führte.

»Zu Sebastian und Adrián.«

»Die sind im großen Arbeitszimmer. Emma ist auch dort.«

Ruth setzte ihren Weg durch den Korridor fort, in dem ein dicker Läufer ihre Schritte dämpfte. Sie öffnete die Tür, und ihre Tante, Sebastian und Adrián, die um den großen Tisch im Vorraum standen, sahen auf.

»Ich wollte fragen, ob ich mich dazugesellen kann«, sagte sie und spürte zu ihrem maßlosen Ärger, dass sie wieder rot wurde. Was hatte der Ehemann von Karls Tochter Marianne – ein Arzt – noch gesagt? »Den Errötungstrieb kann man nicht steuern.« Und Ruth, die davon nicht überzeugt sein wollte, musste immer wieder feststellen, dass es wohl doch stimmte.

»Gerne«, antwortete Sebastian. »Haben dich die häuslichen Pflichten doch nicht gefesselt?«

»Nein, glücklicherweise übernimmt Hans die Aufsicht über die Hausaufgaben.«

Sebastian grinste. »Na, darum hätte ich mich an deiner Stelle auch nicht gerissen. Dann komm und sag uns deine Meinung.« Er deutete auf eine Skizze, die einen Grundriss darstellte. »Es ist natürlich nicht maßstabsgetreu, sondern es geht uns erst einmal nur um einen Überblick.«

Adrián trat einen Schritt zur Seite, sodass sie sich zwischen ihn und Sebastian stellen konnte, was ihr einen guten Blick ermöglichte.

»Nun, dann mal los«, sagte Emma. »Ich bin gespannt.«