Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Im Zuge der Digitalisierung kam es in den letzten Jahrzehnten zu einem dramatischen "Bankensterben", weshalb die Gebäude des Wiener Bankenviertels anderen Nutzungen zugeführt wurden. Auch wenn die meisten dieser prächtigen Bauten mittlerweile ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, sind sie durch ihre Monumentalität und ihre baukünstlerische Ausgestaltung in der Wiener Innenstadt sehr präsent. Dieser Architekturführer ist eine topografische und architekturhistorische Gesamtdokumentation der Bank- und Börsebauten der Inneren Stadt Wiens. Durch ihn wird die einzigartige Baugeschichte des Wiener Finanzviertels erstmals in einem größeren Zusammenhang vermittelt und damit die "Bankgeschichten" der repräsentativsten Gebäude der Inneren Stadt in Erinnerung behalten. Zur Orientierung: Übersichtsplan auf der Klappeninnenseite Architekturhistorische Einleitung Detailplan des Bankenviertels der Inneren Stadt Im Fokus: 20 Bank- und Börsebauten mit historischen und aktuellen Abbildungen Blick ins Innere: Umfangreiches Bild- und Planmaterial
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
WIENER WALL STREET
INGRID HOLZSCHUHSABINE PLAKOLM-FORSTHUBER (HG.)
EIN ARCHITEKTURFÜHRER DURCH DAS HISTORISCHE BANKENVIERTEL
Vorwort
Zur Architektur der Wiener Bank- und Börsebauten des 19. und 20. Jahrhunderts Sabine Plakolm-Forsthuber
Übersichtsplan
1 Privilegierte oesterreichische National-Bank Sebastian Ubbiali
2 Erste österreichische Spar-Casse Ingrid Toth
3 Bankhaus Rothschild Sabine Plakolm-Forsthuber
4 Privilegierte Oesterreichische National-Bank Sophie Mudri
5 Wiener Börse Anna Keblowska
6 K. k. Priv. Allgemeine Verkehrsbank Karolina Wochocz
7 Wiener Giro- und Kassen-Verein Karolina Wochocz
8 K. k. priv. Österreichische Länderbank Renate Christl
9 K. k. priv. Allg. Österreichische Boden-Credit-Anstalt Anna Hopfner
10 Allgemeine Depositenbank Greta Gutweniger
11 Börse für landwirtschaftliche Produkte Josepha Edbauer
12 Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft Sebastian Teply
13 Centralbank der deutschen Sparkassen Eva Painter
14 K. k. priv. Österreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe Ajla Bajramovic
15 K. k. Postsparkassen-Amt Luzie Bauernfeind
16 Wiener Bank-Verein Katharina Roithmeier
17 Oesterreichisch-ungarische Bank Sabine Plakolm-Forsthuber
18 Živnostenská banka Praha Petr Vilém Koluch
19 Anglo-Österreichische Bank im Palais Montenuovo Tita Maria Strake
20 Filiale der Anglo-Österreichischen Bank Angela Chulei Tang
Anhang
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Herausgeberinnen
Börsesaal, Palais Ferstel, Freyung/Herrengasse, Heinrich von Ferstel, 1859, Foto: Wolfgang Thaler, 2021
Der vorliegende Architekturführer ist das Ergebnis zweier Seminare, die wir im Wintersemester 2017/18 am Institut für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Wien (TU Wien) und im Sommersemester 2019 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien abgehalten haben. Thema war die Architektur der Wiener Banken und Börsen, die seit dem 19. Jahrhundert, und verstärkt um die Jahrhundertwende, die Wiener Innenstadt zu einem Finanzzentrum transformierte und deren repräsentative Bauten nach wie vor das Stadtbild prägen.
Die Studierenden, die jeweils die Recherche zu einem Gebäude übernahmen, förderten spannende Ergebnisse zutage. Möglich war dies durch die Einsicht in die originalen Baupläne oder die Recherche in zeitgenössischen Zeitschriften. Da es, außer vereinzelten monografischen Abhandlungen, keine Überblickspublikation zu dem Thema gibt, haben wir uns entschlossen, die Erkenntnisse im Rahmen eines Architekturführers zu veröffentlichen. Im Sinne einer forschungsgeleiteten Lehre boten wir den Studierenden sowie einigen Absolvent*innen die Möglichkeit, einen Katalogtext zu dem von ihnen untersuchten Bauwerk zu verfassen, der die Baugeschichte erzählt und mit historischen und zeitgenössischen Abbildungen sowie Plänen versehen ist. Somit liegt nun erstmals ein informativer Führer vor, der zu einem Spaziergang in das historische Wiener Banken- und Börseviertel einlädt.
Wir bedanken uns für das Engagement der Studierenden der beiden Universitäten und richten unseren Dank auch an die Förderer dieser Publikation. Genannt sei allen voran Robert Stalla, der Lehrstuhlinhaber des Instituts für Kunstgeschichte an der TU Wien, die Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien, das Dekanat der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, die Kulturabteilung der Stadt Wien, die Erste Group Bank AG, die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. (BIG), die Signa Prime Selection AG (SIGNA) und die Österreichische Realitäten-Aktiengesellschaft (ÖRAG). Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre die Drucklegung des Architekturführers nicht möglich gewesen. Dem Wien Museum danken wir für die unentgeltliche Bereitstellung von Bildmaterial, dem Fotografen Wolfgang Thaler für den zeitgenössischen Blick auf die historischen Banken und Börsen, Silva Maringele für die digitale Umzeichnung der historischen Baupläne und die Erstellung der Stadtpläne sowie dem Studienverlag für die sorgfältige Drucklegung.
Wien, im Februar 2022
Ingrid Holzschuh, Sabine Plakolm-Forsthuber
Kassensaal, Österreichische Länderbank, Hohenstaufengasse, Otto Wagner, 1884, Foto: Wolfgang Thaler, 2021
Sabine Plakolm-Forsthuber
Mit dem plakativen Titel „Wiener Wall Street“ soll an das ehemalige Finanzzentrum in der Wiener Innenstadt erinnert werden, das sich ab 1821 herangebildet und um die Jahrhundertmitte bis zum Ende der Habsburgermonarchie internationale Bedeutung erlangt hatte.1 Der Unterschied zu heutigen Finanzmetropolen liegt ohnedies auf der Hand und besteht sowohl in der Bedeutung wie auch in der Architektur: Frankfurt am Main, London, New York oder Shanghai geben sich mit ihren oft exaltiert auftürmenden, hohen Stahlglasbauten dem gesamten Globus als Zentren des Finanzkapitals zu erkennen; die Wiener Börsen und Banken haben vergleichsweise nur eine regionale Bedeutung und sind architektonisch geblieben, was sie waren, bestens in die Wiener Innenstadt integrierte Großbauten.
Die Ursachen sind natürlich vielfältig und bekannt. Die Metropole Wien, die sich durch die ab 1850 rasant voranschreitende Industrialisierung als bedeutender europäischer Finanzmarkt positionieren konnte, verlor nach dem Ersten Weltkrieg an Geltung. Wien war nicht mehr k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt eines großen Vielvölkerreichs, sondern Hauptstadt einer kleinen Republik, die infolge massiver Gebietsverluste ihre wichtigsten Industrie- und Agrargebiete sowie Rohstoffquellen verloren hatte. Die extreme Inflation und Hungersnot der Nachkriegszeit konnten erst durch das Einschreiten des Völkerbundes 1922 gemildert werden. Demzufolge stagnierte auch der Banken- und Börsenbau. Die heute noch vorhandenen Bankbauten erinnern also an jene prosperierende Zeit, als diese Finanzinstitutionen als maßgebliche Kreditgeber für die Errichtung der Eisenbahn oder Industrien auftraten. Ihre einstigen Niederlassungen und Repräsentanzen formen das Wiener Stadtbild hingegen bis heute.
Kaum eines der im Folgenden vorgestellten Gebäude hat heute noch die ursprüngliche Funktion. Das in den 1990er Jahren einsetzende sogenannte Bankensterben hat nicht nur unzählige kleine Filialen erfasst, sondern beinahe alle Bankzentralen. Zwar gab es nach dem EU-Beitritt 1995 und der EUOsterweiterung einen gewissen Aufschwung, doch erfolgte er im Geiste jenes Liberalismus, der den traditionellen Großbanken den Garaus machte. Sie sind in endlosen Fusionierungen aufgegangen oder haben, auch aus Gründen des Schutzes der Innenstadt, ihren Firmensitz in die Stadterweiterungsgebiete verlegt. Genannt seien die Verwaltungsbauten der Erste Group am Campus im Quartier Belvedere beim Neuen Hauptbahnhof oder der Bank Austria Campus am Areal des Nordbahnviertels in der Leopoldstadt. Die Tendenz der Bankinstitute, die Innenstadt zu verlassen, hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre intensiviert. Die alten Firmensitze in der City wurden und werden als Immobilien verwertet.
Grundplan der Stadterweiterung (Blatt zur Armenlotterie), 1860
Hans Enzinger, Ansicht von der Freyung mit Blick auf das Kriegsministerium, um 1910
Hinzu kommt: Die monumentalen mehrstöckigen, das Stadtbild prägenden Banken mit ihren tiefen, massiv gesicherten Keller- und Tresorgeschoßen entsprechen den heutigen Bedürfnissen eines weitgehend digitalen Bankverkehrs nicht mehr. Das Bauvolumen, das auf unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgelegt war – Otto Wagner konzipierte die Postsparkasse für 2000 Angestellte –, mutet geradezu überbordend an. Der persönliche Besuch in einer Bank, beispielsweise zur Eröffnung eines Kontos oder zur Abwicklung von Geldgeschäften, ist nicht mehr nötig und Bankomaten müssen nicht zwingend in einer Bank stehen. Fast alle Dienstleistungen können, ja sollen online durchgeführt werden. Die virtuelle Welt hat somit einen einst mächtigen, architekturhistorisch äußerst spannenden Bautypus zum Verschwinden gebracht und in einen Verwaltungsbau transformiert.
Ab 1821 entstanden innerhalb eines Jahrhunderts in rascher Abfolge zahlreiche Bank- und Börsebauten, vorerst noch innerhalb der Stadtmauern, und, nach deren Schleifung 1857, auch an der Ringstraße und den angrenzenden Straßenzügen. Der innerstädtische Standort und die fußläufige Nähe der wichtigsten Banken der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt waren für die Entwicklung der Wirtschaft und die Abwicklung von Bankgeschäften von großer Bedeutung. Ausgehend vom Neubau der Privilegierten oesterreichischen National-Bank in der Herrengasse/Ecke Bankgasse galt die Zone um die Freyung bis zum Platz Am Hof als favorisierter Bankenstandort.
Die Herrengasse, die von der Hofburg am Michaelerplatz bis zur Freyung führt, war der traditionelle Wohnsitz des Wiener Adels, der Stände („Herren“) und der Staats- und Landesverwaltung. In ihrer Verlängerung als Schottengasse Richtung Ring sollte der Wiener Bank-Verein 1912 seine neue Zentrale errichten, wofür einige der erst in den 1860er errichteten Wohnbauten an der Ringstraße abgebrochen werden mussten. Die Freyung, ein dreiecksförmiger Platz zwischen dem Schottenstift und dem Platz Am Hof, war ein belebter Marktplatz. Gegenüber der Fassade der Schottenkirche zweigt die Teinfaltstraße ab, in der sich gleich zwei Banken ansiedelten. Zum Platz der Freyung öffnete sich ab 1860 die dreiteilige Loggia des Palais Ferstel. Die noble Einkaufspassage, die in ein Oktogon mit Brunnen mündet, war ein wesentlicher Bestandteil des nun stärker auf Kundenfrequenz und Konsum ausgerichteten zweiten Sitzes der Privilegierten Oesterreichischen National-Bank (Palais Ferstel). In dem Gebäude gab es neben den Bankräumlichkeiten ein ebenerdiges modernes Kaffeehaus (Café Central, ab 1876) und darüber, im ersten Obergeschoß, einen beeindruckenden Börsesaal.
Hotel zum römischen Kaiser, Renngasse/Freyung, Lithografie, um 1835
Creditanstalt, Am Hof, Franz Fröhlich, Foto: Oscar Kramer, um 1873
An der Chorseite der Schottenkirche zweigt die Renngasse ab. In der Renngasse 1, im vornehmen Hotel „Zum Römischen Kaiser“, residierte ab circa 1819 einer der wichtigsten Financiers der Habsburgermonarchie, Salomon Mayer Freiherr von Rothschild. Er wickelte vorerst ebendort seine Bankgeschäfte ab. Obwohl sich seit der Aufklärung die gesellschaftliche Stellung der Juden deutlich verbessert hatte, war ihnen Grundbesitz verwehrt. Für Salomon Rothschild änderte sich die Situation erst mit dem Konfessionsdispens und der Verleihung des Ehrenbürgerdiploms der Stadt Wien (1843). Nun war es ihm möglich, das an das Hotel grenzende, bebaute Grundstück in der Renngasse 3 zu erwerben. Mit dem Um- und Neubau seiner Privatbank, deren schlichtes, elegantes, aus der Straßenflucht leicht vorspringendes Fassadenbild weitgehend erhalten ist, beauftragte er 1847 Ludwig Förster, den renommierten Architekten des Leopoldstädter Tempels.2 Förster hatte 1844 bereits das gegenüberliegende Wohnhaus der Familie Pereira-Arnstein in der Renngasse 6 errichtet, das 1899 einem Neubau für die Unionbank weichen musste. Das Bankhaus Rothschild war eine der wichtigsten Privatbanken, von denen es 1910 in Wien immerhin 192 gab. Darunter befanden sich die Banken der Familien Geymüller, Arnstein, Eskeles, Sina oder Fries.3
Das Eckgrundstück zur Freyung besetzte der Neubau der k. k. privilegierten Österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe (Creditanstalt), der, getrennt durch den Tiefen Graben, über einen Brückenbau mit dem älteren von Franz Fröhlich 1858–60 errichteten Gebäude verbunden war. Die Schaufassade dieses ersten Baus der Creditanstalt war zum Platz Am Hof orientiert und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Hauptaktionär der Creditanstalt war Anselm von Rothschild, der Sohn von Salomon von Rothschild. Am Hof, seit dem Mittelalter ein frequentierter Marktplatz, befand sich im 12. und 13. Jahrhundert die Pfalz der Babenberger. Der im Nordosten ans ehemalige Ghetto angrenzende Platz hatte sich vom 16. bis ins 18. Jahrhundert zu einem Zentrum des Jesuitenordens herausgebildet. Platzbestimmende Bauten des 18. und 19. Jahrhunderts waren neben der Kirche Am Hof (mit ihrer repräsentativen Barockfassade von 1662) das heute noch erhaltene Bürgerliche Zeughaus, das Kriegsministerium sowie die Nuntiatur. Die beiden letztgenannten Bauten mussten zwei Banken weichen, der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft und der Centralbank der deutschen Sparkassen. Zusammen mit dem schon vorhandenen ersten Sitz der Creditanstalt schlossen sie den Platz an seiner südwestlichen Schmalseite U-förmig ab.
Marcel Kammerer, Blick auf die 1913 abgetragene Nuntiatur, Am Hof, Federzeichnung, 1919
Räumlich etwas abgesondert, wenngleich in unmittelbarer Nähe zum Platz Am Hof, wurde eine der frühesten Banken erbaut, die Erste österreichische Spar-Casse am Graben/Ecke Kohlmarkt. Das bereits 1819 gegründete Institut unterschied sich insofern von den Großbanken, als es sich an die kleinen Sparer wandte. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Architekt Alois Pichl ein Gebäude (1835–39) vorsah, das mehr an ein gutbürgerliches Wohnhaus des Biedermeier und weniger an ein repräsentatives Bankgebäude erinnert. Im Erdgeschoß waren Geschäftslokale und im Mezzanin die Kassa angelegt; eine große Kassenhalle entfiel. Die obersten Stockwerke beherbergten Mietwohnungen.
Ein zweiter, nicht minderbedeutender Finanzcluster entstand in unmittelbarerer Nähe der von Theophil Hansen 1870–77 errichteten Wiener Börse an der Ringstraße. Das sich dort entwickelnde Börseviertel verdankt sich dem 1860 erfolgten Abbruch des aus dem späten 16. Jahrhundert stammenden (und unter Leopold I. 1672 erweiterten) Kaiserlichen Zeughauses sowie Gebietsabtretungen des Schottenstiftes. Nach seiner Demolierung wurden die Gründe parzelliert. In die neu angelegten Straßenzüge – wie die verlängerte Wipplingerstraße, die Hohenstaufengasse und die Rockhgasse – mit ihrer dichten Wohnverbauung hatten sich die zeitgenössischen Banken einzufügen.
Außerhalb der Ringstraße, aber in unmittelbarer Sichtweite, ließen sich zwei bedeutende Finanzinstitutionen nieder. In der Taborstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk die 1887–90 von Carl König geplante und um die Jahrhundertwende erweiterte Börse für landwirtschaftliche Produkte (Produktenbörse), deren Erbauung von wohlhabenden Leopoldstädter Kaufleuten finanziert worden war.4 Im 9. Wiener Gemeindebezirk erwarb die Oesterreichisch-ungarische Bank das 1912 frei gewordene Areal der Alser Kaserne für ihren nunmehr dritten Standort. Der von hohem Repräsentationsanspruch getragene Neubau Leopold Bauers sollte einen weithin sichtbaren Turmaufbau erhalten. Die Kriegsereignisse und der Zerfall der Monarchie ermöglichten lediglich die Errichtung des freistehenden Druckereigebäudes der Oesterreichischisch-ungarischen Bank, das 1923–25 für die Abwicklung von Bankgeschäften adaptiert wurde und bis heute als Sitz der Oesterreichischen Nationalbank dient.
Nach einem weiteren Kasernenabbruch, nämlich dem der erst 1857 auf der Dominikanerbastei errichteten Franz-Josephs-Kaserne, erfolgte ebendort 1904–06 die Errichtung der Postsparkasse Otto Wagners, des wohl modernsten Bankgebäudes der Jahrhundertwende. Die Franz-Josephs-Kaserne war vom Kaiser als mächtiges Bollwerk zum Schutz der Innenstadt vor revolutionärem Aufruhr beauftragt worden. Otto Wagner, der sich im Zuge des Regulierungsplanes für Wien schon 1892/93 mit dem Stubenviertel befasst hatte, konnte den Wettbewerb 1903 für sich entscheiden. Die städtebauliche Lage gestattete die Erbauung eines freistehenden, in zwei Etappen zu errichtenden Bankgebäudes. Zugleich entstand durch das Abrücken der Postsparkasse von der Ringstraße ein Vorplatz, der den Blick auf den überreich mit aluminiumverkleideten Eisenbolzen dekorierten Mittelrisalit inszenierte. Ludwig Hevesi verglich die ungewöhnliche Zierform mit einem „‚Goldregen‘, der auf den Wohlstand einer sparsamen Bevölkerung hinweist“.5 Zielgruppe der Postsparkasse waren die Handels- und Gewerbetreibenden sowie die einfachen Sparer*innen.
Erste Österreichische Spar-Casse, Alois Pichl, Graben, 1838, Foto: Adolf F. Czihak, um 1870–80
Börse für landwirtschaftliche Produkte, Carl König, 1890, Taborstraße, Foto: August Stauda, um 1900
Otto Wagner, K. k. Postsparkassen-Amts-Gebäude, Perspektive, 1906
Bankenbauten sind eine relativ junge Bautypologie.6 Ihr Aufkommen im späten 17. Jahrhundert (Bank of England, 1694) hängt eng mit dem Aufschwung des Geldwesens zusammen. Im Mittelalter verrichteten die italienischen Geldwechsler und Pfandleiher ihre Geschäfte auf den Tischen (banco) der Märkte. Wenn ein Geldwechsler insolvent war, wurde sein Tisch zerbrochen (banca rotta). Die umtriebigen Herzöge in Florenz, Venedig oder Mailand bevorzugten seit dem 14. Jahrhundert für die Abwicklung ihrer Bankgeschäfte die im Erdgeschoß befindlichen Zimmer ihrer Familienpalazzi, während sich im ersten Geschoß die Repräsentationsräume und darüber die Wohnräume befanden. Der Innenhof übernahm, wie der Architekt Karl Holey bemerkte, gewissermaßen eine zentrale Funktion, denn „von da aus waren die Kontore, Kassenräume, Archive und Warenlager zugänglich“.7 Die funktionale Gliederung war mit einer der Gründe, weshalb die Banken des 19. Jahrhunderts häufig Anleihen an der Architektursprache der Paläste der italienischen Renaissance nahmen. So orientierte sich die in mehreren Bauabschnitten von Emil Förster (1885–87 und 1904–06) und Alois Augenfeld (1915) errichtete k. k. priv. Allgemeine Österreichische Boden-Credit-Anstalt in der Teinfaltstraße mit ihrer dem Burgtheater und dem Ring zugewandten Schaufassade am Florentiner Palastbau der Frührenaissance, insbesondere am Palazzo Strozzi. Sie war die Hauptbank des Kaiserhauses und des Hochadels. Aber auch Otto Wagners Fassadengliederung der k. k. priv. Österreichischen Länderbank
