Wildkräuter und Wildfrüchte im Schwarzwald - Brigitte Walde-Frankenberger - E-Book

Wildkräuter und Wildfrüchte im Schwarzwald E-Book

Brigitte Walde-Frankenberger

0,0

Beschreibung

Informatives Kompendium für naturinteressierte Menschen, die mehr wissen möchten über die vielen Wildpflanzen, die man im Schwarzwald fast das ganze Jahr über in Wald und Flur, an Weg- und Feldrändern finden kann. Detailreiche Zeichnungen und genaue Beschreibungen der einzelnen Pflanzen werden ergänzt durch Fotos, Hinweise zu Sammelzeiten sowie Inhaltsstoffe, Tipps zur Anwendung in Haus und Garten und Informationen zur medizinischen Bedeutung. Wissenswertes und Interessantes aus Volksglauben und Erfahrungsmedizin runden das Ganze ab.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 81

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS



BRIGITTE WALDE-FRANKENBERGER

PAUL WALDE

Inhalt

Vorwort

FRÜHJAHR

Gundelrebe oder Gundermann

Löwenzahn

Brennnessel

Waldmeister

Veilchen

Spitzwegerich

Hirtentäschel

Quecke

SOMMER

Herzgespann

Borretsch

Goldrute

Bibernelle

Schafgarbe

Heidelbeere

Waldhimbeere

Thymian

Frauenmantel

HERBST

Alfalfa oder Luzerne

Ackerschachtelhalm

Wegwarte

Blutwurz oder Tormentill

Eberesche oder Vogelbeerbaum

Wildapfel

Hauhechel oder Dornige Hauhechel

Beifuß

ANHANG

Pflanze

Fundorte

Pflanzenteile

Sammelzeit

Verwendung

Ackerschachtelhalm

An Böschungen und Äckern, an steinigen und trockenen Stellen

Die ganze Pflanze

Mai–Juli

Als Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Alfalfa oder Luzerne

Feld- und Wegränder

Die ganze Pflanze, Samen

Mai–September; die Pflanze wächst schnell, mehrere Ernten

Superfood, Heil- und Nahrungsmittel

Beifuß

An Wegrändern, Bahndämmen, auf Brachflächen und trockenen Hügeln

Blätter, Blüten und Samen

Juni–September

Anregend für Magen und Darm, bei Appetitlosigkeit, kraftvolles Mittel für den Stoffwechsel

Bibernelle

Humusreiche Wiesen, sonnige Hänge, Ödland

Wurzel

März–April, September–November

Schweißtreibend, hustenlindernd, schleimlösend

Blutwurz

An sonnigen Plätzen

Wurzel

März–April und Oktober–November

Bei Durchfällen, blutstillend

Borretsch

Auf Wiesen, an Wegesrändern, in der Nähe von Gärten

Blätter und Blüten

Mai–September

Bei Hals-und Rachenentzündungen, entzündungshemmend

Brennnessel

An Zäunen, Hecken und Mauern, Gräben und Wegrändern, Bächen und Seen

Blätter und Samen

März–September

Harntreibend, stoffwechselfördernd, entschlackend

Eberesche oder Vogelbeerbaum

Feuchte lehmige oder moorige Böden, Waldränder

Beeren und Blätter

April–Mai (Blätter), November nach dem ersten Frost (Beeren)

Bei Husten und Heiserkeit, harntreibend, stoffwechselfördernd

Frauenmantel

Feuchte Wiesen, Waldränder, Lichtungen

Oberirdischer Teil der Pflanze

Mai–August

Wundheilungsfördernd, krampflösend, antibakteriell

Goldrute

Trockene Wiesen, lichte Wälder, sonnige Hänge

Ganze blühende Pflanze

April–September

Entzündungshemmend, schmerzlindernd, krampflösend

Gundelrebe

Auf nährstoffreicher, feuchter und lockerer Erde, meist einen Teppich bildend, und an Mauern

Das ganze blühende Kraut

April–Juni

Bei Husten, Rachenkatarrh, Bronchitis, Schnupfen

Hauhechel

Auf trockenen, mageren Wiesen und Wacholderheiden

Wurzel und Blüten

März–April, September–November (Wurzel), Juni–August (Blüte)

Harntreibend, entzündungshemmend

Heidelbeere

Laub-und Nadelwälder, Heiden und Torfmoore

Blätter und Früchte

Mai–Juni (Blätter), Juli–September (Beeren)

Bei Kreislaufschwäche, stärkend, zusammenziehend

Herzgespann

Hecken und Zäune, alte Mauern, Wiesen

Die ganze blühende Pflanze

Juli–September

Bei Angstzuständen, krampflösend, herzstärkend

Hirtentäschel

Auf nährstoffarmen Böden, Wiesen und Brachböden, Aufschüttungen und Wegrändern

Die ganze Pflanze

Januar–Dezember

Blutstillend, bei Husten und Rheuma

Löwenzahn

Auf Wiesen, Mauern und Hecken, unter Bäumen, an Wegrändern

Blätter, Blüten und Wurzeln

Die beste Zeit ist März–Mai

Beliebt als blutreinigende und regenerierende Frühjahrskur, harntreibend

Quecke

Nährstoffreiche Wiesen, Wegränder, Brachland

Wurzel

Februar–April, September–November

Bei Stoffwechselbeschwerden, harntreibend, stärkend

Schafgarbe

Auf Wiesen, an Feld- und Wegrändern

Die ganze blühende Pflanze

Juni–September

Appetitanregend, krampflösend, fiebersenkend

Spitzwegerich

Auf trockenen Feldern, Weiden, an Wald-, Weg- und Wiesenrändern

Blätter

März–August

Zum Blutstillen, bei Insektenstichen, Erkrankungen der Atmungsorgane, Husten

Thymian

An sonnigen Böschungen, an Mauern

Blüten und Blätter

Juni–September

Krampflösend, nervenstärkend

Veilchen

In sonnigen Lagen, an Hecken, Zäunen und Wegrändern

Die ganze blühende Pflanze

März–Juni

Bei Bronchitis, blutreinigend, leicht abführend

Waldhimbeere

Sonnige Waldlichtungen, Waldränder, Kahlschläge

Blätter und Beeren

April–Mai (Blätter), Juli–September (Beeren)

Bei Schleimhautentzündungen, blutreinigend, erfrischend

Waldmeister

In schattigen, humusreichen Laubwäldern, gerne unter Buchen, bildet grüne Kolonien

Die ganze Pflanze vor der Blüte

Mai–Juni

In der Maibowle

Wegwarte

An sonnigen Weg- und Feldrändern und an Straßenrändern

Wurzeln, Blüten und Blätter

Juli–August

Bei Magen- und Leberbeschwerden, Hysterie

Wildapfel

An Wald- und Wegrändern

Früchte

Oktober–Dezember

Stärkend, aufbauend

Gundelrebe

Löwenzahn

Brennnessel

Waldmeister

Veilchen

Spitzwegerich

Hirtentäschel

Quecke

Herzgespann

Borretsch

Goldrute

Bibernelle

Schafgarbe

Heidelbeere

Waldhimbeere

Thymian

Frauenmantel

Alfalfa

Ackerschachtelhalm

Wegwarte

Blutwurz

Eberesche

Wildapfel

Hauhechel

Beifuß

Vorwort

Wenn im Mai der Kuckuck ruft, der Wind durch die hohen Tannen streicht und der Duft nach Tannennadeln und Harz die Luft erfüllt, ergreift mich ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Ich bin im Schwarzwald angekommen!

Einst war der Schwarzwald ein undurchdringliches Urwaldgebiet. Kaum ein Mensch wagte sich in diese unerforschte Wildnis. Eine mythische Landschaft, geheimnisvoll und unergründlich.

Mit seiner mythisch anmutenden Landschaft, den Mooren, wildromantischen Schluchten, tiefgründigen Karseen – lebendige Zeugnisse der Eiszeit –, mit kristallklaren Quellen, Wasserfällen und steil abfallenden Felsen ist der Schwarzwald von Märchen, Sagen und Legenden umwoben und vermittelt auch heute noch den Eindruck der einstigen Urlandschaft.

Oben auf den Grinden balzt der Auerhahn, der scheue Urvogel des Schwarzwalds. Er ernährt sich von den üppig wachsenden Beerensträuchern, von Heidelbeere, Preisel- und Rauschbeere, von Moosbeere und Vogelbeere. Neben Thymianfeldern wachsen hier auch seltene Wildkräuter.

Auf den bunten Blumenwiesen, in den Wäldern des Schwarzwalds, findet man Frühjahrs-, Sommer- und Herbstkräuter in üppiger Fülle. Und die gesunde Schwarzwaldluft macht sie zu ganz besonders wirkkräftigen Heilkräutern. Seit 2004 gibt es den Nationalpark Schwarzwald, der dazu beiträgt, diese einzigartige Landschaft mit ihrer reichen Flora und Fauna zu erhalten.

Gundelrebe

oder Gundermann

Erdenkränzlein, Guck-durch-den-Zaun, Donnerrebe, Erdefeu, Zickelkräutchen

WIRKSTOFFE:Gerbstoffe, ätherisches Öl, der Bitterstoff Glechomin, organische Säuren, viel Vitamin C, Saponine, Mineralstoffe.

VERWENDUNG:Erkrankungen der Atemwege, Appetitlosigkeit, Magenverstimmung. Für Galle, Leber und Niere.

EIGENSCHAFTEN:Schleimlösend, blutreinigend, entschlackend, verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, entzündungshemmend.

Die Frühjahrsblüher sind da. Beim Spaziergang durch Wald und Wiese zeigen sich Schlüsselblume, Veilchen und Buschwindröschen, Wiesenschaumkraut und Scharbockskraut, Taubnessel und Ehrenpreis. Die zartblauen Blüten der Gundelrebe leuchten aus dem Wiesengrund hervor. Guck-durch-den-Zaun oder Erdenkränzlein wird die Gundelrebe im Volksmund liebevoll genannt. Die Pflanze ist ein Lippenblütler. Sie kann bis 20 Zentimeter groß werden. Meist einen Teppich bildend, wächst sie efeugleich auf nährstoffreicher, feuchter und lockerer Erde. Wir finden sie an Zäunen und Mauern, an Hecken und Wegen, auf Wiesen und in Auwäldern. Klein und kraftvoll von Gestalt blüht die Gundelrebe in den Monaten April bis Juni.

Im 16. und 17. Jahrhundert war ein Infus der Gundelrebe ein beliebtes Getränk armer Leute, das auf den Straßen feilgeboten wurde. Gesüßt mit Zucker, Honig oder Lakritze galt der Tee als hilfreich und stärkend bei nicht ausgeheiltem Husten und bei Schwindsucht. Und noch im vergangenen Jahrhundert nutzten Büchsenmacher und Maler die entgiftende Kraft der Gundelrebe: Um das giftige Blei aus dem Körper auszuschwemmen, tranken sie regelmäßig Gundelrebentee.

Glechoma hederacea

GERMANISCHE HEIL- UND ZAUBERPFLANZE

In der altgermanischen Mythologie war die Gundelrebe Donar geweiht, dem Gewitter- und Donnergott, dem Gott der Fruchtbarkeit und Potenz. Sie galt als ein antidämonisches Kraut. Und mit einem Kranz aus Gundelreben schützte man sich gegen Gewitter, Blitz und Zauberei.

SAMMELZEIT

In der Heilkunde verwendet man das ganze blühende Kraut. Man erntet es in den Monaten April bis Juni. Dabei schneidet man die Pflanze ab und hängt sie in kleinen Sträußen »kopfunter« zum Trocknen auf. Die würzigen, ölhaltigen Blättlein können das ganze Jahr über gesammelt und frisch verwendet werden.

HEILKRÄFTE

Die Gundelrebe ist ein Vielheiler. Mit den Licht- und Wärmekräften der Frühlingssonne löst sie erstarrte Prozesse wie chronisch gewordene Atemwegserkrankungen des Winters, Husten, Rachenkatarrh, Bronchitis, leichtes Bronchialasthma und Schnupfen, aber auch Magen- und Darmkatarrhe. »Gund« ist das altgermanische Wort für Geschwür, Gift. In der Volksheilkunde wird die Pflanze auch heute noch bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren äußerlich gebraucht. Als Mittel gegen Melancholie und Lethargie wurde das getrocknete Kraut früher dem Schnupftabak beigefügt.

Hildegard von Bingen (ca. 1098–1179) weist auf die Heilwirkung bei Brust-, Lungen- und Hautleiden hin. Ebenso bei Magenverstimmung und Gelbsucht, bei Galle-, Leber- und Nierenbeschwerden. Der Arzt Tabernaemontanus (ca. 1522–1590) empfiehlt die Gundelrebe als Mittel zur Schärfung des Gehörs: »Gundelrebensaft in die Ohren getan bringt das verlorene Gehör zurück und ist auch gut wider das Zahnweh.«

IN DER HOMÖOPATHIE

Eine aus frischen Pflanzen zubereitete Tinktur wird zur Behandlung von Bronchialkatarrhen, Asthma und gewissen Darmerkrankungen verwendet.

IN KÜCHE UND HAUS

HEILSAMES WUNDÖL: In den Monaten Juni/Juli die frischen Blätter sammeln. Ein Schraubglas zu einem Drittel mit den Blättern füllen, diese dabei fest zusammenpressen und an die Sonne stellen. Nach einigen Tagen bildet sich eine helle Flüssigkeit, die sich am Boden sammelt. Diese seihen wir vorsichtig ab und bewahren sie an einem dunklen Ort auf.

BEI ISCHIAS UND GICHT: Für ein Bad nehmen wir 5 Handvoll Gundelrebenkraut, frisch oder getrocknet, und kochen es in 5 l Wasser ca. 10 Minuten bei geschlossenem Topf. Danach seihen wir ab und fügen die Flüssigkeit dem Badewasser zu.

Löwenzahn

Kuhblume, Wiesenlattich, Dotterblume, Pusteblume, Sonnenwirbel, Kettenblume, Pfaffenkraut, Mönchskopf, Bettpisserle

WIRKSTOFFE:Vitamine, Bitterstoffe, Triterpene, Sterole, Flavonoide, Gerbstoffe, Mineralstoffe, ätherisches Öl, Schleimstoffe, Fructose, Glykoside.

MEDIZINISCHE VERWENDUNG:Für Leber, Blut, Niere und Blase.

EIGENSCHAFTEN:Leberwirksam, galletreibend, harntreibend, stoffwechselfördernd, verdauungsfördernd, appetitanregend, regenerierend, reinigend.

Uns allen ist er vertraut, der bescheidene Löwenzahn. Im Frühjahr, wenn die Natur erwacht, blüht er mit seinen dottergelben Blüten tausendfach auf unseren Wiesen. Man nennt ihn Löwenzahn, weil die Zähnung der Blätter an das Gebiss eines Raubtiers erinnert. Und auch, weil die Pflanze über große therapeutische Kräfte – über Löwenkräfte – verfügt. Mehr als 500 Volksnamen bezeugen liebevoll die Volkstümlichkeit der Pflanze. Die zahlreichen Samen, als Fallschirme vom Winde verweht, keimen dank ihrer Lebenskraft fast überall. In Mauerritzen, Steinfugen, auf feuchten Äckern und Wiesen, an trockenen Wegrändern.

Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler. Er kann bis zu 50 Zentimeter hoch werden und blüht vom Frühjahr bis zum Herbst. Dabei kennt die Pflanze keine Winterruhe, sondern treibt auch in der kalten Jahreszeit Blätter. Sie wächst in ganz Europa.