Windhundgeschichten -  - E-Book

Windhundgeschichten E-Book

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Beschreibung

Ein Blick hinter die Kulissen 268 Seiten voller Spannung und Emotionen - ein Leseerlebnis für alle Menschen, die Tiere lieben. Begleiten Sie uns auf unserer ereignisreichen Reise durch Europa und Katar! Wir laden Sie herzlich ein: Schmunzeln, lachen und weinen Sie mit uns. Fiebern Sie mit. Lassen Sie sich mitreißen von unserer großen Faszination, den Windhunden! In diesem einzigartigen Buch erzählen Menschen von ihren ganz persönlichen Erlebnissen mit Galgo, Greyhound, Podenco, Saluki, Whippet & Co. Für uns ist die Würde dieser Tiere unantastbar, wir können uns ein Leben ohne Windhunde nicht mehr vorstellen. Auf unseren Wegen begegnen wir viel Liebe und Engagement. Schreibt man ein Buch über Windhunde, trifft man leider auch auf furchtbares Leid. Erfahrungsberichte aus dem In- und Ausland! Ein Buch für Windhundfreunde und solche, die es werden wollen.

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Seitenzahl: 332

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Buch

Windhunde gab es bereits vor etwa 6000 Jahren bei den alten Ägyptern. Sie sind die Aristokraten unter den Hunden. Nach dem Geparden zählen Windhunde zu den schnellsten Landtieren der Erde.

Sie sind stolz, geheimnisvoll, anmutig, elegant, faszinierend.

Unsere Reise führt den Leser durch weite Teile Europas bis nach Katar. Teils kamen die Hunde aus diesen Ländern, teils spielten sich die geschilderten Ereignisse dort ab. Wir sprechen hierbei von Irland, England, Deutschland, Frankreich, dem spanischen Festland sowie der kanarischen Insel Fuerteventura, Tschechien, Osterreich, Ungarn und Katar, einer Halbinsel im Persischen Golf.

Beeindruckende, persönliche, spannende und sehr emotionale Texte werden den Leser fesseln. Authentisch, offen und anschaulich berichten wir vom Leben mit unseren einzigartigen Windhunden.

Herausgeberin

Myriam Wälde-Behning lebt mit ihrer Familie an der ostfriesischen Nordseeküste. Sie ist Übersetzerin, die Gründerin von JOIN MY PIX und widmet sich seit über zwölf Jahren passioniert der Fotografie und professionellen Bildbearbeitung. Als Selbstverlegerin und Autorin tritt sie seit 2020 unter FlZpix Publishing an die Öffentlichkeit.

Begleiten Sie Myriam Wälde-Behning auf:

www.joinmypix.com

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!

Und er lachte wieder.

Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen ... Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst. Dann wirst du ihnen sagen: Ja, die Sterne, die bringen mich immer zum Lachen!“

(Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)

Cuando mires al cielo, por la noche, como yo habitaré en una de ellas, como yo reiré en una de ellas, será para tí como si rieran todas las estrellas. ¡Tú tendrás estrellas que saben reír!

Y volvió a reír.

Y cuando te hayas consolado (siempre se encuentra consuelo) estarás contento de haberme conocido. Serás siempre mi amigo. Tendrás deseos de reír conmigo. Y abrirás a veces tu ventana, así, por placer... Y tus amigos se asombrarán al verte reír mirando el cielo. Entonces les dirás: ≫Sí, las estrellas siempre me hacen reír.≪

(Antoine de Saint-Exupéry, El Principito)

In one of the stars I shall be living. In one of them I shall be laughing. And so it will be as if all the stars were laughing, when you look at the sky at night. You, only you, will have stars that can laugh.

And he laughed again.

And when your sorrow is comforted (time soothes all sorrows) you will be content that you have known me. You will always be my friend. You will want to laugh with me. And you will sometimes open your window, so, for that pleasure ... And yourfriends will be properly astonished to see you laughing as you look up to the sky! Then you will say to them, “Yes, the stars always make me laugh!”

(Antoine de Saint-Exupéry, The Little Prince)

Quand tu regarderas le ciel, la nuit, puisque j'habiterai dans l'une d'elles, alors ce sera pour toi comme si riaient toutes les étoiles. Tu auras, toi, des étoiles qui savent rire!

Et il rit encore.

Et quand tu seras consolé (on se console toujours) tu seras content de m'avoir connu. Tu seras toujours mon ami. Tu auras envie de rire avec moi. Et tu ouvriras parfois ta fenêtre, comme ça, pour le plaisir ...Et tes amis seront bien étonnés de te voir rire en regardant le ciel. Alors tu leur diras: ≫Oui, les étoiles, ça me fait toujours rire!≪

(Antoine de Saint-Exupéry, Le Petit Prince)

FirLaila

Inhaltsverzeichnis

Landkarten

Europa, Deutschland, Spanien, Katar

Vorwort

Myriam Wälde-Behning

Mein Leben mit dem Tierschutz

Marina Scheinhart

Das zarte Band

Susanne Stolle

Der Traum vom eigenen Windhund

Petra Feikes-Kirsten

Pflegestelle für Galgos - wie alles begann

Gabriele Däwes

Perrera - Tötungsstation

Magdalena Röber

Mein Leben mit Windhunden

Tanja Große

Wie ich zum Greyhound kam

Michaela Müller

Alles fing mit Leni an

Sandra Lenski

So nah liegen Freud und Leid beieinander

Sylvia & Dieter Meyer

Sugar

Gerlind Rose

Belle, meine Schöne

Andrea Rump-Hensen

Caris’ gefahrlicher Weg zum Glück

Petra Röhrig

Carlo, ein Hund mit Handicap - na und ?!

Jutta Adlon

Spanien - mein Blick hinter die Kulissen

Adriana Pricken

Aus der Perrera in den Showring

Martina Brüggen

Namibia

Manuela Schneider

Flügel und Anker

Regina Totzauer

Mein Leben mit Galgo Bowie

Sylvia Neumann

Hilfe - meine Hündin ist läufig!

Jeannette Gilek

Sunny - Konguito

Frank Pfeil

Joshua - viel mehr als ein Galgo mit Handicap!

Myriam Wälde-Behning

Nachwort

Myriam Wälde-Behning

Wissenswertes

Europa

Deutschland

Spanien

Katar

Vorwort

Schon einige Jahre lang dachte ich häufiger daran, wie schön es doch wäre, mein eigenes Windhundbuch herauszugeben. Wie es dann manchmal so ist - der Gedanke kam und ging auch wieder. Mit der Zeit eignete ich mir einiges Wissen rund um das Designen und Veröffentlichen von Büchern als Selbstverlegerin an, und das eine oder andere schöne Notizbuch trägt mittlerweile meinen Namen.

Dieses Jahr war emotional kein einfaches. Das Buch „Windhundgeschichten“ war für 2021 nicht geplant, es war nicht einmal in meinen Gedanken. Ende Mai kam dann das Leben dazwischen. Ich war noch in Trauer um Noel, unseren Kater, der mich 18,5 Jahre meines Lebens begleitet hatte, und den ich Ende März gehen lassen musste. Vier Wochen danach wurde Laila, meine Seelenhündin, schwer krank. Wie aus dem Hinterhalt, ohne Vorwarnung schlug das Leben zu. Weitere vier Wochen später musste ich diese herzensgute Galga, mein Elfchen, ebenfalls ziehen lassen. Drei Tage danach kam von ihr, morgens als ich frühstückte, trauerte und in Gedanken bei ihr war, der Impuls, mich doch nun endlich um mein Herzensprojekt, dem Schreiben eines Windhundbuches, zu kümmern. Es sei jetzt an der Zeit.

Sofort begann ich, Ideen zu wälzen und Pläne zu machen. Nie zuvor war die Überlegung da, andere Menschen zu fragen, ob sie sich mit ihren eigenen Geschichten beteiligen wollen. Plötzlich war dieser Gedanke da, er fiel mir sozusagen vor die Füße, und so überlegte ich, wen ich wohl anschreiben könnte.

Zwanzig beeindruckende, persönliche, spannende und sehr emotionale Texte wurden mir anvertraut. Unsere Reise führt den Leser durch weite Teile Europas bis nach Katar. Teils kommen die Hunde aus diesen Ländern, teils spielten sich die geschilderten Ereignisse dort ab. Wir sprechen hierbei von Irland, England, Deutschland, Frankreich, dem spanischen Festland sowie der kanarischen Insel Fuerteventura, Tschechien, Osterreich, Ungarn und Katar, einer Halbinsel im Persischen Golf.

Galgos sind in unseren Geschichten zahlreich vertreten, daher steht Spanien konsequenterweise im Fokus. Die meisten Jagdgebiete im Land befinden sich in Andalusien, gefolgt von Castilla la Mancha sowie Castilla y León. Leid und Unrecht aus Tradition.

Da in diesem Buch 21 Individuen von ihrem Leben mit Windhunden berichten, ist es vollkommen klar, dass sich auch unterschiedliche Meinungen und Einstellungen in den Texten widerspiegeln. Jeder begegnet dem Leben auf seine eigene Weise. Was uns eint, ist die Liebe zu unseren faszinierenden Windhundpersönlichkeiten.

Mit diesem Buch möchte ich sowohl Menschen erreichen, die schon mit Windhunden leben als auch solche, die sich mit dem Gedanken tragen, erstmalig einen Windhund in ihrem Heim willkommen zu heißen. Menschen, die sich fragen, ob eine der zahlreichen Windhundrassen, die es gibt, überhaupt zu ihnen und ihrem Leben passen könnte. Ich bin sicher, jeder Hundefreund wird tief in diese außergewöhnlichen Geschichten eintauchen können.

Der Leser ist herzlich eingeladen, mitzulachen, mitzufiebern und auch mitzuweinen, denn nicht jeder Text ist leicht verdaulich. Würde mit der Veröffentlichung dieses Buches auch nur ein einziger Windhund mehr gerettet, ein liebevolles und verantwortungsbewusstes Zuhause mehr gefunden, zum Nachdenken und vielleicht auch zum Umdenken angeregt werden und auch nur ein Windhund weniger entlaufen, wäre das ganz wunderbar.

Myriam Wälde-Behning

Mein Leben mit dem Tierschutz

M ein Name ist Marina Scheinhart, ich bin 45 Jahre alt, verheiratet, habe keine Kinder, dafür neun Hunde und lebe in Osterreich. Und heute stelle ich mir die Frage: „Wann begann dieser Wahnsinn?“

Wahrscheinlich schon im Mutterleib, denn ich war gesegnet mit sehr tierlieben Eltern. Dennoch trieb ich von Kleinkind an meine Mutter in den Wahnsinn, denn ich brachte alles, was vier Beine hat (oder auch nicht) nach Hause. Mäuse, Raupen, Käfer, Vögel - mit der Zeit wurde ich professioneller, und es kamen Katzen und Hunde dazu. Im Urlaub auf dem Bauernhof schmunzelten die Bauern immer, wenn ich den Ziegenbock oder das Kälbchen „Martin“ gebadet habe und mit ihnen Gassi ging. Als ich jedoch den Ziegenbock in die Bauernstube mitnehmen wollte, war es dann mit dem Verständnis vorbei.

Tiere waren immer schon mein Leben. Sie nehmen dich einfach, wie du bist, ohne Vorbehalte. Sie lügen nicht, betrügen nicht, sie lieben dich, egal ob du dick oder dünn bist und sind empathischer als der Großteil der Menschheit. In meinen schwersten Stunden waren es immer die Tiere, die mir Halt und Trost gegeben haben. Und sie sind es, denen ich mein Leben gewidmet habe. Meinen ersten eigenen Hund bekam ich mit sieben Jahren: „Inky≴, einen Cavalier King Charles Spaniel. Er war mein Fels in der Brandung in der schlimmsten Zeit eines pubertierenden, pickeligen und viel zu dicken Mädchens. Als Inky verstarb, war ich 16 Jahre alt, und mein Herz war gebrochen. Ich schwor mir, nie wieder einen Hund zu nehmen. Diesen Schmerz kennen wir alle.

Dennoch, wer ein echter Hundemensch ist, der kann nicht mehr ohne leben, und so begab ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in ein Tierschutzhaus und fand meinen Seelenhund, den holländischen Herder „Whisky“. Ich war völlig ahnungslos, was das überhaupt bedeutete: keine Ahnung von der Rasse, keine Vorinformation, gar nichts und gerade 18 Jahre alt. Ich wusste nur, das war er. So kam mein lebender Keuschheitsgürtel ins Haus: Männer hatten einen schweren Stand bei Whisky. Dennoch kann ich heute behaupten, dass dieser Hund definitiv mein Leben in die richtigen Bahnen gelenkt hat, denn ich war nach der Schule viele Jahre in der Gastronomie tätig, und während andere nach der Arbeit Party machten, musste ich heim zum Hund. Und das war gut, denn so blieb ich geerdet. Ich war lieber in der Natur unterwegs oder Rollerbladen mit meinem schwarzen Teufel.

Die Jahre vergingen, und es kam ein Golden Retriever Mädchen dazu - „Daisy“. Als Whisky mit 13 Jahren an Knochenkrebs verstarb, ging ein großer Teil von mir mit ihm. Auch Daisy wurde nie wieder dieselbe, nachdem sie ihren Partner verloren hatte. Der Einzige, der sie noch glücklich machen konnte, war mein Opa. So übergab ich Daisy schweren Herzens und aus Liebe zu ihr an Opa.

So war ich wieder ohne Hund, und es fehlte so sehr etwas in meinem Leben. Also zwei Jahre später wieder ins Tierheim: Gleich im ersten Zwinger saß „Moby“, ein 18 Monate junger Podencomischling. Mein erster Spanier! Da ich ein Pärchen gewohnt war, war klar, es musste wieder ein zweiter Hund her. In diesem Fall wurde es eine Brackenmischlingshündin aus dem Tierschutz mit vier Monaten. Und damit änderte sich mein ganzes Leben. Denn bisher hatte ich so ein Glück mit meinen Hunden, nur wusste ich es nicht. Alle durften ohne Leine laufen, waren abrufbar und mit sehr liebenswerten, kaum nennenswerten Macken. Ich war einer jener Schnösel, der mitleidig auf andere Hundebesitzer blickte, wenn dieser pöbelte oder an der Leine zog - „Na, haste deinen Hund nicht im Griff?“. Ich dachte, ich kann alles, weiß alles. Oh, wie dämlich und arrogant war ich, wie klein und demütig wurde ich!

„Bhumi", die Bracke, war es, die meine Lehrmeisterin wurde. Denn Bhumi war eine Deprivationshündin. Ich kannte diesen Ausdruck nicht einmal. Sämtliche Hundeschulen und Privattrainer durch - sie konnte nicht alleine bleiben, hatte massive Trennungsängste. Alles, wirklich alles wurde angegriffen. Fahrende Autos, eine Mülltonne, die am Vortag nicht da stand, Menschen, Wind - alles machte ihr Angst. Ich musste mit diesem Hund die ersten zwei Jahre um drei Uhr in der Früh Gassi gehen und untertags nur zum Lösen raus -immer in der Hoffnung, dass uns niemand begegnet. Bhümchen kostete mich vieles an Inventar, Tränen, Schmerzen, eine ausgerenkte Schulter, offene Knie und Hände durch Stürze. Dann endlich kam ich an die richtige Trainerin, welche mir erklärte, was denn mit Bhumi überhaupt los sei, und ich begann, mich in die Thematik zu vertiefen. Ich las Bücher der Hundepsychologie, besuchte zig Seminare und flog auch zu einem Seminar von Turid R. Bhumi wird niemals ein normaler Hund sein, aber heute sind wir ein Team und bewältigen alles gemeinsam. Durch sie wurde mir klar, wie wenig ich zuvor über die Seele eines Hundes wusste. Tiere lieben ist nicht gleich Tiere verstehen. Und heute weiß ich: Ich lerne jeden Tag dazu.

In dieser Zeit lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen. Die Ironie des Ganzen - er hatte panische Angst vor Hunden, da er als Kind gebissen worden war. Er hatte die Wahl: Love it or leave it.

Nebenbei bemerkt, mein Mann arbeitet seit 2016 in einem spanischen Tierheim mit und ist heute nun stolzer „Papa“ von neun Fellnasen.

2013 kam dann der ausschlaggebende Moment, als sich unser aller Leben veränderte. Die Galgos kamen in unser Leben. Ich habe bis heute keine Ahnung weshalb, aber eines Tages fiel mir nach 35 Jahren (!) der Saluki meiner Nachbarin aus der Kindheit ein. Ein wunderschönes Tier namens „King“, arrogant wie nur was. Der Gedanke an King ließ mich nicht mehr los, und ich begann zu recherchieren. Wenn man sich über Windhunde im Netz erkundigt, kommt man an dem Schicksal der Galgos nicht vorbei. Ich hatte zuvor noch nie von dieser Rasse gehört und war völlig schockiert über deren grausames Schicksal. Ab dem Moment war ich von diesen Tieren in deren Bann gezogen und konnte nicht verstehen, wie man diesen wunderschönen und edlen Tieren gegenüber so schrecklich sein konnte. Ich erzählte meiner Freundin davon, und auch sie war völlig schockiert. Drei Wochen später rief sie mich an und erzählte mir, dass tatsächlich ein Galgo in Wien von seiner Pflegestelle entlaufen sei. Zum Glück ging diese Geschichte gut aus, und der Bub wurde gesichert. Er hieß „Cookie“ und war damals zwei Jahre alt. Ein dritter Hund? Undenkbar! Dennoch ging mir der Bub nicht mehr aus dem Kopf, und ich brachte meinen Mann soweit, dass wir die Pflegestelle besuchten. Nur schauen! Ein Monat später zog unser erster Galgo Español bei uns ein. Ich war völlig fasziniert. Dieser Hund kam in die Wohnung, sah das Sofa und bezog sein Königreich.

Auch hier hatte ich so viel zu lernen. Nach Bhumi war ich der Meinung, ich sei wirklich „hundefit“: Wenn ich eine durchgedrehte 33 Kilo Bracke halten kann, werde ich doch mit einem Windhund fertig. Zack, lag ich auf der Schnauze - buchstäblich. Denn ich hatte wirklich die Kraft dieser edlen Tiere von null auf hundert völlig unterschätzt. „Keks“ (Cookie) begann nach einer Woche, als ihm offenbar klar war, dass er nun zuhause ist, beim Gassi gehen kleine Bocksprünge vor Freude zu machen. Dass er plötzlich aus dem völligen Nichts heraus mit hundert Sachen in die Leine schoss, darauf war ich nicht vorbereitet. Ich lag am Boden, von einer Doppelsicherung war damals nie die Rede, und die Leine fiel mir aus der Hand. Mein einziges Glück damals war, dass auch der Leckerlibeutel zu Boden fiel und Keks so verfressen war. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie solche Angst - und solches Glück. Völlig schockiert und um einiges klüger nach diesem Erlebnis, erkundigte ich mich nach einer möglichen Sicherung für einen Windhund. Seitdem gehen alle unsere Hunde ausnahmslos am Sicherheitsgeschirr. Ich musste in meinem Leben im Tierschutz so unendlich viele entlaufene Hunde miterleben, zu viele davon mit Todesfolge. Die spanischen Tierschützer reißen sich Tag und Nacht den Hintern auf, um diese Tiere zu retten. Sie machen es ehrenamtlich in ihrer Freizeit und aus tiefster Uberzeugung und Liebe. Sie vertrauen uns ihre Schützlinge in der Hoffnung an, dass die Tiere hier bei uns sicher sind. Es geht hier um Leben.

Das sollte jedoch nicht der letzte Schock mit Keks gewesen sein. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass dieser Hund wie eine Kuh trank - da stimmte doch was nicht. Also ab zum Tierarzt, und die erste Vermutung war Leishmaniose. „Bitte was, Leish...?“ Ich begann zu googeln und dachte wirklich, das war es jetzt, unser Galgo ist in einer Woche spätestens tot. Google kann böse sein! Glücklicherweise hatte ich eine sehr engagierte Tierärztin, welche sich in die Thematik vertiefte und sich mit Spezialisten in der Veterinärmedizinischen Universität Wien beratschlagte, nachdem die Diagnose bestätigt worden war. Keks bekam Milteforan und Allopurinol, und wir konnten seinen Schub in den Griff bekommen. Keks hatte zwar nur mehr ein Drittel Nierenfunktion, konnte jedoch sehr gut damit leben. Bis zu seinem Tod 2020, durch einen plötzlichen Herzinfarkt im Garten, hatte er nie wieder Probleme mit der Leishmaniose.

Wie könnte es anders sein - bei einem Galgo alleine bleibt es selten.

Keks mochte Moby und Bhumi zwar sehr, jedoch bemerkten wir seine Freude, wenn er endlich mal andere Galgos sah. Also, ein zweiter Galgo musste her. Wir begaben uns auf die Suche. Und die war bei Gott nicht einfach. Die erste Hündin, welche uns ins Auge sprang, verstarb in der schrecklichen Hölle der spanischen Tötungsstation Gesser. Die zweite Hündin entkam dieser Hölle zwar und kam in ein spanisches Tierheim, jedoch hatte sie Zwingerhusten und verstarb ebenso. Ich war völlig am Boden. Drei Monate lang schaute ich mir keinen Galgo mehr an. Dann sah ich „Tobias“, einen wunderschönen schwarzen Traum von einem Galgo, der bereits kurze Zeit in Deutschland weilte. Der Verein wurde kontaktiert, die Vorkontrolle erledigt, alles prima. Dann kam der Anruf des Vorstandes, der gleichzeitig die Pflegestelle war. Man konnte uns Tobias nicht geben, denn man hatte bemerkt, dass dieser Hund nicht alleine bleiben konnte. Ja, Kruzifix! Aber da wir beide berufstätig waren, war es wirklich so nicht machbar. Bereits sehr desillusioniert sagte ich dem Verein, sie mögen uns bitte einen Hund aussuchen, da sie unsere Situation bereits kannten. Dann geschah es. Uns wurde sofort ein Foto von „Humo“ geschickt, und zwei Wochen später saß der geströmte Galgo-Rüde bereits im Transport nach Stuttgart, und wir holten unseren Buben ab. Da es der 06.12. war, nannten wir ihn dann in „Niko“ (Nikolo) um. Und so war die Familie gewachsen. „Aber jetzt ist Schluss mit vier Hunden!“

Jeder Windhundbesitzer muss mindestens einmal in seinem Leben zu dem berühmten Hundestrand nach Sankt Peter-Ording in Deutschland fahren. So will es das Galgogesetz. So kam es, dass wir uns 2015 auf den Weg machten und auch gleich im Leuchtturm von Westerhever heirateten. Nachdem man sich ja nun bereits eine gewisse Zeit im Internet in Galgokreisen bewegt hat, verabredeten wir uns auch mit einer vor Ort lebenden Galgobesitzerin, welche eine kleine zarte Galga von FBM (Fundación Benjamin Mehnert) auf Pflegestelle hatte. Die Worte meines Mannes: „Denke nicht mal dran!“ Tat ich auch nicht. Ich schwöre! Mit dieser hübschen Hündin namens „Yanni“ im Gepäck fuhren wir dann wieder Pachtung Wien heim.

Aber nicht nur das: Diese Galgobesitzerin war bereits mehrfach im spanischen Tierheim FBM arbeiten und fragte mich, ob ich mich bei der nächsten Reise anschließen wolle. Lange habe ich überlegt, ob ich das emotional schaffe, denn ich wusste ob der Gräueltaten, welche spanische Jäger den Galgos antun. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr diese Reise das Leben von uns allen verändern würde. Und ich war in keinster Weise darauf vorbereitet.

Aber was ist FBM überhaupt? Die Stiftung ist ein Tierheim in Spanien. Die Gründung erfolgte im September 2000 von Fr. Gisela Mehnert. Diese gemeinnützige Organisation hat ihren Standort in der Nähe von Sevilla und ist im Stiftungsregister eingetragen. Um tatkräftig aktiv zu werden, wurde eine Liegenschaft (20000 m2 Grund inkl. einer Halle) erworben, die bebaute Fläche beläuft sich auf 2000 m2. Um den Schützlingen Bewegung zu ermöglichen, wurden um die Halle herum Ausläufe angelegt. Die Klinik ist mit Röntgenapparat, Labor, Hospitalbereich, zwei Ordinationsräumen und zwei OP-Räumen ausgestattet. In den 158 Zwingern finden bei Normalbelegung 350 Hunde Platz. Während der Jagdsaison sieht die Belegung leider anders aus, da täglich Neuzugänge kommen - in dieser Zeit beherbergt FBM über 700 Hunde. Die 24 Mitarbeiter kommen täglich an ihre Grenzen.

Juni 2016 war es dann soweit: fünf Frauen ab nach Sevilla zu FBM. Wir kamen im Tierheim an, und die Damen freuten sich, dass dieses Mal so wenige Hunde da zu sein schienen. Ich sah zuerst nur die Außengehege mit vielleicht 40 bis 50 Hunden und dachte mir im Stillen „Und deswegen sind wir hier?“. Dann bekam ich eine Führung. Die Außengehege, der E/F Außengang, die Halle, das Hospital. Ca. 450 Hunde. Ich musste danach für 20 Minuten verschwinden, um alleine zu weinen. Auf diese Menge, den Lärm, das Elend im Hospital und all diese Augenpaare war ich nicht gefasst -es war einfach zu viel. Die Mädels kannten den Ablauf bereits und gingen zur Tagesordnung über, ich still hinterher. Ich konnte so vieles nicht verstehen, nicht begreifen, z. B. die klassische Frage „Wieso haben die Hunde keine Decken in den Körben?“ (Anmerkung: Die Hunde würden nur darauf ihr Geschäft verrichten. So viele Decken kann man gar nicht waschen, sie würden diese im Spiel zerreißen oder fressen, was im schlimmsten Falle zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss führen könnte).

Wie sieht so ein Alltag im Tierheim aus? Man putzt, räumt tonnenweise Kot weg, füttert und gibt frisches Wasser, wäscht die Wäsche, arbeitet mit den Angsthunden, fotografiert die Hunde und macht eine Beschreibung dazu, um diese dann in den sozialen Medien zu posten - in der Hoffnung, ein Zuhause oder eine Pflegestelle für sie zu finden. Und fällt dann abends von oben bis unten voll mit Dreck aber einem Lächeln auf den Lippen um. Schlafen ist bei dem Lärm schwierig, denn die Hunde bellen auch nachts, und die Gedanken rasen nur so durch deinen Kopf. Man packt einfach überall an, wo Hilfe benötigt wird. Oft war dies früher aufgrund der sprachlichen Barriere mit den spanischen Mitarbeitern ein Thema, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht man sich versteht, wenn man im Herzen die gleiche Sprache spricht. Die Hitze macht einem furchtbar zu schaffen: 45 Grad. Dann diese Emotionen, wenn man einen Galguero sieht, der gerade seine Hunde bei der Rezeption ablädt. Man möchte ihm an die Gurgel gehen, muss aber höflich bleiben, denn sonst bringt er keine Hunde mehr in die Stiftung. Welches Schicksal den Tieren dann blüht, wissen wir alle. Die Galgos und Podencos, die man nicht mehr „verwenden“ kann, werden nicht „nur“, wie früher die Regel, aufgehängt, sondern lebendig in Brunnen geworfen, erschlagen oder an Zuggleisen angekettet, um nur einige der perfidesten Tötungsmethoden zu nennen.

Und dann gibt es den berühmten Anfangerfehler. Man verliebt sich. IMMER! In meinem Fall war es ein fünf Monate alter schwarzer Galgowelpe, der während unseres Aufenthaltes auf der Autobahn eingefangen wurde. Ich kümmerte mich ganz viel um „Suerte“, den ich mit vielen Tränen bei FBM zurücklassen musste. Wieder zuhause, brauchte ich tatsächlich zwei Monate, um wieder „in die Spur zu kommen“. Zu sehr hatte mich diese Reise geprägt. Ich konnte nachts nicht schlafen, es war zu leise. An der Arbeit (Reiseversicherung) hatte ich massiv zu kämpfen, denn ich hatte kein Verständnis mehr für die Dringlichkeit eines beschädigten Koffers eines Kunden. Das Einzige, was mich zum Lächeln brachte, war die Nachricht, dass einer der von uns fotografierten Hunde ein Zuhause gefunden hat. Ich wollte einfach nur schnell nach Spanien zurück -und ich wollte meinen Suerte! Drei Wochen lang heulte ich meinem Mann die Ohren voll, bis er endlich Ja sagte. Er selbst flog zu FBM für eine Nacht, um unseren Kleinen abzuholen. Und auch er kam als anderer Mensch zurück.

Kaum mit „Fips“ in Wien gelandet, wie wir unseren sechsten Hund nun genannt haben, erklärte mir mein Mann, dass er sechs Wochen später selbst zu FBM fliegen werde, um dort mit anzupacken, denn weibliche Helfer würde es ja genug geben. Männer mit ihren handwerklichen Fähigkeiten fehlten dringend. Somit flog auch mein Mann zu FBM. Er hat die ganze Woche lang die Zwingertüren geschweißt, denn aufgrund von Sonne, Urin und Desinfektionsmitteln waren die Türen völlig verzogen und verrottet. Die meisten Türen konnte man nur mit einem ziemlichen Gewaltakt auftreten, was gerade den Angsthunden furchtbar zusetzte. Seine Angst vor Hunden hatte er nun völlig besiegt, und auch für ihn war klar, dass nun ein neues Leben begann. Er hatte die Dringlichkeit, hier zu helfen, erkannt und die Hunde sowie die spanischen Mitarbeiter sehr ins Herz geschlossen.

Unsere Mädelsgruppe flog wieder im Jänner 2017, mitten in der Jagdsaison. Viele Hunde waren von unserer letzten Reise noch da -aber noch viel schlimmer, statt 450 Hunde waren es jetzt 780. Noch mehr, was es emotional zu bewältigen galt. Noch mehr Hilfe wurde gebraucht. Man kümmerte sich vier Tage um einen Welpen mit Parvovirose. Sie hieß „Guappy“. Fütterte sie, machte sie sauber, machte Übungen mit ihr. Nach dem vierten Tag kam man ins Hospital, und ihr Zwinger war leer. Die Welt brach zusammen. Man konnte nur mehr weinen und war völlig leer. Und so viele folgten Guappy: „Sandro“, „Iker“, „Evita“, „Osqui“, „Casilda“, „Pepo“, „Sauco“, „Kaia“, „Nati“, „Cendo“, „Edward“, „Cara“, „Bruma“, „Astrid“, „Adler“ und noch unzählige Hunde mehr. So viele geliebte Namen. Man muss lernen, auch damit zu leben und mit diesem Schmerz umzugehen. Man kann nicht alle retten, und jeder von ihnen nimmt einen Teil deiner Seele mit.

Bei diesem Aufenthalt erlebte ich meine erste Rettung mit. Alberto, der Hundeflüsterer von FBM, rannte plötzlich los, rief zu mir rüber „rescue“ und zeigte zum Auto. Fran kam ebenso mit, und ich erlebte Formel Eins Fahrkünste („Wo zum Teufel war die Spucktüte?“). Ich erfuhr, dass es sich um eine Rettung von zwei Galgos und einem Podenco auf der Autobahn handelte. Keine zehn Minuten später sahen wir sie, und mir wurde wirklich übel. Die drei Hunde mitten auf der Autobahn, und die Autos fuhren Vollgas an den Tieren vorbei. Da hatte man nur mehr das allerschlimmste Kopfkino, was gleich passieren könnte. Und was dann geschah, war wunderbar. Es schlössen sich Autos zusammen, fremde Menschen mit ein und demselben Ziel: Sie bildeten einen Autokonvoi, der die Tiere zur Leitplanke drängte, damit sie vor anderen Autofahrern in Sicherheit waren. Es wurde gemeinsam tatsächlich erreicht, dass die Hunde unverletzt von der Autobahn kamen und sie auf eine eingezäunte Olivenplantage liefen. Alberto zeigte auf ein Schild und erklärte mir, dieses Land dürften wir nicht betreten, es gehöre einem Galguero. Dieser hätte Schussrecht auf seinem Land. Verzweiflung machte sich breit, und wir taten alles, um die Tiere wieder herauszulocken. Wie durch ein Wunder kamen sie tatsächlich zurück, verließen das Grundstück und liefen weiter. Wir ihnen hinterher, sie rannten dann in ein E-Werk hinein. Alberto lief sofort zum Portier und bat ihn, das Tor zu schließen. Alle Mitarbeiter des Geländes waren sehr hilfreich. Ja, auch das ist Spanien. Die Galgueros sind tatsächlich eine grausame Minderheit. Kaum zu glauben, aber die meisten Spanier wissen nicht mal, was in ihrem eigenen Land vorgeht und sind sehr tierlieb. Zurück zu den drei Hunden: Die Hündin war mit dem Podenco in einer Werkshalle verschwunden. Ich folgte ihnen und konnte mit der Leinenschlaufe die Hündin sichern. Was das für ein Gefühl war, lässt sich in Worten nicht beschreiben. Der Podenco war der Hündin sofort hinterher - der Grund war später klar, sie war läufig. Den Zwerg einzufangen, war mehr als einfach, dieser wollte einfach nur die Hündin und sich selbst glücklich machen. Der Galgo-Rüde war draußen am Gelände und ängstlich. Alberto bat die Arbeiter, eine Menschenkette zu bilden, und so trieben sie den Buben in eine Ecke, wo ich mit den beiden anderen Hunden, ihm vertraute Wesen, auf ihn wartete. Und so konnte Alberto endlich den Rüden sichern. Happy End! Alle drei Hunde sind heute übrigens glücklich vermittelt, der Podenco in Spanien und die beiden Galgos gemeinsam bei einer Familie in Deutschland. Aber das ist auch ein seltenes Happy End. Zu oft kommt man einfach eine verdammte Minute zu spät zur Rettung und kann nur mehr unter Tränen den noch warmen Körper bergen.

Und dann das einschlagendste Erlebnis unserer Reise: „Lauren“. Der Hund, der endgültig meinen Weg in den Tierschutz ebnete. Es wurde ein Wesen bei FBM als schwerer Notfall eingeliefert. Tier konnte man es damals nicht mehr nennen. Ein roher Klumpen Fleisch, gelähmt - ehemals ein stolzer schwarzer Galgo, der an einem Auto hinterhergezogen wurde, stürzte, weiter geschleift wurde; und als der Jäger bemerkte, was geschehen war, warf er Lauren einfach zum Sterben in ein Feld. Ich glaube, ich war in meinem ganzen Leben noch nie so entsetzt, als ich dieses Tier sah. Ich bat einfach nur, dass man ihn erlöst, und es ging vielen so. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Hund es schafft und sah nur, dass es eine einzige Qual war. Doch die Tierärzte der FBM gaben nicht auf und kämpften um sein Leben. Für uns war die Woche bald vorbei, doch unser aller Herz war bei Lauren.

Es kam die Nachricht, er sei außer Lebensgefahr und benötige nun eine lange Reha. Doch damals war FBM nicht wirklich auf solche Fälle ausgerichtet. Meine beste Freundin, mein Mann und ich machten ein Brainstorming, und so entstand unsere allererste Auktion mit dem Ziel, ein Tensgerät für Lauren kaufen zu können. Wir hatten starke Bedenken, denn beinahe alle Galgo-Bekanntschaften waren Deutsche. Wie würde man uns Österreicher aufnehmen? Schaffen wir es, den Betrag von 800 € für das Gerät zu bekommen? Doch Laurens Schicksal verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Galgowelt, und die Auktion war ein voller Erfolg. Während dieser Zeit erhielt FBM viel Zuspruch aber auch sehr viel Kritik. „Man solle das Tier erlösen, Tierquäler, man erhalte das Tier nur wegen der Spenden am Leben.“ Auch das ist Tierschutz. Man muss lernen, ruhig und sachlich zu bleiben, mit Fakten zu argumentieren und den Ärzten zu vertrauen. Es vergingen vier Monate, in denen wir in der Auktionsgruppe regelmäßig von Lauren berichteten. Die Arzte informierten uns, es sei an der Zeit, mit Lauren den nächsten Schritt zu gehen, dafür benötigten sie für seine Reha ein spezielles Laufband für Hunde. Also auf zur nächsten Auktion. Ein Schritt weiter, denn das Laufband kostete 2200 €. Auktionen sind eine tolle Sache. Man lernt viele liebe Menschen kennen, hat sehr viel zu lachen, kann mit viel Freude sein Geld loswerden und dabei noch Gutes tun. Wir „Osis“ hatten einen riesigen Spaß dabei und haben immer wieder selbst gedrehte lustige Videos einfließen lassen, um die Mitglieder zu motivieren oder zum Lachen zu bringen. Aber eine Auktion ist auch nicht zu unterschätzen. In der Auktionswoche findet man kaum Schlaf. Es wird durchgehend moderiert und motiviert, es werden News gepostet und Artikelnummern vergeben. Danach muss man mit ca. einem Monat an weiterer Arbeit rechnen, bis der letzte Geldeingang da ist und alle Artikel verschickt wurden und angekommen sind. Alles wird transparent veröffentlicht. Nach einer Woche wurde das Ziel erreicht und sogar übertroffen. Diese Auktion ging regelrecht durch die Decke, und wir konnten FBM mit dem Erlös noch zusätzlich Drainagearbeiten für die Außengehege, welche immer wieder überflutet waren, bezahlen. Ohne die tatkräftige Unterstützung unserer Gruppenmitglieder wären diese tollen Auktionen niemals möglich gewesen.

So, die Auktion war vorbei, Lauren bekam täglich seine Reha, und die Auktionsgruppe hatte über 2000 Mitglieder. Was nun? Aufhören und den Dingen ihren Lauf lassen? Das befriedigte uns Drei nicht wirklich, denn wir waren so glücklich, dass wir offenbar etwas wirklich Gutes für FBM bewirken konnten. Heute, vier Jahre später, stehen wir bei 5.300 Mitgliedern. So entschieden wir uns, aus der Auktionsgruppe eine Informationsplattform für FBM zu machen, um auf diesem Weg die Stiftung bekannter zu machen und in der Hoffnung, mehr Hunden helfen zu können. Unser Tierschutzbaby, die Langnasenhilfe FBM, hatte ihre Geburtsstunde.

Die Monate vergingen, und die Anzahl der Mitglieder stieg. Wir hörten von 14 Galgos im Tierheim, die bereits seit über zwei Jahren auf ein Zuhause warten. So begannen wir das Projekt „Free Couch“ und schrieben alle FBM Vereine weltweit an (damals Deutschland, Osterreich, Italien, Frankreich, Belgien, Niederlande, USA). Es schlössen sich alle FBMler zusammen, um für diese 14 Hunde ein Zuhause zu finden. Ein riesiges Marketingprojekt wurde für diese Tiere durch die Langnasenhilfe auf die Beine gestellt - nach zweieinhalb Monaten hatten alle 14 endlich ein Zuhause.

Am 25.09.2017 kam endlich die langersehnte Nachricht: Lauren steht zum ersten Mal selbständig auf seinen Beinen und lernt wieder das Gehen.

Wir begannen mit den Patenschaften für die Hospitalhunde: Ab 10 € pro Monat kann man für ein verletztes bzw. krankes Tier Pate werden und bekommt einmal monatlich Infos und Fotos, wie es seinem Patenkind geht. Wir sammeln Sachspenden und Medikamente, um diese ins Tierheim zu schicken. Merchandising Artikel wie T-Shirts, Polo-Shirts, Taschen und vieles mehr werden verkauft. Täglich gibt es in der Gruppe ein „Guten Morgen Foto“, Informationen über einen Hund der FBM, der ein Zuhause sucht, und es wird über die täglichen Neuigkeiten informiert.

April 2018: Lauren kann wieder gehen, wird adoptiert und fährt nach Bella Italia.

Die Jahre vergehen und mit ihnen viele Reisen zu FBM. Jede Reise ist anders, man hört nie auf zu lernen. Jede Reise ist voller Glück, Trauer aber auch Schrecken. Denn jedes Mal kann man im Hospital wieder erleben, wozu die Bestie Mensch fähig ist, und fast jedes Mal verliert man ein Tier. Man wird sehr ruhig und bescheiden, wenn man in einem Tierheim vor Ort war. Wenn man erlebt, gefühlt, mitgefiebert und gebetet hat - um Leben kämpft, mal gewinnt, mal verliert. Und das alles verarbeiten muss. Es gibt kaum etwas, was man noch nicht gesehen hat. Unzählige Frakturen, Leishmaniose, abgetrennte Gliedmaßen, Parvovirose, Raufereien, Hunde mit Säure übergössen, lebendig begraben, gelähmt, angeschossen, aufgehängt, eingeschlagene Schädel. Man ist Geburtshelfer und Palliativbegleiter. Es ist nicht in Worte zu fassen, was die Mitarbeiter eines spanischen Tierheimes und die Tierschützer emotional und körperlich täglich leisten müssen. Man nimmt bei jeder Reise medizinisches Wissen und Bewusstsein für die tierische Psyche mit. Man lernt jeden Hundetyp kennen: Lustige, Prinzessinnen und Prinzen, Schüchtis, Kasperle, Angstbeißer, ewige Kinder, Anpinkler, Schissis, Paniker, Schmusebären, Schnapper, Gfraster, Kläffer, Kackbratzen, Leinenaggressive, Clowns, Unverträgliche, Zerstörer, Tutnixe, Verstörte, Autisten, die „Ichwillaber“ und, und, und. Jedes Mal, wenn man die Tore der Stiftung hinter sich lässt, weiß man, dass man mit der Arbeit nicht fertig wurde und ist frustriert. Die Heimreise ist meistens sehr ruhig, und jeder denkt an die geliebten Augenpaare, die man zurücklassen musste. Nach jeder Reise fragt man sich beim Heimkommen mehr und mehr: „Was zum Teufel mache ich hier?“.

Tierschutz ist oft nicht schön, macht schlaflos, Tierschutz treibt einen an seine Grenzen. Durch unsere Liebe zu den Tieren entstehen so tolle Freundschaften, es verbindet. Jedoch kann Tierschutz auch vieles zerstören. Tierschutz hat seinen Preis. Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Man lernt alle Facetten der Menschheit kennen. Die Oberflächlichkeit, mit welcher der Mensch mit „Ware Tier“ umgeht, die Respektlosigkeit und oft auch Frechheit. Wir Tierschützer arbeiten ehrenamtlich und machen all das in unserer Freizeit, neben Job, Heim, Familie und eigenen Hunden. Aber wehe, du antwortest nicht innerhalb von drei Stunden. Man reserviert einen Hund und meldet sich einfach nicht mehr, obwohl für das Tier bereits ein Transport gebucht wurde. Menschen, die glauben, mit Geld alles kaufen zu können. Menschen, die sich den perfekten Hund backen lassen wollen. Ein gegebenes Wort zählt nicht mehr. Auch das Privatleben leidet sehr. Denn entweder man macht etwas ganz oder gar nicht. Das bekommt dann meist dein liebstes Umfeld ab. Man hat notorischen Schlafmangel, weil man nach der Arbeit bis spät in die Nacht Postings vorbereitet. Familie und Freunde wenden sich ab, „weil man nur mehr Hunde im Kopf hat“. Menschen, die uns für völlig krank halten mit neun Hunden. Vermeintliche Freunde werden zu Feinden. Neid, Lügen und Missgunst tun sich auf. Es gibt viele Tränen der Enttäuschung und Zweifel. Es geht einem zu oft die Kraft aus. Menschen kommen und gehen. Menschen, die man lieb hatte, an die man geglaubt hat. Und das ewige Gefühl, nicht genug für die Tiere zu tun.

Aber warum tun wir es dann? Weil jedes gerettete Tierleben uns die Kraft gibt, weiterzumachen und daran zu glauben - an den Unterschied, den wir ausmachen. Es sind so viele Hunde, so viele ... Und oft liest man, man könne nicht alle retten. Nein, kann man nicht, aber für diese Tiere sind wir der Unterschied. Die einzige Chance auf ein Leben. Ein glückliches Leben, was sich diese Tiere endlich verdient haben.

Diese Arbeit erfüllt einen so sehr mit tiefer Dankbarkeit und Liebe. Dankbarkeit und Liebe für den verständnisvollen Partner, für die wirklichen Freunde an deiner Seite, für die Menschen, die dich und deinen tollen Traum unterstützen. Dankbarkeit für die ganzen spanischen Tierheim-Mitarbeiter, die zur Familie geworden sind. Dankbarkeit für jedes Tier, welches in all den Jahren ein Zuhause gefunden hat - hunderte Namen und Geschichten. Dankbarkeit für jedes Gruppenmitglied, welches immer mit allen gemeinsam hofft, bangt, mitfiebert und alles gibt. Dankbarkeit für jeden Euro und jede Sachspende. Und eine tiefe Liebe für jedes Paar Hundeaugen, das mich gerade beobachtet, während ich an diesen Zeilen sitze. Keks ist leider 2020 verstorben, aber er ist immer in unseren Herzen dabei. Zu unseren Hunden sind seit 2020 noch vier weitere dazugekommen. „Giovanni“, ein kleiner Bodeguero-Mischling, welcher der längste Langsitzer in der Stiftung war mit acht Jahren und bissig durch seine Unsicherheit. Er war der Grund, dass wir uns endlich zu einem Haus mit großem Grundstück entschieden haben, damit unsere Hunde ein Paradies auf dem Land haben. Dann „Calli“, „Schnuz“ und „Nevi“ - drei weitere Galgos. Schnuz und Nevi sind massive Angsthunde, mit welchen wir täglich vor völlig neue Situationen gestellt werden. Wir lernen und wachsen jeden Tag mit ihnen.

Es gibt tausende Hunde da draußen wie unsere. Egal ob in Spanien, im Osten, in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie brauchen Geduld, Ruhe und Zeit. Und vor allem brauchen sie Menschen, die ihnen eine Stimme geben. Menschen mit Durchhaltevermögen. Menschen, die sie nie aufgeben. Die bereit sind, immer wieder neue Wege zu beschreiten. Die an sie und sich selbst glauben.

Ich gehe meinen Weg weiter.

Das bin ich.

Und ich bin nicht alleine. Es gibt Tausende von uns.

Denn es lohnt sich so sehr, einem Hund das zurückzugeben, was ihm meist von Menschenhand genommen wurde: seine innere Freiheit.

FÜR KEKS 2011-2020

Marina Scheinhart

Das zarte Band

Wenn sich ein Mensch und ein Hund für einen gemeinsamen Weg zusammenfinden, ist dieser Weg schon vor langer Zeit beschlossen worden. Davon bin ich aus tiefstem Herzen überzeugt. Schon längst wurde die Geschichte geschrieben, und wir finden uns im Hier und Jetzt zusammen, um sie gemeinsam zu erleben.

So war die innige und gemeinsame Zeit mit unserer „Salida" eine Verbindung, die schon lange bestand. Oft merkt man schon beim ersten Treffen eine tiefe Verbundenheit, manchmal zaghaft und ein anderes Mal so intensiv, dass sich die Liebe in Tränen und einem stark pochenden Herzen zum Ausdruck bringt ... So war es zumindest immer bei meinen ersten Begegnungen mit unseren Hunden. Ein inniges Band, welches zwischen uns beiden seinen Weg fand und bei der Begegnung sichtbar wurde.

Als wir Salida zum Kennenlernen in Berlin bei ihrer Pflegestelle besuchten, lag sie mit großem Abstand zwischen ca. 15 - 20 Hunden und beobachtete uns mit prüfenden Augen und lauschenden Ohren. Im Laufe unseres Gespräches mit ihrer Pflegefamilie stand sie auf, kam zu uns an den Tisch gelaufen und legte ihren wunderschönen Kopf auf den rechten Fuß meines Mannes. Das war der Beginn einer innigen Liebesgeschichte. Wir nahmen sie mit in ihr neues Leben an den Bodensee, im Gepäck viele kleine und große Ängste. Ihre größte Angst waren fremde Hunde.