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Geschichten und Märchen, die in und an einer Windmühle spielen und von ostwestfälischen Autoren neu geschrieben wurden: Gabi Hohmeyer erzählt von dem kleinen Gespenst, das in die Mühle einzieht und lernt, wie man Kuchen backt und wie die Menschen feiern. Brigitta Rudolf schreibt über den Mühlenkater, der seine Menschen weckt und so verhindert, dass die Mühle abbrennt. Susi Menzel berichtet von dem Müller, der mit einem Spatzen einen Pakt schließt, um seine Tochter zu bespitzeln. Monika Schäfer schrieb zwei Gedichte über und von der Mühle. Und Renate Maschmeiers Marie, die beschreibt, wie das Leben in einer Mühle damals so um 1883 herum war. Denn da wurde die jetzige Windmühle Meißen erbaut und eingeweiht. Mit Farbfotos, einer Zeichnung und einem schwarz-weiß Foto aus alter Zeit.
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Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2018
„Ein Kind, dem nie ein Märchen erzählt worden ist, wird ein Stück Feld in seiner Seele haben, auf dem in späteren Jahren nichts mehr angebaut werden kann.“
Johann Gottfried von Herder
Der gesamte Erlös dieses Buches wird zum Erhalt der Wallholländer Windmühle Meißen, der Nummer 1 der Westfälischen Mühlenstraße benutzt.
Widmung:
Für die Windmühle Meißen, auf das sie sich noch lange im Wind drehen möge.
Für den Mühlentag wird Heu aufgehäufelt.
Speziell für das Mühlenjubiläum "400 Jahre Mühlenstandort Meißen und 135 Jahre Wallholländer Windmühle" im Jahr 2018 haben lokale Autoren aus Minden in Westfalen und Bad Oeynhausen neue Mühlengeschichten und Gedichte geschrieben, die man getrost als märchenhaft bezeichnen kann.
„Im Mühlengebälk es knarrt und kracht
und rumpelt und knarzt bei Tag und Nacht“(Susi Menzel)
Solcherlei unheimliche Geräusche haben von jeher die Fantasie der Menschen angeregt. Und wenn sich dann noch in dunklen Ecken seltsame Rädchen und scheinbar von allein riesige, runde Steine drehen, dann kann man nachvollziehen, dass Mühlen im Märchen oft eine Rolle spielen.
Und wenn dann noch aus den riesigen Türen der staubigen, dunklen Mühlen junge Frauen heraustraten, dann erschienen sie wohl auch immer schön.
Die Müller ehelichten in früheren Zeiten oft recht junge Frauen, die die harte Arbeit in Mühle und Landwirtschaft bewerkstelligen konnten. Das gab es jedoch auch anders herum. Wenn der Müller starb, nahm sich die Witwe oftmals einen viel jüngeren, kräftigen Mann.
Man könnte sagen, die Mühle wurde geheiratet. Persönliche Vorlieben oder Sympathien der Menschen waren bis ins 20. Jahrhundert hinein sowieso eher zweitrangig und somit auch wenig märchenhaft. Im Märchen „Tischlein deck dich!“ war die Mühle dennoch die begehrte Trophäe, die Reichtum versprach.
In vielen Märchen, die die Gebrüder Grimm ab Anfang 1800 gesammelt haben, waren Mühlen ein Schauplatz. Und in dem Märchen „Rumpelstilzchen“ wurde eine schöne Müllerin gar eine Königin. 1865, in der Blütezeit der Mühlen, schrieb Wilhelm Busch „Max und Moritz“. Hier ist der 7. Streich die wohl bekannteste Mühlengeschichte Deutschlands.
Wir Meißener hatten früher noch eine ganz besondere Beziehung zu Märchen. Denn auf dem Weg nach Röcke und Bückeburg im niedersächsischen Fürstentum Bückeburg kam man am Klusbrink an dem Restaurant „Große Klus“, vorbei, das schon sehr viel früher ein bekanntes Rasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit war. Sonntags wanderte die ganze Familie dorthin. Die Männer tranken selbstgebrautes Bier, die Frauen führten ihre Hüte aus, und alle waren froh, dass es dort, nahe der „Lausereiche“ oder „Napoleonseiche“, einen Märchenwald gab, in den man die Kinder schicken konnte. Für ein paar Groschen spielten die mechanischen Püppchen als Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen für einige Minuten lang ihre Geschichten in ihren gläsernen Kästen ab.
Der märchenhafte Kreis schließt sich heutzutage wieder. Das Hotel-Restaurant „Große Klus“ betreibt heute die Gastronomie des Müllerhauses, welches für Feiern neben der Mühle gebaut wurde. Somit wird sozusagen die alte Tradition „Biergarten für die Großen und Märchen für die Kleinen“ in die Gegenwart transportiert. Denn beim Feiern können die Kinder sich um die Windmühle herum tummeln. Ihre Fantasie wird angeregt – und wer weiß, vielleicht schreibt einer von ihnen mal die Mühlenmärchen der übernächsten Generation.
Uns Autoren jedenfalls hat die alte Mühle zu neuen Geschichten inspiriert.
Viel Spaß beim Lesen der modernen „Märchen“ aus Meißen!
Susi Menzel, im März 2018
Mühlen waren von Anfang an sagenumwobene Orte. Waren sie doch die ersten technischen Bauwerke, die auf menschliche oder tierische Muskelkraft verzichteten und sich Naturkräfte nutzbar machten. Zudem wurde mit Mühlen das menschliche Grundnahrungsmittel schlechthin, das Getreide, gemahlen. Meist standen die Mühlen außerhalb des Dorfes und manchmal, besonders was die Wassermühlen anbetrifft, an entlegenen Orten. Dadurch waren sie der Sozialkontrolle durch die Dorfmitglieder größtenteils entzogen. Zudem gehörten die älteren Wassermühlen über Jahrhunderte einem weltlichen oder geistlichen Grundherrn. Deshalb galten die Müller als unfreie Handwerker, denn sie arbeiteten im Auftrag eines anderen. Auch waren sie nicht zunftfähig und damit „unehrlich" wie die Schinder oder Bader. Die Bauern waren von den Müllern abhängig, die Müller von den Grundherren. Das alles führte dazu, dass sich um Müller und Mühlen viele volkstümliche Geschichten rankten, Sagen ebenso wie Schwänke. Dem Müller wurde unterstellt, dass er mit dem Teufel im Bunde sei und nicht alles mit rechten Dingen in der Mühle zuginge, dort Unzucht getrieben würde oder er seinen Mühlengästen Getreide bzw. Mehl stahl.
