WINTERSTOFF - Jean Secré - E-Book
SONDERANGEBOT

WINTERSTOFF E-Book

Jean Secré

0,0
3,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Winterstoff – das sind zehn kurze Geschichten, die in surreale Landschaften und tiefgründige Gedankenwelten entführen. Momente, die zum Innehalten einladen und Figuren, deren Schicksale nachhallen. Wie die Hoffnungen und Sehnsüchte im "Haus der verlorenen Träume" und die unerwartete Wendung im Leben des Weihnachtsmanns von Saint Claire. »Kennst du den Weihnachtsmann?«, fragte Daniel. »Ich weiß es nicht? Nein. Kenne ich nicht!« Simon zuckte mit den Schultern. »Aber ich kenne ihn, Simon. Ich kenne den Weihnachtsmann«, sagte Daniel und schaute den Jungen mit großen Augen an. So beginnt die Geschichte von Daniel, einem Paketzusteller im Norden Frankreichs. Einst war sein Leben ganz anders, doch ein schwerer Schicksalsschlag warf ihn aus der Bahn. Lange Zeit schien ihm alles gleichgültig – bis… nun, mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten! Nur so viel: "Der Weihnachtsmann von Saint Claire" ist eine Geschichte, die perfekt in die magische Zeit des Dezembers passt – aber auch an kalten Novemberabenden oder frostigen Tagen im Januar und Februar ihren Zauber entfaltet. Früher war alles anders – auch für Glenda, eine junge Frau, die mit ihrem kleinen weißen Hund eilig die Straße hinunterläuft. Und für Mark, der jeden Abend im Park ein Fenster beobachtet, bis das Licht dort erlischt. "Liebe scheut keine Kälte" erzählt von zwei Menschen, deren Leben durch einen Unfall aus der gewohnten Bahn geworfen wird. Lange Zeit begegnen sie sich nur aus der Ferne, doch ihre Geschichten verweben sich auf unerwartete Weise. Früher war tatsächlich vieles anders – zumindest für das alte Ehepaar in dem schönen Haus mitten in der Straße. "Das Haus der verlorenen Träume" erzählt davon. Und vielleicht auch für Vera, die wir in der Geschichte "Das einsame Grab" kennenlernen. Werden wir erfahren, was sie einst verloren hat? Vielleicht. Denn früher war alles anders – für die einen schlechter, für die anderen… wer weiß? »Besser!«, betonte Teresa Wohlfeil und nahm einen genüsslichen Schluck von ihrem Cappuccino. »Hm«, brummte ihr Sohn Heiner und verzog das Gesicht. Der genervte Mittvierziger schob seine leere Tasse in die Tischmitte, warf einen missmutigen Blick durch das Café und schnippte schließlich nach der Bedienung. "Wintermord in Garmisch" – ein kurzer, aber packender Kriminalfall, der gefolgt von der Fantasy-Geschichte "Der Fluch des dunklen Waldes" um die junge Abenteurerin Herrat den Kurzgeschichtenband auf spannende Weise abrundet.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



 

 

Jean Secré

 

Winterstoff

 

Zehn spannende Kurzgeschichten

für die kalte Jahreszeit

 

 

 

 

 

Über dieses Buch

 

Winterstoff

Winterstoff – das sind zehn kurze Geschichten, die in surreale Landschaften und tiefgründige Gedankenwelten entführen. Mal leise, mal stürmisch, erzählen sie von kühlen Herbstabenden, überraschenden Begegnungen und den verborgenen Wundern, die die kalte Jahreszeit bereithält. Momente, die zum Innehalten einladen und Figuren, deren Schicksale nachhallen. Wie die Hoffnungen und Sehnsüchte im Haus der verlorenen Träume und die unerwartete Wendung im Leben des Weihnachtsmanns von Saint Claire.

 

»Kennst du den Weihnachtsmann?«, fragte Daniel.

»Ich weiß es nicht? Nein. Kenne ich nicht!« Simon zuckte mit den Schultern.

»Aber ich kenne ihn, Simon. Ich kenne den Weihnachtsmann«, sagte Daniel und schaute den Jungen mit großen Augen an.

So beginnt die Geschichte von Daniel, einem Paketzusteller im Norden Frankreichs. Einst war sein Leben ganz anders, doch ein schwerer Schicksalsschlag warf ihn aus der Bahn. Lange Zeit schien ihm alles gleichgültig – bis… nun, mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten! Nur so viel: Der Weihnachtsmann von Saint Claire ist eine Geschichte, die perfekt in die magische Zeit des Dezembers passt – aber auch an kalten Novemberabenden oder frostigen Tagen im Januar und Februar ihren Zauber entfaltet.

 

Früher war alles anders – auch für Glenda, eine junge Frau, die mit ihrem kleinen weißen Hund eilig die Straße hinunterläuft. Und für Mark, der jeden Abend im Park ein Fenster beobachtet, bis das Licht dort erlischt. Liebe scheut keine Kälte erzählt von zwei Menschen, deren Leben durch einen Unfall aus der gewohnten Bahn geworfen wird. Lange Zeit begegnen sie sich nur aus der Ferne, doch ihre Geschichten verweben sich auf unerwartete Weise.

 

Früher war tatsächlich vieles anders – zumindest für das alte Ehepaar in dem schönen Haus mitten in der Straße. Das Haus der verlorenen Träume erzählt davon. Und vielleicht auch für Vera, die wir in der Geschichte Das einsame Grab kennenlernen. Werden wir erfahren, was sie einst verloren hat? Vielleicht. Denn früher war alles anders – für die einen schlechter, für die anderen… wer weiß?

 

»Besser!«, betonte Teresa Wohlfeil und nahm einen genüsslichen Schluck von ihrem Cappuccino.

»Hm«, brummte ihr Sohn Heiner und verzog das Gesicht. Der genervte Mittvierziger schob seine leere Tasse in die Tischmitte, warf einen missmutigen Blick durch das Café und schnippte schließlich nach der Bedienung. Wintermord in Garmisch – ein kurzer, aber packender Kriminalfall, der gefolgt von der Fantasy-Geschichte Der Fluch des dunlen Waldes um die junge Abenteurerin Herrat den Kurzgeschichtenband auf spannende Weise abrundet.

 

Winterstoff – ein Buch voller Magie, Melancholie und winterlicher Geheimnisse. Geschichten, die das Knistern eines wohlig-warmen Kaminfeuers heraufbeschwören – am besten bei einer heißen Tasse Tee, während draußen leise die ersten Schneeflocken fallen.

 

 

 

 

 

Über Jean Secré

 

Jean Secré ist Journalist, Pressefotograf, Schriftsteller, Bergsteiger und Abenteurer. Manche seiner Kurzgeschichten, wie Das Haus der verlorenen Träume und Das einsame Grab haben einen echten Bezug zum Leben, während andere vollständig der Fantasie des Autors entspringen.

 

 

 

 

Das ist mein Streit:

Sehnsuchtgeweiht

durch alle Tage schweifen.

Dann, stark und breit,

mit tausend Wurzelstreifen

tief in das Leben greifen -

und durch das Leid

weit aus dem Leben reifen,

weit aus der Zeit!

 

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

 

Und immer ist es die Sehnsucht, die uns treibt: nach Wärme im Frost, nach Licht in der Dunkelheit.

 

 

 

 

Inhalt

 

Über dieses Buch

Über Jean Secré

Das Haus der verlorenen Träume

Am Rand der Stille

Liebe scheut keine Kälte

Das einsame Grab

Sieben Leben

Eine Halloweennacht zum Gruseln

Der Weihnachtsmann von Saint Claire

Konvertiert - Gefangen im Netz

Wintermord in Garmisch

Der Fluch des dunklen Waldes

Kurzbeschreibungen

Impressum

 

Das Haus der verlorenen Träume

 

Die kleine Villa in der Mitte der Straße war einst ein Juwel. Ein Gebäude im Stil der 1920er-Jahre, die mit ihrem Charme und ihrer Würde an eine Zeit erinnerte, als Beständigkeit noch im Trend lag. Als eine Anstellung noch eine Lebensstellung war. Und ein Wort ein Wort, das etwas galt. Das Haus stand in einer kleinen Stadt, deren Straßen sich am Morgen zunächst hektisch mit Leben füllten, sich aber genauso schnell wieder leerten. Es gehörte einem älteren Ehepaar, Wilhelm und Margarethe. Sie hatten über fünfzig Jahre darin gewohnt, hatten es gepflegt und in Stand gehalten, wie man einen geliebten Garten pflegt. Es war ihr Zuhause, und der kleine Laden im Erdgeschoss, der schon seit Jahren leer stand, erinnerte sie jeden Tag an eine Zeit, als das Leben der beiden noch in geschäftigen Bahnen verlief.

»Weißt du noch, Wilhelm, wie wir den Laden eröffnet haben?«, fragte Margarethe an einem Herbstabend, als sie zusammen am Küchentisch saßen. Sie sprach leise, als ob sie nur für sich selbst sprechen würde, die Worte mit einer Melancholie gefärbt, die Wilhelm gut kannte.

Er nickte und lächelte schwach.

»Damals war alles anders, Maggie. Die Leute sind noch gekommen, haben hier ihre Lebensmittel gekauft, anstatt zu diesen großen Läden zu fahren.« Seine Stimme war rau, aber warm, die Jahre hatten ihm nicht die Sanftheit genommen.

»Ja, das waren andere Zeiten«, erwiderte sie und ließ ihre Finger über den hölzernen Tisch gleiten, der ebenso alt war wie ihre gemeinsamen Erinnerungen.

Aber die Zeit verging und schritt voran, wie sie es immer tut. Irgendwann wurde Margarethe krank. Wilhelm pflegte sie, so gut er konnte, bis sie schließlich starb, leise und friedlich, wie eine Kerze, die im Wind erlischt. Nach ihrem Tod war das Haus stiller als je zuvor. Wilhelm blieb zurück, allein in den Zimmern, die von so viel gemeinsamem Leben erfüllt gewesen waren. Doch auch er konnte dem Lauf der Zeit nicht entkommen. Wenige Monate später folgte er ihr, und das Haus, das so lange von Liebe und Erinnerung geprägt war, stand leer.

 

Es dauerte nur wenige Wochen, bis Andy es fand. An einem schönen Junimorgen, als ihn sein Weg zu einem neuen Kunden durch die kleine Stadt führte. Andy war ein junger Mann voller Energie und Hoffnung. Auf der Rückfahrt nahm er denselben Weg. Stoppte bei dem Haus und betrachtete es lange. Und verliebte sich Hals über Kopf in das stolze Gebäude. Er kaufte es, auch, weil es ihn an seine Großeltern erinnerte, die in einem ähnlichen Haus gelebt hatten.

»Das ist es, Matt«, sagte er, als er zusammen mit seinem Freund zum ersten Mal die kleine Steintreppe hinaufstieg, die zum alten Laden im Erdgeschoß führte. »Hier können wir etwas aufbauen. Ich hab immer davon geträumt, einen Blumenladen zu eröffnen und das hier... das ist perfekt.«

Matt grinste.

»Du und deine Blumen, Andy. Aber hey, wenn einer das schaffen kann, dann du.«

Und so begannen sie, den alten Laden herzurichten. Sie strichen die Wände, stellten Regale auf und Andy baute ein Gewächshaus im Garten, um seine eigenen Rosen zu ziehen. Für eine Weile lief es gut. Die Leute kamen, kauften Blumen für ihre Gärten, für Hochzeiten und Beerdigungen und Andy fühlte sich, als hätte er endlich etwas gefunden, das ihm Sinn gab. Doch die Stadt war im Wandel. Die Menschen kauften immer weniger vor Ort, fuhren lieber in die große Stadt oder bestellten ihre Blumen online. Die Kunden blieben aus, und mit ihnen verschwanden Andys Hoffnungen.

»Ich versteh’s nicht, Matt«, sagte er eines Abends, als sie allein im leeren Laden saßen. »Ich hab alles gegeben. Die Rosen sind perfekt, aber die Leute, ... sie kommen einfach nicht.«

Matt zuckte die Schultern.

»Es ist nicht deine Schuld, Andy. Die Zeiten ändern sich. Du kannst den Leuten nicht vorschreiben, wo sie kaufen.«

»Aber das war mein Traum...« Andys Stimme brach. Er legte den Kopf in die Hände und für einen Moment war der Raum von einer Stille erfüllt, die sich wie eine Last auf seine Schultern legte.

Bald mussten sie den Laden aufgeben. Matt ging zurück in die große Stadt, um einen neuen Job zu suchen und Andy blieb zurück, allein in dem riesigen Haus, das plötzlich so leer und kalt wirkte. Der Garten verwilderte, das Gewächshaus zerfiel und Andy zog sich immer mehr zurück. Die Einsamkeit des Hauses, das einst von Leben erfüllt war, lastete schwer auf ihm. Schließlich sah auch Andy keinen anderen Ausweg mehr und entschied, das Kapitel hinter sich zu lassen. Mit einem letzten Blick auf das Haus, dessen Glanz verblasst war, verkaufte er es an die Smiths und zog zu Matt, in der Hoffnung, dass die Großstadt ihm einen neuen Anfang bieten würde.

 

Die Smiths waren eine junge Familie voller Energie und Leben – zumindest auf den ersten Blick. Doch das Haus brachte ihnen kein Glück. Die Schatten der Vergangenheit holten sie ein und erste Risse zeigten sich. Es begann mit kleinen Streitereien, die bald zu großen Auseinandersetzungen wurden.

»Ich hab dir doch gesagt, dass wir uns das Haus nicht leisten können«, schrie Jonathan Smith eines Abends, als die Kinder längst im Bett waren. Seine Frau stand ihm gegenüber. Ihre Finger zitterten. Auch sie war von Wut und Hass erfüllt. Die Hände in die Hüften gestemmt, mit gerötetem Gesicht, schrie sie zurück.

»Du wolltest es doch auch«, fauchte sie. »Du warst es doch auch, der gesagt hat, es wäre die perfekte Investition!«

Doch nichts war perfekt. Die Streitereien eskalierten in Gewalt. Selbst vor den Kindern machten sie nicht Halt. Der Garten verwilderte vollends, der Müll sammelte sich im Haus und schließlich, eines Nachts, brach im Dachstuhl ein Feuer aus. Die Flammen verschlangen das obere Stockwerk und die Smiths konnten sich gerade noch rechtzeitig retten. Mit den Flammen verschwand das letzte Stück Hoffnung, das noch in den Mauern des alten Hauses gesteckt hatte. Und die Zuversicht, die der Lauf der Zeit aus glücklichen und unglücklichen Tagen seit dem ersten Spatenstich im Jahr 1926 nicht aus dem Haus vertreiben konnte.

 

Die nächsten zwei Jahre stand die alte Villa leer, verfallen, wie ein Mahnmal für alles, was nicht überleben konnte. Die Fenster waren zerschlagen, das Dach eingestürzt und doch war es noch da, wie ein Gespenst, das nicht gehen wollte. Niemand sprach mehr über das alte Ehepaar, das es einst so liebevoll gepflegt hatte, oder über Andy, der seine Träume hier begraben hatte. Und der Rosen liebte und dessen kleiner Laden ein Stück Wärme in die Hauptstraße der kleinen Stadt gebracht hatte.

 

Eines Tages tauchte ein Investor auf.

»Was wollen Sie mit diesem Wrack anfangen?«, fragte der junge Nachbar skeptisch, als er den Mann sah, der das Grundstück begutachtete.

Der Investor zuckte die Schultern.

»Abriss. Schritt für Schritt. Man kann hier was Neues bauen.«

Und so begann der langsame Abbruch.

---ENDE DER LESEPROBE---