Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
"Einfach mal was anderes machen. Das können wir und daran glauben wir." Wechsel Perspektive Dieses Buch ist eine Sammlung kurzer, kurioser, bewegender und lustiger Geschichten, die von Menschen mit Behinderungen geschrieben und in einem Pflegeheim gesammelt wurden. Hinzugefügt wurden zu jeder Geschichte mehrere Ideen zur Aktivierung für Menschen mit Behinderungen, insbesondere Menschen im Wachkoma, die gemeinsam mit Therapeuten, Pflegekräften, Pädagogen, anderen Fachkräften und natürlich mit Angehörigen durchgeführt werden können, um eine Therapieeinheit oder einfach eine schöne Zeit zu gestalten. Dieses Buch ist mal eine ganz andere Art der Geschichtensammlung. Sie geht ins Herz, verweilt im Kopf und je nach eigener Motivation inspiriert sogar der Name des Verfassers schon.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Für alle Mitstreiter, Kämpfer und Beschützer
Teil 1
(Geschichten über die gelacht werden soll und darf)
Am Meer
Der Dschungelschatz
Der Zirkus auf der grün Wiese
Die Schifffahrt
Traumreise - Abschalten
Der Papagei - der letzte Versuch
Die Pferderennbahn "Schnellstart"
Im Tierpark ist immer was los
Der Weg zum Strand
Ein Spaziergang im Wald
Die Kofferversteigerung
Der Garten
Auf dem Flohmarkt
Ruhm und Wahnsinn
Teil 2
(Gedankenanregungen aus dem Bereich der Pädagogik; Arbeitsideen für Betreuende)
Teil 3
(Die Tür geht auf)
Der verlorene Wecker
Das Gefühl eines Freundes
Das Wiedersehen
Die Katze
Danksagung
Quellenangaben
Ich bin Stina Kreft, wurde am 09.05.1987 geboren und bin seit 2010 in dem wundervollen Beruf der Erzieherin tätig. Seit 2012 darf ich mich auch Psychologische Beraterin nen-nen. Ich bin beidseitig kurzsichtig und leide an einem unverbesserlichen Optimismus und der Pädagogenkrankheit "Kann-nicht-alt-genug-werden-um-aufzuhören-die-Welt-retten-zu-wollen".
Ich heiße Birgitt mit zwei t und habe seit 1983 Multiple Sklerose (MS). In meinem ersten Leben war ich Erzieherin und habe fünfeinhalb Jahre mit geistig behinderten Menschen gearbeitet. Danach war ich Sozialpädagogin, 21 Jahre lang in der Bewährungshilfe tätig, bin 58 Jahre alt und am 14.01.1955 geboren. Ich habe Spastiken auf der linken Körperseite. Aber ich kann mit Hilfe eines Rollators noch laufen. Unter der Krankheit leide ich so, dass ich Depressionen habe.
Ich heiße und bin Birgit. Ich habe auch die Nervenkrankheit Multiple Sklerose. Sie hat viele Facetten. Vor vielen Jahren habe ich mich zur Verfügung gestellt, um Medizinstudenten von meiner Krankheit zu berichten. Damals war sie noch sehr unbekannt. Bei mir sind vor allem die Beine betroffen. Ich kann sie spüren und bewegen aber nicht gezielt einsetzen. Das fällt vielen Menschen schwer zu verstehen. Das Unverständnis verletzt mich.
Ich bin Andreas, 54 Jahre alt und leide an Epilepsie. Ich mache manchmal Dinge, von denen ich selber gar nicht weiß. Manchmal verstehen die Menschen mich nicht, weil man mir die Krankheit nicht unbedingt ansieht. Es ist eher eine Kopfkrankheit. Ich hab mal Maler gelernt. Es hat mich schwer getroffen, dass ich das aufgeben musste. Jetzt mache ich gerne Modellbau.
Ich heiße Uwe, bin 57 Jahre alt und mache nach einem Autounfall das Beste aus meinem Leben. Ich bin linksseitig inkomplett querschnittsgelähmt und mein linkes Auge ist blind. Trotzdem habe ich eine sehr positive Wirkung auf Frauen. Das kommentiere ich natürlich stets mit einem schelmischen Lächeln.
Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft findest das Beste aus Deinem Leben zu machen und Verständnis herrscht. (Uwe) Ich wünsche Euch, liebe Betreuenden, dass Ihr die Kraft erhalten könnt, uns zu betreuen. (Andy) Ich wünsche Dir Zuversicht und Hoffnung. (Birgitt) Ich wünsche Dir den Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben. (Birgit) Ich wünsche Dir, dass die Menschen die Dich umgeben, Dich in Deiner Einzigartigkeit und Schönheit wahrnehmen und Dich mit dem Herzen sehen. (Stina)
Sehr geehrte Leserin und sehr geehrter Leser,
vielen Dank für den Kauf dieses Buches oder das Annehmen des wunderbaren Geschenkes.
Damit erleben Sie eine Sammlung kleiner Geschichten, die nicht entstanden, weil mehrere Menschen versucht haben sich mit ihren literarischen Begabungen und umfangreicher Wortpoesie zu übertrumpfen, sondern weil mehrere Menschen an einen Tisch gekommen sind und mit Neugierde erwartet haben, was sich hinter meinem Projekt "Wir schreiben Geschichte(n)", im Pflegeheim "Haus Seeblick" Mölln GmbH verbirgt. Schnell stellten diese Menschen fest, dass sich dahinter verbirgt, was sie daraus machen.
Unsere Projektgruppe bestand über zwei Jahre und das Ergebnis unserer Bemühungen, unseres Kopfzerbrechens, unseres "Gegen-die-Wand-starren-und-dort-eine-Idee-Suchens", vor allem aber das Ergebnis unserer Freude und unserer Teamarbeit haben Sie gerade vor sich oder hören Sie in diesem Augenblick.
Unsere Geschichten sind wahr. So wahr, wie Wahrheit ist, die Spielraum bekommt und doch für jeden anders ist. Ein "Geht – nicht" verstehen wir nicht. Und ein "Das macht doch keinen Sinn" missverstehen wir grundsätzlich als "Das ist mutig, weiter so!".
Unsere Geschichten stammen von einem Team, das sich unter dem Pseudonym Wechsel Perspektive vereint. Es ist die Beschreibung für die Wege die wir gegangen sind, gehen werden, begleiten und ein Aufruf für all jene, die ihn so verstehen. Unser Team setzt sich aus einer Erzieherin und Psychologischen Beraterin, zwei Bewohnerinnen und zwei Bewohnern zusammen, die im Pflegeheim "Haus Seeblick" einen gemeinsamen Treffpunkt hatten.
Hier leben auch von der Gesellschaft oft vergessene Menschen. Es sind Menschen, die sich im Wachkoma befinden, an seltenen Erkrankungen leiden oder die keine Familie haben, die für sie da sein kann. Wir arbeiten und leben jeden Tag mit ihnen und sehen jeden Einzelnen in seiner Schönheit, Einzigartigkeit und unantastbaren Würde.
Wir als Team haben deshalb beschlossen unsere Geschichten, bei deren Entstehung diese Menschen oft Zeuge waren und dies mit einer hohen Aufmerksamkeit verfolgt haben, öffentlich zu machen. Dieses Buch wurde für all jene Menschen geschrieben, die Freude an Fantasie haben, Geschichten in Gemeinschaft erleben möchten und für solche, die diesen einzigartigen Menschen zur Seite stehen. Denn auch sie sind ganz besondere Menschen. Für die Betreuenden und Pflegenden gibt es einige Ideen, wie aus diesem Buch auch Material für eine Therapieeinheit oder eine schöne gemeinsame Zeit werden kann.
Unsere Geschichten erzählen aus unserem Alltag, aber auch von unseren Wünschen und aus unseren Fantasiewelten. Sie sind lustig, traurig, anregend, beruhigend und vor allem echt. Manche Geschichten fühlen sich an wie ein Weg über einen holprigen Acker, einige wie ein Geheimnis, andere vielleicht eher wie ein Sommertag und wieder andere wie "Uups, Teile vergessen". Doch so wie sie sind, so sollen sie sein. Eine Geschichte geschrieben aus einer Situation heraus, mal quälend langsam, mal verwirrend schnell. Doch immer mit dem Ziel, dass irgendjemand irgendwann dieses Buch hört oder liest.
Ziel erreicht!
Stina Kreft
Ratzeburg, September 2014
Eine Familie macht auf der Nordseeinsel Amrum Urlaub. Sie besteht aus Vater, Mutter, einer Tochter und einem Sohn. Sie gehen zum Strand, dessen Sand voll ist von Muscheln und Algen. Das Mädchen möchte gerne welche sammeln – große und kleine. Und der Junge lässt Steine übers Wasser fletschen. Die Eltern gehen solange ins mittelwarme Wasser und baden. Auf dem Wasser sind weiße Segelschiffe zu sehen. Und andere sind zu sehen, die ein rotes, ein blaues und sogar ein kariertes Segel gehisst haben. Und ein Segel ist total bunt. Einige Urlauber stehen am Strand und winken den Schiffen zu. Leuchtende Bojen treiben auf der Wasseroberfläche.
Die Mutter schwimmt hinaus zur Boje. Tief unter der Wasseroberfläche aber streift etwas ihr Bein und sie bekommt plötzlich Angst. Sie reißt die Arme hoch und schreit laut "Hilfe!". Die Menschen am Strand hören die Hilferufe und schwimmen zu dem Boot mit dem roten Segel. Ein junger Mann rudert sofort los zu der um Hilfe schreienden Frau, nachdem er mit den anderen ins Boot gesprungen ist. Noch weiß niemand was passiert ist. Irgendetwas hatte die Frau gebissen. Um die Füße wickeln sich Beine. Oder hat sie nur das Gefühl, es sind Beine? Zusätzlich muss die Mutter noch aufpassen, dass sie nicht hinter die Boje kommt, denn da beginnt die offene See. Dann wird es richtig gefährlich. Der junge Mann in dem Boot setzt schon mal seine Taucherbrille auf. Bei der Frau angekommen, versucht er ins Wasser zu schauen. Doch er kann nichts sehen, es ist zu düster. Die Frau schreit noch immer weiter. Sie hat unheimliche Angst vor dem Ding an ihren Füßen. Der junge Mann sucht nach einer Idee, die die Lösung bringt. Er muss aufpassen, dass es nicht zu gefährlich wird. Denn wenn er taucht, weiß er nicht, was da unten ist und ihm begegnet. Er überlegt und auch die anderen im Boot fragen sich, was da im Wasser ist.
Und plötzlich ruft eine Frau: "Ich weiß was es sein könnte – Unterwasserlianen!". Doch wie könnte man sie von den Beinen der Frau lösen? Einer der Bootsleute zückt sein Messer, das für Notfälle immer an Bord ist und überreicht es dem Mann. Dieser springt ins Wasser und versucht die Lianen zu zerschneiden. Er taucht prustend wieder auf und merkt, dass es in Wahrheit keine Lianen sind. Aber was ist es dann? Denn es schien sich selbstständig zu bewegen und sich zu wehren. Es zerrt die Frau unter Wasser.
