Wir zwei im Dezember - Catherine Walsh - E-Book
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Wir zwei im Dezember E-Book

Catherine Walsh

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Beschreibung

Die neue romantische Komödie von Catherine Walsh – die perfekte Lektüre zum Fest der Liebe

Vor vier Jahren hat Megan ihren Verlobten am Altar stehen lassen. Seither macht sie einen großen Bogen um ihr irisches Heimatdorf. Doch dieses Jahr hat sie ihren Eltern versprochen, über Weihnachten nach Hause zu kommen. Von Vorfreude auf das Fest kann allerdings keine Rede sein, als Megan Anfang Dezember in Dublin zufällig ihren Schulfreund Christian trifft. Auch er ist Single, was ihm normalerweise nichts ausmacht. Nur die Feiertage, umgeben von lauter Pärchen, sind ihm unerträglich. Und so schließen die beiden einen Pakt: Sie werden sämtliche Familienfeiern gemeinsam durchstehen und ein glückliches Paar mimen. Danach werden sich ihre Wege wieder trennen …

Ein bezaubernder Weihnachtsroman für alle Leser*innen von Emily Stone und Josie Silver

»Zum Träumen und Mitfiebern!« Frau im Trend (über »Jedes Jahr im Dezember«)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 495

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Buch

Seit Megan vor vier Jahren ihren Verlobten Isaac am Altar stehen ließ und nach Dublin flüchtete, war sie nicht mehr in ihrem kleinen irischen Heimatdorf. Ihr Ruf ist für alle Zeiten ruiniert. Doch dieses Jahr hat sie ihrer Mutter dummerweise versprochen, über Weihnachten nach Hause zu kommen.

Christian hat kein Problem mit seinem Single-Dasein. Nur an Weihnachten, wenn die ganze Familie ihm sorgenvolle Blicke zuwirft und er von glücklichen Pärchen umgeben ist, wird die Situation unangenehm. Als er in einem Pub in Dublin zufällig seine Schulfreundin Megan wiedertrifft, schlägt er ihr einen Pakt vor: Sie werden gemeinsam in die Heimat fahren und über die Feiertage vorgeben, ein Paar zu sein – nur um kurz darauf ihre Trennung bekanntzugeben. So zumindest lautet der Plan …

Weitere Informationen zu Catherine Walsh sowie zu lieferbaren Titeln der Autorin finden Sie am Ende des Buches.

Catherine Walsh

Wir zwei im Dezember

Roman

Aus dem Englischen

von Britta Evert

Die englische Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel »Snowed In« bei Bookouture.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Dataminings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Deutsche Erstveröffentlichung September 2024

Copyright © Catherine Walsh, 2023

First published in Great Britain in 2023 by Storyfire Ltd trading as Bookouture.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2024

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München

Umschlagmotive: © Roberto Moiola / Alamy Stock Foto; © FinePic®, München

Redaktion: Susanne Bartel

LS · Herstellung: ik

Satz: KCFG – Medienagentur, Neuss

ISBN 978-3-641-32157-4V002

www.goldmann-verlag.de

Diesmal für Lucy

Prolog

Megan

Ich wünschte, ich hätte keine High Heels an.

Ich wünschte auch, ich hätte kein Hochzeitskleid an, aber noch mehr wünschte ich, ich würde keine High Heels tragen. Es ist ganz schön schwer, auf hohen Absätzen zu laufen. Es ist auch ganz schön schwer zu laufen, wenn du das Gefühl hast, dass sich dein neuer BH in dein Fleisch bohrt und in deiner Kopfhaut eine Million Haarnadeln stecken.

Ich wünschte, ich hätte mich nicht für eine Hochsteckfrisur entschieden.

In diesem Moment wünsche ich mir eine ganze Menge Dinge.

Am meisten wünsche ich mir, Tante Susan könnte sich endlich von ihrem verdammten Handy losreißen.

Ich spähe um die Ecke und beobachte, wie sie im Hotelfoyer auf und ab marschiert. Sie trägt ein hellrosa Kleid und einen pompösen weißen Hut und hat sich aus welchem Grund auch immer in den Kopf gesetzt, ausgerechnet jetzt und hier ihr superwichtiges Telefonat zu führen, direkt vor den Fahrstühlen.

Warum ist sie überhaupt hier? Sollte sie nicht in der Kirche sein? Wenn ich in der Kirche sein sollte, dann sie erst recht. Aber nein, da steht sie, quasselt laut in ihr Handy und versperrt mir den Fluchtweg.

Fluchtweg. Lieber Himmel. Geht’s vielleicht noch ein bisschen dramatischer, Megan?

Tante Susan lacht und dreht den Kopf in meine Richtung. Ich drücke mich an die Wand, um nicht gesehen zu werden. Vielleicht ist das ein Zeichen, ein hellrosa Zeichen, das mir zu verstehen gibt, was für eine blödsinnige Entscheidung das ist und dass ich gefälligst in mein Hotelzimmer zurückgehen und auf den Fotografen warten soll. Wir haben ein Vermögen für den Fotografen ausgegeben. Wir haben für den ganzen Tag ein Vermögen hingeblättert, aber besonders viel für den Fotografen.

Wenn auch nicht so viel wie für das Essen.

Wenigstens kann das noch gegessen werden, oder? Alles andere wäre Verschwendung. Und wir haben es schon vor Wochen bezahlt.

Ich hätte eine Nachricht an den Spiegel heften sollen.

Tut mir leid, dass ich allen den Tag versaue, aber lasst euch auf jeden Fall die Krabbenfrikadellen schmecken!

Allein der Gedanke daran lässt mich zweifeln, aber dann lacht Tante Susan wieder, und zwar so laut und unvermittelt, dass es sich anfühlt, als hätte ich ein Glas kaltes Wasser mitten ins Gesicht bekommen. Nein. Ich gehe nicht zurück. Ich gehe nicht zurück, weil ich von hier wegmuss.

Ich muss weg. Ich muss weg. Ich muss weg.

Ich straffe die Schultern und rede mir ein, von Tatkraft und Entschlossenheit und nicht etwa von Kaffee und Übelkeit erfüllt zu sein, als ich den Fahrstühlen den Rücken zukehre und zum Treppenhaus für Angestellte husche, an dem ich vorhin vorbeigekommen bin.

Ich schwöre, ich hatte keinen blassen Schimmer, was ich tun würde, als ich heute Morgen aufgewacht bin. Ich bin kein Mensch, der alles spontan in letzter Minute erledigt. Normalerweise bin ich eher ruhig und pragmatisch, aber ich kann das einfach nicht. Ich kann Isaac nicht heiraten. Und es ist bestimmt besser, jetzt zu dieser Erkenntnis zu kommen, als in sechs Monaten. Besser jetzt, als ein Leben lang zu wissen, dass ich die falsche Wahl getroffen habe.

Eigentlich war Onkel Ted der Auslöser. Onkel Ted, der vor einer Stunde mit dem Rest meiner Familie anmarschiert kam und mir ein offenes Briefkuvert reichte. Genau so ein Kuvert, wie er es mir seit meiner Kindheit jede Weihnachten und jeden Geburtstag, zur Kommunion und zur Firmung gegeben hat, darin stets eine Karte, die mit seiner schwungvollen Handschrift beschrieben ist, und mehrere knisternde Geldscheine, damit ich über die Runden komme.

In dem Moment, als er mir den Umschlag in die Hand drückte, traf ich meine Entscheidung. Vielleicht hatte ich sogar auf genau diesen Moment gewartet. Weil ich wusste, dass alle versuchen würden, mir meinen Entschluss auszureden, wenn ich zu früh handelte.

Ich habe nur einen abgewetzten alten Rucksack dabei, den ich früher als Schultasche benutzt habe. Meine Mutter war entsetzt, als sie das Ding sah, aber ich behauptete, der Rucksack müsse aus sentimentalen Gründen unbedingt dabei sein. Er enthält nicht mehr als mein Handy, mein Portemonnaie und die Sachen, die ich auf der Fahrt zum Hotel anhatte, aber daran lässt sich nichts mehr ändern. Jetzt gibt’s nur noch eins zu tun, nämlich einfach zu verschwinden.

Leichter gesagt als getan.

Anscheinend kannst du als Braut an deinem Hochzeitstag nicht mal ins Bad gehen, ohne dass dir dabei mindestens drei Leute behilflich sein wollen, und es war einiges an Gequengel und »Ich brauche einfach einen Moment für mich« erforderlich, um endlich mal meine Ruhe zu haben. Wahrscheinlich bleiben mir keine fünf Minuten, bevor mich jemand suchen kommt, und noch dazu trage ich ein voluminöses weißes Kleid. Ich bin sehr leicht zu finden.

Unbeholfen stakse ich die Treppe hinunter, eine Hand ums Geländer gekrampft, und nach einer gefühlten Stunde, in Wirklichkeit wohl eher einer Minute, gelange ich in einen praktisch identischen Flur und folge dem neongrünen Schild, das zum Hinterausgang des Gebäudes weist.

Es ist niemand zu sehen.

Darauf hatte ich gebaut. Alle Gäste sind in der Kirche nebenan, und die meisten Hotelangestellten halten sich im Foyer bereit, um mir beim Hinausgehen zuzujubeln. Auf der Website des Hotels gibt es Bilder, auf denen man sieht, wie sie das machen. Eines der kleinen Extras des Hochzeitspakets. Als ich die Fotos sah, fand ich es nett, aber jetzt bewirkt allein der Gedanke daran, dass ich meine Schritte beschleunige und meine Röcke mit beiden Händen raffe, als sie an meinen Schuhen hängen bleiben.

Ich hätte das alles besser planen sollen. Ich hätte Sneakers einpacken sollen. Ich hätte mit jemandem darüber sprechen sollen.

Ich hätte mal überlegen sollen, ob dieser Ausgang eventuell durch eine Alarmanlage gesichert wird.

Aber das fällt mir erst ein, als ich durch die Doppeltür hinausstürme, und ich ducke mich instinktiv, weil ich das Losheulen einer Sirene oder blinkende Lichter erwarte. Aber nichts passiert. Die Türen fallen hinter mir mit einem dumpfen Laut ins Schloss, und das war’s.

Ich bin draußen.

Mit angehaltenem Atem warte ich ab, ob sich erste Zweifel melden, aber nichts tut sich. Mein Bauchgefühl rät mir, schleunigst zu verschwinden, und mal abgesehen von ein paar Problemen mit Milchprodukten, hat mich mein Bauch noch nie im Stich gelassen. Ich muss bloß ein Taxi finden. Ich muss bloß ein Taxi finden, dann kann ich …

»Verlaufen?«

Ich mache einen Satz. Ich glaube, ich habe sogar vor Schreck gequiekt. Als ich herumfahre, sehe ich, dass direkt neben mir ein Mann steht.

Christian.

Ich starre ihn stumm an. Das Erste, was mir einfällt, das Erste, worauf sich mein panisches Gehirn stürzt, ist: Was zum Teufel hat Christian Fitzpatrick auf meiner Hochzeit verloren? Ich habe ihn nicht eingeladen. Obwohl wir unsere gesamte Kindheit im selben Klassenzimmer gesessen haben, habe ich in meinem ganzen Leben vermutlich keine zwei Worte mit ihm gewechselt, und seit unserer Schulzeit habe ich höchstens mal einen flüchtigen Blick auf den Mann erhascht, wenn er gerade in unserem Dorf zu Besuch war.

Aber ich kenne die Antwort, noch bevor ich die Frage zu Ende gedacht habe. Warum sollte er nicht eingeladen sein? Meine Mutter hat Gott und die Welt eingeladen. Cousins und Cousinen zweiten und dritten Grades, Freunde von Freunden von Freunden. So eine Hochzeit ist das. Wahrscheinlich hat sie die Hälfte der Kinder aufgespürt, mit denen ich mit zwölf im Sommerlager war. Vielleicht sogar alle. Natürlich dürften auch alle, mit denen ich zur Schule gegangen bin, eingeladen worden sein.

Einschließlich Christian Fitzpatrick.

Er steht links von der Tür im Schatten des Gebäudes, in einer Hand sein Handy, in der anderen eine brennende Zigarette. Sein dunkles Haar ist glatt zurückgekämmt, und mir entgeht nicht, dass er eine Krawatte trägt. Ich meine, na klar, es ist meine Hochzeit, aber nicht ein Mal, nicht ein einziges Mal hat er während der Schulzeit die vorgeschriebene Krawatte getragen, und jetzt steht er da, mit einem Exemplar aus blaugrüner Seide um den Hals.

Irgendwie finde ich den Anblick rührend. Als hätte er sich mir zuliebe die Mühe gemacht. Aber dann wandert sein Blick über mein Kleid und bleibt an dem Rucksack hängen, und ich werde nervös. Christian ist nie eine Petze gewesen, aber schon als Kind hat er gern Unfug gemacht, und ich würde ihm ohne Weiteres zutrauen, einfach spaßeshalber Alarm zu schlagen.

Jetzt hebt er den Blick. Ohne eine Miene zu verziehen, führt er die Zigarette zum Mund und inhaliert tief.

O nein. »Christian …«

»Megan.« Er spricht meinen Namen mit leisem Spott aus, als wären wir wieder Kinder auf dem Spielplatz, aber in seiner Stimme liegt keine Schärfe. Wenn überhaupt, klingt er eher erheitert. »Brauchst du Hilfe?«

Ich schüttle den Kopf, und er zieht wieder an seiner Zigarette. Keiner von uns rührt sich.

»Na schön«, sagt er schließlich. »Ich verrate dich nicht, wenn du mich nicht verrätst.«

Als ich ihn verständnislos anstarre, macht er eine Handbewegung mit seiner Zigarette und bläst Rauch aus einem Mundwinkel.

»Nur zu.« Er schaut wieder auf sein Handy und fängt an zu scrollen, als wäre ich nicht da. Als wäre ich nicht gerade im Begriff …

Oh.

Ich warte einen Herzschlag lang, um zu sehen, ob er sich bloß einen Spaß mit mir erlaubt, bevor ich zögernd einen Schritt nach vorn mache, und dann noch einen und noch einen, bis ich mit rasendem Puls an ihm vorbeilaufe.

»Zur Freiheit geht’s in die andere Richtung!«, ruft er mir zu. Ich fahre herum und flitze mit einem gemurmelten Danke noch einmal an ihm vorbei. Das hier wird er nie vergessen. Aber das ist im Moment meine geringste Sorge.

Diesmal spüre ich, dass sein Blick auf mir ruht, als ich am Gebäude entlangrenne, aber ich ignoriere ihn. Gleich hinter der Hausecke finde ich mich auf dem Hotelparkplatz wieder. Er ist voller Autos, aber Menschen sind nicht zu sehen, mal abgesehen von ein paar Taxifahrern, die auf Kunden warten.

Ich springe in den ersten Wagen und schrecke den armen Fahrer auf, der völlig in seine Zeitung vertieft war.

»Was zum …?« Seine Augen im Rückspiegel weiten sich, als ich die Tür zuschlage, und er dreht sich um, um mich genauer anzusehen. »Sie sind die Braut?«

»Nein.« Ich verstaue meine Röcke und ziehe den Reißverschluss meines Rucksacks auf. Rein technisch gesehen ist das keine Lüge. Ich bin keine Braut. Jetzt nicht mehr. »Sind Sie frei? Ich habe genug Geld. Jede Menge Geld. Buchstäblich haufenweise Geld.«

Sein Gesichtsausdruck wird angesichts meines zunehmend hysterischen Tonfalls milder, und er beugt sich nach hinten, um mir beruhigend auf den Arm zu klopfen.

»Keine Sorge, Schätzchen, ich glaube Ihnen.«

»Ich weiß, wie das aussieht, aber …«

»Ich mache den Job seit vierzig Jahren. Meinen Sie etwa, ich hätte noch nie eine Braut, die sich aus dem Staub machen will, in meinem Taxi gehabt?« Er wird wieder geschäftsmäßig und dreht sich nach vorn. »Sagen Sie mir einfach, wo es hingehen soll, und ich bringe Sie hin.«

Ich könnte heulen, weil er so nett ist. »Dublin«, sage ich. »Bitte.« Ich habe unter falschem Namen in irgendeinem Hotel ein Zimmer gebucht, und da will ich bleiben, bis ich wieder mit mir im Reinen bin. Ich kenne niemanden in der Stadt, das heißt, niemand wird dort nach mir suchen.

Aber der Fahrer zögert. »Hm«, macht er. »Ich dachte, Ihnen schwebt so was wie der Bahnhof vor. Nach Dublin, das ist eine ganz schöne Tour, da würde ich gern vorher mit eigenen Augen sehen …«

Ich werfe den Umschlag auf den Beifahrersitz, und der Fahrer ist wie verwandelt.

»Na dann! Spezielle Wünsche, was das Radioprogramm angeht?«

Ich schüttle den Kopf und spähe aus dem Heckfenster, als der Wagen anfährt. Ich weiß selbst nicht, was ich erwarte. Isaac, der mir hinterherrennt? Meine weinende Großmutter? Alles, was ich sehe, sind Autos und die neugierigen Blicke der anderen Taxifahrer. Und obwohl ich immer noch ein schlechtes Gewissen habe wegen der Party und der Lügen und meines ziemlich abrupten Abschieds von dem, was eigentlich der Rest meines Lebens sein sollte, bereue ich nichts. Rein zufällig ist die richtige Entscheidung bei mir ziemlich dramatisch geraten, doch während wir vom Parkplatz fahren, empfinde ich nichts als Erleichterung, das Hotel, die Kirche und meine Zukunft hinter mir zu lassen.

Kapitel 1

Christian

Fünf Jahre später

Der Pub riecht wie ein Fitnessstudio. Genauer gesagt riecht er wie die Umkleide eines Fitnessstudios. Er riecht wie die Umkleide eines Fitnessstudios am ersten Tag nach Weihnachten, nach verschwitzten Körpern und feuchten Handtüchern und zu vielen Menschen auf zu engem Raum. Denn für meinen Geschmack sind es zu viele Menschen auf zu engem Raum. Zu viele laute, aufgeregte Menschen wie die Frau hinter mir, die versucht, sich an meinem Stuhl vorbeizuquetschen, dazu aber anscheinend nicht in der Lage ist, ohne mir ihren Ellbogen in den Rücken zu rammen.

Ich beuge mich vor und greife nach meinem Drink, um ein Stück von ihr wegzurücken, und ärgere mich gleich darauf über die Gruppe neben uns, die in röhrendes Gelächter ausbricht. Dem Aussehen nach Touristen. Sechs Personen mit frischen, jugendlichen Gesichtern, teurer Regenkleidung und zünftigen Wanderschuhen. Deutsche?

»Christian.«

Vielleicht auch Holländer.

»Christian.«

»Was?« Ich reiße meinen Blick von der Touristengruppe los und stelle fest, dass Zoe mich über unseren winzigen Tisch hinweg anstarrt.

»Findest du, ich sollte mir einen Pony schneiden lassen?«

»Einen was?« Wieder jemand, der sich hinter mir vorbeizwängt, wieder ein Ellbogen in meinem Rücken.

»Einen Pony«, wiederholt Zoe.

»Klar«, sage ich zerstreut. »Warum nicht.«

»Nicht zu lang.« Mit todernster Miene deutet sie eine Linie auf ihrer Stirn an. »Ungefähr bis hier.«

»Klingt toll.«

»Aber wird es auch toll aussehen?«

»Woher soll ich wissen, wie … He, pass doch auf!«, fahre ich einen jungen Mann in einem billigen Anzug an, als er mir beinahe sein Glas Wein über den Kopf schüttet.

Zoe runzelt die Stirn. »Ich habe den Verdacht, dass du den Abend trotz meiner fabelhaften Gabe für Konversation nicht unbedingt genießt.«

»Doch, doch, ich genieße ihn«, brumme ich. »Und ich bin überzeugt, ich wäre begeistert von deiner fabelhaften Gabe, wenn ich dich hören könnte, aber das kann ich nicht. Du hast jedenfalls kein Talent dafür, ein anständiges Lokal zum Ausgehen zu finden.«

Ihr bleibt der Mund offen stehen. »Das ist mein Lieblingspub!«

»Er ist brechend voll.«

»Es ist der Lieblingspub von vielen Leuten. Und normalerweise ist weniger los«, fügt sie hinzu. »Liegt wohl daran, dass es regnet.«

Ja, es regnet. Ich kann die fetten Regentropfen sehen, die an das Buntglasfenster über ihrem Kopf klatschen. Das erklärt die klamme Luft und das plötzliche Erscheinen zahlreicher Büroangestellter, die nach ihrem Tag am Schreibtisch alle ein bisschen mitgenommen aussehen.

»Was hältst du von Fransen?«, fragt Zoe.

»Wovon redest du eigentlich?«

»Von meinem Pony natürlich.« Jetzt klingt sie verärgert. Als wäre ich das Problem, nicht die Location. »Hilf mir ein bisschen. Ich dachte, du verstehst was davon.«

»Wie kommst du denn auf die Idee?«

»Weil du echt tolle Haare hast!«, schreit sie. »Schau sie dir doch mal an! Superdicht und weich.« Jetzt sind es die Touristen, die mich anstarren, weil Zoe praktisch brüllt und der ganze Pub sie hören kann.

»Zoe.«

»Schöne Haare sind bei Männern reine Verschwendung«, fährt sie unbekümmert fort. »Genauso wie Wimpern. Warum habt ihr alle so lange Wimpern? Ich zahle fünfzig Euro für meine Wimpernverlängerung, während du einfach so wie eine viktorianische Porzellanpuppe herumläufst.«

Ich verschlucke mich an meinem Bier und stelle das Glas ab, bevor ich den Inhalt verschütten kann.

»Das ist ein Kompliment«, behauptet sie.

Ja, sicher. »Wenn du über eine neue Frisur nachdenkst, überrede doch Molly, sie als Erste auszuprobieren, dann weißt du, wie sie aussieht.«

Sie will schon verächtlich schnauben, als sich ihre Augen plötzlich weiten und sie hastig nach ihrem Handy greift, wahrscheinlich um Molly, ihrer eineiigen Zwillingsschwester, eine Nachricht zu schicken. Besagte Zwillingsschwester ist mit meinem Nicht-Zwillingsbruder Andrew zusammen, und im letzten Dezember beschlossen unsere beiden Familien, Weihnachten gemeinsam in Chicago zu verbringen, wo die zwei leben. Zoe und ich haben einen ähnlichen Sinn für Humor, und es dauerte nicht lang, bis wir uns anfreundeten und viel Zeit miteinander verbrachten. Romantik spielt dabei nicht die geringste Rolle, aber Zoe ist auf eine Art erfrischend, die mir gefällt, und lässt sich von niemandem Vorschriften machen, deshalb komme ich mit ihr besser aus als mit den meisten anderen Menschen. Sie war eine der Ersten, die ich kontaktierte, als ich vor ein paar Monaten nach Dublin zog, und insgeheim war ich erleichtert, auf welch unkomplizierte Art sie mich in ihr Leben hier integriert hat.

Auch wenn es manchmal nicht leicht ist, ihren Gedankengängen zu folgen.

»Hast du eigentlich schon mal an einen Pony gedacht?«, fragt sie jetzt und mustert scharf meine Stirn, aber bevor ich antworten kann, taucht eine Frau in tief ausgeschnittenem Top und extrem engen Jeans neben uns auf und legt ihre Hände auf den freien Stuhl an unserem Tisch.

»Verzeihung?«, sagt sie, schon halb im Begriff, den Stuhl mitzunehmen. »Braucht ihr … Ist das ein Kleinkind?«

Zoe und ich drehen uns zu ihrem fast zwei Jahre alten Sohn Tiernan um, der neben ihr vor einem Tablet sitzt und sich über seine täglich genehmigte Bildschirmzeit freut.

»Ich denke schon«, sagt Zoe langsam. »Es war schon da, als wir gekommen sind.«

»Sie macht Witze«, sage ich, als die Frau Zoe mit großen Augen anstarrt.

»Stimmt«, gibt Zoe zu. »Tut mir leid, ich bin so nervös. Er trifft heute zum ersten Mal seinen Dad.« Sie wirft mir einen schmelzenden Blick zu. »Ich bin ja so froh, dass du gekommen bist.«

Geht das schon wieder los! »Er ist nicht von mir.«

»Ich wollte nur den Stuhl haben«, sagt die Frau hastig.

»Er ist nicht von mir«, wiederhole ich, und Zoe schnieft.

»Wenn Sie uns vielleicht ein bisschen Privatsphäre geben könnten«, sagt sie, und die Fremde eilt mit dem Stuhl zu einer Gruppe Frauen, die sich alle nach einigem Getuschel zu uns umdrehen.

Ich unterdrücke einen Seufzer. »Verlierst du daran denn nie die Lust?«

»Es ist sogar der Grund, warum ich ihn mitnehme.«

»Aber musst du Tiernan wirklich mitnehmen?«

Sie tut so, als würde sie ihrem Sohn die Ohren zuhalten. »Du liebst Tiernan«, tadelt sie mich.

»Natürlich liebe ich Tiernan. Aber jeder denkt, dass ich sein Vater bin.«

»Und?«

»Und«, sage ich, als sie ihm einen Kuss auf den Scheitel drückt, »das macht es ziemlich schwer, jemanden kennenzulernen.«

»Du willst jemanden im Pub kennenlernen? Wie alt bist du eigentlich?«

»Ich …«

»Du kannst Frauen nicht mehr in Pubs anbaggern. Wir wollen das nicht. Wenn heute Abend ein fremder Mann auch nur in meine Richtung gucken würde, würde ich ihn so mit Blicken durchbohren, dass er eine Wurzelbehandlung nötig hätte.«

»Das ist keine Redewendung.«

»Habe ich auch nie behauptet.« Sie lehnt sich zurück. »Du bist heute Abend furchtbar mürrisch.«

Das stimmt. Ich weiß es. Und es liegt nicht an ihr und nicht an ihrem Kind und auch nicht an dem Pub, obwohl der tatsächlich nicht besonders toll ist. Es liegt an mir. Schon seit Monaten bin ich schlechter Stimmung und weiß nicht, warum ich mir eingebildet habe, nach Irland zurückzukehren, wäre die Lösung all meiner Probleme. Wenn überhaupt, hat der Umzug alles nur noch schlimmer gemacht.

»Ich bin bloß müde«, sage ich.

»Soso«, sagt sie, und es ist offensichtlich, dass sie mir nicht glaubt. Aber sie lässt es dabei bewenden, als mein Handy zu summen anfängt. »Wenn das beruflich ist, beschlagnahme ich das Ding.«

Es ist nicht beruflich. Es ist mein älterer Bruder Liam, der mir die übliche Weihnachtswunschliste seiner Kinder schickt. Hut ab vor dieser Voraussicht, kann man da wohl sagen. Wir haben den ersten Dezember, und Liam hat schon alles vorbereitet. Aber er weiß eben, dass ich die Rolle des Lieblingsonkels ernst nehme, deshalb bedanke ich mich schnell bei ihm, bevor ich nachsehe, ob irgendwas von den Sachen sofort bestellt werden muss.

»Mam hat dich zu Weihnachten eingeladen?«, frage ich, während ich nach einem todschicken, wenn auch überteuerten Puppenhaus recherchiere.

»Hat sie«, sagt Zoe. »Aber ich schätze, ich werde in Dublin bleiben.«

Ich sehe sie überrascht an. Zoe ist zwar Mutter, aber sie ist auch der einzige andere Single in unseren beiden Familien, da sie sich für künstliche Befruchtung entschieden hat, um ein Kind zu bekommen. Ich hatte mich darauf gefreut, an den Feiertagen ein bisschen Rückendeckung von ihr zu bekommen. Genau genommen hatte ich mich darauf verlassen.

»Ich dachte, es war der Plan, Weihnachten zusammen zu verbringen.«

»Das war der Gedanke«, korrigiert sie mich. »Aber deine Mutter hat auch ohne mich schon eine ganze Menge Mäuler zu stopfen und mehr als genug zu tun. Ich denke, wir gehen zu meinen Eltern und bestellen beim Chinesen.«

»Aber Molly kommt doch auch«, wende ich ein. »Willst du Weihnachten denn nicht mit deiner Schwester verbringen?«

Zoe zuckt mit den Schultern. »Sie kommt Silvester zu uns. Dieselbe Stimmung, anderer Abend.«

»Es ist nicht annähernd dieselbe Stimmung.«

»Vielleicht nicht bei den Fitzpatricks. Warum machst du so ein Theater? Angst, es könnte ohne mich stinklangweilig werden?«

»Die Angst habe ich immer«, sage ich, ohne eine Miene zu verziehen. »Aber du solltest wirklich kommen, wenn auch nur für den einen Tag. Du kannst mich vor all den Pärchen retten, die …«

»Aha.«

Ich verstumme. Ihr wissender Blick gefällt mir nicht. »Was?«

»Darum geht es also«, sagt sie. »Wieder mal der einsame Junge, wieder mal einsame Weihnachten.«

»Ich bin nicht …«

»Du bist total einsam. Deine Einsamkeit ist wie aus dem Lehrbuch. Warum sonst würdest du mit einer alleinerziehenden Mutter und ihrem zwei Jahre alten Sohn an einem Freitagabend in einem Pub abhängen, den du hasst?«

»Wegen einer Therapiesitzung, schätze ich«, sage ich, aber sie ignoriert mich.

»Du bist ein erwachsener Mann. Du musst Weihnachten nicht nach Hause fahren, wenn du nicht willst.«

»Natürlich will ich.« Die Worte kommen automatisch, und Zoe durchschaut sie sofort.

»Was ist aus dem Mädchen geworden, mit dem du dich getroffen hast?«, will sie wissen. »Naoise. Sie schien nett zu sein.«

»Hat mich wegen eines Rugbyspielers sitzen lassen. Und sie war nicht nett. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mich beklaut hat.«

»Und die Brünette mit den mörderischen Armmuskeln?«

»Konzentriert sich auf ihre Karriere.«

»Als was?«

»Influencerin.«

Zoe presst die Lippen zusammen. »Vielleicht solltest du versuchen, eine Bibliothekarin zu daten. Oder jemanden mit Sternzeichen Stier.«

»Vielleicht sollte ich einfach mein Leben als Junggeselle akzeptieren.«

»Aber du bist einsam.«

»Ich bin nicht …« Ich breche ab, als sie grinst. »Du bist auch Single«, sage ich. »Und du bist nicht einsam.«

»Ich habe nie gesagt, dass Einsamkeit etwas damit zu tun hat, Single zu sein. Du kannst mit jemandem zusammen und trotzdem einsam sein. Und du kannst allein sein und dich trotzdem kein bisschen einsam fühlen. Es hat mich zehn Jahre mit jeder Menge Dates gekostet, bis ich die Sorge, dass irgendwas mit mir nicht stimmt, los war und erkannt habe, dass ich allein glücklicher bin. Und schau mich an. Mir geht’s so gut, dass es fast schon unheimlich ist.«

»Vielleicht bin ich ähnlich«, sage ich. »Vielleicht bin ich auch als Single besser dran.«

»Quatsch.« Zoe schürzt die Lippen. »Nein, du brauchst definitiv eine Freundin. Die andere Hälfte, zwei, die ein Ganzes ergeben, so was in der Art.«

»Und du nicht?«

»Nein.«

»Nein? Nie im Leben?«

»Glaub nicht.« Sie zuckt mit den Schultern. »Ich bin für alles offen, aber ich bin zufrieden, so wie es ist. Außerdem will ich nicht so gebunden sein.«

»Zoe, du hast ein Kind.«

»Ich habe was?«

»Okay.« Ich trinke meinen letzten Schluck Bier und stehe auf, als Zoe den Kopf wendet und Tiernan schockiert betrachtet. »Der Gag ist jetzt offiziell alt.«

»Das ist ein Klassiker«, sagt sie und wischt Schokokrümel vom Mund ihres Sohns. »Klassiker kommen nie aus der Mode.«

Da bin ich anderer Ansicht. »Magst du noch eine Diet Coke?«

»Wenn du mich einlädst.«

»Ich habe die letzte Runde gezahlt.«

»Und du bist ein wahrer Gentleman«, sagt sie honigsüß.

»Tiernan?« Ich bücke mich und schaue ihm in die Augen. Wir haben uns glänzend verstanden, als er ein Baby war, aber nun, da er sich zu einem richtigen menschlichen Wesen entwickelt, schwankt er zwischen zwei Extremen: Entweder hält er mich für die beste Person auf der Welt, oder er ignoriert mich komplett. Heute Abend ist Letzteres der Fall. »Hast du Durst? Möchtest du einen Saft?«

»Saft?«, wiederholt Zoe, und Tiernan bringt ein kurzes Nicken zustande, bevor er sich wieder auf den Bildschirm konzentriert. »Er nimmt einen Whiskey Sour«, sagt sie zu mir.

»Ich kümmere mich drum.«

Ich drehe mich um und kann gerade noch einer Kellnerin ausweichen, die einen Turm aus leeren Gläsern in den Händen balanciert. Sie erwidert meinen Blick mit einem strahlenden Lächeln und wirkt eindeutig interessiert, aber Zoes betontes Räuspern macht alle etwaigen Pläne meinerseits zunichte.

Toll.

Ich wappne mich innerlich für die unvermeidliche Warterei, als ich die Sicherheit unseres Tischs aufgebe und mich unter die Menge vor der Theke mische. Angesichts des Hochbetriebs, der hier herrscht, könnte man meinen, es wäre der einzige geöffnete Pub in Dublin, aber er liegt nun mal mitten im Epizentrum von touristischen Attraktionen und Bürogebäuden. Der Fitnessstudiogeruch wird immer intensiver, aber da mir bewusst ist, dass ich gerade genauso wie die Autofahrer bin, die im Stau stehen und über die anderen Autos meckern, versuche ich, die Nerven zu behalten, und quetsche mich hinter eine Frau, die ihre Bestellung über den allgemeinen Tumult hinwegbrüllt.

Sie sieht genauso mitgenommen vom Regenwetter aus wie alle anderen. Ihr braunes Haar ist fast trocken und fällt in leichten Wellen auf ihre Schultern, aber ihre Bluse ist so nass, dass man den BH-Träger sehen kann, der sich unter dem Stoff abzeichnet. Ich sehe in eine andere Richtung, aber das lenkt meinen Blick auf den Mann neben mir, der alle fünf Sekunden entnervt schnaubt und ein finsteres Gesicht macht, als würde das abgehetzte Personal deshalb schneller arbeiten.

Das alles löst bei mir Kopfschmerzen aus, und nicht zum ersten Mal stelle ich die Entscheidungen infrage, die mich nach Dublin geführt haben.

Ich hatte mir vorgestellt, mittlerweile in einem Wolkenkratzer zu arbeiten, in einem Büro mit viel Glas und einer sensationellen Aussicht, vor mir eine glänzende Zukunft. Und genau dort war ich angelangt. Für eine Weile jedenfalls. Und in diesem Büro sah ich die Sonne auf- und wieder untergehen und saß in meinem ergonomischen Sessel und arbeitete. Ich arbeitete und arbeitete und arbeitete, weil es das war, was man eben tat. Weil es das war, was die Lösung für jedes Problem sein sollte.

Zur allgemeinen Überraschung war ich das Genie der Familie. Ich hatte das nicht gewollt. Ich hatte mich nicht darum bemüht. Ich war es einfach. Die Schule fiel mir leicht. Das College fiel mir leicht. Ich bestand meine Prüfungen mit Bestnoten, flutschte mit meinem Charme durch Bewerbungsgespräche, bekam ein Stipendium für die Wirtschaftsuni, und los ging’s.

Es änderte nichts.

Ich meine, äußerlich änderte sich natürlich einiges. Ich schloss mein Studium ab und bekam gute Jobs. Ich freundete mich mit Leuten an, die zum Skifahren gingen, und datete Frauen mit Namen wie Venetia, die immer viel Geld zu haben schienen, auch wenn sie in winzigen Verlagen arbeiteten, die zweimal im Jahr einen Band mit experimenteller Lyrik herausbrachten. Ich trug schicke Klamotten und ging schick essen und kaufte schicke Sachen. Ich legte meine Boni gut an und spendete für wohltätige Zwecke und tat auch sonst alles, was von jemandem, der Karriere macht, erwartet wird, und trotzdem fühlte ich mich rastlos. Unvollständig.

Alle schienen ihren Platz in der Welt zu kennen, nur ich nicht. Als wären sie in ein großes Geheimnis eingeweiht. Und wie sehr ich mich auch bemühte, immer fühlte sich alles falsch an.

Zoe wollte Mutter werden, also wurde sie Mutter. Meine Geschwister haben ihre Partner. Meine Kollegen haben ihre Karriere, und ich habe ein leeres Apartment, einen Job, an dem ich mit jedem Tag mehr das Interesse verliere, und Freundinnen, die kommen und gehen und so wenig Eindruck hinterlassen, dass ich allmählich glaube, irgendetwas stimmt mit mir nicht.

Wie schön meine Wimpern auch sein mögen.

Wieder klingelt mein Handy, aber ich ignoriere es. Eine Gruppe von Angestellten betritt den Pub und stellt sich zur Menschenmenge an die Theke. Endlich gelingt es mir, Blickkontakt zum Barmann herzustellen, der der Frau vor mir gerade die Rechnung reicht.

Dann passieren zwei Dinge gleichzeitig.

Jemand in der Menge stößt mich nach vorn, und im selben Moment greift die Frau nach ihrem Glas und wendet sich um, den Blick auf ihre Füße gerichtet.

Eine Sekunde lang spüre ich einen warmen Körper ganz nah an meinem und kann den Blumenduft vom Haar der Fremden riechen. Sie ist eindeutig nicht darauf gefasst, dass jemand so dicht hinter ihr steht, und schnappt nach Luft. Das kurze Keuchen verwandelt sich in einen Fluch, als sie gegen meine Brust prallt. Das Glas in ihrer Hand schwankt, und dann landen die 175 Milliliter Rotwein darin direkt auf meinem Hemd.

Kapitel 2

Megan

Heute ist kein guter Tag.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, es ist ein lausiger Tag.

Ist schon in Ordnung. So was kommt vor.

Es ist nur so, dass heute ein großartiger Tag werden sollte. Heute Morgen hätte ich meinen Powerlifting-Kurs haben sollen, und ich liebe meinen Powerlifting-Kurs. Und unsere Rezeptionistin hat heute Geburtstag, sprich: nachmittags Kaffee und Kuchen im Büro. Und nach der Arbeit wollte ich mit Lauren vom Vertrieb Blut spenden, weil Lauren vom Vertrieb Nadeln hasst und beim Blutspenden die ganze Zeit jemanden an ihrer Seite braucht. Als Belohnung für diese lebensrettende Maßnahme wollte ich nach Hause gehen, eine Gesichtsmaske auftragen und mir Die Mumie, dieses cineastische Meisterwerk aus dem Jahre 1999, ansehen und um Punkt zehn Uhr ins Bett gehen.

Ein großartiger Tag.

Aber stattdessen fiel mein Kurs aus, also kein Endorphinschub, mein Meeting dauerte länger als geplant, also kein Kuchen, und dann kam von David, dem Typen, mit dem ich halbherzig schreibe, die Nachricht: Vergiss nicht unser Date heute Abend! Und ich: Nein, natürlich nicht! Nur dass ich unser Date für heute Abend total vergessen hatte, weil ich bloß zugesagt hatte, weil ich mich in der Woche vor der Periode ungeliebt und triebgesteuert fühlte. Statt also mit Lauren zum Blutspenden zu gehen und mich dabei so richtig toll zu finden, schminkte ich mich währenddessen hastig und ließ Lauren vor dem für mich bestimmten »Bleib für den Fall, dass ich ohnmächtig werde, bitte hier« im Stich, weil ich spät dran war, und dann fing es an zu regnen, und als ich endlich in diesem blöden Pub war, kam von David: Bin in der Arbeit aufgehalten worden, und jetzt habe ich zu allem Überfluss auch noch einem Mann ein Glas Rotwein auf sein Hemd geschüttet.

»Tut mir schrecklich leid«, sage ich, während ich sehe, wie sich der Fleck auf seiner Hemdbrust rapide ausbreitet. »Ich zahle die Reinigung. Wenn Sie mir Ihre Nummer geben, dann …«

»Megan?«

Mein Kopf fährt hoch, was ein Fehler ist, weil bei der abrupten Bewegung kleine Pünktchen in meinen Augenwinkeln zu tanzen anfangen, aber trotz des leichten Schwindelgefühls schaffe ich es, den Blick auf den Mann vor mir zu richten, auf diesen irritierend vertraut wirkenden Mann, der aussieht wie …

»Christian?«

Es ist Christian. Christian Fitzpatrick. Hier. In Dublin. Ist schon komisch, denn zum letzten Mal habe ich ihn gesehen, als …

»Hoppla.« Er packt mich am Oberarm, schließt seine warmen Finger um meinen Bizeps und hält mich fest. »Alles in Ordnung?«

»Ja, alles gut …« Nein. Nein, ist es nicht. »Meine Knie sind ein bisschen wackelig.«

»Hast du was genommen?«

»Ja, den Bus hierher …« Ich verstumme, als sich sein Griff verstärkt und er mich aus dem Gewimmel herauszieht. Die Menge teilt sich wie von selbst, und alle starren mich neugierig an, während Christian mich zu einer Reihe von Tischen bei der Theke bugsiert.

»Sie muss sich hinsetzen«, sagt er zu dem Mann, der am ersten Tisch sitzt.

Der runzelt nur die Stirn. »Aber ich …«

»Weg da«, sagt Christian. Er klingt stinksauer, und ich werfe dem Mann ein schwaches entschuldigendes Lächeln zu, als er aufsteht. »Setz dich«, sagt Christian, und das klingt nach einer sehr guten Idee, deshalb setze ich mich hin. Ich fühle mich, als müsste ich mich vielleicht übergeben.

Nein, ich muss mich eindeutig übergeben, und das sieht mir Christian anscheinend an, denn ohne Vorwarnung legt er eine Hand auf meinen Kopf und drückt ihn zwischen meine Knie.

»Tief einatmen«, befiehlt er, und ich kneife die Augen zu und warte darauf, dass sich mein Inneres wieder beruhigt.

»Alles okay mit ihr?«, fragt ein anderer Mann.

»Alles bestens.«

»Zu viel getrunken?«

»Nein«, sagt Christian knapp, und das ist das Ende der Unterhaltung.

War er schon immer so brüsk? Ich kann mich nicht erinnern.

»Megan?«

Nicht dass ich ihn gut kennen würde.

»Bist du mit jemandem hier?«, fragt er. »Freund, Freundin?«

»Ich sollte hier ein Date haben.«

»Soll ich ihn holen?«

»Ich glaube, er kneift. Es ist ein erstes Date.« Ich richte mich langsam auf und stelle erfreut fest, dass sich nicht mehr alles vor meinen Augen dreht. »Tut mir leid. Ich war gerade Blut spenden.«

Christian starrt mich ungläubig an. »Du gehst vor einem ersten Date Blut spenden?«

»Mir ging’s gut, bis es mir nicht mehr gut ging.« Ich versuche es mit einem weiteren Atemzug, und die Welt bleibt, wie sie ist. »Er hat mich versetzt.« Gott im Himmel, ich bin so was von fertig mit diesem Tag. »Das mit deinem Hemd tut mir leid.«

»Das kann man waschen. Aber du solltest …«

»Du hast versucht zu flirten, stimmt’s?« Eine hübsche Blondine mit einem Kleinkind auf der Hüfte taucht neben Christian auf. »Du hast versucht, eine Frau in einem Pub anzumachen, und was ist das Ergebnis? Du hast Wein auf deinem Hemd.«

»Weiß ich«, sagt er.

Der neugierige Blick der Frau wandert zu mir. »Alles okay?«

»Alles gut«, sage ich. »Mir ist bloß schlecht.«

»Ja, er hat diese Wirkung auf Leute.«

»Das ist Megan«, erklärt Christian knapp. »Ich kenne sie von zu Hause.«

»Oh. Cool.« Die Frau lächelt mich an. »Ist sie Bibliothekarin?«

»Okay, danke, das reicht, Zoe«, unterbricht Christian sie, bevor ich etwas dazu sagen kann. »Du gehst schon?«

»Ja, er wird quengelig. Wir sehen uns nächste Woche? Sag Tschüs zu Onkel Christian«, fügt sie hinzu und hält ihm das Kind für einen Abschiedskuss hin, bevor sie sich wieder an mich wendet. »Und es ist bestimmt alles okay?«, fragt sie freundlich.

»Ich muss bloß ein Weilchen sitzen.«

»Ich bleibe bei ihr«, sagt Christian.

»Na gut.« Die Frau lächelt mich noch einmal mitfühlend an, dann schiebt sie sich mit einem letzten Winken durch die Menge und verschwindet.

»Freundin der Familie«, erklärt Christian, und ich nicke, woraufhin mir sofort wieder schwindlig wird.

»Du musst nicht bleiben«, sage ich zu ihm. »Mir geht’s gut, ehrlich.«

»Du siehst aber nicht gut aus.«

»Das ist nun mal mein Schicksal.«

»O Mann.« Wir starten einen Wettstreit im Anstarren, den er gewinnt. »Auf einer Skala von eins bis zehn, wie stark hast du noch das Gefühl, du müsstest dich übergeben?«

»Hm … sieben? Nein, mir geht’s super«, versichere ich hastig. »Wirklich. Ich gehe einfach auf die Toilette und … Okay, du darfst mitkommen.«

Ich erhebe keine Einwände, als er mich am Ellbogen fasst und mir aufhilft. Vor allem, weil ich tatsächlich Hilfe brauche und mich viel zu elend fühle, um mich deshalb zu genieren. Genieren ist ein Problem für die Megan der Zukunft. Die Megan der Gegenwart will bloß in ihr Bett.

Christian geht mit mir zu den Unisex-Toiletten, die … nicht toll sind. Aber sie sind leer, und neben dem Waschbecken steht ein kleiner Korb mit Tampons zum Bedienen, man könnte also sagen, dafür gibt es Pluspunkte. Wenigstens ich finde das. Christian scheint das nicht zu beeindrucken. Er schaut sich um, als könnte man sich hier schon vom Herumstehen eine Krankheit einfangen.

»Ich hole dir ein Glas Wasser«, sagt er und lässt mich los.

»Du musst wirklich nicht …«

Aber er ist schon weg.

Christian Fitzpatrick. Ha.

Ich rühre mich nicht vom Fleck, als die Schwingtür sich schließt, und horche in meinen Magen hinein, ob auch noch alles da ist, wo es hingehört. Als ich mich davon überzeugt habe, zücke ich mein Handy und sehe nach, ob es etwas Neues von David gibt.

Vielleicht ist er tot.

Oder verhaftet worden. Oder … Nein, er hat mich versetzt. Und ich werde den Teufel tun, hier abzuhängen und auf ihn zu warten!

Das war ein Scheißtag, und ich wünsche mir, dass er ein nettes Ende nimmt.

Das heißt: Pizza, Gesichtsmaske und Filme.

Ich wische Davids Profil weg und schreibe meiner Mitbewohnerin. Vielleicht kann sich Frankie für diesen einen Abend vom Labor losreißen und mir Gesellschaft leisten.

Bin im Pub fast ohnmächtig geworden.

Ihre Antwort folgt prompt.

Du musst aber auch immer im Mittelpunkt stehen, was?

Nein, ehrlich, das stimmt, schreibe ich und will gerade zu einer Erklärung ausholen, als sie mich anruft.

»Der Umstand, dass du dich sofort meldest, weckt in mir den Verdacht, dass du nicht so hart arbeitest, wie du solltest«, sage ich zu ihr.

»Ich arbeite überhaupt nicht«, sagt sie unverblümt. »Ich bin bei Claudio.«

»Was? Warum?«

»Um einen Orgasmus zu haben, Megan. Warum sonst?« Frankie ist eine gute Mitbewohnerin, aber eine Katastrophe, wenn es ums Daten geht. Auf jeden Fall eine Serientäterin. Sie flitzt von einem Typen zum nächsten, als wollte sie einen nach dem anderen testen, ob er passt, und in den zwei Jahren, die ich mit ihr zusammenwohne, habe ich sie nie länger als ein paar Wochen mit ein und demselben Mann erlebt. Sie sagt, sie würde sich mit nicht weniger als ihrem Seelenverwandten zufriedengeben. Ich glaube, sie ist einfach nur übertrieben pingelig.

»Hast du nicht gesagt, dass er komisch blinzelt?«, frage ich, während ich die Tampons in ordentliche kleine Reihen lege.

»Das ist wahr. Aber ich habe mich dran gewöhnt. Hast du gewusst, dass er in einem Orchester Horn spielt?«

»Nein.«

»Tut er aber. Weißt du, was das bedeutet?«

»Nein, und falls es etwas mit einem potenziellen Orgasmus zu tun hat, will ich es, glaube ich, lieber nicht wissen.«

»Was ist passiert?«, fragt sie, und ich seufze. Ich tue mir selbst schrecklich leid.

»Nichts. Es war einfach blöd von mir. Ich war nach der Arbeit beim Blutspenden, und dann habe ich mich abgehetzt, und mir ist schwindelig geworden.«

»Du hast geschrieben, dass du in Ohnmacht gefallen bist.«

»Fast in Ohnmacht gefallen«, korrigiere ich sie. »Großer Unterschied.«

»Kleiner Unterschied«, widerspricht sie. »Soll ich nach Hause kommen?«

»Nein. Ich dachte, du lernst. Aber ein Orgasmus ist viel …« Ich blicke auf, als Christian hereinkommt. Seine Augenbrauen schießen hoch.

»… viel wichtiger«, beende ich den Satz und nehme Christian das Glas Wasser mit so viel Würde ab, wie ich aufbringen kann.

»Du bist wichtig«, sagt Frankie bestimmt. »Einen Orgasmus kann ich auch zu Hause haben.«

»Das weiß ich. Ich höre dich die ganze Zeit.«

»Also dann …«

»Nein, Frankie, im Ernst. Ich nehme mir ein Taxi und schaue mir dann zu Hause einen Film an. Ich wollte dir nur einen Vorwand liefern, um dir einen Abend freizunehmen.«

»Aber …«

»Viel Spaß«, sage ich und spähe zu Christian, der eingehend ein Plakat studiert, das einen Karaokeabend ankündigt. »Aber danke für das Angebot, meinetwegen auf Sex zu verzichten. Ich weiß, dass es eine Weile her ist.«

»Ich bin nicht mal sauer wegen dieser Bemerkung, weil sie wahr ist. Schreib mir kurz, wenn du zu Hause bist.«

»Mach ich.«

»Und fall nicht wieder in Ohnmacht.«

»Bestimmt nicht«, verspreche ich und lege auf. Christian dreht sich zu mir um. »Meine Großmutter.«

»Gut, wenn man Kontakt hält«, erwidert er, ohne mit der Wimper zu zucken. Er mustert mich prüfend. Offenbar ist er zufrieden mit dem, was er sieht, denn seine besorgte Miene hellt sich leicht auf. »Du siehst schon besser aus.«

»Wirklich?« Ich fühle mich auch besser, merke ich gerade, und trinke ein paar Schluck Wasser, um auf Nummer sicher zu gehen.

»Die habe ich dir auch mitgebracht«, sagt Christian und schwenkt eine kleine Tüte mit Erdnüssen. »Ich wusste nicht, was am besten hilft.«

»Eisen«, sage ich. Ich habe mir zwei Videos zum Thema »Was nach einer Blutspende zu beachten ist« angeschaut, um nicht einen einzigen der guten Ratschläge zu befolgen. »Aber wahrscheinlich ist ihnen der Spinat ausgegangen.«

»Es ist Freitag, Megan.«

Ich lächle und nehme die Erdnüsse, während mein Blick auf dem Rotweinfleck ruht, der jetzt Christians halbe Brust bedeckt.

»Wenn du mir jetzt noch mal anbietest, die Reinigung zu bezahlen …«

»Hatte ich nicht vor«, sage ich schnell, obwohl ich genau das tun wollte. »Ich glaube, ich fahre nach Hause.«

»Bist du sicher?«

»Ganz sicher.«

Wie aufs Stichwort schwingt die Tür auf und prallt beinahe gegen Christians Hintern. Eine Gruppe junger Frauen kommt herein. Nach einem Blick auf Christian fangen sie an zu kichern, alle beschwipst und gut drauf, aber er scheint es nicht zu bemerken, sondern sieht nur mich an und hält mir die Tür auf. Unsere Blicke treffen sich, als wäre das etwas, das wir jeden Abend machen, dann neigt er leicht den Kopf.

»Ich bringe dich noch raus«, sagt er, und genau das tut er dann auch, indem er mich durch seinen neuen Fanclub und zurück in den Trubel lotst.

»Kommst du öfter her?«, fragt er, als ich in meinen Mantel schlüpfe.

»Du lieber Himmel, nein«, sage ich, bevor ich mich bremsen kann. Mist. Vielleicht ist das sein Stammpub. »Es ist hier ganz nett und so, aber normalerweise … Oh!«

»Megan?«

Ich antworte nicht. Etwas lenkt mich ab, und zwar der Anblick von zwei Personen, die in einer der Nischen in der Nähe rummachen. Eine ist mir völlig fremd, aber die andere … na ja. Keine Ahnung, ob man lachen oder heulen soll.

Blödsinn. Ich werde später garantiert heulen.

Christian folgt verwirrt meinem Blick.

»Wer ist das?«, fragt er, und ich verzichte darauf, ihm eine Lüge aufzutischen, als David sich von der Frau löst, um sich nach einer Kellnerin umzuschauen, und stattdessen mich sieht.

Ein offiziell lausiger Tag.

»Mein Date.«

Kapitel 3

Christian

Ich habe kaum Zeit, mehr als einen kurzen Blick auf den Typ zu werfen, als sich Megan an meine Seite schmeißt, ihre Hand um meine Hüften legt und praktisch mit mir verschmilzt.

»Was zum …«

»Lächeln!«

»Was?«

»Du sollst lächeln!«, zischt sie und zeigt mit dem Finger auf den Mann. »Scheißkerl«, stößt sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Hätte ich mir bei seinem Profil gleich denken können. Suche jemanden, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Was soll das überhaupt …«

Sie zieht scharf den Atem ein, als ich einen Arm um ihre Schultern lege und sie an mich drücke. Ich lächle nicht, sondern werfe dem Idioten, der sie anscheinend verarscht und jetzt noch den Nerv hat, wütend auszusehen, ein höhnisches Grinsen zu.

Aber das Letzte, was ich will, ist eine halbgare Schlägerei mitten in diesem saublöden Pub, sodass ich mich, als der Typ aufsteht, mit Megan im Arm umwende und sie in Richtung Ausgang schiebe.

»Halt«, protestiert sie und verdreht den Hals, um zurückzuschauen. »Ich will …«

»Lass gut sein«, empfehle ich ihr, als er ihr etwas nachruft. »Lass ihn sich aufregen.«

»Ich könnte eine Szene machen«, sagt sie hoffnungsvoll, und fast muss ich lachen, als ich sie nach draußen schubse. Der Regen hat aufgehört, aber er hat ein ganzes Minenfeld von Pfützen hinterlassen und jedes Schlagloch, jeden Rinnstein verstopft. Einige wenige tapfere Seelen trotzen der drohenden Gefahr eines weiteren Wolkenbruchs und drängen sich unter die Markise, unter anderem ein paar Raucher, die ihre Biere mitgenommen haben und sich unterhalten.

»Danke, dass du dich um mich gekümmert hast«, sagt Megan. »Und danke, dass du mich davor bewahrt hast, das Gesicht zu verlieren.«

»Das mit deinem Date tut mir leid.«

»Mir nicht«, knurrt sie und reibt ihre Hände aneinander. Ihr ist offensichtlich kalt.

»Du solltest etwas essen«, sage ich und überlege, ob irgendwo in der Nähe ein Restaurant ist, aber sie steht schon am Randstein und mustert hoffnungsvoll die Autos, die vor der roten Ampel warten.

»Ich esse zu Hause was.«

Ich runzle die Stirn. »Und wie willst du nach Hause kommen?«

»Mit dem Taxi.«

»In Dublin?«

»Vergebliche Liebesmüh, ich weiß.« Wie um ihre Worte zu unterstreichen, setzen sich die Wagen in Bewegung und ignorieren samt und sonders Megans ausgestreckten Arm. Das scheint sie allerdings nicht weiter zu kümmern; sie zückt bloß ihr Handy und öffnet die App einer Mitfahrzentrale. Mir ist dabei gar nicht wohl.

»Sollen wir ein Stück gehen? Hier wirst du kein Glück haben. Nicht um die Uhrzeit.«

»Ich wohne nicht weit weg«, sagt sie. »Ich warte noch fünf Minuten, dann laufe ich.«

Allein?

Unbehagen beschleicht mich, und am liebsten würde ich nervös von einem Bein aufs andere treten. Nein, eigentlich würde ich jetzt am liebsten eine rauchen, aber stattdessen werde ich zappelig und spiele mit dem Feuerzeug in meiner Hosentasche. Der Abend hat gerade erst begonnen, aber es ist Winter, und es ist dunkel, und der Gedanke, dass Megan allein nach Hause stiefelt, gefällt mir einfach nicht. »Ich würde dich lieber begleiten.«

Sie sieht überrascht aus. »Du willst mich nach Hause bringen?«

»Wenn es dir nichts ausmacht.«

»He.« Einer der Raucher löst sich aus der Gruppe und tritt zu uns. »Alles in Ordnung?«, fragt er Megan mit dieser »Belästigt dich der Kerl etwa?«-Stimme.

Ich ärgere mich, aber Megan nickt bloß. »Er ist ein Freund. Trotzdem danke.«

»Sicher?«

»Ganz sicher«, sagt sie mit einem Lächeln. »Schönen Abend noch.«

Der Fremde hebt kurz die Hand zum Gruß und entfernt sich wieder. Ich werfe Megan einen fragenden Blick zu. »Ein Freund also?«

»Bester Freund«, sagt sie. »Das ist eine echte Ehre, also freu dich gefälligst.«

»Dir ist hoffentlich klar, dass ich dich jetzt auf jeden Fall nach Hause bringe. Als dein Freund.«

»Bester Freund.«

»Bester Freund«, wiederhole ich.

Megan zögert. »Das musst du nicht.«

»Aber ich würde es gern tun.«

Sie schaut unschlüssig zur Straße, und ich denke gerade, das war’s, gleich verabschieden wir uns, als sie auf ihr Handy guckt und feststellt, dass die Fahrt, die sie gebucht hatte, soeben storniert wurde.

»Das ist das Gute an schlechten Tagen«, sage ich, als sich ihre Miene verdüstert. »Irgendwann sind sie vorbei.«

Sie steckt das Handy wieder ein und schürzt die Lippen. »Es ist wirklich nicht weit.«

»Dann dauert es ja nicht lang. Bitte«, füge ich hinzu. »Meine Mutter enterbt mich, wenn ich dich jetzt allein losziehen lasse.«

»Wie geht es Colleen?«, fragt sie.

Ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen, wie überrascht ich bin, dass sie sich an den Namen meiner Mutter erinnert. »Gut. Und glücklich in dem Wissen, dass sie ihre Kinder anständig erzogen hat.«

Megan schnaubt und verzieht abfällig das Gesicht, gibt aber schließlich nach. »Na schön. Danke.«

Und dann bringe ich sie nach Hause, einfach so.

Meine Hartnäckigkeit ist mir peinlich, sobald wir auf der Hauptstraße sind. Es ist spät, aber nicht so spät. Es ist diese seltsame Übergangszeit, wenn die Berufstätigen scharenweise heimwärts ziehen und es noch eher früh für die Leute zum Ausgehen ist, und somit mischen sich auf den Straßen Bürokleidung und Minikleider.

Wir umgehen eine Gruppe von jungen Männern mit schicken Markenrucksäcken, unverkennbar Informatiker, und prallen beinahe mit einer Schar Frauen zusammen, die, Zigaretten in den manikürten Fingern, aus einem Pub strömen.

Ich halte den Atem an und starre unverwandt nach vorn, bis sie ein gutes Stück hinter uns sind.

Es ist drei Monate her, seit ich mich selbst auf radikalen Entzug gesetzt habe.

Und es ist echt scheiße.

Es ist mein vierter Versuch, aber so lange habe ich bisher noch nie durchgehalten, und ich bin fest entschlossen, es diesmal zu schaffen. Das Zeug nie mehr anzurühren, obwohl das Verlangen an manchen Tagen so stark ist, dass es mir die Kehle zuschnürt und ich in manchen Nächten nur ein paar Stunden Schlaf finde und manchmal so gereizt bin, dass ich …

»So«, sage ich und zwinge ein Lächeln auf mein Gesicht. »Und was hast du so getrieben, seit du … du weißt schon?«

»Seit ich meinen Verlobten vor dem Altar stehen gelassen habe und auf und davon bin?«

»Genau.«

»Na ja, ich bin nach Dublin gezogen, und jetzt arbeite ich im Marketing«, sagt sie, und ich nicke, denn was soll man sonst machen, wenn dir jemand erzählt, dass er im Marketing arbeitet?

»Und gefällt es dir?«, frage ich höflich.

»Ja.« Und sie klingt so überzeugt, so verdammt begeistert, dass ich sie anschaue, um zu sehen, ob sie mich auf den Arm nimmt.

Tut sie nicht.

»Ich arbeite für ein Unternehmen, das Schimmelentferner auf ökologischer Basis herstellt«, fährt sie fort. »Wir haben schon ein paar Produkte auf den Markt gebracht, aber der Betrieb ist noch recht klein. Meine Chefin hat das Unternehmen vor wenigen Jahren in ihrer Küche gegründet, und jetzt ist die Rede davon, das Geschäft auf den Kontinent auszuweiten. Das Gehalt ist nicht überwältigend, aber ich bin gern dort.« Sie macht eine Pause. »Ich würde sogar sagen, ich liebe meine Arbeit.«

»Du klingst ja selbst erstaunt.«

»Alle haben immer gedacht, ich würde Lehrerin werden.«

»Meine Eltern haben gedacht, ich würde im Gefängnis landen, du bist also besser dran als ich.«

»Dafür hast du ja noch Zeit«, sagt sie freundlich und zieht den Reißverschluss ihrer Jacke hoch. »Und du? Wohnst du schon die ganze Zeit in Dublin?« Sie klingt skeptisch, wofür ich Verständnis habe. Dublin ist eine Hauptstadt, aber eine kleine, und normalerweise trifft man hier ständig Leute, die man kennt.

»Ich bin erst vor Kurzem hergezogen«, erkläre ich. »Von London. Meine Firma hat einen Ableger in Irland eröffnet und mich als Leiter eingesetzt.«

»Die Idioten.«

»Wem sagst du das.«

»Und wie läuft’s?«

Ich zucke die Achseln. »Ganz gut, schätze ich. Bis jetzt hat man mich noch nicht gefeuert.«

»Gefällt dir die Arbeit?«

»Mir gefällt das Geld.«

»Ach so. Arbeiten, um zu leben, was?«

»Genau.«

»Und wofür lebst du?« Ihre Stimme klingt unverhohlen neugierig, und ich habe einen totalen Flashback. Kein Déjà-vu, kein vages »Das kommt mir bekannt vor«, nein, eine kristallklare Erinnerung an die sieben Jahre alte Megan, wie sie in der Klasse sitzt und die Hand hebt, die Stirn in Falten gelegt, und mit ihrem ewigen »Warum?« nervt.

Mir ging das total auf den Geist.

Aber jetzt empfinde ich so etwas wie Zuneigung für die Frau an meiner Seite, weil es irgendwie tröstlich ist, dass sich ihre Art in all den Jahren nicht geändert hat.

»Das versuche ich immer noch zu ergründen«, antworte ich wahrheitsgemäß, und sie nickt bloß, während wir eine Kreuzung überqueren und in diesen Übergangsbereich zwischen Stadt und Peripherie gelangen. Es ist nicht unbedingt der attraktivste Teil Dublins. Ich könnte nicht sagen, ob die Gegend hipstermäßig runtergekommen oder einfach nur runtergekommen ist, aber Megan scheint sich hier auf jeden Fall auszukennen.

»Wie geht es den anderen?«, fragt sie. »Was macht Liam?«

»Verheiratet«, sage ich und denke an meinen ältesten Bruder. »Zwei Kinder. Beide geradezu unnatürlich normal und ausgeglichen, schlagen also nach ihrer Mutter. Andrew lebt mit seiner Freundin in Chicago. Und Hannah geht aufs College und studiert Mode.«

»Sie geht schon aufs College?« Megan schneidet eine Grimasse. »Jetzt fühle ich mich alt.«

»Und deine Familie?« Ich weiß, dass es nur ihre Mam und ihren Bruder gibt, aber ich kann mich ums Verrecken nicht an seinen Namen erinnern. »Wie geht es …«

»Aidan«, ergänzt sie. »Er lebt in Melbourne. Frag mich nicht, was er da macht, es hat irgendwas mit Software für eine andere Software zu tun, und das Unternehmen ist so ein kultiges, bei dem er ein halbes Jahr lang Vorstellungsgespräche hatte, und jetzt lassen sie ihn nicht mehr weg. Jedes Mal, wenn er es versucht, legen sie ein neues Computerspiel oder so was nach. Er ist wie eine Elster, nimmt alles mit, was geht.«

»Kommt er Weihnachten her?«

»Jawoll«, sagt sie. »Große Wiedervereinigung.«

Ihre Stimme klingt leicht angespannt, und ich spähe aus den Augenwinkeln zu ihr. »Ihr versteht euch nicht?«

»Doch, doch«, sagt sie schnell. »Aidan ist super. Anstrengend, aber super. Ich freue mich auf ihn. Ich bin bloß ein bisschen nervös, weil ich nach Hause fahre. Ist eine Weile her.«

»Wie lange?«

»Zu lange«, sagt sie, und es dauert eine Sekunde, bis ich verstehe, was sie meint.

»Im Ernst? Seit der Hochzeit?«

»Es sind nicht unbedingt alle gut auf mich zu sprechen.«

»Aber das ist Jahre her.«

»Weiß ich«, sagt sie gereizt, und ich verstumme, während ich versuche, mir in Erinnerung zu rufen, was damals nach ihrem Abgang passiert ist. Viel fällt mir nicht ein, wenn ich ehrlich bin. Ich war an dem Tag sowieso schon verkatert und erinnere mich nur noch daran, dass eine Menge Leute herumstanden und aufgeregt tuschelten. Abgesehen davon, wie sehr es mich aufmunterte, dass endlich mal etwas Außergewöhnliches passiert war, hatte ich kaum mehr darüber nachgedacht, außer …

Na ja.

Mein Blick fällt auf Megan, die gerade auf den Knopf an der Fußgängerampel drückt, damit wir die Straße überqueren können, und auf einmal sehe ich sie in ihrem Brautkleid so deutlich vor mir, als wäre es gestern gewesen. Ich schwöre, jetzt, in diesem Moment, kann ich immer noch spüren, wie warm es an jenem Nachmittag war, wie eng mein Anzug saß. Ich hatte mich aus der Kirche zurück zum Hotel gestohlen, um ein paar Minuten für mich zu haben, und mehr wollte ich gar nicht, dachte ich, bis Megan durch die Tür gestürmt kam wie ein Tornado.

Ein Tornado in Stilettos, aber ein Tornado.

Es war der Augenblick, in dem sie von jemandem, den ich kaum kannte, zu einer der interessantesten Personen in meinem Leben wurde. Um gleich darauf zu verschwinden.

»Ich habe Mam versprochen, dieses Jahr zu kommen«, sagt sie und holt mich in die Gegenwart zurück. »Aber bei der Aussicht, in Isaac oder gewisse andere Leute hineinzulaufen, zerbreche ich mir dauernd den Kopf, wie ich mich davor drücken könnte.«

Isaac. Der Ex. Noch jemand aus meiner Schulzeit. Wenn auch nicht so hübsch wie Megan.

»Er lebt immer noch dort?«

»Soweit ich weiß, ja«, sagt sie. »Unsere Eltern sind nach wie vor befreundet.«

»Kannst du deinen Besuch nicht auf ein Minimum verkürzen? Mitten in der Nacht ankommen und so bald wie möglich wieder abhauen?«

»Vielleicht. Wenn Aidan nicht käme, würde ich es vielleicht machen. Aber er kommt nun mal, und Mam will eine ganz große Sache daraus machen, und …« Sie seufzt. »Du hast recht. Es wird bestimmt nett. Es ist Jahre her, aber ich habe Angst, wenn ich erst mal da bin, wird es mir vorkommen, als wären keine fünf Minuten vergangen. Und mein Therapeut wäre gar nicht begeistert, wenn ich kneife. Er findet, dass ich große Fortschritte gemacht habe, und mir liegt sehr viel daran, seine Lieblingspatientin zu bleiben.«

»Verständlich«, stimme ich ihr zu. »Aber, he, ich darf eigentlich nicht mitreden. Ich spiele auch mit dem Gedanken, nicht nach Hause zu fahren.«

»Zu Weihnachten? Warum das?«

»Ach, du weißt schon …« Ich versuche, eine Erklärung zu finden, die mich nicht bemitleidenswert dastehen lässt. »Familie.«

Sie wartet, dass ich noch mehr sage, und nickt weise, als ich schweige. »Familie kann heftig sein«, bemerkt sie.

»Und ob.«

Kurzes Schweigen. »Allerdings nicht so heftig wie das mit mir.«

»Nein.« Ich unterdrücke ein Lächeln. »Die durchgebrannte Braut kann niemand toppen.«

»Wir könnten zusammen Weihnachten feiern. Jeweils die Ausrede für den anderen sein.«

»Ausrede?«

»Ja. ›Mein Freund will, dass ich in Dublin bleibe‹, so was in der Art. Wir könnten uns Essen bestellen. Filme gucken. Wein trinken bis zum Abwinken.« Sie klingt sehnsüchtig. »Kein blödes Getue. Keine falsche Fröhlichkeit.«

»Keine Fragen über Entscheidungen fürs Leben …«

»Oder den Partner fürs Leben«, fügt sie hinzu. »Nur all die guten Sachen und nichts von den schlechten. Ein Weihnachtsfest für schwarze Schafe.«

»Sind wir das denn?«

»Ich kaufe uns eine Eistorte«, sagt sie nur und überquert mit mir die Straße.

Im Gehen erzählt sie noch mehr von der Arbeit, und nach wenigen Minuten bleibt sie vor einem kleinen zweistöckigen Haus stehen.

Ein leises Summen ist von der Straßenlaterne zu hören, derselben Laterne, die einen gespenstischen gelblichen Lichtstreifen auf den kleinen Fleck Gehsteigpflaster wirft, auf dem wir stehen. Der Rest der Straße ist dunkel. Ich spähe nach rechts und links, aber Megan wirkt völlig unbekümmert, als sie einen flauschigen rosa Schlüsselring aus ihrer Tasche zieht und auf die Tür zeigt.

»Da wohne ich«, sagt sie.

»War nett, dich zu treffen.«

»Ja.«

»Liebe Grüße an deine Familie, ja?«

»Klar. Und grüß deine auch von mir.«

Es ist eindeutig das Ende des Gesprächs, aber sie rührt sich nicht, spielt mit ihren Schlüsseln und schaut mich unter der geraden Linie ihrer Brauen an. Ich bin dabei, mir meinen Heimweg zu überlegen, und will mich schon verabschieden, als sie den Mund aufmacht und jeden Gedanken in meinem Kopf auslöscht.

»Kommst du noch mit rauf?«

Ich erstarre, und ich schwöre bei Gott, Megan selbst scheint über ihre Frage überrascht zu sein, aber sie nimmt ihr Angebot nicht zurück. Sie wird nicht rot und macht keine Ausflüchte. Sie wartet einfach, während sie immer noch mit ihren Schlüsseln spielt, immer noch zu mir heraufspäht. Und ich schaue sie zum ersten Mal an diesem Abend richtig an.

Aber nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass Megan O’Sullivan ziemlich heiß ist. Eigentlich sogar richtig schön. Das war sie schon immer. Graublaue Augen, fein geschnittene Gesichtszüge. Ihr braunes Haar fällt immer noch in demselben Schnitt, den ich von früher in Erinnerung habe, auf ihre Schultern, aber im Schein der Straßenlaterne sehe ich rötliche Strähnchen schimmern.

Sie hat so was schon mal gemacht. Das erkenne ich an dem Selbstbewusstsein, mit dem sie auf meine Antwort wartet. Und dieses Wissen ist es, das mir bei meiner Entscheidung hilft. Das und das leise Kribbeln in meinem Inneren, das mich bewogen hat, sie nach Hause zu bringen, die unbezwingbare Neugier, die noch nicht befriedigt ist.

Die sagt: Scheiß drauf.

»Gern.«

Kapitel 4

Megan

O nein.

O – nein.

Vielleicht hat man mir mehr Blut abgezapft, als ich dachte.

Das ist die einzige Erklärung für das, was gerade passiert ist.

Kommst du noch mit rauf? Kommst du noch mit rauf und hast Sex mit mir, Christian Fitzpatrick? Dann bitte hier entlang. Komm rein. Herzlich willkommen.