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Globalisierung und Digitalisierung werden unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus bestimmen. Deutsche Firmen stehen vor einer gewaltigen Herausforderung im sich weiter zuspitzenden internationalen Wettbewerb. Sie werden diese Herausforderung nur bewältigen können, wenn die Politik den Unternehmen passgenaue Rahmenbedingungen schafft – und das ist auch nötig! Nur so können wir unseren Wohlstand auf Dauer sichern. Nur dann bietet sich die Chance für ein neues Wirtschaftswunder. Dieses Buch weist den Weg. Mit Beiträgen von Unternehmern und Politikern, darunter Christoph Gerlinger, Frank Gotthardt, Wolfgang Grupp, Thomas Jarzombek und Dr. Carsten Linnemann. Globalisierung und Digitalisierung werden unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus bestimmen. Deutsche Firmen stehen vor einer gewaltigen Herausforderung im sich weiter zuspitzenden internationalen Wettbewerb. Sie werden diese Herausforderung nur bewältigen können, wenn die Politik den Unternehmen passgenaue Rahmenbedingungen schafft – und das ist auch nötig! Nur so können wir unseren Wohlstand auf Dauer sichern. Nur dann bietet sich die Chance für ein neues Wirtschaftswunder. Dieses Buch weist den Weg. Mit Beiträgen von Unternehmern und Politikern, darunter Christoph Gerlinger, Frank Gotthardt, Wolfgang Grupp, Thomas Jarzombek und Dr. Carsten Linnemann.
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Seitenzahl: 149
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Alexander Bode | Martin Pätzold (Hg.)
Wirtschaftswunder 4.0
Wie Politik und Unternehmen den Weg ins digitale Zeitalter meistern
Die Herausgeber danken der Compugroup Media SE, der IFOK GmbH, der German Startups Group Berlin GmbH & Co. KGaA und der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für ihre freundliche Unterstützung bei der Entstehung dieses Buches.
© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016
Alle Rechte vorbehalten
www.herder.de
Umschlaggestaltung: Christian Langohr, Freiburg
Bilder alle © privat
außer 1 und 2: © Tobias Koch, 3: © Steven Vangermain
E-Book-Konvertierung: Daniel Förster, Belgern
ISBN (E-Book) 978-3-451-80866-1
ISBN (Buch) 978-3-451-37687-0
»Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen!«, so lautet die provokante These von Christoph Keese, der als Autor ein Jahr lang im Silicon Valley gelebt und seine Eindrücke in einem Bestseller verarbeitet hat. Dabei steht diese Aussage in einem vermeintlichen Widerspruch zu den Erfolgsmeldungen aus Wirtschaft und Politik. Seit Jahren geht es scheinbar aufwärts: Neue Umsatz- und Erlösrekorde der großen Konzerne, sinkende Arbeitslosenzahlen, ausgeglichene Haushalte, Berlin etabliert als Start-up-Metropole, hohe Nachfrage weltweit nach deutscher Technologie – die Erfolgsmeldungen erscheinen fast schon wie ein Märchen. Deutschland im Jahr 2016 mitten in einem neuen Wirtschaftswunder?
Auf der anderen Seite gibt es aber alarmierende Frühindikatoren, der Börsenwert der DAX-30-Unternehmen ist nicht mal so hoch wie der von Google, Apple und Microsoft zusammen. Das jüngste DAX-Unternehmen SAP ist älter als 40 Jahre, die Zahl der Vollerwerbsgründungen in Deutschland ist seit Jahren stark rückläufig – und das branchenübergreifend. Unser erfolgreicher Mittelstand setzt weiterhin eher auf kontinuierliche Verbesserung der Produktion und Produkte als auf disruptive Innovation der Geschäftsmodelle, die Verwertbarkeit von Daten ist immer noch zu strikt reguliert, die Finanzierung innovativer Start-ups mit Wagniskapital liegt weit hinter den notwendigen Forderungen, und schließlich ist der Staat selbst noch viel mehr analog als digital unterwegs – Deutschland also auf dem Weg in die nächste Wirtschaftskrise?
Wir denken nicht, aber der Wirtschaftsstandort Deutschland kann sich weitere Lethargie in Zeiten des digitalen Wandels nicht leisten, will er mit der Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Dynamik weltweit Schritt halten. Eine blühende Start-up-Szene ist für die Innovationsfähigkeit, die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze, die Generierung von Steuereinnahmen, die Bildung unternehmerischer Vermögen und somit für den langfristigen Wohlstand maßgeblich. Die Zutaten dafür sind innovative Unternehmensgründungen, die Förderung von Eigenverantwortung und Unternehmertum sowie politische Rahmenbedingungen, die der Wirtschaft Freiraum lassen, auch mal etwas Neues auszuprobieren, selbst wenn es noch nicht perfekt ist. Es sind gerade die innovativen Gründer und Unternehmer, die mit ihren neuen Ideen und ihrer unternehmerischen Risikobereitschaft langfristig den Wohlstand unserer Gesellschaft sichern. Die großen Unternehmen von heute haben vor vielen Jahren als Start-up begonnen und waren in der Regel geprägt durch mutige Unternehmerpersönlichkeiten.
Wie groß die Bedeutung von innovativen Start-ups für bestehende Unternehmen ist, zeigt der Aufbau von Inkubatoren, also Gründungszentren, die Unternehmen bewusst außerhalb ihrer eigentlichen Unternehmensorganisation ansiedeln. Etablierte Unternehmen profitieren dabei vor allem von der Geschwindigkeit, die Start-ups aufweisen, von einer Kultur, in der Neues entstehen kann, und nicht selten lässt sich das schrumpfende traditionelle Unternehmensgeschäft auf diese Weise auffangen. Die jungen Internetunternehmen von heute werden aller Voraussicht nach die etablierten Konzerne von morgen sein. Dabei ist die deutsche Ausbildung, Kreativität und Innovationskraft prädestiniert für das Hervorbringen von Big Playern in der Internet- und Technologiebranche.
Deutschland hat Talente, aber im weltweiten Wettbewerb sind wir nicht in allen Bereichen führend. Deutschland verfügt auch über einen exzellenten Lebensstandard und gute infrastrukturelle Voraussetzungen. Dies macht den Standort für kreative Köpfe attraktiv, sofern sie hier auch gute Entwicklungsmöglichkeiten geboten bekommen. Zum einen schlummert in der Seele ein auf Nachhaltigkeit zielender Unternehmergeist, der nicht zuletzt durch die weltweite Bekanntheit des »German Mittelstands« belegt wird. Zum anderen ist der Begriff »German Engineering« ein Prädikat, das seit mehr als einhundert Jahren für technische Expertise und Fortschritt steht.
Darüber hinaus müssen auch die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen. Ein wettbewerbsfähiger Staat versteht die Menschen als seine Kunden, er denkt in Prozessen und Ergebnissen – nicht in Aufgaben und Zuständigkeiten. Dabei müssen wir vermeintliche Hürden, wie beispielsweise unsere hohen Ansprüche an Datensicherheit und -schutz, als Chance nutzen und zum Exportschlager machen. Für den Erfolg aller E-Government-Aktivitäten braucht es den unbedingten politischen Willen auf allen staatlichen Ebenen.
Wir sollten jetzt die Gelegenheit der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland nutzen, Deutschland langfristig zu stärken. Dies geht nur mithilfe zukunftsweisender Investitionen in Bildung und Infrastruktur und einer umsichtigen Wirtschaftspolitik, die als sinnvoller Förderer der Wirtschaft für die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze sorgt, anstatt über immer neue Restriktionen sowie Berichts- und Meldepflichten weitere Verwaltungskosten zu verursachen.
Damit kann Deutschlands Aufstieg zum Wirtschaftswunder 4.0 beginnen. Für dieses Wirtschaftswunder müssen Politik und Unternehmen gemeinsam daran arbeiten, die digitale Transformation erfolgreich zu bestreiten.
In sieben Kapiteln werden in diesem Buch die unterschiedlichen Sichtweisen von Politikern und Unternehmern dargestellt. Es werden viele Gemeinsamkeiten sichtbar, jedoch ist hin und wieder das Verständnis für Entscheidungsprozesse auf beiden Seiten nicht gleich. Der gemeinsame Nenner lautet: Für ein wettbewerbsfähiges Deutschland in einer digitalen Welt mit erfolgreicher Wirtschaft und effizienter Verwaltung muss sich einiges ändern – und zwar jetzt! Das Buch soll einen Denkanstoß bieten, schließlich geht es besonders für die junge Generation um die existenzielle Frage: »Wie können wir auch in 50 Jahren noch unseren Wohlstand sichern?«
Alexander Bode, Martin Pätzold
Berlin, im September 2016
Auf die Vernetzung der Menschen im Internet (Social Web 2.0) folgt die Vernetzung der Maschinen im »Internet der Dinge«, in Deutschland auch unter dem Begriff »Industrie 4.0« bekannt. Längst ist die Digitalisierung kein Selbstzweck mehr, sondern ist der Ermöglicher für Produktivitätssteigerungen und eine konsequente Ausrichtung der Wirtschaft an den Bedürfnissen in der Gesellschaft. Die Digitalisierung ist daher nicht nur als Technologisierung zu verstehen, sondern ist das Ergebnis einer sich wandelnden Gesellschaft. Die Unternehmen müssen darauf mit einem eigenen Wandel ihrer Organisation reagieren und neue innovative Geschäftsmodelle entwickeln.
Der IT-Sektor wird der Wirtschaftsbereich des 21. Jahrhunderts sein, von dem bedeutende Innovationen ausgehen werden. Er bietet somit die strukturelle Grundlage für die Unternehmen der Realwirtschaft, die digitale und die reale Welt werden zunehmend verschmelzen. Dabei sind die Daten, die durch Menschen und Maschinen erzeugt werden, der Rohstoff der Zukunft. Erfolgreich werden vor allem die Unternehmen sein, denen es gelingt, die realen Produkte mit digitalen Anwendungen zu verbinden.
Neue Produktionstechnologien in einer Industrie 4.0 werden hier zu Veränderungen in den Wertschöpfungsketten führen. Dies hat wiederum massive Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen – Stichwort »urbane Produktion« –, führt aber auch zu enormen Verschiebungen im aktuellen globalen Gefüge. Erste Experimente einer vollautomatisierten Schuhproduktion führen zu einer Rückverlagerung von Produktion an den Standort Deutschland und erlauben darüber hinaus ein bisher nicht dagewesenes Maß der Individualisierung, bei gleichzeitigen Massenproduktionsvorteilen.
Für die Politik leiten sich aus diesem Verständnis ganz neue Anforderungen für die Regulierung und Gesetzgebung ab. Auch der politische Raum kann sich dem gesellschaftlichen Wandel in einer digitalen Welt nicht entziehen. Entscheidungsprozesse müssen agiler und transparenter werden. Die digitalen Technologien bieten umgekehrt aber viele Chancen, gerade aus gestalterischer Sicht, die Wirtschaft durch geeignete Maßnahmen auf dem Weg im 21. Jahrhundert positiv zu begleiten.
»Digitalisierung – das wird das Unwort des Jahres«, so spottete ein Redner bei der re:publica 2016, Deutschlands größter und wohl populärster Internet-Konferenz. Sein Spott galt dabei nicht dem Konferenzprogramm, sondern vielmehr der Präsenz des Themas in der öffentlichen Debatte. Denn ganz gleich ob Internet-Konferenz, Flüchtlingsgipfel, Bürgerfest oder Hannover-Messe: Die Digitalisierung dominiert die Agenden. Sie findet 2016 überall statt, wird überall diskutiert und hängt wie eine Wolke über Deutschland.
Eigentlich kommt die Digitalisierung nicht überraschend. Mit der Entwicklung moderner Speichermedien war es eine Zeitfrage, wann digitale Technologien nicht nur die Arbeit von Militär und Eliten unterstützen, sondern auch breit für kommerzielle und private Zwecke genutzt werden würden. Dennoch trifft die Digitalisierung viele Unternehmen wie ein Blitz – völlig unvorbereitet mit ihrer Wucht und Dynamik. Diese Dynamik beschreibt sich eindrücklich in Zahlen: Seit 2008 gibt es mehr miteinander verbundene Geräte als Menschen auf der Erde, 2020 werden es vermutlich 50 Milliarden verbundene Geräte sein [Statista 2015]. Die Menge an Daten und Informationen, die wir über das Internet teilen, steigt täglich. 2015 entsprach das täglich generierte Datenvolumen etwa zehn Millionen Blu-ray Discs – aufeinander gestapelt hätten die Datenträger eine Höhe von vier Eiffeltürmen [Wirtschaftswoche 2015].
Eine Herausforderung der Digitalisierung besteht in der exponentiellen technischen Entwicklung: Die Sprünge sind so groß, dass ein lineares Extrapolieren früherer Erfahrungen nicht mehr funktioniert. Zukunftsprognosen nach dem Prinzip »die vergangenen zehn Jahre ist dieses passiert, also wird die kommenden zehn Jahre wohl jenes passieren« sind folglich nicht mehr möglich. Immer mehr Menschen wirken an der Weiterentwicklung von Technologie aktiv, also entwickelnd mit. Das bedeutet höhere Geschwindigkeit, mehr Komplexität und völlig neue digitale Geschäftsmodelle. Und so vermag heute bereits niemand mehr zu sagen, wo uns die Entwicklungen in den kommenden drei Jahren hinführen werden. Klar ist: Die Vielzahl an technologischen Möglichkeiten wird die Art, wie wir leben, arbeiten und wirtschaften, massiv verändern. Für Unternehmen ist diese Unsicherheit die zentrale Herausforderung der Digitalisierung. Allen ist klar, die Welt um uns herum wandelt sich. Aber niemand weiß wohin. Wie stellt man sich dafür auf? Wie bereitet man eine Organisation darauf vor?
An vielen Stellen macht sich Hektik breit, entfacht und angetrieben von der Sorge, den Anschluss zu verpassen: Wird uns die Digitalisierung überrennen, abhängen, verdrängen? Die Folge ist öffentlich beobachtbarer Aktionismus. Es werden Tools angeschafft, Digitalisierungsprojekte gestartet und Experimentierinseln und -labore ausgestattet. Dabei machen Organisationen das, was viele am besten können: Sie kreisen um sich selbst. Anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, wie die Digitalisierung das Umfeld verändert – also Kundenverhalten, Mitarbeiterbedürfnisse, Wettbewerbsstrategien –, wird die eigene Organisation nach außen sichtbar auf den aktuellen (und damit einen bald schon überholten) technologischen Stand gebracht. Studien zeigen: Grundsätzlich herrscht in der deutschen Wirtschaft Optimismus mit Blick auf die Digitalisierung, aber noch findet die Auseinandersetzung – insbesondere des deutschen Mittelstands – zögerlich und oftmals nur oberflächlich statt [Commerzbank 2015].
Die Digitalisierung startet in vielen deutschen Unternehmen mit produktionsnahen Fragen: Industrie 4.0. Dabei sollen sogenannte »cyber-physische Systeme«, bei denen Software mit mechanischen und elektronischen Elementen über eine Dateninfrastruktur wie z. B. das Internet kommunizieren, vollständig automatisierte und durchgängige Prozesse ermöglichen. So könnte sich ein Produktionsauftrag einmal vom Kunden ausgelöst künftig selbstständig durch die Wertschöpfungskette steuern. Für Unternehmen verbindet sich mit dieser Vision die Hoffnung auf eine höhere Effizienz durch weitere Automatisierung. Zudem stellt die quasi unmittelbare Andockung der Produktion an den Kunden größere Flexibilität in Aussicht. Auf dem Weg ist natürlich noch die ein oder andere Frage zu klären: Angefangen bei der Datenerhebung, -aufbereitung und -vernetzung über Sicherheitsfragen bis hin zur Gestaltung der Mensch-Maschine-Interaktion und neuen Rollen und Berufsbildern. Wille und Zuversicht, diese Frage zeitnah zu lösen, spiegeln sich in der Investitionsbereitschaft der Industrie: Bis 2020 liegt das erwartete jährliche Investitionsvolumen der deutschen Wirtschaft in Industrie 4.0 bei 40 Milliarden Euro. Das entspricht im Durchschnitt rund 3,3 Prozent des jährlichen Umsatzes [PWC 2014].
Auf eine große Herausforderung wird mit großen Budgets geantwortet. Die Frage aber ist: Reicht die Digitalisierung von Produktion und Vertriebskanälen aus? Sind weitere Effizienzvorteile ausreichend angesichts des steigenden Wettbewerbs- und Innovationsdrucks, den die Digitalisierung neben allen Chancen auch mit sich bringt?
Der frühere Personalvorstand der deutsche Telekom Thomas Sattelberger sagt: »Ich halte die Verengung auf Industrie 4.0 für den deutschen Kastraten der Digitalisierung. Damit sind wir auf dem Holzweg« [Goodimpact 2016]. Dahinter steckt wohl auch der Blick auf den steigenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck. Die Amerikaner setzen auf Smart Services und digitale Plattform-Märkte, also auf Geschäftsmodelle, die keine großen Anfangsinvestitionen benötigen und daher schnell starten und wachsen [Brandeins 2016]. Die addierte Marktkapitalisierung von Facebook, Google, Amazon und Apple ist höher als der Wert aller deutschen DAX-30-Unternehmen zusammen (stark gerundet: 1,4 Billionen versus 1,1 Billionen US-Dollar im Juni 2016, siehe Finanzen.net 2016). Auf der anderen Seite des Erdballs kaufen die Chinesen fleißig Wissen und Know-how ein und steigern so sukzessive ihre Qualität im Maschinen- und Anlagenbau [German Trade and Invest 2014]. Deutschland befindet sich in einer Sandwich-Position und gerät als Produktionsstandort durch neue Wettbewerber und Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck. Die Fokussierung auf die technologische Dimension von Industrie 4.0 reicht deshalb nicht aus. Deutsche Unternehmer müssen ihren Blick weiten und sich öffnen für neue Formen der Zusammenarbeit und Wertschöpfung.
Digitalisierung bedeutet vor allem eines: Vernetzung. Und damit sind nicht primär technische Herausforderungen verbunden. Die Digitalisierung wird nahezu jede Form von Beziehung verändern, die ein Unternehmen führt. Die Beziehung zum Kunden, zum Lieferanten, zum Wettbewerber und zum Mitarbeiter, aber auch innerorganisationale Beziehungen wie etwa zwischen Führungskraft und Mitarbeiter sowie Mitarbeitern untereinander werden sich wandeln. Zunehmende Vernetzung schafft Transparenz, macht Informationen zugänglich und baut Wissensmonopole und -hierarchien ab. Der Gedanke des »Sharing«, also des Teilens von Informationen und Wissen, ist darin begründet und legitimiert. Denn: In einer Welt, in der Informationen für jeden zugänglich sind, ist das Zurückhalten von Wissen kein Wettbewerbsvorteil mehr. Die zunehmende Vernetzung forciert damit geradezu den Austausch und die Zusammenarbeit in der Organisation (losgelöst von Bereichen und Hierarchien) sowie über Organisationsgrenzen hinweg.
