WitchBlood - Lissa Kasey - E-Book

WitchBlood E-Book

Lissa Kasey

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Beschreibung

Nach einem brutalen Angriff flieht Sebastian Volkov, ein Fuchswandler, der unter Werwölfen aufgewachsen ist, vor allem, was er je geliebt hat. In dieser Nacht rettete ein einziger Kuss sein Leben und ließ ihn mit Fantasien über einen Mann zurück, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann. Der Zufall führt ihn in eine kleine Stadt in Washington, wo er auf einen Alpha-Werwolf trifft, der ihn vage an genau diesen Kuss erinnert. Vor einem Jahr teilte Liam Ulrich, der Alpha des Northern Cascade Rudels, einen von Magie erfüllten Kuss mit einem praktisch Fremden, dem berüchtigten Witchblood-Kind des mächtigsten Werwolfs der Welt. Seit dieser Nacht hat Liam darauf gewartet, dass Sebastian den Weg nach Hause findet. Er weiß, dass Sebastian nicht leicht oder überhaupt nicht vertraut, also muss er seinem stacheligen Gefährten Zeit und Raum geben. Die Vergangenheit, vor der Sebastian zu fliehen versuchte, verfolgt ihn immer noch, und wenn er langsamer wird, hat sie Zeit, ihn einzuholen. Doch als der ultimative Feind der Werwölfe sich erhebt, um seinen Schatten auf sie alle zu werfen, erkennt Sebastian, dass er aufhören muss, wegzulaufen, oder er riskiert, alles zu verlieren ... einschließlich seiner Hoffnung auf eine Zukunft mit Liam.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Lissa Kasey

WitchBlood

Kitsune Chroniken Band 1

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2023

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: Witchblood – The Kitsune Chronicles 1

Übersetzung: Sophie Ruhnke

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© lelia_milaya – adobe.stock.com

© mila103 – adobe.stock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-599-2

ISBN 978-3-96089-600-5 (ebook)

Inhalt:

Nach einem brutalen Angriff flieht Sebastian Volkov, ein Fuchswandler, der unter Werwölfen aufgewachsen ist,  vor allem, was er je geliebt hat. In dieser Nacht rettete ein einziger Kuss sein Leben und ließ ihn mit Fantasien über einen Mann zurück, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann. Der Zufall führt ihn in eine kleine Stadt in Washington, wo er auf einen Alpha-Werwolf trifft, der ihn vage an genau diesen Kuss erinnert.

Vor einem Jahr teilte Liam Ulrich, der Alpha des Northern Cascade Rudels, einen von Magie erfüllten Kuss mit einem praktisch Fremden, dem berüchtigten Witchblood-Kind des mächtigsten Werwolfs der Welt. Seit dieser Nacht hat Liam darauf gewartet, dass Sebastian den Weg nach Hause findet. Er weiß, dass Sebastian nicht leicht oder überhaupt nicht vertraut, also muss er seinem stacheligen Gefährten Zeit und Raum geben.

Die Vergangenheit, vor der Sebastian zu fliehen versuchte, verfolgt ihn immer noch, und wenn er langsamer wird, hat sie Zeit, ihn einzuholen. Doch als der ultimative Feind der Werwölfe sich erhebt, um seinen Schatten auf sie alle zu werfen, erkennt Sebastian, dass er aufhören muss, wegzulaufen, oder er riskiert, alles zu verlieren … einschließlich seiner Hoffnung auf eine Zukunft mit Liam.

Prolog

Mir war schwindlig, als ich aufwachte, ich war halb blind und es ging mir so übel, dass ich befürchtete, wenn ich mich bewegte, würde ich meine Gedärme auskotzen. Meine Brust schmerzte, die Lunge fühlte sich schwer an. Mein Atem wurde von einem flüssigen Klang begleitet, ein schöner Akzent, der das keuchende Heulen einer durchstochenen Lunge untermalte.

Die Wände meiner kleinen Wohnung umgaben mich mit hellem Licht und Stille. Allein zu leben und einen gesunden Abstand zur Zivilisation zu haben, schien damals eine gute Idee gewesen zu sein. In der Ferne hörte ich undeutliche Stimmen und Musik aus dem Haus der Volkovs. Da die jährlichen Festivitäten in vollem Gange war, würde mich niemand hören, selbst wenn ich schreien könnte. Empfindliche Werwolfohren hin oder her.

Robins Abwesenheit trieb mir Tränen in meine ohnehin schon verschwommene Sicht. Er hatte seine Besuche reduziert, weil wir uns einmal zu oft über die Wahl meiner Liebhaber gestritten hatten. Aber er hatte recht gehabt. Ich unterdrückte einen Schluchzer des Selbstmitleids. Kein Wunsch der Welt konnte die Vergangenheit ändern.

Allein zu sterben, war mir vor diesem Moment nie in den Sinn gekommen. Apa sagte oft, ich sei jung, und die Jungen hielten sich für unbesiegbar. Ich hatte ihn für überdramatisch gehalten. Aber es stimmte. Wenn ich mir nur eine Sekunde lang vorgestellt hätte …

Ich schluckte etwas Blut hinunter, weil ich nicht zulassen wollte, dass mich die Erinnerung daran, wie ich hier gelandet war, überwältigte. Ich würde sterben. Wenn ich nichts unternahm, wäre es vorbei, und er würde gewinnen. Monate des Kampfes für die Freiheit und ein paar Wochen, in denen ich meinen Traum gelebt hatte, hatten mich hierhergeführt. Sein Angriff kam unerwartet und ich hätte meine Schutzmaßnahmen anpassen sollen. Nie hätte ich gedacht, dass er so etwas Abscheuliches versuchen würde, wenn Volkov so nah war.

War das eine weitere Lektion? Wurde mir wieder einmal mein Platz zugewiesen? Kein Werwolf, also nicht schützenswert? Vielleicht sollte mich das nur abhärten. Hätten einige meiner Schutzschilde all diesen Schmerz verhindern können? Möglich. Warum hatte ich nicht vorausgedacht? Warum hatte sich mein Gehirn geweigert, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass er hinter mir her sein könnte? Als wäre das etwas Neues. Das war nicht einmal das zweite Mal gewesen.

Ich hatte erwartet, dass Apa ihn fernhalten würde. Wer hätte nicht darauf vertraut, dass der Volkov, König der Werwölfe, ihn beschützen würde? Er hatte mich mein ganzes Leben lang Sohn genannt und ich betrachtete ihn als meinen Vater, Apa. Doch vielleicht waren diese Worte nicht genug. Er war des Volkovs Fleisch und Blut. Vielleicht bedeutete das mehr. Oder vielleicht war ich einfach nicht so viel wert, wie man mich hatte glauben lassen.

Es war schon komisch, welche Puzzleteile sich zusammenfügten, während man im Sterben lag. Apa hatte meine Unabhängigkeit nie unterstützt. Dennoch hatte er mir jahrelang Zugang zum Land verschafft und mir erlaubt, meine eigenen Fehler zu machen. Er hatte sogar meine Alchemie befürwortet. Obwohl ich mich nun fragte, ob das nur geschehen war, weil sie ihm nützlich war. Vielleicht war es nicht genug gewesen, und jetzt war ich entbehrlich.

Wie oft hatte ich bei meinen Nachforschungen von verbotenen Zaubersprüchen gelesen? Alchemie im Allgemeinen war der Tausch einer gleichen Sache gegen eine andere. Das Konzept von Leben gegen Leben hatte in der Vergangenheit schon viele Alchemisten fasziniert. Der gleichwertige Tausch, um eine Art Unsterblichkeit zu schaffen. Aber nie drehten sich die Geschichten um Menschen, die an Krebs starben und versuchten, sich selbst oder einen geliebten Menschen zu retten. Nein, sie waren immer düster. Sie machten die Alchemisten zu Bösewichten.

Mit meinen Nachforschungen über frühere Werke hatte ich kaum an der Oberfläche gekratzt, doch genug gelesen, um die Grundlagen zu kennen. Den Horror. Vielleicht war die Geschichte voreingenommen. Der Überlebenswille kann jeden zu verzweifelten Maßnahmen führen. Ich war da keine Ausnahme. Eventuell war es nicht das ultimative Böse, das die Büchern darstellten. Das Leben war überall, oder? Die Menschheit hatte kein Patent darauf. In der Philosophie wurde viel über den Wert höherer Lebensformen geredet. Noch nie war ich so überzeugt gewesen. In einem Werwolfsrudel aufzuwachsen, bewies jedem, wie wenig Leben überhaupt bedeutete. Wölfe starben jeden Tag. Besonders Volkovs Wölfe.

Ein Leben für ein Leben.

Drei Meter vor meiner Haustür befand sich ein Garten von der Größe eines Fußballfeldes, der mit Leben gefüllt war. Würde das ausreichen? Der Gedanke an die Zerstörung des Gartens tat mir im Herzen weh. Ich hatte ihn aus einer winzigen Parzelle und einer Handvoll Samen angelegt, als ich gerade einmal zehn Jahre alt gewesen war. Aber solange ich die Erde nicht zu sehr beschädigte, konnte ich von vorne anfangen.

Hatte ich eine andere Wahl? Sollte ich das Leben einem anderen Menschen entziehen? Hier liegen und sterben?

Ich war mir nicht sicher, ob ich mich überhaupt noch bewegen konnte. Um mich herum sammelte sich Blut, das den hellen Holzboden befleckte, der dadurch wie aus einer Mordszene aus einem Film wirkte. Wären nicht alle Lichter angeschaltet gewesen, hätte das Blut vielleicht nicht so fluoreszierend ausgesehen. Blut war im Allgemeinen eher braun oder dunkelrot als das leuchtende Hellrot aus Filmen. Ich verlor schnell Blut. Also musste ich mich bewegen.

Mein ganzer Körper erbebte, als ich nach unten griff, um mich über den Boden zu schieben. Meine Beine waren wie Wackelpudding, unfähig, mein Gewicht zu tragen, und meine Arme zitterten vor Anstrengung, als ich zur Tür kroch. Mit der wenigen Kraft, die ich hatte, robbte ich wie ein Wurm über den Boden, um vorwärtszukommen. Die Nässe meines Blutes machte das Holz unter mir glitschig. Mühsam streckte ich mich nach der Tür aus, die nur noch einige Meter entfernt war. Ich griff nach allem, was mir als Hebel dienen konnte, und schleppte meinen geschundenen Körper durch den kleinen Raum. Das Blut strömte weiter in meine Kehle und erstickte mich, selbst, als ich versuchte, es wieder auszuspucken.

Ich weigerte mich, darüber nachzudenken, warum ich nackt war, und ignorierte die anderen Flüssigkeiten und Wunden auf meiner Haut, die die Gewalt bezeugten. Schlimme Erinnerungen würden mich nicht stärker machen. Der gleichzeitige Kampf gegen die Panik und den heraufziehenden Tod würde meinen Schritt nicht beschleunigen. Und er würde auch nicht meinen Überlebenswillen festigen.

Vor einem meiner Augen wurde es komplett schwarz, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Ich war mir nicht sicher, ob es meine Sehkraft war oder nur das Blut, das mein Lid bedeckte. Auf jeden Fall verschob sich meine Tiefenwahrnehmung, was mich noch mehr verwirrte. Ich griff nach dem Türrahmen und stürzte durch die offene Tür die zwei Stufen hinunter auf den Boden.

Ein paar Herzschläge lang blieb ich dort liegen und versicherte mir, dass ich bloß eine Minute brauchte. Nur hatte ich keine Minute.

Mein Kopf pochte, und bei jedem Atemzug röchelte ich durch das Blut, was mir noch mehr Schmerzen bereitete. Warum hatte er mich nicht einfach mit einem Schlag töten können? Warum war ich nicht einfach gestorben, als er mich niedergeschlagen hatte? Oder verblutet, während ich bewusstlos gewesen war? Warum hatte ich dafür wach sein müssen? War das eine Art grausamer Scherz des Universums?

Abwechselnd schluckte ich das Blut in meinem Mund hinunter und spuckte es aus, nur unterbrochen von einem furchtbaren, nassen Husten. Ich schnappte noch einmal tief nach Luft, was sich zwischen der aufbauenden Flüssigkeit wie himmlischer Nektar anfühlte, und krallte mich in den Boden, um ein paar Meter weiterzukommen.

Der Garten war so nah. Die Pflastersteine und der kunstvoll arrangierte Feldweg, den Oberon zwei Jahre zuvor angelegt hatte, hielten das Gras auf Abstand und mich von meinem Ziel ab. Ich streckte mich dem Grün entgegen, und mein Herzschlag verlangsamte sich durch die Anstrengung.

Meine Sicht trübte sich weiter ein, die winzigen Sterne am Himmel verschwanden in einer schattigen Dunkelheit. Ich war nicht darauf vorbereitet. Das alles war so nicht geplant gewesen. Aber ich war übermütig gewesen. Die Wölfe hielten mich immer für eingebildet. Wer war ich, dass ich ihre Spielchen mitmachte? Wer war ich, dass ich sie abwies? Oder Respekt einforderte? Wer war ich, dass ich glaubte, irgendjemand würde mich vor meinen eigenen schlechten Entscheidungen beschützen?

Ich blinzelte wütend in die Dunkelheit. Tränen liefen mir über die Wangen, oder vielleicht war die Wärme auch nur Blut. Nie hätte ich gedacht, dass mein Leben auf diese Weise enden würde. Alleine. Im Dreck liegend, in den schwarzen Himmel starrend. Das Gefühl der Einsamkeit wütete in meinem Herzen. So lange hatte ich darum gekämpft, gesehen und gehört zu werden, um mich als würdig zu erweisen, nur um allein und unerwünscht zu sterben.

Meine Seele schrie in die Stille, sehnte sich nach etwas. Sie rief nach etwas, auch wenn ich keinen Ton von mir geben konnte. Überraschenderweise war es nicht das Gefühl der Ungerechtigkeit, nach dem ich griff, oder gar Wut. Ein noch nicht,ein verzweifeltes Flehen. Da draußen war etwas. Nah, so nah …

Etwas, das ich so dringend brauchte, dass ich fast darauf ansprang. Wenn ich mich nur einen Zentimeter hätte bewegen können, wäre ich darauf zugekrochen, selbst wenn ich dabei meine Organe und die letzten Teile meines geschundenen Körpers mitschleppen musste.

Bitte, dachte ich in die wachsende Dunkelheit hinein, von der ich wusste, dass sie der Tod war. Ich wusste nicht, worum ich gebeten hatte. Bitte lass mich nicht sterben? Bitte mach, dass mich jemand findet? Bitte lass mich schnell sterben?

Mein träges Herz kämpfte um jeden schwächer werdenden Schlag. Das Pochen hallte in meinem Kopf wider, lauter als ich es je zuvor gehört hatte. In der Ferne konnte ich vage einige Bäume jenseits des Gartens ausmachen und vielleicht den Mond in einer riesigen Sichel über mir. Eine klare Nacht zum Sterben. Möglicherweise wäre sie sogar schön gewesen, wenn ich die Sterne hätte sehen können.

Einer der Bäume bewegte sich. Unwillkürlich zuckte mein ganzer Körper vor Angst zusammen. Kam er zurück? Versehentlich atmete ich etwas Blut ein, was mich husten ließ.

Ein feiner, weißer Rand umgab die Gestalt. Durch das Mondlicht? Der Duft von Vanille und Mensch kitzelte schwach in meiner Nase, neben dem metallischen Geruch von Blut. Die Gestalt ließ sich neben mir nieder. Hände berührten mein Gesicht. Wärme breitete sich von ihren Fingern bis in die Tiefen meiner Seele aus. Ihre Berührung weckte in mir ein Verlangen, wie ich es mir nie im Leben hätte vorstellen können.

Ich wollte mich um die Gestalt wickeln, in ihrer Essenz baden und sie anflehen, mich nie wieder loszulassen. Dabei spielte es keine Rolle, dass ich ihr Gesicht nicht sehen konnte und ihren Namen nicht kannte. Meine Seele sagte mir, dass sie mir gehörte. Sie sang von Verheißung, als ihre Wärme durch meine zerbrochenen Schutzmauern sickerte.

Was für eine Art von Magie war das? War die Gestalt eine Fee?

Sie legte meinen Kopf und meine Schultern in ihren Schoß, ihre Stimme war ein Rauschen um mich herum, ergab keine zusammenhängenden Worte. Zumindest nahm mein Gehirn keine wahr. Die Nacht selbst war still und unbewegt. Kein Wind, keine Vögel oder Käfer. Ein schlechtes Omen? Oder ein bleibender Hirnschaden?

Der Mann, der mich hielt, streichelte mein Haar. Seine Umarmung fühlte sich an wie Freundlichkeit, Liebe und Traurigkeit.

„Bist du ein Geist der Dunkelheit oder des Lichts?“, fragte ich, wobei ich mir nicht sicher war, ob die Frage tatsächlich meine Lippen verlassen hatte.

Der Mann schmiegte sein Gesicht an meines, kaum mehr als ein Schatten in der Dunkelheit. Seine Hand warm auf meiner Wange, sagte er: „Ich werde dein Licht oder deine Dunkelheit sein. Deine Stärke und dein Schmerz. Ich biete dir alles von mir. Meine Seele für die deine.“ Süße Worte, gesprochen mit einer ungewohnten Stimme. Wenn ich den Mann damals hätte berühren können, hätte ich es getan. Ich wollte ihn anflehen, mehr zu sagen, mich fester zu halten und mich nicht allein sterben zu lassen.

Alles, was mir einfiel, war: „Dann küss mich und teile deinen Geist.“

Seltsam. Die Worte schienen sich selbst zu wählen. Vor diesem Moment hatte ich nicht an Küsse oder Zaubersprüche denken können, die Realität sah zu anders aus. Aber in der Sekunde, als die Lippen des Mannes meine berührten, wurde alles zu flüssigem Feuer. Seine Hitze strömte in mich hinein, besänftigte die Wunden, drückte auf die Stellen, die schmerzten – eine tiefe, wütende Flamme. Die Kraft zwischen uns ließ uns beide nach Luft schnappen. Er heilte mich auf eine Weise, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Als sein Griff um mich nachließ, überkam mich für einen Moment Angst. Ein leichtes Zittern durchlief ihn, aber ich konnte den Energiefluss nicht stoppen. Brachte ich den Mann um? Nein! Die Vorstellung ließ mein Herz schreien. Er durfte nicht sterben.

Meine Lunge heilte, und das Pochen hinter meinen Augen verschwand. Für einen Atemzug klärte sich meine Sicht so weit, dass ich den Mann fast sah. Ich erkannte blasse Augen und die Umrisse seiner Lippen. Aber ich riss mich aus seinem Griff und verwandelte mich dabei. Von einem Augenblick zum nächsten wurde ich vom Menschen zum Fuchs. Er fasste nach mir, die Verbindung zwischen uns noch immer bestehend.

Sein Bedürfnis spiegelte das meine wider. Die Verbindung zwischen uns trug die Emotion in einer Welle von Gefühlen zu mir. Die Art und Weise, wie er nach mir griff, brachte mein Herz dazu, in seine Arme zu fallen und ihn anzuflehen, mich zu halten.

Nur war das Leben, das ich dem Mann nahm, zu viel. Seine Augen schlossen sich und seine Schultern erschlafften, als er nach hinten kippte.

Ein paar Herzschläge lang wartete ich entsetzt auf eine Bewegung in seiner Brust. War ich wirklich ein Ungeheuer? Hatte ich jemanden zerstört, der so perfekt für mich war? Ein Moment ging in den nächsten über und schließlich sah ich es: das leichte Heben und Senken seiner Brust. Der Mann atmete. Die Verbindung zwischen uns wurde schwächer, aber ich konnte sie immer noch zwischen uns sehen. Ihre Energie floss in mich hinein. Heilte mich weiter.

Aus der Ferne näherte sich uns ein lautes Stimmengewirr. Ich zitterte, hatte erneut Angst. Was, wenn er herausfand, dass er mich nicht töten konnte? Würde er es wieder versuchen? Diese Nacht war kein Zufall gewesen. Ich musste fliehen.

Zum letzten Mal blickte ich sehnsüchtig auf den Mann, der mir das Leben gerettet hatte, dann drehte ich mich um und rannte davon. Ich lief in die Dunkelheit des Waldes und ließ alles hinter mir. Mein ganzes Leben hatte ich im Wohnwagen verbracht, als Teil eines Wolfsrudels, das mich verachtete. Nur zerrte jetzt eine kleine Sache an meinem Herzen: der geheimnisvolle Fremde, den ich zurückgelassen hatte. Die Verbindung zwischen uns wurde dünner wie überdehntes Karamell. Es hätte irgendwann reißen sollen. Aber es dehnte sich weiter aus, während ich rannte, und verband mich für immer mit einem Mann, von dessen Kuss ich das nächste Jahr meines Lebens fast jede Nacht träumte.

Kapitel 1

Ein Jahr später

Manchmal, wenn man auf der Flucht war, konnte man nur hoffen, einen sicheren Schlafplatz und etwas Essbares zu finden. Der köstliche Duft von frisch gebackenem Brot wehte durch die Luft, als ich meinen baufälligen Volkswagen Käfer auf den Parkplatz einer kleinen Bäckerei lenkte. Kleine Bäckereien waren gute Orte, um billig an tagesfrisches Brot zu kommen und manchmal auch für ein paar Tage zu arbeiten. Der Laden war gut besucht, was mich hoffen ließ, dass das Essen ausgezeichnet war, und selbst ich, der nicht offensichtlich zu einer Rasse gehörte mit seinem kastanienbraunen Haar und magischem Blut, konnte leicht mit der Menge verschmelzen.

Alles, was ich brauchte, war genug Bargeld, um den Wagen aufzutanken, und ein bisschen Brot, um das Grummeln in meinem Magen zu stoppen. Ich konnte im Auto schlafen. Das tat ich schon seit Monaten, benutzte Motels, um mich zu waschen, wenn ich das Geld hatte, und Tankstellentoiletten, wenn ich es nicht hatte. Alles, was zählte, war die Reisedistanz, obwohl ich den Ozean hätte überqueren können und trotzdem nicht in der Lage gewesen wäre, neugierigen Blicken zu entkommen.

Selbsttäuschung. Darin war ich gut.

Das Sweet Tooth befand sich in einem sehr klassisch aussehenden Backsteingebäude mit großen, mit kunstvollen Buchstaben bemalten Fenstern. Der Geruch hatte mich schon von Weitem angelockt. Die mit Gebäck und Zucker beladenen Bilder auf den Werbetafeln, die Verheißung von Essen voller Wonne und Genuss, auch wenn es nur vorübergehend war, hatten mich vom Highway heruntergelockt, um den Schildern in die winzige Hauptstraße zu folgen. Ich hoffte, meinen leeren Magen füllen zu können und etwas unter der Hand zu verdienen, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Kleine Orte mitten im Nirgendwo wie dieser brauchten oft Arbeitskräfte, für die sie keine langfristigen Leistungen zahlen wollten. Meistens handelte es sich um Gaststätten, aber ich hatte auch schon in einer Bäckerei gearbeitet und kannte mich mit einem Küchenmixer aus. In Chicago war ich sogar ein paar Wochen lang Vertretung eines Kochs gewesen. Wenn es um Essen ging, war ich ein Tausendsassa, und ich aß es zudem sehr gern.

Erst als ich die Bäckerei betrat und einer Gruppe von Kunden ausweichen musste, die mit den Armen voller Backwaren hinausgingen, und anderen, die in der Schlange an der Theke warteten, roch ich mehr als nur Hefe und Zucker.

Werwolf.

Fuck. Mein Hunger ging auf Tauchstation, während meine Angst stieg. Verdammt.

Ich wusste nicht einmal, wo ich war. Irgendeine Stadt im Nirgendwo im Staat Washington. Eine Pendlerstadt, von der ich an der letzten Tankstelle gehört hatte. Gab es hier ein Rudel? Kleinstädte waren manchmal gute Orte für Rudel, wenn es viel Platz zum Laufen gab. Die meisten hielten sich in der Nähe der State Parks auf, und ich befand mich weiter nördlich, fast an der kanadischen Grenze. Hätte ich einen Reisepass, hätte ich sie bereits überquert. Vielleicht konnte ich es immer noch auf vier Pfoten statt auf zwei Beinen tun, sollte ich wirklich keine Alternative haben. Allerdings mochte ich die Kälte nicht, und die Fahrt nach Norden brachte den mürrischen Texaner in mir zum Vorschein.

Ich überlegte, ob ich mich aus dem Staub machen sollte, bevor mich jemand bemerkte, doch die Menge drängte mich tiefer in den Laden. Weitere Kunden waren hinter mir hereingekommen und blockierten nun die Tür. Jetzt zu gehen, wäre seltsam gewesen. Die meisten Leute hätten es nicht registriert, aber ich vermutete, der Werwolf, den ich gerochen hatte, schon. Wenn nicht mein nervöses Verhalten, dann wenigstens meinen Geruch.

Nicht, dass ich ein Werwolf war. Ich war kein Wer‐irgendwas.

Ein Hexengeborener, hallte eine leise Stimme in meinem Kopf wider.

„Ja, ja“, brummte ich vor mich hin. Es war nicht so, dass ich der Wahrheit entkommen konnte. Die Faktoren meiner Geburt hatten nicht in meiner Hand gelegen, genauso wenig wie die Folgen des vergangenen Jahres. Was ich kontrollieren konnte, war das Hier und Jetzt. Mein Magen grummelte und erinnerte mich daran, dass ich schon seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Die Flucht hielt mich vom Jagen ab. Wochenlang hatte ich nur von gelegentlichen Jagden und Fast Food gelebt. Wenn ich noch einen massenproduzierten Burger für einen Dollar essen musste, würde ich kotzen.

Du kannst jederzeit nach Hause kommen.

Ich ignorierte die Stimme. War mir nicht sicher, ob er wirklich telekinetisch mit mir sprach oder ob es nur Einbildung war. Er brauchte mich nicht, und das hatte er mehr als deutlich gemacht, als er mich von seinem Sohn aus seinem Rudel hatte verjagen lassen. Ich brauchte ihn auch nicht. Oder irgendjemanden. Das hatten die letzten paar Monate bewiesen. Auf der Flucht hatte ich alle möglichen Wesen getroffen: Feen, Vampire, Werwölfe aller Art, Hexen, Kobolde, Gespenster und mehr als eine Handvoll Geister – nicht zu verwechseln mit Gespenstern, denn Geister waren nie Menschen gewesen. Sie alle hatte ich überlebt. Oft mit knapper Not und durch viel Laufen. Ich war gut im Laufen. Aber müde. So unendlich müde. Und dann war da noch das Gefühl, immer in die falsche Richtung zu rennen. Vor ein paar Wochen hatte ich nachgegeben und war einfach meinen Sinnen gefolgt, weil ich dachte, sie würden mich zurück in den Süden führen. Doch alles in mir schrie nach Norden und Westen. Selbst diesem seltsamen Verlangen nachzujagen, war allerdings zu einer Last geworden. Ich rannte von einem Ort zum nächsten, während mich etwas anderes aus seinem Territorium drängte. War es zu viel verlangt, vor dem nächsten Kampf ein paar Tage Ruhe zu haben?

Komm nach Hause.

Nein, beschloss ich und ignorierte die Erinnerung an seine Stimme. Ich hatte kein Zuhause mehr, so sehr ich mich auch danach sehnte. Jedes Mal, wenn ich an zu Hause dachte, erinnerte ich mich an den Kuss eines Fremden, der mich vor dem nahen Tod bewahrt hatte. Aber ich fürchtete die Folgen des Überlebens. Es war einfacher, auf der Straße zu bleiben.

Als ich an der Reihe war, trat ich an den Schalter und lächelte so ehrlich, wie ich konnte. Die Frau hinter der Glasvitrine mit dem Gebäck lächelte zurück. „Was kann ich für Sie tun?“

„Ich wollte fragen, ob Sie noch Brot von gestern zu verkaufen haben?“ Dann beugte ich mich vor und flüsterte: „Und vielleicht ein paar Stunden Arbeit für jemanden, der Benzingeld braucht? Vor Einbruch der Dunkelheit bin ich verschwunden, versprochen.“

Sie war kein Rudelmitglied oder roch zumindest nicht nach Wolf, obwohl sie eventuell mit einem verwandt war, doch woher sollte ich das wissen? Aber sie lächelte nur. „Das Brot vom Vortag ist dort“, sagte sie und zeigte auf ein Regal neben der Kasse. „In den Kartons ist auch Gebäck von gestern. Das zweite Anliegen müssen Sie mit dem Geschäftsführer besprechen. Ich werde ihn zu Ihnen schicken.“

„Danke“, sagte ich ihr aufrichtig und machte mich auf den Weg zum Brot. Ein ganzer Laib kostete zwei Dollar. Allerdings war der Laib viermal so groß wie ein Supermarktbrot. Zwei Dollar waren eine Menge, doch ich brauchte etwas zu essen. Etwas mehr als ein Eichhörnchen oder Kaninchen, das ich unterwegs essen konnte. Ich war versucht, das Zimt‐Rosinen‐Brot statt des normalen Brotes zu nehmen, aber wusste, dass der zusätzliche Zucker mich nur noch hungriger machen würde. Das Gebäck, so köstlich es aussah und roch, lag weit außerhalb meiner Preisklasse. Meine zehn Dollar mussten für ein oder zwei Gallonen Benzin reichen, wenn ich von hier abhauen wollte.

Ein Schatten zog über mich hinweg, als ich das Brot betrachtete. Der Geruch von Werwolf wurde stärker. Nicht nur Werwolf, sondern ein anziehender Moschusgeruch eines dominanten männlichen Wolfs. Wenn ich die Augen schließen und den Duft eine Weile einatmen könnte, hätte ich vielleicht ein Dutzend Nuancen ausmachen können, die ihn verlockend machten. Vanille? Möglicherweise ein bisschen Zimt und Kardamom? Sein Duft durchströmte meine Sinne und weckte eine Erinnerung an etwas Vages und doch Vertrautes, das sich tief in mein Gehirn eingegraben hatte. Ich konnte seinen Kuss fast schmecken, noch bevor ich sein Gesicht gesehen hatte. Seltsam. Es war wahrscheinlich zu lange her, dass ich richtig geschlafen hatte.

„Ich gebe dir zusätzliche fünfzig Prozent Rabatt“, unterbrach eine männliche Stimme meine Tagträumerei.

Ich blickte auf und erschrak, als ich einen großen, gepflegten Mann mit dunkelblondem Haar und hellblauen Augen sah, die mich an einen sonnigen Tag erinnerten. Er trug eine Schürze mit einem Namensschild, auf dem „Liam“ und darunter „Manager“ stand. Seine Nasenlöcher blähten sich ein wenig. Er hatte mich offensichtlich gerochen und wusste, dass ich nicht gerade ein Mensch war. Das Lächeln auf seinen Lippen wirkte aufrichtig genug, aber es war wahrscheinlich eines, das er für seine Kunden einstudiert hatte. Die Wölbung dieser Lippen zog mich an, der untere Teil war fülliger als der obere. Sein Gesicht war etwas mehr oval als rund, und in seinem dunkelblonden Haar waren platinblonde Strähnen verstreut. Nicht in Form künstlicher Strähnchen, sondern fast so, als hätten sie grau sein sollen, nur dass sie eher honigfarben waren. Hätte er ein wenig Gesichtsbehaarung gehabt, wäre ich komplett schwach geworden. Nicht, dass an seinem Kiefer oder seinen markanten Wangenknochen etwas auszusetzen gewesen wäre. Allerdings fand ich ein bisschen Gesichtsbehaarung sexy und dachte an Stunden im Bett, in denen sie meine Haut kitzelte.

Er war so gutaussehend, wie es Männer vor fünfzig Jahren vermutlich gewesen waren, klassisch gutaussehend, auch wenn seine dunkelblonden Haare wahrscheinlich auf eine Mischung aus Deutsch, Russisch und ein Hauch von Italienisch schließen ließ. Er war wunderschön wie ein Filmstar und schien Ende zwanzig zu sein, aber das täuschte mich nicht. Meine Nase sagte mir, dass er ein Werwolf war, und Werwölfe lebten, bis sie sich gegenseitig oder sich selbst töteten. Also hätte er Ende zwanzig oder zweitausend sein können und hätte immer noch genauso ausgesehen.

Er war kein großer Mann, obwohl ich aus Erfahrung wusste, dass Werwölfe gut darin waren, ihre Muskeln unter der Kleidung zu verstecken. Seine Schultern waren kräftig, keineswegs zart oder dünn. Solide, ohne einschüchternd zu wirken. Dieser Mann wirkte normal, gutaussehend, nicht beängstigend. Was mich wissen ließ, dass er nicht nur ein Wolf war, sondern ein Alpha.

Irgendetwas in seiner Gegenwart flüsterte von der Sehnsucht nach Dingen wie Sicherheit und Heimat. Es konnte nicht nur daran liegen, dass er ein Alpha war. Begegnungen mit ihnen sagten mir, dass ich sofort weglaufen musste. Normalerweise schoss meine Angst in die Höhe, sobald ich mich in der Gegenwart eines anderen Wolfes befand, insbesondere eines Alphas. Ein Jahr auf der Flucht hatte mich gelehrt, alles zu fürchten. Nur war dieser Mann wunderschön, und obwohl mein Herz raste, war es nicht aus Angst, sondern aus Verlangen. In meinem Bauch sammelte sich ein Bedürfnis nach kleinen Dingen an, wie das, mir seinen Geruch einzuprägen und mich in dem blassblauen Blick seiner Augen zu sonnen. Wie würde es sein, wenn er mich festhielte? Wie würden seine Lippen schmecken? Beinahe sabberte ich auf seine Schuhe. Verdammt.

Mein Gehirn versetzte mich automatisch in den Verteidigungsmodus. Apa hatte mich genau aus diesem Grund oft als kratzbürstig bezeichnet. Meine Selbsterhaltungsgewohnheiten amüsierten ihn, was mich wiederum ärgerte.

„Ist das deine Art, mir zu sagen, dass ich dein Gebiet verlassen soll? Indem du mir einen Rabatt auf Brot anbietest?“ Ich ließ die Schultern hängen und starrte zu ihm hoch. Er war wahrscheinlich einen guten halben Meter größer. Ich war es gewohnt, klein zu sein. Hatte schon furchterregenderen Dingen ins Gesicht gestarrt als ihm. Wenn er die normale Unterwerfung eines kleineren Wolfes erwartet hatte, hatte er sich getäuscht. Ihm in die Augen zu sehen, könnte als Herausforderung gewertet werden, doch es war unwahrscheinlich, dass er mich darauf ansprechen würde, da ich kein Wolf war. Es sei denn, er war ein echtes Arschloch. Das waren die meisten Alphas, aber sie waren ebenso gut darin, sich an öffentlichen Orten zusammenzureißen.

Das winzige Lächeln auf seinen Lippen verformte sich zu einem belustigten Grinsen. Offenbar amüsierte ich ihn auch. Er hatte Grübchen. Die Anziehungskraft traf mich hart. Würde er sich ein paar Haare im Gesicht wachsen lassen, wenn ich ihn darum bat? Aber nicht zu viel, damit die Grübchen nicht verdeckt würden …

Ein Stöhnen unterdrückend, erinnerte ich mich daran, dass Werwölfe nichts Gutes bedeuteten. Egal, wie hübsch sie waren. Ich war eine Neuheit für sie. Exotisch mit meiner halbkreolischen Abstammung, das Haar ein seltsames Braun mit kastanienbraunen Strähnen, die Augen asiatisch. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes ein Mischling. Aber anders als die meisten, die mir je begegnet waren. Der Teil des Hexengeborenen lockte sie an wie die Flamme eine Motte.

Werwölfe und Hexen sollten sich nicht vermischen. Nicht, dass ich wirklich ein Hexer war, genauso wenig wie ein Werwolf. Die Magie war anders, gefährlich, wenn sie sich mit anderer vermischte. Wie Öl und Wasser. Doch ich konnte das Blut, das durch meine Adern floss, nicht leugnen. Es machte mich immun gegen die meiste Magie, auch gegen die Werwolfsanteile, die Gehorsam verlangten. Aber das war nicht alles, was mit meinem schlammigen Blut einherging.

„Wenn ich dir ein kostenloses Sandwich anbiete, setzt du dich dann zu mir und erzählst mir, was dich hierhergeführt hat?“, fragte Liam. „Du siehst aus, als kämst du von einem Abenteuer und könntest einen sicheren Ort zum Ausruhen gebrauchen.“

Wie recht er hatte. Ich wusste nicht, wo genau ich war, doch der Einladung zu folgen, bedeutete einfach Ärger. Hübscher Wolf hin oder her, ich würde nicht bleiben. Ich hatte es auf die harte Tour gelernt. Stillstand hieß, dass mich die Gefahr einholte und neue Probleme auf mich zukamen.

Irgendetwas in meinem Bauch sagte mir, dass dies mein Zuhause war. Aber das war nicht richtig, also schüttelte ich das Gefühl ab. „Nur das Brot, wenn es dir nichts ausmacht, und ich mache mich wieder auf den Weg. Ich habe nur für Essen angehalten.“

Es war eine schlechte Idee, in der Nähe der Werwölfe zu sein. Wenn ich nur einen Ort auf dem Planeten finden könnte, der nicht von irgendeiner Art von anderen behaust wurde. Werwölfe waren ein geschwätziger Haufen und würden Gerüchte verbreiten, dass sie mich gesehen hatten, die in kürzester Zeit bis zu meinem Apa zurückreichen würden. Und Felix. Der Gedanke an ihn ließ die Angst wieder hochkommen. Meine Arme begannen zu schmerzen. Scheiße, ich musste gehen.

„Du hast Colleen nach Arbeit gefragt“, sagte Liam.

„Sie muss sich verhört haben. Ich bin nur auf der Durchreise.“

„Und was ist dein Ziel?“

Überall, nur nicht hier, dachte ich. „Kanada“, sagte ich zu ihm, schnappte mir das Brot und ging zur Theke. Jetzt, da ich Kanada erwähnt hatte, musste ich umkehren und in die andere Richtung gehen. Vielleicht nach Mexiko. Allerdings war das zu nah an meinem Zuhause, als dass ich mich wohlfühlen würde. Ich hätte ein paar Stunden Arbeit und Geld gebrauchen können, aber das war, bevor ich gewusst hatte, dass ein Alpha den Laden leitete. Es half auch nicht, dass mein Körper danach schrie, mich auf den Mann zu stürzen. Irgendetwas an seinem Duft ließ mich daran denken, mich in seinem Schweiß zu wälzen und mich in seinem Sex zu sonnen.

Ein Instinkt.

Stärker, als ich es je zuvor erlebt hatte. Ich hasste ihn, aber ich hatte es noch nicht geschafft, ihn zu ignorieren. Er war wahrscheinlich nicht einmal an mir interessiert. Die meisten Alphas waren hetero. Alles andere war tabu und musste hinter Lügen und heimlichen Begegnungen versteckt werden. Das wollte ich nicht weiter unterstützen.

Liam folgte mir zum Tresen. Hinter die Kasse rechnete er das Brot ab. Ich überreichte ihm meine zehn Dollar, das letzte Geld, und hoffte, dass ich mit ein paar Litern Benzin irgendwo hinkommen würde. Er zählte mein Wechselgeld ab, aber anstatt mir das Brot zurückzugeben, zog er eine große Tüte hervor, stopfte eine Schachtel mit altem Gebäck hinein, legte das Brot oben drauf und schob sie über den Tresen, den Griff in meine Richtung gedreht.

Ich zögerte. Kostenlose Sachen bedeuteten, dass ich einen Gefallen schuldete. Es war nie gut, Hexengeborener zu sein und jemandem einen Gefallen zu schulden. Oft wurde man um dumme Dinge wie Liebestränke und Zaubersprüche, um Tote zum Leben zu erwecken, gebeten – nichts davon konnte ich. Meine Magie war etwas subtiler als das.

„Nimm es“, sagte Liam und schob die Tüte ein wenig näher. „Wenn du Arbeit willst, komm morgen früh wieder, du könntest am Mixer helfen. Wir fangen um fünf an.“

Ich drückte das Geld an meine Brust und griff nach der Tüte. Unsere Hände berührten sich kaum, als ich die Tüte entgegennahm. Aber es war genug. Das vertraute Prickeln von Werwolf durchströmte mich. Es war eine Kraft, eine Magie, die meine eigene erkannte und sich daran erfreute. Ein Gefühl von Heimat, das sowohl Lüge als auch Verlangen war.

Eine Sucht.

Aber jetzt nicht mehr. Nicht meine. Sie würde nie meine sein.

Der Wolf sagte nichts. Er schien nicht einmal die Elektrizität unserer Berührung zu spüren, und vielleicht tat er das auch nicht. Mit der Tüte in der Hand ging ich; dankbar, hungrig, müde und verängstigt zugleich. Alles, was ich sehen konnte, waren seine hübschen blauen Augen, und ich fragte mich, wie sie wohl aussahen, wenn sie sich gelb färbten, wenn der Wolf in einem leidenschaftlichen Moment an die Oberfläche trat.

Gefährlich.

O ja, das war so gefährlich. Denn Werwölfe paarten sich nur mit menschlichen Frauen, die nie erfahren würden, was sie waren. Alte Regeln von dominanten Männchen, die nur dazu dienten, ihr zerbrechliches Ego zu schützen. Wölfe lebten ein Leben voller Lügen. Das hatte ich am eigenen Leib erlebt. Als ich rückwärts aus dem Laden ging, erinnerte ich mich wieder an den Grund für meine Flucht. Liam schaute weg und konzentrierte sich auf jemand anderen, der am Tresen Hilfe brauchte, aber ich spürte seinen Blick, selbst als ich zu meinem Auto eilte und mich darin zusammenrollte, als könnte es mich vor dem Schauder der Angst schützen, der mir über den Rücken lief. Was, wenn er jemandem erzählte, dass er mich gesehen hatte? Wie lange würde es dauern, bis Felix mich eingeholt hätte?

Schon müde vom Weglaufen?

Das war ich. Aber ich wollte nicht aufhören. Monate. Fast ein Jahr war vergangen. Ich war durch riesige Städte gelaufen, um mich in der Menge zu verlieren, und endlose Kilometer durch unfruchtbares Gelände, nur um stetig von etwas eingeholt zu werden. Ich hätte frei sein sollen. Ohne ein gebrochenes Herz. Er hatte mir nie etwas versprochen. Ich hatte gewusst, dass er wieder eine Frau heiraten und eine Familie gründen würde. Davon war er schon immer besessen gewesen. Es war grausam gewesen, von mir zu verlangen, dabei zuzusehen, wie er Traditionen fortsetzte, die nichts mit mir zu tun hatten. Er sagte, ich sei ein Hexengeborener und würde das nie verstehen, obwohl ich im Rudel als einer von ihnen aufgewachsen war. Ich sollte nur sein Geliebter bleiben. Das allein sagte mir, dass er mich überhaupt nicht kannte.

Ich schob den Sicherheitsgurt in die richtige Position. Das Auto sprang an, mit Entschlossenheit und ein wenig Magie. Mein Herz schmerzte bei dem Gedanken, wegzufahren, obwohl ich nicht wusste, warum. Heiße Tränen füllten meine Augen, als ich rückwärts vom Parkplatz fuhr. Ein Leben im Rudel hatte mich nicht darauf vorbereitet, allein zu leben. Nicht gefühlsmäßig. Ich konnte mit den besten Werwölfen jagen und mich ihnen anpassen, aber sie waren Rudelwesen, und mein Adoptivvater hatte mich genauso erzogen. Wie unfair von ihm.

Komm nach Hause.

Doch das würde ich nicht. Sie wollten mich dort sowieso nicht haben. Für sie war ich klein und schwach, bis ich ihre Gesichter in den Dreck stieß. Jahrelang hatte ich mir meinen Weg in die Unabhängigkeit erkämpft, weil jeder, der dachte, ich sei kein Rudelmitglied, mich herausgefordert hatte. Nur um mich eine Zeit lang in Felix’ Schutz zu sonnen und dann alles zu verlieren. Dumm. Ich war so dumm gewesen.

Ich lenkte den Wagen zurück auf den Highway. Floh. Immer auf der Flucht. Wovor, das wusste ich nicht mehr so genau. Vor mir selbst vielleicht. Aber das spielte keine Rolle, solange ich in Bewegung blieb.

Kapitel 2

Wie es das Schicksal so wollte, blieb der Wagen mitten im Nirgendwo liegen. Ich war etwa eine Stunde von der Kleinstadt entfernt, in der ich zuletzt angehalten hatte, als der Käfer einfach zum Stillstand kam. Der Tank war zu einem Viertel voll und auch sonst schien alles in Ordnung zu sein.

Also öffnete ich die Motorhaube, um mir den Motor anzusehen. Obwohl ich mich ein wenig mit Autos auskannte, hatte ich keine Ahnung, wo ich anfangen sollte. Dass ich die Namen von Autoteilen kannte, bedeutete nicht, dass ich wusste, wie man sie reparierte. Oder überhaupt erkennen konnte, worin das Problem lag. Normalerweise konnte mir ein bisschen Magie dabei helfen. Etwas, das den meisten magischen Wesen nicht möglich war, da sie nicht auf menschliche Erfindungen ansprang. Eisen und Stahl waren keine guten Leiter für Magie. Für mich spielte das jedoch keine große Rolle. Ich konnte alles einfach zum Funktionieren bringen. Meistens jedenfalls. Der Käfer zeugte vom Gegenteil.

Ich seufzte, schnappte mir das Essen, das ich bisher ignoriert hatte, und meine Sachen. Wenn ich beim Auto blieb, würde mir wahrscheinlich irgendwann jemand Hilfe anbieten. Oder mein Adoptivvater würde mich finden und für das Davonlaufen ausschimpfen, und mein Ex würde mich zurückschleifen.

Da ich Letzteres nicht wollte, plante ich, tiefer im Wald einen Platz zum Schlafen zu finden. Erst essen, dann ausruhen. Danach würde ich versuchen, zu trampen. Auf diese Weise hatte ich es schon durch das halbe Land geschafft. Klein zu sein, half dabei. Man sah mich nicht als Bedrohung an, obwohl ich männlich war. Mit meinen langen braunen Haaren, die ich zu einem Pferdeschwanz oder Dutt hochgesteckt hatte, meinen Schlitzaugen und meinem schlanken Körper hielten mich die Leute zuerst immer für eine Frau. Ein winziger magischer Stoß würde jemanden dazu bringen, anzuhalten. Es war ein harmloser Zauber, ohne wirkliche Macht. Nur einen Hauch der Suggestion à la: Hilf dem da.

Zaubersprüche in Form von Tätowierungen wanden sich um meinen linken Arm. Die meisten waren Schutzzauber, einfache Abwehrzauber und Zauber, die keinen Schaden anrichteten. Jahrelanges Alchemietraining und Meditation bei einer örtlichen Hexe hatten mich einiges gelehrt. Vor allem, dass ich nicht mächtig genug war, um jemals Hexer eines Rudels zu werden. Nicht, dass das je mein Ziel gewesen wäre. Es war nie mein Wunsch gewesen, die Geheimnisse ihrer Existenz zu verbergen, ihre Verwundeten zu heilen und ihre Toten zu verstecken. Tränke zu mischen oder Gebäck einen Hauch von Magie zu verleihen, lag mir eher als das Zaubern. Eine Zeit lang war das ausreichend gewesen.

Sobald ich einen sicheren Ort und einen guten Tätowierer gefunden hatte, konnte ich ein paar neue Zaubersprüche hinzufügen. Die letzten Wochen waren brutal gewesen, und ich hatte mein Gehirn nicht davon überzeugen können, dass eine Minute Pause nicht den sofortigen Tod bedeutete.

Ich schüttelte die Melancholie ab, denn Essen und Schlaf waren gerade wichtiger als Selbsthass. Mein Magen knurrte mich frustriert an. Der Geruch des Essens hatte mich umgebracht, jede Zutat eine Mischung des Himmels für meine Nase. Werwolfsinne waren durch ein Leben in der Natur feinfühliger für sie geworden. Ich konnte das Mehl, die Hefe, die Eier und den Zucker riechen, und mir lief das Wasser im Munde zusammen, als ich den Rucksack mit dem Rest meiner Sachen aufsetzte und mich auf den Weg zwischen die Bäume machte.

Das Auto stand weit genug von der Straße entfernt, hinter einer Kurve, sodass es kaum jemand sehen würde. Außerdem hatte es dieses ekelhafte Olivgrün, das sich gut in die Büsche und das kniehohe Unkraut eingliederte. Das Auto hatte ich gekauft, nachdem ich einen Monat lang in einer Stadt im Mittleren Westen gearbeitet hatte. Zum Schlafen hat es gereicht, wenn es regnete, aber das war auch schon alles. Trotzdem würde ich es ein wenig vermissen, denn es war in gewisser Weise mein Zuhause geworden.

Wenn Apa mich wirklich zu Hause wollte, würde das Auto einen Werwolfangriff nicht verhindern. Es würde sie nicht einmal lange davon abhalten, mich zu verfolgen. Aber nichts könnte ihn aufhalten, wenn er mich wirklich zu Hause wollte. Ich vermutete, der einzige Grund, warum er mir bisher nicht auf den Fersen war, war, dass er meinen Schmerz verstand.

Verraten. Im Stich gelassen.

Und mich zurückzuschleppen, bevor sein eigenes Rudel unter Kontrolle war, würde nur einen noch tieferen Dolch in das Chaos treiben, das sie zerrissen hatte. Ohne mich als Unruhestifter konnte er die Dinge in Ordnung bringen, die alten Wölfe besänftigen und die neuen eingliedern. Meine Flucht hatte ihm einen Gefallen getan. Mit der Zeit würde er das genauso sehen.

Weite, überwucherte Felder und sanfte Hügel befanden sich eher auf meinem Weg als Wald. Es gab Bäume, sogar ein paar kleine Büsche, aber nichts, was mich glauben ließe, dass dies wildes, ungezähmtes Land war. Anscheinend handelte es sich um den Rand eines Bauerngrundstücks, das zu felsig war, um es zu bepflanzen oder so. Keine Autos, Menschen oder andere Dinge außer einem gelegentlichen Vogel waren zu hören. Ich wusste, dass Washington Wüste hat, ich war schon oft daran vorbeigefahren. Dies war eine Art Mischung aus Wüste und Prärie. Wahrscheinlich war der Boden zu sehr mit Lehm gefüllt, um ihn zu bepflanzen. Es würde nicht viel Deckung bieten, jedoch genug, sollte mich jemand suchen.

Ich witterte Kaninchen, ein paar Rehe, ein oder zwei Kojoten, aber keine Wölfe oder andere Tiere. Unter einer Baumgruppe schlug ich mein spärliches Lager auf, den Schlafsack, das Essen und eine Handvoll kleinerer Schutzvorrichtungen, die mich warnen sollten, falls jemand in meine Richtung kam. Erst als das erledigt war, setzte ich mich hin und öffnete die Schachtel mit dem Gebäck. Es roch himmlisch. Den Geschmack des ersten Teilchens könnte ich nicht einmal beschreiben. Ich war so ausgehungert, dass ich es einfach verschlang.

Das zweite aß ich langsamer, kaute und genoss den mit Honig gesüßten Geschmack einer Art Torte. Nach zwei weiteren legte ich sie beiseite und rollte mich im Schlafsack zusammen. Es spielte keine Rolle, dass die Sonne noch irgendwo über den Bäumen schien. Es war sicherer, tagsüber zu schlafen und sich in der Nacht zu bewegen. Manche Dinge waren in der Dunkelheit einfacher, aber solange ich in Bewegung bliebt, würde es mir gut gehen. In ein paar Stunden würde ich zurückgehen und mir das Auto ansehen. Vielleicht könnte ich es mit etwas Ruhe und einem klareren Geist wieder in Gang bringen. Der Geschäftsführer der Bäckerei ging mir durch den Kopf, als ich langsam in den Schlaf driftete. Seine schönen Augen leuchteten in der Dunkelheit. Beinahe konnte ich seine Lippen auf meinen spüren, als ob wir uns schon einmal begegnet wären. Obwohl ich mir sicher war, dass ich mich daran erinnern würde. Er war ein angenehmer Traum, und für den Moment war das in Ordnung.

* * *

Eine brennende Hitze fuhr durch meinen linken Arm und weckte mich aus einem leichten Schlaf. Ich rührte mich nicht, lauschte stattdessen auf die herannahende Nacht und versuchte, das Brennen zu identifizieren. Die Schutzzauber waren noch nicht ausgelöst worden, aber die Magie, die sich in mein Fleisch eingegraben hatte, sagte mir, dass etwas in der Nähe war und mir Schaden zufügen wollte. Die umgebende Nacht lag in einer unnatürlichen Stille.

Im Dickicht gab es etliche Bäume und einiges an Gestrüpp, um mich vor den meisten neugierigen Blicken zu verbergen. Der Schlafsack, den ich gekauft hatte, bestand aus doppelseitigem Tarnstoff, der sich gut in fast jede Umgebung einfügte. Die Warnungen sollten mild genug sein, um interessierte Blicke abzuschrecken. Hier gibt es nichts zu sehen. Normalerweise funktionierten sie. Sogar bei einigen der magischeren Wesen, es sei denn, sie suchten speziell nach mir.

Meine Bewegungen waren minimal, falls mich jemand beobachtete. Ich überblickte das wenige, das ich von meinem Platz im Gestrüpp aus sehen konnte. Die Sonne ging in einem feuerorangenen Schein im Westen unter und war durch die Bäume kaum auszumachen. Nichts bewegte sich in der Nähe. Und das war der zweite Hinweis darauf, dass etwas wirklich nicht stimmte. Außer dem Wind hörte ich nichts. Keinen einzigen Vogel, nicht einmal ein Eichhörnchen oder einen Käfer. Etwas Gefährliches schlich durch die Bäume und das überwucherte Gras.

Mein erster Gedanke war, dass der Alpha aus der Bäckerei mein Auto gefunden hatte und nach mir suchte. Zwar schien er nicht sauer gewesen zu sein, dass ich sein Essensangebot angenommen hatte und weggelaufen war, aber die Schmerzen in meinem Arm sagten mir, dass etwas Wütendes nicht weit entfernt lauerte. Und diese Wut richtete sich gegen mich, sonst würde mein Arm nicht so pochen.

Hätte ich nicht befürchtet, dass es meine Magie spüren würde, hätte ich meine Sinne durch den Boden geschickt, um herauszufinden, was es war und aus welcher Richtung es kam. Es musste sich windabwärts befinden, denn ich konnte nichts Ungewöhnliches riechen. Keinen Wolf, keinen Vampir, keine Fee, nicht einmal einen seltenen Wendigo. Nichts als Gras, Staub und Blätter.

Langsam kroch ich aus dem Schlafsack, rollte ihn mit geübter Leichtigkeit zusammen und schnürte ihn unten an meinen Rucksack, der bereits startklar war. Schon vor dem Schlafengehen hatte ich ihn gepackt und sogar das restliche Essen im Boden vergraben, um keine anderen Tiere anzulocken. Nach einem Jahr auf der Flucht hatte ich gelernt, schnell zu sein. Ich würde alles zurücklassen, wenn es sein müsste, auch wenn es schmerzen würde. Das wenige, das ich mir zugelegt hatte, ein paar Kleidungsstücke zum Wechseln, den Rucksack selbst, eine gut filternde Wasserflasche und der Schlafsack, gehörten mir und nur mir. Niemand hatte sie mir geschenkt. Ich hatte sie nicht gestohlen, doch wenn ich alles aufgeben müsste, würde ich es tun. Mein Leben war mehr wert als Materielles.

Der Himmel verdunkelte sich mit der herannahenden Dämmerung. Vieles wurde nachts gejagt. Vorsichtig suchte ich die Ferne nach einer Bewegung ab. Nichts näherte sich, mein Arm brannte jedoch immer noch in stiller Warnung. Auf dem Bauch kroch ich zu einem Gebüsch in der Nähe eines Baumes, der mir zusätzlichen Schutz bot. Irgendwo hinaufzuklettern, würde mir eine bessere Sicht verschaffen, aber Werwölfe waren sehr gut darin. Vampire konnten fliegen. Und Feen würden mir den Baum einfach unter den Füßen wegreißen. Es war unwahrscheinlich, dass irgendwelche Feen oder Vampire mich bis hierher verfolgt hatten. Allerdings gab es in der Gegend von Chicago einen Meistervampir, der auf den Geschmack meines Blutes gekommen war und mir möglicherweise weiterhin nachsetzte. Zwei Wochen hatte es gedauert, ihm zu entkommen, weil er meinen Geist in einem Strudel von Träumen von glücklicheren Zeiten gefangen gehalten hatte. Vielleicht war ich deshalb immer noch so wütend. Die emotionale Wunde riss durch die Erinnerungen und die Gedankentricks der Vampire wieder auf. Fuck.

Der Wind drehte sich und der Geruch von Werwölfen stieg mir in die Nase. Verdammt. Ich wusste, ich hätte das kostenlose Essen nicht annehmen sollen. Das Brot war nicht leicht aufzuspüren gewesen, während es verstaut war, aber der Zucker? Ein gut trainierter Wolf konnte ihn wahrscheinlich aus meilenweiter Entfernung riechen.

Es gab nur wenige Möglichkeiten. Weglaufen, was die Wölfe anlocken und zur Verfolgung zwingen würde, sodass ihre Bestien mich jagen müssten, auch wenn sie nicht deswegen gekommen waren. Verstecken, was selbst mit meinen stärksten Schutzwaffen unwahrscheinlich war. Oder mich ergeben und möglicherweise sterben. Nicht gerade die beste Auswahl an Möglichkeiten.

Ich entschied mich für die erste Möglichkeit und sprintete zum Auto, in der Hoffnung, dass es anspringen würde. Entschlossenheit konnte der Magie oft einen zusätzlichen Vorteil verschaffen. Sekunden später hörte ich das Knurren und Schnaufen einer Verfolgungsjagd. Ich rannte, bis ich vernahm, wie die Krallen durch das Gebüsch rissen, und das Knurren und Schnaufen hinter mir kam immer näher. Es waren mehr als einer. Meine empfindliche Nase unterschied mindestens drei verschiedene Gerüche, von denen mir keiner bekannt war. Doch es blieb keine Zeit, sie nach ihren Namen zu fragen, und zurückzublicken war nur etwas, was die Leute in Filmen taten, kurz bevor sie starben. Stattdessen stellte ich mir vor, wie meine Beine und Arme so stark pumpten, dass ich fliegen konnte. Ich konnte nicht wirklich fliegen, aber der Visualisierungszauber erhöhte meine Geschwindigkeit ein wenig. Der Zauber veränderte lediglich die Balance von Gewicht und Widerstand. Vielleicht würde es ausreichen.

Trotzdem hätten sie mich einfach überholen können. Ich war größtenteils ein Mensch. Auf zwei Beinen war ich langsamer als die meisten Werwölfe, aber jahrelang hatte ich genau das geübt, was ich jetzt tat. Mein Adoptivvater hatte mir immer gesagt, ich sollte nicht weglaufen, weil es einen aggressiven Werwolf nur noch mehr anstachelte. Mit dem Tod als Alternative war das keine gute Wahl. Rational gesehen wollten mich Boten meines Adoptivvaters nicht tot sehen, sondern wahrscheinlich bloß verängstigt. Wenn sie nicht von ihm geschickt worden waren, war ich nur ein Eindringling und niemand würde mich vermissen.

Ich erreichte das Auto in Rekordtempo und war froh, dass ich es unverschlossen gelassen hatte. Es war ja nichts drin, was man hätte stehlen können. Durch die Beifahrertür sprang ich hinein, schloss und verriegelte sie hinter mir und versteckte mich vor dem Rudel. Die Fenster waren geschlossen, da sie in der ganzen Zeit, in der ich das Auto besaß, nicht richtig funktioniert hatten. Es war nur ein kleines Hindernis, aber alles, was ich wirklich hatte. Auf dem Fahrersitz landend steckte ich den Schlüssel ein, als einer der Wölfe mit voller Wucht auf dem Dach landete, es verbeulte und das Metall kratzende Geräusche von sich gab.

Fuck.

Es war eine graue Bestie mit endlos vielen Reißzähnen und Krallen, die an den Fenstern schabten. Werwölfe waren etwa doppelt so groß wie normale Wölfe. Oft größer als der Mensch, der sie gewesen waren, und hundertmal tödlicher. Im Inneren des Wagens hatte ich Schutzzauber gelegt. Nur kleine, um das Glas vor dem Zerbrechen zu bewahren und dem Rahmen Stärke zu verleihen, aber lange würden sie nicht halten.

Das Auto sprang nicht an. Es stotterte nicht einmal, als hätte es noch Leben in sich. Ich verfluchte es und trat gegen das Armaturenbrett. Jetzt war nicht die Zeit, meine Magie zu ignorieren.

Einer der Wölfe warf sich auf die Motorhaube und stürzte sich mit Krallen und Reißzähnen auf die Windschutzscheibe. Ein anderer schabte an der Seite des Wagens entlang und erzeugte das schreckliche, hohe Quietschen von reißendem Eisen. Meine Schutzschilde konnten sie nicht davon abhalten, das Auto um mich herum in Stücke zu zerfetzen. Die Windschutzscheibe begann zu splittern. Zu viel Masse brachte das ganze Auto aus dem Gleichgewicht, als das Dach einbrach, die Seitenwände weggerissen wurden und die Scheiben zerbarsten.

Entscheidungen. Das Leben war voll davon. Manche waren einfach, wie die Frage, was es zum Abendessen gab. Andere bedeuteten Leben oder Tod. Auch wenn das keiner Entscheidung bedurfte. Ich hatte keine Wahl mehr. Das Auto fiel um mich herum auseinander. Niemand machte Anstalten, mit mir zu reden, also waren diese Wölfe wahrscheinlich nicht von meinem Adoptivvater geschickt worden. Es sei denn, er wollte mich tot sehen. Der Gedanke daran brannte sich wie ein Messer in mein Eingeweide. Die einzige Wahl, die mir blieb, war, alles aufzugeben, mich zu verwandeln und zu fliehen.

Als Mensch war ich langsamer als die meisten Werwölfe, selbst mit meinem Vorrat an Zaubern. Als Mensch hatte ich auch nur begrenzte Ressourcen. Meine Magie war nicht stark genug, um sie zu verletzen, also konzentrierten sich meine Zaubersprüche mehr auf die Verteidigung als auf den Angriff. Ich vermutete, dass dies der einzige Grund war, warum ich so lange unter den Werwölfen hatte leben dürfen. Eine Zeit lang vermied ich es, mich zu verwandeln, weil es die Anderen anzuziehen schien. Als könnten sie spüren, dass ich an der unsichtbaren Magie zog, die mich mit dem Universum verband. Die einzige wirkliche Macht, die ich hatte, war meine eigene Verwandlung. Nichts so Spektakuläres wie ein Wolf. Nicht bösartig und auch nicht besonders raubtierhaft.

Meine alternative Form war einem Werwolf nicht gewachsen.

„Mein schöner kleiner Fuchs“, hatte Felix oft mit einem Lächeln im Gesicht gesagt. „So schlau und schlagfertig.“ Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr er mich als Besitz betrachtet hatte. Nur ein hübsches Spielzeug, das in ein Regal gestellt werden sollte.

Ich war kein Spielzeug. Ich war ein Hexengeborener. Manchmal war der einzige Vorteil einer Verwandlung, dass sie andere verwirrte, mir Zeit zur Flucht verschaffte, oder sogar meinen Geruch überdeckte. Oft waren Überraschung und Schnelligkeit alles, was ich wirklich benötigte.

Ich schlängelte mich aus meinen Kleidern, als die Windschutzscheibe zu zerbersten begann und die Fahrertür quietschend weggerissen wurde. Werwölfe brauchten viel Zeit, sich zu verwandeln, einige der schwächeren Wölfe bis zu einer halben Stunde. Stärkere Wölfe schafften es in etwa zehn Minuten. Meine Verwandlung war nahtlos. Ein Geschenk der Magie, kein Fluch des Blutaustauschs.

In der einen Sekunde war ich ein Mensch, in der nächsten ein Fuchs. Nun klein und schlüpfrig huschte ich zwischen den Beinen des Wolfes hervor, der die Tür zwischen seinen Reißzähnen hatte. Ich flitzte unter seinem Bauch durch, angetrieben von Magie und Angst. Dann überquerte ich die Straße im Laufschritt, zwängte mich durch Öffnungen, durch die die Wölfe niemals passen würden, und bewegte mich im Zickzack, um zu verwirren, welchen Weg sie auch immer zu nehmen gedachten. Sie waren hinter mir. Ich konnte sie hören, doch ich musste mich auf meine Flucht konzentrieren.

Lauf! Mein kleines Fuchsgehirn verfügte nicht über dieselben höheren Funktionen wie ich als Mensch, aber es war nah dran. Panik war jedoch Panik, und ich entschied mich weiterhin für Flucht statt Kampf. Lauf, lauf, lauf, sprach ich mir gut zu, ohne wirklich auf den Weg zu achten.

Selbst als Fuchs war ich nur knapp schneller als sie. Ich schlängelte mich durch Straßen, Brombeersträucher und Bäume, in der Hoffnung, die Werwölfe aufhalten zu können. Einer von ihnen kam mir so nah, dass er meinen Schwanz streifte, und ich rannte noch schneller. Für sie war es jetzt ein Spiel, das wurde mir klar. Zwei von ihnen waren seitlich von mir und trieben mich in die Fänge ihres Alphas. Wieder fragte ich mich, ob es der Alpha aus der Bäckerei war. Er schien nett zu sein. Hatte schöne Augen und Grübchen. Es war nur passend, dass er ein Monster war, denn ich hatte ihn gewollt. Eine Erinnerung daran, wie schlecht ich bei der Auswahl von Männern war. Vielleicht ein Fluch meiner Familie. Meine Mutter hatte das gleiche Pech gehabt. Verliebt in einen Mann, der starb, bevor er wissen konnte, dass ich gezeugt worden war. Sie hatte mir immer gesagt, dass Liebe etwas war, worüber man in Büchern schrieb. Lust sei das, was im wirklichen Leben passierte und die Menschen in Schwierigkeiten brachte. Und wieder einmal dachte ich, dass sie recht gehabt haben könnte.

Plötzlich ging mir die Straße aus. Da war eine Art Mauer. Wie die, die man am Straßenrand baute, nur dass sie kein Gefälle hatte, sondern einfach nur gerade hoch und runter ging, soweit ich sehen konnte. Die beiden Werwölfe näherten sich von den Seiten, und die Krallen des letzten knirschten hinter mir auf dem Kies. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass wir eine Art Schotterweg gefunden hatten. Ein Platz für den Wasserabfluss vielleicht. Der Ort, an dem ich wahrscheinlich sterben würde.

Mit dem Rücken zur Wand stehend, schaute ich sie nun direkt an. Meine Reißzähne und Klauen konnten es nicht mit drei Werwölfen aufnehmen, aber ich würde kämpfend untergehen. Lieber sollte ein Fuchs als ein Mensch zerrissen und den Krähen überlassen werden. Wenigstens hatte ich in dieser Gestalt auch Reißzähne und Klauen. Das Brennen in meinem linken Arm verstärkte sich. Noch mehr Wölfe? Fuck!

Der große, graue Wolf knurrte mich an und schritt langsam auf mich zu. Er muss den Geruch meiner Angst genossen haben. Einer der anderen Wölfe kam näher und holte zum Schlag aus, dem ich auswich, aber er erwischte die Kante meiner Flanke und verpasste mir eine Wunde an meiner rechten Hüfte. Ich jaulte auf, als der Schmerz aufflackerte. Nun würden sie wahrscheinlich alle angreifen und meine Flucht beenden.

Doch etwas flog über mich hinweg und landete mit der Wucht eines Lastwagens auf dem grauen Wolf. Ein anderer stürzte sich von der Spitze der Mauer auf den Wolf, der mich verletzt hatte, und riss ihm die Kehle heraus. Jetzt kämpfte der graue Wolf mit einem riesigen schwarzen Wolf. Die beiden wälzten sich, knurrten und zerrten aneinander. Der dritte Wolf sprintete auf mich zu und ich duckte mich und rollte mich unter ihm hindurch. Dann drehte ich mich, damit meine winzigen Krallen seinen Bauch aufschlitzten.

Heißes Blut strömte über mich, aber der Wolf schnaufte nur und machte eine kleine Drehung, um eine Pfote nach mir zu heben. Ich spürte den Schlag, bevor ich sah, dass er sich wirklich bewegte. Der Schmerz explodierte in all meinen Sinnen. Sterne und Farbwirbel überfluteten meine Sicht, als seine Krallen die Seite meines Kopfes trafen. Ich war mir sicher, dass er meinen Schädel durchbohrte, und ich flog gegen die Wand, wobei mein Körper vor Schmerz aufblühte. Eine Explosion schoss durch meine Wirbelsäule bis in mein Gehirn. Die Welt verblasste, als ich in einem gebrochenen Haufen auf dem Boden neben der Mauer lag und beobachtete, wie der schwarze Wolf mit dem grauen kämpfte, und sich der zweite Wolf, ein blassbrauner, auf den Wolf stürzte, der mich angegriffen hatte.

Das war’s, dachte ich. So viel dazu, jemals nach Hause zu gehen. Oder ein Zuhause zu finden. So viel zu den Träumen von Freiheit. Mein Herz pochte. Ich spürte, wie Blut aus meinem Kopf sickerte. Auf meinem linken Arm und meinem rechten Handgelenk befanden sich Tätowierungen, die die Heilung beschleunigen sollten. Aber sie würden nicht ausreichen. Nicht, wenn meine Wirbelsäule gebrochen und mein Schädel zersplittert war. Mein Körper konnte nicht genug Energie speichern, um Knochen zu heilen und mich gleichzeitig vor dem Verbluten zu bewahren. Wenigstens würde es schnell gehen und ich hatte Zeit zum Nachdenken, als die Dunkelheit meine Sicht überlagerte. Versunken in der Schwärze hörte ich das Knurren der kämpfenden Werwölfe, das mich an zu Hause erinnerte.

Kapitel 3

„Das frage ich ihn, wenn er aufwacht.“

„Falls er aufwacht“, sagte jemand.

„Er wird aufwachen. Ein paar Mal war er kurz davor“, antwortete die erste Stimme. Ihr Ton war sanft, beruhigend und nah. Mein ganzer Körper schmerzte, es war nicht angenehm, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich sterben würde. Der Schmerz bedeutete auch, dass ich nicht tot war. Was mich zu der Frage brachte, wo ich war. Hatten die Werwölfe mich? Und wenn ja, welche?

Es war traurig, dass ich sie sofort anflehen wollte, mein Zuhause zu kontaktieren. Nicht, dass ich wirklich ein Zuhause hatte. Vielleicht würde Apa mich zurücknehmen. Vielleicht würde er Hilfe schicken. Vielleicht würde er mich einfach aus diesem Elend befreien.

In meinem Inneren herrschte zum ersten Mal seit Langem wieder Ruhe und Gelassenheit. Die Angst war fast nicht mehr vorhanden. So lange hatte ich mit diesem überwältigenden Druck gelebt, dass seine Abwesenheit bemerkenswert war. Hatte ich mich vor dieser Nacht tatsächlich so gefühlt? Frei von der endlosen Angst? Normalerweise bot mir nicht einmal der Schlaf eine vollständige Zuflucht. Vielleicht war ich nicht tot, sondern lag im Sterben, und deshalb spürte ich keine Angst. Meine Kraft reichte nicht aus, um meine Augen zu öffnen. Der Schlaf war zum Greifen nah und trieb mich erneut an den Rand der Dunkelheit. Ich wartete darauf, dass er mich wieder herunterzog, aber das tat er nicht.

Eine warme Hand berührte meinen Kopf, als tasteten sie nach Fieber. „Die Temperatur normalisiert sich. Das ist ein gutes Zeichen.“

„Sein Blut hat sich mit dem des Wolfes vermischt, den ich getötet habe.“

Ich war bei den Wölfen, die diejenigen angegriffen hatten, die mich verfolgt hatten. Das bedeutete natürlich, dass ich nicht in Sicherheit war.

„Es ist allgemein bekannt, dass er immun ist.“

Werwölfe wurden nicht geboren. Sie wurden erschaffen. Gewalt und Tod veränderten sie auf eine ähnliche Art wie Vampire, sobald sie ihre eigenen erschufen. Die meisten der wirklich schrecklichen Flüche hingen mit Blut zusammen. Das wusste ich aus Erfahrung, auch wenn mein Blut bei der Geburt verdorben gewesen war. Da ich in einem Wolfsrudel aufgewachsen war, hatte ich reichlich Gelegenheit gehabt, zu sehen, wie aus der Gabe ein Fluch wurde.

„Hexengeborene sind normalerweise immun. Und das aus gutem Grund“, knurrte der andere. „Ich sage, wir werfen ihn dahin zurück, wo er hingehört. So einen Ärger können wir hier nicht gebrauchen.“ Der Mann klang wütend und bewegte sich hin und her, wahrscheinlich weil er auf‐ und abging. „Felix hat eine Belohnung für ihn ausgesetzt.“

„Die Xander bereits außer Kraft gesetzt hat. Sie haben deswegen fast einen Krieg begonnen. Nur wird niemand gegen Xander kämpfen. Nicht einmal Felix“, sagte die Stimme neben mir. „Und wenn mir Felix in die Quere kommt, werde ich ihn einfach wieder verprügeln.“