Wolkenüberflaggt: Gedichte - Lotz, Ernst Wilhelm - kostenlos E-Book

Wolkenüberflaggt: Gedichte E-Book

Lotz, Ernst Wilhelm

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The Project Gutenberg EBook of Wolkenüberflaggt, by Ernst Wilhelm LotzThis eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and withalmost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away orre-use it under the terms of the Project Gutenberg License includedwith this eBook or online at www.gutenberg.orgTitle: Wolkenüberflaggt       GedichteAuthor: Ernst Wilhelm LotzRelease Date: December 17, 2013 [EBook #44452]Language: German*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WOLKENÜBERFLAGGT ***Produced by Jens Sadowski

WOLKENÜBERFLAGGTGEDICHTEVONERNST WILHELM LOTZ

LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG 1917

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Herbst 1916 als sechsunddreißigster Band der Bücherei „Der jüngste Tag“

COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG

ERSTER TEIL. I. GLANZGESANG

GLANZGESANG

Von blauem Tuch umspannt und rotem Kragen,

Ich war ein Fähnrich und ein junger Offizier.

Doch jene Tage, die verträumt manchmal in meine Nächte ragen,

Gehören nicht mehr mir.

Im großen Trott bin ich auf harten Straßen mitgeschritten,

Vom Staub der Märsche und vom grünen Wind besonnt.

Ich bin durch staunende Dörfer, durch Ströme und alte Städte geritten,

Und das Leben war wehend blond.

Die Biwakfeuer flammten wie Sterne im Tale,

Und hatten den Himmel zu ihrem Spiegel gemacht,

Von schwarzen Bergen drohten des Feindes Alarm-Fanale,

Und Feuerballen zersprangen prasselnd in Nacht.

So kam ich, braun vom Sommer und hart von Winterkriegen,

In große Kontore, die staubig rochen herein,

Da mußte ich meinen Rücken zur Sichel biegen

Und Zahlen mit spitzen Fingern in Bücher reihn.

Und irgendwo hingen die grünen Küsten der Fernen,

Ein Duft von Palmen kam schwankend vom Hafen geweht,

Weiß rasteten Karawanen an Wüsten-Zisternen,

Die Häupter gläubig nach Osten gedreht.

Auf Ozeanen zogen die großen Fronten

Der Schiffe, von fliegenden Fischen kühl überschwirrt,

Und breiter Prärien glitzernde Horizonte

Umkreisten Gespanne, für lange Fahrten geschirrt.

Von Kameruns unergründlichen Wäldern umsungen,

Vom mörderischen Brodem des Bodens umloht,

Gehorchten zitternde Wilde, von Geißeln der Weißen umschwungen,

Und schwarz von Kannibalen der glühenden Wälder umdroht!

Amerikas große Städte brausten im Grauen,

Die Riesenkräne griffen mit heiserm Geschrei

In die Bäuche der Schiffe, die Frachten zu stauen,

Und Eisenbahnen donnerten landwärts vom Kai. — — —

So hab ich nachbarlich alle Zonen gesehen,

Rings von den Pulten grünten die Inseln der Welt,

Ich fühlte den Erdball rauchend sich unter mir drehen,

Zu rasender Fahrt um die Sonne geschnellt. — — —

Da warf ich dem Chef an den Kopf seine Kladden!

Und stürmte mit wütendem Lachen zur Türe hinaus.

Und saß durch Tage und Nächte mit satten und glatten

Bekannten bei kosmischem Schwatzen im Kaffeehaus.

Und einmal sank ich rückwärts in die Kissen,

Von einem angstvoll ungeheuren Druck zermalmt. —

Da sah ich: Daß in vagen Finsternissen

Noch sternestumme Zukunft vor mir qualmt.

IN DEINEM ZIMMER

In deinem Zimmer fand ich meine Stätte.

In deinem Zimmer weiß ich wer ich bin.

Ich liege tagelang in deinem Bette

Und schmiege meinen Körper an dich hin.

Ich fühle Tage wechseln und Kalender

Am Laken, das uns frisch bereitet liegt,

Ich staune manchmal still am Bettgeländer,

Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt.

Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten

Ein Ton zu unserm Federwolkenraum,

Den schlingen wir verschlafen in die bunten

Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum.

DER TÄNZER

Ich weiß, daß ich in lichtem Traume bin,

Der mich bewege und mich himmlisch quäle:

Ich tanze über blanke Treppen hin,

Die auf und nieder gehn durch weite Säle.

Ich gleite ungehüllt auf nackten Füßen,

Viel Lichter breiten mir den Schaukelgang,

Mein Körper biegt sich spielend in dem süßen

Gefühl der Wellen und der Glieder Drang.

Und meine Augen langen in die Runde,

Wo drunten viele Hundert Männer stehn,

Die aufwärts starren mit beschämten Munde

Und lüstern meine rühren Reize sehn.

Vorüber tanze ich den langen Blicken,

Durchpulst von einem eigen-sichern Schwung:

Ich weiß, ich banne hundert von Geschicken

In meines Leibes weißen Wellensprung.

Die Wände dehnen sich. Die Sterne scheinen

Vereist herein. Getilgt sind Raum und Zeit.

Und aller Erde Mannheit, sich um mich zu einen,

Umwogt die runde Fahne meiner Mannbarkeit.

LICHT

Licht umzieht mich, umsingt mich, umfließt mich,

Spielend lasse ich meine Glieder im Fließenden plätschern —

Ein blankes Bassin umspannt mich die Straße,

Weit, weich, wiegend

Ich wasche mich ganz rein.

Aus euren Köpfen, ihr schwimmenden Straßenwanderer,

Die ihr nichts von mir wißt,

Gebrauche ich schimmerndes Augenweiß, meinen Leib zu bedecken,

Hell zu beschäumen,

Meinen jung sich hinbiegenden Schwimmerleib.

O wie ich hinfließe im Licht,

O wie ich zergehe,

Wie ich mich durchsichtig singe im Licht.

FRÜHLINGSATEM

Eine Liebesfrohheit hat meine Wangen rot gepudert.

Mein Atem mischt sich weich dem Tagwind.

Wo ich die Straßen betrete, sind sie zum Festzug bereitet,

Ein blumiges Schauvolk festschreitet und gleitet.

Menschen erwartungs-groß haben sich aufgestellt,

Aus allen Fenstern kommen Blicke zu mir Sonntag-erhellt.

Mit bloßem Kopf und mit vor Jungkraft federnden Zehen

Muß ich immer und immer wieder durch Sonnenstraßen gehen.

Ich habe ein fernblaues Mädchen, am Ende der Straße erschaut,

Das liebruhelos Säulen von Sonnenstaub vor mir baut.

Und während ich gehe, geht in meiner Herzbrust jemand mit viel schnelleren Füßen.

Und ruft: Wir werden heut küssen!

Weichluft-umschlungen verzittert mein Jubelschrei hinab in die Brust.

Und mein Atem strömt ab in den Wind.

Von Dächern weht ein Gelächter.