Wort_Zone 3.0 -  - E-Book

Wort_Zone 3.0 E-Book

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Beschreibung

Neue Prosatexte und Essays von Martin Walser, Adolf Muschg, Dominik Riedo, Rolf Tschudi, Matthias Ulrich, Markus Michel, Beatrice Noll, Brigitta Römer u.a.

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Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Editorial

Die Texte der dritten Ausgabe der »Wort_Zone« spielen im Zug oder in der U-Bahn, in Frankreich oder in Dänemark, in Berlin oder am Bodensee, sie handeln von erloschenen Liebschaften, verlassenen Frauen oder alten Männern. Es geht darin um die Lage der Nation oder um ein Wort wie »Heimatlich«, das im Protagonisten ein Fremdkörpergefühl auslöst. Ein essayistischer Schwerpunkt ist dem großen Max Frisch gewidmet.

Allen Texten ist gemeinsam, daß ihre Verfasserinnen und Verfasser ihren Wohnsitz in einer Region haben (oder hatten), die von Ulm bis Bern, von Zürich bis Stuttgart, von Karlsruhe bis Liechtenstein reicht. Ob diese gemeinsame Verortung im alemannischen Raum ihr Schreiben beeinflußt, vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall ist dieses Schreiben einerseits regional verwurzelt und reicht andererseits doch gleichzeitig weit darüber hinaus.

Als Leser der »Wort_Zone« können Sie mit den Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe vielfältige literarische Vagabondagen unternehmen – sowohl an den Rändern Deutschlands und der Schweiz als auch weit über diese Ränder hinaus. Stets mit spannenden Texten im Gepäck.

Klaus Isele

Inhalt

P

ROSA

Martin Walser –

Ein sterbender Mann

Markus Michel –

Grenzfluss September

Gabriele Loges –

Mirabel/Der Mann mit dem Hut/Die Glastür

Karin Pickhardt Benassa –

Im Zug

Marc Djizmedjian –

Die Messer/Die Stadt/Die Geher

Marie-Claire Marquis –

Tag für Tag ein schönes Leben

Matthias Kohm –

Kleines Gewerbe

Susanne Amtsberg –

Der Koffer

Eberhard Neubronner –

Dänisches Intermezzo

Sebastian Winterberg –

Bodensee-Fieber

Regine Schaaf –

Auch Eritrea liegt am Schwäbischen Meer

Beatrice Noll –

Ruhe sanft

Matthias Ulrich –

Châtelet oder der Abschied

Rolf Tschudi –

Jump’n Dream

Brigitta Römer –

Almas Sommer

Ralf Frodermann –

Brenners

E

SSAY

Adolf Muschg –

Hermann Hesse und Max Frisch

Dominik Riedo –

Der Staat voll Ignoranten (M. Frischs ›Fiche‹)

Konrad Heyde –

Mobbing auf Bibliothekarisch

Hansjörg Straub –

Talking heads

25 Fragen (Folge 3): beantwortet von

Gianni Kuhn

Lieblingssätze aus empfehlenswerten Büchern

Rezensionsteil

Martin Walser

Ein sterbender Mann

Erster Bericht an die Regierung

Gruß,

Th. Sch.

Zweiter Bericht an die Regierung

Bevor Theo Schadt verschwindet, glaubt er, es dem Gemeinwesen, von dem er, mit dem er gelebt hat, schuldig zu sein, einen Vorschlag zu hinterlassen, der, wenn er verwirklicht werden würde, nützlich sein könnte.

Es geht um die allen bekannte Mittelmeerkatastrophe, um die Menschen, die täglich an der Festung Europa zu Grunde gehen. Und es wäre, so Theo Schadt, möglich, diese Tragödien zu beenden, wenn jeder, der in Deutschland ein Haus sein eigen nennt, einen Flüchtling aufnehmen würde. In jedem Haus hat noch ein Flüchtling Platz. Theo Schadt besitzt jetzt noch drei Häuser, hat also Platz für drei Flüchtlinge. Jeder, der ein Haus besitzt, kann dann ein Jahr lang für diesen Flüchtling sorgen. Nach diesem Aufnahme-Jahr übernimmt der Staat die Sorge. In diesem Jahr hat der Hausbesitzer alles getan, den Flüchtling in unserem Gemeinwesen aufzunehmen: Sprache, Ausbildung und was sonst noch nötig sein kann. Hilfswerk der Hausbesitzer soll es heißen. Die Hausbesitzer machen endlich Gebrauch von ihrem Privileg, Hausbesitzer zu sein. Aber der Staat, die Regierung muss Ja sagen zu diesem Hilfswerk. Vorausgesetzt, die Hausbesitzer haben kundgetan, dass sie mitmachen. Keiner soll gezwungen werden, aber eingeladen fühlen soll sich jeder. So könnte sofort eine Million Flüchtlinge untergebracht werden. Und das Beispiel könnte in Europa wirken. Hausbesitzer aller Länder vereinigt euch endlich! Macht eurem Namen, eurem Stand alle Ehre. Abgesehen davon, dass die Tragödie auch eine Drohung enthält.

In großer Hoffnung,

Theo Schadt

Dritter Bericht an die Regierung

Die Arbeitgeber sollen sagen, welche Tarifabschlüsse sie bräuchten, um neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Sie sollen zusagen, dass sie bei solchen Tarifabschlüssen in der und der Zeit so und so viele Arbeitsplätze schaffen.

Die Gewerkschaften sagen solche Abschlüsse zu unter EINER Bedingung: Der Lohnverzicht jetzt wird behandelt wie ein Darlehen, zurückzuzahlen mit Zins, wenn durch diesen Abschluss die Konjunktur wieder ins Laufen gekommen ist. Sollte die Konjunktur trotz dieses Stillhalteabkommens nicht ins Laufen kommen, sollte also auch die Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten nichts bewirken, so wissen wir, dass unser ganzes Modell nicht mehr stimmt und wir müssen so bald wie möglich ein anderes entwickeln. Aber probiert werden sollte eine Besserung durch eine noch nicht dagewesene Flexibilisierung. Deren Grundlage: guter Wille UND Vertrauen.

Theo Schadt

PS: Es stört hoffentlich keinen der Tarifpartner, dass die Gewerkschaften in diesem Vorschlag als Bank auftreten.

Vierter Bericht an die Regierung

Mit zweiunddreißig kam Theo Schadt nach München, also vor vierzig Jahren, und ihm fiel auf, dass viele Leute in der U- und in der S-Bahn lasen. Er weiß noch, wie unhöflich er das damals gefunden hat. Und das ist heute immer noch so, immer noch lesen die Leute oder sind jetzt in ihr Handy vertieft.

Warum können die Leute nicht einander genießen? Jeder Mitfahrende ist ein Schicksal, eine Geschichte, hat ein Gesicht, in dem alles steht, was ihm oder ihr passiert ist. Und dass sehr viel passiert ist, das steht in allen Gesichtern. Die Gesichter der Leute sind Landschaften des Lebens.

Statt Zeitung zu lesen, liest Theo die Gesichter der Mitfahrenden. Er folgt ihren Unterhaltungen, die er nicht hört, aber sieht. Aus den Gesichtern und Bewegungen kriegt er mit, was sie sagen.

Direkt vis-à-vis von ihm ein Paar, er sicher Polizist, sie Studienrätin (mit getönter Haut), beide kauten. Das fesselte Theo. Sie kauten nicht auffällig oder heftig wie Jüngere oft kauen, sondern diskret. So oft Theo hinschaute, sie kauten immer noch. Dieses Kauen ohne jeden Temperamentsanteil und dass sie es beide unheimlich synchron taten, das beschäftigte ihn noch, nachdem sie längst ausgestiegen waren. Am Goetheplatz. Sie standen auf, beide kauten nicht mehr. Zum Glück stiegen sie aus, sonst hätte er die beiden jungen Frauen übersehen, die zwischen den Türen standen und sich, wie heftig die U-Bahn auch ruckte und schwankte, nie an einem der angebotenen Griffe hielten. Sie federten offenbar alles mit ihren Beinen ab. Das bewunderte er natürlich. Und sie redeten aufeinander ein, beide redeten und lachten immer gleichzeitig. Die Japanerin reagierte, die Hiesige servierte. Bei einer großen Geste der Hiesigen kann der Text nur geheißen haben: Das ist doch einfach unappetitlich! Die Japanerin bedeckte mit ihrer fabelhaft feinen rechten Hand ihren lachenden Mund und streckte die linke Hand weit nach oben offen von sich, was nur ihre totale Zustimmung ausdrückte. Wenn man Schönheit messen könnte, wäre sie jetzt die Weltschönste gewesen. Aber da stellte sich schon ein Mann direkt vor Theo hin, ein unter allen Umständen anschauenswerter Mann. Haare und Bart gleich weiß. Die Haare, eine hohe weiße Welle, die sich fast elegant über der Stirn wölbte. Der Bart rahmte das Gesicht sorgfältig und setzte es nach unten fort. Schwarz gerahmte Brille und große Augen. Wie erträgt dieser noch nicht fünfzigjährige Mann seine Erscheinung? Wie erträgt man es, so auffällig zu sein? Theo wusste, er werde den so schnell nicht mehr vergessen. Dass der sich täglich mehr als einmal im Spiegel begegnet, mag man sich nicht vorstellen. Der muss einverstanden sein mit seinem dramatischen Aussehen. Dass er braunbeige Shorts anhat, Shorts mit Umschlägen wie sie sonst an langen Hosen üblich sind, bei ihm aber nur bis zu den Knien reichten, das, kann man sagen, passte einerseits, andererseits steigerte es die Auftrittsdramatik dieses Mannes, den man keinesfalls einen Herren nennen dürfte. Eher schon Kommandierender einer Kolonialarmee. Und er schaute, solange er dastand, schräg in die Höhe. Das hieß: Er schaute keinen Menschen an, sondern ließ sich anschauen.

Es war eine ungeheure Stimme, die Theo von diesem Solisten wegriss. Ein gewaltiger Schwarzer, jetzt schräg vis-à-vis, in einer Lederjacke reich an schrägen Reißverschlüssen, behängt mit zahllosen Taschen. Er sprach, ja, er rief in ein Handy hinein, das in seiner riesigen Hand so verschwunden war, dass es wirkte, als spreche er, riefe er sich selber in die gewölbte Hand. Und da er eine Sprache sprach, die keinem bekannt sein konnte, sprach er so laut, als fahre er in dieser U-Bahn allein. Wir hörten alle seinem wunderbaren Singsang zu und verstanden alles. Und wenn er lachte, weil ihm etwas Erheiterndes gesagt wurde, lächelten wir unwillkürlich mit! Einmal lachte er so, dass ein paar seiner an ihm hängenden Taschen verrutschten. Er musste sie sozusagen wieder einfangen.

Liebe Regierung, was will Theo Schadt damit sagen? Jetzt, kurz bevor er verschwindet, will er fragen, ob es denkbar wäre, dass die Regierung, das heißt, eben ein für so etwas zuständig sein dürfendes Amt in der Regierung, ob dieses Amt nicht versuchen könnte, eine Art Propaganda zu machen durch Plakate, Ansagen usw., eine Propaganda gegen das Lesen in öffentlichen Verkehrsbetrieben. Eine Werbung dafür, dass die Leute in der U- und in der S-Bahn und in den Bussen einander wahrnehmen, erlebten.

Es muss ja nichts verboten werden. Nur hingewiesen darf werden auf den unermesslichen Reichtum, der da in jedem U- oder S-Bahnwagen durch die Röhre schießt. Ne einmalige Schangs, ohne Risiko, liesthört er rechts von sich. Ich krieg nichts mehr mit, kann das nur heißen, was ein Altersgenosse gerade einem Uninteressierten sagt. Du weißt, was ich meine, schmetterte die Sechzehnjährige ihrem drei Köpfe größeren Siebzehnjährigen hinauf. Gestern zum Beispiel, als schon kaum mehr Leute im Wagen waren, saß ihm gegenüber auf der Bank ein, man muss schon sagen, Mädchen, das hatte die Beine so übereinander geschlagen, dass von Rock oder Kleid nichts übrig blieb. Mächtige Schenkel, schwarz bekleidet, aber so, dass die Haut noch durchschimmerte. Theo starrte nicht andauernd hin. Aber dann, das Sensationelle: Als die Bahn an der Brudermühlstraße wieder losraste und Theo doch wieder hinschaute, da war ihr Schoß ein Nest geworden, darin ein winziges Hündchen, das hauptsächlich aus Ohren und Augen bestand. Aus dem offenen Mäulchen flatterte eine winzige Zunge. Das Hündchen zitterte am ganzen Körper von seiner Geburt. Theo wusste sicher, dass das Hündchen bis zur Brudermühlstraße noch nicht da, noch nicht auf der Welt gewesen war. Das Mädchen griff in eine schwarzgleißende Handtasche, holte eine Flasche hervor und trank lange daraus. Klar, auch sie hatte es angestrengt, dieses Hündchen zur Welt zu bringen

Theo konnte, bis er in Obersendling aussteigen musste, nicht mehr wegschauen von diesem allmählich ruhiger werdenden Geschöpf. Eigentlich hätte er gern gratuliert. Aber das traute er sich nicht. Hinaus. Und weg. Aber an der Tür standen schon zwei: ein alter Mann mit Stock, total dürr, im Gesicht das ganze zwanzigste Jahrhundert. Neben ihm eine Mädchenfrau, strahlend. Dann doch nicht seine Urenkelin. Der Mann zu ihr: Machen Sie dann, bitte, die Tür auf. Sie: Aber ja, gern. Der Mann: Sonst falle ich um. Ich habe nur ein Bein. Sie: Ach so. Der Mann: Abgeschossen in Russland. Sie half ihm hinaus.

Das ist die U-3!

Und jetzt ist er gespannt, ob sich ein Amt findet, das sich seines Anliegens annehmen möchte. Mein Gott, gestern noch, dieses Mädchen: als entsprängen alle ihre Haare direkt über der Stirn. Eine Handbreit hohe Haarwoge entsprang da und strömte sofort nach hinten. Eine braune Haarflut, die aber hellblond wirkte, weil die Haare, je weiter oben sie liefen, umso blonder waren. Aber man sah, dass sie auf einem braunen Haarstrom liefen. Nach hinten liefen und dann, nach den Ohren, links und rechts in die Tiefe fielen. Es waren so viele Haare, dass sie sich vor den Schultern, links und rechts, auf ihren Brüsten verloren. Obwohl sie nicht außereuropäisch aussah, konnte er sie nirgends in Europa unterbringen. Neben ihr eine alt wirkende Frau, die noch keine fünfzig war. Sie hatte ein Gesicht, das Erfahrungen bewahrte. Die jüngere würde nie ein solches Gesicht haben. Die ältere las natürlich. Die jüngere würde nie lesen. Ihr Gesicht zeigte, dass das Mädchen uninteressiert an allem war, außer an sich selbst. Aber auch das ohne jeden Aufwand, ohne jede Tendenz. Sie schaute nirgendwohin. Sie war weder nachdenklich noch unnachdenklich. Sie wartete nicht darauf, aufstehen, da und da aussteigen zu müssen. Das alles musste nur die Alte. Aber die las.

Klar, wenn alle auf so ein Mädchen reagierten wie er – , das würde das Bruttosozialprodukt gefährden. Aber vielleicht nähme etwas anderes zu. Bevor er davon schwärmt, schließt er. Aber noch der ihr gegenüber, der immer ein Wurstbrot nach dem anderen aß. Bevor er eines aß, schlug er es jedes Mal auf und betrachtete die Salamischeiben genussvoll. Der wird auch niemals lesen!

Hohe Regierung, in den Sätzen, als wären’s Maschinen, arbeiten die Wörter, produziert wird Sinn!

Th. Sch.

Vorabdruck aus einem neuen Roman des Autors

Markus Michel

Grenzfluss September

Sie stehen auf einem Felsvorsprung im Jura. An der Grenze. Max und Michael, sein erwachsener Sohn; Eliane und Gérard, langjährige Freunde. Tief unten, ungefähr dreihundert Meter unter ihnen, der Doubs, gestaut zu einem schmalen See. Vor ihnen, vor dem Abgrund, ein rostiges Geländer. Gegenüber liegt Frankreich. Felsen, Tannen, Weiden. Ein paar Häuser. Ein Sträßchen schlängelt sich den steilen Hang hinauf. Der Blick reicht bis zu weit entfernten Höhenzügen der Franche-Comté, der französischen Freigrafschaft.

Die Abendsonne scheint schräg durch einen Wolkenschleier. Max schaut die Felswand hinunter und fragt sich, auf welcher Seite des Felsvorsprungs es am günstigsten sei. Er öffnet den Rucksack, nimmt die Urne heraus. Mit einem Vierkantschlüssel löst er die Schrauben, hebt den Deckel ab. Er tritt mit der Urne seitlich der Schranke an den Rand des Felsens neben den Wipfel eines Bäumchens, das sich etwas tiefer an die Felswand klammert. Gérard will Max zur Sicherung die Hand reichen, dieser schüttelt den Kopf. Er lässt aus der Urne die Asche hinunter rieseln. Ein Windstoß wirbelt sie wieder hoch.

»Als möchte Anna noch einen Augenblick bei uns bleiben«, sagt Eliane.

Die Blätter und Zweige des Bäumchens sind grau von der Asche.

Später wird Max mit dem Zug beim Güterbahnhof wieder an den zwei Schornsteinen des Krematoriums vorbeifahren. Am Vormittag hatte er dort mit dem Fahrrad Annas Urne abgeholt. Auf seine Frage, wie man den Deckel der Kupferurne abheben könne, hatte ihn die Krematoriumsbeamtin erst groß angeschaut, als hätte er eine Ungeheuerlichkeit geäußert. Er bekam dann doch zur Antwort, der Deckel sei auf zwei Seiten verschraubt, die Schrauben ließen sich mit einem Vierkantschlüssel lösen. Immer noch ein Vorwurf in ihrer Stimme. Aus einem Lautsprecher tönte Orgelmusik von der Kapelle für die Trauerfeier nebenan. Ein Pfarrer, der auf seinen Einsatz wartete, nahm seinen Schwatz mit der Krematoriumsbeamtin erneut auf.

Max wird am Abend beim Güterbahnhof wieder an den zwei Schornsteinen des Krematoriums vorbeifahren, jetzt die leere Urne im Rucksack. Weiter hinten der hohe Schornstein der Kehrichtverbrennungsanstalt und das Bettenhochhaus des »Inselspitals«, der Berner Universitätsklinik, wo Anna vor elf Monaten operiert worden war. Etwas später wird der Zug im Hauptbahnhof einfahren. Vor einem Jahr hatten Anna und er hier, zurück aus dem Urlaub in Südfrankreich, ihre Fahrräder ausgeladen. Vor einem Jahr noch war ihre Welt in Ordnung, wenn auch dunkle Wolken am Himmel aufzogen. Kein Gedanke an diese letzte Reise.

Max, allein zu Hause, wird in allen Zimmern das Licht anknipsen. Er wird das Radio einschalten, den klassischen Musiksender, um auch die Stille zu verscheuchen. Oder wenigstens zurückzudrängen. Er wird die leere Urne auf den Tisch im Wohnzimmer stellen und am nächsten Tag in den kleinen Vorgarten; im Frühjahr wird er Margeriten einpflanzen. Aber noch steht Max auf dem Felsvorsprung. Der Sommer hat sich eben erst verabschiedet. Und die Abendsonne scheint schräg durch einen Wolkenschleier. Max sucht auf dem Boden nach Steinen, packt sie in den Rucksack. Als Andenken an Anna.

Max stapft durch den Schnee, auf dem Weg zu Anna. Es ist Frühling, doch hier oben liegt immer noch Schnee. Vor noch nicht langer Zeit hatte auch zu Hause im Vorgarten eine weiße Haube das gefrorene Wasser in der Urne zugedeckt. Hier oben im Jura ist der Schnee liegen geblieben, und höher als Max erwartet hat. Doch durch die Erwärmung ist die Decke weich geworden. Obwohl Max so gut als möglich in die Fußstapfen vor ihm tritt, sinkt er immer wieder ein. Auf dem Weg zu Anna, zu der er doch nie mehr gelangen wird. Und trotzdem auf dem Weg. Zu Anna, die ihr Grab in den Lüften hat. Im Wind.

Der Rollstuhl steht zusammengeklappt im Wohnzimmer an der Wand. Max sitzt auf dem Sofa, betrachtet mit gemischten Gefühlen dieses Möbel. Ein Monstrum. Anna schläft nebenan. Max betrachtet den zusammengeklappten Rollstuhl. Wie einen Feind.

Vor wenigen Monaten erst fuhren sie mit dem Rad über die Hügel und Berge der Provence. Einige recht anspruchsvolle Aufstiege. Für Anna kein Problem. Sie schien glücklich und voll zufrieden mit ihrem neuen Fahrrad. Nur fuhr sie plötzlich ziemlich unvorsichtig und die Berge hinunter so schnell wie noch nie, sie, die früher immer sehr vorsichtig gewesen war.

Während der Fahrt, wenn die Gedanken schweifen, macht sich Max auch anderweitig Sorgen. Was ist bloß mit Anna los? Zu Hause hatte sie laufend etwas verlegt, irgendwelche Gegenstände, aber auch Ausweise und Kreditkarten, die sie nicht mehr fand und die Max erst nach langem Suchen an einem völlig unpassenden Ort aufstöberte. Wenn sie etwas suchte, drehte sie oft buchstäblich im Kreis. Auch jetzt, unterwegs, muss Max in den Hotelzimmern darauf achten, dass nichts liegen bleibt. Eines Morgens sagt Anna zu ihm, sie wisse nicht, was mit ihr los sei, aber sie sei krank. Und seltsamerweise beruhigt dies Max ein bisschen. Er macht ihr keine Vorwürfe mehr, fängt an, zu ihr zu schauen wie zu einem kleinen Kind. Oder eben zu einer Kranken, die ja nichts dafür kann. Zwar denkt er, o Gott, werde ich sie in einer psychiatrischen Klinik besuchen müssen! Zu Anna aber sagt er, eine psychische Krankheit sei eine Krankheit wie eine andere auch, da müsse man sich überhaupt nicht schämen, das müsse man auch gegenüber niemandem verheimlichen. Sobald sie wieder zu Hause seien, müsse sie jedenfalls sofort zum Arzt. Und Max ist froh, dass ihre Radtour sie in keine größere Stadt führt, das wäre ihm momentan mit Anna viel zu gefährlich. Insgeheim hofft er, es ließe sich alles mit ein paar Pillen und vielleicht ein paar Sitzungen bei einem Psychiater wieder einrenken.

Psychische Erkrankung? Ja. Das ist es, was Max gedacht hat, und auch Anna hat es gedacht. Gleichzeitig beschlich Max eine dunkle Ahnung, das Vorgefühl eines Unheils, ein Vorgefühl, das er aber nicht zulassen wollte, versuchte, nicht zuzulassen.

Sie sitzen auf der Straßenterrasse eines Cafés in Saint Maximin-la-Sainte-Baume. Bereits ein paar hundert Kilometer mit dem Fahrrad hinter sich. Es ist Anfang September. Doch hier in Südfrankreich ist es immer noch sehr heiß. In der Ferne schwarze Wolken am Himmel. Es ist aber kein Unwetter im Anzug. Der Wald brennt. Brandstiftung, wie sich herausstellt. In der Provence herrscht seit Monaten Trockenheit, da brennt der Wald wie Zunder.

Laufend rasen heulend Feuerwehrautos durch das Städtchen, einzeln und im Konvoi. Den Aufschriften entnimmt Max, dass sie aus mehreren Städten zu Hilfe eilen.

Dunkle Wolken am Himmel auch an den nächsten Tagen. Weitere Waldbrände, wie Max am Abend jeweils aus den Regionalnachrichten im Fernsehen und aus den Regionalzeitungen vernimmt. Hinter ihnen wird Straße um Straße über die bewaldeten Hügel und Berge gesperrt, Max und Anna sind gerade noch rechtzeitig durchgekommen. Die dunklen Wolken werden sie bis zum Schluss begleiten. Dunkel, Unheil drohend.

Ihr letzter gemeinsamer Urlaub, was sie noch nicht wussten, nicht mal ahnten.

Zusammengeklappt. An der Wand. Der Rollstuhl. Ein Feind.

Max liest in der Zeitung, dass ein einundachtzigjähriger Mann mit seiner Flinte auf die Helikopter der Feuerwehr schoss, weil sie ihm bei ihren Löscheinsätzen den Schlaf raubten. In unmittelbarer Nähe war auf dem Hügel ein Feuer ausgebrochen. Die Helikopter warfen im Tiefflug ihre Wasserladungen ab, um einem größeren Waldbrand zuvorzukommen. Für den aufgebrachten Rentner war dies überhaupt kein Grund, um ihn in seinem Mittagsschläfchen zu stören. Wutentbrannt feuerte er mehrere Schrotladungen auf die in der Luft rotierenden Störenfriede ab. Zum Glück wurde er von Anwohnern beobachtet, die sofort die Polizei alarmierten. Vergeblich versuchten die angerückten Beamten den jähzornigen Rentner, der sie mit wüsten Beschimpfungen empfing, zur Vernunft zu bringen. Nur mit Mühe überwältigten sie den alten Mann, der sich mit einem andern Gewehr in seiner Küche verschanzt hatte.

»Hallo, hallo!«, ruft Max und rüttelt am Gitter. Am Vormittag hatten sie ihre Kleider zum Waschen gebracht. Die Waschfrau war ausgesprochen freundlich, eine waschechte Giftnudel. Sie gab ihnen zu verstehen, dass sie auf Max und Anna als Kundschaft nicht angewiesen sei. Am Tag zuvor waren sie auf der kleinen Insel Porquerolle angekommen. Die Fahrradtaschen nach der zehntägigen Fahrt durch die Provence voll schmutziger Wäsche. Immerhin versprach die Waschfrau, dass sie die saubere Wäsche am Abend abholen könnten. Jetzt ist das Gitter vor der Ladentür heruntergezogen. Ein kühler Wind ist aufgekommen. Anna und Max haben nur noch die Kleider, die sie auf dem Leibe tragen: Hose und T-Shirt. Auch die Jacken haben sie zum Waschen gebracht.

Max rüttelt noch mal am Gitter. Vergebliche Müh. Das weiß er selber. Nicht umsonst schneidet er ein Gesicht, als ob er Essig getrunken hätte, wie Anna leicht spöttisch vermerkt.

Die Inhaberin vom Geschäft nebenan, an die sie sich schließlich wenden, sagt ihnen, die Waschfrau sei wahrscheinlich irgendwo im Dorf und füttere die Katzen. Sie füttere alle Katzen des Dorfes. Falls sie sie nicht fänden, sollten sie später wieder kommen. Die Waschfrau schlafe über ihrem Laden. Und manchmal lasse sie die Waschmaschine noch um Mitternacht laufen.

Sie kurven durch alle Dorfstraßen. Keine Spur von einer Waschfrau. Nach dem Abendessen geht Max noch zwei Mal beim Laden vorbei und brüllt sich die Lungen aus dem Leib. Es ist für die Katz. Wenigstens hält das Brüllen ihn warm.

Am andern Morgen hängt ein Zettel an der Ladentür. Sie, die Waschfrau, sei mit einer kranken Katze zum Tierarzt auf dem Festland gefahren. Sie könnten die Wäsche im Café Neptun abholen.

Die Wege im Innern der Insel sind gesperrt. Waldbrandgefahr, so lange der Mistral weht. Dunkle Wolken. Auf dem Festland brennt der Wald.

Sie sitzen in der Küche der kleinen Ferienwohnung, die sie für eine Woche auf der Insel gemietet haben. Max schaltet das Radio ein. Auf allen Sendern wird nur gequasselt, selbst auf France Musique.

Plötzlich stutzt Max, hört zu. In New York sind zwei Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Center gerast. Das totale Chaos. Die Nachrichten jagen sich.

Am folgenden Tag will Anna, die nur sehr wenig Französisch versteht, eine deutsche Zeitung kaufen. Doch bei der einzigen Zeitungsverkaufsstelle der Insel sind bereits alle deutschen Zeitungen ausverkauft. Am nächsten Morgen heißt es, das Schiff mit den Zeitungen sei noch nicht angekommen. Und eine halbe Stunde später, als Max nochmals nachfragt, sind bereits wieder alle deutschen Zeitungen ausverkauft. Er übersetzt Anna das Wichtigste aus einer französischen Zeitung.

Am Morgen des 11. Septembers wurden in den USA vier Passagierjets entführt, zwei wurden in die Türme des World Trade Center und einer in das Pentagon gesteuert. Die zwei Türme des WTC stürzten ein bis zwei Stunden nach den Kollisionen in sich zusammen. Das vierte entführte Flugzeug stürzte in der Nähe von Pittsburgh in ein Feld, bevor es sein – noch immer unbekanntes – Ziel erreichen konnte.

Der Mistral hat nachgelassen, die Wege im Innern der Insel werden endlich freigegeben. Auf einem Pfad mitten im Dickicht versteht Max, wieso die Wege gesperrt worden waren. Flucht und Rettung wären bei einem Brand unmöglich.

Während an der Nordküste von Pinien, Eukalyptusbäumen, Myrte und Heidekraut gesäumte Sandstrände liegen, steigt die wilde, felsige Südküste bis über hundert Meter an. Ein schmaler Wanderweg mit herrlichen Ausblicken schlängelt sich ihr entlang. An einer dieser Stellen tritt Anna direkt an den Abgrund, sie, die sonst immer Abstand hält, sich nicht zu weit vorwagt, immer hinter Max bleibt. Er fasst sie bei der Hand. Angst beschleicht ihn, sie könnte sich hinunterstürzen oder ausrutschen und hinunterfallen.

Asche. Wirbelt wieder hoch. Die Asche. Wirbelt hoch. Dringt in Nase und Mund. Fühlt sich an wie Sand auf der Zunge.

Der Sand ist feucht, kalt. Eben noch hat die Sonne gebrannt, so dass sie die Feuchtigkeit kaum wahrgenommen haben. Doch die Kälte hat sich ganz langsam eingeschlichen. Max zieht sich das T-Shirt über, während Anna liegen bleibt. Sie scheint müde zu sein. Sie kann aber auch sonst stundenlang am Strand liegen und dösen, Max hingegen hält es nie lange aus.

Auslaufende Wellen. Leises Rauschen. Plätschern. Die Sandstrände hier an der Nordküste der Insel sind wirklich wunderschön. Wenn nur die Feuchtigkeit nicht wäre. Es ist zwar nicht mal fünf. Max wirft einen Blick zu Anna. Er macht sich erneut Gedanken um ihren Zustand. Spielt der schmerzliche Abgang vom Theater vor ein paar Jahren eine Rolle? Obwohl sie für freie Gruppen weiterhin als Kostümbildnerin tätig war, zuletzt für den »Sommernachtstraum«, und jetzt wieder Kunstfiguren kreiert hat. Oder der tragische Tod ihres Vaters vor wenigen Jahren? Zuvor der frühe Tod der Mutter, achtundfünfzigjährig.

Und Max ahnt nicht, dass Anna noch jünger sterben wird.

Annas Mutter hatte Krebs. Wurde operiert. Die Wunde an ihrem Bauch wollte nicht richtig verheilen. Sie hatte dauernd Schmerzen. Annas Vater hatte sie zu Hause gepflegt. Sie war zu Hause gestorben. Später, selber krank, weigerte er sich, ins Krankenhaus zu gehen.

Max stapft durch den Schnee. In der Luft die Klänge der Oboe d’Amore. Sommernachtstraum. Ganz leise. Nur für Max hörbar. Die Töne schwingen tief in ihm drin. Und Max sitzt neben der Musikerin. Er liest aus seinem Büchlein für Anna. Auf Sockeln stehen ihre letzten Kunstfiguren. Drei Engelteufel.

Nach der Inselwoche radeln Max und Anna auf dem Festland bis Sanary-sur-Mer westlich von Toulon, ein Fischerstädtchen, wo es sogar noch echte Fischer hat. Während des Zweiten Weltkrieges fanden hier mehrere deutsche Schriftsteller vorübergehend Zuflucht vor den Nazis. Anna und Max verbringen in einem Hotel am Hafen die letzten zwei Nächte, bevor sie mit dem Zug nach Hause fahren. Von Horizont zu Horizont zieht eine schwarze Wolke. Immer noch brennt der Wald.

Blätter und Zweige des Bäumchens sind grau von der Asche. Max wirft die rote Rose, die er für Anna gekauft hat, vom Felsvorsprung hinunter. Sie bleibt unterhalb auf dem schmalen Geröllband liegen. Max nimmt den Bogen Papier, worauf er für Anna ein Abschiedsgedicht geschrieben hat, reißt den Bogen in kleine Schnitzel, die er hinunter wirbeln lässt: Schneeflocken, die Annas Asche begleiten.

»Es schneit«, sagt Anna. »Ich will sterben«, sagt Anna.

Blut war in die Höhle geflossen, dort, wo der Tumor im Kopf gewuchert hatte, groß wie ein Pfirsich, am Vortag herausgeschnitten. Sie musste daraufhin ein zweites Mal operiert werden.

»Ich will sterben.«

Sie wiederholt es wie eine Litanei.

»Ich will sterben. Wieso hilfst du mir nicht?! Auf dich ist kein Verlass. Auch auf dich nicht.«

Sie wurde richtig böse auf Max. Wie sollte er helfen? Sie war an keine Maschine angeschlossen, die man abstellen kann.

Wie hätte er helfen können? Er war selber hilflos. Seit zwölf Stunden an ihrem Bett im Krankenhaus.

Anna starrt zum Fenster hinaus. Draußen eine milde Herbstnacht. Die Lichterkette eines Baukrans.

Anna richtet sich im Bett auf.

»Er wartet auf mich«, sagt sie.

»Wer?«

»Oh, der ist lieb.

Siehst du die Lichter?

Jetzt brennen nur noch drei. Wenn das letzte Licht ausgeht, nimmt er mich mit.

Es schneit bereits, siehst du.«

»Es schneit?«

»Aber ja. Es schneit«, sagt sie.

Max stapft durch den Schnee. Zu Hause, in seinem kleinen Vorgarten, ist der Schnee in der leeren Urne schon vor ein paar Tagen geschmolzen.

Sie sitzen nebeneinander auf dem Sofa im Wohnzimmer, der Fernseher läuft. »Wir sitzen bereits da wie ein altes Ehepaar«, sagte Anna. Max stapft durch den Schnee. Auf dem Weg zu Anna, zu der er doch nie mehr gelangen wird.

Vorabdruck aus einem unveröffentlichten Roman des Autors

Gabriele Loges

Mirabel

An diesem Ort wird meine Sprache nicht gesprochen, auch nicht verstanden und doch ist alles, was ich hier erlebe, von Sprache durchdrungen. Von meiner Sprache, denn ich benenne, was mir begegnet. Mirabel heißt dieser Ort, nicht weit vom Fluss Ardèche entfernt. Es habe etwas mit mire zu tun. La mire est belle. Der Blickpunkt, der point de mire, die Visierlinie. Vom Turm, der über dem Dorf thront, habe ich eine unendliche Sicht über Berge und Täler.

Die Hugenotten sammelten sich hier vor ihrer Flucht, die Résistance nutzte die exponierte Lage. Ob die Nazis an diesem Ort ihr Unwesen getrieben haben? Ich frage. Zum Glück gab es keine Erschießungen. In Geschichte eingebunden sein, in Geschichten, die ich wahrnehme, die mir erzählt werden, von Einheimischen, weil ich ihre Nähe suche, weil sie mich einladen. Sie sind hier zu Hause, ich bin hier zu Besuch.

Wie das Liebespaar, hoch oben auf dem Basaltplateau. Der Mann und die Frau sitzen im Windschatten des Turms, haben den besten Ausblick auf die Welt, die ihnen zu Füßen liegt, und schauen sich doch nur in die Augen. So, als wäre dort die Weite, das Meer, als wollten sie eintauchen in den Himmel dieser Erde.

Der Mann mit dem Hut

Auf dem Hinweg lag der Mann im Gras, vor dem Haus neben dem Gehweg. Eine herrschaftliche Villa, der Rasen gepflegt und eingezäunt. Zwei schmutzige Schuhe standen fein säuberlich neben ihm. Ein Hut, schwarz mit breitem Rand, bedeckte sein Gesicht zur Hälfte.

Er atmete, also lebte er; man kann ja nie wissen, das Leben ist gefährlich, gerade für Freiluftschläfer. Manchmal muss er sicher um dieses Leben rennen. Dann wäre es gut, er hätte seine Schuhe an.

Daran denkt sie, als er ihr auf dem Rückweg leicht schwankend entgegenkommt, die Schuhe an den Füßen, den Hut in der Hand zum Gruß. Ihre Augen suchend spricht der Unbekannte sie an: »Wenn Sie meine Frau wären, wäre ich glücklich.«

Ein entschuldigendes Lächeln im Vorübergehen. Nein; sie will nicht sein Unglück verantworten.

Die Glastür