Yves' leise Liebe - Carola Pigisch - E-Book

Yves' leise Liebe E-Book

Carola Pigisch

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Beschreibung

Zusammen mit ihrem Bruder Gaston bewirtschaftet Hélène einen Olivenhain in der Provence. Das ist viel Arbeit und sehr anstrengend, zumal Gaston nicht wirklich eine Hilfe ist. Ohne die Unterstützung ihres Nachbarn Yves wäre die junge Frau ein ums andere Mal aufgeschmissen. Als Hélène schwer krank wird und ausfällt, übernimmt Yves das Kommando auf dem Hain – gegen Gastons Willen. Denn Hélènes Bruder will die ungeliebte Landwirtschaft so schnell wie möglich los werden. Yves kämpft an zwei Fronten: Um den Erhalt des Olivenhains und um Hélènes Leben, das immer mehr in Gefahr gerät. Auf der Suche nach Heilung kommt ein altes Familiengeheimnis zutage, das Hélènes Mutter offenbar mit ins Grab genommen hat. Es wird klar, dass nur ein einziger Mensch Hélènes missliche Lage ändern kann. Den zu finden, scheint aussichtslos. Aber Yves gibt nicht auf, denn er hofft auf ein Happy End für Hélène und für seine leise unerfüllte Liebe. Eine Geschichte mit unerwarteten Wendungen, die Groschenromanfans alles bietet: Herzschmerz, Kitsch und die ganz große Liebe.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Buch und Autorin

Titel

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Impressum

Buch und Autorin

Hélène bewirtschaftet zusammen mit ihrem Bruder Gaston einen großen Olivenhain in der Provence, den beide von ihrer Mutter geerbt haben. Als die junge Frau schwer krank wird, sieht Gaston endlich seine Chance gekommen, den ungeliebten Hain los zu werden. Hinter dem Rücken seiner Schwester sucht er einen Käufer. Zum Glück ist da Yves, der unsterblich in Hélène verliebte Nachbar. Er deckt Gastons Treiben auf und rettet damit das Erbe. Doch dann tritt ein altes Familiengeheimnis ans Licht, das Hélènes Genesung immer unwahrscheinlicher macht  . . .

Carola Pigisch, geboren 1966, ist Journalistin, und leidenschaftliche Verfasserin von Liebesromanen. Von ihr sind bereits die Groschenromane "Liebe auf Gut Ihringeheim", "Die Liebe kommt im Karohemd" und "Auf dem Gipfel wohnt die Liebe" erschienen, sowie der Sammelband "Ein Bündel Liebe".

Yves' leise Liebe

Ein Groschenroman von Carola Pigisch

Herausgeber:

Carola Pigisch

www.carola-pigisch.de

Coverfoto: frantzmaglione

Copyright 2016: Carola Pigisch

Alle Rechte vorbehalten.

Handlung und Personen sind frei erfunden.

1

"Gaston, hol noch ein paar Flaschen von dem Kaltgepressten! Ich weiß nicht, was heute los ist. Sonst legen die Leute doch auch nicht so viel Wert auf Qualität." Seit Stunden schon stand Hélène hinter dem Tresen des kleinen Ladens und bediente die Kunden. Am Morgen hatte eine Gruppe deutscher Touristen fast die ganzen Vorräte aufgekauft. Olivenseife, Olivenöl, Olivenpaste, frische Oliven, getrocknete Oliven; Geschäfte wie diese machten sie selten hier auf dem Dorf.

Und jetzt waren die Belgier gekommen! Fritten mit Mayo, so dachte Hélène immer, etwas anderes essen die doch nicht. Von wegen! Gerade die Belgier waren ganz versessen auf das berühmte kaltgepresste Olivenöl, das nicht gerade billig war. Es war ein richtiger Glückstag für das Gut.

"Das sind die letzten." Gaston stellte einen Korb mit etwa zehn Flaschen vor Hélène auf den Boden.

"Was?" Hélène sah ihren Bruder entsetzt an. "Ausgerechnet heute, wo wir das Geschäft unseres Lebens machen, gehen die Vorräte aus. So ein Mist!" Sie schob zwei Flaschen über die Theke und kassierte.

"Danke, vielen Dank", rief sie der Kundin hinterher, die gerade den Laden verließ. "Und wenn Sie das nächste Mal bei uns in der Nähe sind, kommen Sie gerne wieder vorbei." Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Ich glaube, wir haben es geschafft", sagte sie zu Gaston. Zwei ältere Frauen standen noch im Laden und schauten sich um. Der große Ansturm war vorbei.

"Jeden Tag so ein Umsatz und wir hätten keine Probleme", sagte Gaston und lehnte sich mit dem Rücken an die Theke.

"Wir haben auch so keine Probleme, du alter Schwarzmaler." Hélène boxte ihren Bruder zum Spaß auf die Nase. Es gab keinen Tag, an dem er ihr nicht erklärte, wie viel einfacher ihrer beider Leben verlaufen würde, wenn sie das Gut endlich verkauften. In der Provence gab es nicht mehr viele große Olivenhaine wie das der Cariols und der Baumbestand war in einem 1a Zustand. Interessenten zu finden, würde kinderleicht sein, behauptete Gaston. Er träumte vom großen Vermögen und vom leichten Leben, das er hätte, wenn sie das Gut erst zu Geld gemacht haben würden.

Hélène war weniger optimistisch. Sie glaubte nicht an den netten, selbstlosen Käufer, der bereit wäre, eine angemessene Summe zu bezahlen. Hélène und Gaston hatten das Gut von ihrer Mutter geerbt, die es fast ganz allein zu dem gemacht hatte, was es heute war. Dieses Lebenswerk zu verkaufen, widerstrebte Hélène. Sie liebte das Land, die alten, knorrigen Bäume, sie liebte die Oliven und sogar ihre Kerne. In ihren zweiunddreißig Lebensjahren hatte sie nie etwas anderes kennengelernt. Es war mit Geld nicht zu bezahlen.

"Zum Glück steht uns die Ernte ins Haus", sagte sie. "Dann können wir das Lager wieder füllen."

"Erinnere mich bloß nicht daran. Wenn ich an diese elende Schufterei nur denke, wird mir schon schlecht." Gaston rollte die Augen. "Was wir mit dem Geld alles machen könnten!", sagte er leise. "Wenn du nicht so ein Sturkopf wärst."

"Nun hör schon auf!" Hélène musste aufpassen, dass sie nicht laut wurde. Immerhin waren noch Kunden im Laden. "Du glaubst doch nicht wirklich, dass der Erlös uns ein sorgenfreies Leben ohne Arbeit und Pflichten ermöglichen würde. Nur ein Verrückter würde so viel bezahlen."

Die beiden älteren Frauen traten näher. "Haben Sie außer Olivenseife noch andere Kosmetika?"

"Oh nein, das tut mir Leid", sagte Hélène. "Kosmetika zu produzieren ist sehr aufwändig, wegen der ganzen Auflagen. Daran wagen wir uns nicht." Sie lachte und kassierte ab.

"Das wäre doch eine Idee nach deinem Geschmack, oder?" Gaston lachte sarkastisch.

"Was meinst du?"

"Kosmetika aus Olivenöl. Du träumst doch immer von neuen Märkten, von Expansion und so. Das wäre die Chance."

"Weißt du was, Gaston? Du gehst mir gehörig auf die Nerven mit deiner Boshaftigkeit. Ich werde einem Verkauf niemals zustimmen, das weißt du. Es wäre Verrat an unserer Mutter." Sie sah ihn an. "Aber ich halte dich nicht auf. Wenn dir das hier alles zu viel wird, bitte! Du bist ein freier Mann." Sie wandte sich zum Gehen. "Schließ ab, wenn du hier fertig bist!"

2

Langsam stieg Hélène die steile Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Sie war erledigt, völlig erschöpft, wie eigentlich schon seit Wochen. Es war, als würde ihre Energie plötzlich nicht mehr ausreichen. Und das spürte sie an Tagen, an denen Touristen ihren kleinen Laden stürmten, natürlich besonders. Hélène legte sich aufs Bett und starrte an die Decke. Wie hatte ihre Mutter das nur alles geschafft. Zwei Kinder, das Gut, den Laden. Ganz allein hatte sie aus einem alten Olivenhain mit lauter knorrigen Bäumen eine florierende Landwirtschaft gemacht, die weit mehr einbrachte, als sie je brauchen würden. Und dieses Kleinod wollte ihr Bruder verkaufen. Hélène schüttelte den Kopf.

Sicher, so dachte sie, steckte da mal wieder eine von Gastons zahlreichen Frauen dahinter. Ihr Bruder hatte einen Schlag beim anderen Geschlecht, auch wenn sie es sich als Schwester nicht recht erklären konnte. Die Damen flogen auf ihn und er nutzte dies weidlich aus. Alle vierzehn Tage brachte er eine neue Flamme ins Haus und jedes Mal war es - natürlich - die große Liebe. Hélène waren all diese Liebschaften egal. Wenn die eine ging und die andere kam, nahm sie es zur Kenntnis, mehr nicht.

Irgendwo klingelte ein Telefon. Hélène tastete die Taschen ihres Kleides ab und nahm das Handy heraus.

"Hallo?"

"Hallo Hélène  ich bin's, Yves. Wie geht es dir?"

"Ach, Yves. Lieb, dass du anrufst. Heute war wieder Touristen-Großauftrieb. Ich bin ziemlich erledigt."

"Hélène, wie oft soll ich es dir noch sagen? Ruf mich an, wenn die Busse anrollen. Ich helfe dir gern."

"Das weiß ich doch, Yves. Aber du hast mir schon so oft geholfen, ich will dich nicht ausnutzen."

"Pah! Ausnutzen! So ein Quatsch. Du weißt, ich bin zur Stelle, wenn du mich rufst." Er lachte. "Und das nicht nur, wenn du Hilfe im Laden brauchst", sagte er leise.

"Yves, bitte", sagte Hélène flehend. "Ich freue mich, wenn du mich anrufst, ich freue mich, wenn du mich besuchst. Aber mehr ist da nicht. So leid es mir tut, ich werde dich nicht heiraten."

"Reg dich nicht auf, bitte. Ich hab's ja kapiert. Hélène Cariol, die Unumstößliche, die Frau, die nur für ihre Oliven lebt. Aber ich sag dir was: Irgendwo da draußen gibt es einen, der deine Meinung ändern wird. Es ist nur eine Frage der Zeit bis er auftaucht."

"Yves, bitte. Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich an Männern nicht interessiert bin?" Hélène setzte sich auf und wechselte das Thema. "Wir fangen morgen an, die Erntehelfer einzuteilen. Ich denke, in ein paar Tagen können wir starten, die Früchte sind reif. Da könnte ich deine Hilfe in der Tat brauchen. Hättest du Zeit, zu kommen?"

"Klar, ich bin um acht da."

"Danke Yves", sagte Hélène leise. "Ich weiß deine Hilfe wirklich sehr zu schätzen. Bis morgen." Sie legte auf.

Yves war ein guter Mann und seit er vor einem Jahr hergezogen war, in Hélène verliebt. Natürlich bemerkte sie, wie sehr er litt, wenn er in ihrer Nähe war, sah sich aber außerstande etwas daran zu ändern. Sie hatte Männer bisher nur als faule, egoistische Nichtsnutze kennengelernt. Hélène hatte schon früh begriffen, dass sie wesentlich besser zurecht kam, wenn sie ohne Mann lebte. Sie brauchte niemanden, der ihr auf der Tasche lag, niemand der ständig Erwartungen an sie hatte und sie am Ende doch im Stich ließ. Was sie wissen musste über Männer, hatte ihre Mutter ihr erzählt. Und das reichte ihr. Zum Glück, dachte sie, hatte sie damals die Verlobung mit Alain aufgelöst. Sie war noch rechtzeitig davon gekommen.

3

Die Küche war leer, als Hélène am nächsten Morgen hinunter kam. Wie jeden Tag. Gaston stand nur widerwillig vor neun Uhr auf, wenn überhaupt. Vielleicht ein, zwei Tage gab es im Jahr, in denen er es war, der das Frühstück machte.

Hélène schaltete die Kaffeemaschine ein und deckte den Tisch. Sie hatte schlecht geschlafen und konnte sich nur schwer darauf konzentrieren, die richtigen Dinge aus dem Kühlschrank zu holen. Zu viel  ging ihr in letzter Zeit im Kopf herum. Das Gut, der Laden, jetzt die Ernte, Yves mit seinen Erwartungen, all das forderte ihre ganze Aufmerksamkeit. Hilfe hatte sie keine, mit Gaston konnte sie nicht rechnen. Sie konnte von Glück reden, wenn er sie bei der Ernte nicht im Stich ließ wie letztes Jahr, als seine damalige Flamme Gabrielle ihn plötzlich im heißen Motorrad-Outfit zu einer Spritztour abgeholt hatte. Gaston hatte das Angebot als willkommene Abwechslung im Oliveneinerlei gesehen und war auf und davon gewesen. Die Spritztour hatte vier Tage gedauert, erst als der letzte Laster mit Oliven eingebracht war, war Gaston wieder aufgetaucht. Gabrielle war längst Vergangenheit, aber Hélène hatte ihrem Bruder bis heute nicht wirklich verziehen.

"Guten Morgen, Schwesterherz!" Hélène nahm gerade einen Schluck aus der Tasse, als Gaston in die Küche kam.

"Oh", sagte sie. "Gut, dass du schon auf bist. Ich kann heute jede helfende Hand gebrauchen."

"Ach ja?"

"Ja, wir müssen heute die Erntehelfer einteilen. Du kennst es ja, es ist eine sehr unerfreuliche Aufgabe. Aber in spätestens einer Woche sind die Früchte reif und alles sollte organisiert sein. Wäre nett, wenn du heute eine Sektion übernehmen könntest."

"Ausgerechnet heute?", fragte Gaston und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Hélène sah ihn alarmiert an. "Heute hatte ich eigentlich etwas anderes vor", sagte er.

"Und was, wenn ich fragen darf?" Hélène wurde unwirsch.

"Heute findet die letzte Surfparade vor der Winterpause statt. Da muss ich hin. Warst du schon draußen? Es ist herrlicher Wind. Optimale Bedingungen. Die Erntehelfer können doch auch bis morgen warten, oder?"

"Glaubst du wirklich, dass ich fünfzig Leute nach Hause schicke, nur weil du surfen willst?" Hélène schrie jetzt, sie war außer sich. "Wie egoistisch bist du eigentlich? Willst du mich schon wieder sitzen lassen? Wie im letzten Jahr?"

"Liebe Schwester", sagte Gaston herablassend und brachte Hélène damit noch mehr auf die Palme. "Du bist es doch, die das Gut unbedingt behalten will. Ich habe dir schon hundert Mal gesagt: Wir verkaufen das Gut und machen uns von der Kohle ein schönes Leben. Keine Ernte, keine Erntehelfer, kein Laden. Nur dolce vita. Keine Ahnung, warum du dir den ganzen Stress machst."

Hélène war aufgestanden und in der Küche auf- und abgegangen. Jetzt blieb sie stehen und sah Gaston ungläubig an. "Du widerst mich an!", sagte sie, drehte sich um und ging zur Tür.

Beinahe wäre sie mit Yves zusammengestoßen, der just in dem Moment den Raum betrat.

"Uii, was ist denn hier los?", fragte er. "Dicke Luft?"

"Gaston will mich mal wieder hängen lassen", sagte Hélène wütend und fügte verächtlich hinzu. "Wegen der Surfparade."

"Er ist jung", sagte Yves. "Ist doch klar, dass er keine Lust auf die Ernte hat."

"Siehst du!", sagte Gaston triumphierend.

"Was heißt hier jung?", fauchte Hélène. "Ich bin auch jung, die fünf Jahre zwischen uns sind da nicht der Rede wert. Du brauchst ihn gar nicht in Schutz zu nehmen, Yves. Mein Bruder ist ein Mann ohne Skrupel und ohne Gewissen, das zeigt sich heute wieder ganz deutlich." Sie ging durch die Tür und drehte sich noch einmal um. "Ich gehe jetzt raus zu den Erntehelfern. Die warten bestimmt schon. Kommst du mit, Yves?"

"Natürlich!", sagte Yves und wandte sich zu Gaston. "Und du kommst auch mit. Los, beweg deinen Hintern. Ich werde nicht zulassen, dass du Hélène die ganze Ernte allein machen lässt. Sonst wirst du mich kennenlernen."

4

Der Platz vor dem Schuppen war übervoll. Die Menschen drängten sich unter den Bäumen, denn obwohl es schon Oktober und noch früh am Morgen war, stach die Sonne unerbittlich vom Himmel. Hélène und Yves bahnten sich einen Weg durch die Menge und stellten sich auf die beiden umgedrehten Erntekisten, die schon bereit standen. Hélène half es nicht viel, sie konnte trotzdem kaum über die vielen Köpfe hinwegsehen.

"Was ist denn dieses Jahr los?", raunte sie Yves zu. "So viele Freiwillige hatte wir doch noch nie."

"Ja, das stimmt", flüsterte Yves. "Und ganz da hinten, sieh nur, das ist doch der alte Horace. Was will der denn hier?"