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In Doktor Bergners Praxis tritt Angelika ihre erste Stelle als Tierärztin an. Zu ihren Schützlingen gehören auch die vierzig Pferde auf dem Gut der von Ihringheims. Gleich beim ersten Besuch dort lernt Angelika Georg kennen, den jungen Grafen, und ist fasziniert von ihm. Eine tiefe Traurigkeit in seinen Augen zieht sie magisch an. Grund für Georgs Schmerz ist ein furchtbarer Schicksalsschlag, unter dem er noch immer leidet. In Angelikas Nähe allerdings blüht er auf. Aber die junge Tierärztin hat Prinzipien und die erlauben es ihr nicht, ihre Gefühle für Georg zuzulassen. Als sich die beiden im Stall näher kommen, weist sie ihn brüsk zurück. Ihre Liebe scheint keine weitere Chance zu bekommen, denn beim Sommerfest auf dem Gut taucht Georgs leichtlebige Exfreundin Ingrid auf, die mit allen Mitteln versucht, den jungen Grafen zurück zu bekommen. Doch dann zeigt sich, dass wahre Liebe stärker ist als alle Tricks und Intrigen. Ein wunderbarer Groschenroman, der mit viel Kitsch ein Herz und einen kalten Winterabend erwärmt.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Buch und Autorin
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Impressum
In Doktor Bergners Praxis tritt Angelika ihre erste Stelle als Tierärztin an. Zu ihren Schützlingen gehören auch die vierzig Pferde auf dem Gut der von Ihringheims. Gleich beim ersten Besuch dort lernt Angelika Georg kennen, den jungen Grafen, und ist fasziniert von ihm. Eine tiefe Traurigkeit in seinen Augen zieht sie magisch an. Grund für Georgs Schmerz ist ein furchtbarer Schicksalsschlag, unter dem er noch immer leidet. In Angelikas Nähe allerdings blüht er auf. Aber die junge Tierärztin hat Prinzipien und die erlauben es ihr nicht, ihre Gefühle für Georg zuzulassen. Als sich die beiden im Stall näher kommen, weist sie ihn brüsk zurück. Ihre Liebe scheint keine weitere Chance zu bekommen, denn beim Sommerfest auf dem Gut taucht Georgs leichtlebige Exfreundin Ingrid auf, die mit allen Mitteln versucht, den jungen Grafen zurück zu bekommen. Doch dann zeigt sich, dass wahre Liebe stärker ist als alle Tricks und Intrigen. Ein wunderbarer Groschenroman, der mit viel Kitsch ein Herz und einen kalten Winterabend erwärmt.
Carola Pigisch, geboren 1966, ist Journalistin und leidenschaftliche Verfasserin von Liebesromanen. Von ihr sind auch die Groschenromane "Die Liebe kommt im Karohemd", "Yves' leise Liebe" und "Auf dem Gipfel wohnt die Liebe" als Ebooks erschienen.
Liebe auf Gut Ihringheim
Ein Groschenroman von Carola Pigisch
Herausgeber: Carola Pigisch www.carola-pigisch.de
Coverfoto: Karl Dingler
Copyright 2015: Carola Pigisch Alle Rechte vorbehalten.
Handlung und Personen sind frei erfunden.
"Und denken Sie daran, Fräulein Wellenhausen, morgen müssen wir in aller Frühe zum Gestüt Ihringheim…" "Ja", rief Angelika und machte die Wohnungstür hinter sich zu. Die junge Frau setzte sich auf das kleine Sofa, das sie aus ihrem Studentenzimmer mitgebracht hatte. Sie sah sich um. Erst vor vier Wochen hatte sie ihre erste Stelle als Tierärztin angetreten und sie hatte es gut getroffen. Zwar war sie nun weit draußen auf dem Land, aber Doktor Bergner war ein netter älterer Herr und seine Praxis genau das, wovon sie immer geträumt hatte. Es gab kaum eine Tierart, die sie ihrer kurzen Zeit hier noch nicht untersucht hätte.
In der Gegend war Doktor Bergner der einzige Tierarzt, zuständig für alles, vom Meerschweinchen bis zum ausgewachsenen Ochsen. Und dann waren da noch die 40 Pferde des Gestüts von Ihringheim, die alle von feinstem Geblüt waren. Doktor Bergner war sozusagen der Haustierarzt der von Ihringheims und es war eine unausgesprochene Übereinstimmung zwischen ihm und Angelika, dass sie seine Arbeit übernehmen würde, wenn er in ein paar Jahren in den Ruhestand ging.
Das war eine Karriere, dachte sie und musste lächeln. Wenn Vater das erfährt, dann ist er vielleicht endlich stolz auf mich. Ihr Verhältnis war nicht mehr das Beste, seit Angelika ihm offenbart hatte, dass sie nach dem Abitur nicht etwa heiraten und für den Fortbestand der fürstlichen Dynastie sorgen werde. Sie würde Tiermedizin studieren, hatte sie ihm unmissverständlich gesagt, um später allen Vierbeinern helfen zu können. Denn ihnen gehörte ihr Herz. Vater war entsetzt gewesen und verletzt, das hatte sie ihm angesehen. Angelika war sein einziges Kind und sie wusste, dass er bis zuletzt darauf gehofft hatte, dass sie einen Mann aus Adelskreisen wählen würde, der einmal seinen Platz einnähme. "Du bist verantwortungslos", hatte er ihr wütend vorgeworfen. "Ich missbillige dein Verhalten." Das war das letzte Wort, das er zu diesem Thema gesagt hatte. Nie mehr hatte er sich danach zu ihrer Entscheidung geäußert.
Angelika hatte ihren Stolz. Sie wollte es allein schaffen. In München hatte keiner ihrer Kommilitonen, ja nicht einmal ihre Wirtin, bei der sie alle die Jahre gewohnt hatte und die sie umsorgt hatte wie eine Mutter, eine Ahnung davon gehabt, dass sie aus Adelskreisen stammte. Sie nannte sich Angelika Wellenhausen, das "von" in ihrem Namen ging niemanden etwas an. Und die üppigen Schecks, die ihr der Vater dennoch regelmäßig zukommen ließ, löste sie nie ein. Sie wollte seine Anerkennung, nicht sein Geld.
Angelika stand auf und ging zum Fenster. Es dämmerte bereits und die untergehende Sonne tauchte die Landschaft in ein warmes rötliches Licht. Wie schön es hier ist, dachte sie. Die Weite des mecklenburgischen Landes war ungewohnt für die junge Bayerin. Sie war in der Nähe der Berge aufgewachsen und hatte immer geglaubt, sich ohne die mächtigen Alpen niemals irgendwo heimisch fühlen zu können. Hier war das anders. Sie war glücklich und sie hatte das Gefühl, dass ihr Leben nun endlich beginnen würde.
"Guten Morgen Doktor Bergner. Ah, Sie müssen die junge Tierärztin sein. Guten Tag, willkommen auf Gut Ihringheim. Der Graf erwartet Sie bereits im Salon. Darf ich Ihnen auch einen Kaffee bringen?" Josef, der alte Butler der von Ihringheims trat zur Seite und ließ Angelika und Doktor Bergner eintreten. Angelika staunte, das Haus erinnerte sie an ihr Elternhaus und sofort kamen die Gedanken an ihre Kindheit zurück. Auf dem Weg in den Salon kam ihnen Graf Hasso bereits entgegen. "Guten Morgen", rief er und schüttelte Bergner und Angelika die Hand. Ein fester Händedruck. Angelika fand den Grafen auf den ersten Blick sympathisch. Er hatte freundliche Augen und sein Lachen war ansteckend. "Sie also sind Bergners neueste Errungenschaft", rief er. "Nicht schlecht Bergner, nicht schlecht", sagte er dem Tierarzt zugewandt. Angelika zwinkerte er zu. "Nehmen Sie mich nicht allzu ernst. Das sollte man mit alten Männern sowieso nie tun." Er lachte schallend. "Kommen Sie, gehen wir in den Salon. Josef wird gleich den Kaffee bringen."
Sie betraten den Salon. Angelika hatte ja schon viele herrschaftliche Gebäude gesehen, aber das hier war einzigartig. Alles, die Vorhänge, die Wandbezüge, die Teppiche, selbst die Kissen auf den Sesseln im Louis XVI-Stil waren in einem dunklen Bordeaux gehalten, so dass der Raum fast königlich wirkte. Er war nicht besonders groß für einen Salon. Am meisten aber beeindruckte der Ausblick, den die fünf Fenster boten, die den Erker umgaben. Ein wundervolles Panorama. Unweigerlich blieb Angelika stehen. Der Graf bemerkte es. "Ein schöner Raum, nicht wahr?", sagte er. "Meine Frau hat ihn eingerichtet. Ich habe alles so gelassen, seit sie gestorben ist. Eleonor hatte einen exquisiten Geschmack. Glücklicherweise hat sie ihn an Georg, meinen Sohn, weitervererbt." Der Graf griff zur Kaffeetasse.
"Wo ist Georg überhaupt", fragte Doktor Bergner. "Er will doch immer dabei sein, wenn die Pferde untersucht werden." "Ich nehme an, Georg hat eine neue Flamme", sagte Graf Hasso und zwinkerte Angelika erneut viel sagend zu. "Er war die ganze Nacht nicht zu Hause. Aber ich glaube, wenn er Sie erst einmal gesehen hat, Fräulein Wellenhausen, dann wird sich das mit der Flamme schnell erledigt haben." Graf Hasso lachte wieder schallend. "Aber im Ernst: Ich habe keine Ahnung, wann mein Sohn kommt. Deshalb würde ich vorschlagen, wir gehen in den Stall, auch ohne ihn."
Angelika stellte die Kaffeetasse auf den Tisch, nahm schnell noch einen Keks von der Gebäcketagere und erhob sich. Sie folgte Graf Hasso und Doktor Bergner hinaus zu den Stallungen. Über den jungen Grafen Georg hatte sie schon einige Geschichten gehört. Unverschämt gut musste er aussehen, nach allem, was die Leute im Dorf erzählten. Die Damenwelt lag ihm zu Füßen, hieß es. Sie hatte aber auch noch eine andere Geschichte gehört, von einem furchtbaren Schicksalsschlag sprachen die Leute und dass ihn der junge Graf wohl niemals verwinden würde.
Gerade als Angelika die breite Treppe des Hauses hinunter lief, kam ein Wagen auf den Hof gefahren. Der Fahrer bremste und die kleinen Kieselsteine flogen durch die Luft. Ein junger Mann öffnete die Fahrertür und stieg aus. "Georg! Gut, dass du kommst", rief Graf Hasso. "Doktor Bergner ist gekommen, um die Pferde zu untersuchen." Georg reichte Bergner die Hand und schaute dann fragend zu Angelika. "Das ist Doktor Bergners Nachfolgerin", kam Graf Hasso zu Hilfe. "Angelika Wellenhausen." "Guten Tag, Fräulein Wellenhausen", sagte Georg. "Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen. Herzlich Willkommen auf Gut Ihringheim." "Guten Tag, Herr Graf", erwiderte Angelika und sah in seine samtbraunen Augen, in denen tatsächlich sofort jene tiefe Traurigkeit zu erkennen war, von der die Leute im Dorf redeten. Der junge Graf begrüßte sie mit einem formvollendeten Handkuss und lächelte dann. "Sagen Sie doch bitte Georg. Wir hier auf dem Land sind nicht so förmlich."
Er sah wirklich umwerfend aus. Groß war er, schlank, sein dunkles Haar aus der Stirn gekämmt. Er hatte nur ein leichtes T-Shirt, unter dem sich kräftige Arme und breite Schultern abzeichneten. Zur Jeans trug er derbe, braune Stiefel. "Entschuldigen Sie meinen Aufzug", sagte Georg. "Aber ich bin mehr oder weniger seit 24 Stunden auf den Beinen… Vater", rief er dann, "ich bin gestern raus gefahren zu Alberts Gestüt in Freudental und hab mir die beiden Stuten angesehen, von denen er erzählt hat. Sie sehen wunderbar aus, würden gut zu unserer Zucht passen. Nach ein zwei Gläschen gestern Abend macht uns Albert einen guten Preis. Was meinst du?" "Ja, wenn er trinkt, wird er immer milde, der alte Albert. Das ist bekannt." Graf Hasso lachte wieder schallend. Dann zwinkerte er Angelika zu. "Du warst also bei Albert", sagte er dann. "Und ich dachte schon, du hättest endlich eine neue Flamme." Georg schaute seinen alten Herrn an und Angelika blieb sein schmerzlicher Blick nicht verborgen.
Der junge Graf wandte sich ab und ging in den Stall. "Georg bitte!", rief ihm Graf Hasso hinterher. "Irgendwann muss dein Leben doch weitergehen. Du kannst doch nicht ewig trauern." Der alte Graf schüttelte verzweifelt den Kopf. Was mag wohl passiert sein? fragte sich Angelika. Was hatte den jungen, gut aussehenden Grafen derart verletzt, ihn derart aus der Bahn geworfen? Welcher Schicksalsschlag hatte ihn schon in so jungen Jahren getroffen?
"Wollen wir uns jetzt die Pferde ansehen?", fragte Doktor Bergner und riss Angelika aus ihren Gedanken. "Ja", sagte sie. "Ja, natürlich." Sie folgte den Männern in den Stall. Georg stand vor der Box eines herrlichen Hengstes. "Das ist Shining Moon, unser ganzer Stolz. Er soll dieses Jahr zum ersten Mal in Bad Doberan laufen." Georg strich dem Tier über den Hals. "Und natürlich einen Preis holen." Graf Hasso gab dem Hengst einen Apfel. "Wir haben jedes Jahr einen Preisträger unter unseren Tieren." Georg sah Angelika an. "Meinen Sie, Shining Moon ist soweit?"
Die junge Tierärztin trat neben den Hengst. Es war ein außergewöhnlich schönes Tier. Tief dunkelbraun war sein Fell, es glänzte wie Gold. Darunter zeichneten sich die Muskeln ab, Angelika sah sofort: Das Pferd war in Bestform. Zärtlich streichelte sie seinen Hals. "Ja, Du bist ein Guter", flüsterte sie dem Hengst zu und klopfte leicht seine Flanken. Das Tier hob den Kopf und blähte die Nüstern. "Es ist ein sehr schönes Tier", sagte sie zu Georg, der keinen Schritt von ihrer Seite gewichen war. "Ich würde sagen, er ist in Topform und Sie können ihn jederzeit in ein Rennen schicken." "Wunderbar", entgegnete Georg, "ich setze große Hoffnungen in ihn.“
"Die Pferde sind alle in Ordnung", sagte Doktor Bergner, nachdem er zusammen mit dem alten Grafen bei der letzten Pferdebox angekommen war. "Man sieht, dass hier Leute arbeiten, die sich damit auskennen." "Ja, was die Tiere angeht, bin ich sehr zufrieden mit Georg", erwiderte der Graf. "Und sonst?", fragte Doktor Bergner und nahm den Hinterlauf des Pferdes hoch. "Ach, er macht mir schon ein bisschen Kummer", jammerte der alte Graf. "Wie lange braucht er denn noch, um über die Sache mit Maria hinweg zu kommen? Es ist jetzt schon über vier Jahre her und er wird auch nicht jünger. Natürlich war es eine schreckliche Tragödie, aber er muss doch irgendwann einmal wieder nach vorne blicken. Er ist ein Mann. Und ein Mann braucht eine Frau. Und nicht zuletzt muss er an das Gut und an die Familie denken. Was ist mit der nächsten Generation? Wer übernimmt das Gestüt, wenn Georg zu alt dafür ist?" "Geben Sie ihm die Zeit, die er braucht, Hasso", ergriff Doktor Bergner Georgs Partei. "Georg hat Angst, sich neu zu binden und vielleicht wieder einen furchtbaren Verlust erleiden zu müssen. Zurzeit gehört seine ganze Liebe den Pferden. Irgendwann wird er auch wieder Augen für eine Frau haben." Doktor Bergner ließ den Huf des Pferdes sinken und blickte dem Grafen ins Gesicht. "Und außerdem, Hasso, Sie dürfen die alte Familientradition nicht vergessen und was diese Bürde für Georg bedeutet. Er soll doch eine Frau aus adligem Stand heiraten, oder?" Der alte Graf nickte. "Ja", sagte er. "Das ist bei den von Ihringheims seit Generationen so üblich. Und Georg wird da keine Ausnahme machen. Dafür werde ich sorgen."
Doktor Bergner schloss seinen Koffer und ging zum Stalltor. "Die Auswahl unter adligen Mädchen ist nicht sehr groß", sagte er. Graf Hasso blickte nachdenklich in die Ferne. Er wusste schon, dass er selbst – was die Familientradition anbelangte - großes Glück gehabt hatte. Sein Vater hatte ihm Eleonor, die junge spanische Baronesse, vorgestellt und er war gleich über beide Ohren verliebt gewesen – und geblieben bis zu ihrem Tod. Ihm war es leicht gefallen, die Tradition fortzusetzen und eine adlige Frau zu heiraten.
Auch bei Georg schien ja alles bestens zu laufen. In Maria hatte er eine wunderbare Frau gefunden, eine anmutige Schönheit aus altem italienischem Adel. Die Zukunft des Gutes schien gesichert. Und jetzt? Sollte es wirklich so sein, wie Doktor Bergner sagte? Dass Georg unter den adligen Heiratskandidatinnen einfach nicht die Richtige fand? Die Frau, die ihn Maria und das schrecklich Unglück vergessen ließ?
"Kommen Sie, Fräulein Wellenhausen", rief Doktor Bergner. "Wenn Sie fertig sind, können wir wieder ins Dorf hinunter fahren." "Ja", sagte Angelika und strich Shining Moon noch einmal über den Rücken. "Auf Wiedersehen, Georg." Angelika trat aus dem Stall und reichte dem jungen Grafen die Hand. "Auf Wiedersehen Angelika", sagte Georg. "Es gefällt mir, wie Sie mit den Tieren umgehen. Sie haben ein feines Gespür und so eine, hmhm, bodenständige Art. Ich denke, wir werden gut zusammen arbeiten." Angelika sah auf und blickte direkt in Georgs traurige Augen.
In dieser Nacht schlief die junge Ärztin ausgesprochen schlecht. Immer wieder kehrten ihre Gedanken zurück zum Gut Ihringheim und zum jungen Grafen Georg. Natürlich hatte sie das Gut selbst nicht allzu sehr beeindruckt. Die Größe und die Herrschaftlichkeit des Hauses, der königliche, ganz in Bordeaux gehaltene Salon, das feine Porzellan, in dem der Kaffee serviert worden war. Diese Dinge kannte sie nur zu gut von zu Hause. Und sie mochte sie nicht. Das war ihr wieder klar geworden als Graf Hasso von seiner Frau erzählte und davon, mit wie viel Geschmack sie den Raum eingerichtet habe. Wie Mama, dachte Angelika. Mama hat auch ihr gesamtes Eheleben nichts anderes getan als Blumen arrangiert, Räume dekoriert, ihre teure Garderobe immer wieder neu ausgestattet und abends gewartet bis Papa nach Hause kam. Ab und an hatte ihre Mutter eine Gesellschaft gegeben. Dann war zwei Wochen lang von nichts anderem die Rede als vom Tischdecken, von Porzellan, und von der Speisenfolge. Ihre Mutter war aufgeregt gewesen und entnervt in solchen Wochen und dennoch waren derlei gesellschaftliche Begebenheiten die Höhepunkte in ihrem Leben. Von klein auf war Angelika angewidert von diesem Leben und von klein auf war ihr klar, dass sie so auf keinen Fall leben wollte. Und wenn sie auf alles Geld und jegliche Vorteile, die ihr eine adlige Herkunft boten, verzichten müsste. Sie würde ihren eigenen Weg gehen.
Angelika stand auf und trat ans Fenster. Es war eine herrliche Vollmondnacht. Der Garten, ja die gesamte Landschaft war in helles Mondlicht getaucht. Angelika sah nur kurz hin, dann verlor sich ihr Blick in der Ferne. Sie konnte nicht umhin, sie sah Georg vor sich, wie er aus dem Wagen stieg, sportlich, lässig, ein Bild von einem Mann. Sie wusste nichts von ihm, außer, dass er seine Pferde liebte. Und dennoch hatte sie das Gefühl, ihm nahe und verbunden zu sein. Wie Georg sie zum Abschied freundlich angelächelt hatte mit seinen traurigen Augen. Augen, aus denen das Elend der ganzen Welt sprach. Diese Augen, sie konnte sie einfach nicht vergessen.
