Zeitalter der Schatten - J.B. Pfeiffer - E-Book

Zeitalter der Schatten E-Book

J.B. Pfeiffer

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Beschreibung

»Zeitalter der Schatten« ist eine andere Form der klassischen Urban Fantasy - düsterer, tiefsinniger, anspruchsvoller, gepaart mit Elementen aus Science-Fiction und dem Mindbender-Genre. Tauchen Sie ein in die Welt von Cassandra Bergler ... Scordala trat lächelnd aus der kleinen Privatmaschine. Ihr langes dunkles Haar trug sie diesmal offen. Wie kleine Schlangenkörper züngelten die Haarspitzen durch die Luft. Ein schiefes Lächeln zierte ihr sonst so maskenhaftes Gesicht, das größtenteils von der dunklen Panoramasonnenbrille verdeckt wurde. Die Lippen hatte sie sich blutrot geschminkt, passend zu dem Anzug, der hauteng ihrer üppigen Figur schmeichelte. In der rechten Hand schwang sie einen glänzenden Aktenkoffer. Der Daumen ihrer linken spielte mit einem Gegenstand an ihrem Finger. Es war ein Ring, schwarz wie die Nacht. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Sie war es! Sie steckte hinter all dem! Das Symbol der Macht prangte so dekadent an ihrem Finger, dass mir übel wurde. Sie hatte alles bis ins kleinste Detail geplant. Sie war diejenige, bei der alle Fäden zusammenliefen. Sie hatte mich auserwählt, mich benutzt um alle zu manipulieren. Ich war ihre Geheimwaffe, ihr Zünglein an der Waage. Sie wusste, dass sich mit mir die Prophezeiung erfüllen würde. Ich war ihr Bauer auf dem Feld gewesen - ohne es auch nur zu ahnen. Aber das letzte Wort war noch nicht gesprochen, die Würfel waren noch nicht gefallen. Sie hatte ihre Wahl getroffen, ich nicht.

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Seitenzahl: 347

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Glossar

Hyp - Pille gegen Hypertonie

KWA - Kommission für die Wahrung des Abkommens

PSR - Pille zur Strahlenreduktion

ABC - Frühstück in der Tube

EIP (Everything Is Possible) - größter Waren- und Dienstleistungsanbieter im Internet

ZWB - Zentrale für weltweite Bildung

Lightener - Waffe im Kampf gegen die Schatten

PID - Präimplantationsdiagnostik

Wächter des Tages - Schutzeinheit des Retters

Wächter der Nacht - Wachen des Obscurs

Periculum - Gebiet außerhalb der Stadtmauern von Lumen-City

AGMEN - Zug zum Transport außerhalb von Lumen-City

Techcus - marktführender Technologiehersteller

Exostra - Brücke, die den alten Port mit dem Periculum verbindet

Syrinxtunnel - zentraler Verbindungstunnel von Bezirk 2 und 3

Tractar - Fährschiff im alten Port

Kit - gebräuchliche Abkürzung für Notfallkit

Sugo - parasitärer Sauger

Crepererum (kurz Crepers) - Nachtclub außerhalb von Lumen-City, in dem sich Menschen freiwillig von Schatten „benutzen“ lassen

Lumcatena - Ketten des Lichts mit denen die Lyskrieger ihre Gefangen fesseln

Präsentir - Seher

Luncur - Mutant, empfindlich gegenüber Sonnenlicht, regenerative Kräfte, Hunger auf rohes Fleisch

Versipell - Gestaltwandler

Revera - Neuigkeitenblatt in Lumen City

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Die Welt heute

Kapitel I - Das Ende vom Anfang

Kapitel II - Albträume

Kapitel III - Böses Erwachen

Kapitel IV - Schwarz, Schwärzer, am Schwärzesten

Kapitel V - Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Kapitel VI - Eine Gutenachtgeschichte über Märchen, Mythen und Sagen

Kapitel VI - Späte Reue ist und bleibt eins: zu spät

Kapitel VII - Großmutters Weisheiten

Kapitel VIII - Zwischen Himmel und Hölle

Prolog

»Basis an Station 3 Alpha, Basis an Station 3 Alpha, bitte melden.«

Knick-knack, die Leitung gab den Ton frei.

»Hier Station 3 Alpha, System hochgefahren, bereit für weitere Befehle.«

Der Offizier warf seinem Vorgesetzten einen letzten prüfenden und zugleich festen Blick zu. Nur geübte Augen konnten so etwas wie Verzweiflung in seinem Blick ausmachen. Für alle anderen blieb das Gesicht starr und ohne Regung. Der Mann in der dunklen Uniform blickte kurz auf und nickte stumm.

»Basis an Station 3. Befehl zu Nemesis erteilt.«

Ein kurzes Rauschen ließ allen Anwesenden den Atem stocken. Keiner von ihnen wagte es auch nur Luft zu holen. Dann drangen die entscheidenden Worte über Funk an ihre Ohren.

»Ziel erfasst. Countdown läuft in 10, 9, 8, ...«

Eine der Übersetzerinnen fiel ihrer Kollegin in die Arme.

»...0! Raketen gezündet!«

Die Welt heute

Nemesis hatte dafür gesorgt, dass alle Abfangraketen wie geplant gestartet waren. Ein Team von international anerkannten Wissenschaftlern hatte unter der Leitung von Dr. Maya Fakim Tag und Nacht über Monate hinweg an einer Lösung gearbeitet. Doch den gewünschten Effekt hatte sie leider nicht.

Während gut drei Viertel des Meteoriten in Form von kleinen Splittern in der Erdatmosphäre verglühten und für ein leuchtendes Spektakel am Himmel sorgten, rasten die restlichen 75 Prozent des tödlichen Kolosses unaufhaltsam auf die Erde zu. Es schlug in der Nähe des Nordpols ein und reichte aus, um alles zu verändern.

Eine dicke Staubwolke zog über die Kontinente und lag wie eine massive, undurchdringliche Dunstglocke über dem Planeten. Infolgedessen brach das gesamte Ökosystem der Erde zusammen. Nichts unter freiem Himmel fand mehr Nahrung zum Leben.

Nachdem die ersten Ausläufer der gewaltigen Staubwolke, die der Meteorit in die Atmosphäre geschleudert hatte, verschwunden waren, zeigte sich erst das wahre Ausmaß der Katastrophe. Hunderttausende fanden nach und nach den Tod. Lebensmittel wurden knapp. Für einige Jahre schien jeglicher technologische Fortschritt wie ausgelöscht.

Die Erde war durch den Zusammenstoß aus ihrer Umlaufbahn gedrängt worden und die Erdachse hatte sich verlagert. Wie ein ins Trudeln geratener Kreisel zog sie nun ihre Bahnen. Die Folgen waren dramatisch.

Tag und Nacht gaben sich nicht mehr im Einklang die Hand, sie wechselten sich in unvorhersehbaren Momenten ab. Das Magnetfeld brach teilweise zusammen und ließ bedrohliche Dosen von gefährlichen Strahlen bis zur Erdoberfläche hindurch und die Erde drehte sich scheinbar willkürlich mal schneller und mal langsamer. Dadurch gerieten die Kontinente ins sogenannte »Sliden«.

Das Bild der Erde unterlag von nun an einem ständigen Wechsel, sowie die Pflanzen- und Tierwelt. Erdbeben, Unwetterkatastrophen und Vulkanausbrüche ließen nicht lange auf sich warten - ein Nährboden für die Dunkelheit. Angst hatte die Menschen fest in ihren Klauen. Zuflucht und Hoffnung bot ihnen allein ihr unbändiger Überlebenswille.

Schatten tauchten in den zerstörten und dunklen Straßen der Städte auf. Dunkle und diabolische Wesen trieben von nun an ihr Unwesen und wiesen die von Hunger und Zwist gepeinigten Menschen in ihre Schranken.

Zuerst lehnten die Menschen sich auf. Sie bildeten Bürgerwehren, um die Nacht wieder ihr Eigen nennen zu können. Mutanten, die sich den veränderten Umweltbedingungen auf unterschiedliche Weise angepasst hatten, konnten der Fraktion der Menschen zu dem ein oder anderen Sieg verhelfen. Doch als auch die mühsam aufgebaute Technologie aufgrund der geschwächten Infrastruktur versagte, mussten sich die Menschen eingestehen, dass sie chancenlos waren.

Schlachten wurden gewonnen, aber der Krieg war noch lange nicht vorbei.

Resignation ließ die Menschen sich zurückziehen und wie ein auf den Rücken gefallener Käfer hilflos werden. Kein rettender Strohhalm war in Sicht. Die Menschen rotteten sich zusammen. Städte wurden gebaut, die eher Festungen glichen.

In der dunkelsten Stunde der Menschheit glomm kein Hoffnungsfunke mehr.

Nur ein Abkommen zwischen Licht und Dunkelheit, geschlossen im Zwielicht bei eintretender Sonnenfinsternis, zwischen dem Retter und dem Obscur konnte Abhilfe schaffen.

Die Regeln waren eindeutig: Der Tag gehörte den Menschen, die Nacht den Schatten.

Doch nicht alle teilten die Absicht, sich an das Abkommen zu halten.

Das Zeitalter der Schatten begann.

Kapitel I - Das Ende vom Anfang

26. Dezember 2196, 09:26 Uhr, Lumen-City, Stand der Sonne: nicht zu sehen

Sarah schlurfte langsam in ihrem rosa Frotteebademantel durch ihre Wohnung. Ihre dazu passenden rosa Hasenpantoffeln gaben jedes Mal ein erstickendes Quietschen von sich, sobald sie den Boden berührten. In der rechten Hand hielt Sarah einen Becher Ersatzkaffee, in der linken die „Revera“, die wie jeden Morgen auf ihrer Eingangsmatte gelegen hatte. Das Neuigkeitenblatt von Lumen-City fiel so dünn aus, dass es die Bezeichnung Zeitung eigentlich gar nicht verdient hatte. Trotzdem freute sich Sarah jeden Morgen auf eine seltsam unaufdringliche Art und Weise auf die kurzweilige Lektüre zum Anfassen und über das, was Lumen-City bewegte. Es gab nicht mehr viel in gedruckter Form. So blieb die Zeitung eins der letzten nostalgischen Relikte und weckte bei so manchem eine tiefe Sehnsucht nach vergangenen Tagen.

Der Becher in Sarahs Hand war angenehm warm. Langsam nippte sie an dem bräunlichen Getränk und schlürfte dabei. Sie trat ans Fenster.

Ein Morgen wie jeder andere. Die Sonne war heute noch nicht aufgegangen und keiner konnte langfristig vorhersagen, wann genau sie an dem heutigen Tag der Nacht ein Ende setzen würde. Sarah blickte auf die Wettervorhersage, die eigentlich weniger das Wetter als den für heute berechneten Sonnenaufgang preisgeben würde. Je nachdem wäre heute T-Shirt oder Herbstmantel gefragt. Dort stand: berechneter Sonnenaufgang 11:31 Uhr, Sonnenuntergang: 16:14 Uhr, Genauigkeit: 71%. Ein kurzer Tag stand ihr bevor.

Da die Wahrscheinlichkeit, mit der die Berechnungen zutrafen, nicht besonders hoch war, musste jeder, der sich aus dem Haus wagte, seine Notfallausrüstung bestehend aus einem Schutzanzug, einer UV-Lampe, einem Strahlungsmesser, einem Nachtsichtgerät und einer Pille gegen Hypertonie (Bluthochdruck) - kurz Hyp genannt - dabeihaben. Das Set war keine Garantie zum Überleben, aber zumindest war es besser als nichts.

Zum Glück hatte sich die Technologie in diesem Sektor rasant weiterentwickelt, so dass man nicht mehr aus 70 Prozent Muskelmasse bestehen musste, um die Ausrüstung stemmen zu können. Zwar nützten die UV-Lampen nur bedingt etwas gegen einen Angriff aus der Dunkelheit, aber das war immerhin besser als der unbekannten Bedrohung schutzlos gegenüber zu stehen. Das UV-Licht hielt die Schatten in 80 Prozent der Fälle fern, bis sie ein anderes Opfer gefunden hatten. Man konnte sich die Wirkung ähnlich wie bei einer Duftkerze gegen Mückenbefall vorstellen: meistens funktionierte alles wie gewünscht, aber es gab eben auch Ausnahmen. Die Schatten konnten sich nur bei Nacht draußen bewegen, tagsüber verkrochen sie sich in dunklen Gassen und Winkeln oder suchten einen menschlichen Wirt, der sie transportierte.

Es war nicht viel in der Bevölkerung über die Schatten bekannt. Sarah wusste nur zwei Dinge: erstens, Schatten mochten UV-Licht nicht besonders und zweitens fühlten sie sich durch menschliche Emotionen, vorwiegend starke Angst, magisch angezogen. Daher lernten bereits Kinder ihre Emotionen zu kontrollieren und wurden schon früh mittels eines speziell dafür entwickelten Programms abgehärtet, um möglichst keine Angst in sich aufkommen zu lassen. War das Programm erfolgreich, brachte es Kinder hervor, die zwar keine Angst mehr verspürten, aber auch jegliches empathische Vermögen und das, was sie als Mensch auszeichnete, verloren hatten. Sie waren zu gefühlskalten Maschinen geworden.

Doch die Instinkte des Menschen, die sich über Jahrtausende entwickelt hatten, erwiesen sich selbst mittels Genmanipulation als schwer ausschaltbar, weshalb das Konditionierungsprogramm nicht bei jedem Probanden anschlug. Jeder trug eine Hyp bei sich, um im Ernstfall seine Stresssymptome drosseln zu können. Zum weiteren Schutz wurden unter den Städten Tunnelsysteme angelegt, die bei plötzlichem Einbruch der Dunkelheit oder auftretender erhöhter Strahlung mittels Identifizierung per menschlicher DNS geöffnet werden konnten. So hatten die Menschen selbst ohne Notfallausrüstung eine Chance zu überleben - wenn auch nur eine kleine.

Sarah seufzte. Sie hatte schon viel über die Ära vor dem Zeitalter der Schatten gelesen. Es gab Lebensmittel im Überfluss, die Menschen pflegten ihre Vorgärten, grüßten einander bei der samstagmorgendlichen Autowäsche und gingen sonntags in die Kirche. Ein Leben ohne große Überraschungen - zugegeben. Aber zumindest musste man nicht täglich in Angst und Schrecken leben.

Doch diese Zeiten gab es schon lange nicht mehr. Sarahs Tagträume wurden oft von Bildern der „guten alten Zeit“ bestimmt. Sie würde ins Kino gehen, auf die Kirmes, Zuckerwatte essen und sich die Nägel pink lackieren. Samstagsnachts nach einem Pizza- und Popkorngelage bei Mondschein würde sie händchenhaltend mit ihrem Freund spazieren gehen und vielleicht auch eine heiße Liebesnacht unter freiem Himmel verbringen. All das hatte sie vor Augen und seufzte dabei geistesabwesend, weil ihr Traum niemals in Erfüllung gehen würde. »Nur Mut«, sagte Sarah sich und anstelle ihres verträumten Blicks trat ein entschlossener. Sie war fest davon überzeugt, dass bald alles besser werden würde. Nur allzu bald.

Heute würde sie es ruhig angehen lassen und ihren freien Tag genießen. All die Dinge tun, die sie gerne tat.

Als erstes entschied Sarah sich dazu ausgiebig zu frühstücken. Wochenlang hatte sie darauf gespart sich ein paar frische Papayas gönnen zu können, eine fast unerschwinglich gewordene Delikatesse. Nun saß sie an ihrem Tisch, vor sich die beiden aufgeschnittenen saftigen Hälften und sah sich die Nachrichten an.

Unruhen in der Stadt hatten vier Menschen das Leben gekostet, als sie versuchten, aus einem der zentralen Gewächshäuser frisches Obst zu stehlen. Die Nacht überraschte sie. Übrig blieb allein eine Hand voll Schutzausrüstungen, die vier seelenlose Körper umhüllten. Die KWA (Kommission für die Wahrung des Abkommens) geht davon aus, dass eine Splittergruppe der Schatten sie verschlungen hat.

Sarah drückte ernüchtert auf den Ausschalter der Fernbedingung. Sie war es leid, nur von Tod und Gewalt zu hören. Mit einem kurzen Zipp verabschiedete sich das Fernsehprogramm und zurück blieb nur ein schwarzer Bildschirm. Die Revera hatte sie bereits nach einem flüchtigen Blick auf die Titelseite beiseite gelegt.

Dort stand in fetten Großbuchstaben: ERNEUT VERHERENDE ANGRIFFE DURCH SCHATTEN - RETTER GREIFT HART DURCH. PROJEKT „WATCHING-EYE“ STEHT IN DEN STARTLÖCHERN - Anfängliche Skepsis seitens der Bevölkerung nach neuen Angriffen ad acta gelegt - Umfassende Überwachung soll für mehr Sicherheit sorgen.

Sarah ließ sich Zeit beim Anziehen, putzte sich länger als nötig ihre Zähne und blickte erst wieder auf die Uhr als sie ihr langes Haar kunstvoll hochgesteckt hatte. 10:59 Uhr. Zufrieden betrachtete sie ihr Spiegelbild. Das würde heute wirklich ein außergewöhnlich schöner Tag werden.

Um Punkt 11:31 Uhr verließ Sarah ihre Wohnung. Ihr Notfallkit hatte sie sich an die Seite ihres Hüftgürtels geschnallt. Als sie aus der Tür in den langen Flur des mehrstöckigen Wohngebäudes trat, wurde sie gleich überschwänglich begrüßt.

»Guten Morgen Frau Plein. So früh schon außer Haus?«

Frau Sabratzki blickte Sarah neugierig und fragend zugleich an.

»Ich will die wenigen Sonnenstunden genießen. Sie wissen ja, was Mangelware ist, ist heiß begehrt.«

Frau Sabratzki runzelte die Stirn.

»Aber passen sie bloß auf. Die haben für heute wieder erhöhte Strahlung vorausgesagt. Denken Sie auf jeden Fall an Ihr Notfallkit.«

Mahnend fuchtelte sie mit ihrem manikürten Finger vor Sarahs Nase herum.

»Danke, Frau Sabratzki. Das trage ich immer bei mir.«

Bis auf das eine Mal, vervollständigte Sarah den Satz in ihren Gedanken. Um sich noch einmal zu vergewissern, dass es auch wirklich da war, begab sich Sarahs Hand fast automatisch tastend zu ihrem Kit.

Sie hoffte insgeheim, dass Frau Sabratzki es dabei belassen und sie nicht wieder hilflos einer ihrer stundenlangen Monologe ausgeliefert sein würde. Ein Gespräch mit Frau Sabratzki kam einer Vergewaltigung sehr nahe: obwohl man es nicht wollte, man es kaum noch aushalten konnte, sich innerlich sträubte und wehrte, ertrug man es letztendlich stilldschweigend und gab auf. Selbst dezente Hinweise oder konkrete Terminankündigungen liefen ins Leere und wurden kategorisch ignoriert. Das Mitteilungsbedürfnis von Frau Sabratzki schien endlos und unerschöpflich. Auch wenn sie jeden ihrer Gesprächspartner schier in den Wahnsinn trieb, traute sich niemand, ihr den Mund zu verbieten. Jeder wusste um die Gefahr, wenn man es sich mit Frau Sabratzki verdarb.

Sarah klopfte sich demonstrativ auf ihren Hüftgürtel, um das Gesagte noch zu untermauern. Doch Frau Sabratzki nahm sie schon gar nicht mehr wahr. Sie hatte wohl Schritte vernommen und streckte ihre Nase um die Ecke um auszukundschaften, wer außer Sarah noch seine schützenden vier Wände verlassen wollte.

Zum Glück ist die Alte leicht abzulenken, dachte Sarah im Stillen und schlich sich davon.

Frau Sabratzki war auf den ersten Blick eine nette alte Dame. Ordentlich, bieder, interessiert und mit Nickelbrille auf der Nase - ein Erbstück aus dem goldenen Zeitalter wie sie immer betonte.

Trotz Frau Sabratzkis harmloser Gestalt durfte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Die nette alte Dame führte Buch über alle Aktivitäten im Haus: wer es wann verließ und natürlich auch mit wem.

Das Fatale daran war, dass Frau Sabratzki sich nicht scheute, die Informationen bei Bedarf an den Meistbietenden zu verkaufen. Nicht selten wurde potentiellen Sympathisanten unterstellt, Schattenwesen Zutritt zu bewohnten Behausungen zu verschaffen. Im Gegenzug erhielt der menschliche Komplize etwas sehr Kostbares: eine Illusion, eine Scheinwelt wie er sie sich schöner nicht hätte träumen können. Alles in ihr war möglich, nichts war Regeln unterlegt. Der Arme konnte reich sein, der Erfolglose erfolgreich, der Brave mal so richtig böse. Die Schattenwesen wussten genau, wie sie die Menschen für ihre Zwecke manipulieren konnten.

Frau Sabratzki fungierte als Spitzel für die Sicherheitskräfte des Retters, dem Anführer der Menschen, oder für sonst jemanden, der Interesse an Informationen hatte. Sie musste sich dabei nicht einmal besonders anstrengen, die Tätigkeit entsprach einfach ihrem neugierigen Naturell. Brauchte jemand Informationen aus dem Haus oder der Nachbarschaft, Frau Sabratzki konnte sie liefern - gegen Cash versteht sich. Sie war bei weitem nicht die einzige, die das Handeln mit Informationen als lukrative Einnahmequelle für sich entdeckt hatte. Die KWA, der Retter, der Obscur, das Oberhaupt der Schatten, sie alle waren auf Informationen angewiesen, um politisch sowie gesellschaftlich agieren zu können. Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit konnten den entscheidenden Vorteil in Strategie und Planung bringen - Vertrauen war gut, Kontrolle besser.

Obwohl Sarah Frau Sabratzki nicht mochte, wollte sie sich jedoch nicht über sie beklagen. Schließlich spickte der alte Hausdrache jeden Morgen durch den Spion und passte auf, dass alles mit rechten Dingen zuging. Solange Sarah Vorsicht walten ließ und Frau Sabratzkis nervige Art ertrug, würde ihr schon nichts passieren. Immerhin machte es ihr Haus auch sicherer. Banden von verwaisten Jugendlichen trauten sich nicht so leicht in diesen Bezirk von Lumen-City. Alle waren über die Kontakte Frau Sabratzkis informiert und fürchteten oder begehrten sie gleichermaßen.

Am Ende des Ganges angekommen, steuerte Sarah an dem Fahrstuhl vorbei auf das Treppenhaus zu. Kurz war sie in Versuchung geraten nicht der Treppe, sondern der Technik zu vertrauen. Aber in der Vergangenheit hatte es schon zu oft Stromschwankungen gegeben, so dass der Fahrstuhl gerne mal steckenblieb, zumal er auch schon einige Jahre auf dem Buckel hatte. Die örtlichen Gewächshausanlagen zogen einfach zu viel Elektrizität. Je nach aktuellem Stand der Sonne, kam noch ein immenser Stromverbrauch für UV-Lampen hinzu. Das hielt selbst das beste Elektrizitätswerk nicht lange durch.

Im Treppenhaus angelangt, kam ihr ein dunkel gekleideter Mann, der seinen Hut tief ins Gesicht trug, entgegen. Er grüßte knapp, indem er kurz an seine Hutkrempe fasste. Sarah ahnte schon, wohin er wollte. Die junge Frau aus 3b hatte in letzter Zeit ungewöhnlich viele Luxusgüter in ihr Apartment liefern lassen. So etwas blieb in einem Wohnblock wie diesem nicht lange unbemerkt. Neider gab es schließlich überall.

Womit die junge Frau ihr Geld verdiente, darüber gab es eine Menge Spekulationen. Frau Sabratzki zerriss sich förmlich das Maul darüber - die Gerüchteküche brodelte. Ausgesprochen wurden die Verdächtigungen allerdings nur hinter verschlossenen Türen. Nicht, dass es die Bewohner großartig scherte - immerhin kochte jeder sein eigenes Süppchen. Aber es brachte ein bisschen Farbe in den tristen Alltag. Bestimmte Klischees und Vorurteile hielten sich hartnäckig trotz fehlender Moral und einer gewissen Verrohung der Sitten und brachten so manchen vergreisten Rentner dazu, seine Ohren zu spitzen und sich für einen Moment am Elend der anderen zu erfreuen.

In Zeiten wie diesen war Neid ein nicht zu unterschätzendes Motiv für weitaus schlimmere Taten, besonders, da diese nicht konsequent gesühnt wurden. War man in Besitz von Geld oder Macht, konnte man sich fast immer freikaufen. Das System war korrupt. Ein straffer und unbestechlicher Rechtsstaat war nicht im Interesse des Retters. Andere Dinge besaßen unter der Herrschaft des Retters Priorität - die Überwachung der Schatten. Tratsch hingegen konnte immer bis zur Quelle zurückverfolgt werden und niemand wollte in den heutigen Zeiten freiwillig Aufsehen erregen oder ins Fadenkreuz der Flüsterpropaganda geraten. Informationen konnten leicht manipuliert werden. Die Wände hatten nicht nur Ohren, sondern auch Augen. Anonymität war die Devise. Vertraue niemandem, noch nicht einmal dir selbst. Privates wurde daher akribisch vor der Öffentlichkeit geschützt.

Mühsam schleppte sich Sarah die Treppen nach unten. Ihr Bein machte ihr immer noch zu schaffen. Nie wieder würde sie ohne Schutzanzug das Haus verlassen, ab jetzt würde sie ihr Kit immer bei sich tragen. Ihre Unvernunft von damals hatte tiefe Narben hinterlassen, nicht nur körperliche, sondern vor allem seelische.

Draußen angekommen hielt Sarah kurz inne und prüfte mit ihrem Messgerät die Strahlung. Der Zeiger schwankte, bewegte sich dann aber von gelb doch zum entwarnenden Grün und verharrte dort. Es würde heute wirklich ein schöner Tag werden.

Die Sonne brannte, aber mittlerweile gehörte es zum Programm eines jeden Menschen zur Morgenstunde eine PSR (Pille zur Strahlenreduktion) einzunehmen. So wurden zumindest 60 Prozent der tödlichen Strahlung von der Haut gefiltert. Zeigte das Strahlungsmessgerät jedoch Werte im gelben und orangenen Bereich an, so half nur noch der Schutzanzug - allerdings nur für eine gewisse Zeit. Rot hingegen bedeutete sofortigen Rückzug in eines der Tunnelsysteme oder in eine Behausung.

Zu Beginn der Katastrophe hatte es ein regionales Warnsystem gegeben, das erhöhte Strahlung und die nahende Dunkelheit mit einem Heulen ankündigte. Die Strahlung variierte jedoch zu stark, selbst innerhalb eines Bezirks, und so blieb nur das Heulen der Sirene zur Ankündigung der Nacht übrig. Die Menschen hatten sich mit den veränderten Bedingungen arrangiert. Viele von ihnen kannten es mittlerweile schon nicht anders, denn sie waren in der neuen Welt geboren worden.

Frisches Gemüse oder Obst gab es kaum. Und wenn, dann war es ein pures Luxusprodukt und nur gegen viel Geld, viel Einfluss oder gleichwertige Dienstleistungen (quid pro quo) zu erwerben. Die Normalbürger deckten ihren täglichen Vitaminbedarf mit Astronautennahrung, besser bekannt als Essen aus der Tube. Viele Kinder kannten schon gar nicht mehr den Geschmack von frischen Erdbeeren oder Tomaten, geschweige denn ihr Aussehen. Dr. Oetkers ABC-Frühstück in der Tube war jedoch allen ein Begriff. Fitnessgeräte für den Hausgebrauch erfreuten sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. TH (Training at Home) war das Thema für die Leibesertüchtigung. Via Internet war es möglich, sich nahezu alles nach Hause bringen zu lassen - gegen Gefahrenzulage für den Kurier versteht sich. Die Plattform EIP (Everything Is Possible) bot einen schier unendlichen Markt an Dienstleistungen und Produkten. Es gab nicht wenige Leute, die ihre Behausung gar nicht mehr verließen. Selbst körperliche Gelüste konnten so mittels eines kleinen Klicks im Handumdrehen gestillt werden.

In der Arbeitswelt sah es ähnlich aus. Seit es nur noch eingeschränkt möglich war, seinem Job an seinem Arbeitsplatz nachzugehen, stand die Technik immer mehr im Vordergrund. Die meisten Jobs wurden heute per Homeoffice erledigt, sofern möglich. Fabrikarbeiter wohnten in Kolonnen an ihrem Arbeitsort und kamen nur für ein verlängertes Wochenende oder in den sogenannten „Work-out-Phasen“ nach Hause. Kinder wurden fast ausschließlich zu Hause via Internet und Webcam unterrichtet, da es zu gefährlich war, ihnen den Schulweg zuzumuten. Zu häufig wurde in den Medien über verschwundene Kinder berichtet.

Viele Kinder wurden auch gar nicht unterrichtet. Sie waren für die wirklich schmutzigen und gefährlichen Jobs in den Arbeiterkolonnen vorgesehen - Bildung war da zweitrangig.

Wer es sich leisten konnte, bestellte einen Privatdozenten zu sich nach Hause und legte über Fernschaltung seinen Abschluss bei der ZWB (Zentrale für weltweite Bildung) ab.

Beziehungen spielten bei der anschließenden Jobvergabe eine entscheidende Rolle. Nur wer Einfluss oder Geld - am besten war es noch, beides zu besitzen - hatte, konnte sichergehen, mit seinen Qualifikationen auch eine angemessene Arbeitsstelle zu ergattern. Isolation statt Gemeinschaft war zum Schlagwort dieser Zeit geworden.

Sarah verdrängte die Angst, mit der sie jedes Mal nach draußen trat. Sie hatte sich für heute viel vorgenommen. Die wenigen Sonnenstunden wollte sie nutzen, um in die Städtische Bibliothek zu gehen, sich ein gutes Buch zu suchen und in dem wunderschönen Freiluftgarten im Herzen der Bücherei ihre Füße in den Bachlauf zu halten. Manchmal waren es eben die kleinen Dinge des Lebens, die ihr eine besondere Freude bereiteten.

Bei plötzlich einbrechender Dunkelheit schloss sich das Dach der Bibliothek binnen Sekunden. Ein verhältnismäßig sicherer Ort - Sarah liebte ihn einfach.

An den Toren der Bibliothek angekommen, streckte Sarah ihre Hand aus, um sich an den zahlreichen Terminals mittels ihres Fingers als Mensch zu identifizieren.

Schon einmal war es einem Schatten gelungen, sich in dem eines Menschen zu verbergen und in die Gemäuer zu gelangen. Furchtbare Verwüstungen hatte es damals gegeben als der Schatten die Stromversorgung kappte und so bei Dunkelheit die Tore für all die Ungeheuer öffnete, die sich sonst in der Tiefe der Nacht verbargen. Blutsauger hatten sich an den Besuchern gelabt und Dämonen sich unschuldige Seelen unter den Nagel gerissen. Doch die Menschen hatten dazugelernt. Generatoren sicherten nun die Stromversorgung der meisten großen Gebäude und speziell ausgebildetes Sicherheitspersonal konnte die Schatten mit ihren UV-Harpunen in Schach halten bis die Kräfte der KWA eintrafen.

Die KWA verschonte niemanden. Wer sich nicht an das Abkommen hielt, ob Mensch, ob Schattenwesen, wurde in Gewahrsam genommen oder verlor sein Leben, bzw. seine Existenz.

Nur die Besten der Besten unter Menschen und Mutanten wurden von der KWA rekrutiert, um Verstöße zu ahnden. Die Mitglieder der KWA besaßen eine nahezu unmenschliche Kontrolle über ihre Emotionen - so erzählte man sich. Zudem war die KWA mit einem der weltweit am besten ausgerüsteten Techniklabore ausgestattet. Der KWA war es auch gelungen, ein Gerät zu entwickeln, das im Kampf gegen die Schatten eingesetzt werden konnte. Die Technik war noch nicht ganz ausgereift, machte sich aber die Tatsache zu Nutze, dass die Schatten eine Art Echolot für menschliche Angst besaßen. Das besagte Gerät oder vielmehr das besagte Netz, das nur unter dem Namen »Lightener« bekannt war, schaltete diese Spürnase aus und ließ die Schatten ohne Reizempfindung zurück. Wie Fledermäuse ohne Ultraschall und Temperaturrezeptoren waren sie unfähig, sich Nahrung zu suchen. Sie wurden regelrecht ausgehungert. Bisher gab es lediglich einen Prototypen, der sich in der Testphase befand. Aber auch der Obscur hatte seine Leute in der KWA untergebracht. Ein einzelner Mensch, der in dem Bann eines Schattens stand, durfte dem Obscur über die Aktivitäten der KWA Bericht erstatten. Er war das Zünglein an der Waage um sicherzugehen, dass die Menschen sich an das Abkommen hielten und um die KWA im Namen des Obscurs bei der Bekämpfung von abtrünnigen Schatten zu unterstützen. Die KWA war das FBI ihrer Zeit - die Geisterjäger, Polizei, Sozialarbeiter und den psychatrischen Dienst zugleich ersetzen sollte. Eine eierlegende Wollmilchsau - wenn es so etwas gibt. Eine Geheimpolizei von Menschen ins Leben gerufen zum Schutze des Abkommens. Eine unabhängige Einheit, die auf beiden Seiten agierte - der der Schatten und der der Menschen.

Der Retter hatte seine eigenen Leute, die für Sicherheit sorgen sollten. Die Wächter des Tages wurden sie genannt. Auch der Obscur hatte seine Wächter - die Wächter der Nacht.

Sarah betrat die imposante Eingangshalle der Bibliothek. Einer der Sicherheitskräfte warf ihr einen anerkennenden Blick zu. Verlegen strich sie sich eine Strähne, die sich gelockert hatte, hinters Ohr. Ihre Frisur musste ihr heute wohl gelungen sein.

Jeder der Wachleute hielt einen großen Hund an der Leine. Sarah vermutete, dass es sich dabei um eine Schäferhund-Rottweiler-Mischung handelte. So genau konnte sie nicht erkennen, welcher Rasse sie angehörten.

Jeder der Hunde trug eine schwarze Maske über dem Kopf, die nur die Schnauze und die Ohren frei ließ und deren Ausläufer sich über den Rücken bis zur Rute erstreckte. Die Hunde sollten sich augenscheinlich nur auf zwei Sinne konzentrieren: hören und riechen.

Sarah hatte durch Zufall mitbekommen, warum diese speziellen Hunde ein so seltsames Auftreten hatten. Frau Sabratzki hatte mit einer Nachbarin, die an der Ausleihe der Bibliothek arbeitete, im Hausflur getratscht. Dabei kam auch zur Sprache, dass die Hunde zum Erschnüffeln von Schatten eingesetzt wurden. Verbarg sich ein Schatten in dem eines Menschen, so schlugen die Hunde sofort Alarm. Es mussten viel Zeit und ein besonderes Zuchtprogramm nötig gewesen sein, um eine solche Rasse hervorzubringen. Wer weiß, was sich hinter der Maske verbarg. Sicherlich wollte die Regierung nicht, dass die Schatten von einem solchen Trumpf auf Seiten der Menschen erfuhren. Sehr unvernünftig von Frau Sabratzki, darüber im Hausflur zu sprechen. Aber dann und wann überkam eben auch ein solch mit allen Mitteln gewaschener Hausdrache wie Frau Sabratzki der Leichtsinn.

Sarah sah sich um und seufzte. Vielleicht würde sie heute zum letzten Mal einen Blick auf die gewaltigen Reihen an Büchern und historischen Werken werfen. Wenn auch durch die Katastrophe in ihrer Zahl dezimiert, boten sie Interessierten eine große Bandbreite an Literatur und Wissen. Wie ein Schneckenhaus schlängelte sich eine ellenlange Wendeltreppe an den Bücherregalen entlang. Ein gläserner Fahrstuhl in der Mitte führte die Besucher zu der gewünschten Etage. Von oben erweckte die Architektur beim Betrachter den Eindruck, als würde er auf ein Wagenrad blicken: der Fahrstuhl stand für die Nabe, die Gänge bildeten die Speichen und die Bücherregale die Felge.

Zielsicher steuerte Sarah auf die Abteilung mit den historischen Romanen zu. Sie liebte die bild- und wortreichen Geschichten aus vergangenen Tagen, über Freud und Leid, Liebe und Hass. Heute sollte es eins ihrer Lieblingsbücher sein: „Sinn und Sinnlichkeit“.

Mit dem Buch unter dem Arm machte sie sich auf in die oberste Etage des Gebäudes, um im Freilichtgarten auf dem Dach genüsslich schmökern zu können. Bei Gefahr würde sich das Dach rechtzeitig schließen, das wusste Sarah. Hier würde sie friedlich ihren Tagträumereien nachgehen können. Beinahe geriet Sarah von der Wärme der Sonne, der Kühle des künstlichen Bachlaufs und dem mitreißenden Roman in ihrer Hand betört ins Grübeln. Sollte sie wirklich ihren Plan umsetzen?

Doch über diesen einen Gedanken hinaus gelangte sie nicht. Ein lautes, schrilles Heulen riss sie abrupt aus ihren Phantasien. Hektisch wurden Blicke mit den anderen Besuchern und dem Sicherheitspersonal ausgetauscht. Angst und Verunsicherung zeichneten sich in den Gesichtern ab. Eine laute, monotone Stimme durchbrach schließlich den Moment der Anspannung: »Bitte bleiben Sie ruhig und begeben Sie sich in die Eingangshalle. Die Nacht senkt sich über die Stadt früher als erwartet. Ich wiederhole. Bitte begeben Sie sich ruhig in die Eingangshalle. Dies ist keine Übung!«

Der Ton machte die Musik. Obwohl nicht zu überhören war, dass der Sprecher dieser Nachricht routiniert war, schwang ein bedrohlicher Unterton in seiner Stimme mit.

Im gleichen Augenblick war ein leichtes Surren zu vernehmen und die Glaskuppel über Sarahs Kopf schloss sich innerhalb eines Augenaufschlags.

Sarah musste unwillkürlich schlucken. So hatte sie sich ihren freien Tag nicht vorgestellt. Ein Blick auf die Uhr bestätigte ihren Verdacht: es war erst halb zwei. Sarah wurde hektisch. Sie musste hier raus und das schnellstmöglich. Sie wollte nicht bis zum nächsten Sonnenaufgang in einem öffentlichen Gebäude festhängen, das jederzeit zum Zielpunkt von Anschlägen werden konnte. Wer konnte schon genau sagen, wann die Sonne das nächste Mal wieder aufgehen würde?! Zwar waren die meisten Areale der Stadt durch unterirdische Tunnelsysteme verbunden, aber falls es wieder einen Stromausfall geben würde, wäre sie dort gefangen. Sie wollte nicht, dass ihr Tag so enden sollte. Das Zepter aus der Hand zu geben, war so gar nicht ihr Ding. Sie musste es einfach bis nach Hause schaffen, ehe die Nacht über sie hereinbrach.

»Nein, so nicht«, sagte sie sich im Stillen, aber nicht minder entschlossen und ballte ihre Hand zu einer Faust. »Ich habe noch 30 Minuten. Das war die erste Warnung. Ich muss hier einfach nur schnellstens raus.«

So schnell Sarah konnte, rannte sie zum Fahrstuhl. Einer der Wachen rief ihr hinterher: »Hey, haben Sie nicht gehört! Ruhe bewahren! Sonst wandern Sie eh Sie bis drei zählen können in den Arrest.«

Einige Bibliotheksbesucher warfen Sarah verärgerte Blicke zu. Niemand wollte freiwillig den Unmut der Wächter auf sich ziehen. Sarah stoppte abrupt und legte sich einen zügigen Gang zu, der für Außenstehende weniger hektisch wirkte. Sie durfte kein Aufsehen erregen. Andernfalls würde sie hier auf unbestimmte Zeit festsitzen.

Kaum hatte sie den Fahrstuhl erreicht, schlossen sich seine Türen.

»Mist, nur eine Sekunde zu spät!«

Hinter Sarah bildete sich eine lange Schlange. Das Sicherheitspersonal achtete peinlichst genau darauf, dass keiner aus der Reihe tanzte. Wenn auch ihr Auftrag lautete, die Bibliothek und deren Personal und Besucher vor einem Eindringen der Schatten zu bewahren, so wusste Sarah genau, dass sie bei Ungehorsam nur zu gerne das Erlernte an Menschen ausprobierten. Sie traute den Wächtern des Tages nicht. Für sie waren sie nur von Herrschsucht und Geld geleitete Söldner, gesichtslose Vigilanten, die ihre Seele für ein bisschen Macht ohne mit der Wimper zu zucken verkaufen würden und blindlinks Befehlen Folge leisteten. Zu oft hatte Sarah von Korruption und Bestechung gelesen und gehört.

»Verflucht, wo bleibt nur dieser blöde Fahrstuhl!«

Ein abebbender Summton und ein Flackern der Lichter begrub Sarahs letzte Hoffnung, es pünktlich aus dem Gebäude zu schaffen.

»Bewahren Sie Ruhe!« schrie einer der Sicherheitskräfte von hinten. »Die Generatoren werden das Problem in einigen Minuten behoben haben.«

Das war Sarahs Stichwort, denn sie hatte keine Minuten mehr. Blitzschnell nutzte sie den kurzen Moment der Ablenkung und stürmte zum Nottreppenhaus, zu dem eine rote Tür einige Meter links neben dem Fahrstuhl auf jeder Etage führte. Sie warf noch einen kurzen Blick über die Schulter, ob sie unbemerkt geblieben war, dann stürmte sie die Treppen nach unten. Sie hatte Glück, dass die Tür noch nicht verschlossen war. Der kurze Stromausfall musste die automatische Verriegelung außer Kraft gesetzt haben. Das Benutzen der Treppen war nur auf Anweisung erlaubt. Die Obrigkeit behielt gerne die Übersicht. Im Treppenhaus gab es zu viele Winkel und Nischen, die ohne Videoüberwachung waren. Der gläserne Fahrstuhl hingegen bot keine Versteckmöglichkeiten. Offiziell galt dieses Handeln nur dem Wohlergehen der Bevölkerung. Doch Sarah wusste es besser: Angst lähmte die Menschen. Sie ließen sich alles gefallen. Begehrten nicht auf.

In der Geschichte der Menschheit gab es genug Beispiele, wie Herrscher sich die Angst ihres Volkes zunutze machten. Wer Sicherheit geben will, muss Angst schüren - auch wenn das die Schatten anlockte. Die Menschen waren so orientierungslos geworden und es war so einfach, die Verantwortung abzugeben. Es kostete nur einen Moment.

Sarah lief so schnell es ihre Beine zuließen. Stechender Schmerz packte sie immer wieder. Aber ihr Wille und der einsetzende Adrenalinschub machten ihn für den Moment erträglich. Die Hälfte der endlos scheinenden Treppen hatte sie schon geschafft. Ihre Lunge brannte wie Feuer und ihr schwerer Atem heulte in ihren Ohren.

»Du hast es gleich geschafft! Nicht aufgeben!« Wie ein Mantra murmelte Sarah den Satz immer wieder vor sich her. Sie hoffte inständig, dass die Generatoren den Betrieb der Kameras und des automatischen Verriegelungssystems noch nicht wieder aufgenommen hatten. Die rettende Ausgangstür war schon zum Greifen nahe. Wie ein riesiges, leuchtendes Reklameschild kam ihr der grünlich schimmernde Richtungsweiser mit der Aufschrift »Notausgang« vor. Als wollte es sagen: »Hier entlang, Mädchen. Du hast es fast geschafft. Nur noch ein paar Meter.« Je näher Sarah der Aufschrift kam, desto heller wurde das Leuchten. »Seltsam«, dachte sie noch als plötzlich auch die Kameras an den Wänden ein Eigenleben zu entwickeln schienen. Von überall blitzten rote Augen auf, die nur auf sie gerichtet waren.

»Nein, nein, es ist zu spät!«

Sarah streckte den rechten Arm aus, um die Tür aufzustoßen.

»Bitte mach, dass sie nicht verschlossen ist!«

Sie hörte ein Klacken. Der Schließmechanismus war schon in Gang gesetzt. Sie würde es nicht mehr rechtzeitig schaffen. Die Sicherheitskräfte würden sie entdecken und was dann geschah, darüber wollte sie gar nicht erst nachdenken: Ungehorsam gehörte zu den Delikten, die rigoros bestraft wurden. Geld, Macht und Einfluss besaß sie nicht. Menschen waren schon wegen weniger spurlos verschwunden.

Ein kurzer Knall riss Sarah aus ihren Gedanken, der nicht mehr als eine Mikrosekunde gekostet haben konnte. Ein Fuß wurde mit aller Kraft gegen die Tür getreten und schob sich mit der Spitze zwischen Tür und Rahmen, so dass ein kleiner Spalt entstand. Die Mechanik gab einen ächzenden Laut von sich, wollte sich aber noch nicht geschlagen geben.

»Komm schon, komm!«

Dem Fuß folgte eine Hand, die sich Sarah entgegenstreckte. Sarah griff intuitiv nach ihr und wurde mit einem Ruck nach draußen gerissen. Mit einem kräftigen Klack schloss die Tür hinter Sarah und man konnte hören, wie das Verriegelungssystem seine Arbeit verrichtete.

Sarah strauchelte. Durch den Ruck hatte sie ihr Gleichgewicht verloren und konnte sich nur mit Mühe wieder aufrichten. Die Sonne brannte längst nicht mehr so stark und trotzdem sah Sarah nur schemenhafte Umrisse als sie ihren Blick zu fokussieren versuchte.

»Wir haben keine Zeit, uns auszuruhen! Ich schätze, uns bleiben noch knappe 15 Minuten bis es stuckdunkel ist. Komm, los nun komm doch!«

Wieder wurde an Sarahs Arm gezogen. Sie strauchelte hinter ihrem vermeintlichen Retter her und fühlte sich völlig orientierungslos. Erst allmählich begannen sich ihre Augen an das gleißende Licht der Sonne zu gewöhnen. Die Strahlenwerte mussten erhöht sein, denn ihre Augen brannten als hätte man sie mit Säure übergossen. Vor ihr tauchte ein brauner Lockenkopf auf. Schmale Schultern, die mit langen schlaksigen Armen verbunden waren, zogen Sarah hinter sich her.

»Wwwer bist du? Wwwo bringst du mich hin?« stammelte Sarah.

»Na zu Block 3, du Dummchen. Wohin denn sonst?«

Ohne sich umzudrehen, rannte er weiter, Sarah im Schlepptau.

»Woher weißt du, wo ich wohne?«

»Woher wohl.«

Sarah konnte spüren wie der Unbekannte mit den Augen rollte.

»Wir wohnen doch im selben Haus! Erst dachte ich, ich wäre allein im Treppenhaus, aber so laut wie du geschnauft hast, wundert es mich, dass die Sicherheitskräfte dich nicht gleich in den Arrest gesteckt haben. Ich habe kurz gewartet, um sehen zu können, von wem ich da verfolgt werde. Dann sah ich, dass du es warst, die die Treppen heruntergestolpert kam. Ich konnte dich ja nicht einfach hinter verschlossenen Türen zurücklassen. Das versteht man doch unter guter Nachbarschaft, oder etwa nicht?«

Sarah war zu irritiert, um eine Antwort zu geben. Hilfsbereitschaft von einem Fremden war selten geworden. Doch nun machte es Klick in ihrem Kopf.

Tom, es war Tom. Der junge Mann, der drei Türen weiter wohnte. Er musste sehr gut trainiert sein, um gleichzeitig sprechen und ein solches Tempo vorlegen zu können.

»Leg einen Zahn zu, Sarah. Die Sonne geht gleich unter.«

Sarah wunderte sich, dass ihr Bein unter den Belastungen noch nicht unter ihr zusammengebrochen war, aber es hielt. Es klang widersinnig, aber Sarah fühlte sich unter der Anstrengung der Flucht sogar merkwürdig belebt und vital.

»Ecke Sapienallee. Nur noch ein paar hundert Meter und wir sind da!«

Sarah rannte wie mechanisch. Ihre Beine taten es einfach denen von Tom gleich. Die Häuser zogen an ihr nur so vorbei. Das zentrale System hatte bei den meisten Häusern schon die Rolladen zum Schutz vor den Gefahren der Dunkelheit heruntergelassen. Rautenförmige UV-Gitter vor den Fenstern rundeten das Gesamtbild ab. Würde ein Schatten sich in diesem Netz aus Licht verfangen oder sich ihm auch nur nähern, erging es ihm wie Motten in einer Lichtfalle - ein Knistern, ein Zischen und das wars.

Ein altes Banner in wirkungsvollem Schwarz-Gelb gehalten, erregte Sarahs Aufmerksamkeit.

Ein Abbild des Retters mit kraftvoll erhobener Hand und dem Ausruf: KEINE MACHT DER DUNKELHEIT! KEINE MACHT DER PROFITGIER! RETTEN KANN EUCH NUR DER RETTER!

Knapp 50 Jahre war es nun schon her, dass der Retter sich zum Messias der Überlebenden erklärt hatte. Mit Parolen und einer ausgeklügelten Werbestrategie hatte er sich die Stimmen der Menschen erkauft. Ein Abkommen mit dem Obscur, dem Sprecher der Schatten, sollte seine guten Absichten besiegeln. »Friede für alle« war einer seiner beliebtesten Propagandasprüche. Der Tag sollte den Menschen, die Nacht den Schatten gehören. Versprechungen über Versprechungen, dass alles sich zum Guten wenden würde. Über die Medien wurde nichts anderes publiziert. Alles war perfide aufeinander abgestimmt, sogar das Unterhaltungsprogramm. Doch Sarah wusste es besser. Die Menschen hatten einfach nur vergessen, was die Geschichte sie gelehrt hatte.

Tom zog jetzt nicht mehr nur an Sarahs Arm, er riss förmlich an ihr. Sarah wusste nicht, wie lange ihr Bein dieses Spiel noch mitmachen würde, sagte aber nichts, denn sie war gleichermaßen froh, wie verunsichert, jemanden an ihrer Seite zu haben. Seit damals war ihr Bein nie wieder voll belastbar gewesen. Schmerzen plagten sie bei jedem Schritt. Das Kind hatte sie nicht retten können, der Schatten hatte es sich einfach genommen. Ihr Opfer war völlig umsonst gewesen.

Die Straßen waren jetzt menschenleer. Wo sich zuvor noch Frauen und Männer unterhalten und Kinder gespielt hatten, blieben nun nur noch Stille und Einsamkeit zurück.

War die Sonne aufgegangen und der Strahlungsindex auf Stufe Grün, verwandelten sich die Straßen für gewöhnlich für kurze Zeit in das blühende Leben. Wie der ausgetrocknete Saharaboden in der Wüste, saugten die Menschen das Licht in sich auf und tankten pure Lebensenergie. Aber in der letzten Zeit waren die harmlosen Sonnenstunden selten geworden. So selten, dass die Menschen dem Frieden nicht mehr trauten und lieber in den gewohnten vier Wänden verharrten als für einen kurzen Moment das zu genießen, was ihnen dann wieder auf unbestimmte Zeit aus den Händen gerissen werden würde.

Das Ziel war für Tom und Sarah schon zum Greifen nah, als plötzlich ein Raunen und Flüstern durch die Straßen zog. Die UV-Lampen entlang des Weges sprangen an. Die Sirenen heulten ein letztes Mal auf, ehe sie mit einem erstickenden Laut verstummten.

Sarah blickte unwillkürlich hinter sich. Die Sonne schickte gerade ihre letzten Strahlen über das Land und vor ihr lag nur eins - ein langer, schwarzer Schatten. Angstschweiß perlte Sarah von der Stirn. Sie würden es nicht mehr rechtzeitig schaffen! Sie würden sterben oder schlimmer.

Sarah zuckte überrascht zusammen, stolperte und knallte ächzend gegen den Rücken von Tom - eine gepanzerte Limousine brauste dicht an beiden vorbei. Zweifellos mit einem hohen Tier auf dem Rücksitz. Die UV-Scheinwerfer tauchten alles in ein unwirkliches, violettes Licht, das alles wie durch eine rosarote Brille hindurch erscheinen ließ.

Tom verzog kurz das Gesicht vor Schmerzen, dann nahm er sein gewohntes Tempo wieder auf.

Etwas polterte zu Boden.

Sarah konnte aus dem Augenwinkel gerade noch erkennen, was es war.

»Tom, dein Notfallkit!«

Sarah wollte schon umkehren, als Tom sie vehement weiter nach vorne riss.

»Lass es liegen! Wir haben keine Zeit mehr!«

Tom hatte recht. Es kam jetzt auf jede Sekunde an.

Sarah mobilisierte ihre letzten Kräfte und legte noch einen Zahn zu. Tom musste nun nicht mehr ziehen, sondern aufpassen, dass Sarah ihm nicht auf die Hacken trat.

»Nur noch um die nächste Straßenecke, dann sind wir da«, prustete Tom.

Sarah riskierte in ihrer Angst immer wieder einen Blick über ihre Schulter. Der Schatten hatte sie nun schon fast eingeholt - der nächste Einstieg in das unterirdische Tunnelsystem lag in weiter Ferne.

Alles um sie herum war nachtschwarz. Nackte Angst machte sich in Sarah breit.

Eine Krähe zog krächzend mit kräftigen Flügelschlägen an ihnen vorbei.

Die Vorboten der Schatten.

»Wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig«, jammerte sie, »unmöglich! Ich rufe jetzt die KWA.«

Sarah hatte schon eine Hand an ihrem Kommunikator, als Tom sie unterbrach.

»Natürlich schaffen wir es. Vor unserem Wohnhaus ist ein großes UV-Flutlicht. Ich kann es schon sehen. Schalt so lange deine Notfalllampe an. Die KWA kann uns eh nicht helfen, die brauchen viel zu lange.«

Erst jetzt bemerkte Sarah, dass Tom nicht nur sein Notfallkit verloren hatte, sondern auch kein UV-Licht an seinem Gürtel trug. Sie wollte schon nachhaken, wie er nur so leichtsinnig sein konnte, zögerte dann aber und beschloss, dass momentan nicht die Zeit für Fragen war. Sarah schaltete wie gefordert ihre Lampe ein. Ihr Gürtel glühte schwach in dem für UV-Licht typischen blau-violetten Schein. Die Akkus waren nicht mehr die allerbesten. Sarah rann der Schweiß in die Augen und sie musste ihn mit der linken Hand verreiben, um überhaupt noch etwas - trotz der Schwärze der Nacht - sehen zu können. Mehr und mehr überkam sie das Gefühl, dass sie jemand oder etwas verfolgte.

Das Flüstern und Raunen um sie herum wurde mit jedem Schritt lauter und lauter. Ihr Herzschlag dröhnte in ihren Ohren und ihre Absätze auf dem Asphalt glichen in ihrer Wahrnehmung einer Herde Elefanten. Sie musste unbedingt ihre Gefühle wieder in den Griff bekommen. Aber selbst der Dauerlauf, in dem sie sich immer noch befand, half nicht den Stress abzubauen. Sie dachte daran, ihre Notfallpille zu nehmen, um ihren Herzschlag zu beruhigen, aber dafür war es sicherlich längst zu spät.

Da, da war etwas. Sarah war sich sicher, an der Hauswand eine Bewegung ausgemacht zu haben.