Zerrissen: Psycho-Horror - Nicole Siemer - E-Book

Zerrissen: Psycho-Horror E-Book

Nicole Siemer

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Beschreibung

Ich trat aus dem Bilderrahmen hervor und schnippte mit den Fingern. Die Illusion verblasste und auch ich verwandelte mich zurück in meine wahre Gestalt. Was blieb, war ein Raum zwischen zwei Räumen, in dem Licht und Dunkelheit sich kreuzten.

Kai kann Menschen nicht ausstehen. Zu seiner Familie hat er kaum Kontakt, seine Freundin geht ihm auf die Nerven und alles, was er sich wünscht, ist, in Ruhe gelassen zu werden.

Doch irgendjemand– oder etwas – ist damit offenbar alles andere als einverstanden. Denn als er mitten in der Nacht neben der Leiche seiner Freundin aufwacht, die ihn auf groteske Weise angrinst, ist das nur der Beginn eines wahrgewordenen Albtraums. Plötzlich hört und sieht Kai immer öfter seltsame Dinge. Die Zeit und das Wetter spielen verrückt. Nagender Hunger quält ihn, dennoch bekommt er keinen Bissen herunter. Und warum um alles in der Welt nicken ihm immer wieder grundlos irgendwelche Fremde zu? Während die Phänomene um Kai herum immer verstörendere Ausmaße annehmen, fürchtet er schon bald nicht mehr nur um seinen Verstand, sondern auch um sein Leben.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Nicole Siemer

Zerrissen

Über die Autorin:

Nicole Siemer wurde 1991 in Papenburg (Emsland, Niedersachsen) geboren und ist Verlegerin in einem österreichischen Kleinverlag.

Bereits in der Grundschule entdeckte sie ihre Liebe zu fantastischen Erzählungen und zum Schreiben. Seit dem Abschluss ihres Belletristik-Fernstudiums an der Schule des Schreibens im Jahr 2017 widmet sich Nicole unheimlichen Geschichten mit philosophischem Einschlag.

Seit 2020 schreibt sie außerdem unter dem Pseudonym Gillian Hobbs schwarzhumorige Psychothriller mit exzentrischen Protagonistinnen.

www.nicole-siemer-autorin.de

Über das Buch:

Ich trat aus dem Bilderrahmen hervor und schnippte mit den Fingern. Die Illusion verblasste und auch ich verwandelte mich zurück in meine wahre Gestalt. Was blieb, war ein Raum zwischen zwei Räumen, in dem Licht und Dunkelheit sich kreuzten.

Kai kann Menschen nicht ausstehen. Zu seiner Familie hat er kaum Kontakt, seine Freundin geht ihm auf die Nerven und alles, was er sich wünscht, ist, in Ruhe gelassen zu werden.

Doch irgendjemand – oder etwas – ist damit offenbar alles andere als einverstanden. Denn als er mitten in der Nacht neben der Leiche seiner Freundin aufwacht, die ihn auf groteske Weise angrinst, ist das nur der Beginn eines wahrgewordenen Albtraums. Plötzlich hört und sieht Kai immer öfter seltsame Dinge. Die Zeit und das Wetter spielen verrückt. Nagender Hunger quält ihn, dennoch bekommt er keinen Bissen herunter. Und warum um alles in der Welt nicken ihm immer wieder grundlos irgendwelche Fremde zu? Während die Phänomene um Kai herum immer verstörendere Ausmaße annehmen, fürchtet er schon bald nicht mehr nur um seinen Verstand, sondern auch um sein Leben.

Nicole Siemer

Zerrissen

Psycho-Horror

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© Oktober 2025 Nicole Siemer

Holstenstraße 2

49809 Lingen

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –

nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

Dieser Kurzroman ist für jeden einzelnen meiner treuen Leser:innen

Happy Halloween, ihr Gruselwusel!

1

Ein Geräusch weckte ihn. Er gab einen grunzenden Laut von sich, regte sich leicht und schmatzte. Mit einem halb geöffneten Auge ließ er den Blick kurz durchs Schlafzimmer gleiten, das größtenteils in Dunkelheit getaucht war. Die Möbel ragten wie Gestalten, die ihn stumm beobachteten, hervor. Nur sein Bett war mit einem Streifen fahlen Mondlichts bedeckt, der sich schräg von seinem Fußende nach oben zog.

Da war es wieder, das Geräusch. Es klang wie ein Kichern.

Vivien hatte wohl mal wieder einen angenehmen Traum. Schön für sie, blöd für ihn. Wenn Kai einmal aus dem Schlaf gerissen wurde, dauerte es in der Regel Stunden, bis er wieder wegdriften konnte. Vivien dagegen schlief jede Nacht wie ein Stein. Und das nervte ihn neuerdings gewaltig. Wenn Kai ehrlich war, nervte ihn in letzter Zeit alles an ihr. Er drehte den Kopf zur Seite, um auf den Wecker zu schauen – die Digitalanzeige zeigte exakt 3:17 Uhr.

Er seufzte.

Wieder kicherte Vivien.

Ein seltsam kindliches Geräusch. Ein bisschen zu hell für ihre sonst eher sonore Stimme. Kai wandte ihr den Kopf zu.

Was er sah, versetzte ihm solch einen Schrecken, dass er um ein Haar aufgesprungen wäre. Ihr Gesicht lag im Schatten verborgen. Der Schein des Mondes erhellte lediglich einen Teil ihres Halses wie ein Strick, der ihr im Schlaf das Leben genommen hatte. Vivien starrte Kai mit weit aufgerissenen Augen an. Ihr Mund war eine klaffende Höhle. Sie sah tot aus. Kai durchfuhr eine Art Beben, das seine Eingeweide nicht nur durchzurütteln, sondern zu verknoten schien, und sein Herz raste. Da drang aus Viviens Kehle erneut dieses unheimliche Kichern. Kai fasste sich an die Brust und blies Luft durch die Nase aus. Der Rest seines Körpers dagegen war schwer wie Blei. Sein Instinkt riet ihm, aufzuspringen, aber es gelang ihm nicht. Die Angst schnürte ihm die Kehle zu und hielt ihn in einem grausamen Griff, aus dem es kein Entkommen gab.

Er blinzelte.

Vivien gab ein leichtes Seufzen von sich und schmatzte. Ganz ähnlich wie er, kurz nachdem ihr schauderhaftes Lachen ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Ihre Augen waren geschlossen. Die Lippen leicht geöffnet.

Hatte er sich das Starren nur eingebildet? Vermutlich. Sicherlich war er noch umnebelt oder halb am Träumen gewesen.

Lächelnd schüttelte Kai den Kopf. Viv träumte, und morgen würde sie ihn dafür auslachen, dass sie ihm einen Schrecken eingejagt hatte.

Gerade als Kai ihr spielerisch den Finger auf die Nase drücken wollte, um sie zu wecken, kicherte sie wieder und er erstarrte mitten in der Bewegung. Etwas in ihm veränderte sich mit jeder Sekunde, in der er seine Freundin genauer betrachtete. In ihm stieg eine klaustrophobische Furcht auf. Es kam ihm vor, als wäre der Raum kleiner geworden, als würde er noch weiter schrumpfen.

Wieder blinzelte er.

Um ein Haar hätte Kai laut losgeschrien. Viviens Mund war weit geöffnet wie zu einem stummen Schrei, und ihr starrer Blick hielt ihn fest im Visier.

Ein neuerliches Kichern. Unschuldig, spielerisch wie ein Kind; ein Kontrast zu der verzerrten Fratze, zu der Viviens Gesicht geworden war.

Ruckartig setzte Kai sich auf, tastete nach der Nachttischlampe – wobei er den Schalter zunächst mehrfach verfehlte, weil er seinen Blick nicht von Vivien nehmen konnte – und drückte ihn.

Das Licht war gewohnt schwach, aber es erhellte den Raum genug, um zu erkennen, dass Vivien friedlich schlief. Geschlossene Lider, geschlossene Lippen. Sie atmete ruhig und gleichmäßig. Eine Haarsträhne war ihr übers Gesicht gefallen.

Was zum Teufel?

Sie sah wie das krasse Gegenteil von dem aus, was ihn eben angestarrt hatte. Dieser Ausdruck. Wie eine Frau, die einen gewaltsamen Tod erlitten hatte. Aber dieses Lachen … Dieses furchtbare kindliche Lachen …

Kai erschauerte und auf seinen Armen bildete sich eine leichte Gänsehaut. Offenbar war er doch noch nicht richtig wach, wenn er gleich zweimal hintereinander halluzinierte.

Dieses Mal wandte er sich zu seiner Nachttischlampe um – sie hatten absichtlich eine mit schwachem Licht gewählt, damit er Vivien, wenn Kai mal wieder eine seiner schlaflosen Nächte hatte, nicht weckte – und legte einen Finger auf den Kippschalter. Ein letzter Blick zu Vivien, die weiterhin friedlich schlief, dann drückte er ihn.

Der Schreck sorgte dafür, dass er sich schmerzhaft auf die Zunge biss.

Es war keine Einbildung gewesen, sie starrte ihn an! Eindeutig! Derselbe furchtbare Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. Wieder ertönte dieses abscheuliche Kichern.

»Hör auf damit«, flüsterte Kai. Nicht weil er leise sein wollte, sondern weil ihm die Stimme im Hals stecken blieb.

Keine Reaktion.

Verarschte sie ihn etwa doch? Das war kein gelungener Scherz.

Blitzschnell drückte er erneut den Lichtschalter.

Sie verarschte ihn auf jeden Fall! Jetzt schlief sie wieder seelenruhig.

»Viv, komm schon, was soll das? Ich weiß, dass du nicht schläfst. Lass den Scheiß!«

Vivien bewegte sich leicht und gab einen murrenden Ton von sich, dann wechselte ihr Atem erneut in einen gleichmäßigen Rhythmus über.

Was ging hier ab?

Er schaltete das Licht aus.

Dieses Starren. Dieses schreckliche Starren!

Er schaltete das Licht an.

Friedliches Schlafen. Dieses Mal verengte Vivien für einen Augenblick die Augenbrauen.

Kai entschied sich, kein Angsthase zu sein und sich einfach auf die andere Seite zu drehen, damit sie ihr Spielchen nicht länger spielen konnte. Aber es fiel ihm schwer, den Blick überhaupt abzuwenden. Er riss sich dennoch zusammen. »Genug mit dem Mist, ich schlafe jetzt weiter.« Mühsam wandte er sich ab, schaltete das Licht aus und bettete seinen Kopf absichtlich schwungvoll aufs Kissen.

In gespannter Erwartung lauschte er.

Stille.

Nicht einmal gleichmäßiges Atmen war zu hören. Seltsam, aber besser als das vorherige Theater.

Sein Körper entspannte sich etwas und er schloss langsam die Augen. Zu seiner Freude spürte er, wie er in Richtung Schlaf driftete.

Da kicherte sie wieder.

Dieses Mal klang es gurgelnd, so als hätte sie zu viel Wasser geschluckt.

Ruckartig fuhr Kai herum.

Ihr Starren brannte sich geradewegs in seine Augen. Plötzlich veränderte sich ihr Ausdruck. Ihre Mundwinkel hoben sich.

Das hier neben ihm war nicht Vivien. Irgendetwas lag in seinem Bett. Irgendetwas hatte sich in sein Haus geschlichen. Die Angst lähmte ihn.

Ihre Mundwinkel hoben sich weiter, immer weiter, ihre Lippen öffneten sich. Sie grinste ein entsetzlich unmenschliches Grinsen und unwillkürlich kam Kai Batmans Joker in den Sinn. Ihre Augen traten aus den Höhlen hervor, ihre Nasenflügel flatterten, aus ihrer Kehle drang ein quälender, gleichzeitig gurgelnder Laut. Es knackte, als ihr Kiefer sich ausrenkte.

Kai öffnete nun ebenfalls den Mund, aber der Schrei war zu groß für seine Kehle, die sich in ein Nadelöhr verwandelt zu haben schien. Er blieb einfach stecken.

Vivien war nun ganz still. Ihr albtraumhaft deformiertes Gesicht regungslos, die Pupillen geweitet. Plötzlich floss ihr Speichel aus dem Mund, so viel, dass sich eine dunkelblaue Lache auf dem hellblauen Kissenbezug ausbreitete. Irgendetwas bewegte sich darin. Es zappelte, und Kai erkannte, dass es Maden waren.

Da kicherte Vivien wieder.

Und der Schrei löste sich endlich. Mit ihm die Starre.

Wie von der Tarantel gestochen sprang Kai aus dem Bett. Dieses Mal hastete er durch den Raum und drückte den Schalter für die Deckenbeleuchtung. Die plötzliche Helligkeit ließ ihn verstummen und stach ihm in die Augen. Er kniff sie zusammen. Ein quälender Laut entfuhr ihm, aber er zwang sich hinzusehen. Zu sehen, was dort in seinem Bett lag.

Nichts.

Es war leer.

Sicherlich hast du schon einmal den Ausdruck gehört, das Herz rutscht mir in die Hose? Kai hatte sich nie etwas darunter vorstellen können. Nicht, bis zu jenem Augenblick.

---ENDE DER LESEPROBE---