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Beschreibung

Gesellschaftliches Engagement spielt als Bildungsziel eine immer größere Rolle. Warum sollte dies bereits in der Kita gefördert werden? Wie stärken wir die kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen? Wie wichtig sind Vorbilder beim Thema Engagement? Und welche Rolle übernehmen Bürgerstiftungen, wenn es um den Weg in die globale Zivilgesellschaft geht? Der vorliegende E-Book-Reader ergänzt die Schwerpunktausgabe "Zivilgesellschaft" unseres Magazins change im September 2012. Die Beiträge geben Handlungsempfehlungen, präsentieren gute Beispiele und enthalten viele weitergehende Literaturempfehlungen. Bei den Texten handelt es sich um Auszüge aus Büchern des Verlags Bertelsmann Stiftung.

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Seitenzahl: 424

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbiografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Reihe change | readerBand ZivilgesellschaftE-Book zum Magazin change Ausgabe 3/2012
© 2012 E-Book-Ausgabe (EPUB)
© 2012 E-Book-Ausgabe
ISBN : 978-3-86793-473-2
'www.bertelsmann-stiftung.de/verlag''www.bertelsmann-stiftung.de/verlag'www.change-magazin.de
Vorwort
Gesellschaftliches Engagement spielt als Bildungsziel eine immer größere Rolle. Warum sollte dies bereits in der Kita gefördert werden? Wie stärken wir die kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen? Wie wichtig sind Vorbilder beim Thema Engagement? Und welche Rolle übernehmen Bürgerstiftungen, wenn es um den Weg in die globale Zivilgesellschaft geht?
Der vorliegende E-Book-Reader ergänzt die Schwerpunktausgabe »Zivilgesellschaft« unseres Magazins change im September 2012. Die Beiträge geben Handlungsempfehlungen, präsentieren gute Beispiele und enthalten viele weitergehende Literaturempfehlungen. Bei den Texten handelt es sich um Auszüge aus Büchern des Verlags Bertelsmann Stiftung. Weitere Informationen zu unseren Verlagsprodukten finden Sie unter: 'www.bertelsmann-stiftung.de/verlag'.
Wir freuen uns über Ihr Interesse und wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Regina Körner
Leiterin Kommunikation
der Bertelsmann Stiftung
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Stiften in Deutschland (Leseprobe)
Einleitung
Den typischen Stifter gibt es nicht
Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze
Die Datengrundlage der StifterStudie
Nachweise und Zitate
I Stifter in Deutschland
Die Beweggründe von Stiftern
Äußere Anlässe für die Gründung einer Stiftung
Das Profil der deutschen Stifter: Alter, Beruf, Herkunft, Vermögen und Werte
Warum wählen Stifter die Rechtsform der Stiftung?
Stiftungen in der Biographie ihrer Stifter
III Stifter und Gesellschaft
Stifter und Stiftungen in der öffentlichen Wahrnehmung
Aufgaben und Rollen von Stiftungen gegenüber Staat und Gesellschaft
Die Arbeitsteilung zwischen Staat und Stiftungen
Auf dem Weg in die globale Zivilgesellschaft (Leseprobe)
Bürgerstiftungen und die Globalisierung philanthropischen Engagements
Literatur
Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita (Leseprobe)
Einleitung
Warum eine frühe Förderung gesellschaftlichen Engagements notwendig ist
Annäherungen an den Begriff »gesellschaftliches Engagement«
Die Bedeutung gesellschaftlichen Engagements für die Bildungsförderung
Zum Zusammenhang von Demokratie und Kindertageseinrichtungen
Zum Zusammenhang von Zivilgesellschaft und gesellschaftlichem Engagement
Warum gesellschaftliches Engagement Mitentscheiden und Mithandeln beinhaltet
Potenziale frühen gesellschaftlichen Engagements
Literatur
Jugend in der Zivilgesellschaft (Leseprobe)
Vorwort
Einleitung
Zu dieser Untersuchung
Zum Thema
Zur Begrifflichkeit und zum Fragenkonzept des Freiwilligensurveys
1 Aktivität und freiwilliges Engagement Jugendlicher im Zeitverlauf
1.1 Geringfügiger Rückgang des freiwilligen Engagements
1.2 Zunehmende Bereitschaft zum Engagement
1.3 Weniger Zeit für Engagement
2 Wo und wie engagieren sich Jugendliche?
2.1 Tätigkeitsfelder und Inhalte jugendlichen Engagements
2.2 Anforderungen und der Erwerb von Fähigkeiten
2.3 Rolle des Internets für freiwilliges Engagement
2.4 Engagementprofile: jugendliche Engagierte nach Tätigkeitsfeldern
Literatur
Kinder- und Jugendbeteiligung in Deutschland (Leseprobe)
Vorwort
Räume eröffnen im demokratischen Gemeinwesen
Literatur
Stärkung der kommunalen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
»Jugendlichenmodell« – »Kommunenmodell«
Ablauf und Methodik der Analyse
Zentrale Einflussfaktoren der Mitwirkung am Wohnort
Handlungsempfehlungen
Beteiligung von Jugendlichen zwischen Interessen, Erwartungen und Lebensalltag
Beteiligung, Zielgruppen und soziale Ungleichheit
Das Internet als Raum für Beteiligung
Die Partizipationsspirale und Handlungsansätze des Projekts »mitWirkung!«
Zielgruppenadäquate Zugänge ermöglichen – einige Ansätze
Literatur
Vorbilder bilden – gesellschaftliches Engagement als Bildungsziel (Leseprobe)
Vorwort
Etwas für andere tun und selbst dabei lernen: Service Learning
Zur Geschichte des Service Learning
Wirkungen des Lernens in der Gemeinde
Service Learning im deutschen Schulsystem
Literatur
Die engagierte Insel: Politik in Großbritannien für mehr Engagement junger Menschen
New Labour und der »dritte Weg«
Der »Compact«: Vertrag zwischen Regierung und Drittem Sektor
Politik für gesellschaftliches Engagement
Literatur
Engagementpolitik in Baden-Württemberg
Gesellschaftliches Engagement im Fokus der Politik
Vielfalt ermöglichen – Koordination sichern
Engagementförderung konkret
Fazit
Literatur
Gute Beispiele finden: Ein internationaler Blick auf Strategien und Programme
Gesellschaftliches Engagement als Teil der Bildungsagenda
Kindertagesstätten und Schulen als Kristallisationsorte der Gesellschaft
Auf der Suche nach guten Beispielen
Auswahl: Klassenbeste verschiedener Ländertypen
Einbindung internationaler Fachleute
Recherchefokus: politisch verankerte Engagementförderung
Auf der Suche nach Vorbildern – Streifzüge durchs In- und Ausland
Kriterien zur Programmbewertung
Gute Beispiele aus Ländern der Recherche
Direktansprache: Kinder und Jugendliche gewinnen und einbinden
Multiplikatoren-Strategie
Kombinierte Ansätze
Die besten vier
Weniger Verordnung – mehr Beteiligung
Literatur
Stiften in Deutschland (Leseprobe)
Auszug aus:Karsten Timmer Stiften in DeutschlandDie Ergebnisse der StifterStudie Gütersloh 2005 ISBN 978-3-89204-784-7 © Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Einleitung

Den typischen Stifter gibt es nicht

Den typischen Stifter gibt es nicht – dies ist das zentrale Ergebnis der StifterStudie. Reiche und weniger Vermögende, Prominente und Unbekannte, Junge und Alte, Frauen und Männer, Ost- und West-, Nord- und Süddeutsche – sie alle gründen Stiftungen. Die Studie zeigt auch, dass Stiftungen etwas höchst Individuelles sind. Das ist ein wesentlicher Teil ihres Reizes. Jede Stiftung ist so einzigartig wie ihr Stifter. Die Beweggründe, die Menschen dazu bringen, eine Stiftung zu gründen, sind so vielfältig wie die Stiftungszwecke.
Günter Grass etwa, der Literatur-Nobelpreisträger, sieht sich in der Tradition Lübecker hanseatischer Kaufleute: »Doch auch dem Künstler öffnet sich – so er zu einigem Vermögen gekommen ist – die Möglichkeit, als Bürger gesellschaftlich zu handeln.« In seiner Ansprache anlässlich der Gründung der Stiftung zugunsten des Roma-Volkes erklärte er weiter: »Von des Lesers Lust auf erzählte Geschichten seit Jahrzehnten begleitet, war es mir mehrmals möglich, gestützt auf den Erfolg des einen oder anderen Romans, einen Teil meines Vermögens den ohnehin begünstigten Erben zu entziehen, sie also vor Leichtsinn zu bewahren und mit einer nicht gerade spektakulären, aber doch handfesten Summe den Grundstein für eine Stiftung zu legen.«
Also stiftet der erfolgreiche Schriftsteller Grass den Alfred-Döblin-Preis, um junge deutschsprachige Autoren zu fördern, als gebürtiger Danziger den Daniel-Chodowiecki-Preis zur Förderung der Arbeit polnischer Zeichner, Radierer und Lithographen und in seiner Rolle als engagierter Kämpfer für Minderheitenrechte den Otto-Pankok-Preis zur Förderung des seiner Ansicht nach besonders benachteiligten Volkes der Roma. Mit diesem Preis will Grass zusätzlich an seinen Düsseldorfer Kunstprofessor Otto Pankok erinnern, »der es verstand, mich und andere Schüler zu lehren, mit ihnen (den Roma) umzugehen und – fern aller romantischen Verklärung – die jeglicher Verfolgung trotzende Schönheit ihrer Existenz zu begreifen«.
Klaus Tschira hingegen, Mitgründer des weltweit erfolgreichen Software-Konzerns SAP, unterstützt mit der Klaus Tschira Stiftung »vor allem die angewandte Informatik, die Naturwissenschaften und die Mathematik«, weil wir uns, wie er etwas polemisch formuliert, in Deutschland »ohne eine gesunde Volkswirtschaft, die sich auf blühende Natur- und Ingenieurwissenschaften stützt, manches nicht nachhaltig leisten können, was vielen kulturbeflissenen Zeitgenossen als das einzig Wahre, Gute und Schöne gilt« (Stiftung & Sponsoring 4, 2001, S. 3).
Dem Stürmerstar der 90er Jahre, dem Welt- und Europameister und heutigem Bundestrainer Jürgen Klinsmann liegen hilfsbedürftige und Not leidende Kinder am Herzen, die er mit einer Stiftung unterstützt, die nicht seinen Namen tragen sollte, sondern Agapedia heißt, was »Liebe zu Kindern« bedeutet. Klinsmann ist bewusst ein paar Jahre lang nicht mit seiner Stiftung an die Öffentlichkeit gegangen, da er erst einige Projekte auf die Beine stellen und sichergehen wollte, dass diese funktionierten. Da trifft es sich gut, dass er jetzt als neuer Bundestrainer wieder im Rampenlicht steht. Die Sportikone formuliert sehr gut, was nach den Ergebnissen der StifterStudie viele deutsche Stifter bewegt:
»Wie viele andere Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, wurde ich häufig um Spenden angefragt. Da ich aber weder Bezug zu den großen Organisationen hatte noch nachvollziehen konnte, wo und wie mein Geld verwendet wird, war ich dazu nie wirklich gerne bereit.« Aber: »Es lohnt sich in jedem Fall, eine Stiftung zu gründen, weil man damit viel bewegen, dem ganzen seinen eigenen Stil und eine spezielle Richtung geben kann. Und man kann genau nachvollziehen, wofür jeder einzelne Euro verwendet wird. Wir alle sollten versuchen, das Gute, das uns im Leben widerfahren ist, an andere weiterzugeben und unseren Beitrag am Bau funktionierender gesellschaftlicher Strukturen zu leisten.« (StifterMagazin, 1/2004, S. 4)
Bei den vielen nicht in der Öffentlichkeit stehenden Stiftern ist es nicht anders als bei den Prominenten: Die persönlichen Lebensumstände sind ebenso vielfältig wie die Gründe, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Die Bandbreite der 22 Stifter, die für die Studie interviewt wurden, reicht von jungen Millionen-Erben, die eine sinnvolle Verwendung für das ihnen zugefallene Vermögen suchen, bis hin zu erfolgreichen Unternehmern, die sich nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben mit einer Stiftung ein neues Betätigungsfeld schaffen. Manchmal sind es Schicksalsschläge, die Menschen dazu bringen, eine kleine Stiftung zu gründen, die als Plattform für ihr Engagement dient. In anderen Fällen entstehen große Stiftungen, weil Unternehmer die Nachfolge ihres Lebenswerks sichern möchten. Kurzum: Den typischen deutschen Stifter gibt es nicht.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze

Obwohl sich die Stifter und ihre Stiftungen im Einzelnen stark voneinander unterscheiden, hat die Studie eine Reihe von Trends und Gemeinsamkeiten an den Tag gebracht. Viele dieser Ergebnisse widersprechen dem herkömmlichen Bild eines Stifters.

Die meisten Stifter gründen ihre Stiftung zu Lebzeiten

Das auffälligste Ergebnis der Studie ist grundsätzlicher Natur: Die meisten Stifter gründen ihre Stiftung zu Lebzeiten. Hier hat sich in den letzten Jahren eine deutliche Trendwende vollzogen. Wurden Stiftungen über Jahrhunderte hinweg vorwiegend von Todes wegen gegründet, so der Fachausdruck, wollen Stifter heute bereits zu Lebzeiten Akzente setzen. Sie gründen ihre Stiftung deshalb frühzeitig, um ihr Engagement aktiv gestalten zu können. Ihren größten Fehler sahen viele Interviewpartner wie der Stifter A darin, nicht noch früher begonnen zu haben: »Was würde ich das nächste Mal anders machen? Ich würde früher anfangen!«
Lesen Sie weiter im Kapitel »Das Profil der deutschen Stifter«.

Viele Vermögende stiften – aber nicht alle Stifter sind vermögend

Traditionell waren Stiftungen eine Form gesellschaftlichen Engagements, die den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung vorbehalten war. Die Ergebnisse der Studie belegen eine innere Demokratisierung des Stiftungswesens: Ein erheblicher Teil der Stifter ist zwar gut situiert, jedoch keineswegs vermögend. Dienstleistungsstrukturen wie z. B. Bürgerstiftungen ermöglichen es diesen Stiftern, auch mit mittleren Beträgen effektiv arbeiten zu können.
Mehr dazu finden Sie im Kapitel »Das Profil der deutschen Stifter«.

Stifter sperren sich der Typisierung

Die Ergebnisse der Studie bestätigen nicht die sozialwissenschaftliche Annahme, dass sich bestimmte Typen von Stiftern herausarbeiten lassen. Auch gibt es kaum Zusammenhänge zwischen sozialen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Konfession, Beruf) der Stifter und den Zwecken und Zielen der Stiftungen. Jeder Stifter gründet tatsächlich eine maßgeschneiderte Stiftung, die genau seinen ganz individuellen Ansprüchen gerecht wird.

Stifter stiften mehr als »nur« Geld

Gerade diejenigen Stifter, die nicht über ein hohes Kapital verfügen, machen fehlende finanzielle Mittel oft durch hohes persönliches Engagement wett. Aber auch bei großen Stiftungen gilt: Die meisten Stifter sind keine distanzierten Mäzene, sondern gestalten ihre Stiftungen aktiv mit: sei es durch einen Sitz im Vorstand, durch die Mitarbeit in Projekten oder durch den Einsatz beim Fundraising. Sie setzen nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Zeit, ihre Erfahrungen, ihre Netzwerke und ihr Wissen für die Stiftung ein. Gerade Stiftungen mit geringem Vermögen ähneln oft »Ein-Mann-Vereinen«, die vom Engagement ihrer Gründer getrieben werden.
Mehr dazu lesen Sie im Kapitel »Die Rolle der Stifter in ihrer Stiftung«.

Der wichtigste Antrieb zur Gründung ist ein Thema, das den Stiftern am Herzen liegt

»Wenn es wehtut, hat man noch nicht das Richtige für sich gefunden«, so fasst Stifter B einen zentralen Befund der Studie zusammen: Für die bei weitem überwiegende Zahl der Stifter ist die Stiftung ein Mittel zum Zweck – sie wollen ein Problem bekämpfen, eine Institution erhalten oder ein soziales Anliegen verwirklichen. In jedem Fall steht das Thema fest; die Stiftung ist das Instrument, mit dem dieses Thema angegangen wird. Der umgekehrte Fall, in dem erst der Stiftungswunsch da ist und dann ein Zweck gesucht wird, kommt dagegen eher selten vor.
Einzelheiten finden Sie im Kapitel »Die Beweggründe von Stiftern«.

Die persönliche Zufriedenheit ist immens hoch

Fast ausnahmslos bestätigen die befragten Stifter, dass die Stiftung ihr Leben sehr bereichert hat: Aus dem Wissen, anderen zu helfen, gewinnen alle Befragten eine große persönliche Befriedigung. Die Freude an neuen Kontakten, neuen Impulsen und einer sinnvollen Tätigkeit ist groß – und vor allem sehr viel größer als das Vergnügen an der Befriedigung von Kosumwünschen. »Wir sind der Meinung, dass die Stiftung für uns persönlich und absolut das Beste ist, was wir mit dem, was da ist, tun können und dass es einem persönlich weit mehr bringt, als sich irgendwelche Yachten oder Rennpferde zuzulegen – ganz einfach für die persönliche Seelenhygiene«, so das Stifterpaar C.
Mehr zu diesem Thema bietet das Kapitel »Stiftungen in der Biographie ihrer Stifter«.

Ein Denkmal setzen wollen sich viele Stifter – allerdings erst für die Nachwelt

Vielen Stiftern ist es sehr wichtig, der Nachwelt etwas Bleibendes zu hinterlassen. Gerade für Kinderlose sind Stiftungen daher ein ideales Instrument, um nicht einfach ohne eine Hinterlassenschaft aus dem Leben zu treten. Die Stiftung als Vermächtnis, als Denkmal für die Nachwelt, spielt daher bei vielen Gründungen eine große Rolle.
Zu Lebzeiten aber legen viele Stifter keinen Wert darauf, als Wohltäter in der Öffentlichkeit zu stehen. Natürlich erwarten Stifter Anerkennung für ihr Engagement, diese Erwartung ist jedoch kein Grund für die Gründung einer Stiftung. Tatsächlich scheuen viele Stifter die Öffentlichkeit: Fast die Hälfte der Stifter möchte lieber anonym im Hintergrund wirken, weshalb ein erheblicher Teil der Stiftungen auch nicht den Namen des Stifters trägt.
Lesen Sie weiter im Kapitel »Die Beweggründe von Stiftern«.

Die Anziehungskraft von Stiftungen liegt in der Kontrolle über die Mittel

Stifter wollen sich für das Gemeinwohl einsetzen. Wichtig ist ihnen dabei aber, dass sie selbst entscheiden, wo ihr Engagement gebraucht wird und wie sie dieses gestalten wollen. Dies unterscheidet die eigene Stiftung zum einen vom Steuernzahlen – Steuern sind anonym und dienen mitunter Zwecken, die man gar nicht unterstützen möchte. Zum anderen widerstrebt es vielen Stiftern, ihr Geld an die großen Wohlfahrtsorganisationen zu spenden, weil auch hier nicht immer nachvollziehbar ist, wie viel Geld wirklich bei den Empfängern ankommt. Die eigene Stiftung bietet demgegenüber die Möglichkeit, die Verwendung der Mittel zu bestimmen und zu kontrollieren.
Weitere Motive für die Wahl der Rechtsform werden im Kapitel »Warum wählen Stifter die Rechtsform der Stiftung?« erläutert.

Viele Stifter gründen in Etappen

Die meisten Stifter entschließen sich dazu, ihre Stiftung in Etappen zu gründen. Sie bringen nicht gleich zu Beginn das gesamte Vermögen in die Stiftung ein, sondern starten die Stiftung mit einem kleineren Betrag, den sie später weiter aufstocken. Die Gründe für dieses Vorgehen liegen auf der Hand: Vermögen, das einmal in eine Stiftung eingebracht worden ist, kann nicht wieder zurückgeholt werden.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit möchten viele Stifter daher Geld für den Lebensabend zurücklegen. Erst nach ihrem Tod fällt das verbliebene Vermögen dann an die Stiftung. Ebenso verbreitet ist das Motiv, die Form der Stiftung erst zu testen, ohne gleich einen allzu großen Betrag zu investieren. Entspricht die Stiftungsarbeit den Erwartungen, stocken die Stifter das Vermögen weiter auf.
Weitere Informationen zur Vermögensausstattung finden Sie in den Kapiteln »Wie laufen die Gründungen ab?« und »Die Stiftungen – Vermögen, Zwecke, Struktur und Arbeitsweise«.

Vertrauen ist wichtiger als Expertise

Viele Stifter betrachten ihre Stiftung nicht nur als persönliche, sondern auch als private Angelegenheit. Dies äußert sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass Angehörige, Freunde und Bekannte eine viel wichtigere Rolle spielen als Experten und Fachberater – und zwar sowohl bei der Gründung als auch bei der Führung der Stiftung.
Einzelheiten zur Rolle von Dritten finden Sie in den Kapiteln »Die Stiftungen – Vermögen, Zwecke, Struktur und Arbeitsweise« und »Stifter raten Stiftern«.

Der Charakter von Stiftungen hat sich grundsätzlich gewandelt

Zugespitzt könnte man sagen: Traditionell wurden Stiftungen gegründet, um Geld auszugeben; heute hingegen werden viele Stiftungen gegründet, um Geld zu sammeln. Viele Stifter betreiben Fundraising, um zusätzliche Mittel für ihre Sache zu gewinnen; zahlreiche Gemeinschafts- und Bürgerstiftungen bemühen sich um Spender und Zustifter. Diese Bemühungen haben dazu geführt, dass Stiftungen ihren Charakter gewandelt haben und auch in der Öffentlichkeit nicht mehr als unabhängige Geldgeber, sondern als Geldsammler wahrgenommen werden.
Mehr hierzu bietet das Kapitel »Stifter und Stiftungen in der öffentlichen Wahrnehmung«.

Der Stiftungsboom der letzten Jahre ist kein Stifterboom

Der oft zitierte »Stiftungsfrühling« der letzten Jahre bedarf einer genaueren Betrachtung. Tatsächlich ist die Zahl der jährlichen Neugründungen von 200 im Jahr 1990 auf rund 800 angewachsen. Der Löwenanteil dieser Stiftungen ist jedoch nicht von natürlichen Personen, also von Stiftern, gegründet worden, sondern von Unternehmen, Vereinen und öffentlichen Körperschaften wie Theatern oder Museen.
Abbildung 1:
Stiftungsgründungen von natürlichen und juristischen Personen
Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen, Stand Mai 2004, eigene Berechnungen
Wie Abbildung 1 zeigt, lag der Anteil derjenigen Stiftungen, die über die 90er Jahre von Einzelpersonen gegründet worden sind, jeweils bei ca. 150 Gründungen pro Jahr. Seit 2001 sinken diese Zahlen relativ und absolut: 2002 weist die Statistik des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen noch 87 Stiftungen und 2003 gerade noch 39 Stiftungen aus, die von Stiftern ins Leben gerufen worden sind.
Der Stiftungsboom der letzten Jahre ist daher kein Stifter-Boom und somit auch kein Ausdruck für ein gestiegenes bürgerliches Verantwortungsgefühl oder eine Folge der Erbschaftswelle. Der Stiftungsboom scheint vielmehr die Fundraising-Zwänge öffentlicher und privater Institutionen zu belegen, die ihren Förderern die steuerlichen Vorteile von Stiftungen sichern möchten.

Die Datengrundlage der StifterStudie

Einzelheiten zu den Methoden der Befragungen finden Sie am Ende dieses Buches im Kapitel »Datenbasis der StifterStudie«. Die folgende Übersicht soll Ihnen aber bereits an dieser Stelle einen Eindruck geben.

Wer wurde befragt?

Die Studie beruht auf zahlreichen Aussagen von Stiftern, die wir zum Teil persönlich interviewt und zum Teil mit Hilfe von Fragebögen befragt haben. Die Zielgruppe der Untersuchung waren Stifter, die seit 1990 eine gemeinnützige Stiftung ins Leben gerufen haben. Das Kriterium der Auswahl war, dass die Person einen Betrag von mindestens 50 000 Euro dauerhaft einem gemeinnützigen Zweck gewidmet hat; und zwar unabhängig von der Rechtsform, sodass im Sample selbstständige und treuhänderische Stiftungen ebenso erfasst sind wie gemeinnützige GmbHs.
Um die Ergebnisse nicht zu verzerren, sind Stifter, die sich mit kleinen Summen an der Gründung einer Gemeinschaftsstiftung beteiligt haben, nicht in das Sample aufgenommen worden. Personen, die eine bestehende Stiftung durch eine Zustiftung unterstützt haben, konnten nur in Einzelfällen berücksichtigt werden, weil Zustifter in Deutschland – leider – nicht systematisch erfasst werden.
Der Fragebogen enthielt viele sehr persönliche Fragen zu Werten, Motiven und Erwartungen, die nur vom Stifter selbst beantwortet werden konnten. Wir haben uns daher dafür entschieden, auf eine Beantwortung durch Berater, Familienangehörige oder Gremienmitglieder zu verzichten. Diese Einschränkung bringt es mit sich, dass Stifter, die ihre Stiftung erst von Todes wegen gegründet haben (testamentarische Stiftungen), nicht berücksichtigt worden sind.

Wie wurden die Stifter befragt?

Beginnend im Herbst 2003 haben wir insgesamt 22 Interviews mit Stiftern, Stifterinnen und Stifterpaaren geführt. Die Auswahl der Interviewpartner folgte dem Anspruch, möglichst unterschiedliche Perspektiven auf den deutschen Stiftungssektor zu gewinnen. Die Interviews spiegeln daher die Erfahrungen verschiedener Typen von Stiftern wider, die sich nach Alter, Geschlecht, Lebenslagen, Vermögen und Motiven unterscheiden. Auch die Stiftungen decken hinsichtlich der Arbeitsweise, des Tätigkeitsbereichs und der Vermögensausstattung eine große Bandbreite ab.
Aufbauend auf den Interviews wurde ein zwölfseitiger Fragebogen zu den Motiven und Erfahrungen von Stiftern entwickelt. Dieser Fragebogen wurde im Februar 2004 an alle Stiftungen versandt, die laut der Datenbank des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen den Kriterien der Studie entsprachen: seit 1990 von einer natürlichen Person zu Lebzeiten gegründet. Sofern es sich bei der Stiftung um eine gemeinsame Gründung durch ein Stifterpaar handelte, wurden zwei Fragebögen verschickt, um beiden Stiftern die Möglichkeit zu geben, ihre Beweggründe zu erläutern. Insgesamt wurden so 1666 Fragenbögen versandt.
Bei 306 Empfängern mussten wir leider feststellen, dass sie in der Zwischenzeit verstorben waren oder nicht den Auswahlkriterien entsprachen, sodass sich die Grundgesamtheit der Stifter auf 1360 belief. Von diesen 1360 haben 629 an der Umfrage teilgenommen, was einem Rücklauf von 46 Prozent entspricht.
Im Juli 2004 haben alle 629 Teilnehmer der ersten Befragung als Dank und Rückmeldung eine Dokumentation der Studie erhalten. Die Stifter hatten darüber hinaus die Möglichkeit, uns zu signalisieren, ob sie für weitere Auskünfte zur Verfügung stehen. Unter denjenigen 248 Stiftern, die uns dieses Signal gegeben haben, wurde im Oktober 2004 eine vertiefende Umfrage durchgeführt. Die Nacherhebung, an der erneut 179 Stifter teilgenommen haben, konzentrierte sich vor allem auf die praktischen Herausforderungen bei der Gründung und Führung von Stiftungen.
Um schließlich die Aussagen der Stifter mit der in der Öffentlichkeit herrschenden Meinung über Stifter und Stiftungen in Beziehung setzen zu können, haben wir im September 2004 eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage gestartet. Diese Telefon-Umfrage unter 1007 Bundesbürgern erlaubte uns wichtige Rückschlüsse auf das öffentliche Bild von Stiftern.

Nachweise und Zitate

Soweit im Text ohne weiteren Nachweis auf Daten aus der Studie verwiesen wird, handelt es sich um Ergebnisse aus der Hauptumfrage vom Februar 2004. Ergebnisse aus der Nacherhebung sowie aus der Bevölkerungsumfrage werden als solche kenntlich gemacht.
Sämtliche Zahlenangaben sind gerundet. Die meisten Fragen in den Fragebögen waren mit »ja/nein« bzw. »trifft zu« zu beantworten. Bei einigen Fragen bestand jedoch die Möglichkeit, ein skaliertes Antwortschema zu nutzen (trifft völlig/eher/teils, teils/eher nicht/gar nicht zu). Zur Wiedergabe der Ergebnisse aus diesen Fragen werden im Text und in den Grafiken jeweils die beiden Nennungen »trifft völlig zu« und »trifft eher zu« zusammengefasst und als Zustimmung gewertet.
Um die Stiftungen, für die zwei Stifter geantwortet haben, nicht überzubewerten, sind alle Angaben, die sich auf die Stiftungen (Zwecke, Vermögen, Mitarbeiter) beziehen, in der Weise bereinigt worden, dass nur jeweils die Antwort eines Stifters gezählt wurde.
Die vorliegende Dokumentation der Ergebnisse stützt sich neben den Umfrageergebnissen auch stark auf die Aussagen, die die Stifter in den persönlichen Interviews gemacht haben. Um die Anonymität zu gewährleisten, werden die Interviewpartner nicht mit ihrem Namen genannt. Damit die einzelnen Aussagen trotzdem einander zugeordnet werden können, sind die Interviewten mit Stifter A, Stifterin D, Stifterpaar C zitiert. Die Interviewpassagen sind wörtliche Wiedergaben aus den Gesprächen. Die Zitate wurden nur dann verändert, wenn das Gesagte sonst eindeutige Rückschlüsse auf die interviewte Person erlaubt hätte.
Eine Übersicht über die befragten Stifter finden Sie im Anhang.
I Stifter in Deutschland

Die Beweggründe von Stiftern

Im Vordergrund steht der gemeinnützige Zweck
Der ausschlaggebende Grund, eine Stiftung zu gründen, ist ein konkretes Thema: Stifter1 wollen etwas für Kinder unternehmen, das Wattenmeer schützen, ihre Heimatstadt fördern, sich für die Völkerverständigung einsetzen, eine Kunstsammlung bewahren oder eine soziale Einrichtung unterstützen. Welcher Tätigkeitsbereich es im Einzelfall auch ist: Die meisten Stifter haben ein Thema, das sie bewegt, und deshalb wollen sie auf diesem Feld und keinem anderen tätig werden.
Diese Tatsache wird besonders deutlich an der Frage nach Henne oder Ei der Stiftungsgründung: Steht der Wunsch nach einer Stiftung an erster Stelle oder eine inhaltliche Vision? Wie Abbildung 2 verdeutlicht, geben vier von fünf Stiftern in der Umfrage an, dass sie zuerst den Wunsch verspürt haben, sich für eine bestimmte Sache zu engagieren. Zur Verwirklichung dieses Vorhabens haben sie dann eine Stiftung gegründet. Lediglich ein Fünftel der Befragten gibt an, dass der Wunsch eine Stiftung zu gründen zuerst da war und erst danach die Suche nach einem förderungswürdigen Zweck begann.
Abbildung 2: Impuls zur Stiftungsgründung
Quelle: Hauptumfrage StifterStudie
Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in den Interviews wider. Laut Stifterin D »braucht man ein Thema – man braucht etwas, wo man merkt: Das berührt mich innerlich«. Stifter B: »Das Wichtigste sind die Inhalte, die müssen einem wirklich am Herzen liegen. Man gibt in diese Sache was rein und hat das Gefühl: Das ist man eigentlich selber.«

Themenfindung und Stiftungszweck

Die Frage, welchen Zwecken sich die Stiftung widmen soll, entscheidet jeder Stifter individuell für sich. Kriterien für einen »richtigen« Zweck gibt es nicht; das einzige Kriterium ist, dass das Tätigkeitsgebiet dem Stifter am Herzen liegt. Dementsprechend sind es oft sehr individuelle Erfahrungen, die die Wahl des Zweckes beeinflussen.
Bei vielen Stiftern ergibt sich der Stiftungszweck aus dem eigenen Erleben. Ihnen stößt etwas zu, das sie plötzlich auf einen gravierenden Missstand aufmerksam macht, an den sie vorher nie gedacht hatten. So litt die Ehefrau von Stifter E an Krebs und musste weit mehr Schmerzen leiden, als nötig gewesen wären, weil Schmerztherapie für viele Ärzte ein Fremdwort war. »Das hat mich auf die Palme gebracht«, kommentiert Herr E diesen Missstand. Nach dem Tod seiner Frau gründete er daher eine Stiftung, die sich dem Thema menschenwürdiges Altern widmet.
Auch in anderen Fällen sind es Schicksalsschläge, die das Tätigkeitsgebiet der Stiftung prägen: Der jüngste Sohn der Stifterin G war als Kleinkind lebensbedrohlich krank; viele Stunden und Tage wachte sie am Krankenbett ihres Kindes und erlebte so, wie viel Leid sie und andere betroffene Familien auszuhalten hatten. »Ich habe das alles durchgemacht und durchgestanden, und dann hab ich mir gedacht: Wenn unser Kind wieder gesund ist, dann mach ich irgendwas für Kinder.« Ihr Sohn wurde wieder gesund, aber Frau G wusste jetzt, wie es sich anfühlt, Mutter eines kranken Kindes zu sein. Sensibilisiert für das Thema, rief sie eine Stiftung ins Leben, die Familien unterstützt, die durch Krankheit in Notlagen geraten.
Die Auslöser für eine Stiftungsgründung müssen allerdings nicht immer so dramatisch sein wie in den beiden genannten Beispielen. Oft nehmen Stifter auch lediglich ein spezielles Hobby zum Anlass, eine Stiftung zu gründen, wie beispielsweise ihre Naturverbundenheit, ihre Kunstbegeisterung oder ihr Engagement für die Heimatstadt. Andere wiederum setzen – nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben – ihre berufliche Tätigkeit fort, indem etwa ein erfolgreicher Ingenieur eine Stiftung zur Förderung der Ingenieurswissenschaften gründet. In jedem Fall gilt: Die meisten Stifter haben ihr Thema gefunden, bevor sie daran gehen, eine Stiftung zu gründen.

Die Suche nach dem »richtigen« Stiftungszweck

Laut unseren Ergebnissen begeben sich Stifter nur in wenigen Fällen aktiv auf die Suche nach einem geeigneten Zweck für ihre Stiftung. Nur ein Fünftel der Stifter gab an, dass der Wunsch, eine Stiftung zu gründen, da war, bevor sie ein Thema gefunden hatten, dem sich die Stiftung widmen sollte.
An dieser Stelle ist jedoch eine Einschränkung nötig: Dieses Ergebnis ist für diejenigen Stifter, die an der Umfrage teilgenommen haben, durchaus plausibel. Es ist allerdings zu vermuten, dass das Ergebnis anders ausfallen würde, wenn man testamentarische Stiftungen mit in die Untersuchung aufnehmen würde. In diesen Fällen steht nämlich häufig der Wunsch, mit dem verbleibenden Vermögen eine Stiftung zu gründen, vor der inhaltlichen Motivation.
»Über Stiftungen hatte ich immer schon mal was gelesen«, so Frau H, die ihre Stiftung erst von Todes wegen gründen wird: »Und was sollte ich sonst machen? Erben habe ich ja nicht, also eine Stiftung.« Der erste Schritt bestand in diesem Fall in der Erkenntnis, dass eine Stiftung die beste Möglichkeit darstellte, das Vermögen zu verwenden. Die Festlegung des Zwecks erfolgte erst in einem zweiten Schritt.
Die Ergebnisse der Studie bestätigen diesen Trend. Unter den 21 Prozent der Stifter, bei denen der abstrakte Stiftungswunsch wichtiger war als die konkrete inhaltliche Motivation, sind bestimmte Gründungsanlässe besonders häufig vertreten: Diese Stiftungen werden typischerweise dann gegründet, wenn die Stifter erbenlos sind, wenn der Nachlass geordnet werden soll oder wenn ein Unternehmer die Nachfolge seines Unternehmens regelt.
In Fällen, in denen die Stiftung eher aufgrund eines äußeren Anlasses gegründet wird, kommt es daher durchaus vor, dass Stifter aktiv auf die Suche nach einem Zweck gehen. Ein solcher Anlass sind nicht zuletzt Erbschaften. Mehrere Interviewpartner machten deutlich, dass für sie schon früh feststand, dass sie das ihnen zugefallene Erbe nicht für ihren persönlichen Bedarf verwenden wollten. Sei es, weil sie das Geld nicht brauchten oder weil sie das Gefühl hatten, das Geld nicht persönlich verdient zu haben – sie machten sich auf die Suche nach einer sinnvollen Verwendungsmöglichkeit.
Für Frau D stand schon bald nach der Erbschaft fest, »dass ich was Sinnvolles damit machen sollte«. Über zwei Jahre suchte sie nach einem Zweck; sie versuchte dies, engagierte sich dort und erwog verschiedene Themen, darunter Afrika, Kinder, Kranke und Aids, bis sie endlich ein Thema fand, das sie wirklich bewegte.
Auch Stifter B, ebenfalls Erbe, hatte sich in Erwartung der Erbschaft »lange schon Gedanken gemacht: ›Wofür würdest du denn eine größere Summe von deinem Erbe abgeben? Was kannst du Sinnvolles mit dem Geld tun?‹«, fragte er sich lange im Voraus. In dieser Situation war er äußerst dankbar und empfänglich für gute Anregungen. Seinen Bedarf an guten Vorschlägen teilte er einer gemeinnützigen Organisation mit, für deren Arbeit er sich interessierte: »In gewisser Weise habe ich denen gesagt: Ich habe ein Problem, bitte löst das mal für mich. Und als die dann mit dem Projekt kamen, da schwebte ich fast in den Wolken. Ich war denen dankbar; die haben sich bedankt, aber ich habe mich auch bei ihnen bedankt.«
Inzwischen erlebt dieser Stifter sein Engagement als Glücksfall, um den er von anderen beneidet wird: »Viele Leute beneiden mich, dass ich was gefunden habe, wo ich so gerne nicht nur Geld, sondern auch Engagement reinsetze. Es ist nicht unbedingt einfach, was zu finden, und es ist ohne weiteres denkbar, dass es Leute gibt, denen nichts einfällt.«
Motive der Stiftungsgründung
Wer eine Stiftung gründet, trennt sich unwiderruflich von einem Teil seines Vermögens. Der inhaltliche Antrieb, ein bestimmtes Thema anzugehen, wird verstärkt von einer Reihe von weiteren Motiven, die Menschen zu einer Stiftungsgründung motivieren. Der Wunsch, etwas zu bewegen, und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen Menschen werden von den meisten befragten Stiftern als ausschlaggebende Gründe genannt.
Weitere Faktoren sind der Wunsch, ein konkretes Problem zu bekämpfen, eine bestimmte Einrichtung zu fördern oder der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Abbildung 3 zeigt die Motive in der Übersicht, von denen wir einige im Anschluss noch weiter vertiefen möchten.
Abbildung 3: Motive für die Stiftungsgründung
Quelle: Hauptumfrage StifterStudie

Eigentum verpflichtet

In den persönlichen Interviews wird dieses Motiv von vielen Stiftern besonders hervorgehoben: Eigentum verpflichtet. Das Stifter-Ehepaar I äußerst sich hierzu ganz klar: »Das, was uns als Vermögen zugewachsen ist, das betrachten wir als geliehen und geben es – durch die Stiftung – zurück.« Denn: »Es kann niemand was mitnehmen ins Grab – dann kann man es doch zurücklassend einer sehr sinnvollen Verwendung zuführen.« Viele genießen durchaus ihren Wohlstand, haben aber das Gefühl, noch mehr Geld für private Zwecke nicht zu benötigen.
Auch die Umfrage belegt dieses Motiv sehr deutlich: Bei der Frage nach den Einstellungen zu Wohlstand und Reichtum brachten 80 Prozent der Stifter zum Ausdruck, dass sie der Aussage »Eigentum verpflichtet« zustimmen. Zum Vergleich haben wir den 1007 Teilnehmern der bevölkerungsrepräsentativen Telefon-Umfrage dieselbe Aussage vorgelegt: In der Bevölkerung insgesamt stimmten nur 62 Prozent der Aussage zu.

»Giving back«

Dankbarkeit ist vor allem bei Unternehmern ein stark vertretenes Motiv für eine Stiftungsgründung – »giving back« lautet der sozialwissenschaftliche Anglizismus dafür. Im Gegensatz zum herkömmlichen Klischee eines Kapitalisten, der ständig nach Steuerschlupflöchern fahndet und Steuersenkungen fordert, haben Unternehmer oft das Gefühl, dass sie dem Land wesentlich mehr schulden, als bloß Steuern zu zahlen, wie Stifter K deutlich macht: »Das Land hat mir ermöglicht, reich zu werden, dann hab ich auch die verdammte Pflicht, hier zu bleiben und mich zu engagieren.«
»Für uns beide«, ergänzt das Stifterpaar M, »spielte der Wunsch eine große Rolle, der Gesellschaft, die uns die Gelegenheit gegeben hat, zu einem Vermögen zu kommen, etwas davon zurückzugeben. Wir konnten hier nämlich in Freiheit und Zufriedenheit tätig werden.« Auch ein Bewusstsein für zu dramatische soziale Gegensätze ist bei stiftenden Unternehmern zu finden: »Du hast alles, und die haben nix«, sagt Stifter O. »Das kann nicht sein. Du hast ja bloß Glück gehabt, du bist halt auf der richtigen Seite, zur richtigen Zeit geboren.« Daraus ergibt sich für ihn eine Verpflichtung, zu teilen: »Also es war Glück, aber vielleicht war es auch nicht nur Glück; vielleicht hat man damit auch eine gewisse Verpflichtung; den von Gott gegebenen Lebensstandard nicht alleine zu verbrauchen, sondern zu teilen.«

Weitere Motive zur Stiftungsgründung

Andere Motive, von denen man erwarten könnte, dass sie den Stiftern wichtig sind, spielen nach den Ergebnissen der StifterStudie keine große Rolle, wie zum Beispiel die Wahrung des Andenkens an eine nahe stehende Person, der Ausdruck der eigenen religiösen Überzeugung oder die Fortführung der beruflichen Aktivitäten durch die Stiftung. Von noch geringerer Bedeutung war der Wunsch, im Sinne der Familientradition zu handeln, die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu stärken oder einen Imagegewinn für das eigene Unternehmen zu erzielen.
Obwohl diese Motive für die Mehrheit der Stifter nicht ausschlaggebend sind, spielen sie in Einzelfällen durchaus eine große Rolle: Für Stifter P, dessen Stiftung Projekte an seinem eigenen Universitätsinstitut fördert, ist die Stiftung durchaus ein Mittel, um »meine akademische Tätigkeit fortzuführen, wenn ich nach der Emeritierung nicht mehr aktiv im Universitätsleben tätig bin«.
Und für die Stifterin Frau J, deren Unternehmen im Einzelhandel tätig ist, ist die Stiftung sogar tatsächlich »ein ideales Marketinginstrument und ein Element der Unternehmenskultur. Die Mitarbeiter identifizieren sich mit der Stiftung und arbeiten begeistert mit«. Nach diesem Gesichtspunkt wurde auch der Stiftungszweck ausgesucht: »Kinder, weil Kinder gut ankommen«.
Persönliche Erwartungen bei der Stiftungsgründung
Auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde im Jahr 1999 eine umfangreiche Erhebung zum Thema ehrenamtliches Engagement in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse des so genannten Freiwilligensurvey zeigen, dass altruistische Motive kein Widerspruch zu eher egoistischen Erwartungen sind. Im Gegenteil: In vielen Fällen sind diese unterschiedlichen Erwartungen kaum voneinander zu trennen.
So ergab der Freiwilligensurvey, dass klassisch altruistische Erwartungen eine wichtige Rolle spielen: Engagierte wollen »etwas für das Gemeinwohl tun« (Mittelwert 4,1 auf einer Fünfer-Skala; 5 bedeutet höchste Zustimmung) und wollen »anderen Menschen helfen« (4,1). Vor allem aber erwarten Menschen, die sich gemeinnützig engagieren, »Spaß« an der Sache (4,5), dicht gefolgt von dem Wunsch, »mit sympathischen Menschen zusammenkommen« (4,2) und »eigene Verantwortung und Entscheidungsmöglichkeiten haben« (3,5). Auch das Bedürfnis nach Anerkennung ist relativ stark ausgeprägt (3,3), während die Erwartung, dass »die Tätigkeit auch für berufliche Möglichkeiten nutzt«, mit einem Mittelwert von 2,2 eher nachrangig ist. (vgl. Freiwilligensurvey 1999, S. 113)
Hinsichtlich der Erwartungen, die mit Engagement verbunden werden, decken sich die Daten der StifterStudie weitgehend mit den Ergebnissen aus dem Freiwilligensurvey. Hier wie dort handelt es sich um eine fast unauflösliche Mischung aus selbstlosen und selbstbezogenen Erwartungen.
Was die Letzteren angeht, wird Stiftern häufig ein ganz zentrales Motiv unterstellt: nämlich mit der Stiftung Steuern sparen zu wollen. Dies denken nach unserer repräsentativen Erhebung immerhin 29 Prozent der Bevölkerung. Um es vorweg zu nehmen: Diese Erwartung ist statistisch nicht nachweisbar; aus dem einfachen Grund, weil man mit einer Stiftung schlicht keine Steuern sparen kann. Allenfalls kann man einen Teil des eingesetzten Geldes steuerlich geltend machen. Dies ist jedoch kein Motiv für ein Engagement – sehr wohl aber ein Grund, das Engagement in Form einer Stiftung zu betreiben. Dieser Aspekt wird im Kapitel »Warum wählen Stifter die Rechtsform einer Stiftung?« eingehender diskutiert.
Abbildung 4: Erwartungen bei der Stiftungsgründung
Quelle: Hauptumfrage StifterStudie
Abbildung 4 verdeutlicht die Erwartungshaltungen, die Stifter mit der Gründung ihrer Stiftung verfolgen. Im Sinne einer besseren Vergleichbarkeit mit dem Freiwilligensurvey zeigen die Angaben die Mittelwerte.

Sinn-Stiftung

Unabhängig davon, ob man die Zahlen absolut oder als Mittelwert darstellt: Die Hoffnung, mit der Stiftung eine sinnvolle Tätigkeit zu beginnen, ist die wichtigste Erwartung, die mit einer Stiftungsgründung verbunden wird: 75 Prozent der Stifter bestätigen, dass die »Schaffung einer erfüllenden, sinnvollen Aufgabe« für sie entscheidend war; 55 Prozent geben an, sich eine »Steigerung der persönlichen Zufriedenheit« versprochen zu haben.
Dieses Bild spiegelt sich in den Interviews wider. Sie belegen gleichzeitig, dass die Erwartungen in den allermeisten Fällen auch erfüllt werden. Fast alle befragten Stifter äußern in den persönlichen Interviews, dass ihre Stiftung ihr Leben bereichert und für sie im wahrsten Sinne des Wortes Sinn macht. »So wie ich jetzt hier sitze, das war meine Erwartung«, stellt Frau R fest: »Dass ich etwas tue, was Sinn hat, was mich begeistert. Ich gehe morgens an meinen Schreibtisch, und ich weiß, was ich da tue und wofür ich es tue.« Diese sinnstiftende Tätigkeit ist besonders älteren Stiftern wichtig: »Die Stiftung hindert uns daran, dauernd zu jammern und immer nur Gespräche zu führen, wie schlecht es uns geht und unsere Krankengeschichten rauf- und runterzubeten«, sagen Stifter E und F, die gemeinsam eine Stiftung gegründet haben.

Gesellschaftliche Anerkennung

Wer sein gesellschaftliches Engagement in Form einer Stiftung organisiert, gründet eine eigene Organisation. Anders als eine Spende, eine ehrenamtliche Mitarbeit oder eine Mitgliedschaft in einem Verein bietet eine Stiftung die Möglichkeit, das Engagement sichtbar und dauerhaft mit dem eigenen Namen zu verbinden. Die Vermutung, dass sich Stifter ein Denkmal setzen wollen, liegt nahe und wird von amerikanischen Studien bestätigt. So konnte Francie Ostrower für die New Yorker Oberschicht zeigen, dass Stiftungen und gemeinnütziges Engagement eine hohe Bedeutung haben, wenn es darum geht, die Zugehörigkeit zu einer sozialen Elite zu demonstrieren. (vgl. Ostrower, 1997, bes. S. 28 ff.)
Hinsichtlich der Frage, ob sich Stifter ein Denkmal setzen wollen, muss man zunächst unterscheiden, für wann dieses Denkmal gesetzt werden soll: Vielen Stiftern ist es sehr wichtig, der Nachwelt etwas Bleibendes zu hinterlassen, wenn sie einmal sterben (43 Prozent). Die Stiftung als Vermächtnis, als Denkmal für die Nachwelt, spielt daher bei vielen Gründungen eine große Rolle. Dieser Antrieb ist für viele einer der wesentlichen Gründe, die Rechtsform einer Stiftung zu wählen. Während also für viele Stifter das Denkmal für das Jenseits ein wichtiger Aspekt ist, muss die Frage nach dem Denkmal im Diesseits differenzierter betrachtet werden.
Mehrere Interviewpartner sprechen den Vorwurf der Eitelkeit offen an: »Natürlich kommt bei jedem Stifter ein gewisses Maß an Eitelkeit dazu: dass er seinen Namen da auf der Stiftung sieht«, so Stifter O. Interessanterweise ist es so, dass zwischen der Höhe des Stiftungsvermögens und der Namensgebung für die Stiftung eine eindeutige Beziehung besteht: Je größer das Vermögen, desto eher trägt die Stiftung den Namen des Stifters: Von den 95 Stiftungen, die über weniger als 50 000 Euro verfügen, tragen 43 den Namen des Stifters (45 Prozent). Demgegenüber haben sich 75 Prozent der Stifter, die mehr als 2,5 Millionen Euro in ihre Stiftung eingebracht haben, dazu entschieden, der Stiftung ihren Namen zu geben.
Die Tatsache, dass überhaupt nur 42 Prozent der Stiftungen den Namen ihres Stifters tragen, zeigt bereits, dass viele Stifter die öffentliche Aufmerksamkeit nicht suchen. Wie im Kapitel »Die Rolle der Stifter in ihrer Stiftung« noch ausführlicher dargestellt wird, meiden viele Stifter die Öffentlichkeit: Obwohl sie sich aktiv in der Stiftung engagieren, versuchen immerhin 45 Prozent der Stifter, anonym im Hintergrund zu bleiben.
Vor diesem Hintergrund scheinen die Umfrageergebnisse, die in der Abbildung 4 zusammengefasst sind, plausibel: Die Hoffnung, durch die Stiftung ein erhöhtes gesellschaftliches Ansehen zu erreichen, mag in Einzelfällen eine Rolle spielen. Sie ist aber kein treibender Faktor für eine Stiftungsgründung.

Anerkennung im engeren sozialen Umfeld

Auf Echo und Anerkennung aus der breiten Öffentlichkeit – das zeigte der vorangehende Abschnitt – möchten viele Stifter gerne verzichten. Hinsichtlich des engeren Umfeldes könnte sich die Frage anders stellen, auch wenn die Umfrageergebnisse diesen Schluss nicht nahe legen. Stifter B macht hierzu eine interessante Beobachtung: »Es wäre verlogen, wenn man sagen würde, dass es keine Rolle spielt. Die Frage ist: Gegenüber wem möchte man diesen sozialen Status haben?«
Tatsächlich berichten viele Stifter davon, dass sie in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis auf ambivalente Reaktionen gestoßen sind. Diese Ambivalenz hat wesentlich damit zu tun, dass 65 Prozent der Stifter angeben, dass sich ihr unmittelbarer Bekanntenkreis nicht gemeinnützig engagiert. In der überwiegenden Zahl der Fälle stehen Stifter also mit ihrem Engagement allein da. Die Reaktionen darauf bestehen daher aus einer »Mischung aus Unverständnis, Neid und Bewunderung«, wie das Stifterpaar S berichtet. Ein Teil ihres Freundeskreises hätte sie »für verrückt erklärt: ›Die wollen sich profilieren – die wollen was Besseres sein.‹« Auch Frau J hatte mit einem gewissen Misstrauen zu kämpfen: »Hast du denn nix zu tun?«, »Brauchst du das für dein Geltungsbewusstsein?«, war hier häufig die Reaktion im Freundes- und Bekanntenkreis.
Solche Vorurteile sind allerdings eher selten: Nur fünf Prozent der Stifter gaben in der Nacherhebung an, dass sie in der Öffentlichkeit oder im Bekanntenkreis mit Vorurteilen gegen Stifter zu kämpfen haben. Es überwiegen positive Rückmeldungen, die auf Seiten der Freunde und Bekannten oft mit einem schlechten Gewissen verbunden sind, wie Herr O berichtet: »Ich hab das Gefühl, ich wecke bei ganz vielen ein schlechtes Gewissen.« Bezogen auf ihren unmittelbaren Freundeskreis erwarten Stifter weniger konkrete Anerkennung; sie sehen sich selbst aber durchaus in einer Vorbildrolle, die sich mit der Hoffung verbindet, auch andere für ein gemeinnütziges Engagement gewinnen zu können.
Stifter sind also in der Selbsteinschätzung ihrer Beweggründe vor allem Realisten: Sie wollen Gutes tun, aber sie wollen auch etwas davon haben, nämlich das befriedigende Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu tun. Ernest Hemingway hat diese Erkenntnis auf eine knappe Formel gebracht: »Moral is what you feel good after«.

Äußere Anlässe für die Gründung einer Stiftung

Der Entschluss, eine Stiftung zu gründen, reift oft über mehrere Jahre und geht nur selten auf ein einziges Motiv zurück. In den meisten Fällen steht hinter dem Entschluss ein komplexes Bündel von Überlegungen – zum inhaltlichen Antrieb treten gemeinnützige Motive und persönliche Erwartungen. Oft sind es darüber hinaus auch äußere Einflüsse oder bestimmte Lebenssituationen, die den Anstoß zu einer Stiftungsgründung geben. Unserer Umfrage zufolge spielen solche äußeren Anlässe eine erhebliche Rolle – 82 Prozent der Befragten bestätigten, dass ihre Gründung einen konkreten Anlass hatte.
Die überwiegende Zahl dieser Anlässe steht relativ unabhängig neben den inhaltlichen Motiven für eine Stiftungsgründung. Außer in den Fällen, in denen ein Schicksalsschlag den Anstoß gab – hier sind Anlass und Beweggrund identisch – , geben die äußeren Anlässe kein Tätigkeitsgebiet vor: Das Bestreben, den Nachlass zu ordnen, eine Erbschaft oder das Fehlen von geeigneten Erben können zu einem Engagement in völlig unterschiedlichen Feldern führen. Aus diesem Grund lassen sich die Gründungsanlässe systematisch von den Motiven und Erwartungen trennen, die in den vorhergehenden Kapiteln dargestellt worden sind.
Abbildung 5: Anlässe für eine Stiftungsgründung
Quelle: Hauptumfrage StifterStudie
Die Ergebnisse der Umfrage, die in der Abbildung 5 zusammengefasst sind, werden im Folgenden um Erkenntnisse aus den Interviews ergänzt.

»Ich wollte meinen persönlichen Nachlass ordnen«

Bei denjenigen Stiftungen, die erst von Todes wegen gegründet werden, liegt der Zusammenhang zwischen Stiftungsgründung und Nachlass-Regelung auf der Hand: Die Stiftung ist in diesen Fällen das zentrale Instrument, um über die Verwendung des hinterlassenen Vermögens zu verfügen. Aber auch bei Stiftern, die ihre Stiftung noch zu Lebzeiten gründen, spielt der Gedanke an den Nachlass eine zentrale Rolle. Für weit mehr als ein Drittel der Stifter entsteht die Überlegung, eine Stiftung zu gründen, aus der Beschäftigung mit der Frage, wie der persönliche Nachlass gestaltet werden soll.
Zwei Vermutungen drängen sich auf. Erstens: Dieser Anlass trifft vor allem auf ältere Stifter zu, die am Lebensabend über ihr Vermächtnis nachdenken. Zweitens: Die Stifter, die durch eine Stiftung ihren Nachlass ordnen wollen, sind meistens kinderlos. Beide Vermutungen werden von der Studie jedoch nur bedingt bestätigt.
Bezüglich der Altersverteilung lässt sich festhalten, dass der Anstoß »Ich wollte meinen Nachlass ordnen« durchaus auch bei Stiftern, die jünger sind als 70 Jahre, sehr bedeutend ist. Gerade unter den 60- bis 69-Jährigen wird dieser Beweggrund oft genannt. Aber auch bei Stiftern unter 60 Jahren spielt dieser Anstoß eine große Rolle. Quer durch alle Altersgruppen hindurch wird das Instrument der Stiftung stark mit der Nachlass-Regelung assoziiert. Auch wenn Stiftungen heute nicht mehr in der Mehrzahl von Todes wegen gegründet werden, hat die Stiftung ihre enge Verbindung zum Nachlass daher noch nicht verloren.
Eng verbunden mit dem Problem des Nachlasses ist auch die Frage, ob geeignete Erben vorhanden sind. Dort, wo Erben fehlen, sind Stiftungen eine attraktive Option. Trotzdem sind es nicht nur kinderlose Menschen, die mit einer Stiftung ihren Nachlass regeln möchten. Im Gegenteil: Auch für Stifter, die Kinder bzw. Erben haben, stellt sich durchaus die Frage, wem ihr Vermögen nach ihrem Tod zufallen soll.
Gerade Unternehmer und erfolgreiche Geschäftsleute, die sich ihr Vermögen durch eigene Leistung aufgebaut haben, wollen ihren Kindern einen guten Start ins Leben verschaffen, ohne ihnen zu viel Geld zukommen zu lassen. »Die Kinder«, so das Stifterpaar M, »sind in einem vernünftigen Rahmen finanziell abgesichert, und wir sehen keinen Anlass, ihnen das ganze Vermögen zu hinterlassen, weil das den Anreiz, selbst etwas zu leisten, unnötig dämpfen würde.« Eine ganz ähnliche Einstellung hat Stifter O: Er betrachtet seine Stiftung als einen »Ausgleich zwischen meinen Kindern und anderen Kindern, die es weiß Gott mehr brauchen. Meine Kinder haben eh schon viel zu viel – die machst du bloß kaputt, wenn du denen das alles vererbst.«
In den Fällen, in denen sich (spätere) Stifter bereits vor der Gründung ihrer Stiftung gemeinnützig engagierten, kommt ein weiterer Aspekt der Nachlass-Regelung dazu: Das Projekt selbst wird dann ein Teil des Nachlasses, der geregelt werden muss. Immerhin ist für die Hälfte der Stifter (49 Prozent) der Wunsch, eine bestimmte Einrichtung langfristig zu fördern, ein ausschlaggebendes Motiv. Zu diesen Stiftern zählt auch Herr T, der seine Stiftung gezielt gegründet hat, damit das, was er im gemeinnützigen Bereich aufgebaut hat, »nicht irgendwann zerschlagen wird«. Anders als ein Verein oder eine GmbH gewährleistet die Stiftung Kontinuität und Sicherheit über den Tod des Stifters hinaus für die Mitarbeiter, für die Projekte und für den Stifter selbst.

»Ich hatte keine (geeigneten) Erben«

Gut 28 Prozent der Befragten geben an, dass sie die Stiftung gegründet haben, weil sie keine Erben bzw. keine geeigneten Erben haben. Hier ist zunächst festzustellen, dass 97 Prozent dieser Stifter tatsächlich kinderlos sind. Nur eine kleine Gruppe hat Kinder, die zwar prinzipiell als Erben in Frage kämen, aber als nicht geeignet betrachtet werden.
Auch wenn die Kinder oft nicht alles erhalten sollen, so sind Stiftungen als Instrument aktiver und völliger Enterbung nach unseren Ergebnissen eher ungebräuchlich. Unter den Interviewpartnern war nur einer, der aus der Enttäuschung über seine Kinder die Konsequenz gezogen hat, sein Vermögen der Stiftung und nicht den Kindern zukommen zu lassen: »Die Kinder«, so Stifter T, »haben sich weder für die Firma noch für meine jetzigen Aktivitäten je interessiert.«
Viele kinderlose Menschen sind sehr froh, dass sie mit ihrer Stiftung eine gute Lösung für ihre Hinterlassenschaft gefunden haben. »Andere haben Kinder, die bleiben, wenn man selbst nicht mehr ist – ich habe die Stiftung«, so Stifter A, der selbst durch eine Erbschaft zu Vermögen gekommen ist.
Ohne Kinder mangelt es an sinnvollen Alternativen, wie Stifterin H deutlich macht. Sie hat keine Verwandten, denen sie das Geld schenken könnte: »Nachher suchen die noch entfernte Neffen über die Zeitung – das möchte ich nicht.« Sie möchte gern, dass ihr Geld ihrer Heimatstadt zugute kommt, aber der Kommune möchte sie es nicht zufallen lassen: »Der Stadt wollte ich es auch nicht geben – woher soll ich wissen, wer hier an der Regierung ist, wenn ich sterbe? Ich weiß doch gar nicht, was die dann damit anfangen.« Auch diese Möglichkeit kommt daher nicht in Frage. Bleiben die großen Wohltätigkeitsverbände: »SOS-Kinderdorf finde ich auch eine sehr gute Sache – aber bei diesen Fernsehsendungen, da kommen ja Millionen zusammen; die brauchen mein Geld nicht.«
Solche Überlegungen sind gerade bei testamentarischen Stiftungen oft der ausschlaggebende Grund für die Errichtung. Tatsächlich wird auch die Stiftung von Frau H erst mit ihrem Tod gegründet werden. Als Alternative zu einer eigenen Stiftung hatte sie zunächst erwogen, einfach eine bestehende Organisation mit einer Spende zu bedenken. Diese Option hat sie jedoch verworfen, denn »eine Spende hat eine zu kurze Halbwertzeit. Wenn das Testament eine Spende an eine bestimmte Organisation vorsieht, muss man regelmäßig kontrollieren, ob es die noch gibt und ob sie noch den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Man muss sich ständig kümmern und vielleicht sogar das Testament ändern. Eine Stiftung als Erbe ist aus Sicht des Erblassers wesentlich pflegeleichter, da die Entscheidung über die Vergabe auf die Stiftung verlagert wird«, erzählt Stifterin H.

»Ein plötzlicher Vermögenszuwachs hat mich in die Lage versetzt, eine Stiftung zu gründen«

Ein weiterer wichtiger Grund für eine Stiftungsgründung ist ein plötzlicher Vermögenszuwachs – etwa aufgrund einer Erbschaft, wegen des Verkaufs eines Unternehmens oder dank eines Lotteriegewinnes oder Preisgeldes.
Bei Stiftern, die ihre Stiftung mit einem Erbe eingerichtet haben, lässt sich dabei häufig eine Gemeinsamkeit feststellen: Das geerbte Geld wird in vielen Fällen im wahrsten Sinne des Wortes als »un-verdient« empfunden. Stifterin R sagt hierzu: »Ich habe das Vermögen meiner Mutter übernommen, und ich habe selbst nie etwas dazu getan. Das war ein starker Grund, etwas Sinnvolles zu tun. Ich habe einfach Glück gehabt, und von dem Glück will ich etwas abgeben.«
Auch Stifter U hat geerbt und findet es nach der Stiftungsgründung »sehr anregend, nicht mehr in einer Sondersituation zu sein und sich dauernd für sein Geld rechtfertigen zu müssen, sondern die Möglichkeit zu haben, mit dem Geld etwas Sinnvolles zu machen.« Ganz ähnlich ging es Stifterin D, die eine Erbschaft machte: »Auch weil ich es, zumindest in der Menge, eigentlich nicht brauchte, habe ich mich gefragt: Was machst du nun damit?«
In gut der Hälfte der Fälle, in denen ein »plötzlicher Vermögenszuwachs« als Auslöser angegeben wurde, stammt das Vermögen aus einer Erbschaft (44 Prozent). In weiteren 40 Prozent der Fälle handelt es sich um Vermögen, das durch eigene unternehmerische Tätigkeit erworben wurde; der plötzliche Vermögenszuwachs entstand in diesen Fällen offensichtlich durch den Verkauf eines Unternehmens oder zumindest von Unternehmensteilen.
Statistisch eher selten sind die Fälle, in denen ein Lottogewinn oder ein Preisgeld zum Auslöser einer Stiftungsgründung wird. In Einzelfällen kommt es jedoch durchaus vor, dass ein Forscher wie Stifter P einen akademischen Forschungspreis als Grundstockvermögen in eine Stiftung einbringt. Dabei ist er nach eigener Aussage, »gar nicht so ein gemeinnütziger Typ.« Trotzdem fördert die Stiftung weitere Untersuchungen zum prämierten Thema und hilft so dem Forscher wie der Forschung gleichermaßen.
Stifter V gewann ein Sportturnier und war plötzlich unversehens in der Situation, sich für die Verwendung des Geldes rechtfertigen zu müssen: »Die klassische Reaktion von vielen Menschen ist dann zu fragen: ›Mensch jetzt haben Sie so viel Geld, was tun Sie denn jetzt Gutes?‹« Auf der einen Seite empfand er diese Erwartungen als »vermessenen Rückschluss, weil keiner verpflichtet ist«, aber auf der anderen Seite wollte er sich der Verantwortung nicht entziehen.

»Ein Schicksalsschlag in meinem Umfeld/ meiner Familie hat den Anstoß gegeben«

Ein Viertel der Stiftungsgründungen ist auf einen Schicksalsschlag im persönlichen Umfeld zurückzuführen – sei es durch eine Erfahrung am eigenen Leibe, im Familien- oder Bekanntenkreis. In diesen Fällen deckt sich der Anlass mit dem inhaltlichen Antrieb: Wessen Kind an einer bestimmten Krankheit leidet, wird eine Stiftung gründen, die den Kampf gegen diese Krankheit aufnimmt; wer selbst einmal in einer sozialen Notlage war, dessen Stiftung wird anderen helfen, dieses Problem zu überwinden.
Typischerweise widmen sich diese Stiftungen entweder der medizinischen Forschung oder der sozialen Hilfe vor Ort. So ist es auch im Fall der bereits oben zitierten Stifterin G, deren Stiftung eine Reaktion auf die schwere Krankheit ihres Sohnes ist: »Ich weiß nicht, ob ich auf die Idee gekommen wäre, eine Stiftung zu gründen, wenn ich das nicht selber erlebt hätte mit meinem Sohn, welche Probleme es da draußen gibt.« Die Stiftung leistet heute Hilfestellungen für Familien, die durch die Krankheit von Kindern in finanzielle und damit oft auch in soziale Not geraten.

»Mit dem Ende meiner Berufstätigkeit wollte ich mir eine neue Aufgabe schaffen«

Mitunter überschneidet sich ein Schicksalsschlag als Anlass mit der Suche nach einem neuen Lebensinhalt. Frau R hat innerhalb kurzer Zeit die Mutter und den Bruder verloren: »Da kam die Frage nach dem Sinn des Lebens auf.« Aber meistens ist es das Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben: Man hat viel erreicht, man könnte sich zur Ruhe setzen, will aber nicht auf das »Altenteil« abgeschoben werden.
Stifter W überlegte: »Nach der aktiven Zeit wollte ich nicht so das Gefühl haben, so, jetzt hast du eigentlich nichts mehr vor dir, sondern ich habe was vor mir, bis in die späten Jahre hinein.« Auch Herr C »stand so an der Schwelle zu dem Alter, wo man sich überlegt: Könnte ich für mein Leben irgendwo noch mehr erreichen als das, was ich im Beruf erreicht habe? Sprich: Im Zusammenhang mit der Stiftung aktiv was tun, sich persönlich einbringen. Das würde uns beiden schon Spaß machen.«
Insbesondere die Unternehmer unter den Interviewpartnern betonten, dass die Stiftung für sie nachgerade ein Jungbrunnen ist. Denn das Ausscheiden aus dem Unternehmen bedeutet nur selten das Ende des Unternehmertums. Umso mehr geht es darum, neue Herausforderungen zu finden, um den Tatendrang und die Kreativität zu befriedigen. Ein geeignetes Mittel hierfür ist häufig eine Stiftung, die als gemeinnützige Unternehmung begriffen wird: Die Stiftung »ist für mich wie ein neues Unternehmen auf meine älteren Tage hin, eben zu gemeinnützigen Zwecken«, so der erfolgreiche Unternehmer Herr K. »Es reizt mich, wirklich phantasievoll gestalten zu können, etwas aufzubauen.«