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Farina de Waard

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Beschreibung

Der zweite Teil der Fantasy-Buchreihe »Das Vermächtnis der Wölfe« von Farina de Waard: Flammen, Chaos und Tod … erwarten Zenay, als sie Ornanung erreicht. Sie kommt zu spät, um das Dorf zu retten und muss vor den aufgebrachten Überlebenden die Flucht ergreifen. Eine gefährliche Reise durch die wilde Landschaft Tyaruls beginnt, bei der die Fähigkeiten der jungen Magierin auf eine harte Probe gestellt werden. Die tyrannische Königin lässt derweil nichts unversucht, um Zenay zu finden und setzt einen Kopfgeldjäger auf sie an. Getrieben von dunkler Magie wird die unerbittliche Suche nach der Auserwählten bald zu seinem einzigen Ziel … »Zorn«.  Begeisterte Leserstimmen: »Ich bin restlos überzeugt von diesem genialen Buch und kann es kaum erwarten, den nächsten Band in Händen zu halten.« »Eindrucksvoll, spannend & magisch überrascht »Zorn« mit einer rasanten Story, die den Leser den Atem anhalten lässt. Dieses Buch muss man lesen - es gehört in jedes Bücherregal!« »Sehr empfehlenswert!!! Eine grandiose Fortsetzung, die mich begeistert und völlig in den Bann gezogen hat!! Unbedingt lesen!!«

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Seitenzahl: 1221

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Farina de Waard

Zorn

Das Vermächtnis der Wölfe Teil 2

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Flammen, Chaos und Tod

 

… erwarten Zenay, als sie Ornanung erreicht. Sie kommt zu spät, um das Dorf zu retten, und muss vor den aufgebrachten Überlebenden die Flucht ergreifen. Eine gefährliche Reise durch die wilde Landschaft Tyaruls beginnt, bei der die Fähigkeiten der jungen Magierin auf eine harte Probe gestellt werden.

Die tyrannische Königin lässt derweil nichts unversucht, um Zenay zu finden, und setzt einen Kopfgeldjäger auf sie an. Getrieben von dunkler Magie wird die unerbittliche Suche nach der Auserwählten bald zu seinem einzigen Ziel …

 

»Zorn« ist der zweite Teil der Fantasy-Buchreihe »Das Vermächtnis der Wölfe« von Farina de Waard.

Inhaltsübersicht

Widmung

Prolog

Feuer und Flamme

Leuchtende Verzweiflung

Enttäuschung

Alpträume

Entscheidungen

Neue Wege

Stiller Wald

Fackeln

Entzweit

Bis in den Tod

Das innere Biest

Wahre Wölfe

Altes und Neues

Versunken im Nebel

Auf Reisen

Der große Strom Yoruba

Die Spuren einer Toten

Begegnungen

Gassen und Gewitter

Erinnerungen

Yorubas Kanäle

Unter den Brücken

Staub und Wasser

Momente der Wahrheit

Zwischen den Fronten

Untergetaucht

Schweigen

Düstere Zeiten

Ehrlichkeit

Schicksal

Gen Süden

Magische Versuche

Höhen und Tiefen

Weite Sicht

Die Ruinen von Siad

Die Prüfung

Wille über Macht

Neue Hoffnung

Triumph und Niederlage

Epilog

Glossar

ZWANG

 

 

 

Für alle, die ebenso wie ich davon überzeugt sind,

dass die Welt mit dem Glauben an das Gute

und an die Magie im Menschen

ein Stück besser wird.

 

 

 

Mein Dank gilt Eva und Suell, Bellinda,

Ursula, Anna, Julian, Jäci, Charleen und meinen Eltern.

Vielen Dank für eure ehrliche Meinung,

euer offenes Ohr und Herz.

Prolog

Ruckartig wurde ihr der stinkende Sack vom Kopf gezogen, und vom Schweiß feuchte Haarsträhnen fielen der Frau ins Gesicht.

Grelles Licht blendete sie. Hitze schlug ihr lodernd entgegen, und die rußenden Flammen ließen ihre Augen tränen.

Als die Fackel gesenkt wurde, erkannte sie im flackernden Lichtschein einen düsteren Flur. Die Schemen zweier hochgewachsener Gestalten verstellten ihr größtenteils die Sicht, und sie konnte nicht sagen, wo sie sich befand. Die Betäubung ließ nur allmählich nach, lastete auf ihren Gedanken und machte sie träge und wirr.

Einer der Krieger ging an ihr vorbei; sie hörte, wie seine Schritte am Ende eines Gangs verhallten. Der zweite trat neben sie, wechselte ein paar leise Worte mit einem dritten hinter ihr – erst jetzt bemerkte sie seinen eisernen Griff um ihre auf den Rücken gefesselten Arme.

Zwei also.

Und kein Anzeichen von weiteren Ratken.

Die Furcht raubte ihr beinahe den Verstand. Sie brauchte Gewissheit darüber, was nach der Gefangennahme mit ihrer Tochter geschehen war. Wie hatte es nur so weit kommen können?! Alles war schiefgelaufen, und jetzt befanden sie sich in größter Gefahr. Ihre Tochter durfte auf keinen Fall in die Hände der Königin geraten. Nicht nachdem diese von der Prophezeiung erfahren hatte.

Sie musste entkommen! Sie musste sich losreißen, die Männer irgendwie ausschalten und ihre Tochter finden! Unwillkürlich zuckte sie etwas nach vorne, doch eine kühle Klinge an ihrem Hals beendete den Fluchtversuch, noch bevor er begonnen hatte.

»Versuch das noch einmal, Hexe, und ich schneide dir mit Vergnügen die Kehle durch«, grollte eine tiefe Stimme hinter ihr.

Schmachvoll musste sich Ithilia eingestehen, dass sie keine Chance hatte. Man würde sie in diesem engen Gang sofort wieder überwältigen, selbst wenn sie sich aus dem Griff ihrer Wächter befreien könnte.

Die Klinge blieb weiterhin drohend an ihre Kehle gepresst. Ein Streich würde genügen – und sie konnte spüren, dass es dem Mann hinter ihr in den Fingern juckte.

»Du wirst der Königin doch nicht den Spaß verderben wollen, oder? Nicht auszudenken, an wem sie dann wohl ihren Zorn auslässt«, presste Ithilia zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Schnauze! Mazuk ist gleich zurück; er wird entscheiden, was mit dir geschieht!«

Im nächsten Moment wurde sie zur Seite gedrängt und in einen Raum geschoben.

Gerade wollte sie den Mund aufmachen, da wurde das Messer von ihrem Hals genommen. Der Schlag mit dem Knauf ließ Sterne vor ihren Augen tanzen, bevor alles verschwamm.

Irgendwann wurde ihr klar, dass sie auf die Knie gesackt war und an den Armen gehalten wurde. Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber ihr Schädel pochte.

Diesmal war der Raum dunkler, niemand stand vor ihr, sie starrte auf eine leere, weiße Wand mit braunroten Flecken.

Hinter ihr erklang ein Geräusch, das ihr Blut zu Eis erstarren ließ. Angst zuckte durch ihren Kopf, als die Erinnerungen mit einem Schlag wiederkehrten. Ein Teil von ihr wollte weinen, ein anderer vor Wut laut aufschreien.

Sie versuchte, den Kopf zu drehen und hinter sich zu blicken, doch der Griff eines Ratken verhinderte es.

Da war es wieder, das Wimmern.

Die Pranken schlossen sich fester um ihre gefesselten Handgelenke, als sie sich sträubte. Ein höhnisches Lachen erklang und jagte ihr ein Schaudern über den Rücken. Sie erkannte die Stimme.

»So, du bist also endlich wach?«, raunte Mazuk hinter ihr. »Und auch schon wieder ganz die Alte, wie meine Wächter mir berichtet haben. Denk nicht einmal an Flucht, es würde nicht gut für dich ausgehen.«

»Ich will sie sehen!«, keuchte sie und verdrehte sich fast den Hals, um nach dem jammernden Bündel Ausschau zu halten.

Das Lachen wurde grausamer und näherte sich, dann trat Mazuk in ihr Blickfeld. »Oh, sei unbesorgt, wir kümmern uns um sie.«

Sie wusste nicht, ob sie froh darüber sein sollte, dass nicht er ihre Tochter in seinen Pranken hielt. Sie wollte sehen, dass sie gesund war. Sie in seiner Gewalt zu wissen …

»Wenn du meiner Kleinen auch nur ein Haar kr…«, fing sie an, aber der Schlag seiner Faust setzte ihrer Drohung ein jähes Ende und ließ sie wieder zusammensacken.

Ihr Kopf dröhnte, doch ihren Willen würde er auf diese Weise nicht brechen.

»Du bist nicht in der Position, mir zu drohen! Dein Leben und das deiner Tochter gehören meiner Herrin.«

In den Augen des Ratken glitzerten Genugtuung und Hass zugleich. Sie starrten sich einen Moment an, die Mutter und der aufstrebende Krieger, dann legte Mazuk seine Hand an den Gürtel. Ithilia bemerkte, dass ihr eigener Dolch nun demonstrativ darin steckte, als wäre die Waffe aus dem seltenen dunkelblauen Metall schon immer in seinem Besitz gewesen.

Das erneute Wimmern ließ ihr Herz rasen. Die Vorstellung, was die Tyrannin mit ihrer Kleinen anstellen würde, war unerträglich.

»Möchtest du gern zusehen, wenn ich deine Tochter an meine Königin überreiche? Oh, ich wage es kaum, mir vorzustellen, was sie alles mit ihr machen wird. Wie lange so ein kleines Kind wohl die Folter ertragen kann? Oder du, bevor du bei diesem Anblick wahnsinnig wirst?«

Ithilia knirschte mit den Zähnen. Er schien ihr die Gedanken geradewegs vom Gesicht ablesen zu können.

»Da du ein widerspenstigeres Biest bist, als ich angenommen hatte, werden wir uns hiermit Abhilfe schaffen.« Er ließ etwas Kleines aus seinem Beutel gleiten und hielt es ihr vors Gesicht. Sie brauchte einen Moment, bis sie die schwarzen Blitze im Inneren des hellen Steins bemerkte.

Ein Bilur.

Mazuk trat aus ihrem Sichtfeld, und sie spürte, wie er an ihren Fesseln zerrte. Dann durchfuhr sie die brennende Kälte des Absorbers, der gegen ihr Handgelenk gepresst und mit einem Band so festgeschnürt wurde, dass er in ständigem Kontakt zur Haut stand.

Ihr wurde augenblicklich übel, als der Stein die Magie aus ihrem Körper sog.

Mazuks Schnauben klang zufrieden. »Los, Männer, macht schon.«

Auf seinen Befehl hin wurde sie auf die Beine gezerrt. Die Ratken drehten sie so zur Tür, dass sie keinen Blick in die Ecke des Raums werfen konnte, in der jemand mit ihrer Tochter in seinen groben Armen stehen musste. Der stinkende Atem eines Ratken würde ihr ganz nah sein, seine Klauen würden …

Ein Stoß riss sie aus ihren Gedanken; sie musste unbewusst langsamer geworden sein. Sie verließen das schmutzige Zimmer, gingen durch einen engen Flur und erreichten eine Treppe, die sie beinahe hinunterstürzte, als die Männer sie vorwärtsschoben. Das laute Knarzen des Holzes ließ sie vermuten, dass noch weitere Ratken folgten. Mazuk würde sie und ihre Tochter wohl nicht mehr aus den Augen lassen.

Ich muss etwas unternehmen! Ich muss …

Ihre Kehle schnürte sich zu, kaum hatten sie das untere Ende der Treppe erreicht.

Vor ihnen erstreckte sich ein großer, alter Gewölbekeller, dessen Mitte von einer wabernden magischen Sphäre erhellt wurde.

Nein!

Das Portal knisterte leicht, als die Gruppe eintrat. Fein verästelte Blitze zuckten aus seinem Inneren und liefen an alten Holzfässern entlang, die an einigen Säulen standen.

»Sind wir erst einmal in Tyarul, gibt es kein Entrinnen mehr für dich«, stellte Mazuk fest; seine Stimme triefte vor Genugtuung.

Sie konnte sein Gesicht im Gegenlicht des Portals nicht erkennen, doch sie wusste ganz genau, wie selbstgefällig er grinsen konnte.

»Lasst uns keine Zeit mehr verlieren«, befahl Mazuk und deutete mit einem herrischen Kopfnicken auf das Portal.

»Ach, diese Endgültigkeit. Ich kann sie kaum in Worte fassen. Ich glaube, ich werde es fast vermissen, dich und dein Rebellenpack zu jagen.«

Die Ratken lachten kurz, dann betraten sie den leuchtenden Bereich des Portals, und Ithilia riss überrascht Augen und Mund auf.

Ein beißendes Stechen durchfuhr ihren Körper, strahlte von ihren Händen aus und ließ ihr Herz beinahe stehen bleiben. Sie bemerkte kaum, wie der Raum verschwamm, wie die Welt sich drehte und verschob, wie ihr Körper durch die Magie des Portals in die andere Dimension gezogen wurde.

Der Schmerz wallte durch sie hindurch, beherrschte sie vollkommen und brannte sich in ihren Kopf.

Die Ratken zuckten unwillkürlich zusammen, als sie auf der anderen Seite auftauchten, so laut war ihr Schreien. Sie zerrten sie rasch aus dem Portal, aber der Schmerz hielt an. Es fühlte sich an, als würden ihre Arme mit Säure übergossen.

Dumpfe Worte drangen langsam an ihr Ohr, aber sie brachte nicht mehr als ein Stöhnen hervor. Sie spürte, wie die Tränen unkontrolliert über ihr Gesicht rollten. Die Säure hatte sich jetzt bis zu ihren Schultern vorgefressen und ließ sie wieder schreien.

Ihre Arme brannten so schrecklich, dass es ihr die Sicht vernebelte. Die saugende Wirkung des Bilurs war so stark, dass ihr Magen rebellierte. Ihre Beine konnten sie nicht mehr tragen, die Ratken schleiften sie fort vom Portal und durch ein offenes Tor.

Kaum hatten sie den Raum verlassen, ging es ihr schlagartig besser. Sie fühlte kaum noch Schmerzen, nach mehrfachem Blinzeln klärte sich ihre Sicht wieder. Mazuk beobachtete sie mit einem Schmunzeln.

Ithilias Arme kribbelten noch immer, und sie spürte, wie der Bilur an ihrer Hand schwach vibrierte. Schweiß rann ihr in die Augen, aber sie ignorierte es und starrte in Mazuks Gesicht.

»Der Absorber muss einen Riss haben, sonst hätte sie nicht so reagiert«, mutmaßte einer ihrer Wächter, aber Mazuk schnaubte nur.

»Hauptsache, sie überlebt die nächsten Korridore.«

Er nickte mit dem Kopf, Zeichen genug für seine Männer, die schwer atmende Gefangene weiterzuschleifen.

Es dauerte einen Moment, bis sich Ithilias Herzschlag wieder so weit beruhigt hatte, wie es die Angst um ihre Tochter zuließ. Immerhin hatten die alles verzehrenden Schmerzen nachgelassen.

Das ist nichts im Vergleich zu dem, was dir bei Zayda blüht …, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Kopf.

Sie waren erst wenige Schritte gegangen, als sie wieder anhielten.

Ein alter Sklave hastete den Gang entlang, blieb mit gesenktem Kopf vor Mazuk stehen. Er hielt ihm eine Nachricht hin, die der Krieger entgegennahm und rasch überflog. Dann steckte Mazuk sie in seinen Mantel und verscheuchte den Diener mit einer üblen Bemerkung.

»Mir ist gerade ein interessanter Gedanke gekommen. Vermutlich wird sie dein Mädchen gar nicht töten! Nein, sie wird sie als ihr eigenes Fleisch und Blut aufziehen, um sich so ihre zukünftige Macht zu sichern.«

Mazuk lachte grausam, ehe er sich plötzlich umdrehte, um sich an dem entsetzten Ausdruck in ihrem Gesicht zu weiden.

»Behaltet Ithilia hier, ich nehme das Mädchen.«

»Nein! Trenn mich nicht von ihr!«

»Es ist der Wunsch unserer Herrin, zuerst nur das Kind zu sehen. Um dich kümmert sie sich noch, keine Sorge. Männer, ihr bringt sie in den Dom, bis Zayda sie sehen will.«

Einer der Krieger aus Mazuks Gefolgschaft ging an ihr vorbei. Er trug ein Bündel in den Armen. Ithilia erstarrte, und ihr Blick heftete sich daran. Einen kurzen Moment meinte sie, die blauen Augen ihrer Tochter erkennen zu können.

Zu sehen, wie der Ratke sich abwandte und Mazuk folgte, ließ ihren Überlebenswillen mit einem Schlag aufflammen. Neue Energie durchflutete ihren Geist und ihren Körper.

So schwer es ihr auch fiel, sie zwang sich, die Augen zu schließen und sich zu konzentrieren. In ihrem Inneren pulsierte ein schwacher Strom aus Magie, der mit jedem Moment, den sie langsam ein- und ausatmete, wuchs und an Kraft gewann.

Die Schritte vor ihr verhallten, Mazuk und ihr Mädchen waren fort.

Ich finde dich, meine Kleine. Egal wo du bist.

Sie ließ den Kopf hängen, atmete weiter und versuchte krampfhaft, die Hand des einen Wächters zu ignorieren, die langsam zu ihrer rechten Brust wanderte.

Sie wollen dich verhöhnen, dir das letzte bisschen Ehre nehmen. Lass dich nicht ablenken!

Ein letztes Mal atmete sie ruhig aus, dann hob sie den Kopf und öffnete die Augen. In ihnen brannte ein leuchtendes Feuer.

Innerhalb eines Wimpernschlags setzte sie alle magischen Kräfte in ihrem Körper frei und lenkte sie zu ihren gefesselten Händen, wo der Bilur sie aufnahm. Die Energie war flammend heiß und von einer ganz anderen Natur als ihre normale Magie.

Der Absorber hat einen Riss.

Die Explosion zerriss die Stille und schleuderte die beiden Wächter von ihr fort. Gleichzeitig wurde sie nach vorne geworfen, spürte heiße Flammen über ihre Haut züngeln und das Prickeln der Magie, die den Raum schlagartig erfüllte.

Die Ratken krachten rechts und links an die Wand des Durchgangs und rutschten betäubt daran herunter, während Ithilia zu Boden stürzte und sich abrollte, so gut es ihre gefesselten Hände zuließen.

Fluchend erkannte sie, dass der plötzliche Druck die Seile nicht zerrissen hatte und ihre Situation kaum verbessert war. Mazuk hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Seile mussten magisch behandelt worden sein.

Sie rappelte sich auf und wankte zu dem nächstliegenden Ratken, ließ sich seitlich neben ihm auf die Knie sinken und fingerte mit ihren gefesselten Händen nach dem Messer an seinem Gürtel. Ihre Arme und Hände brannten wie Feuer; sie war froh, dass sie überhaupt noch etwas mit ihnen anstellen konnte.

Nach einigen Flüchen und nervösen Blicken den Gang entlang hatte sie das Messer aus der Scheide gezogen und in ihren Händen gedreht. Sie stand auf, drückte sich mit dem Rücken an die Wand und presste die Klinge gegen die Fesseln.

Das gleichmäßige Ratschen der zerschnittenen Fasern schien kein Ende nehmen zu wollen, bis der Druck auf ihre Handgelenke endlich nachließ. Sie schüttelte die Seilstücke ab, packte das Messer fester und schlich geduckt los, um Mazuk zu finden.

Ihre Füße und Beine kribbelten, fühlten sich taub und kalt an, aber sie ignorierte die Schwäche und fokussierte ihre Kräfte, während sie weitereilte.

Als sie durch mehrere Türen und angrenzende Gänge geschlichen war, erspähte sie Mazuk und seinen Begleiter, wie sie um die nächste Ecke bogen.

Sie flog beinahe hinterher, hielt das Messer bereit – bündelte ihre letzten Kräfte und schleuderte Mazuk einen Blitz entgegen, kaum war sie um die Biegung herum. Der Ratke ächzte und torkelte gegen die Wand. Qualm stieg von seiner Lederrüstung auf, während seine Arme unkontrolliert zuckten und kleine Restladungen über seinen Körper tanzten.

Der andere Wächter wirbelte herum, konnte aber keine Waffe zücken, da er das Kind in den Armen hielt.

Ithilias Messer durchbohrte seine Kehle. Der Ratke gab ein gurgelndes Geräusch von sich und sackte gegen die Wand. Blut lief über sein Wams, tränkte den Stoff des Bündels. Noch während er zusammenbrach, entriss Ithilia ihm das Kind und presste es an ihre Brust.

Sie wollte gerade das Messer aus dem sterbenden Körper ziehen, als sie im Augenwinkel eine Bewegung ausmachte. Mazuk hatte die Kontrolle über seinen Körper wiedererlangt, rappelte sich auf und griff bereits nach ihr und der Kleinen.

Vor Wut schreiend, verpasste sie ihm einen Faustschlag ins Gesicht, ließ schnell von ihm ab und hastete zurück in Richtung des Portalraums.

Sie stürzte durch mehrere Türen, Gänge und Tunnel, ehe sie zum Stehen kam. Das Bündel in ihren Armen regte sich schwach. Ihr Blick fiel auf das Tor der Portalkammer am Ende des Ganges. Jemand schritt gerade durch den offenen Eingang und betrat den Raum, aus dem pulsierendes bläuliches Licht in den düsteren Gang sickerte.

Ihre Beine setzten sich wie von selbst in Bewegung. Dies war ihre einzige Chance.

Wenn das Tor sich schloss, würde sie es ohne einen Speicherstein nicht wieder öffnen können.

Der Atem brannte ihr in der Lunge, während sie so schnell wie möglich zu der großen Steintür rannte, die allmählich von selbst zuging.

Als sie das Tor erreichte und sich durch den enger werdenden Spalt schob, erfüllte ein Knirschen die Luft. Von draußen hallte Mazuks wütender Ruf durch die Spalte, dann fiel der Stein mit einem leisen Klicken zu. Ein magisches Knistern zeugte davon, dass sich das Tor vollständig geschlossen hatte.

Sofort ließ Ithilia den Blick durch den hohen säulengestützten Raum schweifen, der von blauem Licht erhellt wurde. Sie war allein. Wer auch immer vor ihr eingetreten war, musste schon durch das Portal auf die andere Seite gewechselt sein.

Sie durfte keine Zeit verlieren, egal, wie viele drüben warten mochten. Nichts konnte schlimmer sein, als wieder in die Hände von Mazuk und damit in die grausamen Klauen der Königin zu fallen.

Und sie hatte nur wenige Augenblicke Zeit, bevor er das Tor wieder öffnen konnte.

Sie presste ihre Tochter an die Brust und trat in den Energiesog des Portals.

Die Magie riss sie hinüber in die andere Dimension, diesmal ohne Schmerzen, da der Absorber fort war. Nur die übliche leichte Betäubung machte sich bemerkbar.

Sie wartete gerade so lange, bis sie ihre Beine wieder fühlen konnte, dann hetzte sie los.

Der Ratke, der kurz vor ihr durch das Portal getreten sein musste, hatte einen Weinschlauch entkorkt und wollte soeben den anderen etwas in ihre Trinkhörner einschenken.

Anscheinend sollte ihre Gefangennahme gebührend gefeiert werden.

Sie sah alles wie in Zeitlupe. Der Mann drehte sich, als ein Blitz aus dem Portal schoss und sie darin auftauchte. Er senkte den Schlauch, öffnete den Mund. Auch die anderen Krieger hatten sie gesehen.

Wein spritzte durch den Raum, während sich der Mann ihr entgegenwarf.

Ithilia stürzte auf ihn zu, duckte sich im letzten Moment und tauchte unter seinem Griff hindurch. Sie spürte, wie seine Hand einige ihrer Haare erfasste und ausriss, dann hetzte sie weiter und ließ die Ratken mit offenem Mund hinter sich.

Die Treppe hoch, den Gang entlang.

Hinter ihr schrien die Männer wild durcheinander und polterten die Stufen hinauf. Ein lauter Befehl mischte sich dazu. Mazuk war durch das Portal gekommen.

Ithilia blickte sich hektisch um. Der Gang endete in einem großen Raum, aber alles schien verbarrikadiert. Nur bei einem der niedrigen Fenster drang etwas Licht zwischen ein paar Spalten der morsch aussehenden Bretter hindurch. Sie rannte darauf zu, nutzte den Schwung und trat mit dem Fuß dagegen.

Die Stimmen wurden lauter, die Ratken waren jetzt im Gang.

Das Fenster flog auf, und sie schwang sich hastig hinaus.

Draußen war es dunkel und kalt. Sie kam auf dem nassen, rutschigen Pflaster auf, schwankte kurz und fand dann ihr Gleichgewicht wieder. Ohne auf die Verfolger zu achten, wandte sie sich ab und hastete die Gasse hinunter.

Ein wütendes Brüllen schallte die enge Straße entlang, die Verzweiflung beflügelte Ithilia und gab ihr neue Kraft.

Eine Weile waren nur ihre hallenden Schritte und ihr heftiger Atem zu hören – dann huschte Ithilia um die nächste Hausecke und hielt inne.

Im Schein einer Straßenlaterne wagte sie es, einen kurzen liebevollen Blick auf das kleine Gesichtchen in dem Lumpenbündel zu werfen. Die Augen ihrer Tochter waren vom vielen Weinen gerötet, aber das konnte das strahlende Blau nicht mindern.

Die Mutter riss den Blick los. Sie durfte keine Zeit verlieren.

Es grenzte an ein Wunder, dass ihr diese Flucht gelungen war, doch die Königin und ihre Handlanger waren ihr auf den Fersen. Sie waren sicher nicht dumm, und sie würden niemals aufgeben. Ein talentierter Magier würde ihre Spur bald wieder aufnehmen können, egal wohin sie fliehen mochte.

Mazuks bestialisches Brüllen hallte noch immer in ihren Ohren.

Zitternd drückte sie das Kind an sich und rannte weiter die Gasse entlang ins Herz der fremden Stadt.

Feuer und Flamme

Es war düster, als die Ratkenkrieger endlich den Waldrand erreichten und die wenigen Lichter erspähten, die das Dorf in der fortgeschrittenen Dämmerung verrieten. Ikars rot glitzernde Augen verweilten auf der alten Siedlung, die er in Gedanken schon dem Untergang geweiht hatte.

Euphorie erfasste den Kopfgeldjäger wie eine Droge, als er daran dachte, dass seine lange Suche endlich ihr Ziel erreicht haben könnte.

Nein, musste! Denn alle Informationen, die er in den letzten Wochen gesammelt hatte, deuteten darauf hin, dass die gesuchte Magierin sich in diesem Dorf befand. Jetzt musste er sie nur noch einfangen, dann war ihm ewiger Ruhm sicher. Die Königin würde ihn reich belohnen.

»Wie gehen wir vor, Ikar?«, fragte sein zweiter Mann, der Ratke Yatim, und auch die anderen Krieger wandten sich mit gespannten Gesichtern ihm zu, kaum dass sie haltgemacht hatten. Zwei Dutzend gelbe Augenpaare ruhten auf ihm, und gelegentlich blitzten spitzgefeilte Zähne in der Dunkelheit auf.

Sie standen jetzt am Rand der Felder, geschützt durch ein letztes Dickicht. Die Krieger mussten ihre Blutgier mit Gewalt zügeln, um nicht ihre Schwerter und Äxte hochzureißen und wild schreiend auf das Dorf loszustürmen.

»Wir bilden drei Gruppen und greifen gleichzeitig an mehreren Stellen an, wie üblich. Wenn ihre Freunde in Gefahr sind, wird sich die Magierin zeigen, also zündet einige Häuser an und treibt alle Leute auf dem Dorfplatz zusammen. Sobald sie auftaucht, setzt ihr die Absorber ein.«

Er griff in seine Tasche und gab zwei Männern jeweils zwei Bilure, Yatim war der eine, den Namen des anderen hatte er sich nicht gemerkt. Aber er wusste, dass er sich auf jeden Einzelnen seiner Krieger absolut verlassen konnte. Er hatte in den letzten Wochen genau beobachtet, wie befehlstreu sie waren. Seine Anordnungen dienten den Zielen ihrer Königin, sie würden ihm widerspruchslos folgen, davon war er überzeugt.

»Ihr seid wie ich dafür verantwortlich, dass sie magisch geschwächt wird, wenn sie in eurer Nähe angreift. Außerdem führt ihr die beiden anderen Gruppen an. Wir umzingeln die Magierin und fangen sie ein.« Die beiden nickten, dann sah er noch einmal in die Runde. »Ihre Gefangennahme hat oberste Priorität, sollten die Dorfleute fliehen und sie zurücklassen, dann lasst sie ziehen, verstanden?«

Die Ratken um ihn herum nickten.

Ein süffisantes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. »Ich kenne mich mit Möchtegern-Magiern aus. Sie wird kein Problem mehr darstellen, sobald ich in ihre Nähe gelange. Lockt sie zum Dorfplatz. Wenn sie bei einem von euch auftaucht, dann kümmere ich mich um den Rest.«

Die Ratken erwiderten sein Grinsen. Sie zogen ihre Waffen und lockerten Arme und Schultern. Mehrere zündeten Fackeln an und hielten sie nah am Boden, um ihren Lichtschein zu mindern.

Ikar konnte ihnen ansehen, dass es genau das war, was sie wollten. Die lange Suche, bei der ihnen nur erlaubt gewesen war, zu marschieren und bedrohlich auszusehen, war endlich vorbei. Es war Zeit, die Waffen sprechen zu lassen.

Die nächsten Augenblicke flogen förmlich dahin. Kaum waren sie bereit, schossen die Ratken wie Pfeile aus dem Unterholz des Waldes und huschten lautlos über das Feld, das dunkel und verlassen am Dorfrand lag.

Ikar war überrascht über ihre Präzision, denn bisher hatte er Ratken immer nur als grobschlächtige Biester betrachtet. Vielleicht hatte sein Geschick während der Zusammenarbeit einfach auf sie abgefärbt. Sie waren jetzt vollkommen ruhig und konzentriert.

Noch im Kornfeld trennten sich die drei Gruppen. Sie erreichten die ersten Häuser, ohne dass jemand sie bemerkte.

Ikar führte seine Männer über die Hauptstraße in das ruhig daliegende Dorf. Der einzige Bewohner auf dem Marktplatz, ein alter Mann, hörte ihre Schritte und drehte sich unglücklicherweise um.

Er hatte keine Zeit mehr, zu schreien. Ikar schwang in einer fließenden Bewegung seinen Dolch und durchschnitt ihm die Kehle. Die Ratken schwärmten aus und hielten nach weiteren Leuten Ausschau.

Ikar beobachtete, wie die Augen des Alten erloschen und sein Gesicht sich von einem Moment auf den anderen von einer angsterfüllten Grimasse in leblose Entspannung verwandelte.

Der Tote sank lautlos neben dem Brunnen zu Boden.

Das Adlerauge gab einen Befehl, und sie zogen sich an den Rand des Dorfplatzes zurück, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Ikar konnte spüren, dass die Ratken darauf brannten, ebenfalls zu töten, ihre Waffen Blut schmecken zu lassen.

Sie brauchten sich nicht lange zu gedulden.

Ikar ließ seinen Blick über das noch stille Dorf wandern. Die anderen Ratken mussten jetzt ebenfalls in Position sein.

Im Haus neben ihnen erhellte Kerzenlicht einige Fenster. Es würde bald nicht mehr das Einzige sein, das leuchtete. Er sah durch das Glas verschwommen eine Person, die aber wieder verschwand.

»In diesem Haus hier ist jemand, geht rein und greift an! Zündet alles an, dann erhalten wir sicher etwas Aufmerksamkeit von unserer Gesuchten.«

Einen Augenblick später kam ihm noch ein Gedanke. Warum eigentlich nicht? Sobald er das Mädchen hatte, würden ihm alle Reichtümer offen stehen. Also zog er einen der letzten Bilure aus seiner Tasche und drückte ihn einem Ratken in die Hand. Der Stein glühte rot und pulsierte, als sei er bereits aktiv. Der Ratke sah Ikar fragend an.

»Wirf ihn, er wird eine Explosion verursachen, das sollte diese Bauern aufrütteln. Danach kommt ihr wieder zu mir, und wir treiben alle zusammen, die aus ihren Häusern laufen.«

Jetzt grinste der Ratke, nickte zum Eingang des Hauses, und die anderen Männer folgten ihm. Ikar blieb im Garten zurück und wartete, den Blick auf den Platz gerichtet, wo nichts außer dem zusammengesunkenen Mann im Schatten des Brunnens auf etwas Ungewöhnliches hinwies.

Einen Moment später ertönte ein splitterndes Krachen, als seine Ratken die Tür aufbrachen.

Beinahe zeitgleich brach auch an anderen Stellen im Dorf Lärm aus.

Aus dem Haus neben ihm ertönte plötzlich ein Aufschrei, dumpf, aber deutlich zu hören – dann erschütterte eine Explosion den Boden. Ein Schwall aus Flammen brach aus dem Dach und riss schwelendes Holz und Reet mit sich, das wie glühender Regen auf die Wiese hinter Ikar prasselte.

Hilferufe hallten jetzt aus allen Richtungen, während Ikar beobachtete, wie flackerndes Licht das Ende einer Straße erleuchtete. Bald war der ganze Ort mit Rauch verhangen, der durch die Feuer gelb glomm.

Die Ratken kamen aus dem brennenden Haus und scharten sich um ihn. Sie lachten darüber, wie der Mann im Inneren von der Explosion überrascht worden war.

»Jetzt wissen alle in diesem Nest voller Verräter, dass sie dem Untergang geweiht sind. Die Magierin wird sich bald zeigen, da bin ich mir sicher. Geht zu den nächsten Häusern und – ach, kümmert euch um die Männer, die da vorne dumm genug sind, uns entgegenzutreten.«

Ikar deutete auf die andere Seite des Dorfplatzes, wo mehrere Schemen mit Äxten und Mistgabeln im Rauch zu erkennen waren. Seine Männer nickten und machten sich auf den Weg. Sie wurden von dichten Rauchschwaden verschluckt, und das Klirren der ersten aufeinandertreffenden Waffen hallte über den Platz.

Seine Anspannung stieg. Sie musste jetzt auftauchen! Vielleicht kämpfte sie in einer der Gassen?

Nein, so groß war der Ort doch nicht, er müsste es mittlerweile hören, wenn sie schon da wäre … Wo steckte sie nur?

Sein Blick huschte von einer Bewegung zur nächsten, er blendete die kämpfenden Ratken und Dorfleute weitestgehend aus und achtete auf alles, was nicht dazugehörte.

Da! Eine junge Frau rannte geduckt über den Platz, genau auf ihn zu!

Er schnellte vor und packte sie am Arm. Sie schrie auf und wand sich – ihr Haar war voller Ruß, hatte nur deshalb dunkel gewirkt. Die Blonde sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an, da stieß er sie weg. Sie fiel ächzend zu Boden und kroch weinend davon. Ikar kam bei ihrem erbärmlichen Anblick ein kurzes Lachen über die Lippen, dann zog er sich wieder von der Mitte des Platzes an seinen alten Platz zurück, um weiter beobachten zu können. Neben ihm knackte und prasselte es in dem angesteckten Haus, und Hitze breitete sich aus.

Sie musste hier irgendwo sein!

Nach und nach versiegte seine Geduld. Hier stimmte etwas nicht. War sie etwa so gut ausgebildet, dass seine Krieger gar nicht bemerkten, wie sie angriff? Sie sollten sie aufscheuchen und zu ihm locken … stattdessen wurde der allgemeine Kampflärm immer lauter.

Er überlegte, ob er den Ratken auf der anderen Seite des Platzes helfen sollte. Einige dieser Dorfleute waren doch ziemlich zäh, das musste er ihnen lassen.

Dann sah er im Augenwinkel eine Bewegung im Schatten. Dort versteckte sich jemand im Rauch … Konnte sie es sein? Vorfreude breitete sich in ihm aus. Rasch packte er seine Waffen und machte sich bereit, sie sich endlich zu schnappen. Er schwelgte in freudiger Erwartung darauf, wie er Schmerz und Verzweiflung in ihr hübsches Gesicht zaubern würde.

Ihr Bild stand ihm ganz klar vor Augen.

Da zuckte er zusammen, als ihn ein Schlag am Hinterkopf traf.

Ein kurzer stechender Schmerz machte sich in seinem Kopf breit und glühte dort mit großer Intensität. Instinktiv duckte Ikar sich weg, wirbelte herum und riss seine Waffen hoch – aber da war niemand. Er fasste sich an den Hinterkopf und entdeckte einen Stein auf dem Boden. Jemand musste ihn geschleudert haben, aber der Angreifer war nicht zu sehen. Ikar schnaubte und wollte im Gebüsch am Ende der düsteren Wiese Deckung suchen, als einige Ratken aus dem Rauch gerannt kamen und vor ihm stehen blieben.

Sofort senkte er die Hand und wartete auf ihren Bericht. Sie überstürzten sich mit ihren Aussagen, während Lärm vom Dorfplatz herüberhallte.

»Sie kommt nicht!«, rief einer der Ratken, kaum waren sie bei ihm angekommen.

»Diese Magierin ist nicht hier!«

»Wir sollten sie alle töten!«

Ikar hob die Hand, um das Durcheinander zu stoppen. »Nein! Sie muss hier sein! Wenn sie nicht von selbst herauskommt, dann zündet alle Häuser an und sucht sie! Treibt die restlichen Leute zusammen!«

»Wie sieht diese Frau denn aus, die wir fangen sollen? Du hast sie uns nie richtig beschrieben!«, meinte Yatim, und Ikar gefiel der Tonfall des Ratken ganz und gar nicht.

Noch während Yatim sprach, umfasste das Adlerauge seine Waffen noch fester und hielt sie ihm vor die Nase.

»Nicht in diesem Ton. Wir finden sie«, sagte er mit eisiger Stimme.

Er griff auf die Erinnerung zurück, die ihm die schwarze Königin gegeben hatte. Krampfhaft versuchte er, das Bild in seinem Kopf zu klären. Vergeblich, es blieb verschwommen. War der Schlag auf seinen Kopf etwa so stark gewesen? Er konnte sich nicht mehr ins Gedächtnis rufen, wie das Mädchen aussah …

Verwirrung machte sich in ihm breit. So etwas passierte ihm nicht! So etwas geschah einfach nicht.

Seine Gedanken rasten, während er nach einer Ausrede suchte, bei der er sein Gesicht wahren konnte.

Vielleicht, wenn er sie vor sich sah!

Genau! Er wandte sich mit ernster Miene an die Ratken. »Wenn sie zu feige ist, holen wir sie uns eben mit Gewalt! Bringt mir alle jungen Frauen mit welligem braunem Haar! Ich suche sie dann selbst heraus. Zündet die Häuser an, in denen ihr eine passende Frau findet, wir wollen ein möglichst großes Durcheinander. Gebt acht wegen ihrer Magie, also fesselt jeder sofort die Hände oder schlagt sie bewusstlos.«

Er hob die Hand, um die Krieger zu ermahnen, als sie losstürzen wollten. »Ich sagte bewusstlos. Nicht tot. Also geht behutsam mit den Frauen um, verstanden?«

Grummelnd machten sie sich auf den Weg.

Bald mischten sich unter das Kampfgebrüll von Ratken und Dorfleuten auch noch die Schreie von Frauen. Ikar hörte es mit Genuss.

Nach einer Weile kam eine kleinere Gruppe zu ihm. Die Ratken zerrten eine Reihe von Frauen hinter sich her und trugen manche. Der Lärm auf dem Dorfplatz und in den Straßen war noch lauter geworden, zum Gebrüll der Kämpfenden mischte sich das laute Prasseln und Knacken der brennenden Häuser. Ein Pfeil zischte durch die Rauchschwaden, nur knapp an Ikar vorbei, und machte ihn nur noch wütender. Das dauerte alles viel zu lange!

»Was ist da los? Ich will einen Bericht!«, rief Ikar und schirmte seinen Blick gegen die hellen Flammen ab, um die Gesichter der Männer vor sich besser erkennen zu können. Einige von ihnen hatten Wunden und waren rußverschmiert, einer hinkte. »Na los!«

»Sie wehren sich, Ikar! Wir sind ihnen zahlenmäßig unterlegen, sie werden uns besiegen!«

Unglaube machte sich in ihm breit. Nein! Das kann nicht sein! Das sind nur Bauerntrampel, die können keiner Truppe Ratken standhalten, schon gar nicht, wenn sie von mir geführt werden!

»Es war falsch, sie direkt anzugreifen!«, rief ein anderer Ratke – da riss Ikar seine Waffen hoch und blickte sie alle drohend an.

»Nichts war daran falsch! Ihr seid Ratken! Wir werden nicht geschlagen und wir haben jetzt, was wir wollten!« Er deutete mit seiner Axt auf die Reihe zusammengekauerter Frauen, die die Ratken eingesammelt hatten. »Sind das alle?«

»Ja, alle anderen waren zu alt oder zu jung.«

»Gut, dann ziehen wir uns zurück. Das Dorf brennt ohnehin nieder«, befahl er mit einem Blick auf die Frauen, konnte aber in dem Rauch und den flackernden Schatten nicht erkennen, welche von ihnen die Richtige war. Sie wandten alle den Blick ab, keine forderte ihn heraus … Er sah nur verängstigte, rußverschmierte Gesichter. Sie versteckte sich zwischen den anderen! Sie kämpfte nicht! Er schnaubte, als er erkannte, wie einfach das gewesen war. Sie musste ein elendiger Schwächling sein!

Er schüttelte den Kopf, um ihn freizubekommen, und gab dann das Zeichen zum Aufbruch. »Du!«, er deutete auf Yatim, »Trommel die restlichen Männer zusammen und führ sie aus dem Dorf, wir treffen uns am Waldrand wieder.«

Der Ratke neigte zustimmend den Kopf, dann eilte er zurück in die Mitte des Dorfes. Sein Ruf zum Sammeln hallte laut durch den Lärm.

»Wir bringen die Frauen raus, die anderen kommen gleich nach«, befahl er den Umstehenden. Sie schleiften die weinenden, teilweise auch ohnmächtigen Frauen und Mädchen von der Wiese fort und über das Feld.

Wenig später erklangen Rufe hinter ihnen, und die restlichen Ratken schlossen zu ihnen auf. Es waren weniger als noch vor dem Angriff.

»Sind das alle?«

Sein zweiter Mann nickte. »Die anderen sind verloren.«

Ikar nickte kurz.

Er wollte keine Zeit mehr verlieren, öffnete einen Beutel an seinem Gürtel und zog den letzten Bilur hervor. Kaum gerieben, glühte er auf und verschluckte ihn, die Ratken und ihre Gefangenen.

«†»

Die Rufe wurden lauter.

Von fern drang das Schreien von Kindern und Frauen, das Krachen von Holz und splitterndem Glas an Zenays Ohr.

Einen Moment wollte der jungen Magierin das Herz stocken, als sie an den Traum dachte, in dem man sie, Tarek und Shetan festgehalten hatte.

Das ganze Dorf hatte sich in diesem Alptraum gegen sie gewandt – und sie konnte es ihnen nicht einmal verübeln. Warum sollten die Leute sie auch weiterhin schützen, nachdem sie von ihren Kräften erfahren hatten? Es war verboten, Magie zu wirken … und dann war dieser Fremde im Dorf aufgetaucht und hatte Fragen gestellt. Der Versuch, sich eine Weile außerhalb von Ornanung an dem See zu verstecken, hatte alles nur schlimmer gemacht.

Falkir war gestorben, und jetzt brannte es im Dorf …

Würden die Dorfleute wirklich so etwas tun? Ihren Freund und ihren Mentor dafür verantwortlich machen, was am See geschehen war? Nein, sie mussten doch verstehen, dass die beiden keine Schuld daran trugen.

Nur weil du im See warst, ist Falkir ertrunken. Weil er dir helfen wollte, ist er jetzt tot, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Kopf. Deine magische Ausbildung ist der Grund.

Doch dann mischten sich andere Laute unter den Lärm, das Klirren von Waffen. Würde man ihre Freunde tatsächlich angreifen?

Zenay lief jetzt immer schneller durch das Dickicht; Äste schlugen ihr ins Gesicht und zerkratzten ihre Arme und Wangen, doch sie spürte keinen Schmerz. All ihre Gedanken galten Tarek und ihren Freunden.

Ich bin noch so weit entfernt! Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig …, dachte sie, zwang sich dann aber, konzentriert zu bleiben.

Immer weiter rannte sie, so schnell sie konnte, bis sie fast zusammenbrach und schließlich einen Moment innehalten musste. Sie stemmte die Arme in die schmerzenden Seiten und keuchte, weil sie kaum noch Luft bekam. Sie lief wieder los, blieb dann jäh stehen und hätte sich am liebsten für ihre eigene Dummheit geohrfeigt. Sie war so plötzlich aus dem Schlaf gerissen worden, dass sie nicht nachgedacht hatte. Sie konnte sich doch teleportieren!

Rasch schloss sie die Augen. Alles wurde von Nebel verschlungen, als sie ihre Magie bündelte und in die Nähe des Dorfes leitete. Die Welt drehte sich, die Energie rann aus ihrem Körper und ließ ein schwaches Gefühl der Leere zurück. Als Zenay die Augen wieder öffnete, stand sie am Waldrand und blickte auf die Felder und die orangefarben leuchtenden Rauchsäulen.

Der Lärm war jetzt plötzlich schwächer, der Kampf schien vorbei. Entsetzen breitete sich auf Zenays zerkratztem Gesicht aus, als sie die Felder entlanghetzte.

Sie sprang über den Graben am Straßenrand, flog die letzten paar Schritte nur so dahin und erreichte den Platz von Ornanung – was sie erwartete, war der Anblick von Tod und Zerstörung. Hitze waberte in der Luft. Fast jedes Haus am Dorfplatz brannte lichterloh, überall lagen Holzsplitter und glimmende Asche. Mehrere der Stände auf dem Platz waren zertrümmert, dazwischen lagen Schemen. Menschen.

Zenay stolperte durch den Rauch und Ruß, der sich auf alles legte, und spürte, wie die Angst sie übermannte.

Das konnte nicht passiert sein, nur weil ein paar Leute wütend auf Tarek und ihre Freunde waren. Es musste ein Angriff von Fremden gewesen sein.

Wer auch immer das getan hatte, war nicht mehr im Dorf, hatte aber fast alles zerstört. Einen Moment hörte Zenay nichts als das dröhnende Prasseln des Feuers, dann drangen wieder Rufe und Schreie an ihr Ohr.

Tränen flossen über ihre Wangen, als sie vor Shetans Haus zum Stehen kam – oder zumindest vor dem, was davon übrig war.

Flammen leckten aus den geborstenen Fenstern und spien Rauch und Funken in den Himmel, dicker Qualm quoll an einer Stelle aus dem Dach.

Zenay wankte und sah sich um, konnte aber Tarek nirgends entdecken. Er musste helfen, aber wo? Und wo war Shetan? Der Rauch hing so dicht zwischen den Häusern, dass sie selbst mit Magie auf ihren Pupillen kaum jemanden erkennen konnte.

Das Haus neben der Schenke brannte nur im Untergeschoss. Männer eilten heran und versuchten, den Brand mit Eimern voller Wasser zu löschen. Zenay riss sich zusammen und ging zu ihnen hinüber. Ihre Angst verflog für einen Moment, und Erleichterung machte sich in ihr breit, als sie eine bekannte Gestalt im Rauch erspähte.

Jesco stand auf dem Platz und gab Anweisungen in seiner typischen gefassten Art. Er war wie immer ein Fels in der Brandung, sorgte mit seiner charismatischen Ausstrahlung für Ruhe und Ordnung. Als Zenay näher kam, erkannte sie eine lange Schnittwunde an seinem Arm. Jesco sah sehr mitgenommen aus. Conroy, sein Vater und Vorsteher des Dorfes, war nicht bei ihm, und so gab er die Befehle.

»Jesco, was ist passiert? Wo sind Tarek und Shetan?«

Seine Miene erhellte sich, als er sie erblickte, und er drückte sie kurz an sich.

»Sina, du bist in Ordnung? Wir dachten, die Ratken hätten dich mitgenommen …« Ein Schatten huschte über sein Gesicht, dann fasste er sich wieder. »Ich weiß nicht, wo Tarek ist, aber Shetan steht da hinten. Er wird wissen, wo Tarek hilft.« Er deutete zwischen den anderen hindurch auf eine schemenhafte Gestalt, die weitgehend von Rauchschwaden verdeckt war und am Rand der Wiese vor dem brennenden Haus stand. Sie hatte ihn vorher nicht bemerkt.

»Was ist passiert?! Wa…«

Jesco hob die gesunde Hand und unterbrach sie. »Dafür ist jetzt keine Zeit. Die Ratken sind weg, aber das Feuer ist noch nicht unter Kontrolle.«

Zenay schluckte und nickte. Übelkeit breitete sich in ihrer Magengegend aus. Ratken waren hier gewesen, und sie hatte keine Ahnung, wie es ihren anderen Freunden ergangen war. Jesco hätte es ihr doch gesagt, wenn jemandem etwas zugestoßen war, oder? Er hatte den Überblick über diese Katastrophe und wirkte ruhig. Also musste es den anderen gutgehen.

Sie gab sich einen Ruck und verkniff es sich, nach Asyra, Elaya und Malak zu fragen. »Ka-kann ich dir irgendwie helfen? Zeig mir deinen Arm«, verlangte sie mit zittriger Stimme und streckte die Hände bereits nach der Verletzung aus.

»Ach was, das geht schon. Au! Nicht anfassen, der Schnitt ist tief!« Er verstummte, denn Zenay legte ihre Fingerspitzen vorsichtig auf den Schnitt. Heilende Magie floss in seinen Körper, bis sich die klaffende Wunde schloss. Sie verzog das Gesicht, als sein Schmerz durch die Magie auf sie überging, gab aber keinen Laut von sich. Jetzt blieb keine Zeit, um zu jammern.

Jesco sah sie ganz merkwürdig an, ehe er wieder ernst wurde. »Ich … danke. Jetzt geh zu Shetan und frag, wo Tarek hilft. Er wird unbedingt wissen wollen, dass es dir gutgeht. Ich muss hier bleiben.«

Zenay nickte und lief hastig zum Magier, der etwas abseits stand und mit gläsernen Augen auf das brennende Haus starrte. Die Hitze brandete ihr entgegen und zwang sie, einen gebührenden Abstand zu halten. Rauch und Asche schwebten über den Platz. Sie rief schon von weitem nach ihm, doch er reagierte nicht, bis sie näher kam.

»Shetan! Hörst du mich denn nicht? Wo ist Tarek?«

Er wandte ihr das Gesicht zu, Tränen liefen über seine rußigen Wangen.

»Zenay?«, murmelte er leise, als sei sie eine Fremde. Er dachte nicht einmal daran, ihren Decknamen zu verwenden. »Es ist alles aus. Meine Frau, meine Tochter, mein Enkel …«

Angst schnürte ihre Kehle so stark zu, dass es schmerzte. Sie erreichte ihn stolpernd und sah die Gewissheit in seinen Augen. Das unsägliche Leid, das augenblicklich auf sie übersprang wie das Feuer von Haus zu Haus.

»Shetan, wo ist er?«, rief sie und schüttelte den Magier an den Schultern, um ihn aus seiner Benommenheit zu holen. Auf einmal blickte sie nur noch in das Gesicht eines alten Mannes.

»Wo ist Tarek? Wo ist er?! Sag es mir!«, rief Zenay fordernd. Shetan hob die Hand, deutete mit zitternder Hand auf das Haus.

Flammen schlugen aus den oberen Fenstern, und es krachte so laut, als würde ein Teil der Rückseite zusammenbrechen.

Nein!, schrie es in ihrem Kopf. Das ist nicht möglich! Nein!

Aber sie wusste, dass es stimmte. Tarek hätte niemals irgendwo im Dorf geholfen, in dem Glauben, dass sie von Feinden gefasst und verschleppt worden war. Er hätte sie verfolgt … Der einzige Grund, warum er noch im Dorf sein sollte … das Einzige, was ihn davon abgehalten hätte, sie zu suchen und zu finden …

Zenay wankte einen kurzen Moment, dann riss sie ein breites Stück ihres Mantelsaums ab.

»Wo willst du hin? Zenay, es ist zu spät!« Shetan fasste nach ihrem Arm, auf einmal wieder bei Verstand.

»Nein, es ist nicht zu spät, ich hole ihn da raus!«, rief sie verzweifelt und schüttelte seine Hand ab. Nicht einmal die Tatsache, dass er ihren geheimen Namen benutzte, konnte sie davon ablenken, was sie tun wollte.

»Zenay, er ist tot … Ich habe seinen Schrei gehört, und es gab eine Explosion. Es kamen nur Ratken aus dem Haus. Es … es ist zu spät.«

»Nein!«, schrie Zenay. Sie schloss für einen Moment die Augen und fühlte die Hitze des Feuers. Unbezähmbar, wild und nach mehr Nahrung lechzend.

Mit wenigen Schritten war sie beim Brunnen, packte das Stoffstück mit den Zähnen und spreizte die Hände, verband ihre Magie mit der Tiefe des Schachts. Ein Schwall kühlen Wassers sprudelte aus dem dunklen Loch und klatschte gegen sie, als sie die Arme in die Höhe riss, durchnässte ihre Kleidung und ihr Haar. Die Männer am Brunnen wichen zurück, die Eimer noch in den Händen, und starrten sie fassungslos an.

Sie ignorierte die Blicke und band sich das nasse Stoffstück am Hinterkopf fest, so dass es Nase und Mund bedeckte. Tropfend nass rannte sie zu den Flammen, die aus der Haustür schlugen.

Shetan wollte sie zurückhalten, aber sie riss sich von ihm los, hetzte weiter. Die Flammen leckten aus der Türöffnung und verschluckten sie.

«†»

Die Hitze war unfassbar. Sie verschlang alle Luft und warf sich Zenay wütend entgegen, als diese durch die Flammen sprang.

Das Haus krachte und knackte. Das Feuer züngelte an den Wänden empor, wogte über die Dielen. Rauch kroch an der Decke entlang und die Treppe hinauf.

Obwohl die Luft glühte und flirrte, brachte Zenay es fertig, die Flammen vor sich mit Hilfe von Magie wegzudrücken und sich etwas Freiraum zu verschaffen. Sie konnte spüren, wie das Wasser in ihrer Kleidung verdampfte. Ob es noch reichte? Furchtbare Angst nagte an ihr und drohte, die Magie zu schwächen, aber sie konzentrierte sich auf das einzige Ziel, das jetzt noch wichtig war.

Sie musste Tarek um jeden Preis finden! War er oben oder unten? In seinem Zimmer oder in der Küche? Sie bremste jäh ab, als ihr ein Schwall glühender Funken entgegenschlug. Sie wollte nach ihm rufen, aber der Lärm des Feuers machte es unmöglich. Außerdem brannte die heiße, verqualmte Luft so heftig in ihrer Lunge, dass sie ihre Bemühungen nach dem ersten kräftigen Atemzug wieder aufgab und so flach wie möglich atmete. Genauso sinnlos war es, mit ihrer Magie nach Geräuschen von ihm zu lauschen.

Die Küche stand bereits vollständig in Flammen, der Brand war nicht mehr aufzuhalten. Ohne darüber nachzudenken, wusste sie, dass Tarek nicht dort gewesen war.

Sie rannte hustend durch den Flur. Die Tür zu Shetans kleiner Arbeitskammer stand offen, und sie rutschte über heiße Asche, bevor sie zum Stehen kam. Die Regale glühten durch den Windzug auf, Flammen züngelten an ihnen hoch. Asche und Papierstückchen flogen durch die Luft. Die brennenden Bücher erzeugten eine Hitze, die ihre Magie nicht aufhalten konnte und sie zurückweichen ließ. Die Kammer war verlassen.

Ohne abzuwarten stolperte sie in ihr eigenes Zimmer. Das Bett mit der Strohmatratze war völlig zerfallen, die Hitze bildete eine undurchdringliche Mauer.

Sie drehte auf dem Absatz um, rannte weiter und schlug mit der Schulter gegen die verkohlte Tür von Tareks Zimmer, die krachend aufflog. Es war leer. Hier hatte der Brand noch nicht so sehr gewütet. Die Luft schien etwas kühler, aber die Flammen hinter ihr leckten bereits in den Raum hinein.

Wo konnte er nur sein!? Einen Moment wankte die Magie um sie, und Zenay hatte das Gefühl, Flammen einzuatmen. Ihre Lungen brannten vom Qualm, aber sie unterdrückte den Husten und riss sich zusammen. Ihre Kleider waren jetzt trocken, begannen zu schwelen. Sie konnte fühlen, wie sich die Härchen auf ihren Armen und Beinen kringelten. Ihre Haut schmerzte.

Sie torkelte zurück durch den Flur, die Tür zum Waschraum war verklemmt. Verzweifelt trat sie so lange mit dem Fuß dagegen, bis sie in Stücke zerbarst. Funken stoben auf. Sie musste die Augen zukneifen, und der Gestank verbrannter Haare mischte sich zu dem beißenden Rauch. Der Waschraum war bis auf Qualm und den schwelenden Zuber leer.

Irgendwo oben krachten Balken, und das Haus erzitterte. Staub und Ruß rieselten von der Decke und vermischten sich mit der Asche und dem Qualm, die durch die Luft wirbelten. Sie hatte keine Zeit mehr!

Zenay stürmte die Treppe hoch. Die oberste Stufe gab splitternd nach, ihr Fuß verklemmte sich im Boden und die Hose rutschte hoch. Ihre Haut verbrannte, als Flammen über die Stufen leckten, doch sie sprang auf, riss sich los und stürmte weiter durch den schmalen Gang. Wieder knarzte das Haus laut. Flammen loderten aus jeder Richtung. Shetans kleines Schlafzimmer glich einem Inferno, sie konnte kaum einen Blick hineinwerfen. Die Scheiben des Fensters waren geborsten, wirbelnde Flammenstrudel schlugen heraus. Die Wände ächzten. Hinter ihr krachte ein glühend heißer Balken auf die Ascheschicht am Boden. Ein Schwall brennendes Stroh regnete herab. Zenay hetzte nach vorne und kniff die Augen zusammen; sie musste husten, bekam kaum noch Luft. Im nächsten Zimmer war die Decke eingestürzt, es war von den Brettern des Dachs verschüttet, Balken hingen kreuz und quer im Zimmer, hatten die Kommode zertrümmert und sich teilweise in das Bett und den Boden gebohrt.

Qualm zog hinter Zenay durch die Tür und oben aus dem Loch, der Luftzug heizte das Feuer stetig an. Das Stroh des Dachs brannte lichterloh und beißender, gelber Rauch ließ ihre Augen tränen. Die wenigen Möbel des Zimmers waren alle zerstört und schwarz angesengt, genau wie die Balken. Hier musste die Explosion passiert sein.

Aber was hatten die Ratken denn für Bomben? Warum hatten ihre Freunde sie nie vorgewarnt, dass diese Krieger etwas von Chemie verstanden?

Einen Moment musste sie die Augen zukneifen und Tränen wegwischen, die ihren Blick verschleierten. Während sie zurückwich, um weiterzusuchen, fiel ihr Blick auf ein Stück Stoff, das unter dem schwelenden Holzhaufen hervorragte. Zenay machte einen Schritt zur Seite und sah Haut und Blut.

Leuchtende Verzweiflung

Tarek lag hinter dem geborstenen Bett, unter Schutt und glühender Asche fast vollständig verborgen. Der Rauch im Zimmer zog durch das große Loch in der Decke ab, was sie davor bewahrte, zu ersticken.

Sie sprang zu ihm, fegte mit einer Handbewegung die Flammen magisch davon und schaufelte eine Schicht Asche und Holzstücke von ihm. Heiße Splitter gruben sich in ihre Haut, doch sie spürte nichts – nichts außer der Angst, zu spät zu kommen.

Sie zog an seinem Arm. Einer der schweren Dachbalken war auf ihn gestürzt. Er hätte Tarek zermalmt, doch das Gestell des Betts musste den Sturz abgefangen haben. So war er darunter eingeklemmt und konnte nicht mehr aufstehen. Die Schicht aus Dachbrettern hatte ihn davor bewahrt, von den Flammen verschlungen zu werden.

Verzweifelt zog sie an seinem Arm, wieder und wieder, ehe sie versuchte, den glühenden Balken zu bewegen. Sie schrie auf, nicht wegen der Brandblasen, die sich auf ihren Händen bildeten, sondern wegen ihrer Ohnmacht.

Eine Wut entbrannte in Zenay, loderte so heiß wie das Inferno um sie herum. Wie konnten diese Monster ihn einfach hier zurücklassen? Warum war ich nicht da, um ihm zu helfen? UND WIESO BIN ICH AUCH JETZT ZU SCHWACH?

Sie wollte aufschreien, aber die Luft blieb ihr im Hals stecken.

Tarek hob mühsam den Kopf, seine Hände verkrampften sich unter den Schmerzen der Verbrennungen. Sein Blick war trübe, als wäre er kaum mehr auf diese Welt gerichtet.

»Tarek!«, schrie sie spitz und drückte seine Hand. »Tarek, halt durch!«

»Zenay?« Sie konnte seine Stimme durch den Lärm des Feuers kaum verstehen, aber das war egal. Er war bei Bewusstsein!

»Ja!«, rief sie und zog erneut an dem Balken. »Ja, ich bin hier!«

»Zenay? Du musst fort von hier. Ich bin eingeklemmt … Ich … ich kann nicht weg … Das Feuer ist überall.«

»Ich hol dich da irgendwie raus!«

»… überall Feuer … Zenay, überall Feuer«, murmelte er leise. Sein Blick flackerte, und sein Kopf sank zurück auf den heißen Boden.

»Nein! Tarek, du darfst nicht ohnmächtig werden! Tarek, bleib wach!« Sie fasste seine Hand stärker, aber er erwiderte den Druck ihrer Finger nicht. »Nein! So darf es nicht enden!«

Zenay schrie, unbändige Wut und Angst flammten in ihr auf. So wird es nicht enden!

Auf einmal schien alles um sie langsamer zu werden. Die Flammen leckten jetzt gemächlich über das Holz und Stroh. Sie spürte die Energie, die von all diesem Feuer ausging. Zenay hob ihre Faust, während alles ringsum heller wurde.

Ihre Hand, nein, ihr ganzer Körper glühte weiß. Das Licht durchdrang ihre Kleidung und tauchte den Raum in ein unwirkliches Strahlen. Einen kurzen Augenblick fühlte sie sich daran erinnert, als die Magie vor vielen, vielen Wochen in ihr erblüht war. Das schien so lange her zu sein …

Ihr Haar begann zu schweben, als wäre sie unter Wasser. Es war schwerelos und strahlte in Weiß und Silber.

Maßlose Kraft durchfloss ihren Körper, sie konnte spüren, wie die Flammen um sie an Energie verloren und kleiner wurden, während sich ihre Kraft auf sie übertrug und ihr eigenes Feuer nährte.

Sie packte den brennenden Balken.

Teile des Dachs stürzten ein, als sie ihn anhob und von Tarek wegriss. Von unkontrollierter Macht und Wut erfüllt, schleuderte sie ihn an die herabhängende Decke. Er krachte neben ihnen zu Boden.

Dann wurde das Glühen wieder schwächer, blieb aber als Schimmer auf ihrer Haut zurück, wie eine Schicht, die weiterhin die Hitze des Feuers absorbierte und sie schützte und stärkte.

Die Flammen um sie loderten wieder auf. Sie verwarf den Gedanken, Tarek hier zu heilen, packte ihn an den Schultern, zog ihn auf die Knie und legte seinen Arm um ihren Nacken. Dann stand sie auf und schleifte ihn aus dem Zimmer. Auf dem Flur schlugen die Flammen bis an die Decke, doch Zenay machte nur eine wegwischende Handbewegung, und das Feuer wich gegen die Seiten des Flurs zurück. Sie stolperten die Treppe hinunter, und ein Flammenmeer empfing sie. Teile der Wände waren eingestürzt, ein Balken lag quer vor der Tür, der Ausgang war versperrt.

Zenay spürte die Kraft, die ihren Körper noch immer durchströmte, und hielt Tarek weiter mit einem Arm fest. Sie würde jetzt nicht aufgeben!

Sie nahm ihre Gedanken zusammen und richtete all ihre Willenskraft auf ihre Magie. Erschaudernd nahm sie wahr, wie sie den Flammen um sich herum alle Kraft entzog. Sie fühlte sich unendlich frei und blickte an Tarek hinab. Auch sein Körper schimmerte leicht, da ihre Magie um sie beide pulsierte. Sie drehte sich weg vom versperrten Eingang. Zischende Flammen wogten von der Treppe und dem Waschzimmer auf sie zu.

Zenays Augen leuchteten grell auf, als sie die verkohlte Treppe mit ihrem Geist erfasste. Mit einem Wink ihrer Hand riss sie die Konstruktion von den stützenden Balken des Hauses weg und schleuderte sie durch die Wand des Flurs.

Es krachte ohrenbetäubend, als die Treppenbalken Teile der Stube zerschmetterten und ein Loch in die Außenwand rissen. Zenay stürzte mit Tarek darauf zu. Hitze brandete um sie, während sich ein Feuersturm gleichzeitig in Richtung Öffnung stürzte, der frischen Luft entgegen. Zenay

drückte Tarek fest an ihre Seite, stolperte durch den Schutt der zerstörten Wand und gelangte über die Überreste der Treppe ins Freie.

Flammen schlugen hinter ihnen zusammen, dann waren sie endlich draußen und blickten in den rauchverhangenen Himmel. Schwindel überkam sie, als ihre Lunge nach frischer Luft gierte, aber zuerst nur beißenden Qualm fand.

Sie sank neben dem zusammenstürzenden Haus in die Knie. Tarek rutschte zu Boden, da sie ihn nicht mehr richtig festhielt, und sie spürte, wie die Schwärze der Erschöpfung sie zu packen drohte.

Plötzlich fegte ein glühender Windstoß in einem Schwall über sie hinweg, Holzstücke und Steine wurden durch die Luft geschleudert, als das Haus endgültig zusammenbrach. Donnernder Lärm dröhnte in ihren Ohren, und Glut und Feuer prasselten auf sie ein. Zenay stand zitternd wieder auf. Sie zog Tarek von der lodernden Ruine fort. Die Wiese vor ihnen wurde durch Glutstücke und die heiße Luft in Brand gesteckt.

Ächzend packte sie Tarek fester an den Schultern, schleifte ihn durch die Reste des glimmenden Brombeergestrüpps bis hin zur Gartenmauer, während das letzte Leuchten in ihren blauen Augen verblasste und Shetan auf sie zustürzte.

Zusammen mit Jesco und der alten Nachbarin Mokuba trugen sie Tarek weg vom Brand und legten ihn am Rand des Dorfplatzes ab. Zenay sank erschöpft neben ihm zu Boden und ballte die Fäuste, um das heftige Zittern zu unterdrücken.

Auch Shetan fiel auf die Knie, rüttelte sanft an Tareks Schulter, doch der rührte sich nicht. Tränen liefen über die Wangen des Magiers. Zum ersten Mal sah Zenay Shetans ernste Stärke vollkommen fortgewischt. Er schüttelte seinen Enkel.

»Nein! Tarek, atme! Bei den Hütern. Atme, verdammt noch mal! Atme …« Seine Stimme ging in ein Schluchzen über, und er ließ die Arme sinken.

Zenay spürte seine Verzweiflung, doch tief in ihrem Inneren brannte noch immer diese silberne, heiße Kraft.

Sie legte ihre Hände auf Tareks Brust und schloss die Augen. Ihre Magie erfühlte seinen Körper, als sei es ihr eigener. Es war noch Leben in ihm. Sein Herz schlug, wenn auch schwach, und seine Lunge war erfüllt von ätzendem Rauch und Blut.

Es lag ein Schmerz in seiner Brust, der sie beinahe übermannte. Ob er die Verletzung im Kampf mit den Ratken oder durch die Wucht der Explosion davongetragen hatte, konnte sie nicht sagen.

Mehrere Rippen waren gebrochen und drückten sich in seine Lunge. Sie konzentrierte sich und gab ihrer Magie so viel Heilfähigkeit, wie sie aufbringen konnte. Funken stoben aus ihren Händen, flogen um seinen Körper und tauchten tief in seine Brust ein. Sie leitete die Magie so gut sie konnte direkt zu den Rippen und nicht zu den weniger wichtigen Verbrennungen. Der Energiestoß erreichte die Knochen, richtete sie und setzte sie knirschend wieder zusammen.

Zenay stöhnte und biss die Zähne zusammen, als die volle Gewalt seiner Schmerzen durch ihren Körper schoss. Instinktiv wollte sie die Arme von Tarek wegreißen, stattdessen verkrampfte sie sich und ertrug das Stechen, das sich in ihrer eigenen Brust ausbreitete.

Sie konnte spüren, wie Shetan sie anstarrte. Der alte Magier schien genau zu wissen, was sie durchmachte, aber er hielt sie nicht auf.

Als Nächstes stürzten sich die magischen Funken auf das Blut und die verletzten Stellen seiner Lunge, dann auf den beißenden Qualm, und machten die Atemgifte unschädlich.

Nach einem Moment, in dem Zenays Arme zu zittern anfingen, wanderte die Magie zu den schlimmeren Verbrennungen. Schließlich ließ sie von ihm ab und seufzte erleichtert, als der Schmerz verklang.

Ein Zucken durchfuhr Tarek. Er atmete ächzend ein, drehte sich auf den Bauch und hustete krampfhaft. Die Menschen um ihn herum schwiegen erstarrt. Als Tareks Lunge sich etwas beruhigt hatte, sah er geschwächt auf.

»Was … was ist denn los? Wieso starrt … ihr mich alle so an?« Seine Stimme war leise und rauh, aber er sprach.

Shetan schluchzte und schloss ihn in die Arme. Tarek stöhnte auf. Sein Rücken und seine Arme waren noch immer voller Brand- und Schürfwunden.

»Was ist passiert? Ich war doch in dem Feuer.«

Shetan löste sich widerwillig von Tarek und umschloss Zenays Schultern.

»Sie hat dich aus den Flammen geholt. Sie hat dich gerettet.«

Tareks Blick blieb verwirrt. Sein schwarzes Haar und sein Gesicht waren grau von Ruß und Asche, eine tiefe Brandwunde zog sich quer über seine Wange, aber dann lächelte er voller Dankbarkeit.

»Ich … ich hatte eine seltsame Vision, während ich eingeklemmt war. Ein strahlend helles Wesen aus gleißendem Licht hat den Balken über mir weggeschleudert und mich befreit. Es sah aus … wie du im See, als du den Daroc getötet hast.«

Zenay wusste nicht, was sie erwidern sollte, denn sie hatte tatsächlich keine Ahnung, was geschehen war; doch sie spürte, dass jetzt nicht der rechte Zeitpunkt war, sich über ihre plötzlichen Fähigkeiten Gedanken zu machen.

Hinter ihnen krachte es erneut, und weitere Teile der Ruine fielen in sich zusammen. Tarek riss den Blick von ihr los, stützte sich auf seine Arme und starrte auf ihr ehemaliges Zuhause. Der Zusammenbruch hatte Teile der Wände und Decke über die Umgebung verteilt, das Haus war völlig zerstört. Die Flammen züngelten noch immer aus den Trümmern, und eine enorme Rauchsäule stieg weiter in den orangeroten Himmel.

»Tarek, gib mir noch einen Moment … dann kann ich die schlimmsten Verbrennungen heilen«, sagte Zenay und drückte ihn sanft zurück auf den Boden. Er protestierte nicht, sondern wartete still, während Zenay die Augen schloss und Kräfte sammelte. Sie konnte noch immer die Hitze der Flammen in ihrem Inneren spüren. Durch ihre Hände strömte Magie und schloss die verbrannte Haut auf ihren eigenen Händen, in seinem Gesicht, auf seinen Armen und seinem Rücken. Wieder nahm sie seine Schmerzen intensiv wahr, doch sie empfand es als Wohltat, sein Leiden zu lindern.

Sobald die ernsten Verbrennungen heilten, nahm sie erschöpft den Arm von seiner Brust. Er richtete sich auf und begutachtete seine rötliche, aber beinahe unversehrte Haut in der orange glimmenden Dunkelheit.

Schwindel überkam Zenay, als sie spürte, wie sich die Flammen in ihrer Brust legten. Doch sie schloss nur kurz die Augen und ließ keine weitere Schwäche zu. Zu viel war geschehen, sie konnte jetzt noch nicht aufhören! Schließlich stand sie auf, bückte sich zu Tarek und nahm seine Hände, um ihm aufzuhelfen. Er kam wankend auf die Füße. Gemeinsam mit Shetan und den anderen blickten sie auf die Reste des Hauses. Die Ruine brannte noch immer.

Es gab nichts mehr zu retten.

«†»