Zu spät für Pessimismus. -  - E-Book

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Beschreibung

Warum es sich trotzdem lohnt, für eine bessere Zukunft zu kämpfen: Zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung FUTURZWEI versammelt das Handbuch, herausgegeben von Dana Giesecke und Harald Welzer, kreative Strategien fürs Durchhalten und Weitermachen. Protagonist*innen aus der FUTURZWEI-Welt, Menschen, die besondere Beharrlichkeit im Einsatz für eine gerechte Welt bewiesen haben, verraten ihre Strategien gegen Frust und Pessimismus.  Ein kaum erreichbares 1,5-Grad-Ziel, Diskussionen um Tempolimit und Kohleausstieg und eine Politik, die ein zukunftsuntaugliches business as usual verfolgt: Das Engagement für eine nachhaltige Gesellschaft erfordert Durchhaltevermögen und Widerstandsfähigkeit. Hinter erfolgreichem Wandel stehen oft ganz persönliche Krisen und Rückschläge.  »Zu spät für Pessimismus« blickt hinter die Kulissen. Der Band berichtet von Sinnkrisen und Downern, aber auch von Bewältigungsstrategien, die dabei helfen können, die eigene Frustrationstoleranz zu erhöhen. Herausgekommen ist ein Buch für den unentwegten Widerstand. Für Stunden des Zweifels und zum Voraussehen von Fallstricken. Zum Mut machen und für die Bestärkung, nicht aufzugeben. Ein Anti-Frust-Buch für alle, die wir brauchen.  Mit Beiträgen von Katja Riemann, Christian Hiß, Shai Hoffmann, Wolfgang Kaleck, Ute Scheub, Paula Steingässer, Ernst-Ulrich von Weizsäcker und vielen mehr.  Mit Bonusmaterial und Illustrationen u.a. von Katja Berlin (»Torten der Wahrheit«).

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dana Giesecke Harald Welzer (Hg.)

Zu spät für Pessimismus.

Das FUTURZWEI-Anti-Frust-Buch für alle, die etwas bewegen wollen

 

Biografie

 

 

Giesecke, Dana

Dana Giesecke, geboren 1974, ist seit 2011 wissenschaftliche Leiterin der FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit in Berlin. Sie studierte Soziologie mit kultursoziologischem Schwerpunkt, Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Dresden und Wissenschaftskommunikation und -marketing an der Technischen Universität Berlin. Von 2007 bis 2011 war sie Leiterin der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Mitherausgeberin des zweiten FUTURZWEI-Zukunftsalmanachs 2015/16 (2014).

 

Welzer, Harald

Harald Welzer ist einer der streitbarsten Intellektuellen in Deutschland. Mit Witz und scharfsinnigen Argumenten engagiert er sich für eine bessere und offene Gesellschaft, für Nachhaltigkeit und Demokratie. Er ist Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen und an der ETH Zürich. In den Fischer Verlagen sind von ihm u.a. erschienen: »Selbst denken« (2013), »Die smarte Diktatur. Ein Angriff auf unsere Freiheit« (2016), »Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen« (2019) und »Nachruf auf mich selbst.« (2021). Seine Bücher sind in 21 Ländern erschienen.

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

© 2022 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Covergestaltung: Werner Marschall, Linienland

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-491680-4

 

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Inhalt

Dana Giesecke und Harald Welzer: Einleitung

Paula Steingäßer: Eine kurze Anleitung fürs Aufgeben

Baro Vicenta Ra Gabbert: Von der Kunst, frustriert zu sein

Die Nespressokapsel-Revolution

Das muss doch reichen

Frust, mein treuer Begleiter

Bitte nicht so ungeduldig

Zwischen Geschäften und Gutenachtgeschichte

Keine Zeit für Frust

Eine Frage der Gerechtigkeit

Richtig frustriert sein

Ein kollektives Trotz-dem-Frust

Die Zukunft wird aus Frust gemacht

Katja Berlin: Kritik am Verhalten anderer

Wolfgang Kaleck: Zwischen Dystopie und konktreter Utopie

Katja Riemann: Talkshow

Thomas Gebauer: Paradoxe Zuversicht. Das Drängen auf Befreiung scheitert nicht, weil die Idee der Freiheit falsch wäre.

Haike Rausch und Torsten Grosch: botanoadopt® – Agent Orange

Reinhild Dettmer-Finke: Handeln statt Hoffen

Markus N. Beeko: Das Privileg, nicht an der Welt verzweifeln zu müssen

Prolog

1. Kapitel: Vergangenheit

2. Gegenwart: Hier + Heute

3. »The Future«

4. FUTURZWEI

Katja Berlin: Reaktionen auf das politische Engagement junger Menschen

Jacob Sylvester Bilabel: There is a light that never goes out.

Faute Couture: Irgendwer (muss es ja machen)

Shai Hoffmann: Schwarz-Weiß-Denken aufbrechen

Klaus Milke: Zeit des Aufbruchs und der Transformation. Eine Dekade der Umsetzung liegt vor uns.

Haltung und Lebensweg

Menschheitsfamilie, Kampf und Kontemplation

Engagement als Vernetzer und Brückenbauer

Gründung von Germanwatch

Stiftung Zukunftsfähigkeit

Die internationale Stiftungsplattform Foundations 20

Christa Müller: Fortschrittsglaube, Fortschritt und Himbeerenpflücken

Bernhard Thome: Biskuits gegen Frust

Ernst Ulrich von Weizsäcker: Ein Frust-Erlebnis zum Thema Ökosteuer

Philip Elsen: And you better start »frusten«, or you’ll sink like a stone for the times they are a-changin’

Claudia Langer: WARNUNG! Aktivismus kann süchtig machen und gefährdet das Privatleben!

Gummistiefel

Freundschaften

Tanzen ist immer eine gute Idee!

Vergesst die Liebe nicht!

Purzelbäume

Marc Wagner: Wieso tue ich mir das an?

Donia Hamdami: Spiegel. Der Mensch im Widerschein

Friedrich von Borries: Wasser

Joy Lohmann: EXPOnierte Kapitulation

Katja Berlin: Das 2-Phasen-Modell des Aktivismus

Elisabeth Prantner: Frust und Frohnatur

Luise Tremel und Peter Kowalsky: Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr …

Ursula Cyriax: Soforthilfe-Übung für Glücksempfinden und Zuversicht

Amadeus Templeton: Und sie trug.

Der Abend

Der Morgen

Der Gedanke

Die Krisen

Das Neuland

Heute

Eine Frage

Katja Berlin: Um was sich Aktivist*innen auf jeden Fall kümmern müssen

Marlies Jensen-Leier: Am Tiefpunkt: Schmunzeln

Ute Scheub: Re:Generation!

Haike Rausch und Torsten Grosch: botanoadopt® – Speedy Twins

Christian Hiß: Ungeborgen geborgen

Aus der Ideenwelt

Konstruktivismus als Vorübung

Ästhetik und was ist wirklich?

Denkkollektive für das Neue

Alles könnte anders sein – aber wie?

Johannes Merck: »Heul doch!«

Thorsten Trietsch: Mit Hosenträger und Gürtel

Lea Luttenberger: Verzweifele nicht an Deinen Problemen, verzweifele lieber an diesem Rätsel!

Marlene Charlotte Limburg: Mein großer Frustballon und ich

Milo Rau und Harald Welzer: Ein Gespräch

FUTURZWEI-Team: Anti-Frust-Playlist

Auflösung des Rätsels

Literatur und Nachweise

Autorinnen und Autoren

Dana Giesecke und Harald Welzer

Einleitung

Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich auf! Das Paradoxale ist, besonders wenn es wie bei Johann Nestroy witzig daherkommt, eine emanzipatorische Kraft. Denn, ja, das Leben steckt leider voller Widersprüche und stellt einem deshalb manchmal ein Bein, und dann kann man nicht einfach weitermachen, sondern muss erst mal wieder aufstehen, sich die aufgeschlagenen Knie besehen und dann – überlegen, wie es weitergeht.

Seit zehn Jahren erzählt FUTURZWEI »Geschichten des Gelingens« und hat damit, das dürfen wir wohl sagen, einen konstruktiven Journalismus mit auf den Weg gebracht, der sich weniger dafür interessiert, was alles nicht geht, falsch läuft, falsch gesagt oder falsch geplant wird, sondern dafür, was unter den Bedingungen einer freiheitlichen Ordnung denn so alles geht – zum Beispiel: anders wirtschaften, anders reisen, anders wohnen, anders leben usw., und zwar so, dass dabei zugleich sozial und ökologisch bessere Pfade gebahnt werden.

Unsere Überlegung bei der Erfindung von FUTURZWEI war, dass damals vier Jahrzehnte unermüdlichen Mahnens und Warnens vonseiten der Wissenschaft offenbar nichts dazu beitragen, dass Menschen ihre Lebensstile und Unternehmen ihre Wirtschaftsweise verändern – mit dem Ergebnis, dass der Stoffumfang, der für die Herstellung und den Konsum von Produkten, für die Weltreichweite der Tourist*innen und der Warenströme und, natürlich, für die Energie gebraucht wird, immer weiter anwächst. Und damit der Umfang der Zerstörung von Natur, die auch seit 1972, dem Erscheinungsjahr der »Grenzen des Wachstums« (Meadows et al. 1972) eben nicht ungebrochen, sondern beständig wachsend weitergeht.

Das Mahnen und Warnen nützt nicht das Geringste, wenn die Organisation des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stoffwechsels darauf basiert, dass ständig mehr verbraucht wird. Denn das, was Ökonomie und Politik »Wachstum« nennen und in einen zivilreligiösen Rang gehoben haben, dem man huldigt und beliebige Opfer bringt, ist ja nur der vornehmere Begriff für »mehr Verbrauch«. Und das Mahnen und Warnen stinkt auch nicht gegen all die wunderbaren Geschichten vom Glück des Kaufens an, die 24/7 nicht nur erzählt, sondern auch gehört werden. FUTURZWEI wollte auch Geschichten erzählen, aber ohne den erhobenen Zeigefinger, davon gab und gibt es schon viel zu viele, noch solche von der Verheißung einer Welt, die durch immer mehr Dinge komfortabler, sicherer, »umweltfreundlicher«, schöner würde. In Wahrheit wird sie dadurch ja nur hässlicher. Und ärmer.

Also machten wir uns auf die Suche nach Leuten, Initiativen, Unternehmen, Genossenschaften, die unter den gegebenen Bedingungen einer real existierenden Welt mit realen Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten, Hindernissen und Blödsinnigkeiten trotzdem schon mal das Richtige zu tun versuchen, also etwa so zu wirtschaften und zu leben, dass nichts und niemand dabei zu Schaden kommt. Das ist in einer Gesamtorganisation der Wirtschaft, die auf Schädigung der Natur beruht, nicht einfach – und genau deshalb sind alle, über die wir im vergangenen Jahrzehnt Geschichten erzählt haben, dauernd in Widersprüche verstrickt, oft frustriert und manchmal der Verzweiflung nahe. Das wussten wir immer, und wir wollten deshalb auch nie Eia-Popeia-Geschichten von einer nachhaltigen Praxis erzählen, in denen fröhliche Mittelstandsfamilien von grünen Wiesen mit glücklichen Kühen winken, im Hintergrund sich im Sonnenschein drehende Windräder. Denn dass der Weg in eine nachhaltige, zukunftsfähige moderne Gesellschaft kein gemütlicher Spaziergang ist, sondern schwierig, holperig, dornig und voller Hindernisse und Widersacher, das ist ja klar: Schließlich weiß niemand, ganz im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen (wir wissen doch alles!), wie sie aussieht, diese nachhaltige, wachstumsbefriedete und moderne Gesellschaft.

Umso dringender brauchen wir die »Geschichten des Gelingens« als Zukunftsarchiv voller Hinweise und Wissen, wie man auf dem notwendigen Weg weiterkommt. Und umso dringender brauchen wir eine neue Erzählung über uns selbst, über Möglichkeiten des richtigeren Lebens, jenseits des nicht zukunftsfähigen Massenchores, in dem Winfried Kretschmann, Elon Musk, Christian Lindner und alle sonstigen Fetischist*innen eines aggressiven Weiter-So! oder Höher-Weiter-Schneller! ihr immer gleiches Lied von der Alternativlosigkeit ihrer Kack-Welt singen.

Und natürlich war uns klar, dass unsere Geschichten besser sein müssen, als deren Reklame sie erzählt, also von Leuten handeln müssen, die lebendig sind und nicht ideal, schwierig und nicht glatt, optimistisch, aber nicht naiv. Und eben nicht selten auch frustriert – wie denn auch nicht in einer Welt, in der fast alle Regularien und Subventionen auf Nicht-Nachhaltigkeit geeicht sind? Nach einem Jahrzehnt FUTURZWEI, das mit dem Ukraine-Krieg in eine Ära vielfältiger Rückschläge, auch in ökologischer Hinsicht, einmündet, schien es uns wichtig, die Menschen, ohne die es die Geschichten nicht gäbe, zu fragen, wie sie mit Frust umgehen, was ihre Strategien sind, trotz Ärger, Wut, Entmutigung weiterzumachen und sich nicht entmutigen zu lassen. Den letzten Impuls, dieses Buchprojekt anzugehen, gab uns Marc Wagner. Er schrieb uns in einem Brief, dass er immer, wenn seine Frustrationsgrenze erreicht sei, zu den Publikationen von FUTURZWEI griff. In diesem Buch hat nun unter anderen er selbst berichtet.

»Zu spät für Pessimismus« schien uns dafür ein schönes Motto, weil es eben das Paradoxale ist, das zwischen einer zuweilen harten Realität und dem fragilen Bestreben, sie zu verändern, einen Raum aufmacht, den man braucht, um sich nicht frustrieren zu lassen. Denn wo das Mahnen und Warnen überreichlich vorhanden ist, fehlt das Witzige und Absurde meist völlig, und damit eines der wichtigsten Motive, sich against all odds nicht unterkriegen zu lassen und neu anzusetzen.

Aus diesem Grund haben wir dieses Buch mit humoristischen Spielchen und andersartigen Ablenkungen versehen. Es gibt neben einem eigens für dieses Buch produzierten Song auch eine Anti-Frust-Playlist, ein Kreuzworträtsel und ein Rezept eines bekennenden Frust-Essers.

Dieses Buch ist eine Hausapotheke für die Behandlung von Frustsymptomen: Geht es Ihnen schlecht, greifen Sie danach. Geht es Ihnen (hoffentlich nach einigen Seiten) wieder besser, stellen Sie das Buch wieder ins Regal. Bis der Frust das nächste Mal akut ist.

Wir sagen Danke, bei allen, die fleißig mitgewirkt haben. Zuallererst allen Beiträger*innen, dass sie ihre Frustbewältigungsstrategien der Mit- und Nachwelt verraten haben. Ein extra großer Dank geht an Klaus Wiegandt, ohne den FUTURZWEI in frustigen Zeiten nicht durchgehalten hätte und der auch dieses Buchprojekt großzügig unterstützt hat. Und an Werner Marschall für das geniale Cover! Dann unserem FUTURZWEI-Team, zuerst allen, die uns während der vergangenen zehn Jahre begleitet haben, dann aber besonders denjenigen, die dieses Buch mitproduziert haben: Miriam Scheibe, Lea Luttenberger, Nicholas Czichi-Welzer, Maxim Keller, Marlene Charlotte Limburg und Jonathan Vogel. Und selbstverständlich danken wir unserem FUTURZWEI-Hausverlag, dem S. Fischer Verlag. Mit Alexander Roesler, Heidi Borhau und Melanie Baumann verbinden wir nur gute, niemals frustige, Momente.

Paula Steingäßer

Eine kurze Anleitung fürs Aufgeben

Das Aufgeben ist minus 15 Grad kalt, knirscht unter meinen Schuhen und riecht nach Robbenfell.

Ich bin 13 Jahre alt, als ich mit meinen Eltern und drei kleinen Geschwistern nach Ostgrönland reise, Tasiilaq im Winter, 2000 Menschen in einer Wüste aus Eis. Meine Eltern sind Journalisten, eine Ethnologin und ein Fotograf, unsere Familie auf den Spuren des Klimawandels unterwegs und auf der Jagd nach Geschichten von Menschen, die dessen Auswirkungen bereits zu diesem Zeitpunkt tagtäglich spüren – lange suchen müssen wir nicht. Meine Geschwister und ich ziehen durch die Straßen von Tiniteqilaaq, ein Dorf mit hundert Einwohnern am Rand des grönländischen Eisschildes, während meine Eltern in einer kleinen Hütte am Fjord Interviews führen. Wir sind nicht lange allein, bald hängen zwei weitere kleine Mädchen an meinen Armen, reden lachend auf meine Geschwister ein, die selbstverständlich antworten, ohne ein Wort zu verstehen. Es ist eine besondere Freundschaft, die dort entsteht. Angiuq und ich streifen durch leere Häuser, in denen Geschirr auf dem Tisch und Spielzeug auf dem Boden liegt – verlassen, sagt mein Vater, die Familie musste in die Stadt ziehen, um überleben zu können. Im nächsten Haus ist die Wohnzimmerwand voller Blut, etwas höher als mein Kopf, und ich traue mich in kein weiteres mehr. Orpa und Oderika essen fast jeden Tag bei uns zu Mittag, zwei Portionen, aber ohne Gemüse, und abends fährt ein kleiner Bus durch den Ort und sammelt Kinder ein. »Alkoholismus und Missbrauch sind ein riesiges Problem hier«, höre ich die Lehrerin zu meinen Eltern sagen. »Die Jagd wird immer gefährlicher, die Wetterbedingungen immer unvorhersehbarer, und den Menschen fehlt die wirtschaftliche Grundlage ebenso sehr wie ihre kulturelle Identität.« Die Schlittenhunde verhungern an der Kette, und die Kinder spielen zwischen ihnen.

Grönland ist nur eines von vielen Ländern unserer Reise, und auch in Deutschland sammeln wir Geschichten. Ich werde immer stiller und verschlossener. Meine Eltern zeigen uns Kindern und der Welt Strategien für einen nachhaltigen Alltag, für einen Beitrag jedes Einzelnen, für Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und des Weitermachens, und ich erzähle in Interviews von meiner veganen Ernährung, unseren Lastenrädern und Upcycling, während in meinem Inneren ein Kind in einer Wüste aus Eis sitzt und kein Mensch mehr sein möchte. »Hoffnung zu haben ist eine bewusste Entscheidung, und wir können es uns nicht leisten, pessimistisch zu sein«, sagt Jostein Gaarder, als ich ein schriftliches Interview für das Buch meiner Eltern mit ihm führen darf. Und dieser Satz lässt mich nicht mehr los.

Ich bin jung und kann nicht verstehen, so viel ich auch darüber nachdenke, in welchem für mich unaushaltbaren Widerspruch Erwachsene scheinbar ohne Anstrengungen leben können; wie man sehenden Auges, ob vor Ort oder durch die zahllosen medialen Nachrichten, diese Farce eines selbstbestimmten, alltäglichen Lebens führen kann; und woher Gaarder, zusammen mit unzähligen anderen Menschen, die Kraft für dieses Kunstwerk hernimmt, trotz allem, was ich gesehen und nicht gesehen habe, Hoffnung und Vertrauen zu empfinden.

Ich bin jung und noch nicht in der Lage, meiner eigenen Wahrnehmung mehr als der meines engeren und weiteren Umfeldes zu vertrauen. Statt Wut zu empfinden oder in die Konfrontation zu gehen, glaube ich den Fehler bei mir, schließe das Aufgeben in mir ein und versuche, nach dem Vorbild aller anderen ein sozial kompatibles Leben zu führen. Das Trotz-jedes-Hindernisses-Weitermachen ist in unserer Kultur weitaus angesehener als das Aufgeben.

Angepasst und immer noch verschlossen, besonders vor mir selbst, mache ich Abitur, glaube alles überwunden, jede Chance scheint mir offenzustehen in dieser unmöglichkeitslosen Welt. Aber das eisblaue Gefühl breitet sich immer mehr in mir aus, aufgespannt zwischen einer riesigen Verachtung meiner selbst und dem dazu paradoxen Anspruch, die Welt zu einem besseren Ort machen zu müssen; andere zum Weitermachen zu motivieren, während ich mein eigenes Aufgeben irgendwie unterdrücken muss. Meine Eltern lassen sich scheiden, und mit dem Auseinanderbrechen meiner Familie scheint sich für mich auch unsere gemeinsam vertretene Botschaft eines »Alles-ist-zu-retten-wenn-du-es-nur-willst« noch mehr in einen realitätsfernen Hohn zu verwandeln. Ich stehe weiter morgens auf, beginne ein Studium, suche insgeheim nach einem Rezept gegen das Aufgeben, funktioniere – bis irgendwann die Spannungen der Widersprüchlichkeit in mir zu groß werden.

Im März 2021 werde ich in eine Klinik eingewiesen, genau acht Jahre nach meiner Grönlandreise. Ich kann mich an die ersten Wochen kaum erinnern, aber es gibt einen Moment, den ich nie vergessen werde, in dem ich es zum ersten Mal schaffe, das auszusprechen, was ich mir jahrelang zu fühlen verboten hatte: Ich kann nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr. Ich gebe auf. Es war der Moment, in dem die Arbeit anfangen konnte. In dem ich der bewussten Entscheidung, mein Leben leben zu wollen, einen realen Weg eröffnete. Es hatte nicht gereicht, dass ich meinen Körper auf so ein niedriges Gewicht gehungert hatte, dass ich keine Treppen mehr gehen konnte; dass ich physisch stumm in die Welt hinausschrie, dass ich raus bin aus der Sache, die man Leben nennt, dass ich mich auflösen werde und dass mich kein noch so edles Argument davon abhalten kann, aufzugeben. Es kam erst etwas in mir in Bewegung, als ich einem Menschen im Sessel gegenüber von mir in die Augen blickte und leise, fast verstohlen, als würde ich etwas Verbotenes tun, sagte, dass ich aufgebe, aufgegeben habe, aufgeben werde.

Aufgeben, annehmen, aufnehmen – und eine neue Richtung angeben.

Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, die unendlich große Angst vor dem Aufgeben hat. Individuelles Aufgeben verträgt sich nicht gut mit wirtschaftlichem Endlos-Wachstum oder mit gesellschaftlichem Optimierungsdruck; und es scheint sich auch nicht mit kollektiven globalen Krisen zu vertragen, von deren Abwenden unsere Lebensgrundlage abhängt. Wer aufgibt, ist schwach. Wer aufgibt, ist nicht willensstark genug. Wer aufgibt, ist egoistisch. Aufgeben wird als Verrat an gemeinschaftlichen Utopien, an das Gute im Menschen und an unseren privilegierten Lebensumständen angesehen und stigmatisiert, so kommt es mir vor; es wird zu einem individuellen Versagen, für das es keinen gemeinschaftlichen Umgang gibt. Wenn das öffentliche Miteinander jedoch von Nachrichten der bevorstehenden Krise gefüllt und die rettende Lösung nur gemeinschaftlich umgesetzt werden kann, das emotionale Verarbeiten dieser Lebensrealität aber nur individuell stattfinden darf, wird das immer mehr zu einer Spaltung zwischen der gemeinsamen und der individuellen Realität führen; mehr noch: Dadurch, dass man gesellschaftlich abgewertete und quasi verbotene Emotionen empfindet, wertet man sich immer mehr selbst ab, verliert das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten und zieht sich immer weiter in die eigene Welt zurück. Man findet in keine Haltung, in der man Protest oder Veränderung bewirken kann, denn in der eigenen Wahrnehmung widerfährt einem kein Unrecht, sondern man versagt selbst.

Wir müssen wieder lernen, aufzugeben.

Es liegt ein unglaublich wertvolles, öffnendes und zusammenführendes Moment in diesem Akt, vor dem wir jedoch, wie ich glaube, immer größere Angst bekommen, je mehr wir uns dagegen wehren. Das heißt nicht, dass ich dafür plädiere, kollektiv den Kopf in den Sand zu stecken, weil eine Aufgabe zu groß oder eine Krise zu unlösbar erscheint. Ich spreche von einer emotionalen Reaktion auf wirklich überfordernde und beängstigende Situationen – nicht mehr und nicht weniger. Darin liegen zwei große Vorteile: Erstens ist eine Emotion, zum Beispiel Angst oder Panik, auch nur eine Emotion, und ganz gleich wie heftig oder bodenlos sie sich anfühlt, sie geht immer vorbei. Und zweitens ist es sehr viel gefährlicher, auf Bedrohungen oder komplexe Krisen statt mit Angst und Überforderung mit Verdrängung oder Kleinrederei zu reagieren, denn auch dann kann man, genau wie bei zu großer Angst, nicht mehr adäquat reagieren. Die goldene Mitte zu finden, erfordert sehr viel Arbeit; denn Emotionen zu empfinden, zu benennen und anzunehmen, ihre Ursachen und Ziele zu analysieren und zu relativieren und sich, darauf basierend, für Handlungen zu entscheiden, die der gegenwärtigen Situation tatsächlich angemessen sind – also weder langfristig zu resignieren noch zu überreagieren –, ist, wie ich nach einem Jahr intensiver Therapie sagen kann, enorm anstrengend und zeitaufwendig. Es hilft, gut vorbereitet zu sein.

Deshalb hier eine kurze Anleitung fürs Aufgeben:
1.

Das Gefühl zulassen – es ist wie eine Welle. Es hat viel Kraft, aber es beruhigt sich auch immer wieder.

2.

Die richtigen Bedingungen zum Fühlen schaffen: Sei es ein Spaziergang allein im Wald, ein Tagebuch zum Frust-Rausschreiben oder ein verzweifelt-wildes Tanzen in der Küche – mir persönlich hilft »Harry Potter« lesen oder Rennrad fahren zu Rockmusik am meisten.

2.1

Sich selbst am besten kennen und dementsprechend Punkt 2 vorbereiten.

3.

Das Gefühl analysieren – Was hat es ausgelöst? Welche Erinnerungen weckt es in mir? Ist die Stärke der Emotion dem Auslöser angemessen? Wovor will es mich warnen oder schützen?

Und, am wichtigsten:

4.

Sich mitteilen, ausdrücken und öffnen.

Das ist eine Einladung. Wir sind soziale Wesen und ziehen als solche Vertrauen, Selbstbewusstsein und Zuversicht aus dem Interagieren und Kommunizieren miteinander. Lasst uns übers Aufgeben reden, schreiben, singen, malen – und daraus Veränderung und neue Wege entstehen lassen.

Baro Vicenta Ra Gabbert

Von der Kunst, frustriert zu sein

Der Angst sollen wir uns stellen, die Trauer trösten, die Wut abreagieren. Und den Frust? Den sollen wir tolerieren, dulden, ignorieren. Geht das nicht besser?

Die Nespressokapsel-Revolution

Gedimmtes Licht, glänzende Visitenkarten, sprudelnder Aperitif. Und deswegen, liebe Anwesende, ist es in besonderem Maße an der Zeit, dass auch wir unseren Beitrag dazu leisten, die Gesellschaft in ihrer sozial-ökologischen Transformation zu begleiten.

Betretene Blicke, Applaus, Rotwein. Wir finden es beeindruckend, wie Sie und die anderen jungen Menschen sich einsetzen. Wirklich. Wir finden das Klima auch wichtig. Wir haben in unserer Kanzlei gerade erst unsere Nespressokapseln durch Filterkaffee ersetzt. Und einige Kollegen nehmen jetzt den Zug statt des Fliegers – obwohl der zwei Stunden länger braucht! Womit wir unser Geld verdienen? Äh, ja, wir sind ja Dienstleister, wir bearbeiten nur, was nachgefragt wird, und was nachgefragt wird, suchen wir uns nicht aus. Können Sie sich vorstellen, später mal bei uns zu arbeiten? Ich beiße mir auf die Lippe und werde später meine Aktentasche in die Ecke meines WG-Zimmers werfen. Sie haben Klimakrise nicht verstanden, immer noch nicht.

Das muss doch reichen

Lautsprecher, bunte Plakate, Sneaker neben Anzug, gleißender Sonnenschein im September. Für viele um mich herum ist es die erste Demo. Gemeinschaft erzeugt für einen Moment so etwas wie Hoffnung. Millionen Menschen auf der Straße. Weil ihr uns die Zukunft klaut. So viele, so laut, das muss doch reichen. Dann eine Push-Nachricht auf meinem Smartphone: »Klimakabinett stellt geplantes Klimaschutzgesetz vor«. Erste Einordnungen: Hätte man auch gleich bleiben lassen können. Die Stimmung kippt. Menschen um mich herum fangen an zu weinen, fragen mich, was man gegen eine Regierung tun kann, die die Massen, kommende Generationen und ihre eigenen Verträge einfach ignoriert.

Frust, mein treuer Begleiter

Auf der Klima-Demo macht es sich überall um mich herum breit. Beim Klima-Dinner vor allem in mir selbst. Dieses lähmende Gefühl, bei dem ich mich klein fühle, unverstanden, allein, machtlos. Als hätte ich alles falsch gemacht oder zumindest zu wenig richtig. Die Botschaft scheint nicht angekommen zu sein, und ich bin für einen Moment gefangen, irgendwo zwischen »Vielleicht bringt das alles nichts?« und »Irgendwer muss es ja versuchen!«.

Ich bin Baro. Juristin und Klimagerechtigkeitsaktivistin. Und Frust ist mein treuer Begleiter.

Ich bin frustriert. Davon, dass sich viel zu wenig, viel zu langsam ändert. Von leeren Versprechungen und davon, dass viel zu viele meinen, um die Klimakrise müssten sich erst mal die anderen kümmern. Ich bin so frustriert, dass ich eine Telefonliste mit Menschen habe, die ich nacheinander anrufe, wenn ich es wieder einmal nicht aushalte.

Bitte nicht so ungeduldig

Die Menschheit ist – mit Glück – noch zwei Legislaturperioden und die nächste Generation kapselfreier Kaffeemaschinen davon entfernt, eine unkontrollierte Kaskade an Klima-Kipppunkten auszulösen. Daraus könnte schon kurz darauf nicht weniger als der Zusammenbruch des Weltklimasystems, wie wir es kennen, resultieren.

Hervorgerufen durch eine Lebensweise, die kommende Generationen ihrer Freiheiten berauben wird. Und einem Wirtschaften des globalen Nordens auf Kosten der MAPA – der most affected people and areas. Letztere haben kaum zu der Misere beigetragen, gleichwohl bekommen sie deren Konsequenzen schon jetzt und ungleich drastischer zu spüren als die Verursacher*innen. Wir befinden uns inmitten der größten globalen Ungerechtigkeit der jüngeren Geschichte.

Man dürfte meinen, Klimafrust sei allgegenwärtig und die ökologische Transformation breite sich durch alle Bereiche und Berufe hinweg rasant aus. Stattdessen beißt sich eine Jugendbewegung die Zähne daran aus, wirtschaftlichen und politischen Verantwortungsträger*innen zuzurufen, dass ihr business-as-usual nicht die Lösung ist. Und muss sich dafür anhören, dass sie doch bitte nicht so ungeduldig sein solle.

Zwischen Geschäften und Gutenachtgeschichte

Die einen stehen also weinend vor den Parlamenten, während andere sich bei einem Glas Rotwein ernsthaft mit der Kaffeekapsel-Revolution ihres Unternehmens rühmen. Woher nehmen Letztere ihre Gelassenheit?

So verbesserungsbedürftig die Klima-Berichterstattung ist – an Unwissenheit wird es kaum mehr liegen dürfen. Sind sie alle so alt, so wohlhabend, so abgesichert, dass sie sich damit zufriedengeben; die Folgen des Klimawandels werden sie schon nicht treffen? Sind ihnen Menschen egal, solange ihre Zahlen stimmen? Einigen vielleicht. Aber die meisten bewegt der Klimawandel zumindest an irgendeinem Punkt sehr wohl: der Zustand des Waldes, die aussterbenden Tierarten, die eigenen Kinder. Ganz kalt lässt die drohende Katastrophe nur wenige.

Wie – um Himmels willen – ist es möglich, tagsüber fossilen Energieunternehmen zu ein paar weiteren Jahren klimafeindlicher Geschäfte zu verhelfen und sich bei der Gutenachtgeschichte um die Zukunft der Welt zu sorgen, in der die eigenen Kinder einmal groß werden sollen?

Keine Zeit für Frust

Weil es schwer ist, in Verantwortungspositionen zu gelangen, wenn man zu viel Zeit mit Frust verbringt.

Karriere macht stattdessen, wer sich auf das Wesentliche konzentriert. Und dafür ab und an seine Komfortzone verlässt. Nur ist das Wesentliche eher die Jahresbilanz als der Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Die Komfortzone darf daher gerne kurz verlassen werden, um eine andere Kaffeemaschine zu kaufen. Ein längerer Ausflug, bei dem die eigenen Geschäftsmodelle in Frage gestellt werden, ist nicht so gern gesehen.

Frust lenkt also nur vom Wesentlichen ab, führt zu nichts und gilt als unprofessionell. Frustriert von der neuen Akte auf ihrem Schreibtisch? Stellen Sie sich nicht so an! Frustriert von miserablen Ausbildungsbedingungen? Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Frustriert von der Klimakrise? Konzentrier dich lieber auf die Schule!

Sie nennen es Frustrationstoleranz. Frustrationsignoranz würde es besser treffen.

Kein Wunder also, dass gerade diejenigen, die am meisten verändern könnten, die Fähigkeit perfektioniert haben, Frustrierendes aus ihrem Bewusstsein zu verbannen. Und so verbringen sie ihre Tage damit, Erkenntnisse rund um die Klimakrise zu ignorieren und sich weiterhin beharrlich gerade denjenigen Geschäften zu widmen, die diese erst hervorgebracht haben. Frustrationsignoranz ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Die Klimakrise ist schon so weit eskaliert, dass kein Weg mehr an Frust vorbeiführen wird. Die Frage ist nur, wer ihn trägt. Und wer wie viel Frust trägt, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Ähnlich wie das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, dass wir unser verbleibendes CO2-Budget gerecht verteilen müssen, sollte sich eine Gesellschaft auch darum kümmern, Frust gerecht aufzuteilen. Global und so schnell wie möglich.

Jeder Tag, an dem sich nun gerade unsere wirtschaftlichen und politischen Verantwortungsträger*innen nicht dafür entscheiden, die großen Transformationen unserer Zeit anzupacken, lässt den Frust-Berg, dem sich andere stellen werden müssen, wachsen. So professionell business-as-usual wirken mag: In der Klimakrise ist wenig noch unprofessioneller, als den eigenen Frust über den Zustand der Welt einfach zu ignorieren.

Richtig frustriert sein